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Wie Maiglöckchen im Winter

von Nic-Nac
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Ruka Souen Zero Kiryu
25.03.2021
15.08.2021
3
8.578
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09.05.2021 2.860
 
Kapitel II: Unsere Annäherung


Voller Abneigung schaute Zero die Vampirin vor sich an. Was wollte sie hier? Doch eigentlich konnte er es sich denken. Wahrscheinlich hatte ihr so hochgeschätzter Reinblüter sie geschickt, um ihn die Beute wegzuschnappen.

„Was starrst du so?“ keifte Ruka und kniff die Augen zusammen. Trotzig starrte Zero sie weiter an. Wollte das Vampirmädchen provozieren, doch dann stach ihm ein Detail ins Auge.

Sie sah nicht wie die Vampirin aus, die er von den Übergängen und seinen Patrouillen kannte. Sie sah abgekämpft und niedergeschlagen aus. Ihr schönes Gesicht war blass und dicke Tränensäcke lagen unter ihren Augen, als ob sie tagelang geweint hatte. Sie sah wie sein Spiegelbild aus. Ihr Aussehen spiegelte genau das wieder, wie Zero sich fühlte.

Abfällig beobachtete Ruka den Hunter vor sich. Er war blass. Noch blasser als sonst. Und das sollte schon was heißen. Dunkle Schatten lagen unter seinen Augen und der Glanz seiner Augen war verschwunden. Und traf Ruka die Erkenntnis. Er sah aus wie sie… Genauso elend und von Liebeskummer zerfressen. Vielleicht stimmten die Gerüchte wirklich.

Hanabusa, der schon immer etwas für Klatsch und Tratsch etwas übrig gehabt hatte, hatte schon immer die Vermutung gehabt, dass Zero Kiryu etwas für die kleine Vertrauensschülerin übrig gehabt hatte. Das der Hunter in sie verliebt wäre.

Und falls das stimmte, würde es erklären, weshalb Kiryu so aussah, als hätte er seinen Lebenswillen verloren. Er war genau wie sie. Ruka, die ihre große Liebe verloren hatte.

Ein Leidensgenosse…

Quatsch!

Was dachte sie dann da?! Wer hier vor ihr stand, war einfach nur blutrünstiger Vampirmörder und nichts anderes!

Wieder verfinsterte sich Rukas Blick und Zero erwiderte ihn. Auch er hatte daran gedacht, was für alle offensichtlich war. Ruka Souen war schon immer Kaname Kuran verfallen gewesen. Und sie hatte sich nie gescheut, es der gesamten Welt zu zeigen.

Zero hatte nie verstanden, was sie an Kuran gefunden hatte. Er hatte sie nie wie ein Individuum behandelt, sondern genau gleich wie seine anderen Lakaien. Also was sah die Vampirin in diesen Typen?

Zero schaute zum ersten Mal die Souen genauer an. Vorher war sie immer nur einer von Kurans Speichellecker gewesen, doch diesmal hatte Zero den Drang, sie näher zu betrachten.
Ruka war groß und schlank und hatte Kurven, die jeden Mann zum Träumen brachte. Vollkommene Gesichtszüge, einen verführerischen Wimpernaufschlag und einen wunderbaren Schmollmund. Alles, was ein Mann sich bei einer Frau wünschen konnte. Und nicht nur das. Von dem, was Zero von ihrer Persönlichkeit mitbekommen hatte, war Ruka stark, unabhängig und leidenschaftlich.

Eine wahre Vollblutfrau.

Und wenn sie ein Mensch gewesen wäre, wäre Ruka genau der Typ Frau, den Zero anziehend fand. Doch sie war kein Mensch. Und das machte sie in diesem Moment auch klar.

„Hör auf zu starren, dreckiger Hunter oder ich reiße dir die Kehle mit meinen Zähnen auf!“ Wütend funkelten Rukas auf und Zero verzog die Miene. Er musste ganz schnell revidieren, was er gerade gedacht hatte.

„Du bist in mein Revier eingedrungen, Vampir. Also mach dich vom Acker!“ knurrte Zero und zog seine Bloody Rose hervor. Ohne mit der Wimper zu zucken, schaute Ruka die Waffe, die sie töten konnte, an. „Dein Revier? Mach dich nicht lächerlich.“ Abfällig schnalzte die Vampirin mit der Zunge. „Vampire zu jagen ist die Aufgabe der Hunter. Also verschwinde endlich!“ Zero wollte nicht weiter diskutieren, doch Ruka machte es ihm nicht einfach.

