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OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Antinomy / Bruno Yusei Fudo
29.03.2021
29.03.2021
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It’s not your fault, love, you didn’t know.
You didn’t know.


„Kalifornien? Was machen die denn da?“
Fragend verzog er die Miene, während er sein Handy besah. Doch dann zuckte er mit den Achseln und trank einen Schluck Kaffee aus der Tasse, die er in der anderen Hand hielt.
„Was ist mit Kathode?“, ertönte es von einer hellen und neugierigen Stimme. Yusei, der es besser wusste, rollte mit den Augen und stellte es richtig. „Kalifornien, Bruno, hör wenigstens richtig hin.“
Dann verließ er die Küche und trat in das Wohnzimmer ein.
Dort lag Bruno der Länge nach auf einem der Sofas und streckte sich. Leise Musik erklang durch den Fernseher. Yusei setzte sich zu ihm, stellte die Kaffeetasse ab und rückte seine Brille zurecht. „Jack hat mir geschrieben, dass sie gestern Abend aus Kalifornien losgeflogen sind.“
„Müssten die nicht längst in Seattle angekommen sein? Der Cup startet doch nächste Woche.“
„Ja.“
„… Na ja, vielleicht war der Flug von dort aus billiger.“
Bruno setzte sich auf und breitete seinen linken Arm auf der Lehne aus, sodass Yusei nicht auf der Kante saß. Yusei, der nur darauf gewartet hatte, rutschte zurück. Allerdings spürte er prompt zwei Arme, die sich um ihn schlangen und blaue Haare quetschten sich zwischen seine Brille und sein Blickfeld.
„Ist etwas?“, fragte Yusei. Er zog kurz seinen Kopf weg, da Brunos Haare störten und schielte zu ihm. Bruno hatte seinen Kopf auf Yuseis Schulter abgelegt, doch hatte die Augen geschlossen und lächelte. Seine Arme umklammerten Yusei fester. „Ich hab dich vermisst.“
Yusei entlockte es ein Grinsen. Aber Bruno wollte noch ausführlich erklären, warum er Yusei vermisst hatte. „Du warst die ganze Woche kaum Zuhause und wenn, dann hast du hier weiter gearbeitet, ich hab die ganze Zeit alleine im Bett geschlafen.“ Während er das sagte, verzog er seinen Mund zu einem Schmollen und seufzte.
„Ich habe auch im Bett geschlafen“, entgegnete Yusei und wartete darauf, dass Bruno endlich zu ihm hochsah. Das tat er auch, aber nur um Yusei von seinem Schmollen bildlich in Kenntnis zu setzen. „Ja, aber nur dann, wenn ich schon geschlafen habe! Ich hab das gar nicht mitbekommen, du warst fast gar nicht da.“
Yusei spitzte kurz die Lippen und schenkte Bruno einen vielsagenden Blick. „Das ist schon so oft gewesen und du hast dich nie beschwert, was ist denn jetzt los?“
„Darf ich dich gar nicht vermissen?“
Jetzt setzte Bruno sich auf, sodass Yusei zu ihm hochgucken musste. Seinem Blick nach zu urteilen, wollte er Yusei Vorwürfe machen, aber es war letztendlich nur ein Quengeln. Yusei lächelte. „Doch, klar. Aber warum heute so anhänglich?“
„Darum.“
Bruno streckte ihm die Zunge raus, doch dann entspannten sich auch seine Gesichtszüge wieder. Von Yuseis Lächeln angesteckt drückte er kurz seine Stirn gegen Yuseis, bevor er ihm einen Kuss gab.
„Tut mir leid“, murmelte Yusei daraufhin. „Die letzten Wochen ist ohne mich so viel liegengeblieben, das muss ich jetzt aufholen.“
Aber er wusste, dass Bruno gar nicht wirklich sauer war oder eine Entschuldigung verlangte. Dennoch tat er es. Er hatte das Gefühl, es ihm schuldig zu sein.
