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Wüstenrose [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
23.03.2021
02.08.2021
67
119.256
11
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Dieses Kapitel
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13.07.2021 1.867
 
Es dauerte eine Weile bis sich der Schwarzhaarige endgültig wieder beruhigt hatte. Bloß noch unregelmäßig erzitterte sein Körper unter einem Schluchzer und leise schniefte der junge Thronfolger.

James hatte in der gesamten Zeit nicht damit aufgehört sein Kinn auf dessen Kopf zu legen und ihm über den Rücken zu streichen. Bloß die beruhigenden Worte kamen ihm nicht mehr über die Lippen, da sich Eliot beruhigt zu haben schien.

Zögernd und mit ein wenig Druck löste sich der Schwarzhaarige aus der Umarmung und blickte seinen Vertrauten an. Dieser legte bloß fragend den Kopf schief und gab seinen Gegenüber damit das Zeichen, dass er reden sollte.

>>Bist du dir sicher, dass sich die Sache von damals nicht wiederholt?<< die Stimme des Prinzen zitterte noch immer unsicher blickte er James in die Augen.

Dieser musterte ihn bloß still. Er war froh, dass sein Gegenüber endlich wieder der Alte war. Dass dieser endlich wieder der Junge war, welcher ihm vor langer Zeit das Leben gerettet hatte.

Zwar hatte er dies ebenfalls schon für den Thronfolger getan, doch er sah es bloß immer wieder als eine Art Ausgleich. Er würde wohl ewig in der Schuld seines Vertrauten stehen, denn ohne diesen wäre er nicht dort, wo er nun eben war.

Leicht aufmunternd zogen sich seine Mundwinkel nach oben. Er hob einer seiner beiden leicht gebräunten Hände, um seinen Gegenüber die letzten Tränen von der Wange zu wischen.

Dieser ließ dies einfach geschehen und wartete geduldig bis James zu reden begann. Jener wuschelte ihm jedoch bloß noch einmal durch die pechschwarzen Haare, bevor sein Blick sich wieder auf das zweifelnde Gesicht richtete.

Um ihn ein wenig aufzumuntern, stupste er mit seinem Finger die Nase des, noch immer am Boden zerstörten, Jungen an und lächelte sanft.

>>Ich kann es dir nicht versprechen, denn ich weiß es nicht. Ich kann nicht in die Zukunft sehen. Aber es gibt da etwas, was ich dir definitiv sagen kann. Er wird dir verzeihen, wenn du zu ihm gehst und dich aufrichtig entschuldigst. Er wird beginnen dich mit anderen Augen zu sehen, wenn du dich auf ihn einlässt. Wenn du ihm Eintritt in dein Herz gewährst. Wenn du ihn ohne Probleme gewähren lässt. Wenn du auf der anderen Seite aber auch ihn und die Vergangenheit vergisst<< auf seinen Lippen lag ein Schmunzeln.

Sie beide wussten, dass er die Wahrheit sprach und James war ziemlich froh, dass er diese auch endlich aussprechen konnte.

Es war, als hätte er Eliot endlich dazu gebracht seine Maske von sich zu stoßen und sein kaltes Herz wieder auftauen zu lassen.

Doch auf der anderen Seite wusste er auch, wie sehr ihn die Vergangenheit belastete und wie schnell es gehen konnte, dass er eben diese Maske wieder aufsetzte. Dass er die Fassade erneut bildete.

Er bemerkte, wie sich Eliot aufsetzte und langsam erhob. James sah dies wie in Zeitlupe.

Der Junge, welcher überfordert mit allem zu sein schien wuchs mit jedem Moment mehr.

Nun stand Eliot aufrecht, drückte seinen Rücken etwas durch und seine Brust heraus. Sein Kopf hob sich anmutig und stolz.

Eben dieser Junge war zu einem stolzen und starken jungen Mann geworden. Er war zu demjenigen geworden, der er ohne seine falsche Fassade die ganze Zeit über bereits war.

James spürte, dass Eliot endlich bereit war über seine Vergangenheit hinweg zu schauen. Dass er sich endlich auf seine Worte eingelassen und diese in seine Seele hatten eintauchen lassen.

Er sah, wie sich die Form Eliots, von dieser riesigen mächtigen Hand, zu einer zarten schwarzen Rose entwickelte.

Eine Rose, so schwarz wie die Nacht und viel stärker, wie es ihre Form erlaubte. Eine Rose, welche nur noch darauf wartete, ihr Gegenstück in Empfang zu nehmen und sich mit diesem zu einem wunderschönen Strauch Rosen zu entwickeln, welcher wohl bald schwarz-weiße Rose tragen würde.

Ein kleines stolzen Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit, während er sich ebenfalls aufrichtete. Er hatte damals definitiv die richtige Entscheidung getroffen. Der namenlose Junge war damals wie heute die richtige Person für seinen kleinen Prinzen.

Eben dieser riss ihn aus seinen schwärmenden Gedanken, in dem er sich leicht räusperte und seinem Vertrauten zuwendete.

>>Und, was sollen wir jetzt machen?<< fragte er unsicher uns kratzte sich unangenehm berührt am Hinterkopf.

>>Wir werden ihn jetzt in seinem Gemach aufsuchen und du wirst dich entschuldigen. Und dann versuchst du dich auf ihn einzulassen. Versuche ihn in dein Herz zu lassen, an welchem er schon die ganze Zeit zu klopfen versucht, obwohl du ihn so sehr von dir gestoßen hast<< fest entschlossen nickte der junge Prinz und eilte durch den Saal in Richtung der Tür, durch welche der Weißhaarige zuvor verschwunden war.

James hatte nach all diesen Jahren seine Fassade gebrochen und nun vertraute er darauf, dass dieser ihn richtig leiten würde. Er vertraue auf dessen Worte.

Er wusste, dass jener nur das Beste für ihn wollte und so musste er sich wohl oder übel fragen, warum er nicht schon früher auf seine Worte gehört hatte. Warum er nicht auf das Gespür des Schwarzhaarigen vertraut hatte und sich nicht blind leiten lassen wollte.

Gerade legte er seine Hand auf die weiße Türklinke der Tür, welche sie aus dem Saal führte, als er stockte und unsicher zu seinem Begleiter blickte. Dieser hob bloß fragend eine Augenbraue.

>>Was ist, wenn ich es doch nicht schaffe die Vergangenheit zu vergessen?<< seine Stimme war etwas belegt und es schien, als wäre er unsicher darin seine Sorgen wirklich zu teilen.

Auch James erkannte dies. Ein leichtes Schmunzeln legte sich auf seine Lippen und aufmunternd legte er seine Hand auf den muskulösen Rücken des Thronfolgers.

>>Du sollst sie nicht vergessen Eliot. Weder dies noch verdrängen. Du sollst über sie hinauswachsen und aus ihr lernen. Du sollst es dieses Mal selbst in die Hand nehmen, um die Zukunft mit leichten liebevollen Schubsern zu deinen Gunsten zu verändern. Zu deinen Gunsten und derer, die dir in dieser noch von Wichtigkeit sein werden. Du brauchst keine Angst zu haben, was dich erwarten wird. Nicht nur, weil ich weiß, dass der namenlose Junge dir verzeihen wird, sondern auch, weil ich immer an deiner Seite sein und dich unterstützen werde. Erwarte nicht, dass alles von Jetzt auf Gleich funktioniert. So wird es nicht sein, aber sobald du beginnst die Vergangenheit zu deinen Gunsten zu nutzen, auch wenn es schwer ist, braucht es bloß noch wenige Schritte bis zum Ziel<< still schauten sich die beiden jungen Männer in die Augen.

Die Unsicherheit, welche sich wie ein Schimmer über die Augen Eliots gelegt hatte, schien zu verfliegen und fest nickte er seinem Vertrauten zu. Das Lächeln in dessen Gesicht wurde daraufhin bloß breiter.

Tief atmete der Prinz noch einmal durch, bevor er die Klinke der Flügeltür hinunterdrückte und in den Gang trat. Augenblicklich verbeugten sich die Wachen an den Seiten dieser und drückten noch einmal ihren Rücken durch.

Eigentlich hatte James erwartet, dass der junge Mann vor anderen wieder seine Maske aufziehen, die Gefühle verstecken und den Starken mimen würde, doch entgegen seiner Erwartungen lächelte dieser den beiden Wachmännern bloß charmant zu, bevor er sie hinter sich ließ und weiter durch den Gang lief.

James, welcher vor Überraschung stehen geblieben war und Eliot für wenige Momente hinterhergestarrt hatte, holte eilig zu diesem auf.

Schnell ertönten die Schritte der beiden jungen Männer auf dem roten Teppich, welcher diesen Gang, gleich wie jeden anderen in diesem Palast, außer diese, welche in den Kerker führten, schmückte.

Ein leichtes Lächeln zierte das Gesicht des etwas größeren Mannes, was James bloß stolz schmunzeln ließ. Zwar hatte dieser erwartet, dass Eliot nun ein wenig offener sein würde, jedoch hatte er angenommen, dass sie kleine Fortschritte machen würden. Dass er nun aber lächelnd durch die Gegend lief, war ein riesiger Sprung in die richtige Richtung.

Gerade bogen sie in den Gang, welcher sie in den Teil des Palastes bringen würde, in welchem sich die Gemächer der Angestellten befanden, als die Schritte des Prinzen ins Stocken kamen.

Die Stirn runzelnd verlangsamte auch der andere Mann seinen Eilschritt und blickte zu seinem Vertrauten.

Dieser hatte eine tiefe Furche zwischen seinen Augenbrauen gebildete und starrte überlegenes auf den Teppich. So verweilte er einige Augenblicke.

Erschrocken zuckte James zusammen, als Eliot seine Stimme erhob.

>>Wohin haben sie ihn gebracht? Ich weiß leider nicht, wo genau sich sein Gemach befindet<< peinlich berührt kratzte er sich am Hinterkopf und blickte unsicher seinen Gegenüber an. Dieser schmunzelte jedoch bloß.

>>Er ist in dem Selbigen, in welchem er auch zuvor war. Ich habe sie davon abgehalten dieses nach seiner Abstufung neu zu belegen. Also komm! Wir müssen in diese Richtung!<< ohne auf eine Antwort oder Reaktion zu warten, nahm der junge Mann sein Tempo wieder auf und eilte, den Prinzen im Schlepptau, durch den Palast.

Dieser folgte ihm mit hastigen Schritten.

Jedes Mal, wenn sie an Angestellten oder Wachen vorbeikamen und sich diese verbeugten, lächelte der Thronfolger sie an, woraufhin er lediglich verwirrte blickte erntete. Diese schienen ihn jedoch nicht zu stören, denn ohne weiter auf diese einzugehen.

Der Gang, in welchem sie in diesem Moment liefen endete. Von dort aus konnten sie nach rechts und links abbiegen. Eigentlich hätten sie bloß noch den rechten Gang entlang und dann eine Treppe hinuntergemusst, als ein lautes Wimmern sie aufhielt.

Verwirrt blieben die beiden Männer stehen und blickten sie in die Augen. Die Geräusche kamen aus dem linken Gang.

Bedacht hob James seinen Zeigefinger an die Lippen und bog langsam in den linken Gang ein. Der Thronfolger folgte ihm.

Ihre Schritte waren bedacht und so leise wie es ihnen möglich war. Beide hielten den Atem an, als sie an eine angelehnte Tür kamen. Nicht nur befanden sich in diesem Raum die Uniformen für die Angestellten, auch die Geräusche waren wesentlich lauter und kamen definitiv aus diesem Zimmer.

Immer wieder hörten sie verschiedene Männer leise Worte zischen und schreien. Darauf folgte meistens ein gedämpfter Schmerzensschrei oder ein Wimmern.

Bevor James auch nur reagieren konnte, stieß Eliot bereits die Tür auf und bereitete den offensichtlichen Qualen ein Ende. Was ihn jedoch dahinter erwartete, ließ ihn bloß erschüttert die Augen aufreißen.

Im Raum standen einige Wachen, welche gerade dabei gewesen waren auf einen mageren Jungen einzutreten. Erschrocken wichen diese beim Eintreten des Prinzen auseinander und gaben den Blick auf das Opfer frei.

Der Anblick jenes verschlug auch James die Sprache, welcher in diesem Moment hinter den Schwarzhaarigen trat und ebenfalls in den Raum blickte.

Am Boden lag der weißhaarige Junge. Seine Kleidung war an manchen Stellen gerissen und verdreckt. Blut schoss ihm aus Nase und Mund. Eine Platzwunde zierte seine Stirn. Sein Auge und Kieferknochen begann sich langsam, aber sicher zu verfärben und auf seinen Wangen konnte man unzählige blutige Schrammen erkennen. Die weißen Haare standen in alle Richtungen von seinem Kopf ab und kaum noch konnte der Junge seine, vor Tränen verklebten Augen aufhalten.

>>L-Lasst... m-mich... st-sterben...<< wisperte er unter Tränen und urplötzlich erschlaffte sein Körper.

Im Raum war es still und man hörte bloß noch das erschrockene, ungläubige Hauchen des Prinzen, welches über seine Lippen kam, bevor er auf den Jungen zustürmte.
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