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Vergangenheit & Zukunft

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Minerva McGonagall Severus Snape
25.03.2021
07.05.2021
16
58.115
134
Alle Kapitel
610 Reviews
Dieses Kapitel
43 Reviews
 
 
25.03.2021 4.500
 
Titel: Vergangenheit & Zukunft

Achtung: Direkte Fortsetzung von „Schuld & Sühne“.

Hinweis: Wie auch schon im ersten Teil, wird von JHarry gesprochen, wenn der junge Harry Potter gemeint ist. Unser Harry Jamie Prince ist einfach nur Harry.

Anmerkung: Tja, da kündigt man groß die Fortsetzung für ein bestimmtes Datum an, und muss es dann noch mal ändern, damit es in das große Schema der Snarry-Dinge passt. Ich gehe jetzt aber mal einfach davon aus, dass sich hier niemand beschweren wird, weil die FF früher startet. xD

Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Macht es euch gemütlich, gönnt euch ein warmes Getränk und begebt euch auf die Reise mit unseren beiden kampferprobten Protagonisten, die in Sachen Liebesbeziehung noch einiges zu lernen haben. Zwischen Missverständnissen und Liebesgeständnissen. Ich werde ganz nostalgisch. Die Dramen einer ersten Liebe… werde ich alt? xD

Beste Unterhaltung!


Kapitel 1: Ein neues altes Zuhause

Harry hatte seine Tasche gepackt und blickte sich in seinem Zimmer in Minervas Haus um. Es fiel ihm tatsächlich schwer Abschied zu nehmen, denn es fühlte sich nach einem gewaltigen Schritt an. Dieses Zimmer war in den letzten elf Monaten zu seinem Zuhause geworden. Es zu verlassen war gleichermaßen ein Abschied und ein Neuanfang. Nun begann seine wirkliche Zukunft. Es war unfassbar.

Ein letztes Mal betrachtete Harry seine Reflexion im Spiegel. Er trug einen leichten Dreitagebart, die alte Brille war verschwunden. Seine Haare waren etwas länger, waren dadurch deutlich weniger wuschelig. Und die Narbe auf seiner Stirn hatte er dauerhaft mit einem Verwandlungszauber verborgen. Sie war eh nur noch eine blasse, feine Linie, die man nur sah, wenn man direkt vor ihm stand. Aber Harry wollte kein Risiko eingehen. Wenn ihn etwas verraten konnte, dann diese Narbe.

Er nickte sich selbst zu. Es war an der Zeit sein neues Leben zu beginnen.

Die Augustsonne schien warm vom Himmel herab, während Harry von Hogsmeade mit seiner kleinen Tasche hinauf zum Schloss lief. Minerva hatte ihn gebeten gegen Mittag zu kommen, da sein Quartier im Schloss bezugsfertig war. Die Gefühle, die ihn durchströmten, konnte er gar nicht in Worte fassen. Er sah das majestätische Schloss im Licht der Sonne glitzern und er fühlte sich so frei wie noch nie. Das hier war seine Zukunft.

Es war als wäre er für einen Moment noch mal ein Erstklässler, der Hogwarts zum ersten Mal sah. Er fühlte sich ergriffen, voller Wunder und Dankbarkeit. Er schritt durch die Tore des Geländes weiter hinauf zum Schloss. Und als er schließlich Minerva in der Eingangstür stehen sah, konnte nichts mehr das strahlende Lächeln auf seinem Gesicht verhindern.

Seine Freundin sah ihm ebenso erfreut entgegen und begrüßte ihn mit einem herzlichen: „Professor Prince. Herzlich willkommen in Hogwarts.“

Harry ging die letzten Schritte auf Minerva zu, nahm sie in den Arm und setzte einen Kuss auf ihre Wange, was dazu führte, dass Minerva ihn überrascht anblickte. Dann stahl sich ein Schmunzeln auf ihr Gesicht und mit gespielter Erschütterung äußerte sie: „Kaum, dass wir Kollegen sind, wirst du übermütig.“ Harry lächelte sie an. „Ich würde eher sagen, dass es überfällig war.“ „Mich zu küssen war überfällig?“, fragte sie amüsiert. „Lass das nicht Severus hören“, fügte sie mit einem Zwinkern hinzu und wandte sich um.

„Dein Quartier ist neben deinem Büro im zweiten Stock.“ Sie deutete die Treppen herauf und Harry konnte sich ein neckendes: „Ich war schon mal hier.“ nicht verkneifen. Sie stiegen die Treppe empor und Harry konnte es gar nicht fassen. Er war in Hogwarts, konnte sich frei bewegen, er hatte ein neues Leben in einem vertrauten Zuhause.

Als sie den zweiten Stock erreicht hatten, schritten sie den Gang zum Klassenzimmer entlang. Daneben war das Büro, das aus dem Klassenzimmer zu erreichen war. Doch Minerva schritt am Klassenzimmer vorbei zu einem Landschaftsgemälde von Somerset. „Sonnenaufgang“, sagte sie. „Du kannst es gerne noch ändern“, bot sie ihm an, als das Porträt aufschwang und die beiden eintreten konnten.

Harry fand sich in in einem gemütlichen Raum wieder an dessen gegenüberliegender Wand eine breite Fensterfront mit Balkon war. Ein Kamin befand sich zu seiner Rechten mit einem großen Sims, davor erstreckte sich eine gemütliche Sitzecke. Links schlängelte sich eine Treppe empor, die so aussah wie im Klassenraum. Sie führte auf eine breite Balustrade und Harry ging hinauf, sah, dass hier oben sich das Schlafzimmer offen anschloss. Auch hier gab es große Fenster, die einen unglaublichen Blick über die Landschaft gewährten. Das Bett war breit, daneben stand ein kleiner Nachttisch. Eine weitere Tür offenbarte einen kleinen Raum mit Toilette, Dusche und WC.

„Ein großes Badezimmer hast du noch mal hier unten“, rief Minerva und Harry trat zum Geländer, sah hinunter in sein neues Reich und lächelte seine Freundin strahlend an. „Es sind wunderschöne Räumlichkeiten“, rief er begeistert und Minerva erwiderte das Lächeln. Sie deutete auf ein weiteres Porträt an der linken Seite direkt am oberen Ende der Treppe. „Da durch kommst du in dein Büro. Und von da aus ins Klassenzimmer.“ Harry nickte.

„Dort habe ich dir alles hingelegt, was du brauchst. Aktuelle Schülerlisten, Lehrpläne und die Aufzeichnungen deiner Vorgänger.“ „Klingt nach Arbeit“, rief er gut gelaunt die Treppe hinunter. „Ich bin gespannt, wann du das nicht mehr in einem so fröhlichen Ton sagst.“ Sie sah ihn amüsiert an.

„Wenn du mich brauchst, findest du mich in meinem Büro. Du erinnerst dich sicherlich, wo das ist.“ „Hey!“, rief Harry. „So oft hatte ich kein Nachsitzen als Schüler bei dir.“ „Mein Gedächtnis ist wohl besser als deins“, sagte sie und ging. Harry sah ihr amüsiert kopfschüttelnd hinterher.

Dann packte er seine wenigen Habseligkeiten in den Schrank. Er belegte ihn mit einem Passwort, waren doch das Fotoalbum seiner Eltern, die Karte der Rumtreiber, sein Tarnumhang, der Schlüssel für Minervas Haus in Hogsmeade und auch der Stein der Auferstehung keine Gegenstände, die irgendwer in die Finger kriegen sollte.

Als er alles verstaut hatte, schaute er in seinen so gut wie leeren Schrank. Er brauchte definitiv einige Roben. Im Grunde brauchte er alles einmal neu. Da er aber keine Lust hatte selbst einkaufen zu gehen, ließ er von einem verzauberten Maßband Maß nehmen. Seine Werte erschienen auf einem kleinen Zettel. Nun brauchte er diesen nur noch zu Madame Malkins in die Winkelgasse zu schicken.

Plötzlich hatte Harry eine Idee und schmunzelnd sprach er in den Raum hinein: „Dobby?“ Es machte Plopp und dann sah Harry in die strahlenden grünen Augen seines kleinen Freundes. „Harry Potter!“, piepste der Elf. Harry legte einen Finger auf den Mund und Dobby, leicht errötend, meinte nur: „Natürlich, Professor Prince. Ihr seid wieder in Hogwarts. Dobby ist überglücklich.“

Harry lächelte ihn an. „Das bin ich auch.“ „Was kann Dobby für Professor Prince tun?“, fragte der Elf eifrig.

