Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

FUCHSFEUER

von Snowfoxy
GeschichteRomance, Action / P18 / Het
Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo Shoko Ieiri Yuji Itadori
30.03.2021
02.12.2021
61
204.697
86
Alle Kapitel
252 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
25.11.2021 3.773
 
Author-Note:

Kooonbanwa meine lieben Leser, euer Schneefuchs ist hier ᵔ ᴥ ᵔ

Ich wollte mich an dieser Stelle erneut bei Euch, meinen Lesern bedanken. Ich wurde in den letzten paar Wochen von Unsicherheit geplagt, von Ungewissheit ob Fuchsfeuer qualitativ noch das ist, was ich zu anstreben versuche, ob die Geschichte euch weiterhin gut gefällt, ob ich meinen Job als Schreiberling gut mache.

Gerade in einer so schwierigen Phase haben mir eure Reviews und die PNs die ich erhalten habe, sehr darüber hinweggeholfen und meiner Kreativität frischen Wind verliehen. Zu sehen, das nach all diesen Monaten noch so viele Leute aktiv mitlesen und meine Leserschaft munter weiterwächst, ist einfach nur... T_T
Gerade deswegen seid ihr für uns Autor-chans so wichtig, ohne euch würde gar nichts vorangehen! Ihr seid der Funke, der unser Kreativ-Feuer zum entfachen bringt! :3
(ich weiss, eine Referenz zu den eigenen Stücken ist doof / Eigenlob stinkt xDD  )

Das 'What if - Yuji/Sukuna x Junka'-Chapter sollte in 3-4 Chaptern kommen, da wir uns nun wirklich in den Endspurt von Teil 1 machen.
Wer ist schon gespannt auf Part II? ⚈   ̫ ⚈

Aufgrund meiner neuesten Leidenschaft/Besessenheit namens Arcane auf Netflix (PS: wers noch nicht gesehen hat, SOFORT SCHAUEN GEHEN!) möchte ich hier etwas Stilistisches versuchen, da es musikalisch und auch von den Lyrics einfach perfekt zum Kapitel passt und ich dieses Lied auf Dauerschleife beim Schreiben gehört habe.
Lasst mich doch wissen ob es eher cringe/unnötig ist, oder ob ihr es gut findet!

Viel Spass mit diesem nervenaufreibenden Kapitel, welches mich beim Schreiben an den Nägeln kauen und Taschentücher brauchen liess!

Eure Snowfoxy! ♡

__________________________________________________________________________________________________

Hold the die, your turn to roll
Before they fall through your fingers
Not a good night to lose control
Right as the earth is unraveling
You play with your blocks until they break
And these walls come tumbling down
Oh, they're tumbling down

You're out of time, make your move
Live or die while the fuse is lit and there's no turning back

Kiss your perfect day goodbye
Because the world is on fire
Tuck your innocence goodnight
You sold your friends like guns for hire
Go play with your blocks
And now you'll pay when these walls come tumbling down
Oh, they're tumbling down


Interpret: Woodkid - Guns for Hire: https://www.youtube.com/watch?v=pKNEx-9OqRM



.......................




