Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vergangenheit & Zukunft

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Minerva McGonagall Severus Snape
25.03.2021
22.04.2021
10
40.429
86
Alle Kapitel
395 Reviews
Dieses Kapitel
40 Reviews
 
08.04.2021 3.767
 
Kapitel 6: Elternsprechtag

Die Organisation eines Elternsprechtages war aufwendiger als gedacht. Zumal sie das Prinzip, Sinn und Zweck eines solchen erst in einem Schreiben an die Eltern der Fünftklässler deutlich machen mussten. So luden sie bereits in zwei Wochen zu diesem Termin ein. Die Zeit drängte. Die Ankunft und Abreise so vieler Personen jedoch zu terminieren, war eine Mammutaufgabe, die jegliche freie Zeit der Lehrer fraß, die sich bereits jetzt sicher waren, dies nie wieder tun zu wollen. Aber es war die einzige Möglichkeit die verdächtigen Familien etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Und ausgerechnet in dieser stressigen Zeit beschloss Draco Malfoy seinem Ruf als ätzender kleiner Widerling gerecht zu werden. Und das in Harrys Unterricht. Harry war ja froh, dass er nicht mehr so still da saß, aber dass er direkt so ins Gegenteil umschlug, war auch nicht wirklich beruhigend. Sie übten gerade einen Wasserzauber, der große Konzentration erforderte und entsprechend stark war. Doch Malfoy fand es witzig seine Schüler abzulenken, in dem er ihnen einen Kitzelfluch zuschickte.

Harry bemerkte es erst, als ein weiterer Schüler den Wasserzauber nicht aufrecht halten konnte, dieses Mal aber mit der erschaffenen Welle das Klassenzimmer flutete, alle Schüler durchnässte und die halbe Einrichtung beschädigte. „Mister Malfoy“, fuhr er ihn an; das Gesicht seines Schülers verschlossen und doch arrogant. Harry hatte Mühe seine Wut zu zügeln. „10 Punkte Abzug für Slytherin und Nachsitzen bei Filch.“ Malfoy sah ihn nicht einmal an und über Harrys Haut kribbelte das ungute Gefühl dunkler Vorahnung. Trotzdem erwiderte Malfoy nur unbeteiligt: „Ja, Sir.“ Es war eine Aussage, die Harry nicht beruhigte.

Aber lange konnte er seinem Gefühl nicht nachgehen, denn kaum, dass Harry beim Mittagessen saß, kam eine Eil-Ausgabe des Tagespropheten. Und diese Schlagzeile ließ Harry erstarren: Massenausbruch in Askaban. Harry wurde eiskalt. Bellatrix war auf freiem Fuß. Er schob Severus den Tagespropheten zu. Kurz darauf kreuzten sich ihre Blicke. Beide dachten zurück an ihren Besuch in Askaban.

Und dann wurde ihm noch etwas anderes bewusst: Die schlimmsten Anhänger Voldemorts waren auf freiem Fuß und alle hatten eines gemeinsam: Sie hassten Severus. Allein der Gedanke, in welcher Gefahr Severus dadurch schwebte, schnürte Harry die Kehle zu.

Als Severus schließlich aufstand, um zu seinem Unterricht zu gehen, folgte Harry ihm. Es war im angrenzenden Lehrerraum, als Harry nicht anders konnte und sagte: „Kannst du deine Teilnahme am Elternsprechtag nicht absagen?“

Severus hielt sofort inne und sah Harry an. „Ich soll was?“, fragte dieser. Harry seufzte. „Ich habe Angst um dich. Es werden zwar keine der Geflohenen hier auftauchen, aber es gibt unter den Reinblütern genug, die was gegen dich haben.“ Harry sah Severus flehend an. „Kannst du nicht sagen, dass du krank wärst?“, fragte Harry verzweifelt.

Severus hob eine Augenbraue. „Ich werde mich nicht verstecken. Es mag zwar der Informationsbeschaffung dienen, aber es ist grundsätzlich eine gute Sache für Lehrer und Schüler. Ich bin kein Feigling.“

Harry wühlte sich resigniert durchs Haar. „Ich weiß.“ Und fügte dann liebevoll und traurig an: „Du bist der mutigste Mann, den ich kenne.“

Severus’ Blick wurde mild. Er nahm Harrys Hand und zog ihn ein wenig zu sich. „Dann weißt du auch, warum ich mich nicht verstecken werde.“

„Ja“, entkam es Harry geschlagen. „Ich mag es trotzdem nicht.“ Severus hauchte einen Kuss auf Harrys Wange. „Wir haben doch unsere Armbänder. Wenn irgendwas ist, melde ich mich.“ Harry nickte, auch wenn ihn die ungute Vorahnung nicht loslassen wollte.

***

Es war als hätte es eine Lawine ausgelöst. Einen Tag nach der Flucht so vieler schwarzer Magier, gab es einen Angriff. Harry starrte fassungslos auf das Foto eines brennenden Hauses im Tagespropheten. Eine muggelstämmige Hexe und ihre ganze Familie war angegriffen worden. Die Botschaft war klar: Nur Reinblüter zählten.

Harry hatte Tränen in den Augen, als er lesen musste, dass die Frau, ihre Muggeleltern, ihr Mann und ihr Kind den Angriff nicht überlebt hatten.

Er sah zu Minerva, die ebenfalls die Zeitung las. Ihre Blicke trafen sich und Harry sah die tiefe Trauer in ihren Augen. Doch dann änderte sich etwas in dem Blick seiner besten Freundin, er sah eine stählerne Kälte darin und Harry wusste, was diese zu bedeuten hatte: Sie war entschlossen, alles zu tun, um weiteres Leid zu verhindern.

Harry senkte seinen Blick wieder auf die Zeitung. Noch war vollkommen unklar, wer hinter dem Angriff steckte, aber da mit Blut an die Hauswand Rettet unser Blut vor der Verunreinigung geschrieben worden war, war anzunehmen, dass es sich um Blutsfanatiker handelte. Und so kam der Tagesprophet mit einer Bezeichnung für die bisher namenlose Gruppe um die Ecke: Rebellen des Blutes. Harry wandte sich angewidert ab. So würden diese Spinner noch mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Harry legte die Zeitung nieder und trank einen Schluck Tee. Er spürte Galle in seinem Innern aufsteigen, während er sich seltsam ohnmächtig und bitter zugleich fühlte. Ihre Welt fiel in sich zusammen, wurde ins Chaos gestürzt und alles, was Harry tun konnte, war zusehen. Er schloss kurz die Augen. Es fühlte sich so furchtbar an; so schlimm wie beim letzten Mal. Doch da war es Teil des Krieges gewesen. Nun wurde er vollkommen überrascht von diesen Entwicklungen, die ihre Welt zu vernichten drohten und er fühlte sich wie ein Spieler am Rand, der zusehen musste, aber nicht eingreifen konnte.

Harrys Hände ballten sich zu Fäusten. Nein, er war jetzt erwachsen. Er war ein Lehrer und ein guter Zauberer. Er würde diesen Unsinn nicht ein weiteres Mal zulassen. Sie mussten an Informationen kommen und dann diesen Wahnsinn beenden.

Sein Blick glitt durch die Halle, sah seine Schüler, die natürlich alle die neusten Nachrichten gelesen hatten. Unwillkürlich blieb sein Blick am Gryffindortisch hängen. Sahen die Weasleys schon mitgenommen aus, so war es nichts im Vergleich zu Hermine. Sie war blass und Harrys Herz tat weh.

Hermine. Er sah sie sehnsüchtig an. Dieses Mädchen war nicht seine Hermine, aber es kam ihr am nächsten, war sie doch schon damals schlau, mutig und loyal gewesen. Er wusste, wie sehr diese Ereignisse sie bewegten. Sein Blick glitt weiter zu Hermines bestem Freund. JHarry sah beinahe noch schlimmer aus. Er war blass und müde. Die neusten Ereignisse führten sicherlich nicht dazu, dass er besser schlief. Harry spürte den brennenden Wunsch in seinem Innern stärker denn je: Er wollte ihnen helfen. Und er würde alles dafür tun.