„Pah, dass ich nicht lache! Und was machst du denn hier, großer Hunter? Bedrohst mich mit deiner lächerlichen Waffe.“ Wütend zog Zero seine Augenbrauen zusammen. „Ach, bist du etwa kein Vampir?“ knurrte Zero und diesmal bekam Ruka es mit der Angst zu tun. Natürlich war sie ein Vampir, und auch wenn sie Kiryu immer als vernünftig eingeschätzt hatte, konnte sie nicht sicher sein, dass er nicht abdrücken würde.

Doch ein lauter Schrei unterbrach die beiden Streitenden.

Die beiden Kontrahenten sahen sich an und stürmten dann auf die Sekunde genau gleichzeitig los.

Sie beide wollten den Level E Vampir zuerst erledigen und wenn sie dafür auf schmutzige Tricks zurückgreifen musste.

Mit voller Wucht brachte Ruka den Hunter aus dem Gleichgewicht, indem sie ihren Körper zum Einsatz brachte. Strauchelnd schwankte Zero und Ruka nahm dies als Gelegenheit in Führung zu gehen.

Mit ihren langen Beinen rannte sie um die Ecke und ließ Kiryu hinter sich. Dieser kam langsam wieder in den festen Stand, doch Ruka war schon weg. Genau in die Arme seiner Beute.

Mit einem schnellen Blick machte Ruka aus, wo sich der ehemals menschliche Vampir befand. Und je näher sie ihm kam, desto stärker würde Gestank nach Verwesung und verrottenden Blut. Ruka hielt sich die Hand vor die Nase. Für ihr feines Riechorgan war dieser Gestank wahrlich nur schwer zu ertragen.

Und endlich sah die Aristokratin den Level E. Sie hatte schon viele Exemplare seiner Art gesehen. Doch es schockierte Ruka immer wieder aufs Neue, dass diese Dinger wirklich zu ihrer Rasse gehören sollten.

Das verfilzte und dreckige Haar reichte bis zu den Ellenbogen und das Gesicht war voller Schmutz. Das Gesicht war entstellt, nichts Menschliches war darin zu entdecken. Die Kleidung war vollkommen zerschlissen und verdreckt. Gelbliche Fangzähne hatten sich in das neuste Opfer des Level Es gestoßen.

Angewidert zog Ruka die Augenbrauen zusammen. „Hey, du!“ mit einem lauten Ruf machte sie auf sich Aufmerksam. Geifernd hob der Level E seinen Blick und starrte sie gierig an. Achtlos ließ er sein Opfer fallen, ein junges Mädchen, vielleicht gerade mal 15 oder 16 Jahre alt.

Entschlossen starrte Ruka ihren Gegner an und konzentrierte sich. Zielsicher manipulierte die Vampirin ihre Beute, erzeugte eine Halluzination, die ihr Opfer dazu brachte, sich die eigenen Hände an die Kehle zulegen und zu zudrücken.

Zufrieden sah sie zu wieder Level E seine letzten Atemzüge machte und zu Staub zerfiel.
Sie hatte es geschafft. Ganz allein. Siehst du, Kaname-sama, ich brauchte Akatsuki nicht! Dachte Ruka zufrieden und wollte gerade auf das Opfer zugehen, als sie ein Geräusch sich blitzartig zurückschnellen ließ.

Blutrot leuchtende Augen starrten ihr ins Gesicht. Ein zweiter Level E war aufgetaucht. Sie wollte wieder eine Halluzination erzeugen, doch zu spät. Die verdreckten Krallen hatten sich ihr Gesicht genähert und waren kurz davor sich in ihre ebenmäßige Haut zu bohren…

Voller Angst kniff Ruka die Augen zusammen und wartete auf den Schmerz, doch nichts geschah. Ein starker Luftzug und ein Stöhnen ertönten. Überrascht öffnete Ruka ihre Augen wieder. Jemand war dazugestoßen. Jemand mit verblüffend silbernen Haaren…

Verwundert sah sie zu, wie Zero den Level E an der Kehle gepackt hatte und mit einer unglaublichen Stärke in der Luft hielt.

Ruka beobachtete, wie der Kiryu seine Waffe zog und mit einem lauten Knall verstreute sich die Asche in alle Winde.

