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Hermines achtes Schuljahr

KurzgeschichteAllgemein / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
01.04.2021
11.10.2021
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Die Party war laut und wild. Der Alkohol floss in Strömen und Hermine genoss das Gefühl der Losgelöstheit, der Unbeschwertheit, das sie schon so lange nicht mehr gespürt hatte. Hatte sie es überhaupt jemals gespürt, seit sie damals nach Hogwarts gekommen war? Stets war sie getrieben gewesen von ihrem Wunsch, sich zu beweisen, von ihrem Wissensdurst und ihrem Drang, alles über Magie zu lernen. Dazu kamen die zahllosen Abendteuer, die sie mit ihren Freunden erlebt hatte und die Gefahren, die ihr Leben bedroht hatten.

Aber jetzt, im offiziell achten Schuljahr, das sie zusammen mit ihren Freunden in Hogwarts nachholte, nachdem dieses endlich wieder in seinem altehrwürdigen Glanz erstrahlte, fühlte sie sich endlich unbeschwert und frei. Noch immer war sie getrieben von ihrem Wunsch zu lernen und ihrem Drang nach Bestnoten. Aber sie gestattete sich auch, loszulassen und Spaß zu haben.

Endlich war der Krieg vorbei, sie alle hatten so viel Schreckliches erlebt, das ihnen noch immer nachhing.

Wie oft waren sie dem Tod nur um Haaresbreite entkommen?

Sie hatten sich definitiv verdient, Spaß zu haben und zu leben. Und das taten sie alle, seit sie wieder in Hogwarts waren und das tat auch Hermine.

Die zurückgekehrten Schüler der achten Klasse bewohnten einen eigens angebauten Flügel des Schlosses, wo sie jeder ein Einzelzimmer und einen riesigen Gemeinschaftsraum hatten. In diesem feierten sie jedes Wochenende ausschweifende Partys.

So auch an diesem Wochenende. Sie waren gerade erst vom Halloweenfest in der Großen Halle gekommen und feierten jetzt in ihrem Gemeinschaftsraum weiter, einige Siebtklässler waren ebenfalls anwesend und der Alkohol floss in Strömen.

Hermine beobachtete belustigt, wie Lavender Brown mit Terry Boot auf einem der Sofas wild tanzte.

Seit die Achtklässler alle zusammen in einem Gemeinschaftsraum lebten gab es keine Hausrivalitäten mehr zwischen ihnen. Ganz am Anfang, in den ersten Wochen, war es seltsam gewesen, morgens einem Slytherin oder einer Ravenclaw über die Füße zu stolpern, aber nach einigen Partys und vorsichtigen Annäherungsversuchen hatte sich eine nette Gemeinschaft gebildet.

„Wir brauchen Nachschub!“, schrie Ron plötzlich laut und wedelte mit einer leeren Feuerwhisky Flasche.

„Und ich hab HUUUUUNGER!“, rief Neville, der halb bekifft kopfüber auf einem der Sofas lag und kicherte. „Huuuuuuunger!“

„Okay, wer geht in die Küche?“, rief Harry herausfordernd.

Hermine, die noch einigermaßen nüchtern war, zumindest nüchtern genug um geradeaus zu laufen, meldete sich freiwillig, zusammen mit Ginny und Draco.

Sie schlichen also fast lautlos durch den Kerker, Hermine hatte die Karte des Rumtreibers fest vor ihre Augen gepresst und sie schafften es unbehelligt und leise kichernd bis in die Küche, wo sie Alkohol und so viele Snacks, wie sie tragen konnten, stibitzen wollten.

Als Hermine ihre Taschen bis zum Rand vollgestopft hatte, wandte sie sich zu Ginny und Draco um und seufzte genervt auf. Die beiden lagen wild knutschend auf einem der Haustische mitten in der Küche. Sie ließen sich nicht von Hermines genervtem Gezischel stören. Draco wedelte lediglich mit der Hand um ihr zu bedeuten, dass sie nicht stören sollte.

„Bitte schön, ich gehe. Seht zu, wie ihr alleine zurückkommt.“, zischte Hermine wütend und rauschte aus der Küche.

