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Hold me, so I'm not gonna fall into pieces

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P16 / Gen
27.03.2021
14.04.2021
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08.04.2021 1.403
 
Es ist ungefähr ein Monat vergangen seit diesem Tag. Es gab einige Treffen der beiden. Mal ein gemütliches Kaffeetrinken. Mal ein Spaziergang im Park. Oder auch, dass Serenity Hyunwoo in seiner Bar besucht hat. Denn auch wenn es für sie anstrengend ist, sich in einer Menge von Menschen aufzuhalten, so kann sie doch nicht leugnen, dass sie sich sehr von ihm angezogen fühlt. Dass gerne Zeit mit ihm verbringt und quasi jede Gelegenheit nutzt, um sich mit dem Braunhaarigen zu treffen. In der Bar versucht sie die Menschenmengen auszublenden und ihren Fokus nur auf Hyunwoo zu haben. Oder Hoseok. Denn der schwarzhaarige Barkeeper hat es geschafft, dass sich Serenity ziemlich schnell wohl in seiner Nähe fühlt.
Wann immer er Zeit hat oder ihr ein Getränk bringt, nimmt er sich ein paar Minuten, um ein kurzes Gespräch mit ihr zu führen. Die junge Frau kann verstehen, warum die beiden Männer so gute Freunde sind. Sie haben beide das Herz am richtigen Fleck und sie machen es einem schwer, eine negative Seite an ihnen zu finden.
Der heutige Abend verlief bis jetzt eher durchwachsen. Sowohl Hyunwoo als auch Hoseok hatten sehr viel zutun. Immerhin sind sie ja auch auf der Arbeit. Serenity hatte einen sehr anstrengenden Tag und hat einem entspannten schönen Abend mit Hyunwoo entgegengesehnt. Hat sich gefreut, sich mit ihm zu unterhalten, doch diesem Plan kam nichts nach. In der Bar herrscht Hochbetrieb. Der Braunhaarige versucht sein Bestes Zeit für die junge Frau zu finden, doch meist wird ihr Gespräch davon unterbrochen, dass ein erneuter Ansturm an der Theke herrscht und er mithelfen muss. Heute ist ein Tag, an dem er seine Arbeit nicht leiden kann. Wobei es viel mehr die Tatsache ist, dass er heute noch keine vernünftige Unterhaltung mit Serenity führen konnte. Und auch Hyunwoo hat sich darauf gefreut, einen schönen Abend mit der Blonden zu verbringen.
Die gemeinsamen Gespräche haben ihm gezeigt, wie vielschichtig ihr Charakter ist. Wie viele Seiten es an der jungen Frau zu entdecken gibt. Und letztendlich auch, dass sie Gefühle in ihm auslöst, die schon fast zehrend danach verlangen, jede einzelne Minute mit ihr verbringen zu wollen.
Nachdem einige Zeit verstrichen und ein Großteil der Menschen wieder gegangen ist, ist es auch endlich an der Zeit für Hyunwoo, sich dem Gehen zu widmen. Er schreibt Serenity eine Nachricht, dass sie in 10 Minuten zusammen die Bar verlassen können und sucht ihren Blick. Sie sitzt am gleichen Tisch wie vor einem Monat. Wann immer sie hier ist, ist es zum Platz ihrer Wahl geworden. Er ist etwas außerhalb der Menge und so hat sie das Gefühl, nicht die Aufmerksamkeit anderer Leute auf sich zu ziehen. Wie als wären ihre Blicke magnetisch voneinander angezogen, finden sie sich und mit einem Nicken gibt sie Hyunwoo zu verstehen, dass sie die Nachricht gelesen hat.
Nachdem er aus ihrer Sicht verschwunden ist, lässt sie müde die Schultern sacken und schließt ihre Augen. Die Erschöpfung des Tages ist in ihrem ganzen Körper zu merken. Sie freut sich, wenn sie mit dem Braunhaarigen nach Hause gehen und in Ruhe noch etwas Zeit zu zweit verbringen kann. Denn sie beide haben festgestellt, dass sie durch die Gespräche oder auch nur durchs gemeinsame Zeit verbringen, sich ihre Kräfte wiederaufladen. Für sie beide fühlt es sich immer so an, als würden ihre Akkus regenerieren, sobald sie in der Anwesenheit der anderen Person sind.
Und sie hat gesehen, dass der Braunhaarige heute über den ganzen Abend lang sehr gestresst aussah. Er hatte häufig eine zusammengezogene Stirn und sein ganzer Körper schien unter Anspannung zu stehen.
Plötzlich spürt sie, wie sich jemand neben sie stellt und ihre Aufmerksamkeit fordert. Und ohne das sie demjenigen ins Gesicht gucken muss, kann sie spüren, dass es sich nicht um Hyunwoo handelt. Alles an ihr zieht sich zusammen und verspannt sich. Sie hebt ihren Blick und ihr Gefühl wird bestätigt. Neben der Blonden steht ein Mann, schätzungsweise etwas älter als Hyunwoo. An seinem Atem kann man riechen, dass er Alkohol zu sich genommen hat und vermutlich nicht gerade wenig davon. Hinter ihm kann sie erkennen, wie einen Tisch weiter noch drei Männer sitzen und in ihre Richtung schauen. Anscheinend gehören alle vier zu einer Gruppe.
Um sich die Aufmerksamkeit von Serenity zu garantieren, legt er seine Hand auf ihren Arm. „Na, Süße. Was macht so eine kleine Puppe wie du hier alleine? Ich kann dir gerne Gesellschaft leisten.“ Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen schaut der Mann Serenity ins Gesicht. Er ist von seiner Idee sehr angetan, doch bei der Blonden verkrampft sich alles. Alles, was sie noch raus bekommt, ist ein: „Nein, danke. Ich bin sowieso auf dem Weg nach Hause.“ Immer freundlich, so wie sie nun mal ist, schafft sie es nicht, etwas anderes zu sagen. Doch damit spielt sie dem Fremden geradewegs in die Karten.
„Aber aber... Draußen ist es gefährlich. Dort sollte ein so hübsches Püppchen nicht alleine unterwegs sein. Ich werde dein Bodyguard sein und dich nach Hause bringen. Da kann ich dir auch zeigen, wie viel Spaß man gemeinsam haben kann.“ Vom Nebentisch schwingt Gegröle herüber. Die anderen Männer haben alles mitangehört. Serenity wird sich immer mehr bewusst, in was für eine Situation sie steckt. Die Alkoholfahne des Mannes direkt an ihrer Seite zieht ihr unangenehm die Nase hoch. Die Hand, die ihren Arm berührt, wandert hoch in Richtung Schulter. Die Blicke aller vier Männer liegen auf ihr. Sie fühlt sich wie in einem Käfig eingesperrt und kann nicht reagieren.
Ihr Kopf schreit, dass sie sich bewegen soll. Dass sie sich mit aller Macht gegen die Berührungen und Worte wehren sollte. Doch sie ist wie zu Eis erstarrt. Mit großen Augen kann sie nur beobachten, welcher Abgrund sich vor ihr auftut.
Gerade als die fremde Hand von ihrer Schulter zu ihrer Brust wandern möchte, hört sie einen lauten Ruf und im nächsten Moment spürt sie, wie der Mann von ihr weggezogen wird. Ganz dumpf kann sie hören wie eine Stimme „Hoseok, die vier fliegen raus und auf unsere Liste. Sollten sie jemals wieder auftauchen, rufst du sofort die Polizei.“, sagt. Und dann ganz vorsichtig die gleiche Stimme neben ihr. „Serenity... Serenity. Es ist okay. Dir ist nichts passiert. Du kannst die Augen wieder aufmachen. Ich bin hier. Dir passiert nichts. Es tut mir leid. Ich hätte schon früher reagieren sollen. Die vier sind schon häufiger hier gewesen und immer hatte ich das Gefühl, dass mir ihre Anwesenheit nicht passt. Als hätte mir schon irgendetwas gesagt, dass das in Ärger ausartet.“
Und tatsächlich öffnen sich die Augen der jungen Frau. Sie hat gar nicht mitbekommen, dass sie sie in Panik geschlossen hat. Hyunwoo steht neben ihr. Sorge steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Es tut mir leid. Ich hätte dich nicht alleine lassen dürfen.“ Vorsichtig hebt er seine Hand und legt sie langsam an ihre Wange. Dabei immer ihre Augen im Blick, um beim kleinsten Unwohlgefühl die Hand zurückzuziehen. Er streicht mit seinem Daumen vorsichtig an ihrer Wange lang. „Du bist in Sicherheit. Es tut mir leid, dass ich nicht da war.“ Seine Stimme hat eine Traurigkeit angenommen, die zeigt, dass er damit noch mehr meint als nur die jetzige Situation.
„Lass uns nach Hause gehen.“, kommt es nur flüsternd von Serenity. Das gerade war etwas, was ihren ganzen Körper in Alarmmodus versetzt hat. Sie zittert am ganzen Körper und es fühlt sich an, als hätte ihr Magen sich um seine eigene Achse gedreht. Sie wünscht sich jetzt nichts sehnlicher, als in der Sicherheit ihrer eigenen vier Wände zu sein. Und sie möchte für Hyunwoo da sein. Durch die vielen Gespräche, die sie über die letzte Zeit miteinander hatten, haben sich beide nach und nach immer mehr geöffnet. Und mit dem Wissen, dass Serenity hat, weiß sie, dass der letzte Satz des Braunhaarigen sich auch an Lyra richtet.
Zitternd legt die Blonde eine Hand an die Wange von Hyunwoo und schaut ihm in die Augen. Versucht zu im durchzudringen. „Hyunwoo. Mir ist nichts passiert.“ Eine Lüge, das weiß sie genauso gut wie er. Sie hat ihre Erfahrungen mit dem jungen Mann geteilt, daher wissen sie beide, dass diese Situation mehr in ihr ausgelöst hat, als man vermuten mag. „Lass uns nach Hause gehen.“ Ein erneuter Versuch, ihn aus seiner Starre zu lösen und dieses Mal klappt es. Der Braunhaarige legt seine Hand auf ihre und drückt sie näher an seine Wange. „Gehen wir nach Hause.“, flüstert er. Hyunwoo nimmt ihre Hand und verschließt ihre Finger zusammen.
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