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Vergangenheit & Zukunft

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Minerva McGonagall Severus Snape
25.03.2021
07.05.2021
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58.115
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05.04.2021 4.983
 
Kapitel 5: Eine Stunde im Wald

Harry starrte auf die kleine Meldung im Tagespropheten: Die Registrierungskommission für Muggelstämmige nimmt ihre Arbeit auf. Erste Gesetze sollen bald folgen. Das durfte doch nicht wahr sein. Er sah auf. Alle Lehrer waren beim Abendessen. „Severus, Minerva, Albus. Bitte in einer halben Stunde in meinem Büro“, sagte er ernst und die drei Älteren sahen ihn fragend an. „Später mehr!“ Sie nickten ihm zu.

Als sie sich schließlich bei ihm versammelten, legte Harry ihnen die Artikel der letzten Wochen vor. „Irgendwas geht im Ministerium vor. Diese Kommission scheint nur der erste Schritt zu sein. Ein massiver Nachteil für alle Muggelstämmigen. Was passiert dort?“ Er sah seine älteren Kollegen fragend an. Severus und Minerva sahen besorgt zu den Artikeln, lasen sie sich flüchtig durch.

Harrys Blick blieb an Albus hängen. Dieser stand neben dem Kamin, eine Hand am Sims abgestützt, während sein Blick in den Flammen weilte. Er schien weit weg zu sein; so seltsam in sich gekehrt. „Albus?“, fragte Harry leise, doch die blauen Augen sahen nur kurz zu ihm und dann wieder weg. War Albus beschämt? "Was weißt du, Albus?“, fragte Harry alarmiert. Alle Augen richteten sich auf Harry. "Ich kenne den Blick und ich habe keine Lust, dass sich die Geschichte wiederholt. Du weißt etwas, und ich will, dass du es uns allen mitteilst. Voldemort gibt es nicht mehr. Keine Heimlichtuerei mehr." Die Strenge, die von Harry ausging, war für jeden greifbar.

Albus ließ sich auf einem der Sessel am Feuer nieder. Er starrte für etliche Momente hinein. Er sah so müde aus. "In den letzten acht Wochen wurden immer wieder Beamte im Ministerium ausgetauscht. In Schlüsselstellungen. Ich habe versucht, das zu verhindern als Großmeister des Gamots, doch die Wege der Justiz sind langsam. Und auch inoffiziell war es nicht so einfach, wie ich es mir erhofft hatte.“

"Wieso erzählst du uns das nicht?", fragte Minerva erschüttert und auch Harry war im ersten Moment entsetzt. Doch er wusste, dass nichts Schwarz und Weiß war. Er besah sich Albus ganz genau. Er sah ihm das Elend an. Irgendwas traf ihn tief.

"Was ist passiert?", fragte Harry und alle sahen ihn an. Albus' Augen zeigten deutliche Emotionen, er quälte sich. Zuletzt hatte er Albus so erlebt, als er ihn in der anderen Zeitlinie in Kings Cross getroffen hatte.

"Es ist Gellert", murmelte Albus und seine Stimme klang so gebrochen, dass Harrys Herz schmerzte. "Ich habe ihn aufgesucht."

Harry und Minerva starrten Albus fassungslos an. „Wer ist Gellert?", fragte Severus und Harry blickte von ihm zu Albus, der nickte. "Grindelwald." Severus starrte doch tatsächlich etliche Momente als wüsste er nicht, ob er träumte oder wachte. "Wieso besuchst du Gellert Grindelwald?", fragte er fassungslos.

"Er war seine erste große Liebe", gab Harry zurück. "Und meine einzige" murmelte Albus, doch Severus entwich ein schockiertes: "Du bist auch schwul?" Nun mussten Harry, Minerva und Albus schmunzeln. "Natürlich“, sagte Minerva. "Alle in diesem Raum stehen auf das männliche Geschlecht." So hatte es Harry noch nie betrachtete. Es amüsierte ihn. „Großartig, dass wir das geklärt haben“, rief Severus sarkastisch. „Dann können wir uns die vier Stabfreunde nennen.“ „Severus!“, entwich es Minerva entsetzt. „Was?“, fragte dieser unschuldig. „Sonst machst du doch die doppeldeutigen Bemerkungen.“ Eine kurze Pause entstand, die doch schnell vergangen war, da Severus sie mit einer Frage wieder auf das eigentliche Thema brachte: „Warum hast du ihn aufgesucht?"

"Harry hatte erwähnt, dass er in seiner Zeitlinie zu mir gehalten hat.“ Albus unterbrach sich, seine Hände kneteten sich in seinem Schoß, das einzige Anzeichen für seinen inneren Aufruhr. „Es ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe gehofft…“ Er sah auf, seine Augen zeigten Schmerz. Harry fühlte Mitgefühl in sich aufsteigen, doch Severus schien das anders zu sehen.

Wütend fragte er Harry: "Du hast ihm das gesagt? Ein romantischer Gryffindor zum anderen? Du hast ihm diesen Flausen ins Ohr gesetzt?"

"Er ist seinem Herz gefolgt“, rechtfertige Harry Albus’ Taten instinktiv. "Ja, du hast damit ja so gute Erfahrungen gemacht“, schleuderte Severus ihm entgegen. Harry vergaß das Atmen und er starrte Severus an, der ihn finster zurück sah.

"Severus!", mahnte Minerva. "Du brauchst nicht gleich die heftigsten verbalen Geschütze aufzufahren. Harry ist auf deiner Seite. Und auch wenn ich es ebenfalls für fragwürdig halte, gibt dir das nicht das Recht so zu tun, als wären Harrys Fehler schlimmer als die anderer oder dir überhaupt anzumaßen, ihn wegen seiner Fehler zu rügen. Er ist und war nie dein Schüler." Das schien Severus in irgendeiner Form zu berühren, denn er blickte weg. Harry blieb trotzdem mit einem heftigen Stich im Herzen zurück.

"Schön und gut", murmelte Minerva. "Aber wie sollte Grindelwald es geschafft habe? So etwas muss geplant werden und er brauchte Hilfe von jemandem außerhalb seiner Zelle. Wie soll das gehen, wenn er dort rund um die Uhr eingesperrt ist?", fragte sie und sah in die Runde.

"Nun ja", begann Albus und Harry schwante Übles. "Was hast du gemacht?“, entkam es ihm einen Hauch panisch. Albus’ Stimme war so leise und gebrochen, als er nun erwiderte: "Er bat mich um einen Spaziergang. Eine Stunde im Freien mit mir, mehr wollte er nicht." Nun starrten alle Albus an, als sei er bekloppt. "Ich habe sie ihm gewährt", sagte er und klang niedergeschlagen. "Ich hatte ihn die ganze Zeit unter Aufsicht, aber ich kann natürlich nicht ausschließen, dass er irgendwie Kontakt mit jemandem aufgenommen hat."

Die Stille, die sich nun ausbreitete, war von bleierner Schwere. Harry wusste überhaupt nicht mehr, was er denken sollte. Es machte ihm nur einmal mehr bewusst, wie gefährlich es war, über Ereignisse der Zukunft gesprochen zu haben. Und so sehr er Albus auch verstehen konnte, es erschütterte ihn doch auch, was diese eine Information, die er seinem Freund vor einigen Monaten anvertraut hatte, für eine Auswirkung gehabt hatte. Harry schluckte, denn er fühlte Schuld in sich aufsteigen. Wenn Muggelstämmigen in dieser Zeit nun solche Grausamkeiten drohten, weil er Albus etwas über Grindelwald erzählt hatte, war es dann nicht sein Fehler? Harry senkte den Kopf, die Augen für einen Moment geschlossen haltend. Er hoffte mit jeder Faser seines Körpers, dass er sich irrte und sich die Ereignisse nicht wiederholen würden.

"Hat es sich wenigstens gelohnt?", fragte Minerva mit einer seltsamen Mischung aus Verständnis und Tadel und riss damit Harry aus seinen Gedanken. Er blickte auf, bemerkte, dass ein Funkeln in Albus' Augen getreten war, als er nun mit leiser, glücklicher Stimme erwiderte: "Die schönste Stunde seit vielen Jahren."

Minerva lächelte ihn sympathisierend an und auch Harry konnte dem alten Zauberer nicht böse sein, nur weil er seinem Herzen gefolgt war. Ein anderer im Raum sah das jedoch vollkommen anders: „Und wie kamst du auf die Idee für ein romantisches Techtelmechtel den zweitdunkelsten Zauberer aus seiner Zelle zu holen?", fragte Severus fassungslos.

Albus’ Blick wurde unerwartet scharf, als er Severus nun anblickte und barsch antwortete: „Komm von deinem hohen Ross runter, Severus. Warst du nie verliebt?" Sofort huschten Severus’ Augen zu Harry und sämtliche Gespräche erstarben. Harry lächelte unwillkürlich. Das schien die gesamte Situation deutlich zu entspannen.

