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Katzenstein || Woodwalkers

GeschichteRomance, Fantasy / P12 / Het
OC (Own Character)
26.03.2021
26.03.2021
8
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26.03.2021 2.844
 
Helene zog die Schnüre meines Unterkleides noch ein Stück enger.
„Ist es so besser?“ Ich nahm einen tiefen Atemzug und nickte. Das neue Kleid fühlte sich ungewohnt an. Der helle Stoff hatte keine Flecken oder reparierte Risse, wie mein altes Kleid. Auch die Schnürung war anders. Mein altes hatte ich einfach oben am Kragen mit dem eingenähten Faden zusammengezogen und darüber mein Überkleid geworfen. Das neue hatte eine lange Schnürung hinten, die jemand anders für einen zuziehen musste.
Ich betrachtete mein Spiegelbild. Es sah anders aus. Natürlich war mein Gesicht noch das gleiche, aber mein eh schon recht zierlicher Körper wurde durch das Unterkleid noch dünner, oder sah zumindest so aus. Am Ziehen der Fäden konnte ich spüren, dass Helene sie zusammenband, dann griff sie nach meinen Schultern und drehte mich zu ihr um. Ihre Augen betrachteten mich eingehend.
„Gut siehst du aus. Wie eine richtige Dame.“ Das Gesicht verziehend drehte ich mich wieder zum Spiegel.
„Ich würde es vorziehen weiter ein Kind zu bleiben.“, murmelte ich.
„Aleidis, du bist vierzehn. Irgendjemand muss die Dame am Hof sein, vor allem jetzt, wo deine Frau Mama verstorben ist.“ Ich seufze und drehte meinen Oberkörper nach rechts und links. Meine Mutter war vor vier Jahren bei der Geburt meiner Schwester Dorothea gestorben. Jetzt war mein Vater alleine mit uns fünf Mädchen und keinem männlichen Erben.
„Ja, aber warum muss ich dann jetzt schon heiraten? Ich bin doch mit Sicherheit fünfmal schlauer als die Söhne von Oettingen. Die machen doch den ganzen Tag nichts anders, als sich mit Schwertern zu hauen.“
„Darf ich dich daran erinnern, dass du auch immer mit den Knappen kämpfst, wenn der Herr Kaplan mit seinem Unterricht fertig ist? Außerdem kannst du froh sein, dass du eine gewisse Wahl hast. Dass du dich heute Abend ja gut benimmst, wenn sich beide Fürstensöhne für andere Mädchen entscheiden, dann wird dein Vater nicht glücklich sein.“ Sie nahm das hellgrüne Überkleid von meinem Bett und schnürte dessen Rückseite auf.
„Und wenn schon. Dann können sie immer noch Hedwig mit dem kleinsten von ihnen verheiraten, wenn sie die Ländereien zusammen haben wollen.“ Hedwig war meine drei Jahre jüngere Schwester.
„Sprich so nicht über sie! Du weißt, dass sie Hedwig nicht in die Fürstenfamilie lassen werden, weil sie keinen Wandlerin ist.“ Ich nickte langsam und schlüpfte in das Überkleid, das Helene mir hinhielt. Das war wirklich ungerecht. Nur weil sie keine zweite Gestalt hatte, blieb es ihr verwehrt einen Mann aus dem Adel zu heiraten, der ebenfalls ein Wandler war.
„Jedenfalls muss sie niemanden heiraten, den sie noch nie gesehen hat.“
Meine Zofe und Freundin widmete sich wieder dem Schnüren. „Aber du hast sie doch schon mal gesehen.“
„Ja.“, knurrte ich. „Mit drei.“ Sehnsüchtig schielte ich zum Fenster, wo draußen der blutrote Sonnenuntergang leuchtete.
„Ich weiß, dass du lieber da draußen wärst.“ Sie band jetzt auch das Überkleid zusammen und widmete sich meinen hüftlangen fast schwarzen Haaren. „Aber du kannst nicht für immer mit deinen Schwestern Schwertkampf üben oder auf den Dächern herumstreunen.“
„Und warum nicht?“ Ich zog mir die Kette meiner Mutter über den Kopf, an der ein Anhänger mit eingeprägter Katzenpfote hing. Das geheime Erkennungszeichen für andere Wandler.
„Weil das Volk einen Nachfolger braucht. Du hast eine gute Verbindung zu den Bauern. Sie schätzen und mögen dich mehr als deinen Vater. Das Leben geht weiter.“ Sie flocht mir eine Haarsträhne nach hinten und ich zog mir ein Haarband aus zusammengeflochtenen Stoffstreifen darüber. „Fertig.“
Aus dem Spiegel blickte mir jetzt wirklich eine Fremde entgegen. Meine Haare waren nicht mehr strubbelig und offen, sondern glatt und zum Teil geflochten. Das Kleid für den Tanzabend war nach hinten so lang, dass es etwas über den Boden schleifte. Die Ärmelausschnitte waren lang und reichten fast bis auf den Boden. In die Säume waren Goldfäden eingearbeitet. Das helle Grün des Stoffs ließ meine grau-grünen Augen leuchten.
Während ich mich vor dem Spiegel hin und her drehte und mein Spiegelbild etwas skeptisch betrachtete, öffnete sich die Tür zu meinem Zimmer. Herein kam mein Vater, dicht gefolgt von drei meiner vier Schwestern. Auch seine Augen betrachteten mich eingehend. Ein Lächeln, was aufgrund seines schwarzen Bartes kaum zu sehen war, erfüllte sein Gesicht.
„Wie deine Mutter.“ Er strich mir mit der Hand durch die Haare und ich sah die Tränen in seinen grünen Augen glitzern.
Hinter ihm ahmten meine beiden achtjährigen Schwestern nach, wie ich mich eben gedreht hatte.
„Schaut mich an, ich bin Aleidis und wunderschööön.“, hörte ich Klara flüstern. Von ihrer Schwester unterschieden sie nur ihre kurzen Haare, die sie sich in unbeobachteten Momenten mit allem anschnitt, was sich bot, wenn sie ihr zu lang wurden und womit sie unseren Vater und Helene in den Wahnsinn trieb.
„Na warte.“ Mit nur zwei Schritten war ich bei ihr und obwohl sie versuchte wegzurennen, zog ich sie an ihrem Gürtel zurück und hob sie von den Beinen. Sie quietschte fröhlich. „Wie war das?“
„Gar nichts.“ Im nächsten Moment hatte sie sich verwandelt und plumpste nach unten als kleine dreifarbige Katze aus ihren Kleidern heraus.
Hedwig betrachtete sowohl mich, als auch Klara neidisch. Ihre langen roten Haare hingen offen über ihr hellblaues Kleid, an dessen Gürtel ein Schwert hing. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, obwohl sie ein Mädchen war, besser zu werden als die Knappen. Unser Vater ließ sie. Er wusste, wie schwer es für sie war, dass sie, wie unsere kleinste Schwester Thea, aus der Familie fiel. Als Hedwig sah, dass ich ihr in die Augen sah, lächelte sie und kam auf mich zu. Obwohl sie erst elf war, war sie schon fast so groß wie ich.
„Du musst mir alles genau erzählen, wenn du nach Hause kommst. Und wenn sich einer von den Jungs dumm anmacht, dann sag mir Bescheid.“ Ihre eh schon schmalen Augen verengten sich.
„Werde ich.“ Ich lächelte ebenfalls. Sie nahm meinen Mantel vom Bettpfosten und hängte ihn mir um.
Draußen auf dem Hof hatte der Stallknecht die Kutsche schon fertig gemacht. Es war ein kleiner dachloser Karren, der eher einem Erntewagen ähnelte. Mein Vater sparte eben, wo er konnte. Deshalb hatten wir auch keinen Kutscher und mein Vater fuhr selber. Als ich mich neben ihn auf den Kutschbock gequetscht hatte, schnalzte mein Vater mit der Zunge und die kräftige Stute, die unseren Wagen zog, setzte sich in Bewegung. Ihre Hufe klapperten gleichmäßig auf dem Boden und wir rollten durch das Tor von Burg Katzenstein nach draußen.

Genau zur rechten Zeit hielten wir vor den Toren des Schlosses Oettingen an. Unsere Stute hatte nicht einmal angefangen zu schwitzen. Weite Strecken zu traben war sie gewohnt. Auf dem Hof vor dem Eingang war eine Menge los. Stallburschen rannten von links nach rechts, schirrten Pferde ab und banden sie an. Wir waren bei weitem nicht die einzigen, die heute Abend hier waren. Das Gebiet des Fürsten von Oettingen war groß und dementsprechend wollten viele Väter von äußeren Gebieten ihre Töchter in die Familie einheiraten.