***

Der Tag des Elternsprechtages für die Fünftklässler kam und Harry starrte auf die Liste der Eltern, die sich bei ihm angekündigt hatten. Sein Blick kehrte zu dem Namen an zweiter Stelle zurück. Daran hatte er nicht gedacht: Sirius kam an dem Tag ebenso wie alle anderen. Und nachdem das Gespräch mit Lavenders Eltern angenehm verlaufen war, bekam er schlagartig feuchte Hände. Da saß er doch tatsächlich im Verteidigungsklassenzimmer am Pult und ihm gegenüber Sirius Black und Harry Potter. Es war grotesk.

"Wie macht sich mein Patensohn?“, fragte Sirius lässig und Harry konnte nicht anders, als Sirius für etliche Momente anzustarren. Er sah so gesund und glücklich aus wie er ihn noch nie gesehen hatte. Sein langes Haar war kürzer, gepflegt und glänzte gesund. Seine Haut war zwar noch immer etwas blasser, wirkte aber deutlich frischer. Und ebenso war sein Körper weniger ausgemergelt. Am allergrößten war aber der Unterschied in seinen Augen: Sie sprühten vor Lebensfreude. Es war ein wunderschöner Anblick und trotzdem fühlte Harry die Schwere in seinem Herzen. Er schluckte und konzentrierte sich auf die Frage. Er richtete seinen Blick auf den jungen Harry, der eindeutig aufgeregt war.

"Harry ist ein Naturtalent in diesem Fach. Sein Instinkt ist sehr gut und er bewerkstelligt die Zauber mit einer Lockerheit, die darauf schließen lässt, dass er noch sehr viele verborgene Talente in diesem Bereich hat." "Siehst du!", strahlte Sirius und wuschelte JHarry durchs Haar. "Du wirst doch noch Auror werden und der jüngste Chef-Auror aller Zeiten.“

"Allerdings", fügte Harry an. "Fehlt ihm manchmal das Durchhaltevermögen, um Hausaufgaben vollständig zu erledigen. Vor allem, wenn ihn das Thema nicht richtig interessiert." Doch Sirius wischte seine Bedenken weg: „Ach was! Das passt schon." Harry schmunzelte. "Es ist noch kein Problem, könnte aber für die Prüfungen zu einem werden. Und als Auror braucht man eine gewisse Akribie und Detailsgenauigkeit.“

Das schien Sirius ernst zu nehmen. „Da hat dein Professor recht“, murmelte er. Harry schüttelte den Kopf. Wie konnte ein erwachsener Mann so wenig an die Konsequenzen denken? Es machte Sirius' jugendlichen Charme aus, war aber auf der anderen Seite auch anstrengend. „Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und Ihren Rat, Professor Prince“, sagte Sirius freundlich und schüttelte Harrys Hand. Diesen traf es ganz unvermittelt, weil Sirius’ Hand warm in seiner lag. Er lebte noch. „Ich weiß, dass Sie ihm eine große Unterstützung sind.“ Sirius sah stolz vom Lehrer zu seinem Patenkind und wuschelte dann erneut durch dessen Haar. Lachend verließen beide das Klassenzimmer und Harry sah ihnen mit glücklich und doch schmerzendem Herzen hinterher.

Lange konnte er seinen melancholischen Gefühlen nicht hinterher hängen, denn das nächste Elternpaar kam herein. Harry lächelte unwillkürlich, als er Molly sagen hörte: „Ron! Beeil dich, ich habe keine Lust, dich herein schleifen zu müssen.“ Die Weasleymutter trat mit Ron und Arthur im Schlepptau ein und ging zielstrebig auf Harry zu. Sie streckte ihm die Hand entgegen.

„Endlich begegnen wir uns. Ich habe schon so viel von Ihnen gehört. Meine Jüngste kommt aus dem Schwärmen nicht mehr raus über den neuen attraktiven Professor.“ Harry erstarrte mitten im Händeschütteln. Ginny fand ihn heiß? Das war surreal. Wenn auch etwas schmeichelhaft. „Und ich muss gestehen, ich verstehe den Reiz“, sagte Molly anzüglich.

„Mum!“, rief Ron entsetzt, während seine Ohren rot wurden. „Guten Tag“, sagte nun auch Arthur und schüttelte ihm die Hand. „Wir sind Molly und Arthur Weasley“, stellte er sie vor. „Dachte ich mir“, scherzte Harry und deutete auf die Stühle vor seinem Schreibtisch.

