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Gartenparty

von - Leela -
OneshotAllgemein / P6 / Gen
Alanta Zino
25.03.2021
25.03.2021
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25.03.2021 2.391
 
Projektanmerkung: Diese Geschichte wurde für den Jahreskalender 2020 von lula-chan geschrieben.
      Das Zitat für den 17. August 2020 war: "Ich halte dich nicht ZUM Narren. Ich halte dich FÜR einen Narren." (Blue Exorcist)
      Schaut doch auch mal bei den anderen Tagen rein:
      16. August 2020: »Rotschöpfe in Aktion« von Blackpaw
      18. August 2020: »Umgeben von Freunden - Ein Sonettkranz« von Eiche

Kommentar des Autors: Diese Geschichte hat mir sehr viel Spaß gemacht! Mehr sage ich mal nicht dazu!



Gartenparty

Alanta stöhnte. Da war sie schon die Tochter des Bürgermeisters, und nun war sie trotz alledem von ihrem Vater dazu verdonnert worden, bei der Organisation der Gartenparty mitzuhelfen. Wozu hatten sie eigentlich Personal? ‚Es würde ihren Charakter bilden‘, hatte er zu ihr gesagt. Was immer er damit zum Ausdruck bringen wollte! Sie jedenfalls war jetzt schon genervt, und dabei hatte sie noch nicht einmal mit der Arbeit angefangen!
      Was hatte sie mit der Gartenparty überhaupt zu tun? Eigentlich hatte sie schwimmen gehen wollen. Es war immerhin ein Event ihres Vaters, der sich in seinem Amt als Bürgermeister einmal wieder in Szene setzen mußte. ‚Es konnte nicht schaden, sein Elternhaus zu repräsentieren‘, hatte er gesagt! Das bedeutete wohl, daß sie sich heute Abend auch noch schick im Kleid auf der Party präsentieren, und die gehobene Gesellschaft unterhalten sollte. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Dachte sie. Das war einen Augenblick bevor Zino auf der Bildfläche erschien.
      Natürlich war der gayanische Nationalheld auch auf der Party eingeladen! Und natürlich hatte er auch sofort seine Hilfe beim Aufbau zugesagt, um sich wieder schön in Szene zu setzen. Das mußte für Bürgermeister Gayvan das größte Highlight des Jahres sein! Ihr Vater sabberte ja förmlich, sobald der große Held Gayas auf der Bildfläche erschien. Das war der beste Grund für sie, nicht hier zu sein! Die Arbeit, der Abend mit den High Society-Leuten… Alles würde sie irgendwie überstehen, aber wenn ihr Vater noch einmal von ihr verlangte, daß sie sich mit diesem Vollidioten von Gayaner auseinandersetzen sollte, und wieder irgendwelche Avancen startete, um sie mit diesem überheblichen Möchtegern-Held zu verkuppeln, würde sie sich vergessen und Amok laufen!
      Sie schreckte jäh zusammen, als sie von hinten angesprochen wurde. „Hallo, Alanta!“
      „Oh, hallo Boo!“ Mit einem Lächeln begrüßte sie den besten Freund des gayanischen Nationalhelden. Boo war nett. Er war ein eher kleiner, unscheinbarer Gayaner, mit kurzen, braunen Haaren und einer Brille, die seine dunkelbraunen Augen umfaßten. Er war ein ruhiger, etwas zurückhaltender Typ. Ihn mochte sie recht gerne, ganz im Gegensatz zu diesem großen, muskelbepackten Spatzenhirn, auf dessen Lächeln halb Gaya, und insbesondere dessen einfältige Frauenwelt hereinfielen. Alle, außer ihr, wie sie betonte!
      „Du siehst nicht gerade zufrieden aus. Ist alles in Ordnung?“ erkundigte sich Boo fürsorglich.
      Alanta seufzte. Das hatte sie nicht vermeiden können. „Ach, ich habe mir den Tag nur anders vorgestellt. Den ganzen Morgen arbeiten, den Abend im Kleid umherflanieren… Es ist noch so viel zu tun und…“ Sie verbiß sich gerade so einen abschließenden Kommentar. In Gegenwart seines besten Freundes mußte sie Zino nicht unbedingt zum Teufel wünschen. So viel Anstand brachte sie gerade noch auf. Das allerdings hatte zur Folge, daß Boo seinen eigenen Gedanken folgen konnte.
      „Frag doch mal Zino, der hilft bestimmt gerne. Er packt gerne mit an, dann seid ihr hier viel schneller fertig!“ Die sprachlose Alanta wußte so schnell gar nicht, was sie sagen sollte, dadurch bekam Boo die Gelegenheit, sich zu verabschieden. „Ich muß jetzt weiter, Gayvan will noch etwas mit mir über eine neue Erfindung diskutieren. Mach’s gut!“ Mit einem Lächeln ließ er sie wieder allein.
      Die Bürgermeistertochter starrte ihm mit grimmiger Miene nach. Zino fragen, das wäre ja wohl das letzte, was sie tun würde! Eher würde der Dalamit zurück in die Erde stürzen, als daß sie gerade diesen stupiden Gayanerverschnitt um Hilfe bat! Obwohl… Ihr Blick fiel gerade auf den Irrgarten aus Buffettischen, der im Garten aufgebaut war. Sie war unter anderem dafür zuständig, das Gebäckbuffet mit den Kuchen, Torten, Keksen und Schnitten mit aufzubauen und auszurichten. Ihr Blick wanderte wieder von den Tischen zum Helden Gayas. Ein verschlagenes Lächeln nahm auf ihrem Gesicht Platz. Vielleicht war Boos Idee doch nicht so schlecht. Das würde ein Spaß…

