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Vergangenheit & Zukunft

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Minerva McGonagall Severus Snape
25.03.2021
07.05.2021
16
58.115
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12.04.2021 3.360
 
Kapitel 7: In memoriam

Es wurde am nächsten Tag nicht besser - im Gegenteil. Harry brauchte den Tagespropheten nicht einmal aufzuschlagen, denn auf der Titelseite stand es bereits: Erneuter Angriff auf Muggelstämmige Daneben ein Bild von einer vermummten Gestalt, die flüchtete - offenbar einer der Rebellen des Blutes. Jetzt war es nicht mehr zu leugnen. Die Geschichte wiederholte sich. Auch wenn Voldemort nicht mehr existierte, gab es offenbar noch genug Fanatiker, die ihr „Bessersein“ unter Beweis stellen wollten.

Harry war schlecht. Er war zurückgereist, um jene zu schützen, die er geliebt hatte. Und dabei hatte er Voldemort für den Grund allen Übels gehalten. Er hatte vollkommen ausgeblendet, dass es genug Personen gegeben hatte, die Voldemort liebend gern gefolgt waren und ihn unterstützt hatten. Und offenbar hatten diese die letzten Monate gut genutzt, um sich zu formieren.

Harry blätterte weiter, sah seine schlimmsten Vermutungen bestätigt, als eine kleine Meldung ankündigte: Die Registrierungskommission für Muggelstämmige wurde unter der Leitung von Dolores Umbridge ausgeweitet und umfasst nun neben den Muggelstämmigen auch alle Halb- und Mischwesen. Dazu wurde der Registrierungserlass Nummer 1 erlassen, der es allen Wesen, die nicht reinblütiger oder halbblütiger Abstammung sind, auferlegt sich mit ihrem Zauberstab bis zum Ende des kommenden Monats im Ministerium zu registrieren.

Atemlos waren Harrys Augen über diese Zeilen gehuscht. Hatte er sich eben schon elend gefühlt, war er nun fassungslos. Dieser erste Erlass betraf nicht nur Hermine, sondern auch Remus. Und er ahnte bereits jetzt, dass diese Registrierung nur der Anfang war. Er sah sie wieder vor sich, die Muggelstämmigen in den Tiefen des Ministeriums, wie sie auf ihre „Verhandlungen“ gewartet hatten, die gar keine waren. Damals war alles so schnell gegangen und die Suche nach dem Medaillon hatte alles andere verdrängt, aber die Erinnerung kam nun mit aller Macht hoch. Die Zauberer und Hexen, die vor Angst zitternd und blass dort gesessen hatten, getrennt von ihren Familien Elend und Einsamkeit entgegen gesehen hatten. Es waren Bilder, die Harry nie vergessen würde.

Und offenbar ging es nun wieder in eine ähnliche Richtung; wieder wurde ein Teil ihrer Gesellschaft unterdrückt und aufs Schändlichste behandelt. Harry war wie erstarrt in seiner Fassungslosigkeit. Es war beinahe wie ein Zwei-Fronten-Krieg, der nun entstanden war: Das offensichtliche Chaos, das die Rebellen des Blutes anrichteten und dann noch die rechtlichen Schritte, die nun aus dem Ministerium kamen. Harry fühlte sich machtlos. Was konnten sie tun, um das aufzuhalten?

Doch lange konnte er diesen Gedanken nicht nachhängen, da er zum Unterricht musste. Harry ging nicht wie gewöhnlich bereits ins Klassenzimmer, sondern holte noch ein Buch aus der Bibliothek, da dieses für den heutigen Unterricht der Sechstklässler besser geeignet war. So war er etwas früher dran und noch bevor er den Gang zu seinem Klassenzimmer betrat, hörte er auch schon laute Stimmen.

„Wieso sollte ich mir von Abschaum wie dir etwas sagen lassen?“, fauchte Leon. „Weil mein Blut besser ist“, keifte Daniel arrogant zurück. Harry war schockgefroren. Natürlich machten die Ereignisse in ihrer Welt nicht vor den Mauern Hogwarts Halt, aber er hatte wohl naiv und vergebens gehofft, dass solche Auseinandersetzungen zwischen seinen Schülern nicht passieren würden. „Was willst du damit sagen?“, fragte Leon aggressiv und unterbrach Harrys Gedanken. Daniel erwiderte überheblich: „Deine Eltern mögen Zauberer sein, aber deine Großeltern sind es beide nicht. Du bist ein Schlammblut.“

Harry hechtete mit erhobenem Zauberstab in den Gang. „Das hört sofort auf!“, rief er erbost und die Schüler starrten ihn an. „Alle in den Klassenraum und zwar sofort!“ Es war selten, dass Harry so unmissverständlich laut wurde. Kaum, dass alle saßen, blickte Harry in die Gesichter seiner Schüler, ernst und enttäuscht.

„Das Schlimme an dieser Situation ist, dass ihr gar nicht wisst, was solches Gedankengut anrichtet“, begann Harry. „Der erste Schritt ist Verleumdung, der nächste Schritt ist Einschränkung, und zu Guter letzt werden Muggelstämmige in scheinbaren Gerichtsverhandlungen verurteilt, ihres Zauberstabs beraubt und aus der Zaubererwelt verjagt.“

„Übertreiben Sie nicht etwas?“, fragte Daniel kritisch. Harrys dunkler Blick richtete sich auf ihn. „Ich habe das erlebt. Und das Schlimmste: Es stimmt nicht. Der Blutstatus hat nichts mit den Fähigkeiten als Zauberer oder Hexe zu tun.“ „Sie meinen, weil Harry Potter als Baby Voldemort besiegt hat.“ Harry würde nicht seine eigene Argumentation kaputt machen, indem er darauf hinwies, dass Voldemort und Harry beides Halbblüter waren. „Das ist ein Beispiel von vielen“, sagte er stattdessen. „Es gibt in dieser Schule hundert weitere.“ Er musste sich aktiv daran hindern, Hermine zu nennen. Er würde nicht jeden überzeugen und die Herausstellung weniger würde sie nur zur Zielscheibe für einige Unbelehrbare werden lassen.

„Blutstatus hat nichts mit der Magie zu tun.“ „Aber warum gibt es dann diese Gesetz?“, fragte Jenny. „Haben Sie mal recherchiert, wer diese Gesetze erlassen hat und wer von ihnen profitiert?“ Jenny schüttelte den Kopf. „Tun Sie es, und vielleicht wird Ihnen einiges klarer.“

„Warum sind wir Reinblüter immer die Bösen?“, fragte Daniel. „Ich könnte jetzt einfach behaupten, dass euch das im Blut liegt“, erwiderte Harry keck und sah seinen Schüler stechend an. „Aber das wäre eine feige und vor allem falsche Antwort. Jeder will etwas bewirken, oder auch einfach nur richtig sein. Der einfachste Weg das zu erreichen ist sich über andere zu stellen. Denn wenn alle die gleichen Voraussetzungen hätten, müsste man sich über Leistung oder gute Taten als etwas Besonderes definieren und das erfordert Fleiß, Mut, Mitgefühl. Drei Dinge, die deutlich schwieriger sind, als auf andere herabzuschauen.“

Er sah seine Schüler noch mal ernst an, dann fuhr er fort: „Und jetzt möchte ich mit dem eigentlichen Stoff anfangen.“

***

Harry machte sich nach dem Unterricht auf den Weg in die Kerker. Trotz des leichten Schmerzes, den er seit jener Nacht immer fühlte, wollte er bei Severus sein. Sie hatten noch nicht über die neusten Ereignisse gesprochen und darüber hinaus, vermisste Harry ihn.

Er kam bei Severus’ Büro an und hielt augenblicklich inne, als er Stimmen von drinnen hörte. Warum war die Tür nicht ganz geschlossen?

„Brauchen Sie mehr?“, hörte er Severus’ Stimme. „Ja, Sir. Der Trank hat fantastisch geholfen in den Nächten, in denen ich ihn nahm.“ „Und in den anderen?“ Er konnte sehen, dass JHarry den Blick senkte. „Sie können immer noch nicht schlafen?“, stellte Severus fest.

JHarry sagte nichts. „Und Sie wollen mir immer noch nicht sagen, warum?“ Severus rieb sich über seine Nasenwurzel. Ob er versucht war, Legilimentik anzuwenden?

„Sie dürfen den Trank nicht mehr als dreimal in der Woche anwenden.“ „Ich weiß, Sir.“

„Sie müssen die Ursache Ihrer Schlaflosigkeit eliminieren. Außerdem hilft ein gesunder Lebensstil. Sie essen und trinken vernünftig und bewegen sich ausreichend?“ Diese Frage schien Jung-Harry zu amüsieren, denn er fragte glucksend: „Wirklich, Sir? Fragen Sie mich gleich auch noch ob ich ausreichend masturbiere?“ Kaum hatte es seinen Mund verlassen, sah JHarry schlagartig nach unten. Offenbar hatte er schneller gesprochen als gedacht.

Aber Severus schien amüsiert: „Abgesehen davon, dass dies eine reichlich unangebrachte Frage für einen Lehrer an seinen Schüler wäre“ JHarry schien während dieser Worte noch weiter in sich zusammen zu sinken. Es war ihm offenbar unendlich peinlich. „Bin ich mir ziemlich sicher, dass Miss Weasley in dieser Hinsicht für ausreichend Zerstreuung sorgt.“

„Entschuldigen Sie, Sir“, sagte JHarry kleinlaut, doch noch immer schien Severus amüsiert. „Es ist in Ordnung, Mister Potter. Ich kenne Sie und Ihr loses Mundwerk ja nun lange genug.“ Nun wagte es JHarry zum ersten Mal wieder aufzusehen. Er lächelte. „Danke, Sir.“

„Haben Sie sich gerade bedankt, weil ich Sie beleidigt habe?“, erkundigte sich Severus neckend.

Harry hielt es nicht mehr aus und klopfte an die Tür, die er ohne abzuwarten öffnete - sie war ja auch schon offen. Sowohl Severus als auch JHarry sahen ihn überrascht an. Harry konnte sich ein spitzes „Störe ich?“ nicht verkneifen. Er war doch wirklich eifersüchtig.

„Nicht im geringsten“, gab Severus zurück. Der junge Harry sah zwischen ihm und Severus hin und her. „Ich sollte gehen.“ Harry biss sich auf die Lippe, um nicht noch mehr seiner Eifersucht zu zeigen und etwas Dummes zu sagen. JHarry wandte sich zu Snape. „Danke für den Trank. Und den Rat“, fügte er grinsend hinzu und Severus schmunzelte zurück. „Immer wieder gerne.“ JHarry schielte kurz zu Harry, schüttelte sich kurz und verließ mit einem „Schönen Abend noch, Professoren“, den Raum.

Die Tür schloss sich und Harry ballte seine Hände zu Fäusten. Wieso schien es als flirteten die beiden, kaum dass sie in einem Raum waren? „Was führt dich her?“, erkundigte sich Severus. Harry konnte seine Emotionen nicht mehr zügeln. „Nichts, was könnte ich hier schon wollen, wo du so fantastischen Ersatz für mich gefunden hast“, zischte Harry bösartig. Severus sah ihn vollkommen erstarrt an.

Und dann geschah etwas Unglaubliches. Er fragte: „Was ist los mit dir?“ Noch vor wenigen Wochen hätte er mit Wut oder Distanz reagiert. Aber anscheinend waren diese Zeiten vorbei. Die klare Änderung in Severus’ Verhalten riss Harry aus seiner Wut. Er spürte sofort Tränen in seinen Augen brennen. „Ich sehe, wie gut du dich mit Harry verstehst. Ich sehe wie mit jedem Tag, der vergeht, euer Verhältnis lockerer wird, wie du ihn jeden Tag mehr magst.“ „Er ist mein Schüler“, stellte Severus klar.

„Irgendwann nicht mehr“, entkam es Harry gepresst. „Ich habe kein Interesse an ihm“, erwiderte Severus ruhig.

„Warum?“, rief Harry ihm verzweifelt entgegen. „Er ist ich. Nur in jünger, charmanter, lebenslustiger.“ Eine Augenbraue hob sich fragend und Severus erkundigte sich: „Und du meinst, das suche ich?“

"Er ist nicht so beschädigt“, entwich es Harry flüsternd, der sich auf die Lippe beißen musste, um nicht zu weinen.

"Ich bin auch beschädigt“, sagte Severus dann leise.

Ihre Blicke trafen sich und Harry erkannte die Aufrichtigkeit in den schwarzen Augen. "Er interessiert mich nicht“, fügte er dann hinzu. „Aber ihr versteht euch so gut“, versuchte Harry seinem Zweifel Ausdruck zu verleihen. „Ich verstehe mich auch mit Albus und Minerva gut, aber ich würde nie in Betracht ziehen, sie zu küssen oder mit ihnen zusammen zu sein.“

Harry senkte beschämt den Kopf und er hörte ein Seufzen. Dann stand Severus direkt vor ihm. „Und du änderst nicht irgendwann deine Meinung?“, fragte Harry unsicher und sah wieder auf. Severus rollte mit den Augen und erwiderte energisch: „Du und dein Dickschädel. Wie deutlich muss ich es dir sagen, dass ich dich liebe und nicht ihn. Er ist nicht du."

Harry starrte Severus fassungslos an. „Du liebst mich?“, fragte er atemlos. "Natürlich.“ Jetzt konnte Harry nicht anders als zu lächeln. Severus liebte ihn. Wow. Sprachlos schloss er den Älteren in seine Arme, zeigte ihm so, was seine Aussage ihm bedeutete. Und Severus verstand es.

***

Er hatte diesen Tag in den letzten Jahren immer ignoriert. Doch als er nun die Kürbisse durch die Große Halle schweben sah, konnte er nicht anders als an die Nacht zu denken, in der seine Eltern ermordet wurden. Es war so paradox. Die Schüler vor seinen Augen feierten, lachten und erschreckten sich ausgelassen, doch er spürte nur Traurigkeit und Einsamkeit in seinem Innern. Aber er wusste, dass er damit nicht alleine war.

Ohne darüber nachzudenken streckte er seine Hand aus und legte sie auf Severus’, der mitten im Essen erstarrt innehielt. Noch nie hatte Harry eine derartige Geste in der Öffentlichkeit gewagt, zumal Severus’ Hand auf dem Tisch lag. Natürlich sah es niemand, trotzdem fühlte es sich wie ein großer Schritt an.

„Würdest du später mit mir einige Fotos von ihnen ansehen?“, fragte Harry leise. Er musste nicht spezifizieren von wem er sprach. Das war das Fantastische an Severus. Dieser nickte schweigend und Harry entließ seine Hand wieder.

Als Severus etwas später an der Tür zu Harrys Quartier klopfte, war er unerklärlich aufgeregt. Er öffnete die Tür mit einem Schwung seines Zauberstabes, dann umschloss er wieder den dampfenden Becher mit heißem Tee. Severus setzte sich zum ihm. Das Fotoalbum lag bereits auf dem Couchtisch. Harry nahm es und schlug es auf. Sofort begann sein Herz schmerzhaft zu ziehen, als er seine Eltern tanzend im Herbstlaub sah. Harry war dankbar, dass Severus keinen ätzenden Kommentar über seinen Vater abgab.

Sie kamen zu den Fotos, die Minerva ihm am letzten Weihnachtsfest geschenkt hatte. Harry fiel etwas ein. „Gibt es von dir auch eine solche Porträtaufnahme?“ Severus schnaubte. „Es war eine unerträgliche Zeitverschwendung für alle Beteiligten.“ Harry schmunzelte. „Ich würde es gerne mal sehen.“ „Wieso?“, fragte Severus zurück und Harry musste den Blick senken. Der junge Severus war derjenige, der in das Zaubertrankbuch geschrieben hatte. Er war sein Halbblutprinz, für den er beinahe etwas geschwärmt hatte. Harry schluckte. Es war ihm peinlich, das zu sagen.

„Du weißt, dass ich dein altes Zaubertrankbuch in meinem sechsten Schuljahr hatte?“ Severus nickte. „Ich fand den unbekannten Autor sehr anziehend. Wenn ich nun ein Bild von dir aus deiner Schulzeit sehe, muss ich an meinen Halblutprinz denken.“ Harry spürte, dass er rot anlief. Er wollte überall hinschauen, nur nicht zu Severus.

„Du hast eine ziemlich romantische Ader“, kam es da plötzlich neckend und Harry sah mit einem scheuen Lächeln auf. In den schwarzen Augen stand nichts als Zuneigung und Harry fühlte sich schlagartig besser. Er sah Severus schlucken, etwas in seinem Blick änderte sich und er sagte: „Ich habe auch ein paar Fotos mitgebracht.“

Harry sah überrascht, wie er einen Umschlag aus seinem Umhang zog. Er öffnete ihn andächtig und anhand des vergilbten Papiers nahm Harry an, dass er bereits etliche Jahre alt war. Dann hielt Severus einen kleinen Stapel Fotos in der Hand. Severus starrte etliche Momente darauf, dann gab er sie an Harry, der sie ungläubig und andächtig entgegen nahm.