„Ach, ich weiß, ist doch alles gut“, beschwichtigte Bruno. „Das war der Preis fürs Heiraten.“
Heiraten.
Dieses Wort löste ein Kribbeln in Yusei aus. Als war es magisch. Nach all den Jahren hatte Bruno ihm endlich das Ja gegeben. Bis ans Lebensende.
Yusei lächelte wieder und küsste seinen Mann. Bruno allerdings zog ihn in seine Arme und ließ seinen Lippen keine Ruhe mehr. Immer langsamer, immer länger küsste er Yusei und drückte ihn sanft an sich. Yusei ließ sich darauf ein, dass sie sich so nahe waren, war doch zu lange her. Er verstand allmählich, was Bruno meinte. Eine ganze Woche nur spärliche Nähe, keine Zärtlichkeiten, obwohl sie frisch verheiratet waren.
Er hatte es ebenso vermisst. Er hatte Bruno ebenso vermisst.
Doch als Bruno fordernder wurde und in einen der Küsse hinein stöhnte, legte Yusei eine Hand auf seine Brust und löste sich von ihm. „Ich weiß, aber nicht jetzt.“
Kaum hatte er das ausgesprochen, atmete Bruno tief durch und ließ die Schultern hängen. „Manno.“
Yusei schüttelte leicht den Kopf, rückte wieder seine Brille zurecht und küsste ihn ein letztes Mal. „Hast du mal auf die Uhr gesehen? Jack und Carly kommen in zwei Stunden und bis dahin müssen wir noch die Wohnung auf Vordermann bringen.“
Schon wieder verzog Bruno sein Gesicht zu einem verspielten Schmollen, doch erhob sich dann gemeinsam mit seinem Mann. „Na gut, du hast ja recht. Aufteilung wie immer?“
Doch Yusei schüttelte den Kopf. „Lass uns heute mal tauschen, ich mach die Küche und das Bad.“
Bruno legte seine Stirn in Falten. „Du willst doch nie das Bad putzen.“
„Ich will auch vornehmlich erst meinen Kaffee austrinken.“ Nun griff Yusei die Tasse wieder und zwinkerte ihm zu.
„Ach, daher weht der Wind.“
Schmunzelnd wandte sich Bruno ab und streckte sich ein weiteres Mal, während er das Wohnzimmer verließ. „Find ich super, Glastische putzen kann ich, das ist viel einfacher.“
Yusei seufzte und umklammerte seine Tasse nur mit beiden Händen.
Ihm kam alles so surreal vor. Nach all der Zeit und obwohl die beiden schon so lange zusammenlebten, hatte er das Gefühl, alles wieder so zu erleben, als wäre es das erste Mal.
Es erfüllte ihn mit Ruhe. So viele Jahre hatte es gedauert, doch nun konnte er endlich von sich behaupten, glücklich zu sein.
Er trank seinen Kaffee aus und stellte die Tasse in die Spülmaschine. Anschließend bewaffnete er sich mit mehreren Putzlappen und begann, die Küchenzeile und die Schränke abzuwischen.
Bruno sang lauthals mit der Musik, die er über seine Kopfhörer hörte, während er sich den Glastischen widmete.
Doch als er damit fertig war und gerade den Staubsauger holte, lehnte er sich an die Theke, die an die Küche anschloss, sodass er Yusei sah, der diese gerade vom Staub befreite.
Fragend sah er Bruno an, auf dem Gesicht des großen Mannes lag Unruhe. „Meinst du“, fing er an. „Auf dem Weg zu Seattle war es so weit?“
Yusei überlegte kurz, verschärfte für einen Moment seinen Blick, und kam zu einer Erkenntnis. „Theoretisch. Aber hätten sie dann nicht schon was erzählt?“
Bruno zuckte mit den Schultern. „Vielleicht auch nicht. Aber das würde erklären, warum sie noch in Kalifornien waren.“
„Wir werden es ja gleich sehen.“

