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Wie das Leben von Leela funktioniert

von - Leela -
KurzgeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.03.2021
31.03.2021
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Projektanmerkung: Diese Geschichte wurde für den Jahreskalender 2020 von lula-chan geschrieben.
      Das Zitat für den 11. April 2020 war: "Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört." (Harry Potter)
      Schaut doch auch mal bei den anderen Tagen rein:
      10. April 2020: »Düstere Gedanken« von Eiche
      12. April 2020: »Gemeinsamkeiten« von lula-chan

Kommentar des Autors: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich zu dieser Geschichte vorab schreiben soll, ohne schon irgend etwas vorwegzunehmen, was ich gerade bei dieser hier eigentlich genau nicht möchte. Deswegen sage ich an dieser Stelle nur: Viel Spaß & Lesevergnügen, wünscht euch eure Leela. ♥



Wie das Leben von Leela funktioniert

Ich schalte den Wasserkocher an und gehe die Motive auf den mir zur Verfügung stehenden Tassen durch. Eddy, Zino, oder U.N.I.T… Ich entscheide mich für den Becher mit dem U.N.I.T.-Logo, mache mir eine Tasse Tee und setze mich an meinen Computer.
      Eine neue Geschichte ist dran. Ich muß noch unbedingt den 11. April für den Jahreskalender schreiben. Und ich habe schon eine vage Idee…
      Rasch rufe ich das Forum von Fanfiktion.de auf, suche noch einmal das Zitat heraus, das an dem Tag dran ist. Ich mache mir ein paar schnelle Notizen, während ich meinen Tee trinke.
      Anschließend packe ich meine Tasche. Ich brauche einen speziellen Ort, an dem ich mich wohl fühle, um die Geschichte zu schreiben. Hier zu Hause ist es mir gerade zu einsam. Und so verschwinde ich nur einen Moment später aus dem Haus, mit einem ganz bestimmten Ziel.

Alles begann im Clover. Das Clover ist ein ambientisches kleines Lokal, aber es ist auch etwas Besonderes: Denn das Clover kann man von überall her erreichen! Es ist sozusagen allgegenwärtig, und genauso kommt man von dort auch überall hin! Fast so, als wäre es ein Kreuzweg zwischen den Welten und Dimensionen.
      Kennen gelernt hatte ich das Clover in New York. Dort steht es in der gleichen Straße wie der Ghostbuster-Service. Eddy, Jake und Tracy gehen gerne dort essen und hatten sich schnell mit der Wirtin anfreundet, was nicht schwer fällt.
      Die Inhaberin ist Elaine Benton. Sie ist eine absolute Sympathieträgerin! Ich hätte behauptet, das liegt in der Familie, denn es stellte sich heraus, daß sie eine Tante von U.N.I.T.-Sergeant John Benton ist, allerdings weiß ich, daß sie in die Familie eingeheiratet war. Machte das einen Unterschied? Wohl kaum. Die beiden haben etwas gemeinsam, begegnet man ihnen, wird man von ihrem Charme vereinnahmt!
      Vom Clover aus kam man also nicht nur auf die Canterbury Street in New York, sondern auch direkt auf den Weg, der zum britischen U.N.I.T.-Gelände führt, zumindest zu einem Komplex, der zu U.N.I.T. gehört. Wo auch immer man hinwill, vom Clover-Parkplatz aus gelangt man immer in die richtige Richtung. Fragt man Elaine danach, welches Geheimnis dem zugrunde liegt, antwortet sie lediglich mit einem tiefgründigen Schmunzeln. Nur sie weiß, wie das funktioniert, und sie gibt ihr Geheimnis nicht preis. Ich muß gestehen, wie sie das macht, habe ich noch nicht herausgefunden.
      Und waren das die einzigen Überraschungen, die das Clover für mich schon bereit gehalten hatte? Zugegeben, es hatte für uns alle gedauert, das System zu durchschauen. Selbst ich hatte erst viel später begriffen, daß das Clover nicht nur irgendein Lokal ist, dessen Inhaberin zufällig mit einem meiner absoluten Lieblingscharaktere verwandt ist. Und so, ja, vermochten uns das Clover und Elaine noch einmal zu überraschen, als uns klar wurde, was unsere Erkenntnis bedeutete.
