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Piece of Cake

von Chiyoku
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / MaleSlash
24.03.2021
08.04.2021
24
61.153
7
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07.04.2021 2.501
 
ch. 21 that is not possible


Der Tag, an dem wir abreisen wollten, rückte näher. Es waren nur noch zwei Tage von unserem Urlaub übrig. Ich hatte mich wieder eingekriegt und so gut wie es geht versucht, die restliche Zeit zu genießen. Rin hatte mir einigermaßen das Schwimmen beigebracht, auch wenn ich immer noch wie ein Stein sank, kam ich zumindest voran. Er war ausgelassen und fröhlich und mit jedem Tag schien er mehr und mehr aufzugehen, was mich auf der einen Seite freute, aber auf der anderen Seite plagte mich immer noch mein schlechtes Gewissen. Ich hatte ihm immer noch nichts davon erzählt, was mit seinem Bruder war, geschweige denn von der Nachricht. Ich hatte immer noch keine Antwort darauf gefunden, wie er das mithören konnte, denn nicht einmal Rin, der nah bei uns stand, hatte es gehört.
Der Abend war angebrochen und wir standen vor einem Club an der Strandpromenade, aus dem laute, elektronische Musik schallte. Händchen haltend gingen wir hinein und die Luft im Inneren konnte man beinahe schneiden. Er führte mich zu der Bar und wir setzten uns hin. „Hey, Nate!“, rief Rafaels Stimme fröhlich hinter mir. Ich drehte mich zu ihm um und dann hatte er mich wieder im Arm. „Hi, Rin“, sagte er nun etwas gedämpfter, während er mich fest drückte. Es war mir unangenehm, daher versuchte ich mich loszueisen, was mir schließlich auch gelang. „Hallo, Rafael. Ich würde es sehr gut finden, wenn du meinen Freund nicht immer so umarmst“, sagte Rin und seine Augen verengten sich. „Sorry, Bruder!“ Es klang, als täte es ihm absolut nicht leid und sofort bereute ich die Entscheidung, zugesagt zu haben und her gekommen zu sein. „Wir sollten trinken, um die Stimmung etwas aufzulockern, meint ihr nicht?“, fragte Rafael und zeigte dem Barkeeper drei Finger. Dieser kippte eine blaue Flüssigkeit in drei Shotgläser und reichte sie uns. „Na dann, los geht’s!“ Wir stießen an und kippten den Likör hinunter. Er schmeckte sehr süß, jedoch trotzdem lecker. Nachdem wir alle fünf davon geköpft hatten, meinte Rafael: „Lasst uns tanzen!“

Rin und ich tanzten eng umschlungen auf der Tanzfläche, während wir keine weitere Notiz von Rafael nahmen. Mir war es Recht, da er mir aus irgendeinem Grund Angst machte. Ich war schon relativ gut angetrunken, genau wie Rin. Seine Hände wanderten ständig an meinem Körper auf und ab und er seufzte schwer. Ich konnte es ihm nicht verübeln, seit einer Woche ließ ich ihn zappeln, da mein Gewissen es mir einfach nicht erlaubte. „Ich brauche Wasser“, meinte ich, als ich das trockene Gefühl im Hals bemerkte. Rin ließ mich widerwillig los und folgte mir zur Bar, an der er zwei Wasser bestellte. „Wo ist eigentlich Rafael?“, fragte ich und durchsuchte die Menge mit den Augen. „Keine Ahnung, wahrscheinlich hat er sich wie das dritte Rad am Wagen gefühlt“, antwortete er und grinste frech. „Rin, ich muss dir was sagen“, plapperte ich drauf los und wollte mich selbst dafür ohrfeigen. Wieso konnte man unter Einfluss einfach nicht die Klappe halten? „Ich weiß, das verheimlichst du mir schon die ganze Zeit.“ Ich biss mir auf die Lippe. „Dein Bruder hat mich eingeladen, ihn zu besuchen. Alleine, ohne dich. Und er war dabei… naja, er schien deswegen erregt zu sein.“ Rin ließ sein eigenes Wasser fallen und starrte mich an. „Wieso hast du mir das nicht erzählt?“, zischte er wütend. Plötzlich fühlte ich mich ganz klein und wurde rot. „Ich wollte nicht, dass du zwischen den Stühlen stehst.“ „Es gibt keine Stühle, die Entscheidung bist immer du. Wenn dieser Bastard hier wieder auftaucht, dann…“ „Es ist okay, er will sich ja mit diesem Abend hier entschuldigen.