Kein Zurück. Wenn ich diese Grenze übertrete, wenn ich diesen Schritt gehe. Dann wird es kein Zurück mehr geben für mich.
Ich ballte meine Fäuste, atmete tief durch, fühlte wie die kühle Luft der Sommernacht in meine Lungen drang und als ich ausatmete, drang dampfende Hitze aus meinem Mund. Als würde das Innere meiner Brust kochen wie das Herz eines Vulkans.
Meine Gedanken waren immer noch fürchterlich unbeständig, Stimmen flüsterten verworfen, düstere Erinnerungsfetzen, von Qualen, Folter, die nicht ich, sondern die Bestie in meinem Innern erlebt hatte, brachte mich durcheinander.
Das aufgesetzt tapfere Lächeln, das ich Yuji geschenkt habe, erstarb auf meinen Lippen in dem Moment als ich den Durchgang übertreten hatte, durch den sie alle gekommen waren. Ich sah zu Mato an meiner Seite, der sich ehrfürchtig über die Unterarme fuhr, erstaunt die unversehrte Haut betrachtete, die unser Energieaustausch hinterlassen hatte.
So wie Inaris Kraft, die ihm von Masaru aufgezwungen wurde, in mich übergegangen war, hat die heilende Energie des Hoju sich in ihm entfaltet. Lediglich die Narbe in seinem Gesicht, auch wenn deutlich weniger runzlig und gerötet, war geblieben, als wäre sie ein Mahnmal des Einflusses unseres Vaters.
Etwas stach in meiner Brust als ich realisierte, dass, während ich ein glückliches Leben mit einer intakten Familie geführt habe, Mato von einem Monster aufgezogen worden ist.
Und doch hat er sich schlussendlich für mich entschieden.
Zaghaft streckte ich meine Hand aus, presste meine Lippen zusammen, als er zusammenzuckte, als ich mit meinen Fingerspitzen seinen Oberarm streifte und ihn sanft drückte.
«Schau das du hier wegkommst. Spricht sich herum, dass du gegen Masarus Befehl gehandelt hast…», ich liess den Satz ins Leere laufen und Mato lachte freudlos, ein entschlossener, grausamer Ausdruck in seinem Gesicht. Ich wusste genau was er in diesem Moment dachte, es fühlte sich an als würde ich in einen Spiegel blicken.
Wir sind uns gar nicht so unähnlich. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Ich hob meine Hand, um das uralte Handzeichen vor meiner Brust zu formen doch hielt in letzter Sekunde noch inne, erkannte das diese Bewegung nicht von mir ausging. Mit schmalen Augen ballte ich meine Hand zur Faust, versuchte die Präsenz, die sich beängstigenderweise vertraut anfühlte, zurück zu drängen.
Noch nicht.
Mato sah mich mit einer Mischung aus Beunruhigung und nervöser Neugierde an, fuhr geistesabwesend über die verheilte Haut seiner Unterarme und richtete zögerlich das Wort an mich: «Ist die Hitze dir nicht zu viel? Fühlt es sich für dich nicht an, als würdest du permanent in Flammen stehen?»
Es war immer noch eigenartig Mato ins Gesicht zu sehen, eine einigermassen normale Unterhaltung mit ihm zu führen. Der schwelende Hass war immer noch da, diese Antipathie aufgrund des Mordes an meinem echten Vater, die Erinnerung an die kalten, irren Augen Matos, an das glitzernde Schwarz seiner Iriden, als er ohne Zögern seine Kehle durchgeschnitten hatte, war immer noch präsent.
Und doch fühlte ich mich ihm näher, der kurze Hautkontakt und Austausch unserer Energien hatte mich einen Blick auf sein Innerstes erhaschen, einen Teil seines Schmerzes und seiner Qualen erspüren lassen.
In der Welt des Jujutsu gibt es kein Schwarz und Weiss. Wir alle sind Mörder und an unser aller Händen klebt Blut.
Ich hob meine Hand und betrachtete die intensive Farbe der Flamme, die in den Zwischenräumen meiner Finger tanzte.
«Es fühlt sich an, als ob sie ein Teil von mir ist. Aber ohne ausgleichendes Juryoku von Satoru fühle ich die zerstörerische Macht darin. Ich bin mir nicht sicher ob ich dem standhalten könnte.», ein eigenartiger Ausdruck huschte über Matos Züge als ich Satorus Namen erwähnte, seine Augenbrauen hoben sich kaum merklich in die Höhe und er rümpfte für den Bruchteil einer Sekunde seine Nase, so als ob er darüber frustriert oder verstimmt wäre.
Ich legte meinen Kopf schräg und hob fragend meine Augenbraue, fühlte wie mein Mundwinkel belustigt, zuckte als ich ein amüsiertes Funkeln in Matos dunklen Augen erkannte, auch wenn seine Mimik ausdruckslos blieb.
