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Piece of Cake

von Chiyoku
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / MaleSlash
24.03.2021
08.04.2021
24
61.101
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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08.04.2021 2.237
 
ch. 22 i know that i can't live without you


Als ich am Strand entlang rannte, blieb ich mit dem Fuß im Sand stecken und fiel hin. Ich versuchte mich aufzuraffen, doch mein Körper gehorchte mir nicht. Ich rollte mich zusammen und schluchzte. Ich verstand die Welt nicht mehr und ein ekelhaftes Gefühl legte sich auf meine Lungen und um mein Herz. Ich lag einige Stunden genauso im Sand und heulte einfach nur. Die Sonne ging bereits auf und die ersten Menschen joggten am Strand entlang. Ich wusste, dass sie mir mitleidige Blicke zuwarfen, doch es war mir egal. Ich nahm alle Kraft zusammen und stand auf. Ich schlurfte ohne auf irgendetwas in meiner Umgebung zu achten in unser Hotel und packte dort angekommen meine Sachen. Ich hatte meine eigene Kreditkarte dabei, auch wenn es teuer werden würde, einen spontanen Flug zurück nach New York zu bekommen, wollte ich keine Minute mehr länger hier bleiben. Ich rief ein Taxi, welches mich zum Flughafen fuhr und nahm den nächstmöglichen Flug, der in wenigen Stunden abhob. Kurz hatte ich überlegt, eine Nachricht zu hinterlassen, verwarf den Gedanken aber schnell wieder, da ich nichts zu sagen hatte. Ich hatte nicht einmal mehr wirklich Angst davor, abzustürzen. Insgeheim wünschte ich es mir, denn dieses Gefühl in mir war nicht auszuhalten. Es war schlimmer, als alles, was ich zuvor erlebte. Die Sitze in der Economy Class waren bei weitem nicht so bequem und man hatte nicht so viel Fußraum, aber es interessierte mich nicht. Hauptsache ich kam so schnell wie möglich hier weg. Außerdem war es diesmal ein Direktflug, der drei Stunden weniger Zeit kostete.

Am John F. Kennedy Flughafen rief ich Cathy an, damit sie mich abholte. Nach einer halben Stunde kam sie an und ich stieg in ihren kleinen Wagen. „Warum bist du jetzt schon wieder zurück, ihr wolltet doch erst morgen wieder kommen? Und wieso bist du alleine?“, fragte sie, ohne zu begrüßen. Ich schüttelte nur den Kopf um ihr verständlich zu machen, dass ich nicht darüber reden wollte und lehnte den Kopf an der Fensterscheibe ab, um die vorbeiziehenden Autos zu beobachten. Zu Hause angekommen begrüßten mich Luna und Darcy mit einem fröhlichen Miauen. Tränen stiegen mir in die Augen, als ich sie kurz streichelte. Wortlos ging ich in mein Zimmer und es kam mir so fremd vor. Ich starrte auf Rins Klamotten, die er bei mir gelassen hatte, weil er immer von mir aus zur Arbeit ging und es war, als würde mir der Anblick allein die Luft abschnüren. Blind vor Wut und Trauer warf ich sie in den Papierkorb und deckte sie mit Papier zu, damit ich sie nicht mehr sehen musste. Ich schmiss mich aufs Bett, deckte mich bis über den Kopf zu und vergrub das Gesicht im Kissen, welches innerhalb weniger Minuten durchnässt war. Es klopfte an der Tür. „Lass mich, Cathy“, sagte ich dumpf in das Kissen hinein. Sie öffnete die Tür. „Nate, was ist denn schon wieder passiert? Ich mache diesen Typen kalt, das schwöre ich dir.“ „Ich will nicht darüber reden“, wimmerte ich und zog mir die Decke über das Gesicht. „Bitte sprich darüber“, flehte sie, doch ich ignorierte sie. Nach ungefähr zehn Minuten ging sie wieder aus der Tür. Ich war unfassbar müde, doch ich konnte nicht schlafen. Ich lag einfach nur im Bett und weinte mir die Augen aus dem Kopf.

