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FUCHSFEUER

von Snowfoxy
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Action / P18 / Het
Megumi Fushiguro Nobara Kugisaki OC (Own Character) Satoru Gojo Shoko Ieiri Yuji Itadori
30.03.2021
02.01.2022
64
217.574
91
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Dieses Kapitel
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16.11.2021 3.821
 
Das Gefühl von hunderten spitzen Krallen und Zähnen, die die Haut meiner Unterarme, meines Halses und meines Gesichts zerfetzten, liess mich vor Schmerz aufschreien.
Der Anblick einer schutzlosen Ieiri hatte mich meine Deckung vernachlässigen lassen und ich wurde von der Horde Cursed Spirits überrumpelt. Scharfkantige Klauen gruben sich immer tiefer in mein Fleisch und ich hörte den Yokai in den Tiefen meines Kopfes rebellierend aufjaulen. Hitze schoss über meine Haut als mein Überlebensinstinkt sich meldete, das Feuer schoss durch meine Adern und sammelte sich in einer krachenden Sphäre in meiner Brust, die ich nur mit Müh und Not zurückhalten konnte.
Blind schlug ich um mich, fühlte wie ledrige, krallenbesetzten Tatzen in meinen Mund eindrangen und brüllte mit letzter Kraft: «Deckung!»
Ich rollte mich hoch, streckte meine Arme trotz den unzähligen kleinen Biestern, die daran hingen, aus und öffnete meine Handflächen, stiess ein erleichtertes Stöhnen aus als ich endlich die angestaute Hitze entfesseln konnte. Haiame formte sich in einem gleissenden Ring um mich und äscherte sämtliche Fluchgeister augenblicklich ein, Russ rieselte weich über meine Wangen und brachte endlich Erlösung.
Als ich meine Augen öffnete, konnte ich gerade sehen, wie Haiames Feuerring Nanami erreichte, der ohne Deckung an der Wand stand.
Was?! Nein!
Erschrocken stolperte ich auf meine Beine und streckte meine Hand aus, versuchte das Feuer zurückzurufen, jedoch konnte ich nichts mehr ausrichten. Obwohl ich die Fluchtechnik in letzter Sekunde auflöste und die Flamme zerbersten liess, erwischte der Ring Nanamis Rücken und brannte sich sofort durch seine Kleidung durch seine Haut, versengte seinen Nacken und ebenfalls seinen Hinterkopf.
Erschüttert fiel ich auf meine Knie und fühlte wie mein Hals vibrierte, realisierte erst Sekunden später, dass ich mich heiser schrie.
Meine Schuld. Ich habe ihm das angetan.
Aus dem Augenwinkel erkannte ich wie Ieiri hinter Nanamis Silhouette zum Vorschein kam und entsetzt den verletzten Sorcerer bäuchlings ablegte. Selbsthass kochte in meinem Magen und verursachte Übelkeit, voller Schuldgefühl schlug ich mehrmals gegen meine Stirn, grub die Spitzen meiner Krallen in meine Kopfhaut und fühlte warme Tropfen von Blut mein Gesicht hinabrinnen, sich mit meinen Tränen mischen.
Ein Klatschen erklang und ich hob meinen Blick, sah gerade noch wie der Curse User ausholte und nach Ieiri greifen wollte. Ohne zu realisieren, was ich tat, stand ich schon vor ihm und packte sein Handgelenk, fühlte wie seine Haut unter meiner Handfläche sich zusammenzog und Blasen warf.
Ich werde nicht noch jemanden verlieren. Jeder, der es wagt, Hand an meine Liebsten zu legen, zerfetze ich wie ein Stück Beute.
«Fass sie an und ich reisse dir deine Kehle heraus!», wutentbrannt bleckte ich meine Zähne, grub meine Krallen in seine Haut und öffnete meinen Mund, um ein bedrohliches Knurren von mir zu geben. Der Curse User zog lediglich interessiert eine Augenbraue hoch und fuhr fort mich zu beobachten, als ein leises, für menschliche Ohren unhörbares Röcheln erklang. Ich blickte zu Nanamis wundem Rücken, in dem blutenden Fleisch waren sogar Ansätze seiner Knochen sichtbar, so starke Verbrennungen hatte er erlitten.