«Ich mach mich auf die Suche nach Ichika und danach… Danach weiss ich auch nicht, wohin wir sollen. Wir werden unser ganzes Leben lang auf der Flucht sein müssen.», ein Hauch Bedauern war in seiner Stimme zu hören, doch der harte Zug seines Mundes erweichte, als er meinen Blick erwiderte und zögerlich hob er seine Hand, um damit unbeholfen meinen Kopf zu tätscheln.
Ich versteifte mich, da ich im ersten Moment seine Hand wegschlagen wollte, unsicher ob der Hass oder die tief vergrabene Zuneigung meinem Bruder gegenüber überwog, doch die Geste traf mich überraschenderweise. Sie beschwor eine der wenigen gemeinsamen, glücklichen Kindheitserinnerungen und ich konnte beinahe Matos kindliche Stimme in meinem Kopf hören, wie er immer in typischer Grosser-Bruder-Manier meinen Namen geseufzt hatte, wann ich mich immer verletzt oder Unfug angestellt hatte.
Ich wollte gerade das Wort an ihn richten, als aufgeregtes Gebrüll und entschlossene Rufe laut wurden, das Geräusch von polternden, rennenden Füssen, so viele, dass ich die Zahl auf mehrfach zweistelligen Bereich schätzte, kickstartete Panik in meinem Herz.
Ich packte Matos Handgelenk, fühlte die vertraute, rotbraune Energie seines Juryoku, spürte in meiner Brust das er trotz allem Familie war und nickte mit meinem Kinn in die entgegengesetzte Richtung.
«Geh. Finde deine Geliebte und macht euch fort von hier. Ich hab alles im Griff.», die Lüge glitt mir überraschend leicht über die Lippen, das gestellte, selbstbewusste Grinsen, welches ich von Satoru kopierte, kaschierte die nackte Angst, die in meinem Magen begann hoch zu blubbern.
Unentschlossen verharrte Mato, sein Blick zuckte zwischen meinem Gesicht und der nahenden Menge hin und her, wachsende Sorge verhärmte seine Züge. Mit einem kräftigen Schubser rief ich lauter ‘Jetzt geh schon!’ und salutierte ihm zu, drehte mich ruckartig um und begann zu laufen.
Inari, die dicht unter meiner Haut bereits lauerte, führte meine Hände, formte das Handzeichen, welches meine neue, machtvolle Seite entfesselte. Mein Schweif verdreifachte sich, ähnlich wie auch die Dichte der Fluchkraft in mir, die das Purpurn von Satorus Juryoku vollständig verzehrte.
Heiss vibrierte das Hoju in meiner Brust, hielt die übermenschliche Power stabil und sorgte dafür das mein menschlicher Körper der Kraft, die auf jede meiner Zellen wirkte, standhalten konnte. Die vorderste Reihe der Angreifer, die aus den tierhaften Masken der Muratas und Mitgliedern der Zen’ins bestand, zuckte zurück als knisternde Flammen an meinen Unterarmen entlang leckten, meine Schwanzspitzen agitiert in der Luft zuckten.
Mein Atem ging schnell und als ich meinen Mund öffnete, um zu sprechen, erklang nicht nur meine Stimme, auch der kratzige, melodische Klang Inaris hallte unterschwellig mit.
«Ich gebe euch die Chance die Waffen niederzulegen und unbeschadet diesen Ort zu verlassen. Wer sich in meinen Weg stellt-», ich hob gnadenlos mein Kinn, krümmte meine rechte Hand, spürte wie die Knochen meiner Finger laut knackten, als der verstärkte Einfluss des Ara-Mitama wortwörtlich aus meinem Körper zu brechen versuchte.
Wenige wichen zurück, blickten sich beunruhigt an, doch die Bedrohung, die ich darstellte, war nicht stark genug, ihre Furcht nicht dicht genug. Ich biss mir auf meine Unterlippe, als ich realisierte, welchen Schritt ich gehen musste.
Ich will nicht töten. Ich will niemandes Leben auslöschen. Ich will das nicht!
Verzweiflung beschwor Feuchtigkeit in meine Augen als die Curse User, die Überläufer sich in Bewegung setzten, ein stummes Wimmern formte sich in meiner Kehle, als ich meine Augen schloss, kurz durchatmete und mich verabschiedete.
Von meiner Unschuld, die ich mir in all diesen Monaten bewahren durfte, von der arroganten und gleichzeitig naiven Hoffnung, dass ich eine Jujutsu Sorcerin bleiben konnte, ohne das auf mir verwirkte, genommene Leben lasteten.
Ich spürte ein sanftes Streichen, das Gefühl einer Hand, die meine drückte und bildete mir ein Satorus heisere, leise Stimme an meinem Ohr zu hören.
Wenn du diejenigen, die dir etwas bedeuten vor Gefahr beschützen willst, dann sei kein Schutzschild. Sei stärker als die Gefahr, sei stark genug, um sie aus dem Weg zu räumen, bevor sie überhaupt gefährlich werden kann.

