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More than a feeling

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Genevieve Cortese Jared Padalecki Jensen Ackles Misha Collins
31.03.2021
04.05.2021
9
28.897
3
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Dieses Kapitel
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04.05.2021 3.277
 
Ich starrte das Telefon an und war nicht fähig, abzunehmen. Darius warf einen Blick auf den Anrufer. „Vicky?“, fragte Darius und sah mich an. „Da solltest du vielleicht rangehen, immerhin geht es hier auch um ihren Ruf. Ich will nicht wissen, was los ist, wenn das ihr Mann raus findet“, sagte er.

„Ein berechtigter Einwand“, murmelte ich und nahm ab. Ein ganzer Schwall italienischer Flüche prasselte  auf mich ein, dann folgte auf englisch: „Du hast hoffentlich eine gute Erklärung für das was grade  im Netz kursiert, Misha Collins“

Ich schluckte.  „Nun, die Wahrheit ist, dass die Produzenten der Serie offensichtlich mein Leben zerstören wollen“

Lass ich grade noch gelten“, sagte sie, „Ich weiß nicht, was zwischen dir und deinem Freund vorgefallen ist, aber was hab ich mit der ganzen Sache zu tun? Hast du keine anderen Frauen in deinem Leben? Es tut mir  auf jeden Fall leid, aber das ist eine Katastrophe. Mein Mann hat mich deswegen vor die Tür gesetzt

„Das tut mir leid“, was anderes brachte ich nicht über die Lippen.

Schon in Ordnung, er war ein herrschsüchtiges Arschloch. Wo bist du grade? Vielleicht kann ich deinen Produzenten mal ordentlich einheizen“, schlug sie vor.

„Vancouver … aber was hast du vor? Willst du von Saló nach Kanada kommen?“,  fragte ich und lachte trocken auf.

Ja, warum nicht? Irgendwer muss da doch mal einschreiten, du scheinst ja nichts zu tun, um dich zu retten. Und du bist mir echt ans Herz gewachsen. Und zur Not spiel ich sogar deine Braut. Wenn du das auf dir sitzen lässt, reitest du dich weiter in den Abgrund. Und das mein ich wörtlich.

„Von Bozen bis hierher sind es locker siebzehn Stunden Flug“, sagte ich, das andere ignorierend. Ich wusste, das sie recht hatte, aber das wollte ich mir nicht eingestehen.

Ich buch mir den Flieger und wenn ich in Kanada bin, setzen wir uns zusammen und reden, okay? Ich kenn dich zwar kaum, aber die kurze Zeit in der wir uns gesehen haben, hab ich gesehen, wie zerbrechlich du  hinter deiner Fassade bist. Ich habe Angst, dass du dir etwas antust, wenn sich die Lage weiter zuspitzt. Und sag den Leuten, die euch erpressen, erstmal nicht, das ich komme. Ich nehme an, du bist immer noch im  Streit mit deinem Lover?

„Naja, nicht direkt. Mein bester Freund hat mich wieder mit ihm zusammengebracht. Aber alles gekittet ist zwischen uns trotzdem nicht. Ich …  ich freu mich, dass du kommen willst. Ich hab dich  auch echt gern“

„Jetzt wird mal nicht romantisch, du weißt, wem mein Herz gehört., ermahnte sie mich. Ich musste lachen. „Schon in Ordnung. Meld dich, wenn du weißt, dass das mit deinem Flieger klappt, dann besprechen wir alles andere“

„Okidoki“, mit diesen Worte legte Vicky auf. Ich schlug mir  mein Handy gegen die Stirn. „Scheiße“, murmelte ich, „das kann doch alles nicht wahr sein“

„Kommt sie vorbei?“, fragte Darius. Ich nickte. „Ihr Mann hat sich deshalb von ihr getrennt“

„Oh“, machte Darius nur, „wie lange sind die denn bitte schon im Umlauf, wenn sie jetzt schon Europa erreicht haben?“

„Ach, das ist doch übers Netz heutzutage keine große Sache. Wie du weißt trende ich auf Twitter manchmal nur durch meine bloße Existenz“, antwortete ich und orderte bei der jungen Kellnerin noch einen Schnaps. Darius beäugte mich skeptisch. „Fang bitte nicht wieder mit dem Saufen an. Hast du vergessen, was das letzte Mal alles passiert ist? Du warst so dicht, das dir dein Gehirn einen Streich gespielt hat. Willst du, dass das wieder passiert?“, fragte er leise und blickte mich vorwurfsvoll an.

Ich grummelte irgendwas  unverständliches. „Deine Flugtickets … Meinst du, die kannst du erstmal stornieren? Kann sein, dass ich dich hier doch noch brauche. Spätestens heute Abend, wenn mich Jensen wieder hasst“

„Sag doch sowas nicht, er wird dich nicht hassen. Und wenn doch, dann weißt du, dass er es nie ernst mit dir gemeint hat“

„Sehr beruhigend“,, murmelte ich, „vielleicht ist es wirklich besser ich werfe das Handtuch. Dann scheinen hier alle glücklicher“

Darius nahm erneut meine Hand. „Sie hassen dich nicht. Ich jedenfalls habe gestern auf der Party nur gutes über dich gehört. Wer dich hasst, sind die Produzenten und Writer, weil du  einfach ein  größeres Talent hast als der Rest und die Show mehrmals gerettet hast, als es am seidenen Faden hing. Die Leute lieben dich, Misha. Und das weißt du“, erzählte Darius.

Ich lachte auf. „Wundert mich ein bisschen, ich lieb ja nicht mal mich selbst“, ich stand auf und ließ Darius‘ Hand los. „Ich muss zurück ins Hotel. Allein sein“, murmelte ich, trank den Schnaps aus und machte mich allein auf den Rückweg zum Hotel.



Es war ungefähr gegen elf, als ich vor meinem Zimmer ankam.  Ich legte die Lederjacke auf einem Stuhl ab und kramte aus meiner Koffer das Skript, in das ich seit Monaten nicht reingeschaut hatte. Ein paar Passagen konnte ich mir merken, viel war es eh nicht, als hätte man sich dazu entschieden, meinen Charakter wirklich zu streichen.

Ich blickte auf meine Armbanduhr. Drehstart würde erst in drei Stunden sein, bis dahin hatte ich noch Zeit, mich zu sammeln und eine Runde zu meditieren, damit mein Geist gereinigt ist, weg mit der negativen Energie der letzten Wochen rausschmeißen, um keinen von den Kollegen anzugehen.

Gerade als ich meine App dazu starten wollte, klopfte es an meiner Tür. Es war unser Klopfzeichen, allerdings klang es sehr wütend.

Ich öffnete. Vor mir stand allerdings nicht Jensen, sondern Danneel. Ohne mich ein Wort sagen zu lassen, stürmte sie an mir vorbei. Ich schloss die Tür.

„Was fällt dir eigentlich ein?“, fragte sie und blickte mich wutentbrannt an. „Was?“, fragte ich, lehnte mich an die Wand und stemmte die Hände in die Hüften.

„Deine Hochzeit  mit dieser Tussi am Gardasee? Ich fass es nicht, das du Jensen das antun konntest. Er hat mir erzählt, du hättest straight den Flieger nach LA genommen“, rief sie aus.

„Das hab ich auch!“, rief ich, willst du vielleicht als Beweis das Ticket sehen?“, fragte ich patzig. Mir war so klar, das mir kaum einer glauben würde. Die  Produzenten waren manipulative Mistkerle, die sich alles so drehten, wie sie es wollten. Und weil sie die großen, mächtigen Fernsehbosse sind, wird ihnen eher geglaubt, als Frauen die am Set begrapscht werden oder sonst irgendwas passiert. Das wird dann schön unter den Teppich gekehrt, damit die heile Welt in den Medien nicht zerstört wird.