Molly sah sich interessiert um. „Ach, Arthur, erinnerst du dich? Es ist so lange her, dass wir hier waren.“ Sie erblickte das Skelett. „Das Ding hängt ja immer noch hier.“ Sie sah zu Arthur. „Weißt du noch, als wir da standen und mitten in der Nacht-“ „Mum“, warf Ron wieder genervt ein und Harry musste sich auf die Lippe beißen, um nicht laut zu lachen. Das war ja zum Schießen komisch. „Ist ja schon gut, Ronald.“

Sie richtete ihren Blick auf Harry. „Wie macht er sich denn, unser Möhrchen?“ Harry schaute kurz hinunter in seine Aufzeichnungen. Nicht, weil er etwas nachlesen musste, sondern weil er sein Lachen verbergen musste. Dann sagte er, bemüht um einen neutralen Ton: „Ron ist ein guter Schüler. Er hat ein gutes Gespür für Gefahren. Ihm mangelt es lediglich etwas an Disziplin und Willen. Es kommt ein bisschen darauf an, was er beruflich machen möchte. Wissen Sie das schon?“

„Auror“, kam es prompt und Harry lächelte. „Dann würde ich Ihnen empfehlen mehr Zeit für Ihre Hausaufgaben aufzuwenden und besser zu recherchieren. Sie haben ja eine Freundin, die darin sehr gut ist. Sie hilft Ihnen sicherlich weiter.“ Ron nickte ernst. „Danke, Professor“, sagte Arthur freundlich.

„Gibt es weitere Anmerkungen?“, erkundigte sich Molly. „Vielleicht zu meinen anderen Kindern?“ Harry schmunzelte. „Die gäbe es sicherlich, allerdings ist das hier erst einmal nur der Elternsprechtag der Fünftklässler.“ „Stimmt“, hob Molly die Hände. „Wenn auch etwas schade“, fügte sie hinzu und blickte Harry direkt an.

Dann erhob sie sich und streckte ihm die Hand entgegen. „Sie sind nicht nur gutaussehend, sondern auch schlau. Ich hoffe, Sie haben eine entzückende Hexe ins Auge gefasst.“ Harry wusste nicht, warum er das Kommende sagte, aber anscheinend wollte ein Teil von ihm immer noch, dass er von Misses Weasley akzeptiert wurde. „Zauberer“, korrigierte er sie.

Molly sah ihn überrascht an, dann lächelte sie breit. „Noch besser. Ich habe zwei schwule Söhne. Charlie und George sind noch Single. Es wäre mir eine Freude, Sie irgendwann als Schwiegersohn in der Familie begrüßen zu dürfen.“ Mit einem letzten Blick auf seinen Oberkörper entschwand Molly dem Klassenzimmer und Harry starrte ihr vollkommen perplex hinterher. Wo war der Alkohol, wenn man ihn brauchte?

Doch nicht jedes Elterngespräch sollte so amüsant werden. Es waren nur wenige Slytherins, die sich bei ihm eingetragen hatten, aber es waren noch genug. So traf er am frühen Nachmittag das erste Mal auf einen Mann, auf dessen Anblick er gerne verzichtet hätte: Lucius Malfoy. Dieser trat erhaben und arrogant wie immer in den Raum und sah sich herablassend um. Dann richteten sich seine kalten Augen auf Harry. "Professor Prince“, sagte er. "Mister Malfoy“, grüßte Harry zurück und bot den beiden einen Platz an. Malfoy ließ sich nieder und fragte geradeheraus: „Sind Sie mit den Reinblütern Prince verwandt?"

"Möglich“, erwiderte er ausweichend. Malfoy schien interessiert zu sein. "Sind wir nicht irgendwie alle miteinander verwandt?“, fragte Harry mit blitzenden Augen.

"Ich wollte Sie unbedingt kennenlernen“, gab Malfoy aalglatt zurück. "Die Freude ist ganz meinerseits", log Harry dreist. Er wollte unbedingt wissen, wie das hier weiterging, auch wenn Malfoys Anblick alleine ausreichte, um Brechreiz hervorzurufen.

