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Wüstenrose [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
23.03.2021
02.08.2021
67
119.256
11
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Dieses Kapitel
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27.07.2021 1.728
 
Ohne es unterdrücken zu können, schlug der Hellhaarige seine Augen auf und zog sich die kuschelige Decke noch ein wenig weiter unter das Kinn.

Seine Gedanken drehten sich um das Gespräch, welches die beiden jungen Männer noch wenige Augenblicke zuvor miteinander geführt hatten.

Ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er an dieses denken musste. Alles verstanden hatte er zwar nicht, doch eine ganz wichtige Sache hatte er herausgehört.

Der junge Prinz plante ihn gehen zu lassen. Er würde frei sein können und, wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben, unabhängig sein können. Euphorie und Freude durchströmte ihn als er daran dachte.

Die Tatsache, dass er wohl keinen Ort hatte, an welchen er gehen sollte und die meisten Bewohner der Stadt ihn hassten und verabscheuten, ignorierte er.

Zu sehr nahm der Gedanken der Freiheit seine Gedanken ein. Er würde nach so langer Zeit endlich frei sein.

Weder sein Vater noch die Menschen aus der Stadt würden ihm etwas anhaben können und auch der Prinz selbst könnte ihn nicht mehr so offensichtlich verabscheuen. Doch tat dieser dies wirklich noch?

Der Hellhaarige hatte klar und deutlich die Worte des Prinzen gehört und die kleine Geste gespürt. Die Stelle, an welcher die weichen, seidigen Lippen des Adeligen seine Stirn berührt hatte, kribbelte magisch und mit einem immer breiter werdenden Lächeln legte er seine Fingerspitzen auf diese Stelle.

Er war froh, dass es mittlerweile so dunkel war, dass er kaum mehr seine eigene Hand vor Augen sehen konnte.

Sein Herz schlug unglaublich schnell und hektisch gegen seine Rippen. Dies jedoch nicht schmerzhaft oder panisch. Es tat sich eher mit seinem kribbelnden Bauch und dem großen Verlangen laut zu quietschen zusammen.

Er konnte sein Glück nicht richtig fassen. Auf der einen Seite bekam er die Freiheit, welche er immer gehabt haben wollte und auf der anderen hatte er gerade zum ersten Mal in seinem Leben die Wärme richtiger Geborgenheit und Liebe gespürt.

Leise kicherte er und vergrub seine hellen Finger in dem ebenfalls hellen Lacken des Bettes.

So viele seiner Wünsche und Träume gingen gerade in Erfüllung, dass er nicht einmal bemerkte, dass er weder Angst und Panik vor dem Thronfolger verspürte noch vor dessen Reaktion auf die Tatsache, dass er gerade in dessen Bett lag.

Abrupt jedoch hörte der glückliche Ton auf seine Kehle zu verlassen und sowohl sein Blick als auch sein Gemüt wirkten auf einmal traurig.

Dort habe es noch eine weitere Sache, welche er in dem ganzen Trubel seiner Gefühle und seine euphorischen Gedanken nicht beachtet hatte.

Der Prinz wollte ihn gehen lassen. Es hieß also, dass dieser ihn praktisch wegschicken wollte und müsste, wenn der Hellhaarige sich weigerte.

Er realisierte, dass er wohl niemals jeden seiner Wünsche erfüllt würde haben können.

Entweder man ließ ihn geborgen fühlen und gab ihm Liebe und Zuneigung, oder aber man gewährte ihm die Freiheit. Beides hatte der Weißhaarige immer gewollt, doch in diesem Moment wusste er, dass er sich wohl irgendwann entscheiden würde müssen.

Wofür jedoch sollte er sich entscheiden?

Für die Freiheit, welche er bereits seit der frühsten Kindheit haben wollte? Die Freiheit über sich selbst zu bestimmen, zu machen, was er selbst wirklich wollte und die Freiheit zu haben den Menschen aus dem Weg zu gehen, welche ihn hassten.

Oder aber er entschied sich für die Zuneigung und Geborgenheit. Dann aber würde er wohl im Palast bleiben müssen. Zumindest so lange, er die Aussage des Thronfolgers richtig verstanden hatte.

Doch hatte er dies überhaupt? Wollte dieser überhaupt, dass er dortblieb? Sagte er dies nicht bloß so daher? Und was meinte er genau mit seiner Vergangenheit? Was war dort geschehen?