„Ja, wer es glaubt. Du hast das bestimmt nur arrangiert, um Jensen noch mehr zu zerstören. Genau so wie du deinen Freund gevögelt hast und das nur, weil du Jensen nicht haben konntest. Ich habe genau verfolgt, was für Bilder du alles auf Twitter gepostet hast.“

Ich atmete ruhig aus. „Mit wem ich in meiner Freizeit Sex habe, geht dich überhaupt nichts an. Und ja, vielleicht hab ich mit Darius geschlafen, um Jensen eifersüchtig zu machen. Ich war verletzt, und in der Zeit wusste ich nicht, das er vorhat, mich ‚zurück zu erobern‘. Damals war er schwach. Er hat sich erpressen lassen, sich für die Karriere und gegen mich entschieden. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob ich ihm überhaupt glauben kann, was er gestern Abend gesagt hat. Große Liebesschwüre und am Ende wieder die Angst, fallen gelassen zu  werden. Wie in Italien“, erklärte ich ruhig, doch ich kochte innerlich.

„An diesem Set“, fuhr ich fort, „wird mir seit dem ich angefangen habe, das Leben systematisch zur Hölle gemacht. Meine Szenen werden gekürzt, ich bekomme weniger Geld, meine Gutmütigkeit wird ausgenutzt und als ich Jensen näher kennenlernte, hatte ich endlich das Gefühl, das jemand auf mich aufpasst. Er hat sich für mich eingesetzt, als sich Jared und die Writer auf Conventions vor einem breiten Publikum über mich lustig gemacht haben. Mich wundert es selber, das ich noch nicht aufgegeben habe. Ich hätte längst weg sein können, aber ich bin geblieben, wegen Jensen. Und deswegen hat es mich so verletzt, als er sich für die Produktion entschieden hat. Er hat mich verraten, und ich weiß nicht, ob  ich ihm das verzeihen kann“

Danneels Mimik hatte sich während meines Vortrags sehr gewandelt. Von verärgert, zu erstaunt bis hin zu verwirrt.

„“Dann …. Dann willst du behaupten, die Produzenten haben das mit den gefakten Bildern ausgeheckt?“, fragte sie, es klang als tat ihr ihre Anschuldigung von eben leid, aber sicher war ich mir nicht.

„Um mich nach dem Outing mit Jensen als untreuen Ehemann dastehen zu lassen. Ein Mädel heute hat mich fotografiert, als ich Darius zum Trost geküsst habe, und war drauf und dran, das Bild zu posten“

„Was hast du getan?“, fragte sie.  Ich räusperte mich. „Ich hab ihr Handy gegen die Wand geworfen und sie hat die Flucht ergriffen“

„Das macht es nicht besser, Misha“, entgegnete Danneel.

„Wie würdest du denn reagieren, wenn jemand ständig in deinem Privatleben rumschnüffelt? Ich hab die Schnauze voll davon. Und jetzt verschwinde bitte, ich muss mich auf den Dreh vorbereiten. Und von dem was ich gesagt habe, dringt nichts an die Öffentlichkeit, sonst vergesse ich mich. Kapiert?“, fragte ich, leise drohend. „Und vor allem: Kein Wort zu Jensen. Das ist eine Sache, die ich mit ihm allein klären muss“

„Hab schon verstanden“, sie schluckte und verließ mein Zimmer. Wütend starrte ich ihr hinterher. Vicky hatte recht, mir entglitt die Situation mehr und mehr und ständig tauchten neue Probleme auf, denen ich nicht mehr Herr werden konnte. So eine Scheiße.



Als ich am Set ankam, schien die Sonne am Himmel. Auf dem Gelände herrschte schon reges Treiben, viele meiner Kollegen und die Gastdarsteller waren auf dem Weg in die Maske oder zum Kostüm.

