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Spock and James

von Kessy
GeschichteSchmerz/Trost / P16 / MaleSlash
James T. Kirk OC (Own Character) Spock
24.03.2021
14.09.2021
22
40.709
12
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
14.09.2021 1.767
 
Hallihallo an alle!

Zuerst einmal vielen Dank für die lieben Reviews, ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut!
Und auch danke an alle, die noch immer mit dabei sind! Endlich geht es weiter!

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
_____


Exakt 30 Minuten wartete Spock vergebens auf Jins Rückkehr, so geduldig es ihm in seiner Situation eben möglich war und als nach eben jenen 30 Minuten das Prasseln des Wassers noch immer deutlich hörbar war, klopfte Spock leise an die Tür.
"Captain?", fragte Spock. Jim antwortete nicht und wäre es nicht um ihr Bond, wäre Spock sicher um seine Gesundheit besorgt. Doch auch jetzt, wo seine mentalen Schilde wieder aktiv waren, wusste er, dass es Jim - den Umständen entsprechend - gut ging. "Captain, wenn Sie nicht antworten, sehe ich mich gezwungen, hereinzukommen.", verkündete Spock. Der Vorsatz, Jim nicht zu bedrängen kollidierte in diesem Monent heftig mit seinem Wunsch, Jim zu beschützen. Als Jim auch dieses Mal nicht antwortete, liess Spock seinen Worten Taten folgen. "Ich komme jetzt herein.", warnte er seinen Captain vor, bevor er die Türklinke herunterdrückte und in das kleine Badezimmer trat.
Überraschung und auch Verzweiflung waren es, die Spock in sich aufwellen fühlte, als er Jim, noch immer völlig bekleidet, zusammengekauert in der Dusche vorfand. Seine Finger umfassten die Türklinke fester und sein Verstand versuchte in Rekordzeit einen Vorschlag zu formulieren, welches jetzt die richtige Vorgehensweise wäre. Seine menschliche Hälfte jedoch sendete ihm den Impuls, den völlig durchnässten und äußerst jämmerlich wirkenden Jim in eine tiefe Umarmung zu schließen.
"Hätte nicht gedacht, dass Sie wirklich hereinkommen würden.", sagte Jim und versuchte sich an einem Lächeln - es scheiterte kläglich. "Vulkanier lügen nicht.", erwiderte Spock. Jim wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, was äußert unlogisch war, da das Wasser sie schon längst hinfort gespült hatte. "Captain.", begann Spock, unsicher, was er sagen sollte. Er stand noch immer auf der Türschwelle. Die ganze Situation war so unglaublich abstrakt, dass seine vulkanischen Denkstrukturen maßlos überfordert waren. Jim gab ein leises Schnauben von sich. Spock atmete tief durch und begann noch einmal von vorne. "Jim." Dieses Mal traf ihn ein Blick aus blauen Augen, der so viele Emotionen in sich trug, dass es Spock unmöglich war, sie alle zu benennen. Dann entschied er sich, für diesen Moment alle Logik beiseite zu legen und seine menschliche Hälfte regieren zu lassen: Er entließ die Türklinke aus seinem harten Griff, machte einen grossen Schritt auf Jim zu, kniete sich zu ihm nieder und zog den patschnassen, völlig überrumpelten Captain in seine Arme. Wie von selbst legte sich seine rechte Hand auf Jims Hinterkopf und vergrub sich in die nassen, Blonden Haarsträhnen. Jim versteifte sich erst, ob der unerwarteten Berührung und letztlich erwiderte er die Umarmung mit einer solchen Verzweiflung, dass es Spock das Herz zeriss.

