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Heartbreak Weather - Ein Hauch von Sturmluft

von p-sabrina
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Niall Horan OC (Own Character)
26.03.2021
07.05.2021
7
14.648
3
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Dieses Kapitel
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26.03.2021 2.219
 
J U L I A

Selbstsicher stöckelte ich den Weg zwischen den Schreibtischen entlang. Ich lächelte meinen Kollegen zu, die mich nett empfingen. Drei Wochen war ich nicht mehr, aufgrund meiner Beurlaubung, in der Redaktion gewesen. Seit einer Woche arbeitete ich nun wieder.

Mit meinem Ellbogen drückte ich die Türklinke von Georginas gläserner Bürotür nach unten, damit ich die Tür anschließend mit meiner Schulter aufdrücken konnte. „Aber natürlich! Ich kann es kaum erwarten!", hörte ich meine Chefin sagen, die breit lächelnd vor ihrem Computer saß. Einen der beiden To-Go Kaffeebecher stellte ich außerhalb des Sichtbereichs der Webcam ab. Dann pflanzte ich mich auf einen der Stühle und wartete, bis Georgina ihr Gespräch beendete. Was ihr Gegenüber sagte, konnte ich aufgrund der AirPods nicht hören, die in ihren Ohren steckten. Ich rührte derweil mit einem der mitgebrachten Holzstäbchen in meinem Café Latte und nippte vorsichtig am warmen Getränk. Nach einem Schluck stellte ich meinen Becher ab und zog meine Bluse wieder zurecht an ihren Platz. Es spannte etwas um meinen Bauch, was an der Tatsache lag, dass er langsam aber doch sicher heranwuchs. Wie lange ich das Ganze wohl noch geheim halten konnte?

Eines hatte ich mir fest vorgenommen: Niall von seinem Glück - oder Pech erzählen, wie man es eben interpretieren möchte bzw. wollte. Es war nur fair, dass er vor Georgina davon erfuhr. Es würde eine Lüge sein, wenn ich behauptete, keine Angst davor zu haben. Jedoch konnte ich dieses Thema nicht weiter aufschieben. Dass Niall jedoch nicht der Erste sein würde, dem ich es erzählte, tat mir leid für ihn.

„Ja! Es wird mir eine Ehre sein!" Georgina nickte, das Lächeln noch immer auf ihren Lippen fest getackert. „Das werden wir. Bis in drei Wochen! Auf Wiedersehen!" Mit einem Knopfdruck beendete sie das Gespräch, warf die AirPods auf den Schreibtisch und verdrehte die Augen. Sie rieb sich die leicht geröteten Wangen. „Dieses Dauerlächeln wurde am Ende schon ziemlich anstrengend. Sehr viel länger hätte ich das nicht mehr durchgehalten."

Kichernd schob ich ihr den Kaffeebecher zu. Sie nahm ihn dankend an sich und seufzte nach dem ersten Schluck begeistert auf. „Den habe ich jetzt dringend gebraucht." Zufrieden ließ sich Georgina an die Rückenlehne ihres Bürostuhls sinken. Ich verstand nur zu gut, was sie meinte. Kaffee konnte, wenn man es sich einredete, wie Balsam für die Seele sein. Es war bei mir nicht anders.

„Scott Archer freut sich schon auf uns", sagte Georgina vorfreudig nach einem weiteren Schluck. „San Francisco wird großartig werden, Julia. Es ist eine große Chance für beide von uns."

Ein großes Lächeln schlich sich auf meine Lippen. „Ich kann es kaum erwarten", erwiderte ich glücklich. Zwar wusste ich noch nicht ganz, wie ich mich im Flugzeug verhalten würde - da es mein erster Flug überhaupt war, aber ich würde das schon hinbekommen. Die letzten Wochen hatte ich damit verbracht mir im Internet Bilder von San Francisco anzuschauen, gute Restaurant und Sehenswürdigkeiten herauszusuchen. Ich konnte es kaum noch erwarten.