Werde zum grösseren Monster.

Mit gebleckten Zähnen riss ich meine Augen auf, konnte spüren wie meine Iris aufglühte, wie mein Visus sich verschärfte, das Juryoku meiner Gegner gestochen scharf wahrnahm, bis ich den Funken des Lebens in ihrer Brust pochen sehen konnte.
Ein rasselndes Knurren erklang, als ich nach vorne zischte, mit gekrümmten, ausgestreckten Krallen Kehlen durchtrennte, so schnell, dass meine Gegner nicht reagieren konnte. Unter das animalische Fauchen mischte sich ein menschliches Schluchzen, spiegelte beide Naturellen in mir wieder, während ich Angriffen und Waffen auswich, Fuchsfeuer tödlich erblühen liess, damit Haut und Fleisch versengte und meine Krallen Adern und Venen durchtrennten. Warmes Blut benetzte meine Fingerspitzen, verdampfte sogleich aufgrund der hohen Hitze, die meine Haut zum erglühen brachte.
Mein Körper bewegte sich automatisch, wurde von Instinkt geführt, dem Yokai, der fühlte wie mir dieses Gemetzel widerstrebte und jedes Mal, wenn meine Hand zögerte, Nachdruck ausübte und so den Todesstoss versetzte.
Meine Schuld.
Ich packte den Hals eines Muratas, nahm brutal seine Lebenskraft in mich auf und fauchte schmerzerfüllt auf, als er eine Klinge in meine ungeschützte Achsel reinrammte und den dicken, empfindlichen Nerv durchtrennte. Wutentbrannt riss ich ihm die Maske vom Kopf, grub die Spitzen meiner Krallen in seine Halsschlagader und fühlte wie mir der Boden unter den Füssen weggezogen wurde.
Unter der Maske offenbarte sich das Gesicht eines Jungen, kaum dem Kindesalter entwachsen, das Licht in seinen Augen erlosch, als sein Blut über meine Finger floss und seine Energie durch meine Handfläche hindurch in mich überging.
Erschüttert liess ihn los, das Geräusch, welches sein schlaffer, lebloser Körper machte, als er auf dem Boden aufschlug, hallte in meinem Kopf wider und liess mich erstarren.
Was habe ich getan…
Entsetzt erstarrte ich, liess schuldbewusst zu das Angriffe mich trafen und von den Füssen rissen. Ein Pfeil bohrte durch meinen Oberarm und eine Fluchtechnik, die mithilfe von Luftdruck Schnitte zuführte, fügte mir mehrere, parallel zulaufenden Wunden auf meinem anderen Arm zu.
Was tust du da?!
Inari versuchte mich zurückzudrängen, vollständig die Kontrolle zu übernehmen und sich meine Katatonie zu Nutze zu machen. Ein Knie traf mich mitten ins Gesicht und schickte mich zu Boden, ich konnte das Knirschen meiner Nase wahrnehmen und schmeckte einen Schwall Blut im Mund, als ein weiterer Tritt mich hart an meinem Kopf traf.
Die übrig gebliebenen Gegner prügelten wutentbrannt auf mich ein, in Rage aufgrund ihrer gefallenen Kameraden oder einfach nur wegen des Blutrausches. Eine Fussspitze rammte sich in meine Magengegend, eine Klinge prallte an der Oberfläche meiner Hose ab, die aufgrund meiner Hitze immer noch verhärtet meinen Körper schützte, jemand riss schmerzhaft an meinem Ohr.
Doch ich konnte nur keuchend meine Hände anstarren, das dunkelrote Blut, das meine Haut benetzte, die Spritzer, die bis zu meinen Ellenbogen reichten.
Jetzt bin ich wahrlich ein Monster.
Das Gefühl als würde eine Hand mein Herz schraubstockgleich umfassen, presste das letzte bisschen Luft aus meinen Lungen, der Druck erhöhte sich immer weiter, bis ich pfeifend eine Hand an meine Brust presste und mich instinktiv dank meines Fluchtinstinkts aufbäumte.
Schmerzhaft riss der Yokai an den Rändern meines Bewusstseins, verschaffte sich für wenige Sekunden die Oberhand und ich fühlte wie das Hoju sich plötzlich auflud. Die feurige Sphäre in meiner Brust implodierte und Feuer entlud sich rund um meine Gestalt, so intensiv und heiss das jegliche Angreifer in meinem Umkreis von mir fortgeschleudert wurden.
Machtlos sah ich zu wie menschliche Körper zusammenfielen und Haut und Fleisch zu Asche zerfielen und durch die Luft rieselten.
