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Hungry Eyes

KurzgeschichteRomance, Freundschaft / P18 / Het
Borussia Dortmund
25.03.2021
14.10.2021
15
62.010
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14.10.2021 4.020
 
Erneut atmete der blonde Fußballer die Abendluft auf seinem großzügigen Balkon in Dortmund ein und wieder aus. Dabei schloss er kurz seine Augen, um wieder die Augen von Merle vor sich zu sehen. Sofort öffnete er sie wieder und blinzelte in die untergehende Sonne. Sein Magen rebellierte bereits den ganzen Tag und grummelte erneut, als er sich vom Geländer hochstützte und seinen Blick von der Sonne abwand und auf den Betonboden sah. Er selbst wusste nicht, wie sehr man einen Mannschaftskollegen am liebsten in die Hölle wünschen würde, obwohl das rein menschlich gesehen nicht gerade nett war. Dennoch hätte er Erling am liebsten zum Mond geschossen. Gerade, wo er sich endlich mal einen Ruck gegeben hatte und mit der hübschen Hamburgerin über sich und die Situation sprechen wollte, kam sein vermeidlicher Kumpel an und unterbrach den Augenblick, wo er in ihren grünen Augen versank. Er hatte zwar gehört, wie Marius ihrem Mannschaftskollegen lautstark eine in den Nacken geklatscht hatte, als er ihn von Merle und sich wegzog, aber es brachte den Augenblick nicht zurück, wo er sich so viel vorgenommen hatte. Seine Mauer hatte sich erneut hochgezogen, die kurzzeitig bei ihrer Berührung gebröckelt war und er sich an den Abend zurückversetzt fühlte, als sie gemeinsam bei ihr im Bett lagen. Sie in seinen Armen, was sich für ihn ungewohnt, aber wirklich gut angefühlt hatte. Erneut sog er die Luft ein. Wieso musste auch ausgerechnet sein Kumpel die unnötigste Frage der Fragen stellen, ob man noch gemeinsam am See Grillen wollte? Kopfschüttelnd dachte er an die Situation zurück und könnte sich dafür ohrfeigen, dass er mit Merle über Essen gesprochen hatte, als über sein ursprüngliches Vorhaben und nachdem die anderen aus dem See dazustießen sein Mut und die Überzeugung komplett flöten gegangen waren.
Langsam zog er sein Handy aus der Hosentasche und betrachtete das Display. Er wusste nicht worauf er wartete. Er hatte es jeden Abend seit dem Gewitter betrachtet und gehofft, dass da vielleicht eine Nachricht erscheinen würde. Eine Nachricht, die vielleicht endlich mal was bei ihm ändern und bewirken würde, aber das kam nicht und heute? Heute hatte er schon so oft ihren eingespeicherten Namen im Handy angesehen, sich aber nicht überwinden können. Schließlich war sie es, die alles in Frage stellte, wobei er selbst erkannte, dass er vieles selbst verbockt hatte. Nicht nur mit ihr. In den letzten Tagen musste er sich eingestehen, dass einiges in seinem Leben nicht immer fair war, gerade wenn es um Frauen ging. Selbst gegenüber Missy hatte er ein schlechtes Gewissen.
Wieder hielt sein Finger kurz über ihrem Namen an und etwas blockierte ihn. Er verdunkelte das Display wieder und schob es zurück in die Hosentasche. Ihm war bewusst, dass sie ihn verändern könnte, dass sie was in ihm auslösen konnte, was er lange versucht hatte zu unterdrücken, aber die Frage dahinter war weiterhin, ob er sich wirklich darauf einlassen konnte. Wollte er sich verletzlich machen? Wollte er wieder eine Beziehung und sich dafür hingeben? Alles das hätte er ihr am liebsten heute gesagt, um sich zu erklären. Er wusste schließlich endlich, was er brauchte und er war bereit darüber zu reden. Offen und ehrlich.
Automatisch fuhr er mit seinen Fingern durch seine Haare. Sein Blick nochmals zu der fast verschwundenen Sonne, als er sich aufrichtete und sein Gefühl in der Magengrube sich langsam auflöste. Er wusste, was er zu tun hatte, um überhaupt wieder ruhig schlafen zu können oder essen oder gar vernünftig Fußball zu spielen. Wahrscheinlich war es einfach an der Zeit einen verlorenen Julian hervorzuholen, den es lange nicht mehr gab. Wie oft hatte er mit Marius darüber diskutiert, dass Merle ihn zu einem anderen Menschen machte und er es immer wieder abstritt, aber so langsam musste er sich eingestehen, dass da wirklich ein anderer Julian war.
Einer der Gefühle zeigen konnte, einer der eifersüchtig auf einen seiner besten Freunde war. Schmunzelnd über sich selbst und die heutige Situation zwischen Merle und Marius bewegte er sich langsam vom Balkon in die Wohnung. Wie konnte er auch nur ansatzweise denken, dass sein Kumpel sich an sie ranmachen würde. Wie sauer er doch gewesen war und Marius ihm erstmal eine Predigt gehalten hat, dass er selbst Schuld war, wenn er nichts tut, aber er selbst nicht derjenige war, der sie an flirten würde, aber wenn Julian selbst so weitermachen würde, es ein anderer tun würde. Sein Mannschaftskamerad hatte absolut recht gehabt.
Was ist, wenn ein anderer sein Interesse an ihr zeigen würde? Würde es ihn stören? Diese Frage hatte er sich lange nachts immer wieder gestellt. Normalerweise war er froh, wenn er die Weiber los war und er hätte es auch bei Merle so unterschrieben, aber seit dem Abend stieg seine Eifersucht und das hatte er erst akzeptiert, wenn Marius in seinem Beisein mit ihr telefonierte oder mit ihr schrieb und er sich wünschte, es wäre seine Nummer. Wie er sich wünschte, er wäre einfach Marius. So unbeschwert mit ihr Lachen. Ohne diese Anfeindungen. Hamburg Bremen. Das war ihm egal. Was anfangs ein interessantes heißes Spielchen war, wandelte sich in eine Begierde, die er stillen wollte. Und das nicht erst in ein paar Tagen, sondern sofort.
Kurzerhand griff er nach dem Wasserglas, welches auf dem Tisch stand und leerte es in einem Zug. Er wusste, dass diese Idee, die ihn gerade überkommen war, wahrscheinlich die riskanteste und mit die Dümmste sein würde, die er jemals hatte. Dennoch konnte er nicht anders. Er musste seinem Drang nachgehen und sie sehen. Auch, wenn er spät abends bei Jannis in der Wohnung einfallen würde und sein Bruder wahrscheinlich fragen würde, ob er noch ganz bei Sinnen war. Aber die Frage konnte Julian sich selbst beantworten. Nein, er wusste selbst nicht, was er tat, als er nach dem Schlüssel auf seinem Board im Flur griff und dabei in seine Schuhe schlüpfte. Er atmete noch einmal kurz durch und hinterfragte nochmal kurz seine völlig spontane und risikobehaftete Idee, als er nach der kühlen Türklinke griff und damit ruckartig die Tür öffnete.
Eigentlich wäre er am liebsten die Treppen runter gestürmt zur Tiefgarage um schnellstmöglich zu seinem Auto zu gelangen, aber er blieb wie angewurzelt auf der Türschwelle stehen. Kurzzeitig dachte er, dass er träumen würde, als er die Person vor sich auf seiner Fußmatte musterte. Die blonden Haare zu einem Zopf gebunden, die Wangen leicht gerötet und ihre Hand kurz vor der Türklingel. Wahrscheinlich hatte wieder jemand unten vergessen die Tür zu schließen. Dennoch spürte er, wie sein Herz gegen Brustkorb schlug und er kaum glauben konnte, dass sie vor ihm stand. Er trat einen kleinen Schritt zurück, damit er Merle besser ansehen konnte, die reichlich verunsichert wirkte.