Vergessen war die Mordlust, das Verlangen den Curse User in Stücke zu reissen, ich handelte automatisch und beförderte diesen mit einem kräftigen Faustschlag mehrere Meter weit weg. Die aufgeplatzte Haut meiner Unterarme nahm ich nicht wahr, ebenso nicht wie sich meine Gliedmassen zu verformen begannen.
Der Yokai war überraschenderweise ruhig, stimmte dem stummen Wunsch zu helfen zu und begann mit einzugreifen. Ich fühlte wie Inari auf unser Juryoku zugriff und eine mehrere Meter dicke Feuerwand zwischen uns und den Curse Usern beschwor, eine undurchdringbare Linie zog.
Keine Zeit. Lass mich eingreifen.
Anders als ich war der Yokai ruhig, konzentriert und besonnen, ich war derart in Rage, dass ich nicht bemerkte, wie ich in den Hintergrund gedrängt wurde. Mit geübten Bewegungen hielt Inari mit der rechten Wand die Feuerwand aufrecht und beschwor mit der linken Hand das Hoju. Unser rot gefärbter Visus klarte leicht auf bei dem Anblick des verwundeten Sorcerers, ich konnte genau fühlen, wie sein selbstloses Opfer Inari zutiefst berührte.
Während sie die heilende Kraft des Hoju anwandte und verbranntes Gewebe wiederherstellte, strich sie sanft über seinen Hinterkopf, so oft, bis anstelle der blutenden Kopfhaut wieder Nanamis blondes Haar unsere Handfläche berührte. Unser Blick fiel auf Ieiri, die mit aufgerissenen Augen uns beobachtete, ihre Fingerspitzen waren zitternd auf ihren Mund gepresst, glitzernde Tränen in ihren warmen, braunen Augen.
«Halte sein Opfer in Ehren. Das Wertvollste was wir besitzen ist unser Leben und wenn jemand dir zuliebe darauf verzichtet-», die Stimme, die aus unserem Mund drang, klang anders als sonst, melodischer, mit einem kratzigen, heiseren Timbre, anderweltlich und warm.
Ich wusste instinktiv, dass dies Inaris Stimme war, auch wenn wir uns stets geräuschlos mit unseren Gedanken unterhalten hatten. Sanft strichen wir eine Träne mit unseren verformten, pelzigen Krallen hinfort, die aus Ieiris Augenwinkel kullerte: «-dann macht er dir damit das grösste Geschenk überhaupt.» Gebannt blieb Ieiris Blick mit unserem verbunden, ich konnte ihre Angst riechen und doch waren ihren Iriden voller Faszination und Staunen.
Sanft führten wie ihre Hand auf den Rücken des Sorcerers, dessen Haut sich langsam durch das Hoju wieder zusammensetzte.
«Achte gut auf ihn. Und egal was du siehst oder hörst, hör nicht auf.», ich blieb im Hintergrund, als Inari das Hoju wieder in unserer Brust versiegelte und sich von Ieiri entfernte, die weiterhin Nanamis Wunden behandelte, sichtlich erleichtert, dass dieser nicht mehr an der Schwelle des Todes stand.

Mit einer drehenden Handbewegung teilten wir das Feuer und erkannten die neu beschworene Horde an Fluchgeistern, die auf uns wartete. Das Artefakt in Naoyas Hand hatte sich glühend in die Luft erhoben, ich konnte das Flimmern von uralter, mächtiger Energie rundherum wahrnehmen.
Unser Anblick schien Mato und besonders Naoya zu verstören, während der schwarzhaarige Curse User lediglich interessiert lächelte. Mit einem Fingerschnipser beschworen wir wieder die Feuerwand, um Ieiri und die Verletzten abzuschirmen, die bereits aufgebrauchte Fluchkraft kippte die Waagschale zu einer Ungunst, ich konnte fühlen, wie der Einfluss des Yokais wuchs und welchen Tribut dies mir abverlangte.
Das mächtige Juryoku des Ara-Mitama liess unser Herz ungesund rasen, erhöhte unsere Atemfrequenz und brannte sich durch sämtliche Körperzellen hindurch. Mit der Andeutung eines herausfordernden Lächelns reckte ich mein Kinn und winkte die Curse User in meine Richtung, säuselte leise: «Wenn ihr etwas von uns wollt, kommt und holt es euch.»