„Könntest du das in die Winkelgasse bringen und mir dann die fertigen Umhänge auch wieder zurückbringen?“ Dobby nahm den Zettel entgegen, beinahe ehrfürchtig und rief: „Professor Prince gibt Dobby einen Spezialauftrag?“ „Ja.“ „Danke, Professor. Dobby wird sich um alles kümmern.“ Dann war er verschwunden und Harry sah ihm mit einem Lächeln hinterher, während er ein nur allzu vertrautes Brennen in seinem Herzen spürte. Er verdankte diesem kleinen Geschöpf sein Leben.

Harry schüttelte seine Gedanken ab und schritt nun auf die Tür zu, die zu seinem Büro führte. Mit einem Passwort öffnete sie sich. Er trat ein und hielt inne. Dieser Raum beherbergte so viele Erinnerungen. Er musste an Remus denken. Leider auch an Umbridge. In diesem Raum war er seinen besten und seinen schlimmsten Lehrern begegnet.

Dann trat er zu seinem Schreibtisch und sah reihenweise Mappen und Listen darauf liegen. Minerva hatte nicht übertrieben. Da kam eine Menge Arbeit auf ihn zu. Aber erst einmal wollte er etwas anderes tun: Er wollte zu Severus.

Leider hatte er überhaupt keine Ahnung, wo dieser war und so beschloss er Minerva in ihrem Büro aufzusuchen und sie zu fragen. Der Gang durch Hogwarts glich einer Reise in die Vergangenheit. Mit so vielen Stellen war eine Erinnerung verbunden. Die Toilette im ersten Stock, wo sie den Troll besiegt hatten, der Kampf in der Großen Halle, sein erster Kuss im Raum der Wünsche, all die Freuden und Leiden, die seine Schulzeit mit sich gebracht hatte, waren für immer mit diesem Schloss verbunden.

Dann war er bei Minervas Büro angelangt, tauchte aus seinen Gedanken auf und klopfte. „Herein.“ Sie sah ihn überrascht an. „Ich hätte nicht gedacht, dich so schnell wiederzusehen. Sehnsucht?“, neckte sie ihn. Harry lachte. „Ja, allerdings nach Severus. Könntest du mir sagen, wo sein Quartier ist?“, bat er.

„Du warst noch nicht dort?“, fragte sie überrascht. Harry schüttelte den Kopf. Minerva sprach: „Er ist wahrscheinlich in seinem Labor. Das erreicht man sowohl von seinem Quartier aus, als auch von dem Porträt im dritten Gang neben der Schlangenstatue.“ Harry sah sie fragend an. Und offenbar erkannte Minerva seine Hilflosigkeit, denn sie sagte direkt: „Komm, ich führ dich hin!“ „Danke.“

Und so gingen sie gemeinsam den Weg hinab in die Kerker. Harry sah sich verblüfft um. Er war so lange nicht mehr hier gewesen. Es war kühl, dunkel und so leer. Schließlich blieb Minerva vor einer unscheinbaren Tür stehen, neben der lediglich ein Gemälde von einer komischen Pflanze hing. Sie klopfte. Es dauerte einige Momente, dann wurde die Tür schwungvoll geöffnet und Severus sah mit dunklen Augen nach der Quelle der Störung.

Etwas änderte sich in seinem Blick, als er von Minerva zu Harry sah. „Unser neuster Schlossbewohner hat Sehnsucht“, sagte Minerva, was ihr einen entsetzten Gesichtsausdruck von Harry einbrachte. Dann verabschiedete sie sich mit einem amüsierten „Schönen Tag noch!“ und ließ die beiden einfach stehen. Harry konnte es nicht fassen. Wie konnte Minerva so dreist und gleichzeitig so liebenswert, mutig und sympathisch sein?