Eine angespannte Stille legte sich über die beiden und Julians Magen rumorte wieder. Seine Einstellung gegenüber Merle hatte sich schlagartig wieder hinter einer Mauer versteckt und seine Bedenken drückten sich in den Vordergrund. Was ist, wenn sie dich auch verletzt? Was ist, wenn sie dir jetzt sagt, dass das alles ein Ende haben muss? Was ist, wenn sie dich darum bittet, sie in Ruhe zu lassen? Würde er damit klarkommen? Würde er damit klarkommen, wenn er sich voll und ganz auf sie einließe und sie ihm dann sagen würde, dass das Leben mit einem Fußballer nicht ihren Vorstellungen entspricht?
Seine Zweifel überschlugen sich innerlich und auch, wenn er nach außen immer den harten selbstbewussten Kerl gab, so war er innerlich zerbrechlich wie einfaches Glas. Für ihn wirkte es fast so, als hätte sie den Stein in der Hand, der sein Haus zum Einstürzen bringen konnte. Er wollte solche Gefühle nie wieder entwickeln, aber mit ihr war es anders.
„Was…?“, fand er kurz seine Sprache wieder und wollte den Satz am liebsten zu Ende führen, als er mit einem Ruck in seine Wohnung gedrückt wurde und perplex Merles Lippen auf den seinen spürte. Sein Herz sprang im Salto und seine Hand konnte gerade noch so den Mechanismus ausführen, dass er die Tür zufallen ließ. Wie ein Klammeräffchen hatte die Hamburgerin ihre Arme um seinen Nacken gelegt und drückte ihren Körper gegen seinen. Ihre Lippen pressten immer weiter gegen die von Julian, dessen Kopf inklusive Körper komplett überfordert waren. Dennoch ermahnte er sich die gleichen Fehler wieder zu begehen. Seine Hände platzierten sich auf ihren Hüften und schoben sie mit leichtem Druck von sich weg. Innerlich tat es ihm schon weh, dass er den Kuss damit unterbrach. Ihre Augen schimmerten ihn an und er wusste, dass ihre Überzeugung, was sie gerade getan hatte auch zerbrach.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“, flüsterte Julian und legte dabei eine Hand auf ihre Wange, um mit dem Daumen über ihre weiche Haut zu streichen. Ihre Augen fixierten dabei die seinen, als er spürte, wie sich auf ihr Gesicht ein kurzes Lächeln zog und sie wieder die Nähe zu ihm suchte. Ihre Hand, die sie auf seiner Brust platziert hatte, nachdem er sie ein wenig weggedrückt hatte, schob sich wieder in seinen Nacken. Dort spürte er, wie ihre Fingerspitzen auf und ab wanderten und leicht mit seinen Haaren spielten.
„Lass uns nicht drüber nachdenken.“, hauchte sie ihm entgegen. Er wusste nicht, welchen Sinneswandel sie erlebt hatte und warum sie auf einmal seinen Part übernahm, aber anscheinend erging es ihr nicht anders wie ihm. Und jetzt fiel bei ihm der Groschen, als er durch ihre Berührung eine Gänsehaut bekam. Bei der Verabschiedung am See hatte sie sich bereits genauso verhalten. Ihre Finger hatten sich auch kurz in seinen Haaren vergraben und ihn ganz leicht massiert, bis Marius räuspernd neben den beiden stand. Es war unterbewusst, aber anscheinend sollte es ein Zeichen an ihn sein. Sofort drückte er die Kleinere wieder an sich. In seinem Kopf herrschte weiterhin das für und wider für die Situation, aber er wollte, dass es still wurde und ließ sich in der Situation fallen. Anscheinend hatten sich beide unbewusst danach verzehrt und gingen, wie auch schon in den Monaten zuvor ihren Trieben nach. Julian legte seine Lippen wieder auf ihre, um den abgebrochenen Kuss fortzusetzen. Er spürte, wie sie dabei leicht lächelte und sich noch mehr an ihn presste. Kurzzeitig schob sich Marius in seine Gedanken, der vielleicht auch einen großen Anteil daran hatte, aber was auch immer passiert war, dass er zu ihr fahren wollte und sie vor seiner Tür stand, dafür war er mehr als dankbar.