Ich täuschte einen Angriff an, rannte in voller Geschwindigkeit auf Naoya zu, fühlte wie die Energie des Artefakts an meinen Nervenenden zupfte, je näher ich an ihn rankam. Mato baute sich vor dem Zen’in auf, die Klingen gezückt und bereit zu Schneiden, doch ich konzentrierte Hitze in meine Waden und federte mich vom Boden ab. Während ich über meine Gegner drüber sprang, mit der Absicht sie weg zu locken, fühlte ich wie Inari gegen mein Vortasten protestierte, mir nicht die vollständige Kontrolle übergeben wollte.
Deine Gefühle machen dich schwach. Du bist unkonzentriert.
Ich biss meine Zähne zusammen, musste notgedrungen zugeben, dass ich mich aufgrund des Schocks nicht im Griff gehabt habe. Nun da Nanami nicht mehr in Lebensgefahr schwebte, hatte ich wieder einen klaren Kopf, verdrängte das traumatische Bild, wie mein Feuer ihn schwer verletzt hatte. Es verschlug mir den Atem und liess die ätzend giftige Kugel von Selbsthass in meinem Bauch blubbern.
Mein Körper, also bestimme immer noch ich, wann du ran darfst.
Aus dem Augenwinkel sah ich wie die Curse User drauf ansprangen und die Verfolgung ansetzten, ich wirkte noch mehr Hitze in meinen Beinen und fühlte den erkaltenden Nachtwind auf meinem Gesicht als ich über die Dächer rannte, dachte angestrengt nach, warum ich im Visier von Curse Usern und Cursed Spirits zugleich war.
Das Hoju. Bisher sind die Möglichkeiten und das Powerlevel unbegrenzt. Arbeitet der Murata-Clan also mit Cursed Spirits und Curse Usern zusammen?
Ich warf gerade ein Blick nach hinten als ein helles, blau gleissendes Licht weit von mir entfernt mich aufkeuchen liess. Satorus entfesselte Aura konnte ich trotz der Entfernung purpurn leuchten sehen, er richtete gerade eine Verwüstung in den Wäldern an.
In der Nähe davon flammten meterhohe Feuerzungen auf, der Special Grade Jogo schien zu seiner Kraft zurückgefunden zu haben. Ich blieb stehen, realisierte gerade gegen was meine Freunde kämpfen mussten. Sorgenvoll biss ich mir auf die Unterlippe, wich einem vorbeizischenden Fluchgeist aus und packte ihn mit meiner rechten Hand.
Ich grub meine Krallen in seinen glitschigen, kleinen Kopf, während ich ihn exorzierte, fühlte ein Knurren in meiner Brust rasseln und sah die Silhouetten meiner Verfolger näherkommen. Ich wollte gerade behände vom Dach weg vom Akademiegelände springen, als der schwarzhaarige Curse User ein besonders grossen Fluchgeist beschwor. Dieser erwischte mit seinem riesigen Maul mein Bein und schloss seinen zahnbesetzten Kiefer um meinen rechten Oberschenkel, ich zischte als meine Knochen unter der Gewalt des Bisses knirschten.
Um mich zu verteidigen beschwor ich Feuer hervor, doch ich kam nicht dazu es einzusetzen, der Cursed Spirit schleuderte mich durch die Luft und ich krachte erneut durch massives Holz, stiess ein schmerzerfülltes Stöhnen aus als ich mir besonders hart den Kopf anschlug.
Übelkeit und pochender Schwindel machte es mir unmöglich mich zu bewegen, angsterfüllt erkannte ich das die Kopfverletzung übel sein musste, da die Muskelpartien meines Nackens und meiner Schultern sich stark zu verkrampfen begannen.
Steh auf. Kämpfe. Mach etwas.
Meine Gliedmassen wollten mir nicht gehorchen, angestrengt hielt ich meine Augenlider offen und sah wie meine Verfolger mich eingeholt hatten.
«Es ist so weit. Ich habe nahezu meinen ganzen Reserven aufgebraucht. Wie überaus lästig, doch meine Leute befinden sich schon auf dem Weg hierher. Die Sorcerer scheinen sich aufgrund von Verletzten und Verlusten zurückzuziehen.», Naoyas schadenfreudiges Grinsen liess mich aufknurren, was ich sofort bereute. Meine Rippen protestierten und ich stemmte mich mit aller Kraft auf meine Unterarme, versuchte die hölzernen Trümmer von mir zu schütteln. Das Artefakt in Naoyas Hand leuchtete so hell auf, dass ich meine Augen zusammenkneifen musste, die folgenden Worte liessen mich zur Salzsäule erstarren.