Und was versprach ihm überhaupt, dass er selbst glücklich werden würde, wenn er im Palast weiter den Mann bediente, für welchen er wohl oder übel Gefühle entwickelt hatte...

Würde er glücklich werden? Oder würde er es irgendwann bereuen nicht die Freiheit gewählt zu haben?

Wenn er jedoch eben diese wählte, wer sagte ihm, dass er dies nicht irgendwann bereuen würde?

Tränen stiegen in seinen blauen Augen empor, während sein Blick sich auf den wunderschönen dunklen Nachthimmel richtete. Die Sterne funkelten und fasziniert beobachtete er dies, während die ersten Tränen begann seine Wange hinab zu laufen.

Zwar schrie seine Seele nach beiden diesen Optionen, doch das entscheidende Argument kam ihm erst in diesem Moment in den Sinn.

Würde der Prinz ihn mit diesem Aussehen überhaupt haben und so seinen Ruf schädigen wollen?

Sein Herz brach und fiel die dunkle Schlucht seiner Seele hinab, während er sich ein wenig umdrehte und sein Gesicht in die helle Wäsche presste.

Das sein Körper bei diesen Bewegungen ungeheuerlich schmerzte, ignorierte er. Immer mehr Tränen schossen ihm aus seinen Augen.

Zwar hatte der Prinz seine Meinung vor dem König vertreten und sich offensichtlicher Weise auch durchgesetzt, doch wer sagte, dass der Weißhaarige dazu nicht bloß ein Vorwand war?

Ein Vorwand, damit sich der Adelige gegen seinen Vater und dessen schreckliche Behandlung stellen konnte. Den Hellhaarigen wickelte er gleichzeitig noch um den Finger, in dem er dessen Meinung vertrat. Doch am Ende, so mahlte sich der zierliche Junge in seinen panischen Gedanken aus, hielt der Schwarzhaarige ihn bloß immer weiter hin und veranstaltete ein noch größeres Schauspiel, einfach nur, um ihn wieder zu demütigen, zu verletzen, zu hassen und zu verabscheuen.

Der wimmernde und schluchzende Junge war so sehr in seinen unwahren Gedanken versunken und vergraben, dass er nicht merkte, wie sich die schwere Flügeltür des Prinzen unerlaubt öffnete und mehrere Gestalten eintraten.

Der Flur, ausgeleuchtet mit Kerzen und Fackeln, beleuchtete sie von hinten beinahe gespenstig, doch dies alles sah und hörte der Junge nicht, da er sich noch immer, laut und gequält schluchzend mit dem Gesicht, in das weiche Kopfkissen drückte.

Erschrocken und panisch fuhr er also herum, als eine Hand ihn plötzlich schmerzhaft an der Schulter packte und herumriss. Die dunklen Finger bohrten sich schmerzhaft in sein helles Fleisch und er spürte bereits nach wenigen Wimpernschlägen die entstehenden blauen Flecken.

Durch die Dunkelheit im Raum, konnte er nicht einmal erkennen, wem diese Hand gehörte, geschweige denn zu wie vielen Menschen die ganzen bedrohlichen und schweren Schritte gehörten.

Erst als man ihn plötzlich mit einem schmerzhaften Griff am dünnen und schwachen Oberarm packte, verstand er, dass dort Menschen den Raum betreten hatten, welche ihm definitiv nichts Gutes wollten. Als diese Erkenntnis jedoch sein Bewusstsein erreicht hatte, war es bereits längst zu spät.

Mit einem kräftigen Ruck zog man ihn nicht nur unter der dünnen Decke hervor. Man schmiss ihn mit dem übrigen Schwung von der weichen Unterlage.

Schmerzhaft wimmernd schlug er mit seinem Brustkorb auf dem Boden auf und er spürte, wie die gesamte Luft aus seinen Lungenflügeln wich.

Die Tränen traten ihm augenblicklich in die Augen, während er versuchte seine Angreifer in der Dunkelheit zu erkennen. Doch noch bevor er etwas dagegen unternehmen konnte, war seine Sicht bereits verschwommen und die ersten Tränen rannen ihm über das Gesicht.

Schmerzhaft presste er seine Lider aufeinander, während er versuchte nicht vor Schmerzen zu schreien. Seine Rippen pochten und sein Kopf dröhnte schrecklich.