Warum konnten die beiden nicht in ihrem eigenen Zimmer miteinander rummachen, wieso mussten sie das vor den Augen aller tun? Sie spürte die Eifersucht in sich toben. Nicht auf Draco oder Ginny, sondern auf das, was die beiden miteinander hatten. Sie hatten einander, konnten sich aneinander festhalten und wärmten sich des Nachts das Bett. Hermine wünschte sich auch jemanden, der sie in der Nacht festhielt und ihre Albträume vertrieb.

Sie hatte es zuerst mit Draco probiert. Optisch hatte er ihr schon immer gefallen und seit dem Ende des Krieges war er fast wie ein anderer Mensch, geläutert und reuevoll hatte er sich bei allen für seine Rolle im Krieg entschuldigt.

Wobei er in der Endschlacht auf ihre Seite gewechselt war und Harry einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen Voldemort eingeräumt hatte. Das hatte Hermine ihm nicht vergessen.

Aber sie und Draco waren nicht wirklich kompatibel, auch wenn der Sex mit ihm hervorragend gewesen war.

Ron kam nicht mehr in Frage. Er war ihr zu jungenhaft, fast schon rüpelig und viel zu unreif.

Sie sehnte sich nach jemandem, der ihre Wünsche erfüllen konnte, nach starken Armen, nach jemandem, der wusste, was er tat.

Auch Harry war nicht der richtige Kandidat gewesen, vor allem nicht, da er sich durch sämtliche Betten in Hogwarts schlief, ganz egal ob männlich oder weiblich.

Seine Nahtoderfahrung hatte ihn ebenso rastlos gemacht wie Hermine. Sie teilten in manchen Nächten, wenn sie sich beide schrecklich einsam fühlten, das Bett, aber mehr würde nie aus ihnen werden können. Auch wenn Harry immerhin reifer war als Ron und schon viel Erfahrener. Aber es reichte ihr nicht.

Noch bevor sie die Schritte hinter sich vernahm wusste sie instinktiv, dass sie nicht mehr alleine war. Ihre Sinne waren stets in Alarmbereitschaft, eine Eigenschaft aus dem Krieg, die sie einfach nicht mehr ablegen konnte. Sie war so gedankenverloren gewesen, dass sie vergessen hatte die Karte zu checken. Sofort zog sie ihren Zauberstab und leuchtete kampfbereit in den dunklen Gang hinter sich.

„Draco? Ginny?“, wisperte sie leise in die Dunkelheit.

„Ich fürchte nein, Miss Granger!“, sagte eine ihr nur allzu bekannte Stimmte drohend und sie quiekte erschrocken auf, als ausgerechnet Severus Snape in das Licht ihres Zauberstabs trat. Groß, dunkel, die Augenbrauen drohend zusammengezogen blickte er auf sie herunter.

‚Er ist groß! Und stark!‘, schoss es ihr unwillkürlich durch den Kopf und ihr wurde mit einem Mal ganz heiß.

Schon immer hatte sie eine Schwäche für Snape gehabt. Sie hatte sich in seinem Unterricht immer besonders angestrengt, nicht nur um gute Noten zu erzielen, wie bei den anderen Lehrern, sondern auch, um ihm zu gefallen.

Aber es hatte nie gereicht. Sie war nur die nervige Besserwisserin für ihn gewesen, das dumme Schulmädchen, das mit Harry Potter befreundet war.

Seit dem Ende des Krieges und seiner eigenen Nahtoderfahrung war er bei weitem nicht mehr der gemeine, bösartige Snape, der er vorher gewesen war. Seiner Stimme fehlte meist der fiese Biss, der einem einen Stich versetzen konnte und er ließ keine Beleidigungen mehr fallen. Sie hatte sogar schon das ein oder andere Lob von ihm gehört und er verteilte und zog einigermaßen gerecht Hauspunkte ab, auch wenn er noch immer seine Slytherins bevorzugte.

Seit sie wieder in Hogwarts war, hatte sich ihre Schwäche für Snape in eine zärtliche Zuneigung gewandelt, die sie natürlich niemals zugeben würde. Manchmal ertappte sie sich in seinem Unterricht dabei, wie sie ihn anstarrte und sich jede seiner Bewegungen einprägte, obwohl sie sich noch immer größte Mühe gab, ihm zu gefallen und die besten Ergebnisse zu erzielen. Aber es fiel ihr oft schwer, sich zu konzentrieren.