Es war wiederum Minerva, die sie zum eigentlichen Thema zurückführte: „Bisher ist es nur eine Vermutung, dass Grindelwald dahinter steckt. Wir müssen das erst prüfen.“ „Und wie?“, fragte Severus. Minerva schmunzelte. „Wir müssen nach Nurmengard und ihn fragen." Nun sahen sie alle an, als wäre sie verrückt. "Habt ihr eine bessere Idee?“, schoss sie zurück und die drei Männer schüttelten nacheinander den Kopf. "Gut", sagte Minerva. „Dann lasst uns heute Abend nach Beginn der Sperrstunde aufbrechen. Filius und Romana haben Aufsicht, das sollte also passen."

Sie nickten einander zu und Harry sagte zu Severus: „Hättest du noch einen Moment?" Dieser nickte und Harry winkte ihn zu sich in die Ecke des Raumes, während er davon ausging, dass Minerva und Albus bereits verschwunden waren. Sie wandten sich einander zu und so gespannt Harry wegen dem Abend war, so sehr spürte er doch noch Severus’ harte Worte. Er blickte kurz auf seine Hände, dann fragte er geradeheraus: "Verstehst du, warum mich deine Worte verletzt haben?" Severus nickte. "Ich bin nicht gut in sowas", gab dieser dann zu und Harry entfuhr halb amüsiert, halb verzweifelt: "Ich auch nicht." Sie blickten sich an, die Zuneigung füreinander nicht zu leugnen.

Und so fügte Harry an: "Lass es uns zusammen lernen. Wir werden dabei immer wieder einander weh tun, aber das gehört wohl zum Kennenlernen. Zumal wir viel mit uns herumtragen." Severus sagte nichts. "Hast du Zweifel?", fragte Harry. Severus' Blick wurde plötzlich tiefer und eine Hand legte sich an Harrys Wange, der kurz die Augen schloss. Severus' Berührung war so unendlich willkommen. Dann sprach er leise: "Ich werde noch oft wütend sein, ich werde vieles nicht auf Anhieb verstehen, aber du brauchst niemals an meinen Gefühlen für dich zu zweifeln."

Auf Harrys Gesicht breitete sich ein riesiges Lächeln aus. "Du auch nicht." Sie sahen sich tief in die Augen und bewegten sich dann gleichzeitig aufeinander zu, ihre Lippen trafen sich in einem zärtlichen Kuss.

"Sind sie nicht süß?", hörten sie Albus' Stimme mit einem schmachvollen Seufzen. Sie wandten sich um und sahen überrascht zu der Tür, in der Minerva und Albus standen und sie mit leichten Lächeln und freudestrahlenden Augen betrachteten. "Wir sind kein Ausstellungsstück", grollte Severus und Harry war einfach glücklich, weil Severus weder von ihm weg trat, noch seine Hand von Harrys Wange nahm. Er trat noch einen Schritt auf Severus zu, presste sich mit seinem Körper an ihn, was ihm einen überraschten Blick einbrachte. Harry strahlte Severus von unten herauf an. Dann erwidere der andere das Schmunzeln und Harrys Herz schlug Purzelbäume.

"Was wollt ihr noch hier?", fragte Severus dann und Harry presste einfach nur seinen Kopf an Severus' Brust. Er wollte nichts mehr als dessen Nähe. "Ihr habt euch abgewendet, ohne dass wir die Details besprechen konnten", äußerte Minerva eindeutig amüsiert. Nun rückte Harry von Severus ab und sie sahen sich an.

"Waren eure Gedanken woanders?", neckte Albus. "Das lasse ich mir von dir nicht sagen, Mister Techtelmechtel im Grindelwald." Es war ein gutes Zeichen, dass sie noch einander necken konnten. Harry musste trotz des schlechten Wortwitzes lachen, während Albus nur erwiderte: "Ich war nicht in ihm. Lediglich neben ihm." Das schockierte Schweigen wich zugunsten von hysterischem Gelächter. Das war ein Bild, das Harry nicht so schnell aus dem Kopf kriegen würde.

"Wie bist du in seine Zelle gekommen?“, erkundigte sich Minerva. Nun schlich ein leichtes Lächeln über Albus' Gesicht. „Der Elderstab hinterlässt Spuren bei seinem Meister - auch bei den ehemaligen. Meist sind diese tot, aber in diesem Fall konnte ich die Verbindung nutzen und kann mich einfach zu ihm apparieren - unbemerkt von irgendwem.“ Die drei anderen starrten ihn an. Der Elderstab hieß nicht umsonst Stab der Macht, dachte Harry verblüfft.