Langsam führte er Merle in sein Schlafzimmer, wo er sie kurzerhand auf dem Bett platzierte und sich über sie lehnte. Ihr Zopfgummi hatte sie bereits auf dem Weg verloren und ihre Haare lagen breit gefächert auf seiner Bettdecke. Das leichte Licht der Straßenlaternen ließen das Zimmer ein bisschen heller werden, aber nur soweit, dass es der Stimmung keinen Abbruch tat. Julian spürte, wie bereits seine Männlichkeit zwischen seinen Lenden zog, als er von ihren Lippen abließ und sich an ihrem Hals zu schaffen machte und vorsichtig mit den Händen die Träger ihres Tops dabei herunterschob. Dafür liebte er den Sommer absolut. Zaghaft bedeckte er ihre Schlüsselbeine mit Küssen, als er ihre Hände bereits unter seinem Oberteil spürte.
Kurzerhand richtete er sich auf und das Shirt landete unachtsam auf dem Boden. Ihre Finger glitten dabei über seine Bauchmuskeln. Er fühlte, wie sie ein wenig unter ihm wegrutschte und sich ebenfalls aufrichtete, um das störende Stück Stoff zu entfernen. Zumindest eines. Denn der trägerlose BH war ihm direkt ein Dorn im Auge, als er wieder zu ihr auf rutschte und sich seitlich neben ihr platzierte. Er sah genau ihre fragenden Blick, als er sich hinter ihr platzierte und ihre Haare über eine Schulter schob. Danach massierte er kurzerhand ihre Schultern und setzte ab und zu ein paar Küsse in ihren Nacken. Kurze Zeit später konnte er mit einem geschickten Griff den Verschluss öffnen und das gute Stück Spitze landete ebenso auf dem Parkett, seine Hände hingegen ließen nicht von ihrem Rücken ab und er massierte und liebkoste sie weiter, bis er sich auch von hinten an ihrer Vorderseite zu schaffen machte.
Er wusste nicht, warum er sich gerade so besonders viel Mühe gab, eine schnelle Nummer war eigentlich mehr sein Ding, aber er selbst wollte die Intimität genießen und voll auskosten. Ohne das vorhergegangene Gezicke fühlte es sich viel schöner und entspannter an. Ebenso spürte er, wie sie sich immer weiter unter ihm entspannte, als seine Hand den Weg in ihre Hose fand und er sie anfing dort zu liebkosen. Ihre unkontrollierten Bewegungen und das leichte Stöhnen, machten ihn noch viel mehr an und er wusste, dass sie Wachs in seinen Fingern war. Dementsprechend entfernte er seine Hand und drehte ihren Kopf zu sich, was beide wieder in einen leidenschaftlichen Kuss verwickelte.
Dabei hockte sie sich wieder vor ihn und er konnte mit geschickten Handgriffen ihre Shorts öffnen. Er fuhr mit leichtem Druck über ihr Brustbein und signalisierte ihr somit, dass sie sich auf den Rücken legen sollte. Ohne Worte verstand sie und seine Hände konnten die kurze Hose inklusive ihres Slips entfernen. Erneut lehnte er sich leicht über sie und spürte beim Kuss, wie sie ebenfalls seine Knöpfte löste und sich unter ihm aufbäumte, um ihn kurz am Ohr zu beißen.
„Ich will dich, Bremer.“, hauchte sie dort hinein, als ihm ein kurzes Lachen entfuhr und er sich ermahnte die Stimmung mit einem Konter zu zerschlagen. Lieber stand er auf, ließ auch seine letzten Sachen auf den Boden fallen und griff geistesgegenwärtig noch nach einem Kondom. Anschließend wollte er sich wieder auf ihr platzieren, als er sah, wie sie auf dem Bett hockte und ihn lasziv im Schein der Straßenlaternen angrinste. Egal, was mit ihr passiert war, er liebte es. Bei dem Gedanken stockte er kurzerhand, schüttelte aber diesen ab und ging wieder zu ihr, als sie ihn auf den Rücken dirigierte und sich über ihm platzierte. So dominant kannte er sie nicht, aber er konnte auch nicht leugnen, dass es ihm nicht gefiel. Ihre Lippen fanden erneut die seinen. Ihre Hände glitten wieder über seine Brust, was ihm eine Gänsehaut bescherte und als er spürte, wie sie die Führung übernahm, genoss er es einfach nur.