Sie fand sich selbst peinlich, dass sie für ihren Lehrer schwärmte, der jahrelang gemein zu ihr gewesen war, trotzdem konnte sie nicht aufhören über ihn nachzudenken. Sie war sich sicher, dass er oft nur so gemein gewesen war, um seiner Rolle als Spion für Dumbledore gerecht zu werden.

„Oh … Professor Snape.“, hauchte sie jetzt etwas erschrocken. Warum musste ausgerechnet er sie hier erwischen?

„Sie sind spät unterwegs, Miss Granger. Gerade von Ihnen hätte ich diesen Regelbruch nicht erwartet.“, schnarrte er streng.

„Ich – ich …“ Sie schluckte und wusste nicht, was sie sagen sollte. Offenbar hielt er sie noch immer für das brave Schulmädchen, das sie eigentlich nie gewesen war. Andererseits wusste er vermutlich auch nicht, wie viele Regeln sie in ihrer Schulzeit tatsächlich gebrochen hatte.

Sie seufzte und gab sich Mühe, ihre Stimme fest klingen zu lassen, der Alkohol verlieh ihr zusätzlichen Mut, wenn er sie auch leicht schwanken ließ.

„Ich war nur kurz in der Küche, Professor.“, sagte sie dann mit fester Stimme und er hob eine Augenbraue.

„Zu dieser nachtschlafenden Zeit?“

Sie zuckte die Schultern und lächelte ihm verschmitzt ins Gesicht.

„Wenn eine Frau Gelüste hat, muss sie diesen nachgehen.“

Sie legte besonders Wert auf die Betonung des Wortes Frau, doch Snape verzog lediglich spöttisch das Gesicht.

„Ist das so?“

„So ist es. Und jetzt gehe ich zurück in meinen Gemeinschaftsraum. Gute Nacht, Professor Snape.“

Sie zwinkerte ihm zu, drehte sich um und marschierte mit heftig klopfendem Herzen davon. Sie erwartete, dass er sie zurückpfeifen würde, ihr Hauspunkte abziehen oder Nachsitzen aufbrummen würde. Aber nichts geschah. Als sie sich an der Ecke nochmal umdrehte stand er noch immer dort in der Dunkelheit, nur seine Umrisse waren in dem leichten Mondlicht zu erkennen und er schien ihr nachzustarren. Erschaudernd rannte sie den Rest des Weges zum Gemeinschaftsraum.

Ginny und Draco waren bereits zurück und fragten sie lachend wo sie so lange gewesen war, aber sie verschwieg ihr kleines Zusammentreffen mit ihrem Professor. Warum hatte er sie nicht getadelt? Es hatte weh getan, dass er über ihre Aussage, eine Frau zu sein, nur spöttisch lächeln konnte. Und wenn sie nur an seinen dunklen Blick dachte breitete sich sofort eine Gänsehaut an ihrem ganzen Körper aus.

Sie wollte nicht mehr darüber nachdenken und goss sich schnell ein großes Glas Feuerwhisky ein.


Am Montagmorgen waren der gesamte achte Jahrgang und auch einige Siebtklässler immer noch erschöpft. Sie hatten das Wochenende über gefeiert, auch am Sonntagabend hatten sie getrunken und getanzt, wenn auch nicht so exzessiv wie am Samstagabend.

Hermine war die einzige, die Sonntag recht früh zu Bett gegangen war. Allein und einsam hatte sie in ihrem Bett gelegen und an die dunklen Augen gedacht, die auf sie herabfunkelten.

Auch beim Frühstück suchte sie nach den Augen, die sie bis in ihre Träume verfolgt hatten, die Augen, die sie so oft in ihren Albträumen hatte sterben sehen. Als sie den Blick hob blickte sie direkt in ebendiese dunklen Augen, die sie eingehend betrachteten. Ein wohliger Schauer überlief ihren Körper, als sie merkte, dass er sie anstarrte. Doch kaum hatten sich ihre Blicke getroffen hatte er seinen Blick wieder seinem Teller zugewandt. Den Rest des Frühstücks sah er nicht mehr in ihre Richtung und sie spürte seltsamerweise eine Art Enttäuschung.