Nach zwei Tagen hatte ich es doch endlich geschafft zu schlafen. Rin hatte die Tage über mehrmals versucht mich anzurufen, doch ich war nicht rangegangen und schaltete mein Handy aus. Vor der Tür hörte ich einen Tumult. „Verpiss dich! Er will dich nicht sehen, raffst du das nicht?“, hörte ich Cathys wütende Stimme. „Er isst seit zwei Tagen nichts, egal was ich ihm bringe, er spricht nicht und liegt einfach nur im Bett und heult. Ich lasse das nicht länger zu, hau einfach ab!“ „Ich muss mit ihm reden, ich muss es ihm erklären, er hat das komplett missverstanden!“, sagte nun Rins Stimme. „Es ist mir egal, was er missverstanden hat und was nicht! Du verschwindest jetzt, oder ich rufe die Polizei.“ Da ich Rin kannte, lief ich schnell zu meiner Tür um sie abzuschließen. Kurz danach drückte sich die Türklinke herunter. „Nate, bitte. Lass mich rein.“ „Geh weg“, würgte ich hervor. Tränen liefen mir die Wangen herunter und ich wischte mir mit dem Ärmel den Rotz von der Nase, der schon voll davon war, da ich mich seit Mexico nicht mehr umgezogen hatte. „Lass es mich doch erklären“, flehte Rins dumpfe Stimme. „Ich habe jede Erklärung gesehen, ist schon okay, ich habs verstanden.“ „Das hast du nicht. Er hätte dir etwas angetan, wenn ich nicht so reagiert hätte, ist dir das eigentlich klar? Ich musste es tun.“ „MUSSTEST DU DAS?“, schrie ich plötzlich und die Wut in mir brodelte. „Du hättest ihm verdammt noch mal auch eine reinhauen können!“ Schweigen am anderen Ende der Tür. „Es tut mir leid“, sagte er nun und seine Stimme zitterte. „Verschwinde einfach, Rin. Ich will dich nicht sehen und nichts mehr von dir hören.“ „Ich werde nicht gehen.“ „Cathy, ruf die Polizei bitte.“ Die Wut und die Trauer waren so präsent, dass ich fast das Bewusstsein verlor. „Er ist jetzt in Untersuchungshaft in Mexico und kann uns nichts mehr tun“, sagte Rin, als hätte er meine Bitte überhört. „Das muss dich ja gewaltig traurig machen“, spottete ich. „Nate, es war eine Kurzschlussreaktion. Wärst du geblieben, dann hättest du gesehen, dass ich ihm wenige Sekunden danach das Messer aus der Hand gerissen habe und Rafael ihm eine reingehauen hat.“ „MESSER?“, kreischte Cathy. „Was zum Teufel ist da passiert?!“ Wir ignorierten sie. „Vielleicht sollte ich lieber Rafael zum Freund nehmen, der hat wenigstens richtig reagiert“, höhnte ich, meinte es jedoch nicht so, ich wollte ihn nur verletzen. „Nate… Bitte. Es tut mir leid. Ich habe keine Gefühle mehr für ihn, im Gegenteil. Er widert mich an.“ Ich klaubte seine Klamotten zusammen und schloss die Tür auf. „Nimm das und verschwinde“, sagte ich leise. Rins Augen waren geschwollen und rot und auch ihm liefen die Tränen das Gesicht herunter. Der Anblick weckte in mir den Instinkt ihn in den Arm zu nehmen, doch ich schüttelte ihn ab. „Hau ab, Rin.“ Ich drückte ihm die Klamotten in die Arme und knallte die Tür wieder zu, bevor ich es mir anders überlegen konnte. Seine Schritte entfernten sich langsam von meiner Tür und mit ihm ging auch mein Herz. Als ich mir sicher war, dass er weg war öffnete ich die Tür. Auf dem Boden lag das Armband, welches er mir geschenkt hatte. Der Schmerz übermannte mich, als ich es aufhob und ich brach zusammen.

Cathy wusste nicht, wie sie mit mir umgehen sollte, denn diese Situation war ganz anders, als alle vorangegangenen. Als ich endlich bereit dafür war, hatte ich ihr die Geschichte erzählt, da sie nicht locker ließ und zu meinem Missvergnügen, stellte sie sich auf seine Seite. „Es fällt mir schwer Partei für ihn zu ergreifen, aber das war wirklich das Schlauste, was er hätte machen können. Ich weiß, dass das schwer zu ertragen sein musste, aber er hat dir das Leben gerettet. Ich denke, er wusste worauf er sich einließ, als er sich dazu entschied. Er würde lieber darauf setzen, dass du ihn nie mehr ansehen wirst, als dass dir irgendetwas passiert.“ „Hör auf mir auszureden, sauer auf ihn zu sein“, maulte ich und schaufelte mein erstes Essen nach drei Tagen in den Mund. „Sei sauer auf ihn, aber du solltest ihn bald anrufen, ich glaube, das macht ihn wirklich fertig. So wie er aussah, als er vor deiner Tür geheult hat.“ Ihre Mundwinkel zuckten belustigt. Ich seufzte und schob den Teller von mir weg. Ich hasste mich dafür, aber die Wut auf Rin war nach Cathys Worten komplett verraucht. Als ich an dem Abend im Bett lag, dachte ich noch einmal darüber nach. Es war eigentlich klar für mich; es gab keine Welt, in der ich ohne ihn sein wollte. Ich liebte ihn mit jeder Faser meines Körpers. Er hatte nicht beabsichtigt, mich zu betrügen, sondern es nur aus Angst getan, dass mir etwas passieren würde. Außerdem war es nur ein einfacher Kuss. Also entschied ich mich, morgen in der Schokoladenfabrik vorbei zu schauen, da ich sowieso noch vier Tage Urlaub hatte.

Ich stand vor der mir bekannten Bürotür und mir schlug das Herz bis zum Hals, wie beim ersten Mal, als ich zu ihm wollte. Zögernd klopfte ich an der Tür. „Ja bitte“, sagte Rin und seine Stimme klang gestresst. Vorsichtig drückte ich die Türklinke herunter. Rin stand sofort auf, als er mich bemerkte. Er sah absolut beschissen aus, die Augen waren immer noch gerötet und geschwollen und sein Gesicht blass, trotz der Bräune, die Mexicos Sonne auf seiner Haut hinterlassen hatte. Der Raum schien zu verschwinden, als er mich ansah und mir war nur noch einmal mehr bewusst, dass ich nicht ohne ihn sein wollte. Ich hielt ihm meine Hand hin. „Ich verzeihe dir.“ Seine Augen wurden groß und wieder rannen ihm Tränen die Wangen herunter. Er zog mich an sich ran und drückte mich so fest an sich, dass mir beinahe die Luft wegblieb. Ich hörte sein leises Schluchzen an meinem Ohr. „Ich dachte wirklich, ich hätte dich verloren.“ „Ich will einfach nicht mehr ohne dich, Rin.“ „Ich auch nicht.“ Er ließ mich los, nur um mir einen sehr feuchten Kuss zu geben, da seine Tränen immer noch unaufhörlich aus seinen Augen quollen. „Hör schon auf zu weinen“, sagte ich mit zittriger Stimme, da mir selbst die Tränen in den Augen standen. Er schien etwas sagen zu wollen, doch es kam nicht über seine Lippen. Schließlich fragte er nur: „Was machst du morgen Abend?“ „Nichts, wieso?“ „Ich werde dich abends abholen.“ Ich nickte irritiert. „Jetzt geh schon, ich muss arbeiten.“ Er wirkte plötzlich geschäftig und zeigte mir eine Handbewegung, die mir signalisierte, dass ich gehen solle. „Ist ja schon gut. Dann bis morgen Abend.“ Ich beschloss noch bei Tyson vorbei zu schauen, den ich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte, bevor ich nach Hause ging und auf den morgigen Abend wartete.