Die Fackeln am Eingang leuchteten hell und durch die Fenster war zu erkennen, dass auch drinnen sämtliche Kronleuchter brannten. Im Inneren überfluteten mich die Eindrücke. In einer Ecke des großen Saals konnte ich eine kleine Gruppe an Musikanten erkennen, oder viel mehr hören, die ziemlich schiefe Tanzmusik von sich gab. Die Gerüchte, dass der Fürst von Oettingen einen sehr verschwenderischen Lebensstil habe, erwiesen sich jetzt als wahr, als ich bemerkte, dass auf Tischen an den Wänden ein riesiges Bankett aufgebaut war, von dem aber niemand etwas essen zu schien.
Anscheinend hatten aber nicht nur die Väter und Mütter einiger Mädchen die Gelegenheit erkannt, einen Partner für ihre Töchter zu finden, sondern auch die Eltern einiger Söhne. Die Vielfalt an Kleidern schien unendlich. Weite, Lange, Kleider deren Stoff noch Meter über den Boden schleifte, sogar ein tiefrotes Kleid konnte ich sehen. Aber vor allem waren die Trägerinnen dieser Kleider eines. Älter als ich. Und keine Wandler. Das vertraute Gefühl, dass ich bei meinen Schwestern und meinem Vater war nahm, fehlte hier bei den meisten.
Mein Vater schob mich nach vorne durch die Menge, zu einem anderen Mann, der neben einem, recht grimmig dreinschauenden, Jungen stand. Das war dann wohl der Fürst von Oettingen. Ich wusste, dass die Hochzeit zwischen einem seiner Söhne und mir so gut wie feststand. Der Sinn dieses Abends erschloss sich mir deshalb nicht so wirklich. Ebenso fragte ich mich, wo der zweite Sohn abgeblieben war. Als wir vor den beiden zum Stehen kamen fiel mir sofort der strenge Geruch auf, der von ihnen kam. Meinen Vater schien das nicht zu stören. Stattdessen begrüßte er den Fürst, der uns anschließend seinen Sohn vorstellte.
„Das hier ist Sebastian. Ihr kennt ihn ja schon.“ Damit war vermutlich ich gemeint. Nein, ich kannte ihn nicht wirklich. An das eine Mal, als ich ihn angeblich getroffen hatte, konnte ich mich eindeutig nicht mehr erinnern. Sebastian sagte gar nichts und starrte nur durch mich hindurch. Der Fürst wagte einen kurzen Rundumblick und fügte dann hinzu: „Wolf.“
Na das erklärte einiges. Wolf und Katze. Toll arrangiert, Vater. Er schob mich noch ein Stück nach vorne, sodass ich neben Sebastian stand, der mich keines Blickes würdigte. Er selber stellte sich neben den Fürsten, der jetzt um Ruhe bat.
Sicher zehn Minuten, die in dem Saal mehr oder weniger Ruhe herrschte, redete er darüber, wie toll er es fand, dass heute alle hier wären und noch eine ganze Menge mehr, die ich gar nicht mehr wirklich mitbekam, weil ich im Stehen schon halb weg döste. Jetzt spürte ich doch Sebastians recht stechenden Blick in meiner Seite.
„Wie heißt du nochmal?“, hörte ich ihn knurren.
„Ich kann mich nicht erinnern, euch das du angeboten zu haben.“, zischte ich. Zurück bekam ich nur ein weiteres Knurren. Wenn er mich behandelte wie Dreck, dann konnte ich das ja wohl auch.
„… und deshalb, lasset uns froh sein und tanzen. Musik!“, schloss der Fürst seine Rede. Die Kapelle setzte wieder zum Spiel an. Tanzen konnte ich tatsächlich ziemlich gut. Wir leisteten den Dörfern und Höfen bei ihren Erntefesten oft Gesellschaft, vor allem, um in einem guten Verhältnis mit ihnen zu bleiben. Aber natürlich hatte ich auch höfische Tänze lernen müssen und die Melodie zu genau so einem, noch dazu recht langsamen Tanz stimmte die Kapelle jetzt an. Schon nach wenigen Herzschlägen füllte sich die Tanzfläche.