Erst am Dienstag hatte sie wieder eine Doppelstunde Zaubertränke bei Professor Snape. Er war nach seiner Rückkehr an die Schule zu seinem alten Job zurückgekehrt, da Professor Slughorn zurück in den Ruhestand hatte gehen wollen und Hermine war froh darum gewesen, denn sie bewunderte Snapes Kenntnisse der Zaubertrankkunst und sie fand Slughorn zu anstrengend.

Snape beachtete sie auch im Unterricht nicht weiter, behandelte sie, wie er sie schon seit ihrer Rückkehr an die Schule behandelt hatte, aber ihr fiel auf, dass er öfter in ihre Richtung blickte, als nötig. Oder bildete sie sich das nur ein?

Sie konzentrierte sich auf den Trank, den sie heute braute, denn sie wollte nur Bestnoten bei ihm abliefern und tatsächlich war ihr als Einzige ein perfekter Trank gelungen.

Snape nickte anerkennend in ihren Kessel und gab ihr 20 Punkte dafür, so viel wie noch nie. Als sie erschrocken aufkeuchte, hob er seinen Blick und blickte sie spöttisch, fast überheblich an.

„Bleiben Sie nach dem Unterricht noch hier, Miss Granger.“

Nervös beobachtete Hermine, wie die anderen Schüler ihre Sachen packten und aus dem Kerker flüchteten. Harry legte ihr eine Hand auf die Schulter und Draco grinste sie mitleidig an, als er an ihr vorbei hastete und Harry spaßeshalber in die Schulter boxte.

Snape stand hinter seinem Pult und ordnete die nicht benutzten Zutaten wieder an ihren Platz, als Hermine sich räusperte, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es war ihr ungeheuer unangenehm, mit ihm alleine in einem Raum zu sein, vor allem nach dem sie am Wochenende so frech zu ihm gewesen war. Würde er sie jetzt nachträglich tadeln?

„Schließen Sie die Tür.“, sagte er tonlos, ohne sich umzudrehen und sie gehorchte hastig. Dann drehte er sich endlich um und kam auf sie zu. Sie beobachtete jede seiner Bewegungen, die flüssig und zielgerichtet waren. Sie schluckte und schon wieder wurde ihr unangenehm warm in der Bauchgegend.

„Nun, haben Sie ihren unersättlichen Hunger stillen können, Miss Granger?“, fragte Snape spöttisch und sie blickte entsetzt auf, ob der Zweideutigkeit seiner Worte. Hatte er das gerade so gemeint, wie sie es verstanden hatte oder waren ihre Gedanken nur schrecklich unanständig.

„Ich – nein. Ich bin stets unersättlich.“, gab sie schließlich zurück und fragte sich, was sie da gerade sagte.

Snape hob amüsiert eine Augenbraue.

„Was brauchen sie denn, um ihren Hunger zu stillen?“, fragte er süßlich und es kam Hermine fast so vor, als kannte er ihre Gedanken, ihre unermüdliche Suche nach mehr.

„Das weiß ich erst, wenn ich es gefunden habe, Sir.“, wisperte sie fast und mied seinen Blick, der sich in sie hineinzubohren schien. Ihr fiel ein, dass er ein hervorragender Legilimentiker war und gab sich Mühe, ihre Gedanken vor ihm zu verstecken, auch wenn sie nicht wusste, ob er versuchte, in ihre Gedanken einzutauchen.

„Nun denn. Ich habe sie hierbehalten, weil ich ihnen zu ihrem Talent im Zaubertränkenbrauen gratulieren will. Sie sind wirklich außerordentlich begabt.“

Jetzt hob sie doch den Blick und sah ungläubig in diese vermaledeiten dunklen Augen, die sie betrachteten. Sein Blick war so offen und ehrlich, wie sie ihn noch nie erlebt hatte und sie schluckte mühsam.

