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Die Uhr anhalten

von Calandraa
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Adam Young
27.03.2021
27.03.2021
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27.03.2021 520
 
Kurzgeschichte zum Stichwort „Stopping Time“, also „Die Zeit anhalten“.

Englisches Original hier: https://archiveofourown.org/works/30285984

Es war der 26. März 2091, als Adam die Zeit stoppte. Natürlich nicht die ganze Zeit. Nur seine persönliche Uhr. Bisher hatte er seinem menschlichen Körper erlaubt, mit seinen Freunden zu altern. Jetzt, da der letzte von ihnen diese Welt verlassen hatte, war das nicht mehr nötig.

Als er dem Sarg über den Friedhof hinterher lief, spürte er Blicke auf sich. Er unterdrückte das verschmitzte Lächeln. Natürlich starrten sie. Es war ein grauer Morgen an einem Herbsttag voller trauriger Menschen in schwarzer Kleidung. Und Adam war ein Lichtfleck in seinem weißen Anzug, mit dem weißen Hut auf seinem weißen Haar und dem weißen Bart im Gesicht. Ihrem letzten Wunsch entsprechend, war er nicht in dunklen, deprimierenden Farben gekommen.

Aziraphale trug sein übliches Tartan-Ensemble. Aber anscheinend nahm ihn niemand sonst wahr, wie er dort neben Crowley zum offenen Grab ging. Die blauen Augen des Engels fanden Adams und sie nickten einander zu. Crowley winkte nur.

Als der Sarg in die kalte dunkle Erde hinuntergelassen wurde, weinte Adam nicht. Er hatte kontrolliert, dass sie im Himmel war. Wie alle seine Freunde. Vielleicht hatten sie alle die Prüfungen, welche auch immer es waren, bestanden. Oder die Engel wussten nur, dass Adam sie heimsuchen würde, wenn sie versuchten, seine Freunde zu verdammen. Er wusste es nicht genau und es war auch nicht wichtig.

Adam blieb nicht zum Familientreffen. Irgendwie fühlte es sich nicht richtig an. Er gehörte zu einem anderen Teil ihres Lebens. Als er den Friedhof verließ, sah er, wie Aziraphale und Crowley in den schwarzen Bentley des Dämons stiegen. Anscheinend fühlten sie ähnlich.

Wie immer ging Adam zurück nach Tadfield. Vertrautes Gebell drang an seine Ohren, während er durch die Straßen schlurfte. Lächelnd hockte er sich hin und tätschelte Hunds Kopf.

Mit dem treuen Tier an seiner Seite wanderte er tief in den Wald von Tadfield. In den Überresten des alten Lagers der „Sie“ legte er sich auf den kalten, harten Boden.

Einer einzigen einsamen Träne erlaubte er, über seine Wange zu rinnen und sich in seinem Bart zu verfangen. Dann biss er sich auf die Lippen und nickte entschlossen.

Dieser Körper war alt, aber rüstig. Es gab noch einiges, was er tun konnte.

Eines Tages. Eines Tages würde er die Uhr dieser Form wieder starten. Dieser Körper würde älter werden und verfallen, bis er zu zerbrechlich wäre, um seine Seele zu tragen. Dann würde er wieder mit ihnen zusammen sein. Niemand würde ihn davon abhalten, sie im großen Unbekannten wiederzufinden.

Aber noch nicht.

Da klang noch immer ein Lied im Wind, da lag noch immer ein Geheimnis im Knacken des Unterholzes und da waren noch immer Muster in den Wolken zu finden. Immer noch Kieselsteine ​​zu treten, immer noch Dinge, in denen man mit einem Stock herumstochern konnte, und Stöcke zum Werfen für einen Hund, der sie apportierte oder auch nicht.

„Ich werde euch dann alles erzählen“, flüsterte er in die Stille.

Und die Stille, die Stille, die dort lag, wo einst Gelächter, Weinen und Schlachtrufe hallten, hörte ihn, antwortete aber nicht.
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