Zero steckte seine Waffe wieder ein und wandte sich zu Ruka um.

„Alles okay?“


Seit dieser Begegnung waren nun schon zwei Wochen vergangen. Und seitdem hatten sich Ruka und Zero sich keines Blickes gewürdigt. Natürlich nicht, Zero hatte immer noch nicht seinen geregelten Tagesablauf wieder aufgenommen, sodass es auch keine Berührungspunkte zwischen den beiden gab. Und das wollte der junge Hunter auch nicht allzu schnell ändern.

Zero musste sich ein Gähnen verkneifen, als er den Schulflur entlang ging. Noch immer konnte er die Nächte nicht durchschlafen. Wie denn auch? Wenn ihn nicht der Gedanke an Yuki quälte, war es der Durst nach diesem süßen roten Nektar.

Tagsüber konnte er noch die Kontrolle über sein Wesen behalten, doch sobald die Sonne unterging… Der Kiryu wollte nicht daran denken. Doch er musste sich beeilen. Bald ging wieder die Sonne unter und dann wollte er am liebsten bei White Lily oder in seinem Zimmer im Haus Sonne sein.

Der Silberhaarige machte sich auf den Weg zum Pferdestall, um White Lily noch ihre allabendliche Möhre zu überreichen, als er aus dem Augenwinkel eine Gestalt sah.

Eine Gestalt mit langen aschblonden Haaren…

Sofort wusste Zero, wer sich da durch die Bäume schlängelte. Eigentlich war dem Silberhaarigen die zickige Vampirin vollkommen egal. Doch es war ungewöhnlich, dass sich einer dieser Vampire sich um diese Uhrzeit nicht im Haus Mond aufhielt.

Somit siegte Zeros Neugier über sein Desinteresse. Ich folge ihr nur, um sie gleich wieder in Mondwohnheim zuschicken. Dachte Zero und nahm die Fährte auf. Lange musste er der Souen nicht hinterher schleichen. Mit einem Mal stoppte die Vampirin ihre Bewegungen und drehte ihm den Rücken zu.

„Lass mich doch endlich in Ruhe!“ Ihre hohe Stimme hallte durch den Waldabschnitt und im ersten Moment dachte Zero, dass sie ihn entdeckt hatte. Was auch nicht weiter schlimm wäre, immerhin wollte er sie sowieso in ihr Nest zurückschicken.

Als ein Ast knackte, bemerkte Zero, dass sich noch jemanden zwischen den Bäumen aufhielt. Ein dunkler rotblonder Haarschopf war auf die Vampirin zugetreten. Zero wusste sofort, wer er war. Akatsuki Kain, Hanabusa Aidos Cousin und wie die Souen ein Level B Vampir. Einer der engsten Verbündeten von Kaname Kuran.

Soll das hier etwa ein Blutsaugertreffen werden? Fragte sich der Hunter im Stillen und wollte die beiden Vampire gerade von hier verjagen, als ihn die Stimme der Souen zurückhielt.

„Was willst du, Akatsuki? Ich habe dir schon gesagt, dass…-“ Doch der männliche Vampir unterbrach sie sogleich. „Ich weiß, doch ich kann es nicht länger mitansehen, Ruka. Es kann nicht angehen, dass du am helllichten Tag im Wald herumspazierst.  Du weißt doch, wie empfindlich deine Haut ist. Du wirst nur wieder einen Sonnenbrand kriegen. Und es auch keine Lösung, nur damit du den beiden ausweichen kannst.“ Wütend starrte Ruka ihrem Kindheitsfreund in die Augen. „Wag es nicht ihren Namen auszusprechen!“ knurrte sie und unterdrückte ihre Tränen. „Und um mein Aussehen musst du dich nicht sorgen. Schließlich bin ich nur eine Porzellanpuppe, die nichts alleine auf die Reihe kriegt, nicht wahr?“ Bitter kamen diese Worte über die Lippen der vampirischen Schönheit.

Kain seufzte lautlos. Er wollte Ruka so gerne helfen, doch diese stieß jede Hilfe von sich. „Sag so was nicht, du weißt, dass es nicht wahr ist.“ Versuchte Kain Ruka zu beruhigen, doch der gegenteilige Effekt trat ein. „Und ob das wahr ist!“ begehrte Ruka auf und wollte nichts anderes hören. „Du kannst nicht mehr so weitermachen, Ruka! Kaname-sama wird demnächst andere Seiten aufziehen, wenn du dem Unterricht weiter fern bleibst. Nur weil Yuki und Kaname-sama ihre Liebe öffentlich gemacht haben, musst du dich nicht in Selbstmitleid suhlen!“ Nun versuchte es Kain auf die harte Tour. Doch damit bezweckte er nur, dass sich wieder Tränen in Rukas Augen bildeten.

