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Eine verhängnisvolle Nacht

von Ortakh
GeschichteDrama, Tragödie / P16 / Gen
28.03.2021
22.04.2021
19
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08.04.2021 848
 
Tappius schritt die Stufen zum Keller hinunter und hörte hinter sich die Tür aufgehen.  

„Braucht Ihr meine Hilfe?“, rief der junge Waldelf ihm hinterher. Er wollte sich nützlich machen und nicht nur bedient werden. Das hatte er bei diesen netten Leuten nicht verdient.  

„Oh ja, gern. Kommt herunter und nehmt mir ein paar Bretter ab, dann muss ich nicht mehrmals laufen.“ Farimir folgte dem Kaiserlichen nach unten und erkundete den Keller, der nur durch drei einzelne Kerzen schummrig beleuchtet wurde. Am Fuße der Treppe sowie auf der gegenüberliegenden Seite standen zwei Regale voll mit alten Töpfen, Pfannen, Gläsern, Schüsseln, Kochwerkzeug und anderer Ramsch. Als Farimir sich, unten angekommen, umdrehte, blickte er auf eine offene Tür, die wiederrum in die Werkstatt führte. Sie war recht klein und vermutlich nur mit den notwendigsten Dingen ausgestattet und nur, um kleinere Arbeiten im und um das Haus herum durchzuführen.  

„Hier links sind ein paar Bretter des letzten Sturms. Ich suche gerade noch Nägel und zwei Hämmer, dann komme ich nach.“ Tappius suchte in mehreren Schachteln in einem der oberen Regale und schien immer hektischer zu werden, je mehr Schachteln er vergeblich durchsuchte. Farimir nahm sich unterdessen etwa sieben oder acht Bretter von dem Stapel, der ihm gezeigt wurde, ging aus der Werkstatt und die Treppe hinauf aus dem Keller.  

Draußen heulte der Wind und Farimir trat einen Schritt vom Haus weg, um zu sehen wie viele Fenster vernagelt werden mussten. Es waren auf der Vorderseite vier und an der rechen Seite weitere drei. Er nahm die ersten vier Bretter und stellte sie unter die Fenster, an denen sie befestigt würden. Doch immer wieder blies der Wind sie um, bis Farimir sie einfach liegen ließ. „Die fliegen schon nicht weg.“, dachte er.  

Kurz darauf, als Farimir bereits wieder ins Haus gehen und nach Tappius schauen wollte, kam dieser aus der Tür, fluchte über das Wetter und ging in geduckter Haltung und die rechte Hand schützend über dem Gesicht auf das erste Fenster und Farimir zu.  

„Was ein beschissener Abend!“, schrie er, denn der Wind wurde nun lauter und vermischte sich mit dem Regen zu einer grausam stürmischen Sinfonie. „Hier, nimm den Hammer und mach das Brett fest!“ Farimir nahm ihn und ebenfalls eine halbe Hand voll Nägel. Damit begann er dann das erste Holzbrett – er bildete sich ein es wäre Buche – mit dem Fensterrahmen zu vernageln.  

Er brauchte für den ersten Nagel mehrere Anläufe, aber nach dem dritten Mal benötigte er nur noch zwei bis drei Schläge, um das Brett zu befestigen. Tappius war bereits fast mit dem zweiten Fenster des Erdgeschosses durch und dann blieb nur noch ein einzelnes an der Seite des Hauses. Hier standen sie beide ihm Windschatten des Hauses und auch der Regen konnte sie hier nicht erreichen.  

„Wie machen wir das mit den oberen Fenstern?“, fragte Farimir und beide schauten zu dem Fenster im Obergeschoss über ihnen.  

„Ich habe hinten eine Leiter liegen, die können wir dafür nutzen.“ Tappius war als erstes mit seinem fehlenden Fenster fertig, also war es auch an ihm die Leiter zu holen. Farimir nahm ein weiteres Brett und fünf Nägel.  

„Die sollten ja wohl ausreichen.“, dachte er und wartete auf Tappius. Dieser kam schnell wieder, stellte die Leiter an die Hauswand, nahm das Brett und die Nägel und stieg die Leiter empor. Farimir stellte sich unter die Leiter und hielt sie fest, bis Tappius mit dem Befestigen fertig war und wieder zu ihm hinunterstieg.  

„Vorne müssen wir aufpassen.“, meinte er, als ob Farimir das nicht schon vorher klar gewesen wäre.  Der Wind hatte weiter zugenommen und heulte lauter denn je. Farimir beobachtete, wie ein Baum in ihrer Nähe sich von einer Seite zur anderen bog. Es sah aus, als würde der Stamm jeden Moment brechen und hinter der hohen Mauer verschwinden.  

Nachdem die beiden letzten Fenster ebenfalls gesichert waren, eilten sie schnellen Schrittes wieder in das Haus. Auch sie waren jetzt, wie Armenius und Salesi anfangs, bis auf die Knochen durchnässt. Alwen hatte schon damit gerechnet und den beiden Tappius´ Klamotten in den Eingangsbereich gelegt. Sie nahmen sie und zogen sich schnell um. Tappius im Schlafzimmer und Farimir im Gästeschlafzimmer, wie er vermutete.  

Nachdem sie wieder trocken und umgezogen waren, gesellten sie sich zu den anderen dreien ins Wohnzimmer. Salesi, Armenius und Alwen saßen bereits an deren großen Speisetisch und leerte die erste Flasche Wein, während im Hintergrund ein Feuer im Kamin entfacht wurde.  

„So, ihr lieben. Jetzt kann der Abend beginnen. Es fehlt nur noch eine Person.“, sagte Tappius, stolzierte durch das Wohnzimmer und setzte sich an seinen Platz am Kopfende des Tisches.  

„Wer fehlt denn noch?“, fragte Farimir beim Hinsetzen.  

„Meine Schwester Meleril. Sie wird noch mit ihrer Arbeit beschäftigt sein, aber ich denke es wird nicht mehr lange dauern.“  

„Ob sie trotz des Wetters hierherkommt?“, fragte Salesi unsicher. „Ich meine, schaut nach draußen. Die Welt geht unter.“  

„Damit hat sie weniger ein Problem als ich.“, konterte Alwen. „Aber so langsam sollte sie wirklich kommen. Draußen wird es nicht besser werden.“
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