Ich machte keine Anstalten mich dazuzugesellen. Eher würde ich an Ort und Stelle zu einer Salzsäule werden, als mit diesem Wolf zu tanzen. Erst der eiskalte Blick des Fürsts brachte mich dazu, meine Meinung doch zu ändern. Ohne ein Wort umschoss Sebastians Hand mein Handgelenk und er zog mich in die Mitte. Wie meine Mutter und Helene es mir beigebracht hatten griff ich ihn, wenn auch recht widerwillig, an beiden Händen. Während wir uns langsam im Kreis drehten, immer wieder die Richtung wechselten, unter den Armen des anderen durchliefen und versuchten, uns von niemand anderem über den Haufen tanzen zu lassen, fielen mir einige Dinge auf.
Seine Kenntnis für Figuren in diesem Tanz beschränkte sich auf die absoluten Grundlagen, im Anbetracht der Tatsache, dass er laut meinem Vater neunzehn war, war es sehr bemitleidenswert, dass sogar Klara und Ava mehr Figuren konnten. Zumindest sah er mir jetzt endlich in die Augen. Sie waren hellbraun und sahen mich nicht mehr ganz so feindselig an wie vorhin noch. Zwar auch nicht gerade freundlich, aber immerhin sah er mich überhaupt an. Der Sinn dieser Art des Tanzes bestand eigentlich darin, sich mit dem Gegenüber zu unterhalten, was an den, doch recht zahlreichen, Gesprächen um uns herum recht deutlich wurde. So überwand ich mich schließlich doch, etwas zu sagen.
„Aleidis. Aleidis von Katzenstein. Entschuldigt meine Unhöflichkeit vorhin.“
Schon dieser kurze Satz schien ihn absolut aus dem Konzept zu bringen. Er kam aus dem Takt, und versuchte unbeholfen, seine Fassung wiederzugewinnen, während er, offensichtlich recht wütend, auf seiner Unterlippe kaute. Schnell schob ich ihn wieder an die richtige Stelle der Formation, sodass er nicht von einem anderen Mann überrannt wurde. Anscheinend war Tanzen nicht gerade seine Stärke. Nach einiger Zeit wurden seine Schritte sicherer und er schaffte es sogar, gleichzeitig zu sprechen.
„Von wem hast du gelernt zu tanzen?“ Bei der Höflichkeit war bei ihm wohl alles verloren.
„Von meiner Mutter. Und ihr?“
„Von meinem Vater. Ich mag es nicht wirklich. Meinen kleinen Brüdern macht es Spaß. Warum auch immer.“ Jetzt hätte ich mich beinahe verstolpert.
„Sind sie auch Wölfe?“ Wieder verlor er für einen kurzen Moment die Fassung.
„Nein. Johann ist ein Pferd. Und Konrad gar kein Wandler.“ Johann hieß der Mittlere also. Vielleicht war der ja netter als sein Bruder. Der markante Wolfsgeruch bereitete mir nämlich langsam Kopfschmerzen. Ich nickte langsam und stellte erleichtert fest, dass die letzten Takte des Liedes verklangen. Sobald die Instrumente still waren, wollte ich Sebastians Hände loslassen, doch der hielt sie noch einen Moment fest und sah mir in die Augen. Verwirrt befreite ich sie mit einem Ruck aus seinem Griff. Seine Augen wanderten langsam an mir auf und ab. Es herrschte eine unangenehme Stille.
Die ersten Takte, die die Kapelle spielte, erkannte ich sofort wieder. Es war ein schnelles Lied für einen Rundtanz mit Partnerwechsel. Im Gegensatz zu mir sah Sebastian nicht gerade erfreut darüber aus. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verzog sich an den Rand der Tanzfläche. Ich schüttelte nur den Kopf und drehte mich wieder zur Mitte. Wenn er sich den Tanz entgehen lassen wollte, bitteschön. Ich würde das sicher nicht tun. Es war mein Lieblingstanz bei jedem Erntefest und es überraschte mich, dass er auf so einem Fest getanzt wurde. Die Menge sortierte sich zügig in einen Kreis und ich fand mich neben einem Jungen wieder, der um einiges älter als ich zu sein schien. Mit einem freundlichen Nicken nahm er meine Hand und wir warteten auf den Einsatz. Ich spürte sofort, dass er kein Wandler war, aber immerhin war er netter, als der Wolf.