„Was auch immer ist, komm rein und schließe die Tür. Mein Experiment ist empfindlich.“ Severus’ Aussage riss ihn aus seinen Gedanken. Er sah auf und fühlte sein Herz schneller schlagen. „Mach ich“, entgegnete er und Severus nickte: „Aber nichts anfassen.“ Harry lächelte und folgte dem Älteren in sein Labor. Es war ein mittelgroßer Raum, der eine hochwertige Ausstattung enthielt. Harry hatte keine Ahnung, was er da alles sah, aber deswegen war er ja auch nicht hier.

Dann blickte er wieder zu Severus, der wartend neben seinem Kessel stand, und fühlte sich haltlos verloren. Er wusste nur, dass er verliebt war, sein Herz schneller schlug und er einfach nur lächeln wollte. Aber er wollte dem anderen auch nah sein, er wagte es nur nicht. Wo war der Gryffindormut, wenn man ihn brauchte? Da ihm nichts Besseres einfiel, um die Konversation zu eröffnen, fragte er: „Darf ich mal dein Quartier sehen?“

Sofort hefteten sich stechende Augen auf ihn und Harry senkte den Blick. Was war das denn für eine blöde Frage gewesen? „Warum?“, fragte Severus da auch schon und Harry sah wieder auf. Er zuckte mit den Schultern. „Ich wüsste einfach gerne, wo du wohnst. Ich möchte gerne öfter bei dir sein.“

Severus sah ihn etliche Momente an und Harry wusste nicht, was der Blick bedeutete. „Darf ich dein Quartier auch sehen?“ „Natürlich“, gab Harry sofort verwirrt zurück und erkundigte sich: „Wieso fragst du?“ Severus schien etwas sagen zu wollen, doch dann wandte er sich wieder dem Trank zu, fügte eine Prise hinein und rührte. Harry nutzte die Pause, um seine Gedanken zu sortieren. Weshalb war Severus so abweisend?

Als Severus fertig war, fragte Harry: „Habe ich dich irgendwie beleidigt?“ Severus wandte sich ihm zu. „Nein, ich verstehe nur nicht, was du in meinem Quartier willst.“ Harrys Mund öffnete sich, dann schloss er ihn wieder. Ihm wurde schlagartig klar, wie kompliziert eine Beziehung mit Severus Snape war oder werden konnte.

Dann setzte er an zögernd zu erklären: „Ich weiß nicht genau, was ich sagen soll. Ich möchte mit dir zusammen sein und dich noch besser kennenlernen und Zeit mit dir verbringen. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass wir das in deinem oder meinem Quartier tun. Außerdem“ Harry hielt inne und senkte den Kopf, er merkte erst jetzt, dass er bisher unentwegt seine Hände vor Nervosität geknetet hatte. Warum war das alles so schwer? „Will ich dich berühren und küssen.“ Warum wurde er jetzt auch noch rot? „Ich weiß nur nie, ob ich es darf oder nicht.“ Seine Stimme war zum Ende hin noch leiser geworden und er starrte weiterhin zu Boden.

Als sich eine schwarze Robe und ebensolche Schuhe in sein Sichtfeld schoben, sah er auf. Severus war zu ihm getreten und da haftete ein nicht zu deutender Ausdruck in ihnen. „Warum willst du das alles?“, fragte Severus, seine Stimme ebenfalls gesenkt. Harry schluckte. Was wollte Severus hören? Harry sagte das erste, was ihm in den Sinn kam: „Du weißt um meine Gefühle für dich. Natürlich will ich mit dir zusammen sein.“

„Und das schließt unsere Quartiere mit ein?“, fragte Severus und Harry seufzte. Was hatte Severus nur mit seinem Quartier? "Severus!“, rief er frustriert. „Ich weiß es doch auch nicht. Ich will dir einfach nah sein. Wenn du mich nicht in deinem Quartier haben willst, sag es einfach. Ich weiß selbst nicht, was man in einer Beziehung macht. Ich hatte noch nie eine."

"Haben wir eine Beziehung?", fragte Severus eindeutig überrascht.

Harry sah ihn verwirrt an, blinzelte etliche Male perplex. Dann wurde es ihm schlagartig klar: Severus ging es genauso wie ihm. Sie beide hatten noch nie eine Beziehung gehabt. Sie waren beide ebenso ratlos wie der andere. Das wärmte Harry und er fühlte sich mit einem Schlag deutlich zuversichtlicher.

