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Wüstenrose [BoyxBoy]

von nucahund
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
23.03.2021
15.06.2021
43
72.182
6
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 1.688
 
Beruhigend strich der junge Mann ihm durch seine weißen weichen Haare, welche in alle Richtungen abstanden.

In regelmäßigen Abständen hob und senkte sich seine Brust und der Weißhaarige versuchte sich auf den Herzschlag des Schwarzhaarigen und dessen Atmung zu konzentrieren.

Immer wieder versuchte er tief durchzuatmen und sich zu beruhigen, immerhin wollte er seinem Gegenüber nicht auf die Nerven gehen, doch jeder Versuch unterbrach sich selbst, in dem er zitternd aufschluchzte.

Der Junge merkte, wie seine Tränen nicht aufhören wollten aus seinen Augen zu strömen und sich kleine nasse Stellen am Oberteil des jungen Mannes bildeten.

Immer wieder schniefte er laut auf und musste sich darum bemühen Luft zu holen. Seine Augen kniff er zusammen. So oder so hätte er durch sein verschwommenes Sichtfeld nichts erkennen können.

Sein Kopf dröhnte und sein Puls pochte ihm in den Schläfen. Er merkte, wie sich die Kopfschmerzen ihren Weg in seinen Kopf bahnten und sich unter das Dröhnen mischten.

Seine Beine zitterten und peinlich berührt drückte er sie zusammen. Es war ihm unangenehm, dass der junge, ziemlich vornehme, Mann ihn in dieser Situation zu Gesicht bekam.

Sein Gegenüber nahm diese Bewegung wahr, doch darauf lag nicht sein Augenmerk. Eher darauf, dass sich auf der hellen, weißen, beinahe bleichen, Haut eine starke Gänsehaut bildete.

Besorgt verzog er sein Gesicht und ließ seinen Blick, so gut es ihm in dieser Situation möglich war, über den Weißhaarigen gleiten.

Leicht schmunzelte er, als er sah, wie das weiße Oberteil, welches er dem Jungen angezogen hatte, unter dem blauen hervorlugte. Hatte es ihm so sehr gefallen, dass er es nicht ausziehen wollte?

Eine unerklärliche Wärme begann in seinem Inneren zu kribbeln und sein Blut in Wallungen zu bringen, doch diese Gedanken verdrängte er schnell. Diesem Jungen ging es nicht gut, er sollte nicht an Dinge wie diese denken.

Leicht löste er sich also, woraufhin der kleinere junge Mann bloß leise wimmerte und träge seine verquollenen, roten Augen öffnete.

Das Lächeln auf seinen Lippen bildete ein aufmunterndes und seine Augen begannen zu funkeln.

>>Wir ziehen dich nun erst einmal zu Ende an, dir ist augenscheinlich immerhin ziemlich kalt, und dann gehen wir zurück ins Zimmer und du bekommst etwas zu Essen, in Ordnung?<< wortlos nickte der Hellhaarige und ließ seinen Blick auf seine nackten, bleichen, Füße gleiten.

Ohne das weiße Oberteil noch einmal anzusprechen, nahm sich der Schwarzhaarige die königsblaue Hose, welche zerknittert auf dem Boden lag und raffte sie ordentlich. Dann hob er erst das eine helle Bein des Jungen und zog das Hosenbein darüber, als nächstes nahm er das Andere.

Sachte und kurz hob der Namenlose sein Gesäß an, welches sich bereits einige Momente später in der vergleichsweisen warmen Bekleidung befand.

Als der Schwarzhaarige ihm jedoch auch noch die Knöpfe schließen wollte, drückte er dessen Hände leicht beiseite und tat dies selbst. So tief gesunken, war er dann nun doch nicht.

Mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen ließ sein Gegenüber dies geschehen und zog sich ein wenig zurück. Der Weißhaarige nestelte zwar ein wenig an dem Knopfloch herum, bis er es schaffte den Knopf hindurch zu stecken, doch trotzdem half er ihm nicht.

Der Schwarzhaarige hätte dies am liebsten getan, doch er wusste, dass dies zu viel wäre und der Weißhaarige sich eingeengt gefühlt hätte.

Als der Junge es schließlich geschafft hatte, zitterten seine Hände vor Nervosität und sein Gesicht leuchtete beinahe vor Schamesröte. Erneut neigte er den Kopf so in Richtung Boden, dass seine weißen langen Strähnen ihm ins Gesicht vielen und seine Augen verdeckten.

Sachte hob der schwarzhaarige Mann seine Hand, um den Weißhaarigen nicht zu erschrecken und strich mit seinem Finger die Haare zur Seite, welche ihm vor den Augen hingen. Natürlich vielen sie wenige Wimpernschläge später erneut wieder an ihre ursprüngliche Position.

Mit einem freudigen Lächeln besah James den hellhaarigen Jungen, welcher ihm bloß wortlos, durch seine hellen Strähnen hindurch, in die Augen starrte.

>>Wir werden deine Haare bald wieder ein wenig schneiden. Es ist bitter nötig. Wahrscheinlich wird dies nicht in den nächsten Tagen geschehen, doch passieren wird es definitiv. Ich verspreche es<< auch durch die Adern des Weißhaarigen begann Freude zu schießen. Lange hatte sich niemand mehr um ihn gekümmert. Lange hatte sich niemand mehr um sein Aussehen geschert. Lange hatte niemand mehr so neutral und irgendwie auch positiv über sein Äußerliches und besonders seine Haare geredet.

Ein leichtes Lächeln schlich sich auf deine Lippen und dankbar funkelte er den Schwarzhaarigen an. Dieser sah, wie die hellen blauen Augen begann zu funkeln, beinahe Funken zu sprühen. Sie glitzerten und wirkten so fröhlich und sorglos wie schon seit einer langen Zeit nicht mehr.

Seufzend richtete er sich jedoch wieder auf und beugte sich zu dem zitternden Jungen hinunter. Mit einer kurzen Bewegung hatte er ihn gepackt und hochgehoben.

Leise wimmerte dieser daraufhin auf und vergrub sein Gesicht erneut in seinem Oberteil. Leicht schmunzelte der Schwarzhaarige und betrachtete einige Wimpernschläge den viel zu leichten mageren Jungen.

Der Weißhaarige jedoch bemerkte dies nicht. Viel zu sehr konzentrierte dieser sich nämlich auf den ruhigen Herzschlag des Größeren. Er hörte ebenfalls die tiefen Atemzüge, welche ihn immer weiter beruhigten. Es war, als hätte sich sein Körper an den des jungen Mannes angepasst, denn bald schon merkte er, wie er im gleichen Rhythmus wie dieser atmete.

Wenige Momente blieb es ruhig, bevor sich der Größere schließlich in Bewegung setzte.

Der Hellhaarige merkte, wie sein Puls in die Höhe schoss und seine Hände vor Nervosität immer feuchter wurden.

Er wollte mit allen Mitteln vermeiden dem Prinzen zu begegnen, doch wie es aussah hatte er darüber keine Kontrolle. Er konnte es nicht entscheiden. Ungefragt nahm man ihm diese Entscheidung einfach ab.

Ein erdrückendes Gefühl lastete sich urplötzlich auf seiner Brust ab und die Luft zum Atmen schien ihn zu verlassen. Es war, als würde der Zwang ihn packen und umher zerren.

Erneut hatte er keine Kontrolle. Erneut war er dem willkürlichen Zwang eines anderen Menschen ausgesetzt und obwohl er wusste, dass James ihm nichts Böses wollte, schoss dir Panik durch seine Venen.

Elektrisierende Blitze schienen ihn aufzuladen und es hätte nicht mehr lange gedauert, dann hätte die Panik ihn überwältigt und er wäre ihr verfallen.

Der Fakt, dass es bloß wenige Augenblicke brauchte, bis sie das Zimmer erneut betreten und man ihn wieder auf dem Bett abgelegt hatte, kam ihm dabei mehr als nur zu Gute.

Er spürte die weiche Matratze unter seinen Körper, welcher erneut wieder stärker begonnen hatte zu zittern. Den besorgten Blick, welchen James ihn zu warf, schien sich in seine Haut zu brennen, so sehr spürte er diesen.

Das weiche Material schien sich beinahe an seinen knochigen Körper zu schmiegen und ihn zu verschlucken. Mit einem kleinen Schluchzen, welches ihm unbeabsichtigt über die Lippen kam, drehte er sich zur Seite und kringelte sich ein wenig ein.

Das Zittern schien sich zu verstärken, woraufhin der Schwarzhaarige geistesgegenwärtig die Bettdecke über den dürren Leib schlug.

Nach wenigen Augenblicken hatte der Weißhaarige dies bemerkt und tatsächlich erzeugte das Stück Stoff eine Wirkung. Beinahe sofort verspürte er ein Gefühl von Sicherheit.

Seine zitternden Finger krallten sich in den Stoff, als wäre dieser sein rettender Anker gewesen. Auch sein Gesicht versenkte er in dem weichen Material, so dass er dieses, mehr unbeabsichtigt, mit seinen Tränen durchnässte, welche, in seinem Anflug von Panik, wieder zugenommen hatten.

James setzte sich besorgt auf die Bettkante und legte dem Jungen sachte seine gebräunte Hand auf den zitternden Rücken. Augenblicklich zuckte dieser zusammen und schluchzte gequält auf.

Die Hand des jungen Mannes strich beruhigend erst über seinen Rücken und Nacken, bis hin zu seinem weißen Hinterkopf. Sachte fuhr er dem hellen Jungen durch seine unglaublich wirre Mähne. Er versuchte alles, um diesen zu beruhigen.

Doch dies war einige Momente später nebensächlich, denn Faszination durchflutete ihn. Der Fakt, dass ein solches, wunderschönes, filigranes und gebrechliches, Geschöpf mit einem solchen Aussehen wirklich in diesem Königreich und auf Vereandar existierte, schien beinahe surreal.

Ein gepresstes Räuspern riss ihn aus seinen Gedanken, welche gerade in vollem Gange waren, sich zu vertiefen. Der Hellhaarige hatte keine Reaktion gezeigt.

Ein wenig verwirrt blickte er Eliot an, welcher kalt und emotionslos zurückblickte. Der junge Mann kannte, sowohl diese Situation als auch diesen Blick nur zu gut. Der junge Prinz war genervt und gereizt. Bloß mit einem hohen Maß an Selbstkontrolle, konnte er seine Gefühle tief in seinem Inneren verschließen, sodass es nicht zu einem Ausbruch führte.

Neben dem angehenden König stand ein etwas kleineres Dienstmädchen, welche undefinierbar auf den Jungen im Bett hinabstarrte.

Der Schwarzhaarige löste seine Hand aus den weißen Haaren und richtete sich wieder ein wenig auf, in dem er seinen Rücken durchdruckte. Sein Blick glitt von seinem Prinzen zu dem hellhaarigen Jungen, bevor er ergeben seufzte. Ob es ihm nun lieb war, oder nicht, er musste diesen erneut in seiner Ruhe stören.

>>Du musst dich noch einmal bitte aufsetzten. Eliot hat dir einige Speisen besorgt, welche du zu dir nehmen solltest, bevor sie wieder kalt werden. Schaffst du es dich allein aufzusetzen?<< zögernd und schüchtern nickte der Angesprochene. Er traute sich beinahe gar nicht einen Muskel zu bewegen, zu viel Angst hatte er davor, dem Prinzen unter die Augen zu treten. Der Gedanke, dass sich dieser im selben Raum befand, ließ ihm einen Schauer über den Rücken fahren.

Langsam und zögerlich richtete er also seinen zitternden Körper wieder auf. Sein Blick war auf den weißen Stoff gerichtet, an welchem er nervös mit seinen dünnen Fingern nestelte.

Es ließ ihn unendlich unwohl fühlen die Blicke aller Anwesenden auf sich zu spüren.

Erschrocken zuckte er zusammen, als er eine weiche, warme Hand an seinem Kinn spürte, welche dieses sachte hochdrückte.

Sein Blick fiel mehr oder weniger widerwillig auf den von James, welcher ihn bloß aufmunternd anlächelte.

Lieber hätte er nicht weiter geschaut, doch er musste den Fehler machen die Blicke der anderen Personen zu suchen.

Den des Prinzen mied er absichtlich, da er ihm wohl zu viel Angst gemacht hätte, doch auch der Blick des Dienstmädchens, welche sich ebenfalls im Raum befand, ließ ihn einen schweren Kloß in seinem Hals herunterschlucken.

Es war die Frau, welche zu Anfang so unglaublich gemein zu ihm gewesen war.
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