Diejenigen, die von dem Angriff nicht getroffen wurden, blieben angewurzelt stehen, erbleicht und fassungslos. Ein lautes Klacken und Scheppern erklang, als Waffen fallen gelassen wurden, die übrig gebliebenen Muratas und Zen’ins traten verängstigt den Rückzug an. Mein Visus verschwamm, Rot pochte im Takt meines Herzens und ich rieb mir zitternd über meine Augen, versuchte den blutigen Schleier zu lüften.
Was habe ich getan? Bei Gott, was hast DU getan?!
Keuchend kam ich auf die Knie, riss in einem Ruck den Pfeil aus meinem Unterarm und presste meine Hände auf meine Stirn, vergrub meine Fingern in meinem Haar, um daran zu ziehen. Der scharfe Schmerz in meiner Kopfhaut erdete mich lang genug, um das Ausmass des Gemetzels zu realisieren, das Inari mithilfe meines Körpers veranstaltet hatte.
Nein, nicht nur sie… Das war auch ich.
Ich konnte fühlen, wie der Druck auf mein Herz nachliess, wie es aus der Umklammerung freigegeben wurde und ich wieder frei atmen konnte. Japsend holte ich tief Luft, richtete meinen Oberkörper kerzengerade auf und fühlte wie meine Emotionen mich sekündlich zu überfordern begangen.
Selbsthass, Verzweiflung und Abscheu formten sich in meiner Brust zu einem bombenartigen Gemisch, welches schlussendlich in meiner Kehle explodierte und mich einen markerschütternden Schrei ausstiessen liess. Der Klagelaut war so mächtig, dass meine Stimme mittendrin brach und ich nur noch krächzend die Hände vors Gesicht schlug, heiss benetzten Tränen die Innenfläche meiner Hände, mischten sich mit dem Blut, das daran klebte.
Ich halte das nicht aus. Ich wollte das alles nicht, wollte nie das es so weit kommt.
Mein Magen rebellierte, als ich zu hyperventilieren begann und ich Asche in meinem Mund schmecken konnte, welche aufgrund einer abendlichen Brise aufgewirbelt wurde.
Das muss aufhören. Ich muss das beenden, endgültig. Das ist meine alleinige Aufgabe.
Ich spürte eine zaghafte Berührung an meiner Schulter und zuckte zurück, fiel auf meinen Rücken und rutschte blind vor Tränen zurück, bis meine Hände auf etwas verkrustetes, hartes trafen. Ich wischte mit meinem Unterarm über meine Augen und erkannte einen zerfallenden Leichnam, das Feuer hatte nur noch seine Gebeine zurückgelassen, welche hell und bleich sich von dem dunklen, grauen Russ abhoben.
Der Anblick zerrte gnadenlos das Bild der Überreste meines Vaters hervor, den das gleiche Schicksal ereilt hatte, da ich dort ebenfalls die Kontrolle über das Fuchsfeuer verloren hatte. Das Déjà-vu lähmte mich, liess mich zu einer Salzsäule erstarren und mich die Person völlig vergessen, die sich vor mir hinkniete.
«Junka. Sieh mich an.», im ersten Moment glaubte ich eine vertraute, heisere, heiss geliebte Stimme wahrzunehmen, die mich aus dem dunklen Loch zerrte, in das ich mich selbst hineinmanövrierte.
Doch keine surreal blauen Augen waren es, die mich voller Mitgefühl ansahen, es waren die schwarzen Augen Matos, die einen ähnlichen Schmerz empfanden, meine Qual anerkannten und mir so ein Teil der Bürde abnahm. Vergessen war der Zwiespalt in mir aus Hass und Zuneigung, vergessen waren die Taten, die er begangen hatte, für mich zählte nur das er in diesem Moment hier war. Wimmernd fiel ich ihm entgegen, vergrub mein Gesicht an seiner Brust und heulte auf, als seine Arme sich um mich schlossen, mir beruhigend über meinen bebenden Rücken strichen.
«Versuch es auszublenden, lass es nicht an dich heran. Lass ihn nicht gewinnen.», während er leise flüsterte, verschwamm mein Zeitgefühl und plötzlich glaubte ich wieder ich wäre vier Jahre alt und umarmte meinen Bruder, um nicht an den Lasten unserer grausamen Erziehung zu zerbrechen.
Sekunden verstrichen in dem ich mich dem Leid hingab, das Gefühl begrüsste, dass mein Herz auseinanderriss und die Schuld willkommen hiess, die einen immerwährenden Schatten auf meine Seele zeichnete.
Ich habe gemordet und ich werde es wieder tun müssen. Bis das Ganze ein Ende hat.
«Junka, wir müssen hier weg. Deine Freunde sind erst ausser Gefahr, wenn du…», ich hob meinen Kopf und fühle wie die Erkenntnis meine Tränen versiegen liess.
«Wenn ich von hier gehe und alle Eindringlinge mit mir nehmen.»