„Ja, klar helfe ich dir!“ sagte Zino sofort zu. „Was muß ich denn machen?“
      „Das ist ganz einfach.“ erklärte Alanta und bemühte sich um einen Tonfall, als spräche sie nicht mit einem kleinen Kind. „Die Torten und Kuchen aus der Küche müssen hier auf die Tische. Ich sage dir, wo sie hinmüssen, und du bringst sie dann dort hin.“
      Zino drehte die Ohren gedankenvoll, als würde er die Anweisung einmal in Gedanken durchspielen um zu prüfen, ob er alles verstanden hatte. „Okay!“
      Alanta konnte sich nur schwer ein Grinsen verkneifen. Wie naiv er doch war. Merkte er nicht, daß das eine unnötige Arbeit war, weil sie die auch alleine machen konnte? Oder war er so extrem hilfsbereit, daß er nicht merkte, wenn jemand ihn ausnutzte? Wie auch immer, sie hatte jetzt ihren Laufburschen, und noch dazu den vielversprechendsten, um ihren Spaß zu haben. Wenn sie schon seine Anwesenheit über sich ergehen lassen mußte, war das das mindeste an Wiedergutmachung, das er ihr zu zollen hatte. „Aber paß gut auf!“ warnte sie. „Es darf nichts runterfallen! Insbesondere die Torten müssen ganz vorsichtig transportiert werden!“
      Zinos Ohren spielten noch immer ein wenig. „Das krieg ich hin.“
      „Gut!“ Alanta schlug sich in die Hände. „Dann, auf geht’s!“ Sie nahm ihn mit zu der Seite des Hauses, wo die fertigen Kuchen, Torten und Gebäckstücke auf einem Tisch zwischengelagert wurden. „Also, fangen wir am besten damit an.“ Sie deutete auf die große Schokoladentorte. „Die bitte dort drüben hin.“ Sie zeigte auf den linken der bislang noch leeren Buffettische.
      Zino betrachtete die insgesamt sechs verschiedenen Backwerke und machte sich enthusiastisch ans Werk. Die Arbeit sollte schnell erledigt sein…

Daß er den Auftrag unterschätzt hatte, sollte Zino bald merken. Natürlich handelte es sich nicht nur um sechs Kuchen und Torten, die auf der Gartenparty des Bürgermeisters angeboten wurden! Es waren nur die ersten gewesen, die zum bereitstellen auf dem Kuchenbuffet nach draußen gebracht worden waren. Sobald der kräftige Blonde eine Platte unter Anweisung von Alanta an ihren Platz gebracht hatte, wurde der Platz sogleich durch eine neue Spezialität aufgefüllt. Die Arbeit schien kein Ende zu nehmen.
      Auch fiel Zino auf, daß die Tochter des Bürgermeisters keine Kuchenplatte selbst in die Hand nahm. Ein wenig wunderte ihn das, vielleicht war es aber auch zu anspruchsvoll zu koordinieren, wo alles hinsollte, und so hinterfragte er es auch nicht.
      Zunächst fühlte er sich sogar in seinem Gedankengang bestätigt, als Alanta doch noch mal das eine oder andere anders arrangieren ließ. Die eine Torte paßte hier nicht so gut hin, dafür war der andere Kuchen auf der anderen Seite besser aufgehoben… Die Arbeit schien doch kniffliger zu sein, als er es sich zu Beginn vorgestellt hatte.
      „Nein, warte… Stell die Platte dort mal hier drüben hin.“ wies Alanta ihn gerade an und deutete auf einen Kuchen, den Zino kurz zuvor erst überhaupt auf ihre Anweisung hin dorthin gestellt hatte, wo er jetzt stand. „Wir stellen alle Sachen mit Schokolade zusammen, dann die fruchtigen Sachen, und auf der anderen Seite die Cremes.“
      Das hörte sich sehr schlüssig an. Also stellte Zino den Schokoladenkuchen zu der Schokoladentorte, die Brommelbeerentorte dafür zu dem Tapfelkuchen und rückte den Eierlikörkuchen zu den Vanillecremeschnitten auf.
      „Ja!“ freute sich Alanta. „Nein, warte…“ räumte sie gleich darauf ein. „Die Schokoladenkekse müssen hier herüber zu der Schokoladentorte und dem Schokoladenkuchen.“
      Zino sah sich die Situation nachdenklich an. Für diesen Plan mußte alles aufgerückt werden, damit die Schale mit den Keksen dazwischen paßte. Das würde eine logistische Meisterleistung werden. Die Logik war allerdings nicht von der Hand zu weisen, wenn die Schokolade auf einen Haufen sollte. Er suchte sich also einen Platz, wo er die Kekse zwischenlagern konnte, rückte alles einen Platz auf, und stellte die Kekse zu der Torte und dem Kuchen. „So?“
      Alanta ließ einen schnellen Blick über das Buffet schweifen. „Nein, so geht das nicht. Das ist noch viel zu durcheinander. Wir fangen immer mit der Torte an, dann der Kuchen, dann Schnitten und dann Kekse.“ beschloß sie.
      „Du meinst so, wie das bei den Schokoladensachen schon ist?“ fiel Zino auf.
      „Ja!“ Alanta strahlte.
      Und so wurden die Waldbeerenschnitten noch mit dem Kirschkuchen getauscht, die Birnentorte neben der Brommelbeerentorte postiert, die Zitronenplätzchen auf die andere Seite des Mandarinenkuchens gestellt und die Plätze von Cafécremeschnitten und Nußstreusel vertauscht.
      Als der gayanische Held und Hilfsbäckereibeauftragter die junge Frau mit dem roten Pferdeschwanz ansah, wirkte diese noch nicht ganz zufrieden. Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Das ist noch nicht optimal. Ich hätte lieber bei den Fruchtsachen eine Sortierung. Zuerst die roten Früchte und dann die gelben. Und auf der anderen Seite separieren wir am besten noch die Sachen mit Alkohol von den anderen.“
      Zino schaute nachdenklich auf das Buffet, als müsse er erst überlegen, wie sie sich das genau vorstellte.
      „Fang am besten damit an, die beiden auszutauschen.“ Sie deutete hilfreich auf zwei Obstbackwaren, um sie farblich zu sortieren.“
      „Ja, aber, die habe ich doch gerade getauscht.“ fiel ihm auf.
      „Sorry, tut mir leid. Da habe ich noch nicht gesehen, daß die Aufteilung so nach Farben besser ist.“
      Zino seufzte und machte sich erneut ans Werk, verschob hier eine Obsttorte, setzte da die Brandycremeschnitten um, stellte dort die Nußplätzchen, die neben dem Rotweinkuchen gestanden hatten, neben den Karamelkuchen. Ins Scheitern geriet er allerdings bei der Vier-Jahreszeiten-Torte. „Was machen wir denn damit? Da sind rote, gelbe und grüne Früchte drauf!“