Ich  ging direkt zu meinem Trailer, der etwas abseits, aber leider Gottes direkt neben Jensens stand. Als ich eintrat, war das erste was ich tat, den geräumigen Wohnwagen auf Kameras zu durchsuchen. Aber Fehlalarm, es war weit und breit keine zu sehen. War ich zu paranoid?

Ich legte meine kleine Reisetasche mitten in den Raum und ließ mich auf das Bett fallen. Ich  war müde und erschöpft, nicht mal das meditieren hatte irgendwas gebracht. Fünf Minuten hatte ich Ruhe, dann klopfte es das erste Mal an meiner Tür. Genervt stöhnte ich auf und öffnete. Ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.  Es war Jensen, in der Hand hatte er zwei Kaffeebecher.

„Hier, ich bring dir ein bisschen Überlebenselexier für den Tag. Ich hab gesehen, wie  fertig du aussahst“, sagte er mit einem milden Lächeln und drückte mir den Kaffee in die Hand.  

„Danke“, erwiderte ich und nahm den ersten Schluck. Die heiße Flüssigkeit rann meine Kehle runter und verbrannte mich innerlich. Ich vermisste den Whiskey darin. „Kann mir keiner verübeln, bei dem was alles passiert ist“

Jensen senkte den Kopf und lächelte. Es war sein typisches Misha-Lächeln, das er hatte, immer wenn er von mir sprach oder an mich dachte. „Es tut mir leid, was alles passiert  ist. Du hast das nicht verdient und … und wenn du gehen willst, hab ich dafür völliges Verständnis. Ich hab mich verhalten wie der allergrößte Idiot“

Ich  sah ihn mit einem schiefen Lächeln an. „Du wurdest erpresst, und das mit höchst sensiblen Details aus deinem Privatleben. Und ich … ja, mir wurde einfach der Boden unter den Füßen weggerissen – das wars in dem Fall du – und die Schikane hier am Set bin ich ja gewohnt. Passiert ja nicht das erste Mal“, meinte ich. Ich hatte die Tür geschlossen und mich gegen die Spüle gelehnt.

„Die … die  Bilder mit der Hochzeit, die sind ein Scherz, oder?“, fragte Jensen schüchtern und sah mich an. „Natürlich. Die sind einfach nur, wahrscheinlich von den Produzenten, bearbeitet worden, um mein Leben zu ruinieren. Aber ich hab eine gute Nachricht für dich, Baby: Vicky hat das ebenfalls spitz gekriegt … und sie ist auf dem Weg nach Vancouver, um den Produzenten in den Arsch zu treten.. Sie ruinieren mit so einer Aktion nicht nur meinen guten Ruf sondern Vickys gleich mit.. Ihr Mann hat sie deswegen verlassen. Mann, war die geladen am Telefon“, meinte ich und nahm noch einen Schluck Kaffee.

Jensen lachte kichernd. „Ja, das die Frau ein ganz schönes Temperament hat, kann ich mir vorstellen. War, äh … war Danneel heute zufällig bei dir im Hotelzimmer?“, fragte er und kratzte sich verlegen im Nacken. Jensens Anwesenheit beruhigte mich ungemein und ich war gar nicht so sauer auf ihn,  wie ich vor Danneel behauptet hatte.

„Ja, war sie. Hat mir eine Predigt gehalten, darüber wie ich mein Privatleben zu führen habe. Sie scheint wohl  dich gar nicht so einverstanden gewesen zu sein mit Darius‘ Plan. Mir kommt sie ein kleines bisschen eifersüchtig rüber“, entgegnete ich und sah Jensen an. Er wirkte ziemlich nervös, als sein Handy klingelte. Er entschuldigte sich und verschwand in der Badezimmernische. Als er zurück kam, war er kreidebleich.

„Ist alles in Ordnung mit dir? Du zitterst ja!“, rief ich aus. Als er drohte, vor mir zusammen zu brechen, stellte ich den Kaffee ab und geleitete ihn stützend zum Bett.