Ich fühlte wie Mato hinter mir mit dem Halsband hantierte. Vor mir stand Ichika, seine Geliebte und beäugte mich nervös und misstrauisch, während sie das Artefakt in den Händen hielt, welches Inari versiegeln konnte. Ihre frühlingsgrünen Augen waren aufmerksam und nahmen jede noch so kleine Regung meinerseits wahr, ihre Haut verströmte einen Geruch von Angst, der den Yokai in mir agitierte.
Ich hatte die Quelle meiner Macht versiegelt und so den lückenlosen Zugang von Inari zu mir verschlossen und doch fühlte es sich an, als konnte ich ihre Stimme in meinen Gedanken unterschwellig säuseln hören.
Töte sie. Töte sie alle!
Das Massaker hatte das Ara-Mitama in eine Art Rausch versetzt, welche es mir, dem menschlichen Teil dieser Zweckgemeinschaft schwer machte, sich dem Geflüster zu entziehen.
«Wenn ich das Halsband entferne, löst das einen Mechanismus aus, der dir eine Markierung zufügt. Dann werden alle ranghohen Mitglieder der Operation mithilfe davon dich orten können.», Mato drückte mir einen Gegenstand in die Hand, der aussah wie ein steinerner Kompass, dessen Inneres aus silbernem Chrom bestand. Es wirkte gleichzeitig altertümlich und modern und liess mich vermuten das der Murata Clan antike Artefakte modifiziert hatte.
Kurz bevor Mato mithilfe von Kanzen Kyanseru das Halsband löste, streckte Ichika ihre Hand aus, ihre puppenhaften Gesichtszüge ernst.
«Warte.», sie stupste unangenehm kräftig gegen meine Brust, hielt meinen Blick fest und offenbarte in ihren hellen Iriden, dass sie keineswegs so jung und unbedarft war, wie sie aufgrund ihres zarten Äusseren wirkte.
«Willst du dich nicht verabschieden? Wenn wir das Signum lösen, hast du keine Zeit mehr dafür. Dann müssen wir weg. Sofort.», ich biss mir aufgrund des letzten Worts auf die Unterlippe, schlechtes Gewissen durchzuckte mich, als sie dies mit Nachdruck sagte.
Ich schob mit meinem Handrücken ihren Finger von mir und hob mein Kinn, fühlte wie mein Herz sich zusammenzog, als ich den Kopf schüttelte, «Ist besser so. Je schneller sie ausser Gefahr sind, desto besser.»
Feigling. Lügnerin. Du weisst genau, dass sie dich nicht gehen lassen würden.
Ich konnte Mato hinter mir tief einatmen spüren, fühlte wie er aufgeregt den Atem wieder ausblies und dann Kanzen Kyanseru wirkte. Mit einem metallischen Geräusch schnappte der Verschluss des Halsbandes auf und ich fühlte wie sich etwas auf meinem Handrücken einbrannte.
Ächzend umfasste ich mein rechtes Handgelenk und sah wie sich eine Rune pechschwarz und unheilvoll auf der Haut einbrannte, in der gleichen Sekunde sprang der Zeiger des Kompasses auf mich.
Mein Blick zuckte durch die Wälder zu der Akademie in unweiter Ferne, zum Feuer, das im direkten Umkreis in den angrenzenden Wäldern brannte. Wir hatten uns mithilfe von Matos Fähigkeiten unbemerkt an den Kämpfen vorbeigeschlichen und uns mit Ichika getroffen, die bereits über alles Bescheid wusste.