Er sah wieder auf und wagte es Severus’ Hand zu umgreifen. „Ich weiß es nicht", sagte er unsicher und sah den anderen offen an. "Aber ich weiß, dass ich mich in dich verliebt habe. Und dass wir Freunde sind. Oder?", fügte er dann fragend hinzu. Severus nickte und erwiderte den Druck auf seine Hand.

Harry spürte sein Herz hüpfen und er machte einen Vorschlag: „Dann lass uns Freunde sein und erkunden, was da noch ist. Sehen wir es als Experiment an.“ "Als Experiment?", fragte Severus und hob halb kritisch, halb neugierig eine Augenbraue.

"Ich führe auch ein Laborbuch, wenn du drauf bestehst", fügte Harry an, was tatsächlich ein kleines Schmunzeln auf Severus' Gesicht zauberte.

Da trat plötzlich ein sehr weicher Ausdruck in die schwarzen Augen und Harry war wie gebannt von diesem Anblick. Dann beugte sich Severus tatsächlich zögernd zu ihm hinunter. Harry kam ihm sofort enthusiastisch entgegen und ihre Lippe trafen sich in einem zärtlichen Kuss.

***

Harry nutzte die nächsten Tage, um sein Quartier einzurichten und ausgiebige Spaziergänge durchs Schloss zu machen. Endlich konnte er einmal alle Gänge und Räume erkunden, die ihm begegneten. Es war wunderbar. Hogwarts strahlte den Zauber seiner Jugend aus - nur ohne die Lebensgefahr - und so war es einfach magisch.

Daher ergab sich recht schnell eine Routine. Er frühstückte in seinem Quartier, las derweil den Tagespropheten, machte dann einen Rundgang durchs Schloss, bei dem er stets seine lederne Tasche bei sich trug, und verbrachte den Rest des Tages damit, sich auf seinen Unterricht vorzubereiten, Schulstunden zu konzipieren, Schulpläne durchzuarbeiten und neu aufzustellen und Schülerlisten zu lesen.

Es war ein paar Tage später. Harry saß wie üblich bei seinem Frühstück und nahm den Tagespropheten zur Hand. Im nächsten Moment war er vollkommen erstarrt, während seine Augen auf der Titelseite klebten. Diese zeigte ein Bild von seinem Jüngeren Ich im Gerichtssaal. Darüber titelte die Zeitung:

Harry Potter kämpft um die Freiheit seines Paten
Harrys Atmung stockte, während er die Zeilen nur so überflog.

Für uns alle überraschend, hat sich Sirius Black, lange gesuchter Mörder von dreizehn unschuldigen Zauberern und Hexen nach seiner Flucht aus Askaban im letzten Jahr den Behörden gestellt. Mit dabei sein Patensohn Harry Potter und die berühmt-berüchtigte streitbare Anwältin Clara Ferdinand, die Antrag auf Neueröffnung des Verfahrens gegen ihren Mandanten beantragt hat, da es Beweise für dessen Unschuld geben soll.

Und so sehr wir alle wollen, dass ein Mörder auch seiner gerechten Strafe zugeführt wird, stellt sich doch die Frage, ob Sirius Black schuldig ist, wenn er von Harry Potter unterstützt wird.


Harry lehnte sich in seinem Stuhl zurück, wusste für einen Moment überhaupt nicht wie er sich fühlte. Es kam ihm vor wie ein Traum. Wenn Sirius freigesprochen wurde, standen alle Wege offen. JHarry würde bei Sirius leben können. Es war ein unglaublicher Gedanke und Harry wünschte den beiden von Herzen, dass es klappte.

Das mediale und öffentliche Interesse an dieser Verhandlung war so enorm, dass es ein Prozess in Rekordzeit wurde. Täglich gab es neue Informationen von den Zeugenanhörungen. Als schließlich Peter Pettigrew von der Verteidigung in den Zeugenstand gerufen wurde, stand die Zaubererwelt Kopf. Wenn Harry richtig zwischen den Zeilen las, hatte Remus ihn wohl aufgespürt und zur Verhandlung gebracht.