      Alanta überlegte. „Dann stellen wir die am besten zwischen die roten und die gelben Früchte.“
      Zino sah auf den Buffettisch und stöhnte auf. Dafür mußte er ein erneutes Mal das halbe Repertoire verrücken. Bei der Gelegenheit fragte er sich, wie sich das »wir« in ihrem Satz definierte. Augenblicklich war er der einzige, der hier irgend etwas irgendwohin stellte. Das leichte Schmunzeln, das sich Alanta seit geraumer Zeit nicht mehr verkneifen konnte, bemerkte er in seiner Geschäftigkeit nicht.
      Nach getaner Arbeit sah er sich sein Werk zufrieden an. Jetzt war alles schön sortiert. So wußte jeder gleich, wo er hinmußte, wenn er etwas bestimmtes haben wollte.
      Im ersten Augenblick wirkte auch Alanta zufrieden. Dann jedoch fiel ihr auf: „Oh, das ist nicht gut. Guck mal, alles, was mit Alkohol ist, steht jetzt zwischen den Früchten und den übrigen Sachen!“
      Er machte eie hilflose Geste. „Was ist daran verkehrt? Das ist doch jetzt alles schön thematisch sortiert, und zum Schluß kommt eben alles, was sich nicht richtig zuordnen läßt.“
      „Ja, aber… Ich möchte die alkoholischen Sachen lieber ganz nach rechts, so daß sie nicht zwischen den anderen Sachen stehen. Es darf ja nicht jeder Alkohol, deswegen…“ argumentierte sie. Während dessen beobachtete sie ihn unauffällig. Wußte Zino, daß Alkohol beim backen nahezu verflog?
      Der gayanische Nationalheld hatte aber dafür einen anderen Gedanken parat. „Gibt es dafür nicht diese kleinen Schildchen, die hier überall aufgestellt sind, damit man weiß, was da drin ist?“ Er muße es wissen! Die Schildchen mußten immerhin passend zu den Backwaren umsortiert werden, und er hoffte nur, daß bei der ganzen Hin- und Herräumerei dabei nicht schon etwas auf der Strecke geblieben war.
      „Jaah… Ich möchte es aber so!“ bestimmte Alanta.
      Und so stöhnte Zino auf, bis ihm die Ohren auf die Schultern sackten, und ging erneut ans Werk, was sich diesmal als eine Art von Turm-von-Hanoi-Spiel erwies, da er gar nicht genug Platz hatte, um so viele Platten zwischenzulagern. „So?“ er mußte schon aufpassen, daß sein Tonfall nicht angenervt klang.
      Alanta schmunzelte und deutete in eine Richtung. „Da stehen ein Kuchen und eine Torte falsch herum…!“
      Zino schaute in die entsprechende Richtung und tauschte die beiden Platten aus. „Jetzt aber!“
      Alanta ließ den Blick berechnend über die Tische schweifen. „Oder… Ich glaube, ich finde es doch besser, wenn die Torten alle zusammen sind, die Kuchen, die Schnitten und die Kekse.“
      Zino sah sie an, als hätte ihre Botschaft Mühe, in seinem Geist Fuß zu fassen.
      „Ja, das ist sinnvoller.“ entschied sie. „Wärst du bitte so lieb, und packst alle Torten nach links, daneben die Schnitten, dann Kuchen und dann Plätzchen? Aber bitte genau in der Reihenfolge wie jetzt, jeweils erst Schokolade, dann Obst farblich sortiert, dann alles andere, und zum Schluß alkoholische.“
      Jetzt war der Punkt erreicht, wo Zinos bedingungslose Kooperation endete. Er gab zu, er verstand nicht viel von der Ausrichtung eines Gebäckbuffets für eine Gartenparty, so langsam aber hatte er den Eindruck, die ganze Sache wurde lächerlich. Und so maß er die Bürgermeistertochter, statt ihrer Aufforderung Folge zu leisten, mit einem abschätzenden Blick. „Sag’ mal, willst du mich hier zum Narren halten?“
      „Ich halte dich nicht zum Narren. Ich halte dich für einen Narren.“ erwiderte Alanta ehrlich und konnte sich nur mit Mühe ein Grinsen verbeißen. „Aber das ist ein anderes Thema. Also, wenn du so liebenswürdig sein würdest…?“
      Es dauerte lange, bis Zino die Nerven verlor. Insbesondere, weil es lange dauerte, bis er es merkte, wenn ihn jemand veralberte. Alanta war es gelungen. Entsprechend kompromißlos waren sein Tonfall, als er sagte: „Weißt du was? Mir gefällt es so. Wenn du jetzt noch irgendwas anders haben willst, dann mach es selbst!“ Mit diesen Worten stapfte er von dannen und ließ die Bürgermeistertochter allein.
      Alanta sah ihm nach, konnte nun gar nicht mehr an sich halten und kicherte los. Das war ein Spaß gewesen, so lange es gedauert hatte…
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