“ Rin schnaubte. „Ich bin mir sicher, dass er dich heute Nacht irgendwie verführen wollte, um mir eins auszuwischen. Er ist nicht einmal schwul.“ „Und wieso hatte er dann einen Ständer?“ Er schnaubte erneut. „Wahrscheinlich macht es ihn an, mich leiden sehen zu wollen. Dieser kleine, miese…“ „Rin, beruhig dich doch. Es ist doch jetzt okay, wir sind hier und wir wissen nicht, ob er mich wirklich verführen wollte. Nicht, dass er es geschafft hätte, da könnte ich noch so betrunken sein.“ Seine Augen wurden plötzlich ganz weich und liebevoll. „Nate…“ „Noch etwas. Der Typ hat mir wieder geschrieben. Er scheint es irgendwie mitgehört zu haben, ich weiß zwar nicht wie, weil es sonst keiner gehört hat, aber er hat mir indirekt gedroht, es dir zu erzählen.“ Rin machte eine jähe, merkwürdige Handbewegung. „Wenn wir zurück sind, werde ich mich um dieses Arschloch kümmern. Und in Zukunft erzählst du mir bitte alles. Aber zuerst tanzen wir wieder. Beziehungsweise… du für mich, das schuldest du mir noch.“ „Hier?!“, fragte ich entsetzt. „Nein, wahrscheinlich ist es besser, wenn wir gehen.“

Seine Augen zogen mich beinahe aus, als wir vor dem Aufzug standen und auf ihn warteten. Als er seine Türen mit einem Pling öffnete, schritt ein älterer Herr heraus. Kaum hatten sich die Aufzugtüren geschlossen, drückte Rin mich mit den Händen an die Wand und küsste mich fordernd. Ich seufzte tief und all das Verlangen, welches ich seit einer Woche unterdrückt hatte, durchspülte mich. Mein gesamter Körper brannte beinahe. Seine Finger fuhren von meinen Händen herunter zu den Unterarmen, zu meiner Brust, meiner Hüfte und schließlich wanderten sie zu meinem Hintern. Er drückte mich fest an sich und ich legte meine Hände auf seinem Rücken ab. „Ich will dich so sehr“, flüsterte ich und strich mit meinen Händen ebenfalls zu seinem Hintern. „Erst, wenn du für mich getanzt hast“, antwortete er mit hungrigem Blick. Der Aufzug öffnete wieder seine Türen und wir rannten beinahe den langen Gang entlang, in unser Zimmer. Rin setzte sich auf die Couch und hob mir seine Hand hin. „Komm“, raunte er. Ich lief mit wackeligen Beinen auf ihn zu. „Ich habe keine Musik“, sagte ich verlegen, als er abzuwarten schien. Er lächelte, schaltete den Fernseher an und machte Youtube auf, auf dem er ein sehr langsames Lied abspielen ließ. Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Ich bewegte mich zuerst zögernd, da ich zuerst den Takt finden musste, doch nach wenigen Sekunden fühlte es sich an, als hätte ich nie zu etwas anderem getanzt. „Sieh mich bitte an“, bat er. Ich öffnete die Augen und schaute in seine, während ich mich immer noch zu dem Lied bewegte. Die Anziehung, die in diesem Moment von Rin ausging, war beinahe magnetisch und ich schritt, ohne nachzudenken, auf ihn zu. Er beobachtete mich lüstern, als ich mich auf seinen Schoß setzte und ihm in die Haare griff. Meine Hüften schlängelten sich auf seinem Schoß und ich bemerkte seine Erregung. „Scheiß drauf“, brummte er und zog mich näher an sich ran um mich zu küssen. Er fuhr mit seinen Händen unter mein T-Shirt und zog es geschickt aus. Er löste sich von meinen Lippen und vergrub seinen Kopf an meinem Brustkorb, übersäte ihn mit zarten Liebkosungen. „Nate…“, hauchte er wieder meinen Namen und es klang, so voller Verehrung, dass ich dachte, ich würde ohnmächtig werden und wieder einmal traf mich die Erkenntnis aus dem Nichts. Rin musste mir nicht sagen, dass er mich liebte, er zeigte es mir. Das war so viel mehr wert, als ich mir je hätte erträumen können. Er öffnete meine Hose, während er immer noch meine Brust küsste. „Zieh sie bitte aus.