Jim konnte nicht sagen, wie lange sie noch gemeinsam eng umschlungen halb unter der Dusche und halb auf dem Badezimmerboden gesessen waren und ein irrwitziger Teil in ihm sagte ihm, dass Spock es ihm sicher auf die Sekunde genau hätte sagen können, wie viel Zeit vergangen war, bis Spock sich ein wenig von ihm löste, um das Wasser abzustellen. Jim hätte sich am Liebsten wieder enger an ihn gekuschelt und die starken, schützenden Arme um seinen Körper noch länger genossen, aber der rationale Teil seines Verstandes geriet wieder an die Vorherrschaft und befahl ihm, sich vollständig von dem Vulkanier zu entfernen. Da saß er nun Spock gegenüber, noch immer bis auf die Knochen durchnässt. Als er Spock ansah, fingen dessen braune Augen sofort seinen Blick auf. "Was hat dich so aufgebracht, Jim?", fragte er leise, beinahe zärtlich. Unter diesen Umständen war es keine besondere Kunst, zu erkennen, dass dir 'Freundschaft' zwischen ihnen nicht ganz so simpler Natur war, wie Spock es hatte erscheinen lassen. "Alles.", gestand Jim. Er war glatt beschämt über den unerwarteten Ausbruch seiner Gefühle, doch die immer wieder hochkochenden Erinnerungen an längst vergessene Tage, an Frank, an Sam, an Tarsus - Jim schüttelte den Kopf, in dem hilflosen Versuch, die Bilder loszuwerden, die sich in seine Gedanken eingebrannt hatten. Spocks Hand legte sich sanft auf seine Schulter. "Ich bringe dir trockene Kleidung. Du wirst dich sicher besser fühlen, wenn du dich umgezogen hast.", schlug er vor und klang so aufrichtig überzeugt von seinem Vorschlag, dass es Jim ein kleines Lächeln auf die Lippen zauberte. "Vielleicht bringst du dir auch gleich welche mit.", schlug er vor und beobachtete, wie Spock nickte und sich dann grazil erhob und aus Jims Zimmer sowohl einen Schlafanzug für den Caotain, als auch für sich selbst mitbrachte.
'Ertappt.'