Schwer atmend lag Julian im Bett und glaubte immer noch zu träumen. Er konnte immer noch nicht fassen, dass Merle wirklich neben ihm lag. Sie war bereits eingeschlafen, aber seine Gedanken ruhten nicht. Er spürte wie sich die Zweifel wieder in den Vordergrund drückten. Willst du wirklich eine Beziehung? Bist du dafür bereit? Wolltest du dich nicht erstmal auf den Fußball konzentrieren? Bist du genug für sie? Immer wieder drängte sich die Stimme in seinen Kopf, als er mit der Hand durch seine nassen Haare fuhr und zu der Blonden neben sich schaute. Er mochte sie, keine Frage. Der Abend mit ihr war unglaublich gut gewesen, wie in Bremen, aber reichte es für mehr? Reichte es, dass sie darauf eine stabile Beziehung aufbauen konnten? Wollte sie das überhaupt oder spielte sie jetzt ein Spiel mit ihm?
Kurzerhand entschloss der Fußballer sich leise aus dem Bett zu schleichen und seine Boxershorts anzuziehen. Sein Weg führte ihn in die Küche, als er leise die Schlafzimmertür geschlossen hatte und machte sich dort ein Glas Leitungswasser, ehe er in die abgekühlte, aber dennoch warme Sommerluft auf den Balkon hinaustrat. Er ließ sich auf einem seiner Loungemöbel nieder und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Er musste sich entscheiden, was er wollte. Ob er sie wollte. Wahrscheinlich hatte sie ihren ganzen Mut zusammengenommen und hatte alle ihre Zweifel über Bord geworfen, um auch für sich rauszufinden, was das nun alles bedeutete. Ob der Sex eine gute Idee dafür war, würde er bezweifeln.
„Julian?“ Eine leichte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken, als er sich herumdrehte und Merle im Türrahmen sah, die sich mit seinem Shirt bekleidet hatte. Ein wenig unsicher sah er sie an und erkannte, dass ihre Augen leicht gerötet waren.
„Hast du geweint?“, fragte er daher umgehend, als sie kurzerhand mit den Schultern zuckte und er sah, wie sie sich auf die Unterlippe biss. Die sonst so taffe Hamburgerin schien gerade jegliche Mauern fallen zu lassen. Sofort stellte der Fußballer sein Glas auf dem vor ihm stehenden Tisch ab und eilte zu der Blonden. Er schloss sie direkt in seine Arme und spürte, wie sie diese erwiderte. Ohne Worte drückte er ihr einen leichten Kuss aufs Haar und strich ihr über den Rücken. Für ihn vergingen gefühlte Stunden, als er spürte, wie das Beben unter seinen Händen weniger wurde und die Blonde sich von ihm entfernte. Sie wischte sich kurz mit dem Handrücken über ihre Wangen.
„Können wir reden?“, fragte sie in die Stille der Nacht, als Julian sofort nickte. Er wollte wissen, was sie zu so einem Gefühlsausbruch trieb beziehungsweise was dieser Abend zu bedeuten hatte. Julian ließ sich auf einem Sofa nieder und Merle platzierte sich direkt daneben. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Vielleicht war es auch einfach ein Abschied, dass die beiden jetzt damit abschließen sollten, aber allein bei dem Gedanken spürte er, wie es in seiner Brust schmerzte. Nervös spielte sie mit dem Saum seines Shirts, als er sie betrachtete und sah, wie schwer es ihr fiel jetzt den Anfang zu machen. Er konnte sich kaum daran erinnern, sie mit so einer leichten Stimme gehört zu haben. Eigentlich nie, schließlich hatten sie sich immer nur an gezickt.
„Du fragst sich sicherlich, was das hier sollte.“, startete sie und Julian nickte einfach nur, „Ich habe lange darüber nachgedacht, was das mit uns ist und was daraus werden könnte. Ich wusste nach dem Abend nicht, in welcher Position wir standen und ob du es genauso genossen hast, wie ich, aber…“
Sie stockte, als sie spürte, wie Julian nach ihrer Hand griff.
„Ich weiß, was du meinst. Hör mal Merle. Ich war wirklich überfordert an dem Abend. Ich spürte auf einmal wieder eine angenehme Nähe und ein Gefühl, was ich nicht kannte. Ich wollte mich melden, aber ich…“
„Du hast dich nicht getraut, weil du Angst hattest, wie ich reagieren würde.“
„Woher…“
„Auf die Gefahr hin, dass du ihn erhängen wirst. Bevor ich hierher gefahren bin, habe ich noch lange mit Marius zusammengesessen und über dich gesprochen. Er konnte einfach nicht mehr mit ansehen, wie wir beide uns ungewollt gegenseitig wehtun. Er hat mir sogar erklärt, dass man als Hamburgerin trotzdem in den Himmel kommt, wenn man einen Bremer gut findet.“ Dabei musste sie kurz lachen, was Julian ein wenig den Druck von der Brust nahm, auch wenn er sich jetzt zweimal überlegen musste, ob er Marius was anvertraut, „ Wie dem auch sei, hat er mir gesagt, ich soll zu dir fahren. Egal, ob wir reden oder sonst was tun, ich sollte meinen Gefühlen freien Lauf lassen und da du nicht so der Wortgewandteste bist, habe ich gedacht, dass wir die Körper sprechen lassen.“ Dabei sah sie den Fußballer an, dessen Kopf langsam alles aufsaugte.
„Das hat ja wunderbar funktioniert.“ Ein leichtes Lachen entfuhr Julian bei seinen Worten und auch Merle musste kurzerhand lächeln.
„Julian, ich möchte dir eigentlich sagen, dass du mir nicht so egal bist, wie ich es gerne hätte und als ich gerade wach wurde und du weg, da dachte ich, dass du wieder vor dem davon rennst, was dir am meisten wehtut.“ Dabei biss sie sich auf die Unterlippe und der blonde Mittelfeldspieler wurde hellhörig.
„Was hat Marius dir noch erzählt?“
„Nur, dass du ein Problem hast Nähe zuzulassen, was ich ja auch bereits wusste, aber die Hintergrundgeschichte wollte er mir nicht sagen. Ich habe Angst, wenn ich mich auf dich einlasse, dass du mir nochmal so wehtust.“ Die letzten Worte kamen gebrochen aus ihrem Mund und Julian fühlte, wie innerlich etwas in ihm zu Bruch ging, als hätte sie den Stein mit voller Wucht in Richtung seines Herzens geworfen. Sofort rückte er an sie heran und schloss sie erneut in seine Arme.
„Merle. Ich würde dich nicht noch einmal so verletzten, wie ich es bereits getan habe.“, murmelte er an ihr Ohr und drückte sie kurzerhand von sich weg, um ihre Tränen wegzuwischen, „Ja, ich habe Bindungsängste, weil meine damalige Freundin mich hintenrum mehrheitlich nur benutzt hat und sie sich zum Gegenteil veränderte und es wird schwierig werden, dass ich mich öffne, aber du hast mir gezeigt, dass es jemanden gibt, der mir helfen kann daran zu arbeiten.“
Ungläubig schaute die Hamburgerin ihn an.
„Zuerst fand ich dich unglaublich nervig und wollte wirklich nur meinen Spaß mit dir. Ich liebte ein bisschen das Katz und Maus Spiel mit dir. Aber als sich unsere Wege trennten, spürte ich, dass da was war, was vorher nie da war. Ich vermisste dich. Ob es deine dämlichen Sprüche waren oder diese Anziehung zwischen uns. Ich habe keine Ahnung.“
„Du meinst?“, fragte Merle und Julian nickte.
„Ich würde gerne sehen, worauf das hier hinausläuft.“, beendete der Fußballer ihren Satz, „Eine Hamburgerin hatte ich schließlich noch nie auf einem Date.“ Für diesen Spruch kassierte er direkt einen Schlag gegen die Brust.
„Wer weiß, ob du jemals wieder eine bekommen wirst.“, konterte die Blonde direkt, als beide spürten, dass es zu ihrer Normalität gehörte.
„Wer weiß, ob ich jemals eine andere möchte.“, flüsterte Julian kaum hörbar und zog die Blondine zu sich heran, um ihr einen Kuss aufzudrücken, als sie diesen wieder unterbrach. Erneut wurde sie nervös und sah ihn an, was er zunehmend niedlicher fand. Er mochte zwar die taffe junge Frau, aber wenn sie so unschuldig wirkte, was sie nicht mal ansatzweise war, konnte er sich kaum entscheiden, was ihm lieber war.
„Wie geht es jetzt weiter?“, sprach sie ihren Gedanken aus und auch Julian hatte sich mit der Frage nicht wirklich beschäftigt. Klar, sie hatten sich ausgesprochen. Sie wusste über seine Gefühle Bescheid, er über ihre, aber wirklich Klarheit war daraus nicht entstanden. Er selbst war schließlich auch keiner der sich in dem Bezug gerne festlegte, aber anscheinend gehörte das jetzt dazu.
„Ich würde dich gerne morgen zum Essen einladen und Marius sagen wir am besten erstmal nichts, sonst fühlt er sich noch wie der King, weil er das alles in die Wege geleitet hatte.“, antwortete Julian und strich der Hamburgerin kurzerhand eine Strähne aus der Stirn.
„Aber er ist nun mal der King.“ Sie zuckte bei der Aussage mit den Schultern, „Und wo gehen wir essen?“
„Lass dich überraschen.“, murmelte Julian und sah, wie Merle mit ihren Augen kämpfte. Wahrscheinlich brannten die wie Feuer, nachdem sie so viel Tränen vergossen hatte, „Und jetzt sollten wir ins Bett gehen, damit du morgen frisch aussiehst.“ Die Hamburgerin nickte zustimmend, als sich beide erhoben und wieder gemeinsam Julians Schlafzimmer ansteuerten, wo sie sich zusammen unter seine Decke legten und sie wieder ihren Kopf auf der Brust von ihm platzierte und er seinen Arm um sie schloss. Genauso, wie sie es bereits beim Gewitter getan hatten.

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Ja moin meine Lieben,

was soll ich sagen... Nachdem ich heute Morgen unter der Dusche stand und auf einmal Julian meinte, ey ich will das nächste Kapitel aus meiner Sicht, da dachte ich mir so, okay gut, probieren wir es mal und es flowte von dem ersten Satz.

Ich muss sagen, dass es einer meiner Lieblingskapitel geworden, warum auch immer, ich weiß es nicht... Aber ich mag es total und gerade beim Drüberlesen war ich nochmal stolz auf mich :D... Und das ist tatsächlich super selten...

Anscheinend brauchten die beiden einfach das so, wie es da jetzt gelaufen ist... Ich weiß auch nicht, was Merle da geritten hatte, aber Julian gefällt es... Mir gefällt es... Das muss reichen :D...

Ich fand das Gespräch der Beiden auch echt süß und Julians Gedanken... Ach ich könnte ewig so weiterschreiben, aber gut...

Was ich leider sagen muss... Das war in der Tat das letzte offizielle Kapitel... Es folgt noch ein Epilog und dann wars das hier auch... Ich wollte für die beiden noch ein Ende und das bekommen sie... Ich fühle mich damit auch wirklich erleichtert... Ich könnte mit Sicherheit noch viel mehr schreiben, aber es fühlt sich nicht richtig an, das jetzt in die Länge zu ziehen, gerade mit der langen Pause dazwischen... Daher hoffe ich, dass ihr das hier genossen habt...

Ich freue mich von euch zu lesen und möchte mich hier auch nochmal bei den tollen Kommentaren bedanken, die mich erreicht haben. Es freut mich, dass doch noch so viele Leser vorhanden sind.

Bis zum Epilog und bleibt gesund <3
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