Die Sorge in ihren Augen, als ihr Blick auf Mato gelegen und sich in leicht feindselige Vorsicht verwandelte, als sie mich angesehen hatte, hatte ich nicht vergessen.
Mato ergriff die Hand von Ichika, fuhr ihr sanft durch das hellbraune, schulterlange Haar und küsste sie überraschend liebevoll auf die Stirn.
«Lass uns endlich fortgehen. Wie wir es schon immer machen wollten.», ihre Lippen formten sich in ein zartes, intimes Lächeln, das nur für Mato gedacht war und ich wandte den Blick ab, ungewollt wanderten meine Augen immer wieder zum Horizont der Akademie.
Als ob ich unbewusst wollte, dass mich jemand aufhält.
Doch ich wandte meinen Blick ab, ungewiss, wann ich meine Freunde, meine neugefundene Familie wiedersehen würde, presste meine bebenden Lippen aufeinander als ich die Augen schloss und mich umdrehte.
Ich komme zurück, sobald ich es beendet habe. Sobald ich niemand mehr in Gefahr bringe.
Als wir zu Dritt durch die Wälder rannten, blitzte vor meinem inneren Auge immer wieder ein schlohweisser Haarschopf auf, ein irisierend blaues Augenpaar, welches dicht von weissen Wimpern umsäumt war und mich auf diese einzigartige, intensive Weise ansah.
Es tut mir leid. Es tut mir so leid, bitte verzeih mir…
Als ob meine sehnsüchtigen, schuldbewussten Gedanken Überhand nehmen würden, hatte ich plötzlich den unverkennbaren Geruch von Satorus Juryoku in meiner Nase.
Der Duft von zerstörerischem Stürmen, von verglühenden Sternen, von dunklen Emotionen die überkochen, von säuselndem Wahnsinn und dem lockenden Singsang von Gefahr.
Zusammen ergaben diese Komponenten den herrlich himmlischen Geruch von purem Chaos, das verführerische Aroma, zu dem sich jede Zelle in meinem Körper hingezogen fühlte, vollständig und unumkehrbar dessen verfallen.
Ich blieb ruckartig stehen, als zu dem Duft sich auch eine Präsenz gesellte, die mir sämtliche Nackenhaare aufstellen liess und meinen Instinkt ausschlagen liess. Ungläubig drehte ich mich um und sah Satoru in der Luft schweben, der Kopf leicht schräg gelegt, die Augen unberechenbar glühend, der dunkle Ausdruck in seinem Grinsen spiegelte sich in den hellen Iriden wider und beschwor heftige Gefühle in meiner Brust hervor.
Hunger, Sehnsucht, ein brennendes, hitziges Gefühl, das ich nicht beim Namen nennen wollte, doch auch Kummer, Reue und Angst.
Denn Satoru wirkte nicht glücklich oder erleichtert mich zu sehen, ein Schatten lag auf seiner Augenpartie, als er sich durchs Haar fuhr und leise lachte, der irrsinnige Klang jagte mir unangenehme Schauer über den Rücken.
«Wohin so schnell des Weges, Junka-chan?»
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast