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Wüstenrose [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
23.03.2021
02.08.2021
67
119.256
11
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15.07.2021 1.647
 
Hastig eilten die beiden Männer durch die Gänge des Palastes.

Der junge Prinz trug den verletzten, nicht bei Bewusstsein seienden Jungen auf seinen Armen.

Immer wieder kamen sie an Angestellten oder Wachen vorbei, welche sich ordnungsgemäß verbeugten, doch mehr Reaktion als einen entschuldigenden Blick von James, erhielten sie nicht.

Der junge Prinz hatte in diesem Moment bloß Augen für den verletzten hellhaarigen Jungen in seinen Armen. Sein sorgenvoller Blick flog immer wieder hastig von dem bleichen Gesicht durch den Gang.

Leise fluchte der Schwarzhaarige. Es schien als würde dieser elendig lange Weg ins Krankenzimmer kein Ende fingen. Egal wie oft der junge Mann aufblickte, es war nicht genug Strecke zurückgelegt, als dass er damit zufrieden wäre.

Also zog er noch einmal das Tempo an und rannte beinahe durch die Gänge des riesigen Palastes. James spurtete ihm hinterher und musste mehrere Male seinen Vertrauten davor bewahren in einige Dienstmädchen hineinzulaufen.

Weder James noch Eliot selbst wusste, woher genau diese plötzliche, beinahe schon panische Reaktion und Sorge des jungen Thronfolgers kam. Doch darauf achtete dieser gar nicht. In seinem Kopf spielten sich ein Szenario nach dem anderen ab, welches jedes einzelne das Leben des Weißhaarigen kostete.

Auf seiner Stirn hatte sich eine tiefe Sorgenfalte gebildet und seine, durch das Weinen, leicht geröteten Augen, waren zu Schlitzen verformt. Seine Hände verkrampften und zitterten.

Angst, Panik und Wut stiegen gleichermaßen in ihm auf und ließen seine Glieder machtlos erzittern.

Zwar hatten sie die kleine Gruppe Wachleute festnehmen und in den Kerker bringen lassen, doch für sein Inneres war dies noch lange nicht genug. Sie sollten in der Hölle schmoren und als Vergeltung die Schläge des jungen Prinzen ertragen müssen.

Die braunen Augen schienen sich noch ein wenig zu verdunkeln, als er daran dachte, wie er den Weißhaarigen ebenfalls verabscheut hatte. Wie er ihn von sich gestoßen und zerstört hatte.

Schnell schüttelte er mit seinem Kopf. Er wollte so nicht denken. Es war vorbei. Der Schwarzhaarige hatte dir Tore öffnen lassen und den Hellhaarigen mit in sein eigenes Herz begleitet.

Die Maske war gefallen. Sowohl von seinem Antlitz als auch von seinem Herzen, welches diese als schreckliche Last, so unendlich lange Zeit hatte tragen müssen. Es war erleichternd.

Seine Züge lockerten sich für einen Moment, als er in einen weiteren Gang bog und schon von weitem die weiße Doppeltür des Krankenzimmers erkannte. Doch nur kurz. Wenige Sekunden später war nichts mehr von Erleichterung und Hoffnung zu sehen.

Die letzten Meter verschnellerte er seine Schritte noch einmal und stieß ohne Rücksicht die weißen Türen auf. Diese stießen mit einem lauten Knall an die weißen sterilen Wände und ließen die Krankenschwester erschrocken zusammenzucken, welche gerade dabei war, ein Krankenbett zu beziehen.

Es dauerte bloß wenige Augenblicke, da hatte sich das junge, ein wenig dickliche Mädchen tief verbeugt und den beiden Männern bereits angewiesen den mageren Jungen auf eben dieses Bett zu legen.

Mit schnellen Schritten kam er auf sie zu, dass sie beinahe schon Angst hatte, er würde das Bett umrennen. Doch stattdessen bremste er geschmeidig ab und legte sanft den schwachen Körper auf die weiche Unterlage.