„Dann lasst es uns versuchen!", schloss Minerva. Sie nickten sich zu. „Wir treffen uns um 22 Uhr in meinem Büro“, sagte Albus. „Bis später.“

***

Die verbleibenden zwei Stunden bis zu ihrem Aufbruch verbrachte Harry mit Korrekturen aktueller Aufsätze. Und so ablenkend es auch war zu lesen, dass einige Schüler einen Irrwicht mit einem Kitzelfluch besiegen wollten, kehrten Harrys Gedanken doch immer wieder zur bevorstehenden Aufgabe zurück. Er war Grindelwald nie begegnet, hatte ihn nur einst durch Voldemort gesehen. Wieder ein Mensch mehr, der durch die Hand dieses Zauberers gestorben war; wieder einer, der hier noch lebte, und der nun vielleicht für eine weiteren Versuch Muggelstämmige auszurotten, verantwortlich war. Mit diesem Gedanken kam die Schuld von ganz alleine und Harry musste sich bewusst davon abhalten, ihr zu erliegen.

Die Uhr ging auf die zehnte Stunde zu und so machte Harry sich auf den Weg ins Büro des Schulleiters. Es war so angenehm still im Schloss, die Sperrstunde hatte begonnen und Harry bemerkte mal wieder, wie gut ihm diese Ruhe tat. Seine Gedanken verflüchtigten sich, als er das Büro betrat. Seine Freunde waren schon da. „Guten Abend“, grüßte Albus. „Tretet alle auf mich zu und berührt mich.“ Da sich Minerva und Severus jeweils an einer Seite einhakten, stellte Harry sich direkt vor Albus und legte seine Hände an dessen Brust, was ein amüsiertes Funkeln in den blauen Augen zur Folge hatte. Dann erfasste Harry auch schon das wohlbekannte und doch so verabscheute Gefühl des Apparierens.

Und so standen sie im nächsten Moment zu viert in einer dunklen Zelle, in der es feucht war und modrig roch. Sie lösten sich ein wenig voneinander und Harry ergriff ein Frösteln. Es war kalt hier. Er schlang seinen Umhang enger um seinen Körper.

"Albus?" Grindelwalds Stimme etwas zögerlich, aber doch kraftvoll. "Ich bin es“, erwiderte dieser. "Wen hast du mitgebracht?“ Es war nicht überraschend, aber doch beeindruckend, dass Grindelwald sofort bemerkte, dass hier mehrere Leute waren. Harrys Augen brauchten noch immer, um sich an das unwirkliche Licht in diesem Raum zu gewöhnen.

"Freunde“, sagte Albus. Dann flammte sein Zauberstab auf und Grindelwald blinzelte ihnen entgegen. Er war inzwischen über hundertzehn Jahre alt, hatte faltige, blasse Haut, weißes Haar, aber blaue Augen, die so strahlten, dass sie Albus' Konkurrenz machten. "Was verschafft mir dir Ehre?“, kam es einen Hauch ironisch.

"Was weißt du über die aktuellen Ereignisse bezüglich der Registrierungskommission für Muggelstämmige?“, fragte Albus. Es klang ungewöhnlich hart und Harry war überrascht, dass Albus so direkt zum Thema kam; hüllte er sich doch sonst gerne in eine Wolke der Doppeldeutigkeit. "Nichts", antwortete der andere sofort, woraufhin Albus einen Schritt auf ihn zumachte; sein Blick ungewohnt stechend auf den anderen gerichtet. Es schien beinahe als würden die beiden nun ein Duell mit Blicken ausführen, denn alles, was geschah war, dass sie einander unentwegt ansahen.

Plötzlich sog Gellert scharf die Luft ein. "Du versuchst meine Erinnerungen anzuzapfen?" Er klang atemlos und seltsam erschüttert. Harry fühlte sich schlagartig an den Moment erinnert, als Severus dies einst bei ihm versucht hatte. Unruhig trat Harry von einem Bein aufs andere. Dies hier war intimer als angenommen.

"Du vertraust mir nicht", stellte Gellert fest. Es klang leidend. Albus entwich beinahe flüsternd: "Wie könnte ich?"

Harry wünschte sich gerade überall hin, nur nicht hier. Das Leid der beiden war so offensichtlich. „Wieso?“, flüsterte Grindelwald. „Das musst du noch fragen?“, zischte Albus und trotz seines feindseligen Tons, erkannte Harry die Trauer dahinter. „Ich war es nicht, der“ Albus unterbrach sich, wurde sich offenbar bewusst, dass sie nicht alleine waren. „Ja?“, fragte Gellert spitz, es war offensichtlich, dass auch er Mühe hatte, seine Emotionen zu zügeln.