„Vielen Dank Professor Snape. Das bedeutet mir sehr viel, dass sie das sagen.“

Er schnaubte. „Sie sollten nicht so viel auf die Meinung anderer geben, Miss Granger. Ihre eigene Meinung ist die einzige, die für sie zählen sollte.“

Sie schmunzelte leicht. „Da haben sie natürlich Recht, Professor, aber so einfach ist das nicht immer. Die Meinung meines Professors ist mir durchaus wichtig.“

Vor allem Ihre, aber sie traute sich nicht, das noch hinzuzufügen.

Er hob einen Mundwinkel, fast als wollte er grinsen.

„Gedenken Sie, ihr Talent zu nutzen?“, fragte er dann.

„Sie meinen, ob ich eine Ausbildung in Zaubertränke anstrebe? Ich bin mir noch unsicher, was ich nach der Schule tun möchte, Sir, aber ich habe es in Betracht gezogen.“

„Falls sie Interesse haben, und ich biete das nicht jedem Schüler an Miss Granger, wäre ich bereit, sie im Bereich der Zaubertränke persönlich weiterzubilden. Wir könnten mit Tutorstunden anfangen. Bis zu ihrem Abschluss könnten sie bereits in der Lage sein, eine Meisterausbildung abzulegen.“

Sie starrte ihn sprachlos an und suchte nach Worten. Das Angebot kam überraschend, aber der Gedanke, von ihm zu lernen, gefiel ihr. Und es würde ihr gefallen, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Dieser Gedanke erschreckte sie wieder etwas.

Ihr fiel auf, dass er sie interessiert beobachtete und wurde rot.

„Ich denke sehr gerne über ihr Angebot nach Professor, das ist äußerst großzügig und sehr … reizvoll.“

Sie hatte das Wort mit einem gewissen Nachdruck ausgesprochen. Snape’s Augen weiteten sich fast merklich und sie schmunzelte innerlich. Er hatte die Zweideutigkeit ihrer Worte bemerkt.

Er richtete sich gerade auf und strich unnötigerweise seine schwarze Robe glatt.

„Teilen Sie mir ihre Entscheidung Ende der nächsten Woche mit, Miss Granger. Auf Wiedersehen.“

Ohne weitere Worte rauschte er aus dem Klassenzimmer und ließ sie zurück. Sie fächelte sich Luft zu. Warum wurde ihr in seiner Anwesenheit so warm?


Sie debattierte die ganze Woche mit sich, ob sie das Angebot annehmen wollte oder nicht. Normalerweise würde sie die Möglichkeit, mehr zu lernen, niemals ablehnen, andererseits würde sie dann viel Zeit alleine mit Snape verbringen und sie wusste nicht genau, wie sie sich bei dieser Vorstellung fühlen sollte. Sie bekam weiche Knie und gleichzeitig Angst.

Er ist dein Professor Hermine, er will dir nur helfen, da ist nichts dabei. Er würde dich sowieso nie SO sehen, also was soll‘s?

Auch als sie am Wochenende mit den Anderen zum Quidditch-Platz hinunterging, wo das Spiel zwischen Gryffindor und Slytherin stattfinden würde, hatte sie sich noch immer nicht entschieden. Harry hatte sich in diesem Jahr vom Quidditch zurückgezogen, er spielte nur aus Spaß mit den anderen Achtklässlern an manchen Wochenenden und so saß er jetzt zwischen Ron und Hermine und debattierte mit Ron fleißig den Ausgang des Spiels, während Hermine ihre Augen über die Ränge schweifen ließ, bis sie fanden, was sie suchten.

Er trug einen grünen Slytherinschal, der Wind zerzauste seine Haare und er unterhielt sich gerade angeregt mit Minerva McGonagall. Als ob er merken würde, dass er beobachtet wurde, sah er plötzlich auf und begegnete ihrem Blick. Er ließ keine Reaktion erkennen, aber er hielt den Blick eine Weile, bevor er schließlich wieder weg sah und Hermine ihre Aufmerksamkeit mit heftig klopfendem Herzen auf das gerade beginnende Spiel richtete.

In dem Moment beschloss sie, das Angebot anzunehmen. Es wäre dumm von ihr, es nicht anzunehmen, sie könnte so viel lernen. Und sie wollte mehr Zeit mit ihm verbringen, sie wollte herausfinden, wer hinter der eisernen Maske steckte.
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