Bloß am Rande bekam er mit, wie sich eine große Gestalt zu ihm hinunterbeugte und am Hals packte.

Eine große kräftige Hand schloss sich schmerzhaft fest und bitter stark um seinen hellen wehrlosen Hals und augenblicklich riss der Hellhaarige panisch seine Augen auf.

Sein Herz begann schneller zu schlagen, während die Panik in mehreren Schlägen seinen Körper durchflutete und ihn von der Realität abdriften ließ.

Die Töne seiner Umgebung, sowie die lauten, ekelhaften Worte seiner Angreifer hörte er bloß durch Watte. So hatte er auch keine Möglichkeit zu reagieren, geschweige denn zu antworten, da traf ihn bereits der erste Schlag im Gesicht.

Die Tränen liefen unaufhörlich seine Wangen hinab, während sich der Griff um seinen Hals verstärkte und ihm endgültig die restliche gebliebene Luft abschnürte.

Wenige Momente später begann seine Lungen schrecklich zu brennen und röchelnd versuchte er Luft zu holen. Seine Hände schlangen sich zitternd um das kräftige Handgelenk, welches mystisch in der Dunkelheit verschwand.

Zwar erblickte man in dieser Finsternis eigentlich nichts, doch desto mehr Tränen sich den Weg aus den Augen des wimmernden Jungen bahnten, desto mehr sah er, wie die Schatten begonnen sich zu bewegen. Sie verformten sich und tanzten umher, bis sich schließlich zum wiederholten Male zu fratzenartigen aus den Schatten erhoben.

Mit ihren leuchtenden Augen starrte sie auf den Jungen nieder und ließen sein Herz vor Panik und Furcht beinahe aus seinem Brustkorb springen.

Kaum bekam der Junge wirklich mit, wie er immer mehr durch den Luftmangel selbst die Realität aus dem Blickwinkel verlor und die Schläge der Männer immer wieder hart und erbarmungslos auf ihn niederprasselten.

Auf sein Gesicht, auf seinen Körper.

Und wie sich der Griff der Hand zum wiederholten Male verfestigte und den hellen Hals nicht nur mit dunklen Flecken versehte, sondern beinahe mit bloßer Kraft zerquetschte.

Der Junge nahm den schrecklichen Schmerz nicht wahr, unter welchem er wahrscheinlich normalerweise geschrien hätte, als man eine Faust in seinen Rippen versenkte und diese knirschten und knackten.

All dies bekam er nicht mit. Weder hörte noch sah er dies. Zu sehr lag der Fokus seines, von Panik geleiteten, Verstandes auf den schrecklichen Fratzen und Kreaturen, welche ihre Zähne fletschten, ihre Klauen nach dem Jungen ausstreckten und schrecklich beängstigend zu grinsen begannen.

Das Pochen seiner Rippen und das Brennen seiner Lungen hätte ihm vor Grausamkeit wahrscheinlich den Verstand geraubt, wenn man diesem nicht im selben Moment dem überlebenswichtigen Sauerstoff beraubt hätte.

Er stand kurz vor der Ohnmacht, doch auch dies verschwand in seiner Panikattacke, während er sich erstickend unter den Schlägen und Griffen seiner Angreifer wandte. Er merkte nicht einmal wie das Leben endgültig aus seinem Körper wich und seine Gliedmaßen erschlafften. Zu sehr war er gefangen in dem grausamen Anblick der Fratzen, welche sich auf ihn stürzte und verschlangen.

Er merkte nicht, wie auf einmal grelles Licht seine Umgebung füllte, welches von der hellen Flügeltür herrührte, welche der Prinz in diesem Moment panisch aufgerissen hatte. Und er merkte auch nicht, wie dessen Gesicht sich vor Schock, Zorn und Angst verzog und diesem Tränen in die Augen traten.

Dies alles merkte er nicht, denn in seiner Realität verschwand er gerade Stück für Stück in den schrecklich finsteren Mägen der Kreaturen und Fratzen, welche nach so langer Zeit endlich ihr Ziel erreicht hatten.

Sein Körper schien an Schwere zu verlieren, bis er ihn auf einmal nicht mehr spürte und mit der Leichtigkeit selbst durch die eisige Finsternis davonschwebte.
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