„Wir sind hier nicht, um verflossene Liebschaften zu betrauern“, mischte sich Snape plötzlich beißend ein, woraufhin zwei Blicke ihn trafen; Grindelwalds war alles andere als freundlich. Da brannte etwas in seinen Augen, das Harry deutlich machte, dass dieser Mann nicht umsonst in einer Gefängniszelle saß. Dies war Gellert Grindelwald, der gefürchtetste Dunkle Lord vor Voldemort.

„Also wirklich“, mischte sich Minerva ärgerlich ein. "Albus, Severus, haltet euch zurück." Sie trat auf Grindelwald zu, ihr Zauberstab allzeit bereit erhoben und Harry sah seine Freundin voller Bewunderung und Zuneigung an. Das war sie, Minerva McGonagall, wie er sie kannte: Stark, entschlossen und zielstrebig.

"Also Gellert, wir haben einige Hinweise darauf, dass sich innerhalb des Ministeriums ein Umsturz breit macht, der vor allem Muggelstämmigen schaden wird. Was wissen Sie darüber? Und kommen Sie mir nicht mit Ausflüchten, ich mag eine Gryffindor gewesen sein, aber ich bin in erster Linie eine Hexe, die in einer friedlichen Welt leben will, in der alle Hexen und Zauberer gleichberechtigt sind. Also raus mit der Sprache.“

Grindelwald schien tatsächlich beeindruckt, denn mit einem süffisanten Lächeln blickte er zu Albus. "Ich verstehe, warum du sie zu deiner Stellvertreterin gemacht hast. Die hat mehr Feuer im Hintern als ein peruanischer Viperzahn.“

"Vielen Dank, Gellert, aber ich bin noch im Raum. Und hören Sie auf Süßholz zu raspeln, ich bin an Antworten interessiert."

Er richtete seinen Blick wieder auf Minerva und antwortete tatsächlich: „Ich habe nichts getan. Ich bin hier in dieser Zelle und alles, was ich habe ist meinen Kopf. Ihr könntet ebenso nur ein Gespinst meines Geistes sein“, murmelte er, mit einem seltsam manischen Funkeln in den Augen.

"Warum wollten Sie dann die Stunde mit Albus?", fragte Severus argwöhnisch. "Waren Sie jemals verliebt, junger Mann?“, fragte Grindelwald abschätzig zurück. „Waren Sie jemals von der Liebe ihres Lebens getrennt? Jahrzehntelang? Haben Sie jemals bereut, was Sie getan haben? Haben Sie jemals festgestellt, dass es falsch war, politische Ideale über die Liebe zu stellen?"

Severus sagte gar nichts, doch an der Tiefe in seinem Blick und den aufeinander gepressten Kiefern erkannte Harry sofort, dass Grindelwalds Worte ihn mehr bewegt hatten, als er zugeben wollte. „Dann haben Sie keine Ahnung“, zischte Grindelwald. Er richtete seinen Blick wieder auf Minerva. „Ich habe nichts damit zu tun.“

Sie sah ihm einmal fest in die Augen, dann wandte sie sich ab. „Lasst uns aufbrechen. Mehr werden wir hier nicht erfahren“, sagte sie energisch, woraufhin Albus, Severus und Harry nickten. Sie gingen wieder zurück zu der Stelle, an der sie erschienen waren, versammelten sich in der gleichen Formation.

„Albus?“ Gellerts Stimme, so leise sie auch war, ertönte deutlich in dem dunklen Raum. „Werden wir uns wiedersehen?“ Harry konnte den Herzschmerz in diesem Satz fühlen. Wie bewegend musste es dann erst für Albus sein? „Ich weiß es nicht.“

Sie apparierten zurück. Sie waren wieder in Dumbledores Büro und setzten sich rund um seinen Schreibtisch. Albus servierte Tee, derweil Harry ihn beobachtete. Er sah müde aus; schien durch diesen Besuch gealtert zu sein. Harry presste die Lippen aufeinander, denn sein Freund tat ihm leid. Er wusste schließlich, wie viel ihm Gellert einmal bedeutet hatte - und es offenbar immer noch tat. Ob Harry irgendwas für ihn tun konnte?

"Also können wir Grindelwald als Urheber ausschließen?", fragte Minerva und riss Harry aus seinen Gedanken, der nun aufblickte. Severus sah skeptisch aus, Albus ratlos, sodass sich Harry und Minerva anblickten. "Ich denke schon", sagte Harry. "Er wirkte nicht als würde er lügen. Zumal mir seine Reue aufrichtig vorkam.“ Minerva nickte. "Ich stimme dir zu. Aber wer steckt dann dahinter?", fragte sie weiter.