      Tracy, unser smarter Gorilla aus dem Ghostbusterteam, hatte hart daran gearbeitet, mit Hilfe des Skelevators eine konstante Verbindung nach Gaya zu schaffen, damit Eddy und Zino sich besuchen konnten, die sich schnell angefreundet hatten, nachdem ich sie miteinander bekannt gemacht hatte. Hätten wir da schon gewußt, was wir heute wissen, nämlich, daß vom Clover aus auch ein Weg nach Gaya führt, – Tracy hätte sich die Mühe sparen können. Aber es ist ja nicht verkehrt, Alternativen im Petto zu haben.
      Tja, so entwickelte das Clover eine ganz eigene Dynamik. Es ist praktisch überall zu finden, wo man etwas gutes zu essen in schönem Ambiente genießen möchte, und wenn es darauf ankommt, dann hilft es dabei, Barrieren zu überbrücken, sei es in Raum, Zeit oder Dimensionen.
      Dies waren nur ein paar Beispiele der Möglichkeiten. So legt zum Beispiel auch das Love Boat von Zeit zu Zeit in der Nähe des Clovers an, so daß die Crew der Pacific Princess hier einkehren kann. Die Besatzung der Orion schaut hin und wieder auf einen Besuch vorbei. Und vom Central Park Zoo kommen die Pinguine hier her, um sich über ihre Missionen zu beraten. Sogar die Offiziere der Sternenflotte kommen ab und zu auf einen Abend hier vorbei, und viele andere mehr.
      Viele Welten kennen das Clover, viele Charaktere kommen gerne hier her; hier treffen sich die Universen, kommunizieren und interagieren miteinander, wenn sie es wollen, oder vertreiben sich einfach die Zeit. Elaine hat alles im Griff und koordiniert nicht nur die Leitung des Restaurants, sondern auch den Platz des Clovers zwischen den Zeiten und Welten. Von wo auch immer man startet, oder wo auch immer man hinwill, das Clover ist der Dreh- und Angelpunkt, über den man immer seinen richtigen Weg findet. Und das beste ist: Einer dieser Wege, der auf den Parkplatz des Clover führt, beginnt direkt vor meiner Haustür!
      Ich setze mich also in mein Auto und fahre los. Ein Abend im Clover, das ist immer den Weg wert. Und das ist es, was ich jetzt brauche. Eine Umgebung, in der ich mich wohl fühle. Zu Hause…

Im Clover ist noch nicht viel los, als ich ankomme. Ich begrüße Elaine und suche mir einen freien Tisch. Dort nehme ich bereits mein Schreibzeug aus der Tasche. Elaine nimmt meine Bestellung auf, dann konzentriere ich mich auf meine Notizen. Wenn möglich will ich die Geschichte für den Jahreskalender heute fertig bekommen.
      Ich sehe mir noch einmal das Zitat an, das am 11. April dran ist: „Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört.“ aus »Harry Potter«. Ich denke eine Weile darüber nach. Wo beginnt und wo endet »Traum« eigentlich? Während ich so darüber nachdenke, öffnet sich die Tür des Restaurants, und ich bemerke Eddy, Jake und Tracy hereinkommen. Ich muß unwillkürlich schmunzeln. Ich weiß, daß Eddy auch Harry Potter-Fan ist, zumindest ein bißchen.
      Die drei sehen sich gerade nach einem Tisch um, als ich den Ghostbuster in dem bunten Anzug auf mich aufmerksam mache. Ich winke Jake und Tracy kurz zu, und den attraktiven Brünetten zu mir herüber. Als Eddy mich bemerkt, löst er sich strahlend aus der Gruppe und kommt zu mir herüber, um mich zu begrüßen. Und ich nutze die Chance, um ihn zu fragen, ob er mich bei meiner Arbeit unterstützen könnte. Hm, ist das ein bißchen Stolz den ich in seinen Augen sehe, als er sich euphorisch zu mir setzt?
      Ich erkläre ihm noch einmal das Prinzip von lulas Jahreskalender und zeige ihm das Zitat. Meine Idee dazu ist, eine Geschichte zu schreiben, die aus meiner Sicht geschrieben ist und eine Traumszene beschreibt, die das Zitat aufgreifen soll. Wesentlich mehr habe ich mir aber noch nicht überlegt, und ich weiß nicht richtig, wie ich es angehen soll.