Was Ruka darauf erwiderte, hörte Zero nicht mehr.

Ein grässliches Geräusch hatte sich in seinem Kopf festgesetzt. Yuki und Kuran hatten ihre Liebe öffentlich gemacht…? Zero konnte nur in die Leere starren und nahm nichts um sich mehr herum wahr. Mit dem vertrauten Schmerz in der Brust ließ sich der Silberhaarige auf den trockenen Waldboden sinken.

„Ich wusste es doch…“ flüsterte Zero in den Wald hinein und verdeckte mit seiner einen Hand sein Gesicht. Ja, Zero hatte es immer gewusst, doch im tiefsten Inneren hatte er immer noch gehofft. Gehofft, dass sich dies alles als böser Traum entpuppen würde. Doch er hatte vergebens gehofft. Das wusste er nun. Er hatte versucht, sich einzureden, dass er stark war, doch nun merkte er, dass er das nicht war.

Zero saß noch lange an den Baum gelehnt da. So lange, bis der Mond ihn in ein silbriges Licht hüllte und die Sterne in tröstend anfunkelten.

Ruka und Kain waren natürlich längst verschwunden, doch auch wenn sie noch da gewesen wären, hätte Zero keine Kraft dafür gehabt, die beiden zu verscheuchen.
Zero wollte nur noch eines.

Alleinsein.

Allein mit seinen Gefühlen, die niemand nachvollziehen konnte.


Die Nacht war schon längst hereingebrochen und noch immer war Zero nicht in sein Zimmer zurückgegangen. Zu lange hatte er gebraucht, sich wieder auf die Beine zu stemmen. Die Nachricht, die er belauscht hatte… Sie hatte ihn aus dem Gleichgewicht geworfen. Doch Zero wusste, dass er aufstehen und weitermachen musste.

Was würde nur sein Meister sagen, wenn er ihn so sehen würde?

Zero konnte den Schwarzhaarigen vor sich sehen. Mit verschränkten Armen vor der Brust und einem grollenden Blick. „Davon lässt du dich fertigmachen? Dummkopf von einem Schüler!“ Sein Meister war stark. Körperlich wie seelisch. Hatte er nicht Schlimmeres durchgemacht, also Zero in diesen Moment? Warum ließ sich Zero von einer Liebe, die niemals in Erfüllung gehen würde, auf den Boden schmeißen? Wohingegen sein Meister noch viel mehr durchlitten hatte?

Plötzlich kroch ein Duft in Zeros Nase, der ihn veranlasste, auf der Stelle stehen zu bleiben. Es war ein zarter Duft, der lieblich nach Blumen roch. Verwoben mit dem Geruch von Wasser.
Eine seltene Kombination. Doch Zero war sich sicher, dass er ihn schon einmal vernommen hatte.

Ohne zu wissen, warum folgte der Silberhaarige diesem Duft. Vielleicht weil er ihn an etwas erinnerte, was für immer verloren gewesen zu sein schien. Oder weil er das Gegenteil von Yukis Duft war. Yuki roch immer süß und fruchtig wie die Sonne an einem Sommertag. Geradezu aufdringend, doch dieser Duft war genau das Gegenteil.

Zero brauchte nicht lange, um zu dem Ursprung des Duftes zu gelangen. Für einen Moment setzte sein Herz aus, als er sah, wer der Träger des Duftes war. Doch nicht aus Entsetzen oder Freude. Es war die Enttäuschung, die sich in Zero breitmachte. Wie konnte er auch denken, dass dieser Duft zu den Menschen gehörte, die er so sehr vermisste.

„Was willst du denn schon wieder?“ knurrte Ruka und drehte sich zu ihm um. Noch immer glitzerten die Tränen in ihren Augen, die sich ihren Weg über ihre Wangen bahnten. Ihr Haar wehte sanft in der kalten Nachtluft und sie widerstand dem Drang, es zu bändigen. Zero starrte sie an und wollte sie schon wieder in ihr Wohnheim schicken, damit sie sich dort weiter in ihrem Schmerz suhlen konnte.