"Reinblüter", sagte Severus und Albus nickte. "Von diesen Gesetzen profitieren Reinblüter, während es Muggelgeborene unterdrückt. Wenn es Gellert nicht war, dann muss es ein anderer sein, der an die Reinheit des Blutes glaubt."

Harry presste die Lippen aufeinander, während ihn ein unguter Hauch erfasste. Wieder dieser ganze Unsinn. Das hatte im letzten Zaubererkrieg so groteske Züge angenommen und anscheinend waren sie wieder auf dem besten Wege dorthin zu gelangen. "Harry?", fragte Minerva und riss ihn aus seinen Gedanken. "Entschuldige, Erinnerungen“, winkte er ab. Sie sah ihn prüfend an. "Das gab es bei dir auch?", fragte sie vorsichtig. Harry erinnerte sich, dass er dies einmal ihr gegenüber erwähnt hatte. "Ja. Ziemlich ähnlich zu dem, was nun passiert. Aber wer steckt dahinter? Damals waren es Voldemort und seine Todesser, die nach und nach das Ministerium übernommen haben.“

"Es gibt etliche reinblütige Familien, die in Frage kämen," sagte Severus und alle nickten. Natürlich fielen Harry als erstes Malfoy, Lestranges und Nott ein. Todesserfamilien waren dafür prädestiniert. "Es könnten natürlich mehrere Familien sein“, warf Severus ein. "Trotzdem wird es wohl eine Art Führung geben."

Minerva fragte: „Wie können wir herauskriegen, was sie vorhaben? Wir kommen hier nicht weg und es wäre auffällig, wenn wir ihnen plötzlich begegnen."

Tja, das war ein Problem. Wie konnten sie mit diesen Familien in Kontakt treten und vielleicht unauffällig etwas in Erfahrung bringen ohne direkt bei ihnen Zuhause zu erscheinen? Viele der möglichen Verdächtigen waren die Eltern von Schülern. Die Schüler zu befragen lag nahe, wäre aber sowohl aus ethischer als auch pädagogischer Sicht ein Problem gewesen. Zumal die Wahrscheinlichkeit, dass diese Bericht an ihre Eltern erstatteten, groß war. Nein, sie mussten irgendwie- Harry riss die Augen auf. „Ein Elternsprechtag", entwich es ihm plötzlich.

"Was ist das?“, erkundigte sich Albus. Harry führte aus: "Etwas ganz Normales in der Muggelwelt. Einmal im Jahr kommen die Eltern in die Schule zu den gewünschten Lehrern und sprechen mit ihnen über die Leistungen ihrer Kinder."

"Das wäre genial“, murmelte Minerva und Harry lächelte, denn Lob seiner ehemaligen Hauslehrerin war schon immer rar gewesen. Auch Albus schien begeistert. „Sehr gute Idee. Dann lasst uns das so schnell es geht umsetzen. Je eher wir Informationen erhalten, desto besser.“ Sie nickten einander zu. „Gute Nacht alle zusammen“, wünschte Albus.  

„Gute“, wollte auch Harry wünschen, wurde aber unterbrochen, weil Severus sich schnell abwandte und ein unfreundliches „Nacht“ in den Raum warf. Harry sah ihm irritiert hinterher, dann fasste er sich. „Severus?“, hielt Harry ihn zurück. „Ich weiß, es ist schon spät, aber könnten wir kurz reden?“ Severus blickte ihn an, er wirkte zögerlich, was ein Grund mehr für Harry war, ihn bei sich zu haben. Dann nickte der andere. Harry trat auf ihn zu. „Ich möchte noch kurz ein paar Worte mit Albus wechseln. Du kannst ruhig schon in meinem Quartier warten, es dauert nicht lange.“ Severus blickte ihn leicht fragend an, anschließend nickte er.

„Das Passwort ist Sonnenaufgang“, fügte Harry nun hinzu, in Folge dessen Severus ihn erstarrt ansah. Für etliche Wimpernschläge blieb da diese Erschütterung in seinem Blick, dann wandte er sich ab und verließ zusammen mit Minerva das Büro. Harry sah ihnen noch einen Moment hinterher, bevor er sich Albus zuwandte, der noch immer an seinem Schreibtisch saß und merklich erschöpft aussah.

„Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte Harry leise und machte einen Schritt auf den anderen zu. Ein tiefer Blick aus blauen Augen traf ihn. „Es tut mir leid, dass ich dein Vertrauen missbraucht habe. Ich hätte das, was du mir erzählt hast, nicht nutzen dürfen“, kam es leise, zweiflerisch. Sympathisierend sah Harry seinen Freund an. Er trat noch näher an ihn ran und lehnte sich dann an seinen Schreibtisch, sah so von oben zu ihm herab. „Ich bin nicht wegen einer Entschuldigung geblieben“, stellte Harry klar. Albus sah ihn überrascht an, woraufhin Harrys Blick mitfühlend wurde.

„Ich muss zugeben, dass mich der Gedanke erschüttert hat, dass eine Information von mir eventuell so viel Leid für Muggelstämmige hätte auslösen können. Aber deswegen bin ich nicht geblieben. Ich kann verstehen, warum du zu ihm musstest.“ Harry lächelte traurig. „Ich bin geblieben, um zu wissen, ob ich dir irgendwie helfen kann. Selbst für mich war diese Begegnung schmerzhaft.“

Die blauen Augen zeigten eine Verletzlichkeit, die Harry noch nie gesehen hatte, und die ihm für einen Moment die Luft zum Atmen nahm. Ihm wurde schlagartig klar, dass sie wirklich Freunde waren; und auch wenn ihr Altersunterschied noch immer enorm war, gab es doch keine trennende Hierarchie mehr. So legte er nun auch einfach seinem Gefühl folgend eine Hand auf Albus’ Oberarm, wollte ihm so deutlich machen, was er nicht in Worte zu fassen vermochte.

Albus senkte den Blick, während er den Kopf schüttelte. „Nein, da gibt es nichts“, sagte er leise. „Gellert ist eine offene Wunde, die nie verheilt ist. Die Stunde mit ihm zusammen war wie ein Traum, doch nun bin ich aufgewacht.“ „Aber er hat doch nichts damit zu tun“, entwich es Harry verwirrt.

Albus führte aus: „Das mag sein. Aber es hat mir deutlich gemacht, wie nahe ich dem Abgrund wieder war.“ Er schloss kurz die Augen, seine Lippen pressten sich zusammen, dann sah er wieder auf. „Ich darf nicht wieder in diesen Schlund blicken, denn er würde mich verschlingen.“

Harry konnte nur erahnen, worauf Albus alles anspielte und so erhöhte er den Druck auf Albus’ Oberarm, wollte ihm so zeigen, dass er da war. „Dann möchte ich dir nur noch sagen, dass ich für dich da bin. Was auch immer du brauchst.“

Mit einem verräterischen Glitzern sahen ihn die blauen Augen nun an. „Dein Mitgefühl und deine Freundschaft ist mehr als ich verdiene.“ Harrys Herz schmerzte, als er diese Worte hörte, und er beugte sich nach vorne, sah ihm direkt in die Augen. „Du verdienst alles Glück der Welt, mein Freund“, sagte er offen, dann küsste er Albus’ Stirn aus einer plötzlichen Eingebung heraus.

„Gute Nacht“, hauchte er ihm entgegen und Albus nickte nur, schien im Moment nicht mehr sagen zu können. Harry verließ das Büro seines Freundes, fühlte sich seltsam offen und doch wunderbar verbunden mit dem Mann, der ihm so viel bedeutete.

So in Gedanken versunken war er im ersten Moment auch überrascht, als er in sein Quartier kam und dort Severus stand. Mitten im Raum, stocksteif und sich nun der öffnenden Tür zuwendend; es war offensichtlich, dass er nicht genau wusste, warum er hier war. Das brachte Harry wieder zurück zu dem Grund, warum er Severus her gebeten hatte. Er schüttelte die Gedanken an Albus ab, trat auf Severus zu und wagte einfach den direkten Vorstoß: "Hat es dich bewegt?" "Was?“, fragte Severus verwirrt. Harry führte aus: "Was Grindelwald sagte. Es schien mir, als hätte dich das irgendwie bewegt.“

"Wie kommst du darauf?“, fragte Severus barsch und Harry seufzte: "Du warst so abweisend in Albus’ Büro. Ich weiß inzwischen, dass Mehr dahinter steckt, wenn du dich vor mir zurückziehst.“ „Muss ich alle meine Gedanken mit dir teilen?“, kam es angriffslustig. Harry unterdrückte ein erneutes Seufzen und sprach leise: "Nein. Aber vielleicht würde es helfen, die alte Routine zu durchbrechen."