      Eddy runzelt nachdenklich die Stirn und fragt als aller erstes, ob es mehr in Richtung Tagtraum gehen soll, oder einen richtigen Traum, während des Schlafens. Das ist eine gute Frage, über die ich mir auch noch nicht so richtig Gedanken gemacht habe. Eddy erklärt mir, daß in dem Harry Potter-Buch wohl eher von richtigen Träumen die Rede ist, man es ja aber auch anders auslegen kann, wenn das Zitat für den Jahreskalender nicht auf die gleiche Bedeutung festgeschrieben war.
      Ich lasse mir beide Möglichkeiten durch den Kopf gehen. Ja, es stimmt, in einem richtigen Traum war man in seiner eigenen Welt – manchmal sogar darin gefangen, doch war - sofern man sich überhaupt später daran erinnerte - ja doch eher alles abstrakt und unwirklich, und in den meisten Fällen nicht steuerbar. So zumindest hatte ich Träume bisher erlebt. Dort von einer »Welt, die ganz und gar mir gehört« zu sprechen, empfinde ich als etwas… gewagt. Und das für das Projekt extra anders auszulegen… Es ist nicht meine Art, mir irgend etwas in meinen Geschichten hinzubiegen, nur damit es mir in den Kram paßt.
      Ich frage Eddy nach seiner Meinung. Und es stellt sich heraus, daß er seine Frage nicht umsonst gestellt hat. Genau das sind nämlich auch seine Überlegungen gewesen; daß das Zitat mehr Sinn ergibt, wenn man es auf einen Tagtraum anwendet. Das ist schon mal ein guter Gedanke, den ich mir gleich notiere. Ich nehme nur am Rande wahr, daß Elaine mir meinen Cocktail bringt, und Eddy nach seinen Wünschen fragt.
      Ich bin noch beim Schreiben, als mir eine wohlbekannte Stimme einen leichten Schauer durch den Körper jagt. Als ich aufsehe, bemerke ich gerade Zino und Boo zur Tür hereinkommen. Auch Eddy ist auf die beiden Gayaner aufmerksam geworden, die gerade fröhlich den Gastraum betreten haben. Ich wechsele mit dem Ghostbuster einen Blick, und wir scheinen uns einig. Je mehr Input wir bekommen - oder, um genau zu sein, den ich bekomme - desto mehr Potential hatte ich, mit dem ich arbeiten kann. Wir winken also beide zu dem großen, blonden Gayaner herüber, der sofort begeistert die Ohren hebt, als er uns bemerkt.
      Boo lächelt wissend, und gesellt sich an den Tisch zu Jake und Tracy, die den kleineren Brünetten bereits mit einer Geste zu sich einladen. So kommt es, daß sich Zino beschwingt und ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen zu uns an den Tisch setzt, und sich aufgeregt erkundigt, erstens, was ich hier machte, und zweitens, ob er uns bei irgend etwas unterstützen konnte. Die erste Frage des Gayaners bringt mich wieder zu lulas Jahreskalender, den ich nun für ihn ein zweites Mal erkläre. Und die zweite Frage erklärt sich im Anschluß von allein.
      Zino stimmt uns zu, daß die Geschichte mit einem Tagtraum mehr Sinn machen würde. Er ist der Ansicht, daß man in Tagträumen bewußt Welten betritt, in denen man sich zu Hause fühlt, die man als Person selber steuern und mit denen man bewußt interagieren kann, und zu denen niemand anderer einen Zugang hat. Das paßt nach seinen Überlagerungen wunderbar auf das Zitat. Richtige Träume, so wie es von Albus Dumbledore wohl beschrieben worden war - wobei Zino sich einmal erkundigt, was ein »Albus Dumbledore« überhaupt ist; in Gaya war Harry Potter nämlich nicht bekannt - sind ja eher zufällig, zusammenhanglos und in der Regel hatte man keinen Einfluß auf das Geschehen.