Das oberste zeigte direkt Lily, vielleicht zwölf Jahre alt, wie sie im Gras lag, hoch in den Himmel schaute und auf irgendeine Wolke deutete; sehen konnte sie es nicht, doch Harry war fasziniert von dem leichten Lächeln, das auf ihren Zügen haftete. Sie sah so entspannt aus.

Andächtig nahm er das nächste Foto: Es zeigte wieder Lily, etwa vierzehn, neben einer Säule und sie sprach scheinbar eindringlich mit einer anderen Person. Harry stockte der Atem: Es war Remus. Harrys Herz zog sich schmerzvoll zusammen, während er das Bild des Mannes betrachtete, der ihm den Patronus-Zauber beigebracht, so viele nette Worte geschenkt und schließlich seinen Sohn zu seinem Patenkind gemacht hatte.

Harry presste die Lippen aufeinander und besah sich das nächste Foto: Wieder Lily in der Schulzeit, wie sie über irgendwas Tränen lachte. Harry schmunzelte. Da war noch ein Bild seiner Mutter, wie sie über einen Kessel gebeugt stand, ihre Unterlippe zwischen ihren Zähnen und richtig angefressen aussah. Harry musste lachen. So fragend hatte er auch öfter in seinen Kessel geschaut.

„Danke“, murmelte er dann nur ergriffen und blickte zu Severus, der mit einem leichten Schmunzeln auf das Foto in Harrys Händen blickte. Und dann griff Harry einfach nach Severus’ Hand, umschloss sie sacht mit der eigenen. Ihre Blick begegneten sich und Harry war schlagartig atemlos. Er konnte Severus’ Gefühle sehen. Zärtlich lächelte Harry zurück. Sein Herz schien vor Glück und Liebe überquellen zu wollen und offenbar verstand Severus es, denn die Zärtlichkeit, die daraufhin in die schwarzen Augen trat, war beinahe zu viel für Harry. Dann war da eine Hand an seiner Wange, streichelte ihn, bevor weiche Lippen sich auf die seinen senkten und Harrys Herz in seiner Brust zu explodieren schien, während er diesen sanften Kuss der Liebe erwiderte.

***

Als Harry am nächsten Morgen früh ins Lehrerzimmer trat, war er überrascht, dass Minerva am Fenster stand und hinaus blickte. Sie rührte sich nicht und Harry trat auf sie zu. Als er ihr Gesicht sehen konnte, sah er Traurigkeit. „Minerva?“ Er sprach sie vorsichtig an. „Was ist los?“

„Der Todestag meines Mannes.“ Harry sah sie einen Moment verwirrt an. „Ich dachte, du wärst mit Dougal nur verlobt gewesen.“ „Ich spreche auch nicht von Dougal, sondern von Elphistone.“ Als Harry fragend schaute, fügte sie hinzu: „Ich sprach über ihn, als wir den Ring zerstörten.“ Harry kramte in seinem Gedächtnis. Er erinnere sich daran, dass Minerva erwähnte noch mal glücklich geworden zu sein. „Entschuldige, ich wusste seinen Namen nicht mehr.“

Minerva lächelte traurig. „Elphistone Urquart. Du hast bei unserem Duell am Strand seinen Zauberstab benutzt.“ Harry starrte sie an. Er hatte den Zauberstab ihres verstorbenen Mannes nehmen dürfen? Er sah sie liebevoll und überwältigt an.

„Mein Boss bei der Abteilung für Magische Strafverfolgung“, sagte sie dann und Harrys Augen wurden groß. Minerva lachte. „Magst du mir von ihm erzählen?“ Sie lächelte und zusammen ließen sie sich auf dem Fensterbrett nieder.

Minerva begann: „Nach meinem Abschluss habe ich das Angebot dieser Abteilung erhalten. Ich habe mir etliche Tage Zeit mit einer Antwort gelassen, denn es gab immer noch Dougal und unsere Verlobung. Ich stand am Scheideweg.“ Sie hielt kurz inne, offenbar in Erinnerungen versunken, bevor sie fortfuhr: „Und entschied mich für die Magische Welt. Ich löste meine Verlobung mit Dougal und zog nach London. Und dort traf ich ihn.“ Minervas Stimme nahm einen schwärmerischen Klang an.