Es waren nur zwei Wochen vergangen, als die Eilausgabe des Tagespropheten Harry im Lehrerzimmer erreichte. Die Schlagzeile titelte: Harry Potter siegt: Sirius Black freigesprochen

Harry las mit heftig klopfendem Herzen die Worte, die das Leben seines jüngeren Ichs vollkommen auf den Kopf stellten. In einer Randbemerkung wurde erwähnt: Zusätzlich hat Sirius Black als Pate das Recht zur Betreuung angefordert. Nach allem, was wir wissen, stimmten Harrys Muggelverwandten zu, sodass unserer junger Harry Potter nun in der Obhut seines Paten weilt.

Harry starrte auf das Bild seines jüngeren Ichs, das glücklich zu einem strahlenden Sirius hinauf schaute. Bewunderung und Liebe waren in seinem Gesicht so offensichtlich, dass es Harry den Atem raubte. Er blickte auf das Foto, das die beiden immer wieder zeigte, wie sie Arm in Arm aus dem Gerichtsaal kamen und sich den Reportern stellten.

Harry bemerkte erst, dass er weinte, als Tränen auf die Zeitung tropften und sie durchnässten. Der Schmerz in seinem Herzen wurde größer und größer. Er freute sich so unendlich für den jungen Harry, wusste er doch genau, was ihm dies bedeutete. Und doch… er schloss seine Augen und griff sich an die Brust. Er sah Sirius durch den Vorhang fallen, hörte seinen eigenen Schrei der Verzweiflung, das unerträgliche Gefühl der Einsamkeit, das ihn danach ergriffen hatte.

"Harry!" Er sah auf. Severus stand mitten im Raum und sah ihn an. Dann fiel sein Blick auf die Zeitung, während über Harrys Wange eine weitere Träne perlte. Severus' schwarze Augen weilten auf Sirius, seine Miene so finster, sein Mund verzog sich abwertend und Harry zerriss dieser Anblick beinahe.

Dann schritt Severus entfach weiter, wandte sich ab, während Harry die Luft zum Atmen fehlte. Er wusste ja um Severus' Abneigung von Sirius. "Severus?" Seine Stimme hielt den anderen zurück. "Bitte bleib bei mir."

Angesprochener wandte sich um, die Abneigung war von seinem Gesicht verschwunden, doch da war immer noch etwas. "Ich bin nicht gut im Trösten“, sagte er zögerlich. Ihre Blicke hielten sich fest, die schwarzen Augen schienen ihm etwas sagen zu wollen, doch Harry wusste nicht, was es war. „Ich weiß nicht wie", fügte Severus dann flüsternd hinzu und Harry wusste, dass es ihn Überwindung gekostet hatte, das zu sagen. "Setz dich einfach nur zu mir und sei da“, bat Harry ihn leise.

Severus tat genau das. Trotzdem konnte Harry spüren, wie Severus’ Blick immer wieder abwertend auf Black glitt. Er konnte es verstehen, es tat trotzdem weh. Und so gerne er auch über Sirius gesprochen hätte, er wagte es nicht, dies bei Severus zu tun. So saßen sie reichlich angespannt nebeneinander. „Ich muss zurück ins Labor“, sagte Severus und Harry nickte einfach nur. „Danke, dass du geblieben bist“, sagte Harry ehrlich.

Severus nickte stumm, schnappte sich ein Buch aus dem Regal und ging. Harry sah ihm hinterher. Er wusste, dass Severus bereits einen Schritt auf ihn zugegangen war, trotzdem tat es weh, seine Gefühle nicht mit ihm teilen zu können. Er wollte Nähe, aber es gab immer noch so viele Dinge, die zwischen ihnen standen oder die es zu klären galt.

Harry nahm die Zeitung und stand auf. Er fühlte sich elendig und spürte wieder Tränen in seinen Augen brennen. Er musste mit jemandem reden und er wusste auch genau, zu wem er wollte. Noch vom Lehrerzimmer aus, flohte er zu Minerva, die in ihrem Büro war. „Hast du einen Moment Zeit?“ „Natürlich. Möchtest du herkommen?“ „Gerne.“ Harry trat durch den Kamin und stand im nächsten Moment in Minervas Büro. Minerva sah ihn abwartend an. Harry schluckte und legte ihr dann die Zeitung auf den Tisch.