Doch dann erinnerte er sich daran, wie geschockt sie gewesen war, als sie fast von dem Level E die Augen ausgekratzt bekommen hatte. „Geht es dir dann wieder besser? Immerhin bist du einfach verschwunden.“ Zero war schon fast von sich selbst überrascht, als er sie nach ihrem Zustand fragte.

Nie hätte er gedacht, dass er sich um eine Vampirin scherte. Doch bei dieser Jagd waren sie gezwungenermaßen Partner gewesen. Und sie wäre fast verletzt worden. Er hörte die Worte seines Vaters in seinem Kopf. „Stell immer sicher, dass es deinem Partner gut geht. Sei keiner dieser rücksichtlosen Hunter, die es nur um den Job geht, Zero.“  Überrascht weideten sich Rukas Augen. Der Vampirin war klar, worauf der Vertrauensschüler anspielte.

Ruka schloss für einen kurzen Moment ihre Augen. Noch einmal schossen ihr die Bilder von Jagd durch den Kopf. Wie der Level E, der sie töten wollte, in Staub zerfiel. Die Frage des Kiryus nach ihrem Befinden und wie sie einfach geflohen war. Weg von dem Silberhaarigen und ihrer Schmach.

Sie hatte gehofft, dass Kaname-sama sie einmal ansehen würde. Hatte gedacht, auch wenn sie es nicht geschafft hatte, das Nest der Level E zu eliminieren, er nur einmal den Blick hob. Doch nicht einmal die Nachricht, dass sie fast verletzt wurde und es nicht wie gedacht, nur ein Level E war, hatte den Reinblüter dazu bewegt, seinen Aufmerksamkeit auf Ruka zu richten.

Sah nicht den Dreck auf Rukas Kleider noch ihren flehenden Blick.

Und da wusste Ruka, dass er sie niemals sehen würde.

Sie spürte, wie das leise Gift namens Hass durch ihre Adern anfing zu pumpen.

Und von der Person gesehen zu werden, von der sie am wenigstens erwartet hatte. Von der Person, die sie hassen müsste und die sie hassen sollte. Nicht einmal ihre sogenannten Freunde beachten sie so wie es Zero gerade tat. Niemand sah sie so wie sie wirklich war.

Immer war sie nur die kühle und schöne Porzellanpuppe gewesen. Niemand fragte sie, wie es ihr ging. Nicht einmal Akatsuki, der zwar immer an ihrer Seite war, doch sie auch von alles abschirmen wollte, so wie es jeder tat.

„Ich… Ja, geht es mir. Und… Danke für damals.“ Rukas Zunge verknotete sich fast, als sie ihren Dank aussprach.

Zero nickte als er ihre Worte hörte und wollte sich umdrehen, um zugehen. Ihm war es genug, dass er wusste, dass sie gesund war. Ihr Dank war unnötig, schließlich war es selbstverständlich gewesen. Doch es war auch schön gewesen, mal ein Danke zu hören.

„W-warte…!“ Überrascht schaute sich Zero zu der Vampirin um, die ein paar Schritte auf ihn zugegangen war. Ein fast flehender Ausdruck hatte sich auf Rukas Gesicht abgebildet, doch sobald sie Zeros verwirrten Blick sah, verhärtete sich ihr Gesicht wieder. „Ach, vergiss es.“ Murmelte sie und drehte sich wieder um. Doch Zero blieb stehen und schaute ihr Rückprofil an.

Ein merkwürdiges Gefühl durchströmte ihn. Eine Verletzlichkeit umgab die Night Class Schülerin, die Zero nicht von ihr kannte. Und aus irgendeinem Grund wollte er noch bleiben.

„Es tut weh, nicht wahr?“ fragte Zero und Ruka zuckte zusammen. Sie wusste, was der Silberhaarige meinte. Die Gefühle, die sie so gut kannte, beherrschten auch ihn.

„Ja…“ hauchte sie. So leise, dass Zero es nur wie einen Windhauch in der Nacht vernahm. Der Silberhaarige war neben sie getreten und schaute in die Nacht hinein.

Sie beide machten dasselbe durch.

Kannten den Schmerz des anderen, obwohl er grundverschieden war.

Und obwohl Ruka und Zero natürliche Feinde waren, verstanden sie sich ohne Worte.
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