      Okay, insoweit sind wir uns also schon mal einig. Das beruhigt mich. Immerhin lasse ich mich von guten Argumenten ja auch von anderen Varianten überzeugen; mittlerweile habe ich mich aber schon aufgrund von Eddys Analyse auf die Tagtraumvariante eingeschossen. Wie aber soll ich einen Tagtraum in meiner Geschichte umsetzen? Darüber denken wir zu dritt eine Zeitlang nach. Eddy und Zino wechseln ratlose Blicke. Immerhin müßte ein Szenario geschaffen werden, das unabhängig von der Realität erzeugt würde – und es muß auch noch eine Umgebung sein, die mir gefällt, und mit der ich gut arbeiten kann. Zino dreht nachdenklich die Ohren und fragt mich schließlich, ob es einen Ort gäbe, an dem ich gerne mal Urlaub machen würde.
      Das ist ein guter Ansatz! Ich denke nach. Da gibt es bestimmt so einiges! Ich denke den Gedankengang gleich weiter. Es muß ja nicht einmal direkt ein Urlaub sein! Aber vielleicht ein Spaziergang an einem Ort, der nur in meiner Phantasie existiert! Ich muß unwillkürlich schmunzeln. Vielleicht würde mir dabei auch gleich wieder eine Inspiration für eine Story kommen. Ganz wahrscheinlich sogar, ich kenne mich ja. Aber warum sollte ich den Schwung nicht auch ausnutzen? Ich beginne, mir dazu einige Stichpunkte zu machen. Eddy, der direkt neben mir sitzt, sieht neugierig mit auf das Blatt und verfolgt, was ich schreibe. Erst einmal sind es aber nur Gedankenansätze, Schlagworte wie Wald, See, Berge…
      Elaine bringt indessen das Kirschbier für Eddy und nimmt Zinos Bestellung auf.
      Ich beginne, probehalber den einen oder anderen Satz auszuformulieren. So ganz einfach ist das Zitat eben doch nicht, wie ich zu Anfang gedacht hatte. Ich habe es unterschätzt, ein Szenario kreieren zu wollen, das mit der Realität nichts zu tun hat, und in dem ich mich so zu Hause fühle, daß es das Flair des Zitats gut einfängt.
      Eddy liest meine Bemühungen synchron mit. Dabei erkundigt er sich, wie lang die Beiträge überhaupt sein mußten, für den Jahreskalender. Ich erkläre ihm, daß im Grunde auch ein Drabble ausreichen würde, bislang war es mir aber immer gelungen, etwas mehr als nur das zustande zu bringen. Aber laut lula waren Drabbles okay. Zino denkt darüber nach und meint, daß er das auch gar nicht schlimm finden würde, da Drabbles ja eine Sonderform des Schreibens, und damit immer etwas Besonders wären. Er überrascht mich ein bißchen mit dieser Aussage, aber er hat Recht, und nimmt mir so ein bißchen meine Bedenken. Und das ist wirklich gut, denn ich komme hier gerade an meine Grenzen! Wie soll ich einen Waldspaziergang unendlich ausweiten, ohne ins Nichtssagende abzugleiten…? In einem Drabble kann ich alles kurz und prägnant auf den Punkt bringen, so daß alles auch gut wirkt.
      Zino ist sichtlich stolz, als ich seinen Gedankengang so positiv aufnehme. Naja, ich hatte ja mittlerweile aber auch genug Drabbles mit und über ihn geschrieben, als daß er sich in der Thematik gut auskennen dürfte. Jetzt muß ich nur noch den Traumaspekt und die mir eigene Welt in dem Drabble unterbringen! Während ich überlege, wendet Zino sich Elaine zu, hebt aufmerksam die Ohren und nimmt seinen Gayaquila entgegen.
      Ich streiche ein paar Sätze. Das alles hört sich so banal und nichtssagend an. Das bin nicht ich. Wenn ich etwas unternehmen will, dann schnappe ich mir einen meiner Freunde - oder gleich mehrere - so wie zum Beispiel Eddy, als wir beim Schlittschuhlaufen waren, oder Zino, um mit ihm Gaya zu erkunden, oder wie letztens, als ich mit Johnny auf Hafenrundfahrt war… Aber ich träume mich nicht einfach alleine in irgendeine Welt! Das ist nicht authentisch! Und so will ich das Zitat auch nicht umsetzen! Da waren wir wieder bei meinem Anspruch an realistische Geschichten!