Halbherzig setzte Jim seinen Bauern ein Feld weiter nach vorne. Spock hatte tatsächlich recht gehabt. Gehüllt in seinen warmen Schlafanzug fühlte er sich wirklich deutlich wohler. Spocks wachsamen Blick entging die Unlogik in Jims Schachzug natürlich nicht, doch er beschloss, ihn nicht darauf hinzuweisen. Geduldig machte auch er seinen nächsten Zug und nippte an seinem Tee.
"Wir spielen oft Schach?", fragte Jim. Es war seltsam. So vieles war ihm eingefallen, doch die Erinnerungen zu Spock wollten nicht zurückkehren, egal, wie sehr er sich anstrengte. Es war beinahe, als wäre der Teil seine Verstandes für ihn verschlossen. 'Womöglich ist das sogar so ', dachte Jim und hätte beinahe geschmunzelt. Er hatte absolut keine Kenntnisse über vulkanische Telepathie und deren Auswirkungen auf Menschen. Spock zog eine Augenbraue in die Höhe. Unwillkürlich fragte sich Jim, ob Gedankenlesen wohl auch im Rahmen des möglichen lag. Er könnte Spock einfach fragen, aber er wollte mit seiner Paranoia die Stimmung nicht verderben.
"Regelmäßig.", durchbrach Spocks tenore Stimme seine Gedankenflut.
"Wir sind also Freunde.", begann Jim. Eine unscharfe Idee formte sich in seinen Gedanken. Spock bestätigte. "Wie oft habe ich schon im Schach gewonnen?", fragte er dann. Spock zog erneut eine Augenbraue nach oben und Jim bekam das Gefühl, dass er die Antwort auf die Frage vielleicht lieber nicht wissen wollte. "Sie gewannen bisher 18.3% unserer Spiele.", berechnete Spock. So, jetzt war er wieder beim höflichen "Sie" angelangt. Jim drehte die Dame in seinen Fingern hin und her. "Die Chancen stehen also sehr gut, dass Sie eine Wiederholung unserer Partie gewinnen werden.", schlussfolgerte Jim. Die unscharfe Idee klügelte sich langsam zu einem Plan aus.
Spock nickte. Langsam. Abwartend. Er kannte Jim offenbar gut genug, um zu wissen, dass gleich etwas auf ihn zukam. Jim rollte innerlich mit den Augen. 'Natürlich kennt er mich gut genug. Wir haben ja offenbar etwas miteinander.', tadelte er sich innerlich für seine halbgare Oberservierung. Dieses 'Etwas', das sie miteinander teilten, gepaart mit vulkanischer Logik, würde nun hoffentlich seinen Plan Realität werden lassen. "Dann wäre es für Sie doch nur logisch, eine Wette auf unser nächstes Spiel abzuschließen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Sie es ja auch gewinnen.", sagte Jim und setzte sein charmantestes Lächeln auf. Ahja, da war sie wieder - die Augenbraue. "An welche Art von Wetteinsatz dachten Sie dabei, Captain?", fragte Spock vorsichtig. Jim grinste. "Das verrate ich Ihnen, wenn Sie folgende Wette annehmen: Ich Wette darauf, dass ich Sie in der nächsten Partie Schach schlagen werde.", verkündete Jim grossspurig. Spock sah ihn für einen unglaublich langen Moment einfach nur an. Dann wanderte dessen Blick zum Schachbrett und letztlich wieder zurück zu Jim. "In Ordnung. Ich nehme die Wette an und halte dagegen.", beschloss der Vulkanier, sehr zu Jims Überraschung. "Wie also lauten Ihr Einsatz?", fragte er. Jim lehnte sich in seinem Stuhl ein wenig zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. "Wenn Sie gewinnen, tue ich etwas für Sie, dass Sie wünschen, völlig egal was." Jim legte seinen letzten Worten einen bedeutsamen Unterton bei. Was auch immer es war, dass sie beide verband - es verwunderte ihn nicht. Spock war ausgesprochen klug, attraktiv, stark und seine situationsweise unbeholfene Art war auf eine lustige Art und Weise wirklich süss. Jemanden wie Spock traf man wohl nur einmal im Leben und die Gefühle, die in ihm zu brodeln begannen, wenn Spock in seiner Nähe waren, sprachen ihre eigene Sprache. Wenn jetzt noch seine Erinnerunge  zurückkehren würden, wäre sein Glück womöglich perfekt.
Womöglich, wohlgemerkt, denn es irritierte Jim über alle Maßen, dass Spock noch keinen genauen Beziehungsstatus zwischen ihnen definiert hatte.
"Und wenn Sie gewinnen?", fragte Spoxk und klang beinahe ein wenig neugierig. Eilig schob Jim seine wieder davondriftenden Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf den Vulkanker vor sich. "Wenn ich gewinne, wünsche ich, daß Sie es sind, der meinen Erinnerungen wieder auf die Sprünge hilft." Spock stellte mit deutlich mehr Kraft, als es nötig gewesen wäre, seinen Springer auf dessen Ausgangsposition. "Sie missinterpretieren da etwas, Captain. Weder bin ich ein vulkanischer Heiler, noch habe ich besondere Erfahrungen mit Telepathie bei Menschen und nicht zuletzt kommt ihr Vorschlag nicht einmal annähernd dem Ablauf des für Sie angefertigten Heilungsplan gleich. Ihre Anfrage ist für mich nicht umsetzbar.", erklärte Spock und Jim bildete sich ein, Aufgewühltheit in den Tiefen dessen braunen Augen zu sehen. Jim lächelte verschmitzt. "Commander Spock, eine Diskussion ist an dieser Stelle unnötig, denn die Lösung für Ihr Problem, die Beseitugung aller Bedenken liegt doch ganz klar auf der Hand: Sie müssen einfach nur diese Partie gewinnen."
Deutlich sah Jim die Anspannung im Körper seines Gegenüber. Sein Vorschlag war provokant und unfair, das wusste er. Jedoch war ihm der Gedanke daran, dass ihm jemand im Kopf herumwühlte, der ihn kannte und dem er vielleicht etwas bedeutete, deutlich lieber als die Alternative - jemand völlig Fremden in seinem Kopf zu wissen.
"Nun gut.", sagte Spock die Dauer einiger Herzschläge später. "Dann möchte ich Ihnen nun meine Bedingungen unterbreiten: Sofern ich diese Partie gewinne, wünsche ich, dass Sie damit beginnen, die Trauma Ihrer Vergangenheit unter adäquaten Bedingungen aufzuarbeiten." Überrascht blinzelte Jim. "Das ist Ihr Wetteinsatz? Das erscheint mir sehr uneigennützig.", erklärte Jim. "Womöglich hätte ich das sowieso getan.", fügte er an. Spock belohnte ihn dafür erneut mit der erhobenen Augenbraue. "Wir  wissen beide, dass das nicht stimmt.", erwiderte Spock. Jim wollte schon protestieren, als er sich eingestehen musste, dass Spock recht hatte. "Nun gut.", sagte er stattdessen und richtete sich wieder auf. Seine Aufmerksamkeit heftete sich auf das Schachbrett. Jetzt hatte er sogar zwei gute Gründe, nicht zu verlieren. Die Aussicht, seine Kindheit einem Seelenklempner zu präsentieren, war alles andere als rosig für ihn. "Sie dürfen beginnen."
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