"Und du entscheidest das?", giftete Severus. Harry hätte sich am liebsten die Haare gerauft. Warum musste das mit Severus so kompliziert sein? "Nein", rief er ärgerlich. "Es ist ein Angebot, das ich dir mache. Hör auf, mich als Feind zu behandeln. Du musst nichts sagen." Er schüttelte den Kopf. Vielleicht war es auch einfach zu spät für eine solche Unterhaltung. Er wandte sich ab, sein Blick streifte den Kaminsims mit der Uhr. Es war beinahe Mitternacht. Er sah hinab in die Flammen des Kamins, verlor sich für einen Moment in ihrem tänzelnden Anblick.

"Reue“, ertönte es plötzlich leise und Harry sah schlagartig auf zu Severus. Dieser blickte ebenfalls in die Flammen, sah merkwürdig blass aus. Dann führt er aus: "Grindelwald sprach von Reue." Harry biss sich auf die Lippe, er wollte Severus nicht unterbrechen, wo er nun mal etwas preisgab. Doch etliche Momente geschah nichts mehr. Severus schien gefangen in seinen Erinnerungen zu sein.

"Severus?", fragte Harry schließlich. Erst dann richteten sich die schwarzen Augen auf ihn. "Hast du mir wirklich vergeben?", fragte er plötzlich und Harry sah ihn verwirrt an. "Die Prophezeiung", sagte er dann und Harry konnte Severus' Gedankengang sofort nachvollziehen. "Ja."

"Aber wieso?", fragte Severus fassungslos.

„Jeder macht Fehler", begann Harry und Severus wollte schon zum Sprechen ansetzen, doch Harry griff nach seiner Hand, brachte ihn so effektiv zum Schweigen. "Es war ein gewaltiger Fehler, richtig, aber du hast deinen Fehler eingesehen und versucht ihn sofort wiedergutzumachen. Und dann hast du dein Leben dafür eingesetzt, es besser zu machen."

Doch Severus schien es nicht zu beruhigen, denn noch immer blass flüsterte er: „Hätte es jemand anderen getroffen, wäre es mir egal gewesen."

Harry „fragte zurück: Würdest du es heute noch so machen? Würdest du Unschuldige einfach so ausliefern?" Severus zögerte, schien es nicht zu wissen und Harry rief energisch: "Aber ich weiß es."

"Was meinst du?“, fragte Severus verwirrt zurück.

"Erinnerst du dich, dass ich dir aus Versehen sagte, dass du Schulleiter wurdest?“ Severus nickte atemlos. "Zwei Todesser waren im Kollegium. Du hast alles in deiner Macht stehende getan, um deine Tarnung aufrecht zu erhalten und deine Schüler zu schützen. Jeden einzelnen von ihnen." Harry sah Severus nun direkt an. "Die Antwort auf die Frage ist also ganz klar Nein. Du würdest Unschuldige nicht mehr ihrem Schicksal überlassen.“

Er sah Severus offen an. "Dann hat es seinen Zweck so oder so erfüllt. Du hast einen Fehler gemacht, du hast ihn bereut, alles getan, was du konntest, um es wieder gut zu machen. Und du hast daraus gelernt, bist daran gewachsen. Wie könnte ich dir da nicht verzeihen?"

"Aber siehst du denn meine Schuld nicht?" Severus' Stimme war nur noch ein leises, heiseres Flüstern. Harry bewegte seine Hand an Severus' Wange, der nun ruckartig aufsah. "Voldemort ist Schuld am Tod meiner Eltern, er hat sie umgebracht. Du nicht. Du hast alles getan, um es zu verhindern. Ja, meine Eltern sind tot, aber glaube nicht auch nur für einen Moment, dass es deine Verantwortung wäre. Ich habe dir nie die Schuld gegeben und deswegen gibt es nichts zu verzeihen."

Harry sah, wie sich Severus' Hände verkrampften. Er konnte das Gesagte kaum verarbeiten und seine Augen schimmerten verdächtig. "Warum bist du so verständnisvoll?"

"Weil ich genau weiß, wie sich Schuld anfühlt." Ihre Blicke hielten sich fest; Harrys Hand noch immer an Severus' Wange.

„Halt mich", bat Severus und Harrys Herz schmolz. Sofort glitt er auf Severus zu und schlang seine Arme um ihn, der die Umarmung erwiderte. So standen sie eng umschlungen zusammen und badeten in der Anwesenheit des anderen, gingen vollkommen in ihrer Zweisamkeit auf. Noch nie war beiden so bewusst geworden, wie sehr sie einander halten konnten, wenn sie sich ein Stück öffneten. Sie waren sich unglaublich ähnlich.

***

Fortsetzung folgt…

Ich bin gespannt zu erfahren, wie euch dieses Kapitel gefallen hat. :-D

Wir lesen uns.
Eure Krissy
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