„Von welchen Makeln meines Sohnes können Sie berichten?" Die herabwürdigende Tonlage mit der Malfoy sprach, ließ Harry für einen Moment innerlich erstarren. Er blickte kurz zu Draco. Dieser schien förmlich unter dem wertenden Blick seines Vaters zu schrumpfen. Harry hätte Malfoy Senior am liebsten eine reingehauen. Warum war ihm noch nie aufgefallen, wie sehr Draco unter seinem Vater litt? Es war so offensichtlich. Die Geringschätzung, die Unnahbarkeit, es war alles so deutlich, wie es unerträglich war.

Wieder ein Kind mehr, das durch das Verhalten seiner Eltern so nachhaltig geprägt worden war, dachte Harry bitter. Immerhin wusste er, dass zumindest in Narzissa ein Hauch Wärme steckte. Aber ob das genug war? Harry war hin- und hergerissen, Malfoy Senior eins auszuwischen und seinen Sohn zu loben und der Überlegung, dass Malfoy Junior, wenn er nicht in der Gegenwart seines Vaters war, eine hinterhältige, arrogante Mistsau war. Aber die Vorstellung, Draco vor seinem Vater reinzureiten, war unvorstellbar für Harry.

So überwand er sich zu sagen: "Ich habe nichts Negatives zu berichten", begann er seelenruhig und konnte Dracos ungläubigen Blick auf sich spüren, doch er sah ungerührt in Lucius' Augen. "Er ist ein intelligenter, begabter, junger Mann, der gute Noten erzielt." Malfoy schien wenig beeindruckt.

"Professor McGonagall sprach von einem eindeutigen Nachholbedarf, was seinen Umgang mit anderen Schülern angeht." Harrys Blick huschte kurz zu Draco, der ziemlich blass aussah. "Sie schätzen das Wort einer Gryffindor so hoch ein?“, kam es spöttelnd von Harry. Dann fuhr er ungerührt fort: "In meinem Unterricht kann ich von derartigen Problemen nicht berichten."

"Seltsam. Da Professor McGonagall doch durchaus eine gewisse Strenge ausstrahlt und Disziplin fordert", raunte Malfoy und stellte Harrys Worte somit direkt in Frage. "Vielleicht weiß Draco einfach, bei wem er sich zu benehmen hat. Er kann Freund von Feind unterscheiden“, fügte er hinzu. Das schien Malfoy tatsächlich zu überzeugen, denn er neigte leicht den Kopf.

„Ich nehme an, dass das für seinen Vater auch gilt“, sprach Harry nun vorsichtig. Malfoy Honig ums Maul zu schmieren, war so widerlich wie es gefährlich war. Malfoys stechender Blick richtete sich auf ihn. Harry versuchte sein Glück: „Wie man hört, können Sie einiges für Ihre Freunde tun.“ Es war zwar ein indirekter, aber dennoch deutlicher Vorstoß. „Man tut, was man kann“, murmelte Malfoy scheinheilig. Harry lächelte dunkel. Er hatte da so ein Kribbeln im Nacken. Er war sich fast sicher, dass Malfoy im Ministerium im Hintergrund die Fäden zog. Schließlich hatte er mit Dolores Umbridge eine fanatische Verbündete in der richtigen Position.

Und so sagte Harry mit einem schmalen Lächeln: „Für die einen mehr, für die anderen weniger.“ „Natürlich, denn einige haben es eher verdient als andere.“ Malfoy erhob sich. „Ich danke Ihnen, Professor, für dieses inspirierende Gespräch.“ „Gleichfalls“, log Harry. Lucius schritt zur Tür hinaus, doch Draco hing etwas hinterher.

Bevor er die Tür erreicht hatte, wandte er sich um und fragte, offenbar verwirrt: "Warum haben Sie ihm das von letzter Woche nicht erzählt?" Harry antwortete ehrlich: „Weil Sie selbst genau wissen, wie falsch das war. Sie brauchen nicht noch einen parteiischen Richter, der Macht über Sie ausübt“, sagte er zur Tür hin und verdeutlichte somit, dass er Malfoy Senior meinte.