Wie als wäre er aus Glas ließ er ihn aus seinen Armen gleiten und passte auf, dass ihm nichts geschah. Derweil lief das Mädchen auf die andere Seite des großen Raumes und kramte in einer weißen Kommode.

Überall im Zimmer standen Betten, welche durch Vorhänge die Möglichkeit hatten, voneinander getrennt zu werden.

Zwischen diesen standen immer wieder großen Schränke und kleinere Kommoden mit vielen Schubladen, in welchen sich wohl Medikamente und Arzneimittel befanden.

>>Was ist mit ihm passiert, eure Majestät?<< rief sie zu den beiden hinüber.

Da Eliot nicht den Anschein machte, als würde er seinen sorgenvollen Blick von dem Jungen lösen und der kleineren Person antworten, übernahm James dies für ihn.

>>Eine Handvoll Wachen hat ihn so zugerichtet und er hat das Bewusstsein verloren. Kannst du ihm helfen? Kannst du uns sagen, wie sein Zustand ist?<< leicht war sie rot um die Nase geworden, als der weitaus höhergestellte Mann, sie einfach geduzte. In einer anderen Situation hätte dieser sicher geschmunzelt, doch nun blickte er ernst auf die pummelige Person hinab, welche mit allerlei Salben und Verbandszeug wieder zurückkam.

Schnell fing sie sich wieder, legte die Sachen am Fuß des Bettes ab und begann einige Sachen auszupacken und aufzudrehen.

>>Sicher kann ich das. Dazu müsste eure Majestät jedoch damit beginnen ihm die Kleider auszuziehen. Ich muss eine gesamte Leibesvisitation machen, um sicherzugehen. Ich kann die beiden Majestäten jedoch vorläufig schon einmal beruhigen. Die Ohnmacht hat wahrscheinlich eher mit seinem Untergewicht und verbundenem Stress zu tun. Dazu kam dann die körperliche Belastung und es wurde zu viel. Aber das alles werde ich noch einmal genauer prüfen<< konzentriert bereitete sie einige Sachen vor. Dabei kniff sie leicht ihre Augen zusammen und strich sich eine Strähne ihres schwarzen Haares hinter das Ohr.

Die beiden jungen Männer hatten derweil bereits begonnen dem Namenlosen seiner Kleidung zu entledigen und knöpften ihm gerade das Hemd auf.

Scharf zog die Schwarzhaarige Luft ein, als sie den Oberkörper des Ohnmächtigen erblickte. Überall tummelten sich riesige blaue Flecken, Wunden und Narben, welche auf der hellen Haut noch heller schienen.

Besorgt kniff sie die Augen zusammen.

>>Entschuldigung? Würdet ihr mir in diese Schale ein wenig Wasser füllen?<< fragte sie James schüchtern, welcher bloß wortlos nickte.

Das Mädchen selbst war gerade dabei mit einer Pinzette ein wenig Watte aufzunehmen. Es dauerte bloß wenige Augenblicke, da war der Schwarzhaarige bereits zurückgehechtet und stellte die Schale mit dem Wasser auf das Bett.

Dankbar verbeugte sie sich erneut tief, tunkte die Watte ein wenig in das Wasser, bevor sie damit begann möglichst sanft die blutenden Wunden zu reinigen. Erst danach konnte sie ihn vernünftig untersuchen, Salben auftragen und die Verbände schnüren.

Eliot hatte sich währenddessen auf den Boden neben das Bett gekniet. Mit seiner Hand umschloss er dir kleine zierliche des Weißhaarigen.

Es dauerte zwar seine Zeit, bis das Mädchen beinahe die gesamte Watte mit Blut vollgesogen und den Jungen verbunden hatte. Anschließend entsorgte sie die genutzten Dinge schweigend und zeigte keine Reaktion darauf, dass sie gerade einen Hellen versorgte, oder dieser von dem Thronfolger, augenscheinlich, so umsorgt wurde.

Doch vielleicht lag dies auch einfach daran, dass die Schwarzhaarige kein Interesse daran hatte, Menschen nach ihrem Aussehen und ihrer Herkunft zu verurteilen. Sie mochte diese Art der Leute noch nie. Sie konnte es beinahe nicht ausstehen.