Der Tanz war wirklich einfach. Zuerst lief man vier Schritte vorwärts, vier rückwärts, wechselte zweimal mit dem Partner den Platz, sprang dann einmal nach außen und wieder nach innen, wechselte ein weiteres Mal die Plätze und als Dame wurde ich mit drei Schritten zum nächsten Partner nach hinten weitergegeben. Die Stimmung war um einiges ausgelassener und fröhlicher als beim letzten Tanz. Zwar war sie bei weitem nicht so fröhlich, wie bei den Festen der Bauern, aber es hatte jeder seinen Spaß. Nach fast einer ganzen Runde wurde ich sogar an meinen Vater weitergereicht, der schon merklich angetrunken war.
Als ich mich schließlich unter seinem Arm hindurch nach hinten gedreht hatte, blickte ich in zwei dunkelbraune Augen. Sobald er meine Hand griff durchlief mich ein Kribbeln. Er war ein Wandler, das spürte ich sofort. Auch er schien es zu spüren, denn auch seine Augen weiteten sich überrascht. Aber viel Zeit blieb uns nicht. Mir fiel nur noch auf, wie weich und sicher seine Schritte im Vergleich zu den meisten anderen waren. Vor allem im Vergleich zu Sebastian.
Viel zu schnell musste auch er mich nach hinten weitergeben. Ich sah, wie er seinen Kopf drehte und mir nachblickte. Kurz darauf sah ich seine recht lagen schwarzen Locken nur noch von hinten. Meine Aufmerksamkeit brauchte ich jetzt anderswo. Die Kapelle begann immer schneller zu spielen. Ich kannte dieses Prozedere schon, aber die Musik wurde erstaunlich schnell sehr, sehr zügig. Immer schneller mussten wir Plätze tauschen, springen und nach hinten laufen. Knapp drei Runden später kamen sie endlich zur Ruhe.
Ich endete keuchend neben dem schwarzhaarigen Jungen von vorhin. Dieser schien, im Gegensatz zu den meisten auf der Tanzfläche, überhaupt nicht außer Atem. Er legte seine Hand auf meine Schulter und sein Blick suchte meinen. Mein Herz pochte schnell und ich wusste nicht, ob es am Tanzen, oder an seinem Blick lag.
„Alles in Ordnung?“, fragte er leise. Ich nickte und versuchte immer noch außer Atem mit den Händen zu signalisieren, dass ich nur kurz an die frische Luft müsste. Er nahm seine Hand wieder von meiner Schulter und ich schob mich durch die Menge in Richtung der weit geöffneten Hintertür, durch die die kühle Nachtluft strömte.
Wie ich erleichtert feststellte, war die Terrasse menschenleer. Am Rand der holzbedeckten Fläche standen breite Holzfeiler, die einen Balkon darüber stützten. Zwischen diesen Pfeilern waren Fackeln befestigt und zwischen ihnen war eine Art Geländer. Auf eines dieser Geländer setzte ich mich jetzt. Ich atmete die wohltuende kühle Luft ein. Meine Ohren fiepten leicht von dem lauten Stimmengewirr und der Musik im Inneren. Der Moment der Ruhe tat gut. Das Gelächter hörte ich nur noch gedämpft durch die Mauern und Fenster. Das Schloss hier war sehr neu. Die meisten alten Burgen hatten keine richtigen Glasfenster und auch Katzenstein hatte erst vor wenigen Jahren Glasfenster bekommen.
Meine Gedanken wanderten wieder zurück zu dem Jungen von vorhin, während ich nachdenklich die Kette in meiner Hand drehte. Er war auf jeden Fall ein Wandler. Mein Herz, das sich langsam erholt hatte begann wieder schneller zu schlagen. Er hatte mich ganz anders angesehen als Sebastian und die anderen Männer an denen ich vorbeigekommen war. Seine Augen waren nur in meinem Gesicht geblieben. Schritte rissen mich aus meinen Gedanken. An einen Pfeiler gelehnt stand der Junge von vorhin.
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