      Zino bringt bei der Gelegenheit die Überlegung ein, wie es denn wäre, wenn ich in meinen Tagtraum Gaya mit einfließen lassen würde. Hm. Das ist eine Idee! Immerhin fühle ich mich dort Zuhause. Ich mache mir wieder neue Notizen. Dabei verpasse ich fast, daß gerade wieder jemand das Clover betritt, den ich kenne. Zino sitzt mit dem Rücken zur Tür, aber Eddy hat sofort Sichtkontakt, und stupst mich an. Als ich aufsehe, halte ich kurz den Atem an. Sergeant John Benton, noch in seinem Camouflage-Anzug, steuert auf den Tresen zu, wo Elaine gerade Getränke für einige Gäste fertigstellt! Bevor er aber am Tresen bei seiner Tante ankommt, haben wir automatisch Blickkontakt, und so biegt er vorher ab und bleibt an unserem Tisch stehen. Seine warme Stimme klingt noch in meiner Seele nach, als er fröhlich und ein bißchen hoffnungsvoll fragt: „Hey, ist das hier eine private kleine Runde, oder kann man sich noch dazu gesellen?“
      Ich mache automatisch eine einladende Geste. Nicht nur, daß ich ohnehin gerade meinen Puls rasen spüre – auch wenn ich mit Eddy und Zino schon ganz weit in meinen Überlegungen für meine Jahreskalender-Geschichte gekommen bin, können weitere Einfälle ja nur helfen. Zino rutscht etwas auf, und John setzt sich mir gegenüber. Über Kopf sieht er auf meinen Block und erkundigt sich, ob ich etwas neues schreibe. Ich weiß ja, daß er gerne meine Geschichten liest, so überrascht mich seine Neugierde nicht. Ich bestätige also, und erkläre lulas Projekt ein drittes Mal. Anschließend fasse ich kurz zusammen, was Eddy, Zino und ich bereits erarbeitet haben. Zwar hatten wir uns auf die Tagtraumvariante ja schon festgelegt, trotzdem frage ich John auch noch einmal nach seiner Meinung.
      Er meint, daß die Variante ohnehin diejenige gewesen sei, an die er bei dem Zitat gedacht hatte; das beruhigt mich schon mal. Er denkt noch einmal über den anderen Ansatz nach, gibt uns aber Recht. Von einer Welt zu sprechen, die ganz und gar uns gehört, wenn man sie nicht einmal richtig beeinflussen konnte, ergibt auch für ihn nicht so viel Sinn. Für Tagträume paßt es dafür hundertprozentig, findet er. Das freut mich, so muß ich mich nicht noch einmal in meinen grundsätzlichen Überlegungen umorientieren – auch wenn mich das Drabble - oder was immer diese Geschichte werden soll - noch immer vor ein Rätsel stellt. Den Ansatz mit Gaya finde ich jedenfalls nicht schlecht, und bis an die Stelle bringen wir John jetzt erst einmal auf den Stand unserer Gedanken. Zwischendrin sieht er erstaunt auf, als Elaine ungefragt einen Drink an seinen Platz stellt und weitergeht. Bei Verwandten wurden Bestellungen wohl überbewertet…
      Der hübsche U.N.I.T.-Soldat läßt sich die Ideen und Ansätze, die wir bis dahin zusammengetragen hatten, durch den Kopf gehen und versteht das Problem sofort. Dabei wirft er ein, ob ich das Drabble, oder die Geschichte, falls es doch länger wurde, denn unbedingt aus meiner Sicht schreiben wollen würde. Er bringt ein, daß sich das Problem vielleicht dadurch lösen ließe, indem ich den Blickwinkel verändere.
      Daß ausgerechnet einer meiner Freunde mich darauf bringen muß, ist ja fast schon beschämend. Stundenrund tue ich nichts anderes, als Geschichten über und mit meinen Freunden aufzuschreiben, und jetzt, wo es um den Jahreskalender geht, kann ich mich nicht davon lösen, einen Beitrag mit mir als zentraler Person schreiben zu wollen, und das ausgerechnet in einem Traumszenario! Ich ändere meine gedankliche Perspektive also doch, wenn auch nur, was die Herangehensweise angeht. Trotzdem fehlt mir noch der zündende Ansatz – immerhin brauche ich, wenn ich den Beitrag mit jemand anderem als zentrale Hauptperson schreibe, Informationen dazu, die mir nur der Charakter selbst liefern kann.
      Ich drehe den Spieß also einmal um und frage die drei, was sie so für Tagträume haben. Ich sehe ziemlich unbedarft auf, in den Blick von John, der deutlich stockt, und mir die Antwort schuldig bleibt. Ein leichtes Kribbeln überläuft mich, als er errötet, und ich wende mich schnell Zino und Eddy zu, sehe die beiden fragend an.
      Die beiden haben sich auch schon Gedanken gemacht, und so erfahre ich, daß Eddy sich zum Beispiel gerne mal in Tagträume flüchtet, in denen er sich ganz gemütlich in seinem Zimmer für einen Ghostbuster-Einsatz einkleiden darf, anstatt die Transformationsstrecke in der Zwischenebene des Ghostkommandos durchlaufen zu müssen. Na, das ist ja sehr hilfreich! Wenn ich das als Aufhänger für den Jahreskalenderbeitrag nehme, würde lula erst mal die Serie gucken müssen, um zu wissen, wovon ich da überhaupt spreche! Naja, oder zumindest eine Folge. Zinos Ansatz wäre da schon besser umzusetzen. In einigen von seinen Tagträumen macht er die Schnurks dingfest, für immer! Hm, ob ich daraus etwas sinnvolles für den Jahreskalender machen konnte? Ich mache mir zumindest eine entsprechende Notiz.
      John scheint indes ganz froh, daß er gerade außenvor ist. Ich sehe ihn noch einmal mit einem neugierigen kleinen Lächeln an. Ich hätte zu gerne gewußt, was er gerade gedacht hat. Nach der Reaktion kann ich jedenfalls ausschließen, daß er in seiner Freizeit davon träumt, Captain, Brigadier oder ähnliches zu werden. Er durchbricht seine Verlegenheit allerdings unkonventionell, indem er als Überlegung in den Raum stellt, daß man ja noch nicht einmal eine konkrete Person in den Mittelpunkt der Geschichte stellen müsse, sondern das Thema auch ganz allgemein abhandeln könne! Jaah, genau! Lenk nur ab, Sergeant John Benton! Du weißt genau, daß ich nicht allgemein irgend etwas schreibe, nur um etwas zu schreiben, sondern daß ich sehr zielgerichtet in den Welten schreibe, in denen ich zu Hause bin, um bei meinen Freunden sein zu können!
      Man muß es mir in meiner Miene ansehen können, wie mich der Gedankengang begeistert. Ich schüttele den Kopf und komme auf den Ansatz von Zino zurück. Ein gayanisches Drabble für lula, warum nicht? Das wäre mit dem Thema, das er angesprochen hat, für alle verständlich umsetzbar, ohne daß man Fandom-Wissen braucht. Das klingt doch gut! Dafür kann ich nun auch den ganzen anderen Quatsch streichen, den ich bis dahin auf meinen Block gekritzelt habe.
      Ich setze gerade den Stift an und lese dabei noch einmal die angefangenen Sätze aus meinem vorherigen Brainstorming. So schlecht finde ich sie nicht. Vielleicht kann ich sie ja irgendwann mal für etwas anderes verwenden… Und plötzlich fällt mir etwas ein. Vielleicht hat John gar nicht so Unrecht… Wenn ich den Gedankenansatz nehme, den ich zu Anfang mit mir als zentraler Person mehr schlecht als recht durchbekommen hatte, und das ganze zwar aus meiner Sicht, aber dafür allgemein gültig ausarbeite, dann könnte es mir gelingen, einen Beitrag zu schreiben, mit dem ich der Welt einmal den Spiegel vorhalte! Das ist es, das ist die Idee! Das wäre meine erste freie Arbeit für den Jahreskalender, aber immerhin – ich kann so etwas auch, auch wenn ich es nur selten anwende! Meine Euphorie entlädt sich in einem Ausdruck plötzlicher Begeisterung. Ich sehe aufgedreht in die leicht verwirrten Mienen meiner Freunde. Jungs, ihr seid klasse!
      Für einen Moment müssen sich Eddy, Zino und Johnny selbst beschäftigen. Ich muß schreiben, bevor sich meine Gedankengänge wieder verlieren! Und so fließen die Worte aufs Papier, verschieben sich hin und wieder, das eine wird gestrichen, das andere hinzugefügt, bis sich eins zum anderen fügt. Die Jungs beobachten mich fasziniert. Das spüre ich. Aber keiner von ihnen wagt es, einen Ton zu sagen. Man könnte meinen, ich habe sie gut im Griff! Wahrscheinlich wissen sie, daß ein Drama passiert, sollte ich ausgerechnet jetzt gerade den Faden verlieren, wo ich endlich eine passende Idee habe.
      Einen Augenblick später präsentiere ich den dreien das fertige Resultat und drehe den Block so, daß sie es lesen können, während ich sie mit fragender Miene ansehe. Neugierig lesen sie das fertige Drabble:

Sonntag Nachmittag. Es regnet. Ich höre im Geiste die Bevölkerung sich beschweren. Ich mag den Regen. Es hat etwas romantisches. Und außerdem sperrt mich der Regen nicht ein, wie so viele Stimmen von sich behaupten.
      Ich lehne mich zurück, lasse die Gedanken schweifen. Mal bin ich in den Bergen, mal in den Wäldern unterwegs. Das nächste Mal am Meer, oder ganz woanders…
      Das ist es, was die meisten nicht verstanden haben, weshalb sie sich immer wieder beschweren müssen: Es gibt keine Grenzen, keine Einschränkungen, die uns aufhalten. Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört.

      Etwas nervös frage ich meine Freunde, was sie davon halten. Ob ich das wohl für den Jahreskalender so nehmen kann, auch wenn es recht kurz ist? Zino hebt bereits begeistert die Ohren. Bei Eddy und John kann ich es zwar nicht an den Ohren ablesen, dafür wie bei Zino auch an den Mienen – der kleine Text scheint gut anzukommen.
      Ich bin erleichtert. Immerhin muß ich den 11. April bald einreichen, und das hätte ich gerne heute noch erledigt, damit da nichts mehr schiefgehen kann.
      Eddy meint, auch wenn es allgemein gehalten ist, das Drabble paßt zu mir. Oder vielleicht, gerade weil es allgemein gehalten ist. Zino findet es cool, wie der kleine Text auf andere wirken muß, nämlich auf die Leute, die sich ständig über Regen beschweren, und meint, er paßt gut zum Zitat. Und John sagt dazu nur sehr aussagekräftig, daß ich das unbedingt veröffentlichen muß! Naja, das tue ich ja, wenn ich den Text an lula schicke. Dafür ist er ja gedacht!
      Das, was jetzt noch fehlt, ist ein Titel. Und das ist meistens noch das schlimmste an der ganzen Sache! Wenn ich einen fertigen Text habe, zu dem mir noch der Titel fehlt, hat es mir schon ein ums andere Mal das Genick gebrochen, weil mir absolut nichts sinnvolles einfallen wollte. Ich fürchte, daß es mir hier wieder so ähnlich gehen wird. Aber ich habe ja drei kompetente, süße, sympathische Jungs an meiner Seite, die mich unterstützen können, und so stelle ich die Frage nach einem Titel für alle in den Raum. Eddy und Zino überlegen. Ich auch. John denkt kurz nach und zieht sich zu meiner Überraschung den Block heran. Er schreibt etwas über das Drabble und schiebt mir den Block mit fragendem Blick wieder zu. In seiner sorgfältigen Handschrift, die er benutzt, wenn ihm etwas wirklich wichtig ist, steht da:

»Wie das Leben von Leela funktioniert«

      Ich muß unwillkürlich grinsen. Das gefällt mir! Und so nicke ich, und packe den Block wieder ein. Aber ich kann ihm ansehen, wie stolz er ist, daß er die zündende Idee hatte.
      Habe ich schon erwähnt, daß sich ein Besuch im Clover immer lohnt? Ich habe die aktuelle Geschichte für lulas Jahreskalender fertig, und jetzt noch Zeit, um den Abend mit meinen drei besten Freunden zu verbringen. Wir stoßen auf das gute Ergebnis an und lassen es uns richtig gutgehen, tauschen uns über die neuesten Geschehnisse in unseren Welten aus. Ich weiß, daß es wieder später werden wird, als von mir beabsichtigt. Aber ich bin überzeugt davon, daß ich es heute noch schaffen werde, lula die Story zu schicken. Viel wichtiger ist mir im Moment die Zeit mit meinen Freunden, bevor ich nach Hause zurückkehren muß.
