Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

so grey

GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
25.03.2021
16.04.2021
45
62.881
7
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
08.04.2021 1.142
 
Das Argument, die Weasleys würden mich sofort von der Schule nehmen und weit weg schicken, überzeugt Ron, Fred, George und Ginny letztlich davon, ihren Eltern nichts von Moodys Mordversuch zu schreiben. Ich bin nicht sicher, ob sie mich tatsächlich aus Hogwarts nehmen würden, weil sie Dumbledore zu sehr vertrauen, aber sie würden Fragen stellen, die ich ihnen momentan lieber nicht beantworten möchte.

Zwei Tage vor der zweiten Prüfung dürfen die älteren Jahrgänge wieder nach Hogsmeade. Beim Frühstück überbrachte mir Bits einen Zettel von Draco. Heulende Hütte. Heute. Vage Zeitangabe, Malfoy.

„Ich denke, ich werde heute doch nach Hogsmeade gehen“, sage ich zu Harry, Ron und Hermine, die geplant haben, den heutigen Ausflug zugunsten der zweiten Prüfung ausfallen zu lassen.

„Du gehst? Ich dachte, wir suchen in der Bibliothek nach allem, was Harry hilft, unter Wasser zu atmen“, fragt Ron verblüfft. Ich bin mir absolut sicher, dass sie mich dazu nicht brauchen werden. Wir haben sämtliche Bücher durch und bisher nicht die geringste Idee, wie Harry überhaupt antreten könnte. Meinen Vorschlag, Cedric zu fragen, hat er eisern abgelehnt.

„Ich – ich muss mal raus“, sage ich, „nach allem, was in den letzten Wochen passiert ist. Außerdem könnte Krum hinter jeder Ecke lauern und ich muss den Kopf freikriegen. Ich habe bisher nichts für die Prüfungen gemacht und das letzte Mal in Hogsmeade war ja eher … enttäuschend.“

„Krum mag dich echt gerne“, grinst Ron. Ich verdrehe genervt die Augen.

„Wir kommen auch zu dritt klar“, versichert mir Harry.

„Ich hoffe, ihr werdet fündig“, erwidere ich, „sie werden wohl kaum eine unlösbare Aufgabe stellen, oder?“

Hermine schüttelt entschieden den Kopf.

„Es muss etwas geben“, stimmt sie mir zu, „und du machst dir einen schönen Tag. Und falls du Rita Kimmkorn siehst, versuch einfach, sie zu ignorieren.“

„Ich gebe mein Bestes“, aber ich kann für nichts garantieren. Bisher ist noch kein Artikel über mich erschienen und jetzt, nach dem, was mit Moody war, sollte ich die Füße besser besonders still halten. Irgendein Slytherin lässt sich auch ohne Bestechung dazu herab, ihr alles zu erzählen, was sie wissen will. Und dann bin ich erledigt. Molly liest dieses Schundblatt mit einer mir völlig unverständlichen Leidenschaft.

„Ich will mir noch meinen warmen Umhang holen“, sage ich, „wir sehen uns beim Abendessen. Ich bring euch was mit, ja?“

Ron nickt zufrieden.

„Nervennahrung kann ich immer brauchen“, sagt er, „vor allem, wenn Hermine uns erst wieder nach Mitternacht ins Bett gehen lässt.“

„Viel Glück bei der Suche“, sage ich und grinse Hermine dabei verschwörerisch zu. Es schadet Ron nicht, mal etwas länger als fünf Minuten in einem Buch zu lesen.

Erleichtert verlasse ich den Tisch und die Halle. Nachdem ich meinen warmen Umhang geholt und jedes Angebot, mich zu begleiten, höflich abgelehnt habe, mache ich mich auf dem Weg zum Treffpunkt. Wir hatten kaum Gelegenheit, miteinander zu sprechen, seit er mich in McGonagalls Büro gefragt hat, wie es sich angefühlt hat, beinahe zu sterben. Meine Freunde haben mich nicht aus den Augen gelassen. Fred und George haben mich von einem Klassenzimmer zum nächsten eskortiert, als könne Moody plötzlich hinter der nächsten Ecke hervorspringen und mir das Genick brechen. Ich bin ihm seither nicht begegnet. Dumbledore stimmte meiner Forderung zu, mich von seinem Unterricht zu befreien, solange ich mich nicht sicher genug fühle, daran teilzunehmen. Ich hoffe, ich schaffe es, ihm für den Rest des Schuljahres fernzubleiben. Den Stoff kann ich im Schulbuch nachlesen und Hermine eignet sich hervorragend als Nachhilfelehrerin. Die Prüfung werde ich so oder so bestehen. Niemals werden sie mich durchfallen lassen, nach dem, was ich durchgemacht habe. Ich lege normalerweise kein Wert auf Mitleid, außer, es ist nützlich.

„Ist das erste Mal, dass wir uns außerhalb der Schule treffen“, stelle ich fest, als ich die Heulende Hütte erreiche, die auf einem Hügel außerhalb Hogsmeades steht. Draco, der gegen den morschen Holzzaun lehnt, grinst mich an.

„Nicht der beste Treffpunkt“, räumt er ein, „du warst in den letzten Nächten nicht am Fenster.“

„Ich konnte nicht raus“, sage ich bedauernd, „sie bewachen mich wie den Hauspokal.“

„Ist mir nicht entgangen.“

Ron hat im Zaubertrankunterricht aus dem Nichts einen Streit mit Draco begonnen, weil dieser mir, laut Ron, einen verachtenden Blick zugeworfen hatte. Snape verdonnerte Ron zu drei Stunden Nachsitzen und setzte uns auseinander.

„Wir sollten reingehen. In der Hütte sieht man uns wenigstens nicht sofort“, schlage ich vor. Draco sieht nicht sehr begeistert aus.

„Es spukt hier nicht wirklich“, sage ich, „das ist mehr … eine Legende, um die Dorfbewohner von der Hütte fernzuhalten.“

„Und das weißt du sicher?“, fragt er skeptisch.

„Angst?“, frage ich provokant. Er grinst diabolisch. Die Tür ist nicht verschlossen. Weshalb auch? Niemand, der um die Legenden weiß, die sich um dieses Haus ranken, traut sich freiwillig hinein. Wir durchstreifen die Räume, das Erdgeschoss, den ersten Stock. Die Fenster sind mit Holzbrettern zugenagelt. Es fällt kaum Licht ins Haus. In einem der Schlafzimmer, zumindest vermute ich, dass es sich um eines handelt, bleiben wir länger.
Ich streife mir meinen Pullover über den Kopf und werfe ihn auf das, was vor vielen, vielen Jahren mal ein Bett gewesen sein muss. Die Matratze ist dreckig und von einer dicken Staubschicht überzogen, die aufwirbelt, als der dünne Strickpullover, den Charlie mir zu meinem letzten Geburtstag geschenkt hat, darauf fällt. Dracos Blick wandert an mir herunter, wandert wieder hinauf. Ich grinse.

„Was?“, frage ich, „ich dachte, wir machen damit weiter?“

Ich erinnere mich an den einen, winzigen, schwachen Augenblick im letzten Schuljahr, als Draco auf Seidenschnabel zulief, während Hagrid uns den Rücken zuwandte. Ich habe seither nie mehr daran gedacht, wie ich für eine Sekunde dachte, Draco Malfoy sei attraktiv. Die ganze „das Vieh hätte mir beinahe den Arm abgerissen“-Nummer machte das schnell wieder zunichte. Jetzt, da er auf exakt dieselbe Weise auf mich zukommt, frage ich mich, ob er mich für so ungefährlich hält wie Seidenschnabel.

Lippen, Zähne krachen unsanft gegeneinander. Unsanft, ja, hart ja, ungestüm, ja. Es gibt keine Pause, um zu atmen oder zu denken oder festzustellen, dass überall Spinnennetze und Schmutz hängt und liegt und herumwirbelt. Die Augen geschlossen, die ganze Zeit, existiert die heulende Hütte nicht und keine Ausgangssperre und niemand, der auf mich wartet, um mit mir zu reden oder zu versuchen, mich umzubringen. Ein luft- und zeitloser Raum. Ein Fenster, das sich nur für uns geöffnet hat. Ein Rücken gegen die Wand und Hände im Nacken. Ein Gemisch aus lautem Atem und unterdrücktem, und dann doch nicht so unterdrücktem, Stöhnen und Bewegen, auf und ab. Alles passiert gleichzeitig, wir sind gleichzeitig überall und auf keinen Fall will ich, dass es endet. Ich weiß, was Enden bedeuten und ich will sie von mir wegschieben. Ein Ende bedeutet, alleine einzuschlafen. Ein Ende bedeutet einen neuen Treffpunkt zu finden. Ein Ende bedeutet, sich Blicke zuzuwerfen, die niemand anderes abfangen darf. Jemals. Ein Ende bedeutet ein Ende und ich will nicht loslassen, aufhören, ausatmen, die Augen öffnen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast