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Heartbreak Weather - Ein Hauch von Sturmluft

von p-sabrina
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Niall Horan OC (Own Character)
26.03.2021
11.06.2021
11
22.445
4
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11.06.2021 1.626
 
*Unter Dürre versteht man eine außergewöhnliche Trockenheit, die durch großen Niederschlagsmangel bei gleichzeitig hoher Temperatur und damit hoher Verdunstung hervorgerufen wird. Negative Folgen einer länger anhaltenden Dürreperiode sind erhebliche Stressschäden bei Pflanzen.

N I A L L

Es wurde gesprochen, doch ich konnte nichts hören. Kein Wort. Keinen einzigen Ton. Nichts. Bedrückt senkte ich den Kopf. Ich konnte keine weitere Sekunde in die enttäuschten Gesichter meiner Crew sehen. Auch wenn sie mir ermutigend auf die Schulter geklopft hatten und mir ein Lächeln zuwarfen, wusste ich es besser. Sie wollten mindestens so sehr auf Tour gehen, wie ich selbst auch. Doch jetzt war der Wunsch wie eine Seifenblase geplatzt. Den genauen Grund hatte ich ihnen jedoch verschwiegen. Sie wussten nur, dass es aus persönlichen Gründen war. Nur George und Michael hatte ich kurz zuvor unter sechs Augen von Julias Schwangerschaft berichtet. George und Michael, Alex und Miller. Diese vier waren die Einzigen, die die Wahrheit wussten. Sie waren im Gegensatz zu allen anderen wie meine Brüder und damit Familie für mich. Im Großen und Ganzen war meine Crew ebenfalls ein Teil davon, doch mit der Band ... mit ihnen teilte ich einfach mehr. Ich verglich es gerne mit einem Bürojob. Manche Kollegen waren einfach da und andere ... andere wuchsen einem ans Herz. Mit ihnen verbrachte man gerne seine Zeit und unternahm auch privat etwas. Aus Kollegen wurden beste Freunde.

Gedankenverloren drehte ich den Verschluss meiner Wasserflasche auf und nahm einen Schluck. Die Crew war gerade dabei die Instrumente in Koffer einzupacken. Übermorgen stand ein kleiner Auftritt im BBC Studio an. Wie es bei dem Format üblich war, gaben Sänger dort nicht nur ihr bestes, in dem sie Songs von sich sangen, sondern auch von anderen Künstlern coverten. Eben hatten wir den letzten Soundcheck hinter uns gebracht. Gleich anschließend ließ ich die Bombe mit der gecancelten Tour platzen. Ich fand es als den passenden Zeitpunkt. Es ewig vor mich her zu schieben, hätte mir nur die Laune verdorben. Unsere Zeit, um auf Tour zu gehen, würde schon irgendwann wieder kommen.

Während ich deswegen in enttäuschte Mienen blickte, wartete ich darauf, dass die Masse, für meine neuen In-Ears, in meinen Ohren endlich hart wurde. Jene Masse war der Grund dafür, dass ich gerade nichts hören konnte, als meine eigenen Gedanken. Vielleicht war es gut, einmal nichts zu hören. Ein einziges Mal Zeit zu haben, nachzudenken und sich zu sortieren. Julia würde in weniger als einer Woche nach San Francisco fliegen. Ich hieß es noch immer nicht gut. Jetzt, wo sie unser Kind in sich trug, verständlicherweise noch weniger. Ich hatte Angst, dass etwas passieren konnte. Drei Wochen waren schließlich fast ein Monat.