Er ließ sich auf dem Sofa nieder und Minerva kam nach kurzer Lektüre des Artikels zu ihm. Als sie ihn einfach wortlos in den Arm nahm, kamen die Tränen von ganz alleine. Sie verstand ohne Worte, hatte sie doch einst gesehen, wie wichtig Sirius ihm gewesen war, als sie ihren ersten gemeinsamen Horkrux zerstörten. Diese Gefühle kehrten nun mit aller Macht zurück. Harry hielt sich an seiner Freundin fest und murmelte mit tränenerstickter Stimme: „Es war alles, was ich mir je gewünscht hatte. Eine Familie, ein Zuhause. Einen Menschen, dem ich wichtig bin und der mich um meiner Selbst willen mag.“ Harry musste innehalten, weil ihm die Stimme versagte.

„Und dann ist er gestorben, wurde mir einfach genommen und mit ihm alle Hoffnungen auf ein Zuhause in Liebe.“ Die Tränen liefen weiter. „Ich weiß, wie viel es Harry bedeutet und ich freue mich unendlich für ihn. Trotzdem ist es so schwer, es mitzuerleben.“ Wie es Minervas Art war, hielt sie ihn einfach, gab ihm mit ihrem Mitgefühl und ihrer Anwesenheit den Halt, den er brauchte.

Die Tränen versiegten, das Herz wurde ihm etwas leichter und er löste sich von seiner besten Freundin. Diese reichte ihm ein Taschentuch und Harry schnäuzte sich lautstark. „Besser?“, fragte sie, während eine Hand noch immer unterstützend an seinem Oberarm weilte. Harry nickte. „Möchtest du nachher mit mir ins Drei Besen gehen und eine Kleinigkeit essen? Mir wäre nach ausgehen heute Abend.“ „Nur wir zwei?“, fragte Harry überrascht zurück. Minerva sah ihn wissend an. „Ich verstehe. Freitagabend möchtest du wohl lieber in den Kerkern verbringen.“

Harry senkte verlegen den Kopf. „Schon, nur weiß ich nicht, ob Severus versteht, warum ich bei ihm sein will.“ Minerva schmunzelte und ergriff seine Hand. „Der Mann hat die letzten vierzehn Jahre allein in seinem Kerker verbracht. Natürlich fällt es ihm schwer, das Konzept der Zweisamkeit umzusetzen.“ Harry nickte geschlagen.

Minervas Finger unter seinem Kinn ließ ihn aufsehen. „Das sollte dich aber nicht davon abhalten, es zu tun.“ Ihre Augen funkelten verschwörerisch und Harry schmunzelte. Er hatte verstanden, was sie ihm sagen wollte. Er beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Danke. Für alles“, flüsterte er und Minerva nickte ihm lächelnd zu.

Es war wenige Stunden später, als Harry nervös in Richtung Kerker ging. Er war schon oft in seinem Leben mit diversen Gefühlen in den Kerker gelaufen, aber ein heftig klopfendes Herz war definitiv ein ungewöhnliches Gefühl. Seit ihrem Gespräch über den Status ihrer Beziehung zueinander, hatte Harry es noch nicht gewagt, den anderen in seinem Quartier aufzusuchen. Doch das wollte er heute ändern, denn Minerva hatte recht. Er wusste immerhin, dass Severus’ Räumlichkeiten in der Nähe seines Büros hinter dem Porträt von Hector Dagworth verborgen lagen.

Seine Hände schwitzten doch tatsächlich, als er nun die rechte hob, um zu klopfen. Es dauerte etliche Momente, dann wurde die Tür geöffnet und Severus sah ihn leicht überrascht an. Harry zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Ich vermisse dich“, sagte er dann einfach und zu seiner Freude, wurde ihm die Tür weiter geöffnet. Er trat ein.

Überrascht stellte er fest, dass er in einem Wohnzimmer mit Teppichboden stand. Er sah sich interessiert um. Der Teppich war weich und hellbraun, es war warm und gemütlich in Severus’ Räumen. Überall standen Bücherregale. Nur vor dem Feuer gab es einen Sessel und ein Sofa. Es war offensichtlich, dass Severus beinahe ausschließlich auf dem Sessel saß, sah das Sofa doch eher unbenutzt aus. Es gab noch drei weitere Türen, die Harry aber nicht weiter beachtete.