Ein Klopfen unterbrach meine Träumerei von Amerika. Wir drehten uns zur Tür, wo Pam fragend im Türrahmen stand. „Ich ... ich soll dir den ersten Entwurf der neuen Auflage bringen", richtete sie verlegen das Wort an ihre Mutter. Ab und an streifte ihr Blick meinen. Wir hatten seit unserer Unterhaltung in meinen eigenen vier Wänden noch nicht miteinander gesprochen.

„Ja, dann gib mal her", sagte Georgina gut gelaunt, die aus einer der Schubladen ihres Schreibtisches nach der Lesebrille kramte. Ich sah Pam das Unbehagen deutlich an, als sie näher an den Tisch trat und ihrer Mutter die Auflage übergab. Inzwischen redete ich mir ein, dass es nicht meine Schuld war. Ich hatte nichts damit zu tun, dass Pam das Gefühl beschlich, von ihrer Mutter zu wenig Aufmerksamkeit zu erhalten. Was ihr wiederum nicht das Recht gab, mich dafür zu bestrafen. Denn das waren diese Fotos aus der Hotelsuite gewesen. Eine Strafe für mich, weil ich mehr Zeit mit Georgina verbrachte, als sie.

Georgina murrte etwas vor sich hin, nahm einen Stift, strich und hakte reihenweise Stellen an, die ihr nicht gefielen. Gelassen nippte ich derweil wieder an meinem Becher. Für mich gab es keinen Grund, sich in Pams Gegenwart unwohl zu fühlen. Auch jetzt nicht, wo ich wieder für ihre Mutter arbeitete. Sie musste wohl oder übel lernen, damit umzugehen.

Meine Chefin sah mich über die Gläser ihrer Lesebrille hinweg an. „Sag mal, was hältst du hiervon, Julia?" Verblüfft davon, dass sie mich um Rat bat, verschluckte ich mich beinahe an meinem Kaffee. Ich stellte den Becher ab und rutschte näher an den Tisch heran. Mit dem Stift kreiste Georgina einen Artikel ein. „Was sagst du dazu?"

Ich las mir den Text rund um einen Skandal eines amerikanischen Schauspielers durch. Er war nicht schlecht geschrieben. Das dazugehörige Bild war auch ganz okay, aber die Überschrift hätte man besser hinbekommen können. Nie würde ich behaupten, es besser zu können, aber in den letzten Monaten durfte ich bei so einigen Artikeln Probelesen, weswegen ich wusste, dass es besser ging. „Die Überschrift. Man könnte das anders machen. Sie springt einem nicht gleich ins Auge. Persönlich würde ich den Artikel wohl überspringen", sagte ich schlicht, mit der Hoffnung, es war das, auf was Georgina hinaus wollte. Abwartend biss ich mir in die Wange. Pam trat indes von einem Bein auf das andere.

„Sehr gut, Julia. Wir sind derselben Meinung." Meine Chefin nickte anerkennend „Pamela", sprach Georgina wenig später ihre Tochter mit strengem Ton an. Diese nahm die nun vollgekritzelte Probeausgabe des Daily Stars an sich. „Bring die Ausgabe zu Nolan Finley und sag ihm, wenn er seinen Job behalten möchte, darf er mich bei der nächsten Ausgabe nicht enttäuschen. Ansonsten besetze ich seine Stelle neu."

Pam blinzelte, da man sie wohl aus den Gedanken gerissen hatte. „Ähm, äh, ja. Ich werde es ausrichten." Sie starrte ihre Mutter mit offenem Mund an. „I-ich-", stotterte sie vor sich hin.

Georgina hob streng eine Augenbraue. „Was? Rede in ganzen Sätzen, wie ich es dir beigebracht habe, Kind."

Pamela machte eingeschüchtert einen Schritt zurück. Dann noch einen und nur fünf Sekunden später schloss sie die Bürotür hinter sich. Georgina sah ihrer Tochter nicht mal hinterher, obwohl es sichtbar war, dass etwas nicht mir ihr stimmte. Stattdessen beschäftigte sie sich an ihrem PC. Dabei tippte sie so schnell auf die Tastatur, wobei ich mich frage, ob sie einen Rekord im Tippen aufstellen wollte.