Es war zwanzig Uhr, als es an der Tür klingelte. Ich hatte Cathy erzählt, was passiert war und sie kicherte nur merkwürdig, bevor sie sich von mir verabschiedete. Rin wartete wie gewohnt vor seinem Bentley und sah wieder einmal aus wie ein Model, welches für einen Kalender posierte. Ich küsste ihn zur Begrüßung. „Wo willst du denn hin?“, fragte ich ihn, als wir in das Auto eingestiegen waren. Seine Finger krallten sich so stark am Lenkrad fest, dass seine Knöchel weiß durch seine Haut drückten. „Empire State Building“, stieß er hervor. „Geht es dir gut?“ „Nur Bauchschmerzen.“ „Wir können auch zu mir, da kannst du dich ausruhen.“ Er schüttelte den Kopf und fuhr los. Auf der kompletten Autofahrt sagte er kein einziges Wort, außerdem verschaltete er sich ständig. „Bist du dir wirklich sicher, dass…“ „Ja“, unterbrach er mich. Als wir den Aufzug zur Spitze des Empire State Buildings hochfuhren, wurde Rin zusehends unruhiger. Verwirrt beobachtete ich ihn, doch fragte nicht noch einmal nach. Als die Türen sich öffneten, klappte mir der Mund auf. Der Boden war übersät von einem schneeweißen Sand, wie wir ihn in Cancún hatten. Verteilt lagen kleine Andenken, die mich lächeln ließen. Beispielsweise einen leeren Starbucksbecher, die weiße Decke, auf der wir das erste Mal miteinander geschlafen hatten, Schokolade seiner Fabrik, eine Flasche Wodka, eine Popcorntüte und noch viele weitere kleine Erinnerungen. Überall waren kleine papierne Laternen aufgestellt, die im Sonnenuntergang atmosphärisches Licht schenkten und als ich an das Ende der Laternenstraße sah, wurde mir schwindelig. Da stand Beyoncé mit einem Mikrofon in der Hand und strahlte uns mit blitzweißem Lächeln an. „R-Rin, i-ist das etwa –“, stotterte ich und starrte die wunderschöne Frau an. „War ganz schön schwer, sie so schnell hier her zu bekommen“, meinte Rin verlegen. Die Menschen um uns herum beobachteten uns ganz genau und tuschelten, während sie auf Beyoncé deuteten. Plötzlich fing an eine Melodie zu spielen, die mir sehr bekannt vorkam. Als sie die Worte sang, die Rin einst für mich gesungen hatte, stiegen mir all die Erinnerungen an unser erstes Date in den Kopf. Ich wollte es Rin mitteilen, konnte jedoch nicht den Blick von ihr abwenden. „Nate“, sagte Rin neben mir und ich drehte den Kopf zur Seite, doch er stand nicht mehr neben mir. Mit weit aufgerissenen Augen sah ich auf Rin herab, der vor mir kniete und eine kleine Schatulle in der Hand hielt. Mein Herz brach beinahe aus meiner Brust aus, so fest schlug es. „Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der mich so fühlen lässt, wie du. Du bist alles für mich und ich werde alles dafür tun, um dich zu beschützen und in Zukunft gut zu behandeln. Ich liebe dich, Nate. Bitte heirate mich.“ Tränen stiegen mir in die Augen, als er die Schatulle öffnete und sich ein schlichter, silberner Ring darin befand. „Natürlich“, hauchte ich und fing an zu schluchzen. Seine Augen glitzerten, als er mir den Ring ansteckte. Dann stand er auf und küsste mich, sodass er mich beinahe von den Füßen riss. Die Menschen, die mit uns oben waren jubelten und auch Beyoncé klatschte, als sie ihr Lied beendet hatte. „Sag es mir nochmal“, flüsterte ich glückselig, als er sich von mir löste. „Ich liebe dich.“ Er küsste mich. „Nochmal“, forderte ich zwischen dem Kuss. „Ich liebe dich.“ „Ich liebe dich auch, Rin.“
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