      Eddy erzählt gerade von den letzten Ghostbusting-Aufträgen, Zino berichtet vom letzten großen Rennen in Gaya, und John hat wieder spannende Einsätze von U.N.I.T. für uns dabei, zumindest die, über die er reden darf. Was es bei mir so neues gibt, das wissen die Jungs ja mittlerweile schon, und so genieße ich es, jetzt erst einmal ihnen zuzuhören und zu erfahren, was es bei ihnen neues gibt. Das Thema Tagträume rückt wieder in weite Ferne, als wir uns hier austauschen und jede Menge Spaß zusammen haben. Elaine bringt mittlerweile die zweite Runde. Es geht bereits auf den späten Abend zu, als wir uns schließlich voneinander verabschieden. Und ich wüßte noch immer gerne, welchen Tagtraum John mir verschwiegen hat…

Eine etwas melancholische Stimmung macht sich in meiner Magengegend breit, als ich auf dem Parkplatz des Clovers stehe und mich von meinen Freunden verabschiede, um nach Hause zu fahren. Ob es den anderen genauso geht?
      Zino nimmt mich herzlich in die Arme und sagt mir, daß, sollte ich mal wieder Hilfe brauchen, ich mich jederzeit bei ihm melden kann. Boo wartet bereits bei dem roten Sportwagen auf seinen Freund, damit sie nach Gaya zurückkehren können.
      Eddy strahlt mich an. Er freut sich, daß wir die Herausforderung so gut gemeinsam lösen konnten. Auch er nimmt mich herzlich in die Arme und wünscht mir alles Gute, und verpaßt auch nicht, mich zu beauftragen, lula von ihm viel Erfolg für den Jahreskalender zu wünschen. Daran muß ich nachher denken, wenn ich ihr die Mail schicke. Jake und Tracy schließen gerade zu uns auf, um Eddy einzusammeln und verabschieden sich ebenfalls von mir und John. Die drei müssen nur ein Stück die Straße hinauf, und schon sind sie zu Hause im Ghostkommando. Beneidenswert.
      Zum Schluß stehen John und ich alleine auf dem Parkplatz des Clovers. Ob ich ihn noch mal frage, wegen seinen Tagträumen? Macht es die Sache leichter, wenn Eddy und Zino nicht dabei sind? Nein. Das traue ich mich nun doch nicht. Statt dessen lächeln wir uns verlegen an, und nehmen uns in die Arme – ein bißchen länger als für eine Verabschiedung unter Freunden erforderlich. Immerhin ist niemand mehr hier, der auf eine Verabschiedung wartet. Und dann kommt die Frage, auf die ich innerlich ein bißchen gehofft habe: Ob ich morgen wohl schon etwas vorhabe? Morgen ist Sonntag. Und nein, habe ich nicht. Oder doch, jetzt schon… Er hat schon eine Idee, verrät mir aber nicht was. Ich lasse mich also überraschen! Zumindest aber habe ich etwas, worauf ich mich freuen kann.
      Schließlich, als es nicht mehr anders geht, trennen wir uns für heute voneinander. Er fährt zurück zum U.N.I.T.-Hauptquartier, und ich zu meiner Wohnung, wo ich glücklicherweise noch ein bißchen was zu tun habe, was mich davor bewahrt, nach diesem wundervollen Abend vor Einsamkeit und Sehnsucht in Tränen auszubrechen.
      Auf dem Weg zurück muß ich unwillkürlich schmunzeln. Ich verliere mich in Tagträumen an den nächsten Tag. Ich kann das also doch, mit den Tagträumen!

Als ich wieder Zuhause ankomme, lege ich den Block auf meinen Schreibtisch und atme tief durch. Der Computer läuft noch, ich muß nur noch das Dokument schnell fertig machen und verschicken. Hoffentlich würde sich lula mit meinem kleinen Drabble für den 11. April zufrieden geben…



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Anm. d. Aut.: Dieses MultiCrossOver beinhaltet folgende Fandoms:
      Direkt: Filmation’s Ghostbusters | Back to Gaya | Doctor Who (U.N.I.T.) | SelfInsert
      Erwähnt: Love Boat | Raumpatrouille Orion | Die Madagascar Pinguine | Star Trek
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