„Finden Sie nicht, dass Sie etwas streng mit ihr sind?", wagte ich es zu fragen. Mir war durchaus bewusst gewesen, dass es mich nicht das geringste anging, jedoch wollte ich sie trotzdem darauf aufmerksam machen, wie sie mit ihrer Tochter umging. Auch wenn ich wegen Pam in Schwierigkeiten gesteckt hatte, so tat sie mir doch etwas leid. Denn ich dachte hierbei an meine Mutter und die, die ich vielleicht einmal werden würde.

Ohne den Blick von ihrem Bildschirm zu nehmen, antwortete sie: „Ich bin streng mit ihr, weil ich sie liebe. Pamela ist viel zu weich. Wenn du selbst mal Mutter bist, wirst du das verstehen."

Ich unterdrückte ein verächtliches Schnauben. Wenn sie nur wüsste ...

Lange konnte ich es sowieso nicht mehr geheim halten. In der Arbeit musste ich es sogar melden, immerhin konnte man mich so nicht mehr kündigen und Geld würde ich in den nächsten Jahren massiv brauchen. Ein Leben mit Kind war alles andere als günstig. Egal, ob Niall das nötige Kleingeld besaß oder nicht, ich wollte auch für mein Kind sorgen. Und mich von Niall ernähren zu lassen, kam für mich überhaupt nicht infrage. Dazu war ich viel zu selbstständig.

Ich trank den Rest meines Kaffees aus und warf den leeren Becher anschließend in den Mülleimer, der sich neben der Tür befand. Als ich mich wieder umwandte, lagen Georginas Augen auf mir. "Du kannst für heute Feierabend machen. Wir sind für hier fertig."

Für einen Moment sah ich sie verdutzt an, doch ich kam zur Erkenntnis, dass sie es wirklich ernst meinte. "Okay, dann werde ich mir wohl meine Sachen holen und nach Hause gehen. Bis morgen." Ich wandte mich zur Tür um, legte die Hand auf den Knauf der Tür, da drang Georginas Stimme wieder an mein Ohr.

"Julia?"

"Ja?" Stirnrunzelnd sah ich sie über meine Schulter hinweg an. Georgina legte die Lesebrille ab und rieb sich müde über die Augen. Ich hörte sie seufzen, dann hob sie den Blick wieder. "Vergiss nicht, was wir gesagt haben. Wenn du nach Hause gehst, iss mehr Gemüse. Lass dir Zeit beim Essen und achte weiterhin auf deine Linie. Ich meine das nur zu deinem Besten."

Hitze schoss mir in die Wangen. Sie dachte, ich würde mir zu Hause nur Süßkram in den Mund stopfen und fressen, wie ein Loch, derweil konnte ich nichts für die Gewichtszunahme. "Also, i-ich bin ... ähm-" Ich stoppte mich selbst. Mein peinliches Stocken ließ die Situation nicht besser wirken.. Es ließ mich nur unprofessionell wirken. Außerdem wollte ich es Niall vor ihr sagen. Ich musste es einfach.

Georgina stand auf. Sie hob eine Augenbraue. "Du bist ... was?" Der Absatz ihrer Schuhe klapperte, als sie näher an mich herantrat. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.

Ich setzte mein bestes Lächeln auf und ballte die Hand, die nicht am Knauf lag, zur Faust. "Nichts, ich bin in letzter Zeit nur sehr hungrig. Aber ich verspreche, ich werde mich bemühen."

Meine Chefin blieb stumm. Von ihrem Gesichtsausdruck war abzulesen, dass sie mir auf keinen Fall Glauben schenkte. Stattdessen merkte ich, wie sie mich aufmerksam musterte. Dann legte sie eine Hand auf die Stirn und schüttelte den Kopf. "Na toll", murmelte sie vor sich hin. Ihre Augen fixierten mich wieder. "Sag es doch endlich, Cupcake. Du bist schwanger."

Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Jetzt drehte ich mich völlig zu Georgina um und gestikulierte mit den Händen, ohne etwas Passendes über die Lippen zu bringen. Meine Chefin ging wieder hinter ihren Schreibtisch und setzte sich. Mit einer Handbewegung bot sie mir meinen Platz von zuvor an.

Mit weichen Knien kam ich der Aufforderung nach. Ich sah auf meine Hände, welche in meinem Schoss lagen. Was sollte ich schon großartig sagen? Verdammt!

"Julia, wann wolltest du es mir sagen? Wie weit bist du?" Ihr einfühlsamer Tonfall überraschte mich, weswegen ich den Kopf hob. Es nutzte sowieso nichts mehr. Sie wusste es.

"Also, ich hätte es wohl in den nächsten zwei Wochen erzählt. Ich weiß natürlich, dass es Mist war, aber ich-" Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen und holte tief Luft. "Ich wollte zuvor noch etwas erledigen. Ich bin jetzt in der dreizehnten Woche."

Georgina nickte bedacht. "Dann gratuliere ich dir ganz herzlich. Ich brauche dann noch ein Schreiben des Arztes von dir, damit dieser die Schwangerschaft ganz offiziell bestätigt."

"Ich weiß", erwiderte ich tonlos. Das Schreiben trug ich schon seit Wochen mit mir herum.

Zwischen uns blieb es für einige Sekunden peinlich still, ehe Georgina das Wort ergriff: "Wer ist denn der Vater, wenn ich fragen darf?"

Ich versteifte mich. Die Wahrheit darüber, würde ich ihr garantiert nicht offenbaren. Zumindest jetzt noch nicht. "Ein Typ aus einem Club. Eine einmalige Sache." Die Lüge kam mir über Lippen, ohne, dass ich rot wurde.

Georgina schnaubte. "Wohl auch irgend so ein Loser, wie der Vater meiner Tochter. Wie es in meinem Fall aussieht, kommt sie ganz nach ihm. Ich wünsche dir jedenfalls besseres für dein Kind."

"Reden sie nicht so über Pam", platze es aus mir heraus, was Georgina innehalten ließ. "Sie ist kein Loser und würden sie etwas genauer hinschsehen, würden Sie wissen, dass sie nach Ihnen kommt. Denn in ein Hotelzimmer einzubrechen, um Fotos für einen Artikel zu bekommen, ist ebenso eine Straftat, wie in ein fremdes Auto einzusteigen und Handtaschen zu durchwühlen." Georgina wollte mir ins Wort fallen, doch ich überstimmte sie einfach: "Pam liebt diesen Job, so wie Sie auch. Würden Sie etwas mehr Zeit mit ihr verbringen, würden Sie es merken."

Georginas Augen lagen nun überall, nur nicht auf mir. "Du kannst gehen. Wir sehen uns am Montag wieder", murmelte sie leise.

Gut, wie sie wollte, aber etwas lag mir noch auf der Zunge, was ich mir nicht verkneifen konnte. "In wenigen Monaten, werde ich nicht mehr da sein. Vielleicht überlegen Sie sich Pam eine Chance zu geben mit Ihnen zu arbeiten. Zusammen sind Sie und ihre Tochter sicher ein gutes Team."

Darauf bekam ich weder eine Antwort, noch war ich ihr einen Blick würdig. So verließ ich das Büro und machte mich auf den Weg nach Hause. Dort wartete bereits Chloe auf mich. Die Chloe, die mir den Freund ausgespannt hatte. Genau jene stand vor fünf Tagen verheult vor meiner Tür und suchte einen Platz zum Schlafen. Wie hätte ich Nein sagen können?

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Hallo und herzlich Willkommen zum Ende!
Ich hoffe, dass es noch ein oder zwei Leser gibt, die auf die Fortsetzung warten konnten.
Gleich von vorne weg, wollte ich noch sagen, dass es keinen dritten Teil geben wird. Außerdem wird diese FF meine letzte sein.
Danke für alles!

Beste Grüße
Sabrina.
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