«Kami no keimusho.», die ausgesprochene Formel führte dazu, dass sich die Energie des Artefakts ruckartig ausbreitete und sich an meine Extremitäten heftete. Der metallene Halsring reagierte ebenfalls, glühte heiss auf und schien die fremde Energie anzuziehen, zu leiten.
Das Gefühl von scharfen Tentakeln, die meine Haut durchbrachen und sich darunter ausbreiteten liess mich vor Qual aufschreien. Der Yokai in meinem Inneren reagierte genau auf die gleiche Weise, ich konnte ihr gepeinigtes Fauchen in meinem Kopf hören.
«St-Stopp! Macht das es aufhört!», meine Stimme brach, helle Blitze vor meinem Auge nahmen mir meine Sicht, ich konnte spüren wie ich mich hin und her warf, versuchte von dem Gefühl, auseinandergerissen zu werden, zu fliehen. Ich presste meine geballten Fäuste gegen meine Schläfen, fühlte wie eine warme Flüssigkeit aus meiner Nase und meinen Augen rann, und wischte im Reflex drüber, unterdrückte ein Würgen als ich das viele Rot auf meinen Fingerspitzen wahrnahm.
Hilflos holte ich rasselnd Atem, musste husten und schmeckte ebenfalls Blut in meinem Mund.
«Aufhören. Hör damit auf, sofort! Es bringt sie um!», Matos Stimme klang dumpf, als wären meine Ohren in Watte gepackt, ich konnte lediglich einen Schatten wahrnehmen, als sich jemand vor mich hinstellte.
«Das war nicht Teil der Abmachung. Masaru hat ausdrücklich gesagt, ich soll nicht aufhören, bis das Ara-Mitama versiegelt ist. Sobald Yokai und Vessel voneinander getrennt sind, übergebe ich dir das Artefakt und bekomme dafür sie.», ich igelte mich zu einer Kugel, presste meine Fingerknöchel gegen meine Schläfen und versuchte nicht den Verstand zu verlieren.
Ich halte das nicht mehr aus, bitte mach das es aufhört. Es tut so weh.
Ein dumpfer Aufprall erklang und dann ein amüsiertes Lachen, das vertraute Gefühl von Kanzen Kyanseru fegte über mich hinweg und hob das schmerzhafte Einwirken auf meinen Körper augenblicklich auf.
Erstaunt öffnete ich meine Augen und sah wie Masato eine Abwehrhaltung vor mir eingenommen hatte, sein Juryoku hell entfacht.
«Du wirst sie nicht bekommen… Nur über meine Leiche.», Matos Stimme war anfangs leiser, so als ob er sich aufgrund seiner Worte unsicher fühlte, doch gewann schnell an Kraft, bis er das letzte Wort entschlossen zischte. Zitternd hob ich meinen Kopf und zupfte an dem Rand seiner Montur, erstarrte als er seinen Kopf in meine Richtung wandte und ich den gequälten Ausdruck in seinen dunklen Augen erkannte.
«Genug. Ich kann nicht mehr zusehen. Auch wenn es mich umbringen wird, ich kann dich nicht mehr leiden sehen.», mir klappte der Mund auf, als Mato mir seine Hand entgegenstreckte.
Ich wollte sie ergreifen, als ich eine rasche Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnahm. Naoya raste dank seiner Fluchtechnik übermenschlich schnell auf uns zu, das Artefakt immer noch aktiviert und ich versuchte auf die Beine zu kommen, mich zu verteidigen, doch ich hatte nicht mit Mato gerechnet.
Eine flüssige Bewegung machend, fuhr sein Dolch präzise durch die Luft, doch nichts geschah, so dass ich im ersten Moment glaubte, dass er verfehlt hatte. Meine Augen weiteten sich als Blut aufspritzte und Naoyas rechte Hand abfiel, bevor ich reagieren konnte, pflückte Mato das Artefakt aus der Luft und beförderte Naoya mit einem heftigen Tritt mehrere Meter weit weg.
«Ich habe nur darauf gewartet, dass du uns hintergehst, kleiner Murata. Vielleicht füg ich dich meiner Sammlung hinzu.», der langhaarige Curse User hob Naoyas abgetrennte Hand auf und wedelte makaber albern damit in der Luft.