Bloß wunderte sie sich tief in ihrem Inneren, dass der junge Prinz den Weißhaarigen so sehr umsorgte. Eigentlich hatte sie nämlich immer wieder mitbekommen, wie sehr er nicht nur schwache Menschen verachtete, sogar beinahe hasste, sondern auch stark nach dem Aussehen urteilte.

Diese ganze Situation überraschte sie wirklich. Definitiv jedoch positiv.

James hatte während der gesamten Zeit, in welcher die Stille den Raum erdrückte und die Schwarzhaarige den Hellhaarigen versorgte, eben diese beobachtet. Jede Bewegung hatte er in sich aufgesogen.

Noch immer war es still, als sich das Mädchen zurück ans Bett stellte und den beiden Männern berichtete.

>>Wie vermutet sieht dies alles schlimmer aus, als es ist. Zwar kann ich nicht sagen, ob er innere Blutungen hat, dazu reicht meine Ausbildung nicht. Ihr müsstet einen Arzt holen. Doch so wie es scheint, werden die blauen Flecken bei guter Pflege schnell verschwinden und von den Wunden bloß Narben bleiben. Wenn eure Majestäten mich nun entschuldigen würden? Ich möchte ihm einige Speisen aus der Küche holen, damit er schnell wieder auf die Beine kommt<< tief verbeugte sie sich und drehte sich um.

Erleichtert atmete Eliot aus und packte die bleiche Hand bloß noch ein wenig fester. Es beruhigte ihn, dass es dem Jungen bald wieder besser gehen würde.

Woher diese plötzliche Sorge und liebevolle Art kam, war ihm ein Rätsel, doch er wusste, dass diese verschwinden würde, sobald seine Eltern ihn das nächste Mal zu sich rufen würden.

Denn dann würde er seine Maske erneut aufziehen, um die Schikanen zu ertragen und er nahm an, dass das Abnehmen dieser erneut seine Zeit benötigen würde.

Gerade war das Mädchen dabei mit schnellen Schritten davon zu laufen, da hielt jemand sie auf. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und ließ sie herumfahren.

Verwirrt musterte sie James, welcher ihr mit einer neutralen Miene entgegenblickte. Nervosität und Angst überkam sie.

>>H-Hab ich etwas vergessen, Sir? Es tut mir leid, falls dies der Fall sein sollte... E-Es wird nicht mehr vorkommen<< beteuerte sie. Tief verbeugte sie sich und war gerade dabei sich dem jungen Mann vor die Füße zu hocken und sich so, so tief wie irgend möglich, zu verbeugen, als dieser sie am Oberarm packte und lächelnd hinaufzog.

Unsicher auf ihrer Lippe kauend blickte sie ihn an und wartete bis er zu sprechen begann.

>>Unsinn! Ich möchte dich bloß begleiten! Ich weiß ja, wie die Palastköchinnen sind und nachher glauben sie dir nicht und lehnen deine Bitte ab! Sieh mich einfach als kleine Unterstützung<< mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen zwinkerte der junge Mann ihr zu und ging weiter auf die weiße Doppeltür zu.

Die Schwarzhaarige war ganz rot um die Nase geworden. Kurz musste sie den Kopf schütteln, um ihre Gedanken vollends loszuwerden und sich erneut auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Es war nicht bloß im Palast bekannt, dass der junge Mann ein ziemlicher Charmeur war. Sie redete sich also ein, dass seine Art nichts mit näherer Sympathie zu tun hatte. Es war bloß seine Art.

James selbst war bereits an der Tür angelangt und blickte auffordernd zu dem Mädchen, welches ihm wenige Augenblicke später folgte.

Sie gefiel ihm mehr, als er es zu diesem Zeitpunkt zugeben wollte.

Bevor die beiden durch die Tür verschwanden glitt sein Blick noch einmal zu Eliot, welcher weder seinen Blick noch seine Hand von dem Weißhaarigen gelöst hatte.

Die beiden würden ein wenig Zweisamkeit mit Sicherheit gebrauchen können.
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