„Die … die Aufnahmen sind bei meinen Eltern gelandet. Er hat das Video gesehen. Komplett“, seine Stimme  war kaum  mehr als ein  Flüstern. Ich schluckte.

„Mein Vater hasst mich doch ohnehin schon. Es gibt nichts demütigenderes als einen schwachen Sohn. Für ihn ist es schon schlimm genug, dass ich Schauspieler geworden bin. Und jetzt, wo ich mich mit Danneel verlobt habe, schien es als wär endlich wieder alles in Ordnung zwischen Dad und mir. Ich hab endlich meine Krankheit überwunden“, sagte er und verbarg sein Gesicht mit seinen Händen.

„Hey, hey. Komm mal her“, sagte ich und schlang meinen Arm um ihn.  „Du bist ein erwachsener  Mann und kein Teenager mehr. Es kann dir doch egal sein, was dein Vater von dir denkt“, sagte ich, auch wenn ihm diese Worte nicht wirklich weiter halfen. Jensen sorgte sich viel zu sehr um das, was andere von ihm dachten. „Vielleicht hat’s ihm ja sogar gefallen“, versuchte ich einen Scherz.

„Oh ja, ich bin mir sicher einen halben Porno mit seinem Sohn zu sehen, findet er bestimmt wahnsinnig toll“, antwortete er sarkastisch.

Ich lachte auf. „Aber das wichtigste ist doch, das wir wieder zusammen sind, hm? Was kümmert uns da die Meinung eines engstirnigen Texaners, der nur in schwarz-weiß und nicht in regenbogenfarben denkt“, antwortete ich und wischte ihm mit einem Hemdzipfel die Tränen von der Wange.

Plötzlich klopfte es erneut an der Tür. Ich stand auf. Vor mir stand, mit einem unfassbar dummen Grinsen auf  dem Gesicht: Jim Michaels. Schweiß brach aus mir aus und mein Herz raste vor Angst, als meine Erinnerungen den Traum wieder präsent wurden. „Was wird das?“, fragte ich und versuchte, ihm den Weg zu versperren. Doch der bullige Mann schubste mich grob beiseite. „Jensen Ackles“, seine Stimme klang  bedrohlich ruhig. „Was soll das werden?“

Jensen saß wie erstarrt auf meinem  Bett. Ich eilte zu ihm und stellte mich schützend vor ihn. „Aus dem Weg“, blaffte Michaels, packte mich bei der Schulter und ließ mich gegen die dünne Trailerwand krachen.

„Ich lass mich von euch nicht mehr erpressen!“, rief Jensen. „Misha und ich, wir sind … wir sind zusammen. Da können weder du noch Andrew was daran ändern“, sagte er. „Wir könnten ja auch mal zur Presse gehen. Mit allem, was ihr Misha seit Beginn von Staffel 4 angetan habt, wie die schwangeren Kolleginnen hier behandelt werden, das man sie zum Kaiserschnitt drängt, nur weil die Geburt des Kindes nicht in den Drehplan passt. Oder überhaupt der Umgang mit Minderheiten in der Serie. Charlie Tod … war es wirklich notwendig, sie so abzuschlachten?“, fragte Jensen drohend.

Ich richtete mich auch wieder auf und stellte mich unterstützend neben ihn.

„Das wagt ihr nicht.“, lachte Michaels nervös, „ihr … ihr blufft doch nur, ihr habt keinerlei Beweise dafür“

„Nein, noch nicht, aber es finden sich hier am Set bestimmt einige Zeugen“, erwiderte ich. „Und das mit der Wand eben hab ich nicht vergessen“

Michaels Lachen änderte sich von nervös  zu siegessicher. „Und ihr glaubt wirklich, das ihr Zeugen findet? Jeder Mensch ist erpressbar, jeder Mensch ist bestechlich. Mit einem gut gestreuten Gerücht hier und einer falschen Anschuldigung da, haben wir die Leute auch schneller auf meiner Seite als Misha die Anschuldigungen gegen uns twittern kann. Und dann habt ihr nichts mehr in der Hand und die Tapes andern an die Presse. Ach übrigens, Misha“, er wandte sich an mich, „die Hochzeitsbilder sind doch schön geworden, nicht? Warte ab, bis sich das Image des untreuen Ehemannes rumspricht, der grade heute im Café beim Knutschen mit einem Kerl erwischt wurde. Die Leute werden sich um die Story reißen. Und nun … einen angenehmen Dreh nachher“, flötete Michaels und verließ den Trailer.