Mato stützte mich und schob mich beschützend hinter sich, ging in die Knie und umfasste die Griffe seiner Dolche so stark, das ich sehen konnte, wie seine Hände zitterten.
Sein Geruch von Angst und Sorge drang in meine Nase, ich griff an meinen Kopf und versuchte den starken Schwindel und die Übelkeit abzuschütteln, konzentrierte Hitze in meine Mitte und versuchte so meine Selbstheilung anzuregen.
Wenn es so lange dauert, hab ich mich ordentlich verletzt. Ich hab keine Zeit, ich muss ihm helfen.
Wackelig stellte ich mich neben Mato hin, schnaubte augenrollend als er missbilligend den Kopf schüttelte. Mit einem teuflischen Kichern beschwor der Curse User Massen an Fluchgeistern, welche klackend und rasselnd sich aufbauten, bereit uns in Stücke zu reissen. Ich knirschte mit meinen Zähnen, versuchte den Kopf aufrecht zu halten und beschwor Feuer in meine Hände, welches jedoch instabil flackerte.
Ich kriegs nicht hin. Mein Kopf ist noch zu matschig.
«Mato. Du solltest-», bevor ich meinen Satz zu ende sprechen konnte, fiel er mir bereits in Wort, «Flieh. Ich kann ihn lange genug aufhalten, damit du wegkommst. Finde Gojo Satoru, erst ist der Einzige, der es mit allen aufnehmen kann.»
Grob drückte er das Artefakt mir in die Hände, Resignation in seinen Augen, Reue in dem kaum sichtbaren Lächeln in seinem Mundwinkel. Das Gesicht der jungen Frau flackerte in meinen Gedanken auf, ein Mitglied des Murataclans, welches mich dazumal in Himeji mit beschützt hatte.
Wenn jemand dir zuliebe auf sein Leben verzichtet, macht er dir damit das grösste Geschenk überhaupt.
Ich umfasste seinen Oberarm, fühlte wie warm Tränen sich in meinen Augenwinkeln sammelten und schüttelte entschlossen meinen Kopf: «Niemals. Das lasse ich nicht zu.»
Mato wollte gerade gereizt zu einer Gegenantwort ansetzen, als das unglaublich laute Geräusch von hunderten, quakenden Fröschen erklang. Irritiert starrte ich die geflügelten Frösche an, welche innerhalb weniger Sekunden sich in der Umgebung versammelten und atmete erleichtert auf, als ich Megumis Technik Seiteishirazu erkannte.
Ein schriller Schrei erklang und ich blickte hoch zum Himmel, sah wie Nue in Sturzflug überging und Megumi direkt vor uns ablud. Das Lächeln auf meinen Lippen gefror als ich die vielen Kratzer und getrocknetes Blut in seinem Gesicht erkannte, er war sichtlich angeschlagen. Nur wenige Sekunden später landete Todo neben ihm, ähnlich mitgenommen.
«Zieht euch zurück. Du kannst kaum stehen.», verärgert grunzte Megumi dies zu und liess mir keine Zeit zu protestieren, ging direkt gemeinsam mit Todo in den Angriff über. Unschlüssig blieb ich erstarrt stehen, weigerte mich meine Freunde für mich kämpfen zu lassen, doch musste Megumi zustimmen.
Je länger ich mich auf den Beinen zwang, desto stärker wurde der Schwindel und die Muskelkrämpfe. Ich beschloss mich von Mato zu Ieiri geleiten zu lassen, damit sie meinen Kopf behandeln konnte, sodass ich direkt danach in die Offensive gehen konnte.



Ieiri wirkte wohltuend ihre Reverse Cursed Technik auf meine Schläfen, der Schwindel wich sekündlich von mir. Während der Prozedur liess sie Masato nicht aus den Augen, der entfernt von uns an der Wand stand und verloren das Artefakt anstarrte, welches immer noch von Naoyas Juryoku erfüllt, glühte.
«Vertraust du ihm?», Ieiri sprach leise, doch ich erkannte, wie Matos Schultern sich verkrampften, er hatte für einen Menschen verdammt scharfe Sinne.
«Nicht wirklich. Aber für den Moment genug.», meine Antwort fiel knapp aus und Mato hob aufgrund meiner Worte seinen Kopf, sein Blick traf den meinen und ich konnte mich selbst in dem entschlossenen Glanz seiner Augen erkennen. Ich nahm Nanamis ruhende Gestalt auf einem behelfsmässigen Krankenlager wahr, das Ieiri aufgebaut hatte für die vielen Verwundeten, mein Herz zog sich zusammen, als ich ebenfalls mehrere komplett zugedeckten Körper wahrnahm.
«Wir haben Gakuganji verloren. Ich konnte nichts mehr für ihn tun.», ich krallte meine Finger in den Stoff meines Oberteils, biss mir fest auf meine Unterlippe.
Ich habe ihn vielleicht gehasst, aber niemals gewollt das er stirbt. Das so viele Menschen verletzt werden oder ihr Leben verlieren. Alles meinetwegen.
Stimmen wurden laut und ich wischte Ieiris Hände von mir, erhob mich und bemerkte Mato, wie er sich neben mir aufbaute, als durch einen Hintereingang eine Traube Menschen eintrat.
Die Fluchauren der Sorcerer waren mir sofort bekannt und ich rannte erleichtert der Gruppe entgegen, als ich Yuji und Nobara erkannte, ebenso Panda.
Doch als ich ihre Gesichter sah, blieb ich starr stehen, presste meine Hand auf meinen Mund. Nobara war völlig aufgelöst, ihre Augen verquollen und ihre Gesichtshaut sehr blass, ich erkannte den schlaffen Körper, den Yuji trug, Makis olivgrünes Haar und die notdürftige Bandage um ihr Gesicht.
Nein.
Panda schlurfte ebenfalls mit hängendem Kopf hinterher, ein zierlicher, kleiner Körper in seinen Tatzen mit blondem Haar, welches durch das viele, verkrustete Blut kupfern wirkte. Yujis Gesichtszüge hellten auf als er Ieiri erkannte und rannte los, rief laut nach der Ärztin.
«Bitte Ieiri-san, sie müssen ihr helfen. Sie ist schwer verletzt.», vorsichtig legte er Maki auf dem Boden ab, ich erzitterte als ich aufgeplatzte Haut und tiefe Schnitte wahrnahm, ihre sowieso schon kaum wahrnehmbare Fluchkraft nicht vorhanden.
«Sie-Sie hat so viel Blut verloren. So viel…», Nobara lehnte ihre Stirn an meinen Oberarm, suchte nach Trost, doch ich zuckte zurück. Mein Herzschlag erhöhte sich, so stark, dass ich ihn in meinen Ohren dröhnten hörte, das dumpfe Pochen verschluckte sämtliche Worte.
Starr blickte ich zu Boden, fühlte wie jeder meiner Muskeln sich anspannte, und zu hartem Stahl wurde.
Meine Schuld. Wäre ich nicht hier, wäre nicht der Akademie beigetreten, wäre all das nie passiert.
Ein lauter Knall durchschnitt die Stille, Panda hatte knurrend auf den Boden geschlagen und schickte direkt einen weiteren Schlag hinterher, begann zornig auf den steinernen Boden zu trommeln. Meine Beine knickten weg als ich sah wie Ieiri erschüttert über Momos Stirn strich und dann traurig den Kopf schüttelte.
«Leute, wir haben ein Problem. Die Zen’ins und Muratas holen uns gleich ein, wir müssen eine Verteidigungslinie aufstellen!», Mai wies keuchend in die Richtung, aus der sie und Kasumi gerade gekommen waren, beide über und über mit Schmutz und Blut bedeckt.
Die stärksten Sorcerer kämpfen also gegen die Special Grades. Während Satoru, Yuta und Toge die mächtigen Cursed Spirits in Schach halten, versuchen die Soldaten der Muratas und die übergelaufenen Zen’ins die Schüler und Lehrer auszulöschen. Das Ganze ist ein Komplott.
«Junka.», Matos Stimme zog meine Aufmerksamkeit auf sich, ein eigenartiges, eindringliches Funkeln in den Augen. Er streifte sich seinen Handschuh ab und streckte mir seine unbedeckte Hand entgegen.
Ich realisierte sofort was er mir damit andeutete.

«Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Für niemanden von uns.», ich ergriff seine Hand und zuckte aufgrund der Empfindung stark zusammen. Keuchend riss ich meine Augen auf, als ich die vertraute, brodelnde Energie Inaris in ihm wahrnehmen konnte. Die übermenschliche Kraft, welche von Anfang an von ihm abgestossen wurde, schien mich sofort zu erkennen und sich mir entgegenzustrecken.
Das versiegelte Hoju in meiner Brust reagierte, ich fühlte, wie prickelnde Wärme über meine Haut schoss und durch unsere verschränkten Hände in Mato überging. Dieser atmete bebend ein, seine Lippen formten sich in ein winziges Lächeln und seine Augen schlossen sich erleichtert, als die schädliche Energie des Ara-Mitama ihn verliess.
Der Yokai in mir breitete sich röhrend aus, als ein Splitter ihrer selbst, ein Teil ihrer Seele, durch Masaru Muratas pervertierte Experimente verloren gedacht, zu ihr zurückkehrte.
Mein Herz donnerte derart kraftvoll in meiner Brust, angetrieben von dem Strom an Macht, welches sich in meinem Körper entfaltete, ich fühlte wie mein Mal heiss aufloderte, wie ein heller, heisser Schmerz meine Wirbelsäule entlang schoss. Keuchend liess ich Mato los, fühlte wie Hände nach meinen Schultern packten, doch ich schlug sie von mir.
Fauchend presste ich meine Hände gegen meine Schläfen, als Gedankensplitter, Fetzen von fremden Erinnerungen meinen Kopf füllten, Jahre, nein, Jahrhunderte der Pein, die Inari erfahren musste. Während ich wimmernd zusammensank und zähneknirschend versuchte die Kontrolle zu behalten, fühlte ich wie die neue Energie in mir wirkte und mich veränderte.
Mein Verständnis von Juryoku, von der Energie lebender Körper, dem Funken des Lebens selbst vertiefte sich, verband sich mit dem Wissen des Yokais, welcher ein Stück ihrer Selbst zurückerlangt hatte.
Mein Name ist Inari Okami.
Ich öffnete meine Augen und richtete mich langsam auf, erkannte das goldene Funkeln meiner Haut an meinen unbedeckten Armen, rotgoldene Flammen, die sich um meine Finger räkelten und fühlte, wie mein Schweif sich verlängert hatte. Die Quelle meiner Kraft war weit offen, knisternd pochte das Hoju im Einklang mit meinem Herzen und harmonierte mit dem Juryoku des Ara-Mitama.
Ich drehte mich um und erkannte das mein Schwanz sich gespalten hatte, anstatt eines buschigen Schweifes besass ich nun drei ausgebildete Glieder, dessen helle Schwanzspitzen glühten.
«J-Junka?», Yujis Stimme liess mich herumwirbeln und ich erkannte sein Gesicht sofort, die tiefe Sorge in seinen hellen, braunen Augen.
Mein Name ist aber auch Sasaki Junka.
Ich formte ein einhändiges Handzeichen vor meiner Brust und liess die pulsierende Quelle versiegen, verschloss die Verbindung zum Hoju instinktiv. Ich konnte nicht genau bestimmen, wer diese Bewegung gemacht hatte, schüttelte leicht meinen Kopf, meine Gedanken immer noch wirr.
Schnaubend rieb ich mit meinen Fingerknöcheln über meine Stirn, flüsterte leise: «Zieh dich zurück. Ich kann nicht klar denken.»
Sanft berührte Yuji mich an meiner Schulter, die Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben: «Yokatta. Bin ich froh, dass du unverletzt bist.»
Zuneigung erblühte in meiner Brust, da ich ebenso fühlte und schloss schnell meine Arme um ihn.
«Pass bitte gut auf alle hier auf. Ich bin gleich zurück.», ich drückte ihn nochmal kräftig, nickte ihm entschlossen zu und wollte zu Mato eilen, der bereits im Gang auf mich wartete, als Yujis Hand sich kräftig um meinen Unterarm schloss.
Untypisch ernst sah er mir in die Augen, wirkte durch den düsteren, unmissverständlichen Gesichtsausdruck Jahre älter.
«Sei vorsichtig. Und verlier nicht die Kontrolle.», ich zog leicht meinen Arm zurück, bis seine Finger meinen Handrücken streiften und ich seine Hand drücken konnte, fühlte wie diese kleine, kurze Geste mir die nötige Kraft gab.
«Versprochen.»
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