Mein schlechtes Gewissen half mit bei der ganzen Sache überhaupt nicht. Immer wieder erinnerte mich eine böse Stimme daran, dass ich zuvor Monate auch nicht für sie da gewesen war. Doch warum sollte ich mich dafür schlecht fühlen? Julia selbst hatte sich dafür entschieden, mir nichts zu sagen. Es war nicht mein Fehler gewesen, sondern ihrer. Sie war es, die mich ewig im Dunklen tappen ließ. Die sich mir gegenüber nicht fair verhielt und mich mit ihren Launen fertig machte. Jetzt im Nachhinein erschien mir so einiges etwas klarer. Situationen wie im Club, als meine Finger ihren Bauch streiften und sie regelrecht hysterisch wurde. Oder ihr: "Du wirst mich sowieso nicht mehr los", nach unserem Streit vor meinem Studio. Jetzt ergab alles Sinn. Endlich schien Licht auf die Sache und ließ mich klar sehen.

Ich konnte mir überhaupt nicht ausmalen, wie sie sich die gesamte Zeit über gefühlt haben musste. Sie hatte Angst, dass ich sie im Stich lassen würde. Vielleicht auch, weil sie befürchtete, ich würde die Musik ihr und dem Kind vorziehen. Die Musik war meine Leidenschaft. Es war das, wofür ich mein Leben lang brannte, das, was mich völlig einnahm, doch ich würde mein Kind und dessen Mutter niemals sitzen lassen. Nicht, wo doch meine eigenen Eltern sich schon früh scheiden ließen und ich deshalb bei meiner Mum aufwuchs. Zum Großteil auch bei meinen Großeltern, die sich um meinen Bruder und mich kümmerten, wenn Mum bei der Arbeit war.

Im Moment sah es vielleicht so aus, als würde unserer Tochter dasselbe Schicksal zuteilwerden. Doch ich war guter Dinge, dass zwischen mir und Julia noch etwas entstehen konnte. Etwas, das schon vor Monate begonnen hatte und immer noch tief in uns schlummerte. Meine Anziehung ihr gegenüber war noch immer wie am ersten Tag. Ich begehrte sie. Doch reichte das aus? Es wäre durchaus interessant zu wissen, wie Julia über die Sache zwischen uns dachte. Würde es uns je möglich sein, diese Dürre, die sich zwischen uns breitmachte, zu überwinden?

In diesem Moment sah ich eine winkende schlanke Hand vor Augen. Diese gehörte Anne, die mir mit den In-Ears half. Ich blinzelte sie nickend an und keine Minute später konnte ich wieder durch beide Ohren hören. Die plötzliche Geräuschkulisse ließ mich den Kopf schütteln. Es wurde gelacht, unbekümmert geredet, geächzt und laut gepoltert. Die Instrumente wurden eines nach dem anderen abgebaut und in den Koffern verstaut. Der heutige Probentag war für mich somit beendet.

Auf dem Weg nach Hause fuhr ich einen Umweg und kam am Daily Star Gebäude vorbei. Der gläserne Palast, in dem die Klatschkönigin Georgina Lewis höchstpersönlich residierte. Der Palast, in dem man Julia Flöhe in den Kopf setzte. Ich konnte nur hoffen, dass sich Julia nicht umdrehen ließ. Dass sie niemals etwas über uns ausplaudern und benutzen würde. Mit dieser Situation wüsste ich dann nicht mehr umzugehen.

Warum musste es ausgerechnet dieser Job sein? Warum musste ausgerechnet ich mich in eine angehende Reporterin verlieben? Das Schicksal musste sich in dieser Angelegenheit einen schlechten Scherz erlaubt haben. Ich konnte nur hoffen, dass meine Sorgen völlig unberechtigt waren und Julia die Frau war, für die ich sie hielt. Meinen Anker in einer reißenden Sintflut. Mein Glück und meine Liebe. Mein für immer.

Die Gedanken mögen kitschig sein, aber sie entsprachen dem, was ich am meisten wollte. Was mir schon immer fehlte und mich endlich vollkommen machte.

Ich parkte den Wagen in einer freien Lücke vor dem Gebäude und beobachtete wie Menschen ein und aus gingen, dabei wurde jeder von zwei stämmigen Männern am Eingang begutachtet.

Mein Handy machte sich mit seinem Benachrichtigungston in der Ablage bemerkbar. Es war eine Nachricht von Capaldi. Er wollte am Abend mit mir in einen Club gehen.

Seufzend ließ ich die Hand sinken, in der ich mein iPhone hielt. Mir war überhaupt nicht nach Party. Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich in den letzten Tagen etwas niedergeschlagen. Ich wusste, dass es an der Situation lag. Die Neuigkeiten rund um das Baby, welches mir Julia ewig lange verschwiegen hatte. Dann auch noch, dass sie ausgerechnet mit Georgina nach Amerika flog und ich meine kommende Tour absagen musste. Im Augenblick befand ich mich in einem Strudel, aus dem ich nicht mehr von alleine heraus kam. Mein Leben hatte sich gefühlt mit einem Fingerschnippen gewendet. Ob zum Positiven oder Negativen musste ich erst noch herausfinden. Jetzt war es mir nur wichtig, dass es Julia und dem Baby gut ging. Ich stellte mich deshalb erstmal hinten an.

Ich holte tief Luft und tippte eine Nachricht ein, in der ich Capaldi mitteilte, dass ich mich nicht gut fühlte und deswegen heute aussetzen musste. Es war besser so. Mein Handy fand wieder seinen Platz auf der Ablage, ehe ich wieder zum Eingang sah, in dem ich insgeheim hoffte, Julia zu entdecken. Doch mein Wunsch erfüllte sich nicht. Er blieb unerfüllt, wie auch so viele andere, weswegen ich den Motor wieder startete und mich auf den Weg nach Hause machte. Es war sowieso lächerlich, hier darauf zu hoffen sie zu sehen. Denn was hätte ich dann getan? Ihr gewunken während Georgina neben ihr stand? Außerdem wie hätte ich es dann erklären sollen? Was zur Hölle wollte ich überhaupt dort? Inzwischen war es immerhin nicht mehr so, dass wir keinen Kontakt mehr hatten, und ich hoffe, sie wiederzusehen. Nein, heute war es anders. Uns verband etwas. Etwas, dass unser beider Leben für immer verknüpfte und komplett auf den Kopf stellte. Julia war nur noch eine Nachricht entfernt.

Wieder zu Hause im vertrauten Heim führte mich mein Weg direkt zum Kühlschrank, aus dem ich mir etwas zu trinken, und Essen nahm. Ich machte mir einen Toast und aß diesen in Ruhe. Anschließend nahm ich ein langes Bad mit Badesalz, welches nach Zitrone roch. Ich fand, es machte meine Haut weich und entspannte meine Muskeln nach einem langen Tag. Auch später als ich schon lange aus der Wanne gestiegen war, roch es noch nach Zitrone.

Im Wohnzimmer ließ ich mich auf meine Wohnlandschaft fallen und legte die Füße hoch. In meinen Fingern kreiste die Schmuckbox der Halskette, die ich vor einigen Tagen gekauft hatte. Ich wusste noch nicht recht, ob ich sie Julia geben wollte. Wäre es nicht etwas zu viel? Ich wollte auf keinen Fall, dass sie dachte, dass ich mir ihre Gefühle und Aufmerksamkeit erkaufen wollte. Es war das Letzte, was sie denken sollte. Am besten war es wohl einfach, auf den richtigen Moment zu warten. Ich hatte mir fest vorgenommen, sie vor ihrem Abflug zu Hause zu verabschieden. Wenn es in diesem Moment passte, bekam sie die Kette und wenn nicht, dann eben nicht. Sie wusste schließlich nicht, dass es sie überhaupt gab. Ich konnte sie also so lange aufbewahren, wie ich wollte. Da ich aber nicht der Geduldigste war, würden diese Gedankengänge wohl sowieso in Vergessenheit geraten, sobald sie vor mir stand. Julia hatte einfach irgendetwas an sich, dass mich alles vergessen ließ. Mit und ohne ihre Macken fand ich sie aufregend und interessant. Liebenswürdig und bezaubernd.

Was auch immer die Zukunft für uns bereit hielt, ich war bereit dafür. Für ein Leben mit ihr, als Mutter unseres Kindes.
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