"Er ist mein Vater." Die alte Arroganz und der vermeintliche Stolz der Familie war zurück.

Harry seufzte. "Eines Tages werden Sie den Unterschied zwischen Loyalität und Abhängigkeit erkennen." "Draco", schnarrte es aus dem Gang und der Sohn folgte seinem Vater. Harry sah den beiden hinterher und war überrascht, dass er die brennende Gewissheit in seinem Innern spürte, dass er Draco noch nicht aufgegeben hatte.

***

Am Abend trafen sich alle in Minervas Büro, um ihre Erkenntnisse zu besprechen. Minerva begann: „Leider haben sich kaum reinblütige Familien bei mir blicken lassen. Brown und Abbott können wir ausschließen. Malfoy, Zabini und Nott waren da. Sie waren so geheimnisumwoben und doppeldeutig wie immer.“ „Lucius Malfoy weiß was“, entwich es Harry energisch. Ihm stieg immer noch die Galle hoch, wenn er an diesen Mann dachte. „Er macht keinen Hehl aus seiner Einstellung.“

„Das war anzunehmen“, sagte nun Dumbledore. „Ich habe ein wenig nachgeforscht. Sein Einfluss im Ministerium reicht weiter, als ich bisher annahm. Wir können davon ausgehen, dass er in der Kommission involviert ist.“ Harry knirschte mit den Zähnen. „Und mit Umbridge hat er eine gewissenlose Vollstreckerin.“ Er ballte die Hände zur Faust, sein Blick streifte für einen Moment die Narbe, die dank Severus’ Tinktur beinahe nicht mehr zu sehen war. Aber auch wenn die Narbe schwand, blieben doch die Erinnerungen an diese Frau und ihre Fähigkeiten.

„Dann stellt sich nun die Frage, inwieweit er mit den Rebellen des Blutes zu tun hat?“, äußerte Minerva. „Zuzutrauen wär es ihm“, gab nun auch Severus von sich und Harry konnte in jeder Silbe die Abscheu hören. „Trotzdem sollten wir unseren Geist nicht vor der Möglichkeit versperren, dass dies zwei unabhängige Entwicklungen sind, die sich einfach nur in die Hände spielen“, sagte Albus und jeder nickte.

„Es sähe Lucius ähnlich, dass er nur indirekt beteiligt ist, Spuren verschleiert und andere die Drecksarbeit machen lässt“, sprach Severus.

„Möglich, oder es ist jemand, der die neusten Entwicklungen auf diese Art unterstützen will“, sagte Albus. Harry fasste etwas angepisst zusammen: „Also sind wir so schlau wie vorher: Es könnte Malfoy sein, oder vielleicht auch ein anderer, der Interesse an den Entwicklungen hat. Irgendein krankes Hirn, das Spaß daran hat, andere zu verletzten und zu töten.“ Harry ballte die Hand zur Faust. Warum? Warum gab es immer noch diese giftige Einstellung, obwohl Voldemort tot war? Harry hätte am liebsten etwas zerschmettert. Hörte es denn nie auf?

„Was wir brauchen sind Beweise“, sagte nun Albus und riss ihn damit aus seinen Gedanken. „Und wie kriegen wir die?“, fragte Harry. Sie blickten einander an und Albus sprach: „Indem wir die Entwicklungen genau beobachten.“

Harrys Mund klappte auf. „Wir sollen warten?“, rief er entsetzt. „Da draußen sterben Menschen, Albus.“ Er deutete zum Fenster hinaus. „Das weiß ich“, gab dieser zurück. „Aber was sollen wir sonst tun? Losstürmen, Malfoy kidnappen und zu einer Aussage zwingen?“ Albus’ Augen funkelten herausfordernd und zum ersten Mal seit langem sah Harry etwas von jenem mächtigen Mann, der manchmal harte Entscheidungen traf.

Harry presste die Zähne aufeinander. „Wenn es sein muss“, zischte er, auch wenn er es nicht ernst meinte. Albus seufzte: „Ich weiß, dass es schwer auszuhalten ist, aber wir müssen einen kühlen Kopf behalten.“ Das gefiel Harry ganz und gar nicht, aber da er keine andere Idee hatte, nickte er nur angepisst.