“ Ich stand von ihm auf und zog die Hose runter, während ich ihn dabei beobachtete, wie er das selbe tat. Ich setzte mich wieder auf ihn und unsere Erektionen berührten sich, was uns beide leise aufstöhnen ließ. Ganz sanft nahm er beide in seine große Hand und schob unsere Vorhaut im Einklang vor und zurück. Das Gefühl seines Penis an meinem machte mich so an, dass sich bereits jetzt schon ein Lusttropfen gebildet hatte. „Gefällt dir das?“, fragte er mit rauer Stimme, die nur einen weiteren Erregungsschub durch meinen Körper jagte und verstrich langsam den Lusttropfen mit dem Daumen über unsere Eicheln. „Jaah“, antwortete ich langgezogen, da es sich so unfassbar gut anfühlte, wie er die Feuchtigkeit verteilte. Rins Augen wurden trüb, doch seine Handbewegungen waren immer noch langsam und zärtlich. Von weit weg hörte ich sein Handy klingeln. „Ignorier es“, flüsterte er, doch als die Anrufe nicht aufhörten, seufzten wir beide genervt. Er ließ von mir ab und ich stand missmutig von seinem Schoß auf, damit er an das Telefon gehen konnte. „Was ist?“, keifte er in das Handy. „Ja, woher weißt du das?“ Rin sah mich mit riesigen Augen an, als wäre ich gerade zu einem Außerirdischen mutiert. Ich legte fragend den Kopf schief. „Wir kommen“, sagte er nur und legte auf. „Was ist los?“, fragte ich verwirrt. „Mein Bruder. Wie es aussieht hat er den Typen, der uns nachstellt“, antwortete Rin ungläubig.

Ich war immer noch schockiert von der Nachricht und konnte es gar nicht erst glauben, als wir auf dem Weg zu Rafael waren. Was würde das für einen Sinn machen, dass ausgerechnet er denjenigen fasste? Rin war unfähig nur ein Wort zu sagen, bis wir bei Rafael ankamen, der uns die Adresse eines Hotels genannt hatte. Es war ein schäbiges, unauffälliges Hotel und als wir eintraten, roch es vermodert. „Wie kann ich helfen?“, fragte die junge Frau am Schalter gelangweilt auf Englisch, ohne den Blick von ihrem Klatschmagazin abzuwenden. „Wir suchen Zimmer 483“, säuselte Rin und als die Frau aufblickte, stand sie plötzlich kerzengerade und strich sich imaginäre Fusseln von der Uniform. Ich unterdrückte mir ein Grinsen. „Zu diesem seltsamen Kerl? Sie finden es im vierten Stock, Sie müssen aber die Treppe nehmen, der Aufzug ist defekt.“ „Was meinen Sie mit seltsamen Kerl?“, fragte ich. „Das sollte nicht beleidigend klingen! Aber etwas komisch ist er schon…“ „Danke“, unterbrach Rin uns. „Bitte“, hauchte sie schwärmerisch.
Also stiegen wir die acht Treppen zum vierten Stock hoch. Ich röchelte vor mich hin, doch Rin machte keinerlei Anzeichen, dass er sich gerade angestrengt hatte. „Erinner mich daran, mehr Sport zu machen“, keuchte ich. Rin lächelte nur und klopfte an der Tür. Rafael machte uns die Tür auf und als wir eintraten, wurde mir schlecht. Das gesamte Zimmer war über und über mit Fotos von Rin und mir tapeziert, außerdem hatte er eine seltsame Konstruktion mitten im Raum, die aussah, wie ein altes Radiosprechgerät. „Was zur Hölle“, flüsterte ich entsetzt. Auf der mottenzerfressenen Couch saß ein Mann, der eigentlich nicht so aussah, als wäre er ein Stalker. Er sah sogar wirklich gut aus mit seinen dunkelblonden Haaren und den jadegrünen Augen. Rin erstarrte neben mir, als er ihn erkannte. „Adrian“, sagte er beinahe lautlos. Verwirrt blickte ich von ihm zu Rin. „Du kennst ihn?“, fragte ich. Rin schien meine Worte nicht gehört zu haben, sondern starrte immer noch auf ihn, als würde er gerade einen  Geist vor sich sehen. „Dieser Typ dachte, er ist ganz schlau und wollte mich gegen euch aufhetzen“, erklärte Rafael verachtend. „Es tut mir leid, Rin. Ich habe Nate ein dummes Angebot gemacht, aber ich war sauer auf dich. Da dachte sich dieser Vollidiot wohl, dass ich Bock hätte, euch in die Pfanne zu hauen. Ich sollte euch etwas ins Getränk mischen, dann Nate in einer eindeutigen Pose mit mir im Bett fotografieren, damit er Nate damit erpressen konnte, sich von dir fernzuhalten. Aber egal wie sauer ich bin, ich würde das niemals dir oder Nate antun. Also wollte ich wissen, wer dieser Kerl ist und als ich das hier gesehen hatte, musste ich dich anrufen.“ Ich schluckte schwer und sah auf Adrian, der immer noch seine Knie fixierte, als würde ihn all das nichts angehen. „Ich dachte, du bist tot“, stieß Rin hervor, ohne auf Rafaels Worte zu achten. Es dauerte eine Weile, bis der Groschen fiel und mir klappte der Mund auf. Adrian sah zu Rin und sein Gesicht erhellte sich. „Ja, ich wollte, dass du das denkst. Du solltest mich vermissen und irgendwann wäre ich wieder gekommen und du wärst so froh darüber gewesen, dass du mich zurückgenommen und die Vergangenheit vergessen hättest.“ „Du bist vollkommen wahnsinnig, Junge“, meinte Rafael und schüttelte den Kopf. „Ich habe deinen leblosen Körper ins Krankenhaus getragen“, hauchte Rin und seine Augen glitzerten. Mein Herz rutschte mir in die Hose. Würde er ihn zurück nehmen, jetzt wo er offensichtlich doch noch lebte? „Sie haben mir gesagt, du seist tot.“ Seine Stimme bebte und ich wusste, dass er mit den Tränen kämpfte. „Ja, das war ich auch. Aber sie haben es doch irgendwie noch rechtzeitig geschafft mir den Magen auszupumpen. Jetzt wo alles aufgeflogen ist, können wir wieder so weitermachen, wie zuvor. Ich habe dich so vermisst, Rin.“ Adrian stand auf und schritt auf Rin zu, der nur vor ihm zurückwich. „Ich will dich nicht mehr, du bist gestört“, sagte Rin hart. Mein Herz sprang zurück an seinen Platz. Adrians Augen quollen unheimlich hervor und sein Blick schnellte zu mir. Er sah mich so hasserfüllt an, dass ich dachte, ich würde gleich tot umfallen. „Du bist Schuld daran“, fauchte er. „Ich hätte dich umlegen sollen, als ich die Möglichkeit dazu hatte.“ Mir stellten sich die Nackenhaare auf. „Wieso hast du es nicht getan?“, piepste ich leise. „Das Spiel hat mir Spaß gemacht“, antwortete er kalt und zuckte die Achseln. „Ich habe dein Handy präpariert, sodass ich alles genauestens mithören konnte. Du manipulierst Rin ziemlich gut, das muss man dir lassen. Nicht einmal bei mir hat er solche Worte gefunden. Aber jetzt bin ich wieder da und für dich ist kein Platz mehr.“ Ich sah, wie er seine Hand in die Hosentasche steckte und kombinierte mit dem einzigen, was Sinn machte. „Mach das nicht“, sagte ich und es klang stärker, als ich mich fühlte. Doch er ließ sich nicht davon abhalten und zückte ein Taschenmesser, mit dem er wie ein Irrer herumfuchtelte. Wir wichen vor ihm zurück. „Endlich ist der Tag gekommen, Rin. Wir beide können endlich zusammen sein, nach all den Jahren.“ Eine lange Stille trat ein, doch als Adrian auf mich zuging wie ein hungriger Kojote, unterbrach Rin die Stille. „Du hast Recht, Adrian“, meinte Rin ruhig. Ich starrte ihn an und das Herz fiel wieder einige Stockwerke nach unten. „Wir sind füreinander bestimmt. Ich werde mich von Nate trennen und mit dir zusammen sein.“ Übelkeit breitete sich in mir aus und ich war nur einen Augenblick davon entfernt, mich zu übergeben. „Ja, Babe. Ich kann es kaum mehr erwarten“, sagte Adrian schwärmerisch und ließ das Messer sinken. „Bitte komm zu mir und küss mich.“ Rin blieb wie angewurzelt stehen. „Das… ich… wir müssen erstmal über alles reden“, stammelte er. „Du willst also nur, dass ich das glaube, oder? Ich bin nicht dumm, Rin.“ Er hob das Messer in seiner Hand wieder hoch. Rin schloss die Augen und ich sah, wie seine Augäpfel unruhig hüpften. Nach wenigen Sekunden öffnete er sie wieder und trat auf Adrian zu. Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete ich die Szenerie. Rin beugte sich über Adrian und küsste ihn. Ich stolperte rückwärts aus dem Hotelzimmer und übergab mich vor der Tür, die ich zuvor zugeknallt hatte. Blind und ohne Idee wo ich hinging, rannte ich die Treppen runter, aus dem Hotel.
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