Als die Wohnung endlich wieder blitzte, Bruno schon Kekse aus einem der Schränke holte und Kaffee aufgesetzt hatte, ertönte eine dezente Klingel.
Jack und Carly.
Bruno wollte gerade los zur Tür sprinten, doch Yusei war schon aus dem Arbeitszimmer hergelaufen. „Ich mache schon!“
Er ging zur Wohnungstür, jedoch ließ Bruno die Kekse links liegen und lehnte sich auf die Theke, durch die er den perfekten Ausblick hatte.
Yusei öffnete.
Doch was er sah, erstaunte ihn.
„Hi!“
Es war Jack, der lässig dastand und grüßte. Neben ihm stand seine Freundin Carly, die Yusei zulächelte. „Hallo!“
Sie sah immer noch hochschwanger aus, doch sie hielt tatsächlich eine Babyschale in den Händen.
Brunos Augen funkelten, in Windeseile stand er an Yuseis Seite und hockte sich hinunter, um hineinzusehen. „Oh, wie süß!“
„Wow, wir hatten uns schon gewundert, was wohl passiert sein könnte“, sagte Yusei. „Hi, kommt erst mal rein!“
Er und Bruno machten Platz, damit das befreundete Paar die Wohnung betreten konnte. Und während Yusei die Tür wieder schloss, war sein Mann vor Begeisterung gar nicht mehr zu halten. Er umarmte sowohl Jack als auch Carly. „Meine Güte, warum habt ihr denn nichts gesagt? Herzlichen Glückwunsch!“
Sie bedankten sich beide, aber Bruno begutachtete schon wieder das Baby. „Der Kleine ist ja putzig! Wann war es denn so weit?“
Doch bevor Carly etwas sagen konnte, begann Jack zu grinsen. „Putzig? Mittlerweile geht’s, am Anfang fand ich die Kartoffel ziemlich hässlich. Bis der putzig wird, dauert’s noch eine Weile.“
„Ach, Jack!“, meckerte Carly und haute ihm imaginär auf den Mund. „Drei Wochen ist die Geburt jetzt her.“
Bruno und Yusei lachten jedoch noch über Jacks Spruch. Jack zuckte mit den Achseln und zog seiner Freundin gegenüber eine Augenbraue hoch. „Du hast es im Krankenhaus nicht abgestritten!“
Carly ignorierte das peinlich berührt, ging weiter hinein in das Wohnzimmer und stellte die Schale auf dem Sofa ab, blieb aber davor stehen. Bruno brachte den Kaffee und die Kekse zu Tisch und setzte sich.
„Sam ist aber ein ruhiges Baby, kann das sein?“, bemerkte Yusei und zeigte auf das Baby. Es schlief tief und fest. Doch Carly lachte sofort auf. „Ja, wenn er schläft! Sobald er wach ist, macht er Theater.“
Da musste Bruno wieder lachen, beteuerte aber, dass er das gut glauben konnte. Yusei ging indessen zu Jack und gratulierte den frisch gebackenen Eltern. Gleichzeitig wünschten Jack und Carly nachträglich alles Liebe zur Hochzeit. „Unser Hochzeitsgeschenk ist gewissermaßen Sam“, gab Carly zu und lachte. „Er ist nämlich geboren am 16.04. um 14:28 Uhr.“
„Ach, nein, ausgerechnet an unserem Hochzeitstag!“, entfuhr es Bruno noch freudiger. Carly kramte mit einem Nicken ihr Handy heraus und begann, Fotos zu zeigen.
„Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich Carly total unterschätzt habe“, sagte Jack zu Yusei. Bruno war viel zu verliebt, um Jack zuzuhören, und schaute sich begeistert jedes einzelne Bild von dem kleinen Sam an.
„Wieso?“, fragte Yusei, obwohl er es sich schon denken konnte und grinste. „Den ganzen Morgen über hat sie meine Hand gequetscht, ihr könnt mir sagen, was ihr wollt, aber die Geburt war für mich auch extrem schmerzhaft.“
Yusei musste tatsächlich sehr lachen.
Ihn durchströmte ein wohliges Gefühl. Freude, Glück. Zufriedenheit.