Sie wünschten sich eine gute Nacht und gingen ihres Weges. Doch Harry konnte nicht schlafen. Dieses Mal schaffte er es nicht einmal einzuschlafen. Die Ereignisse der letzten Tage raubten ihm das letzte bisschen Schlaf. Wie konnte es sein, dass dieser Unsinn von der Reinheit des Blutes schon wieder so hohe Wellen schlug? Wieso mussten wieder Menschen sterben?

Harry spürte, wie es ihm die Kehle verschloss und er schwang sich aus dem Bett, machte sich wie so oft des Nachts auf den Weg durchs Schloss.

Kühl und dunkel war es hier; leise. Harry atmete tief durch, während er es seinen Füßen gestatten, einfach dorthin zu laufen, wohin sie wollten; nicht darüber nachdachte, wohin er lief. Er bog um eine Ecke, seine Gedanken kamen schlagartig zum Erliegen, als er Stimmen hörte. „Was tun Sie hier, Mister Potter?“

Harry erstarrte augenblicklich, denn es war Severus, den er da hörte. Und dann vernahm er ein Rascheln und einen Moment später stand JHarry vor ihm, den Tarnumhang in seiner Hand, während er gleichzeitig verbissen und resigniert in die Augen seines Lehrers sah.

„Wie kann ich schlafen, wenn da draußen Menschen wegen diesem Unsinn umgebracht werden?“ JHarry klang so niedergeschlagen, wie Harry sich selbst fühlte. Es war erstaunlich, dass sie manchmal so gleich fühlten.

„Es ist nicht Ihre Verantwortung, etwas dagegen zu unternehmen, Mister Potter.“ „Ach ja?“, höhnte dieser. „Aber wer kümmert sich?“ Für etliche Momente war es still, dann sagte Severus: „Es gibt eine Gruppe von Erwachsenen, die sich der Sache angenommen hat.“ Harry konnte nicht fassen, dass Severus JHarry tatsächlich Informationen gab. Es war offensichtlich, dass sich ihr Verhältnis geändert hatte. Harry wusste nicht, was er davon halten sollte und so beschränkte er sich aufs Lauschen.

„Wirklich, Sir?“, fragte Harry skeptisch. „Ja. Ich bin selbst Teil dieser Gruppe.“ Sie blickten sich einige Momente an. „Da bin ich froh“, sagte JHarry dann und in seinem Gesicht stand beinahe so etwas wie Zuversicht.

„Heißt das, dass Sie jetzt wieder besser schlafen werden?“ „Unwahrscheinlich“, murmelte der junge Harry, aber es war laut genug zu hören gewesen. „Und was ist der Grund dafür?“

Der junge Harry senkte den Blick. Severus seufzte. „Können Sie es jemand anderem mitteilen?“ Das brachte JHarry wieder zum Aufsehen. „Es liegt nicht an Ihnen, Sir. Im Gegenteil. Es ist nur-“ JHarry hielt inne. „Es fällt mir nicht leicht, Erwachsenen zu vertrauen. Ich war mein ganzes Leben auf mich gestellt.“

„Ich verstehe“, gab Severus zurück. „Wenn Sie irgendwann reden möchten, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.“ „Nachts im Schloss, Sir?“, scherzte JHarry, was ihm einen stechenden Blick von Severus einbrachte. „Entschuldigen Sie, Sir“, sagte dieser, doch Severus überraschte JHarry und offenbar auch sich selbst, als er sagte: „Nachts habe ich deutlich weniger gegen Aufmüpfigkeiten einzuwenden.“

„Ich werde es mir merken“, gab JHarry amüsiert zurück und wandte sich zum Gehen. Kurz bevor er in der Dunkelheit verschwand, murmelte er noch: „Danke, Professor.“ Dann war er weg und nur Harry konnte noch Severus’ leises, melancholisches „Immer.“ hören.

Harrys Atmung stockte und mit plötzlich vor Tränen brennenden Augen, wandte er sich ab und verschwand mit schmerzendem Herzen in der Nacht.

***

Fortsetzung folgt…


Wie immer freue ich mich sehr auf eure Kommentare. :-D

Wir lesen uns.
Eure Krissy
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast