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Wüstenrose [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
23.03.2021
02.08.2021
67
119.256
11
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Dieses Kapitel
1 Review
 
21.06.2021 1.653
 
Der Weißhaarige hatte nicht auf die Frage des Prinzen geantwortet. Zwar passte diesem diese Reaktion ganz und gar nicht, doch weiter nachhaken oder sich aufregen tat dieser sich nicht.

Lediglich sein Blick hatte sich verhärtet und er hatte den ihm Untergestellten mit Ignoranz gestraft.

Der Tag und auch die Folgenden waren darauf mehr als nur normal und auffällig ruhig verlaufen.

Weder hatte der Weißhaarige etwas offensichtlich falsch gemacht, noch hatte der junge Thronfolger ihn für Vergehen bestraft.

Doch anders, als es hätte sein sollen, verunsicherte den Weißhaarigen diese Stille bloß noch mehr. Jeden Schritt tat er noch bedachter, über jede Bewegung dachte er mehrfach nach und auch vor dem Prinzen hatte er beinahe noch mehr Angst und Panik bekommen.

Der Hellhaarige konnte es kaum aushalten sich mit ihm in einem Raum aufzuhalten. Er zitterte und wimmerte leise vor Angst. Mittlerweile hatte man ihn sogar nach draußen, vor den Raum geschickt, um dort zu warten.

Das Verhalten des jungen Thronfolgers jedoch, verwirrte ihn. Er wurde daraus nicht schlau. Konnte nicht sagen, was genau seine Intention war.

Mal war der Schwarzhaarige ihm ganz nah und brachte damit sein Herz zum Rasen. Auf der anderen Seite jedoch schien es, als würde er noch mehr Abstand nehmen und eine gewisse Distanz wahren.

Mittlerweile konnte der Weißhaarige nicht einmal mehr sagen, ob die Panik oder doch etwas anderes seinen Puls in die Höhe trieb.

Diese wenigen Tage, welche so unglaublich normal verlaufen waren, hatten deutliche und spürbare Spuren an seinem Herzen hinterlassen.

Die meisten seiner Gefühle einzuordnen fiel ihm schwer, obwohl er sich immer wieder einredete, dass dies nicht mit dem Thronfolger zu tun hatte.

Mit Sicherheit lagen diese Gefühle an dem Fakt, dass sein Körper begann sich endgültig zu erholen. Seine Wangen waren runder, dicker und immer leicht gerötet.

An vielen, beinahe allen Stellen seines Körpers waren die Abzeichnungen der Knochen verschwunden. An seinen Hüften hatten sich, trotzdem es nur wenige Tage gewesen waren, bereits winzige Fettpolster gebildet.

Die Wunde an seinem Arm war zu einer rosanen Narbe verheilt und bloß seine Rippen schmerzten noch bei jedem Schritt.

Die blauen Flecken und sonstiger Wunden und Narben, waren verschwunden und hatten sich beinahe unsichtbar gemacht.

Doch das Weinen hatte er noch immer nicht einstellen können. Die Flashbacks verfolgten ihn noch immer und es schien ihm, als würden sie kein Ende finden.

Ausnahmslos jede Nacht suchten sie ihn heim, hielten ihn wach und quälten ihn. Meistens endete es für den Blauäugigen in einer starken Panikattacke, welche ihn bis zum Morgen wachhielt.

Der Schlafmangel machte sich dabei deutlich durch die violetten Schatten unter seinen Augen sichtbar. Doch auch so weinte er viel.

Unter anderem lag dies an James, dem guten Freund des Prinzen, welcher ihn seit ihrem letzten Treffen gnadenlos ignorierte.

Jeder kalte Blick, jedes zynische Wort und jeder harte Befehl, war ein scharfes Messer direkt in das Herz des Jungen. Oft schon war er den Tränen nah gewesen.

Er verstand den Standpunkt des jungen Mannes nicht. Der Hellhaarige verstand einfach nicht, was er falsch gemacht hatte. Sagen, ob dies überhaupt der Fall war, konnte er nicht.

Es gab jedoch eine weitere Veränderung, welche dem zierlichen Jungen aufgefallen war.

James und der Prinz sprachen beinahe täglich miteinander. Dies war etwas, was damals nie vorgekommen und ziemlich überraschend gewesen war.

Der Junge wusste nicht genau, in welcher Verbindung die beiden Männer zueinanderstanden, doch man musste blind gewesen sein, dass man ihr Vertrauen und ihre zwischenmenschliche Bindung nicht spüren konnte.

Doch dies war auch eine Veränderung, welche dem Hellhaarigen immer wieder aufs Neue Schmerzen zufügte.

Durch diese regelmäßigen Gespräche und Treffen, quer im Palast verteilt, sah er James immer wieder erneut. Immer wieder wurde sein Herz dabei zerrissen.

Die Gefühle, welche dieser in ihm auslöste, glichen beinahe dem jungen Prinzen, doch er konnte ihre Intensität nicht richtig einordnen.

Es war, als würde der Prinz ihm wichtiger sein. Als würden seine Worte ihm näher gehen, aber dabei hatte doch James viel mehr für ihn getan?

Er fühlte sich, als würde er zwischen zwei Stühlen stehen und auf beiden Seiten prasselten Gefühle auf ihn ein, welche er nicht erklären konnte.

Doch wie sollte er einen klaren Gedanken darüber fassen, wenn er dies nicht konnte? Wie konnte er gewisse Dinge einordnen, ohne dass er wirklich wusste, worum es ging?

Ein Ding der Unmöglichkeit. Dies beschrieb seine Lage in diesem Moment ziemlich gut.

Seine Gedanken schossen ihm in jedem Moment noch schneller durch den Kopf, so dass er keine noch so kleine Chance hatte diese zu fassen.

So oft, wie er in Gedanken versunken war und aus der Realität verschwand, wunderte es ihn mehr als alles andere, dass er dafür noch keine Strafe erhalten hatte.

Weder dem Prinzen noch James selbst, war seine ständige geistige Abwesenheit aufgefallen.

Erneut saß der Weißhaarige an diesem Tag im Gang neben der Tür. Seinen Kopf hatte er gen Boden gerichtet und seine Augen waren geschlossen.

Trotzdem er in seinen Gedanken abgetaucht und verschwunden war, hörte er die beiden jungen Männer leise mit einander Reden. Dies lag wohl hauptsächlich daran, dass es im Palast allgemein ziemlich ruhig war.

In der Ferne hörte man hin und wieder die schweren Schritte einiger Wachen und Garde Mitglieder. Ab und zu huschten Dienstmädchen und Küchenjungen an dem Hellhaarigen vorbei.

Diese waren jedoch auf so leiden Sohlen unterwegs, dass sie kaum auffielen oder Geräusche machten. Dem Jungen schien es sogar, als würde sie es vermeiden auch nur ein einziges, lauteres Geräusch zu machen.

Ihn wunderte es, dass vor dem Gemach des Prinzen weder Wachen standen noch im Gang herumstromerten. Im Allgemeinen bekam er diese bloß unregelmäßig zu Gesicht, oder nur dann, wenn sie jemanden mit sich schliffen.

Doch gerade dieser Fakt machte es so tückisch. Man wusste nie, wo genau sich diese großen, muskulösen Männer befanden. Beinahe immer schaute er sich unsicher um, nicht wissend, ob hinter der nächsten Biegung mehrere Männer auf ihn warten würden.

Der Hellhaarige fühlte sich beinahe schon paranoid. Die Angst diesen Männern zu begegnen, war so weit gestiegen, dass er schon zitterte, wenn er sie am anderen Ende des Ganges erblickte. Falls es dann doch unvermeidbar war, an ihnen vorbei zu laufen, presste er sich so nah es ging an die Wände der Gänge und kniff die Augen zusammen.

In solchen Momenten hoffte er einfach nur, dass diese so schnell wie möglich vorbei waren, doch so einfach war es nicht.

Er schätzte, dass diese Angst ebenfalls mit den Flashbacks einherging. Immerhin waren es uniformierte Männer des Palastes gewesen, welche ihn geholt und anschließend bestraft hatten.

Dass er sie immer und immer wieder sah und somit an diese schrecklichen Stunden erinnert wurde, machte es ganz und gar nicht besser.

Der Blauäugige spürte, dass es dadurch bloß noch länger brauchen würde, bis seine Gedanken bereinigt und seine Erinnerungen erloschen waren.

Die Angst, dass er dies wohl nie erreichen würde, schwebte noch immer äußerst präsent in seinem Hinterkopf und schlängelte sich immer wieder zwischen seinen Gedanken hindurch in den Vordergrund.

Gequält wimmerte der Junge leise auf und sackte ein wenig in sich zusammen. Er spürte, wie der Kloß in seinem Hals wuchs und die Tränen bereits bereit waren an die Oberfläche zu treten, doch er wollte nicht. Zu viele Tränen hatte er um diese Angst bereits vergossen.

Die Angst, dass er diese Erinnerungen vielleicht nie loswurde. Dass sie ihn bis an sein Lebensende verfolgen und er somit niemals seine Freiheit erlangen könnte.

Die Freiheit. Seine Gedanken und Gefühle wollten frei sein. Frei von jeder Belastung, jedem Schmerz und jeder Angst.

Doch wie sollte er eben dies erreichen, wenn er sich selbst immer wieder daran erinnerte? Wenn er sich selbst immer wieder die Belastung, die Angst und auch den Schmerz Zurückbracht? Wenn er nicht einmal mehr fliehen konnte?

Denn vor sich selbst zu fliehen war schwierig in einer solchen Welt. Es war nicht so als hätte er dies nicht bereits in Betracht gezogen, doch er wusste einfach nicht wohin.

In der Stadt kannten ihn alle, ebenso im Palast und den Weg durch die trockene Wüstenlandschaft, ohne irgendein Ziel zu bestreiten, war ihm zu gefährlich.

Wenn man ihn verfolgen würde, würde man ihn aus weiter Entfernung erblicken. Doch abgesehen davon, würde er es seinem Körper wohl nie zutrauen so eine Anstrengung zu schaffen. Besonders nicht, nach den vergangenen Wochen.

Sein Körper hatte ihn im Stich gelassen.
Sein Geist hatte ihn im Stich gelassen.
Er selbst hatte sich im Stich gelassen.

Mehr als nur endgültig hatte er erkannt, dass er einfach für zu viele Dinge zu schwach war, als dass er seine Ziele aus eigener Kraft hätte erreichen können.

Zu sehr war er in den Fängen dieses Prinzen, seines Vertrauten und seines Lebens gefangen. Zu sehr fürchtete er sich vor Zukunft, Gegenwart und auch Vergangenheit. Sein Leben glich einer Komödie, bloß, dass der Hellhaarige der einzige im Saal war, welcher nicht lachte.

Ein Trauerspiel, welches kein Ende zu nehmen schien. Zu schwach, um sich selbst zu retten. Zu schwach, um gerettet zu werden. So war sein Schicksal.

Die Tränen überströmten mittlerweile sein Gesicht und mit hastigen Bewegungen, versuchte er das heiße Nass zu stoppen. Warum war er bloß so verdammt schwach?!

Warum konnte er nicht stark und mächtig sein, so wie alle anderen? Warum konnte er nicht so anmutig und ästhetisch sein, so wie alle anderen? Warum konnte seine Haut nicht gebräunt, sein Körper nicht muskulös und seine Haare nicht geschwärzt sein, so wie die von allen anderen?

Warum bloß war er so schrecklich anders, obwohl er dies gar nicht sein wollte? Was bloß hatte er falsch gemacht?

Plötzlich schwang die weiße Tür auf und James trat hinaus.

Sofort fiel sein Blick auf den elend wirkenden Jungen, doch sein Blick blieb hart.

>>Komm hinein, wir haben eine Aufgabe für dich<< seine Stimme war kalt, monoton und ließ den Weißhaarigen einen Schauer über den Rücken gleiten.

Egal was der Grund war, er wollte um Himmels Willen nicht diesen Raum betreten! Doch zu entscheiden hatte er dies nicht, wie so vieles in seinem Leben.
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