Ich schlug mit der Faust auf die Küchenplatte und stieß einen wütenden Schrei aus.

„Beim Knutschen mit einem  Kerl? Ernsthaft?“, fragte Jensen und sah mich an.

„Jetzt guck mich nich so vorwurfsvoll an, Darius ist meine Jugendliebe und ich hatte immerhin eine schöne Zeit mit ihm. Der Kuss … das ist einfach so spontan passiert. Außer das wir gelegentlich Sex haben läuft nicht viel zwischen uns und Sex kann man bekanntlich auch haben, wenn man sich nicht liebt“, sagte ich, mit Wut in der Stimme. Wut auf Michaels, der alle Fäden in der Hand hatte.

„Schon okay, ich bin nicht sauer, wir sind ja nicht verheiratet oder so“, scherzte er, „und Darius ist voll in Ordnung“

„Beruhigend zu wissen, das du mir deshalb nicht gleich an die Gurgel gehst. Komm, jetzt lass uns in die Maske, wir haben nicht mehr lange bis Drehstart“

*

Natürlich war die erste Szene die wir nach monatelanger Pause endlich wieder drehten, eine getrennte Szene.

Castiel alleine, völlig verwirrt und mit dem Hunde-Angriffs-Zauber von Rowena verhext auf der Flucht vor sich selber. Das Zeug, was ich um die Augen getropft bekam, war ein bisschen unangenehm, aber ich kannte es noch aus den letzten Szenen.

Aus dem Skript wusste ich, was noch kommen sollte. Mein Charakter litt unnötig, wurde gefoltert und bekam zu guter letzt noch Nadeln in den Kopf gebohrt, und das von seinesgleichen. Ich hinterfragte schon gar nicht mehr den Sinn hinter den ganzen Gewaltszenen.  

Und um dann am Ende von einem Charakter gerettet zu werden, den die Fans nicht wirklich leiden konnte.

Aber ich ich hielt meine Klappe und quälte mich durch das anstrengende Shooting.

Wir schafften viel  an diesem Nachmittag, kamen sogar schon bis zu den Folterszenen. Meine Stimme wurde übermäßig stark strapaziert, durch das viele Knurren und Schreien.

Am Set wurde ich völlig normal behandelt den Tag über. Keine bissigen Kommentare, keiner ignorierte mich oder machte Witze. Alle machten ihren Job und gegen Abend hatte es sogar ein kleines bisschen Spaß gemacht.



Gegen 23 Uhr stand ich vor der Kulisse vom Bunker und wartete auf Jensen, der jeden Moment kommen müsste. Keine zwei Sekunden nach dem ich den Gedanken fertig gedacht hatte, kam er um die Ecke. Niemand war bei ihm, anscheinend hatte er extra gewartet bis alle gegangen waren.

„Du siehst ganz schön fertig aus, Kumpel“, meinte er und legte mir eine Hand auf die Wange und gab mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund.

„Naja, werd du mal den halben Tag gefoltert, das Schreien war echt gar nicht mal so ohne“, krächzte ich heiser.

„Dann  mach ich dir jetzt nen Kakao, vielleicht mit ’nem Schuss Baileys, irgendwas, was die Stimme wieder zart macht, was meinst du?“, flüsterte er mir ins Ohr und ich grinste. Er nahm meine Hand und zog mich durch die Dunkelheit des Geländes mit zu seinem Trailer.
Wie ich diesen Mann liebte.
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