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Ode an den Winter

von - Leela -
OneshotPoesie / P6 / Gen
31.03.2021
31.03.2021
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31.03.2021 725
 
Projektanmerkung: Diese Geschichte wurde für den Jahreskalender 2020 von lula-chan geschrieben.
      Das Zitat für den 23. Dezember 2020 war: "Das überlasse ich dir für's Erste, Earl. Pass gut darauf auf. Das ist mein Schatz." (Black Butler)
      Schaut doch auch mal bei den anderen Tagen rein:
      22. Dezember 2020: »Der Ministeriumsball« von BillsVampirbraut
      24. Dezember 2020: »süßer die Lieder doch klingen ...« von ladyfangirl

Kommentar des Autors: Ich freue mich sehr, daß ich durch diesen zusätzlichen Tag durch Zufall die Möglichkeit bekommen habe, hier noch eines meiner kleinen (den meisten wahrscheinlich völlig unbekannten) Lieblingsfandoms einzuschleusen: Disneys »The Reluctant Dragon«. Dieser unglaublich süße Film hat für mich persönlich sogar noch einen ganz besonderen zusätzlichen Reiz, da der Drache in der deutschen Version von jemandem gesprochen wird, der seit meiner Kindheit auch einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Wer das ist, erfahrt ihr am Ende der Geschichte. Also, viel Spaß bei meiner kleinen Geschichte mit dem widerwilligen Drachen! ^^



Ode an den Winter

In einer Höhle in den Bergen, weit entfernt vom Dorf, lag ein Drache. Der Drache schlief friedlich, eingerollt auf dem Boden, zwischen den warmen Steinen, die er mit seinem Atem aufgeheizt hatte. Draußen hatte es angefangen zu schneien. Das aber konnte ihm hier in seinem wohligen Heim nichts anhaben.
      Die Schneeflocken fielen sanft vom Himmel auf die Erde nieder. Weit oben, dort, wo man es mit dem bloßen Auge nicht mehr sehen konnte, spannte sich ein fast unsichtbares Feld über die Welt. Einige Leute sagten, es sei die Atmosphäre. Aber der Junge, der die Schneekugel in Händen hielt, wußte es besser. Er schüttelte sie noch einmal und beobachtete versonnen, wie der Schnee auf die Berge herabrieselte, in denen sein Freund, der Drache, lebte.
      „Toby, bist du fertig?“
      Der Junge schreckte auf, als er die Frauenstimme vom Fuß der Treppe hörte. Seine Eltern wollten heute mit ihm in die Stadt fahren und warteten schon auf ihn. Er wandte sich zu dem Gutsherrn um, auf dessen Anwesen die Familie gerade zu Besuch war. „Das überlasse ich dir für’s erste, Earl. Paß gut darauf auf. Das ist mein Schatz.“
      Der stattliche ältere Herr mit dem Schnauzbart nahm die Schneekugel an sich und versprach dem Jungen, gut darauf achtzugeben.
      Toby sah den Mann in dem maßgeschneiderten Anzug dankbar an, bevor er die Treppe hinunterlief. Er wußte, sein Schatz war bei ihm in den besten Händen.

Der Gutsherr stellte die Schneekugel sorgfältig auf den Kaminsims im Empfangszimmer und betrachtete sie gedankenvoll. Sie mußte etwas besonderes sein, wenn sie dem Jungen so viel bedeutete. Obwohl sie wie eine normale, gewöhnliche Schneekugel wirkte. Aber Kinder hatten ja ihre eigenen Maßstäbe, was für sie ein Schatz war.
      Als der Schnee sich legte, erwachte der Drache in der Höhle langsam. Er reckte und streckte sich, richtete sich auf und sah neugierig nach draußen. Die Welt lag unter einer dichten Schneedecke. Alles wirkte winterlich zauberhaft.
      Verzückt lief der Drache nach draußen, sah sich überall um und drehte sich begeistert um die eigene Achse. Die wundervoll frostig-silbern funkelnde Atmosphäre wirkte inspirierend! Besonders für einen so poetisch veranlagten Drachen wie ihn! Die Worte kamen ihm in den Sinn, ohne daß er sie aufhalten konnte. Sie mußten raus! Jetzt! Sofort! Und so rezitierte er mit seiner melodischen Stimme:

               „Oh, winterliche Freuden,
               wie erwarten alle Herzen,
               im Lichterschein der Kerzen,
               tief im Inneren verborgen,
               den winterlichen Morgen,
               einen Strauß von Eisblumen,
               und in watteweißem Volumen,
               keine Schneeflocke zu vergeuden…“

      Der Ältere beobachtete das Geschehen in der Schneekugel überrascht. Einen poetischen Drachen hatte er wohl nicht erwartet. „Erstaunlich!“ kam es ihm leise über die Lippen. „Jetzt weiß ich, warum dies der Schatz des Jungen ist…“

Als kleines Tribute für
meine (Jugend)liebe Ilja Richter,
die deutsche Synchronstimme vom »Reluctant Dragon«! ♥
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