Er wandte sich Severus zu, der ihn anscheinend die ganze Zeit gemustert hatte. Es war deutlich, dass Severus nicht wusste, was genau passieren wollte. Harry fragte daher: „Was würdest du jetzt machen, wenn du alleine wärst?“ „Vor dem Feuer sitzen und lesen.“

Harry schmunzelte. „Wäre es möglich, das mit mir auf dem Sofa zu tun?“ Severus sah ihn etwas fragend an, ging dann aber doch mit seinem Buch zum Sofa. Harry ließ sich direkt neben ihm nieder, ihre Oberschenkel berührten sich. Harry war sich bewusst, dass Severus jede seiner Bewegungen genau beobachtete und so griff er einfach in seine Tasche. Auch jetzt, nach über drei Wochen in Hogwarts hatte er sich noch nicht überwinden können, sie abzulegen. Die Melancholie, die er noch so oft spürte, drohte an die Oberfläche zu kommen, doch Harry schüttelte sie ab und griff stattdessen nach dem Buch, das er zur Zeit las. Er hatte es geistesgegenwärtig eingepackt. Er schlug es auf und setzte seine Lektüre fort.

Er spürte Severus’ Blick auf sich. „Was bezweckst du?“, fragte dieser dann und Harry sah von seinem Buch auf. Er blickte in schwarze Augen und entgegnete offen: „Ich möchte bei dir sein. Ich möchte, dass wir uns aneinander gewöhnen. Deswegen sitze ich hier einfach bei dir und du tust das, was du eh getan hättest. Nur, dass wir zusammen sind.“ Harry richtete seine Konzentration wieder auf sein Buch. Es dauerte noch einige Momente, dann tat Severus es ihm gleich.

Harry schmunzelte, während er das Feuer im Kamin knacken hörte. Es war einfach schön und Harry spürte erneut, wie sicher und wohl er sich in der Gegenwart des anderen fühlte. Da war so ein innerer Frieden. Für einen Moment schloss er die Augen, versuchte alles in sich aufzunehmen, was er spürte, hörte und roch. Severus war bei ihm, lebte, atmete, roch fantastisch und erwiderte seine Gefühle.

Harry öffnete schlagartig seine Augen, als ein Finger über seine Wange streichelte. Er blickte zu Severus, der ihn mit einem unglaublich tiefen Blick ansah. Harry vergaß zu atmen. Der Finger wanderte über seinen Kiefer, seinen Hals hinab und Harry erzitterte. „Ich darf das einfach tun?“, fragte Severus flüsternd, schien selbst gebannt von diesem unerwarteten Moment der sinnlichen Zweisamkeit zu sein.

„Jederzeit“, gab Harry atemlos zurück. Severus’ Hand kam warm auf seinen Schlüsselbeinen zum Ruhen, noch immer hielten sich ihre Blicke fest. Schwarze Augen huschten zu seinen Lippen und Harrys Herz pochte noch heftiger. Dachte Severus daran, ihn zu küssen? Ein nervöses Lächeln glitt über seine Züge. Harry befeuchtete seine Lippen. „Auch das darfst du jederzeit tun“, entwich es ihm erwartungsvoll.

Als jetzt ein ach so sanftes Schmunzeln auf Severus’ Zügen erschien, zog es Harry die Füße weg und er glaubte zu schweben. „Man könnte meinen, du hättest Legilimentik gelernt“, flüsterte Severus neckend, während er sich langsam nach vorne beugte und dann Harrys Lippen mit dem lang ersehnten Kuss endlich verschloss. Harrys Arme schlangen sich um den anderen, während sie ihren Kuss vertieften.

Als sie sich schließlich atemlos trennten, blickten sie in erhitzte Augen. „Definitiv etwas, das ich alleine nicht gemacht hätte“, murmelte Severus. Harry senkte kurz den Blick. „Stört es dich?“, fragte er leise.

„Nein“, gab Severus zurück, hauchte einen weiteren Kuss auf Harrys Lippen und konzentrierte sich dann wieder auf seine Lektüre. Harry lächelte. Das war ein vielversprechender Anfang.

***
Fortsetzung folgt…

Stimmt ihr Harry zu? xD
Ich freue mich auf eure Kommentare. :-D

Wir lesen uns.
Eure Krissy
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