~


Die abendliche Dämmerung verflog allmählich in die dunklen Farben der Nacht.
Yusei verabschiedete Jack, Carly und Sam an der Wohnungstür und schloss sie daraufhin.
„War der Kleine nicht total süß?“, fragte Bruno sogleich, während er das Geschirr wegräumte. Doch Yusei spitzte schon wieder die Lippen, bevor er sprach. „Ich halte da eher zu Jack, schon ein echtes Wunder, aber… Ich finde Babys nicht so ansehnlich wie du.“
Bruno stützte sich mit den Ellenbogen auf der Theke ab und legte den Kopf in die Hände. „Heißt das, du willst kein kleines Baby haben?“
Yusei setzte sich auf einen der Barhocker, sodass er Bruno direkt gegenüber war und rückte seine Brille auf der Nase zurecht. „Das habe ich nie gesagt, aber fürs Erste bin ich mit dir allein ganz glücklich.“
„Naw!“
Bruno lachte und gab seinem Mann einen Kuss. „Willst du heute was Bestimmtes machen?“, fragte er anschließend. Yusei stand auf und, ohne zu überlegen, teilte er Bruno seinen Vorschlag mit. „Wie wär’s mit einfach nur im Bett liegen und einen entspannten Abend zusammen verbringen?“
„Hm.“
Bruno verließ die Küche und umarmte Yusei von hinten, kurz und fest. „Darauf habe ich gehofft, ich habe dich so vermisst!“
Er lief voraus und zog sich schon auf dem Weg zur Schlafzimmertür das T-Shirt aus. Yusei schüttelte den Kopf. Manchmal fragte er sich, ob sein Mann wirklich schon auf die Dreißig zuging.
Er folgt Bruno ins Schlafzimmer. Dieser hatte sich die Hose schon längst ausgezogen und krabbelte nun ins Bett.
Yusei sammelte Brunos Klamotten vom Boden auf und legte sie auf die Kommode. Dann legte er seine Brille daneben und entledigte sich seiner Kleidung. „Siehst du?“, fragte Bruno und zeigte auf ihn. „Genau das habe ich vermisst.“
Yusei lächelte, nahm die Decke hoch und kuschelte sich ins Bett. Bruno legte einen Arm um seine Schultern und zog ihn an sich heran.
Tief atmete Yusei durch und schloss seine Augen. Wie sehr hatte er es vermisst, einfach nur mit seinem Mann im Bett zu liegen und nichts zu tun. Kein Stress, keine Arbeit, kein Anruf, keine Freunde. Nur Bruno und Yusei.
Er genoss die entspannte Stille und er liebte es, Brunos Wärme zu spüren.
„Yusei?“, erklang es nach einer Weile. Er sah nicht hoch, sondern machte nur einen fragenden Laut.
Bruno sprach erst nach einigen Sekunden weiter, so als hätte er noch überlegt. „Danke.“
Nun löste Yusei sich aus der Umarmung und schaute ihn an. Erschrocken riss er die Augen auf.

Ein kleiner Kratzer erstreckte sich über Brunos Wange. Kleine rote Linien schlängelten ihren Weg zu seinem Kinn. „Bruno, du blutest ja“, wisperte Yusei und wollte schon aufspringen. Doch Bruno hielt sein Handgelenk fest und schüttelte den Kopf. „Ist schon gut. Ich will dir einfach nur danken.“
„Wofür?“
Yusei war perplex, was war plötzlich los mit seinem Mann? Und warum blutete er plötzlich?
Doch Bruno lächelte ihn an und in seinem Blick schwang so etwas wie Erleichterung mit. „Für alles. Das alles hier, ich liebe es. Und ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch“, murmelte Yusei. „Aber warum sagst du das so?“
Nun senkte Bruno seinen Blick und hielt Yuseis Hand sanfter.
„Weil ich noch gar nicht bereit bin, zu gehen.“
Kurz zuckte Yusei zusammen. Die Hand seines Mannes war mit einem Mal so kalt. Seine sowieso schon helle Haut wirkte noch blasser.
Yusei verstand die Welt nicht mehr, war hatte er plötzlich, was war los mit ihm?
„Wie? Bruno, was meinst du, was hast du?“
Doch anstatt zu antworten, drückte er nur die Stirn an seine. Yuseis Herz klopfte immer schneller, sein Kiefer verspannte sich. Nachdrücklich wiederholte er sich. „Bruno, sag, was los ist. Du machst mir Angst.“
Er sah hoch, direkt in Brunos Augen.
„Du weißt, was los ist, Yusei.“
Doch er schüttelte den Kopf. Bruno seufzte lautlos und nahm Yusei in den Arm.
Die Wärme war nicht mehr da, die Wärme, die er so sehr vermisst und gespürt hatte, war plötzlich verschwunden. Es jagte ihm einen Schauer über den Rücken.
„Ich wollte dir nur sagen, dass dich keine Schuld trifft. Du wusstest es nicht.“
Yusei erwiderte nichts. Er war wie erstarrt. Er ließ sich nur von Bruno halten und lauschte seinen Worten.
„Ich danke dir für alles. Für deine Freundschaft, deine Hilfe, deinen Mut und für deine Liebe. Ich wünschte, wir könnten noch mehr von dieser gemeinsam Zeit erleben. Ich wünschte so sehr, dass es hätte sein können, aber ich kann nicht bleiben.“
Leere nahm Yuseis Gedanken ein. Ein endloses Nichts. Er wollte sie wegschreien, doch konnte es nicht.
Er wusste gar nicht, wie ihm geschah.
Yusei wusste, Bruno meinte etwas Bestimmtes. Doch er konnte es nicht klar benennen.
Es war nur dieses Gefühl, das existierte.
Leere.
Irgendwas, das fehlte.
Schmerz.
Er erwiderte die Umarmung und schmiegte sich an Brunos kalten Körper. „Du sollst nicht gehen.“
Yusei spürte, wie etwas kaltes nasses seine Stirn hinunterlief. Bruno schniefte und gab Yusei einen flüchtigen Kuss auf die Stirn.
„Ich bin noch nicht bereit zu gehen“, nuschelte er und begann zu zittern. „Bitte bleib bei mir, bis ich einschlafe.“
Geistesabwesend nickte Yusei, daraufhin rutschten beide hinab, sodass sie sich wieder hinlegen konnten.
Er lag Bruno in den Armen. Seine Worte hallten in Yusei wider wie tausende Schreie.
Bitte bleib bei mir, bis ich einschlafe.
Bitte bleib bei mir.
Bitte bleib.

Yusei schluckte scher, doch der Kloß in seinem Hals blieb. Die Leere überrollte ihn, der Schmerz aus dem Nichts zwang ihn zu Tränen.
Er umarmte seinen Mann fester.
„Ich bleibe bei dir.“


¸.•*~ღ~*•.¸



„Yusei.“
Seine Lider flatterten, er musste sich sofort den Frost vom Körper schütteln. Er lag in einem kleinen Bett, doch hatte keine Decke.
„Yusei, hi.“
Diese besorgte Stimme. Das war Aki.
Er schluckte und drehte sich mühselig um. Seine Arme und Beine waren wie taub.
Sie saß auf der Matratze und musterte ihn.
„Aki“, murmelte er. „Was machst du hier?“
Er fühlte sich komisch, als wäre er in einer Schwebe. Ihm war kalt und heiß zugleich.
Aki legte ihm eine Hand auf die Stirn und seufzte dann. „Ich wollte sehen, wie es dir geht. Du hast seit zwei Wochen nicht das Haus verlassen und Crow sagt, du isst kaum noch was.“
„Mir geht’s gut.“
Er legte sich wieder auf die andere Seite und griff nach seinem Kissen. Doch Aki ließ nicht locker. „Nein, dir geht’s nicht gut.“ Sie deckte ihn zu, ließ ihre Hand aber auf seiner Schulter. „Wir machen uns Sorgen um dich, Yusei. Du verlässt dein Zimmer kaum noch, du isst nichts, du schläfst den ganzen Tag. Das kann so nicht weitergehen, dein Körper macht das bald nicht mehr mit.“
Er stimmte ihren Worten innerlich zu, irgendwann ging es nicht mehr weiter.
Aber wie sollte es denn weitergehen?
„Wenn du reden oder nicht allein sein willst, bin ich da. Wir sind alle für dich da.“
Yusei schloss die Augen. „Danke“, nuschelte er. „Aber gerade will ich allein sein.“
Jetzt endlich ließ Aki von ihm ab. „In Ordnung“, meinte sie. „Aber ich bleibe heute hier und bringe dir nachher etwas zu essen. Crow und ich machen Udon.“
Schließlich hörte Yusei die Tür, erst wurde sie aufgezogen, dann fiel sie leise ins Schloss zurück.

Sachte zog er die Beine an und versteckte sich unter der Decke. Der Stoff des Lakens fühlte sich warm, aber rau an. Die Bettdecke raschelte bei jeder Bewegung.
Gequält biss er die Zähne aufeinander, kniff die Augen zusammen. Die Tränen liefen quer über seine Nase bis zu seiner Schläfe und tropften von dort auf das sanfte Kissen.
Er hatte schon längst keine Kraft mehr, es fühlte sich an, als läge er auf dem Grund des Ozeans, im Nichts, ertränke und könne nicht hoch.
Nichts und niemand konnte ihm da raushelfen.
Der Einzige, der dazu fähig war, war der, der ihn mit in den Ozean gezogen hatte.
Er holte Luft.
Und schluchzte.
„Bruno.“


Stay with me, until I fall asleep.
Stay with me.
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