„Zwanzig Jahre älter als ich, unglaublich männlich mit dunkler Stimme, einem kurzen, dunklen Vollbart und faszinierend hellbraunen Augen. Und darüberhinaus noch ein begabter Hexer. Ich habe unglaublich viel von ihm gelernt und offenbar beruhte die Faszination auf Gegenseitigkeit, denn wir beide spürten eine gewisse Anziehung. Doch er war mein Chef und ich hegte immer noch Gefühle für Dougal."

"Außerdem begann ich Schottland schrecklich zu vermissen und so kehrte ich einige Jahre später zurück. Albus hatte mein Gesuch um eine Anstellung angenommen. Ich blieb in freundschaftlichem Kontakt mit Elphistone. Bei einem Besuch in Schottland hielt er das erste Mal um meine Hand an.“ Sie sah mit einem Schlag jünger aus und Harry fragte ungläubig: „Das erste Mal?“

Minerva lachte nostalgisch. „März 1948. Ich lehnte ab, denn mein Herz gehörte immer noch Dougal.“ Sie hielt inne, ihr Blick verdunkelte sich. „Und das blieb auch so. Elphistone hielt erneut 1953 um meine Hand an. Doch ich lehnte wieder ab. So kam er alle fünf Jahre im Frühling zu mir und stellte mir diese eine Frage.“ Ihr Lächeln wurde traurig.

„Ich lehnte sie alle ab. Mein Herz war immer noch bei Dougal, obwohl dieser inzwischen geheiratet hatte. Doch ich litt immer noch an einem gebrochenen Herzen.“ Sie hielt inne, ihr Blick war in weite Ferne gerichtet. Sie schien nicht mehr anwesend zu sein. „Es war 1975, als er und seine Familie umgebracht wurden. Danach konnte ich erst einmal gar nichts mehr fühlen. Der Gedanke daran wieder glücklich zu sein, erschien mir wie ein Verrat an Dougal zu sein. Ich war so ein Idiot.“ Sie schüttelte sich.

„1978 lehnte ich erneut ab, doch es war mir nie schwerer gefallen, denn zum ersten Mal konnte ich es mir wirklich vorstellen. Ich brauchte zwei weitere Jahre, dann bin ich eines nachts einfach zu ihm appartiert und habe ihm meine Liebe gestanden.“ Nun lächelte sie wieder. „Es begann die glücklichste Zeit meines Lebens. Und 1982 heirateten wir und zogen in das Haus in Hogsmeade.“ Harry bekam große Augen. Das Haus, in dem er für so viele Monate gewohnt hatte?

Dann kehrte die Dunkelheit in ihren Blick zurück. „Er starb am ersten November 1985, weil er zu nah an die Venemosa Tentacula kam. Er war sofort tot.“ Harrys Augen hatten sich weit geöffnet. Welch ein grauenvolles Schicksal.

„Viele Jahre lang konnte ich das Haus nicht mehr betreten. Erst vor drei Jahren suchte ich es in den Ferien wieder auf, konnte an dem Ort sein, an dem wir so viel Zeit glücklich verbracht hatten.“ Harry sah zu seiner Freunde voller Bewunderung und Schmerz. Sie war eine unglaublich starke und faszinierende Person.

„Und du hast nie wieder jemanden kennengelernt?“, erkundigte sich Harry. Minerva lächelte kopfschüttelnd: „Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um von meinen Gefühlen für Dougal Abstand zu nehmen, das geht mir bei Elphistone ebenso. Davon abgesehen, ist Hogwarts nicht wirklich der Ort, um neue Liebschaften zu beginnen. Wenn man sich nicht mit einem ehemaligen Schüler einlassen will.“ Sie drückte ihre Schulter freundschaftlich in seine.

„Und inzwischen habe ich mich an dieses Leben gewöhnt. Es mag nicht sonderlich romantisch klingen, aber es geht mir gut.“

Harry nahm ihre Hand in seine. „Das ist mir am wichtigsten.“ So traurig Harry es auch fand, aber es war nicht sein Leben und so war alles, was er tun konnte, seine Freundin zu unterstützen, so wie sie es unzählige Male für ihn getan hatte.

***

Fortsetzung folgt…

Ich freue mich darauf von euren Gedanken zum Kapitel zu erfahren. :-D

Wir lesen uns.
Eure Krissy
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