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Wecke niemals einen schlafenden Drachen

von Saracey
KurzgeschichteRomance, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Bilbo Beutlin Smaug
22.03.2021
22.03.2021
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22.03.2021 2.168
 
Die Schlacht der fünf Heere war geschlagen und die Nachfahren Durins tot.  Bilbo trauerte noch immer um seinen Freund Thorin Eichenschild und dessen Neffen Kili und Fili. Er hoffte, dass alle drei nun ihre ewige Ruhe finden würden, ohne einen Gedanken an Gold oder einen Drachen verschwenden zu müssen.
Der Hobbit war gerade dabei seine letzten Habseligkeiten zu packen um dann den Erebor mit Gandalf dem Grauen zu verlassen als ihm ein Gedanke kam. Was war eigentlich mit Smaug, dem Drachen passiert nach dem ihn Bard mit einem schwarzen Pfeil getötet hatte? Lag sein toter Körper nun für immer auf dem Grund des Sees? Normalerweise verspürten Hobbits so etwas wie Neugier an Neuem und Gefährlichen nicht, doch Bilbo zog es nun an den See um doch mal nachzusehen ob der Kadaver des Drachen nicht doch auf dem Wasser trieb oder er irgendwo angespült wurde. Nach fünf Minuten des hin und herüberlegens entschloss sich der Meisterdieb doch nach dem Rechten zu sehen und einen Blick auf den See zu werfen. Aber Gandalf durfte davon nichts erfahren. Und so eiste er sich von dem Zauberer los noch bevor ihre Heimreise wieder begann mit der Begründung, er wolle doch noch etwas am Erebor verweilen, seiner Kameraden willen.
Ein paar Tage also nachdem Gandalf sich auf den Weg gemacht hatte, machte sich nun auch Bilbo auf dem Weg zur zerstörten Seestadt. Am See angekommen beschloss er, sich auf die Suche nach einem geeigneten Boot zu begeben und wurde auch schon nach kurzer Such er fündig. Am Ufer fand er ein noch unbeschädigtes Ruderboot, welches er unter großer Anstrengung aufs Wasser schob und dann selbst reinsprang. Zum Glück gab es auch noch ein intaktes Ruder und so ruderte der Hobbit nun mutterseelenallein auf den großen See hinaus. Immerhin konnte er die Trümmer der Seestadt schon erkennen und konnte so Kurs halten. Bedächtig schlängelte sich das Boot durch das mit Trümmern versehene Eiskalte Wasser. Bilbo war froh, dass er auf keine Leichen stieß. Die Menschen der Seestadt hatten also schon ganze Arbeit geleistet und ihre verstorbenen bestattet. Leider war das Wasser so dunkel, dass Bilbo weder Schuppen eines Drachen noch den Grund des Sees durchschimmern sehen konnte.
Als Bilbos Neugier nun wirklich gestillt war machte er sich daran wieder ans Ufer zu rudern und dann von dort aus seine Reise fortzusetzen. Irgendwie war Bilbo froh noch auf niemanden getroffen zu sein, er wollte lieber alleine reisen. Er hatte eine Karte und sich selbst. Das reichte ihm für den Moment. Als Bilbo wieder am Ufer ankam war er fix und fertig. Rudern strengte doch mehr an als gedacht und so war er froh als er kurz auf einem Stück Treibholz Pause machen konnte. Er hatte in den Monaten viel erlebt und viele Menschen, Zwerge und Elben kennengelernt und nun konnte er wirklich sagen, er freute sich auf Beutelsend. Doch etwas vermochte ihn noch anzuziehen und der Hobbit konnte sich selbst nicht erklären wieso. Schon seit Tagen dachte er fast pausenlos an Smaug, den Drachen. Er war so furchteinflößend und stark gewesen, da fiel es Bilbo schwer zu glauben, dass er sich von so einem Pfeil besiegen ließ. Aber an Drachen war Bilbo auch schon mal als kleine Kind interessiert gewesen. Irgendwo hatte er sogar mal gelesen, dass es eine Unterart der Drachen gab, die Drachenwandler. Sie hatten zwei Gestalten zwischen denen sie beliebig wechseln konnte. Ein Drache und ein Mensch.
Aber Bilbo hatte das Gefühl dass das eine Sage war oder die Drachenwandler schon seit vielen Jahren ausgestorben waren. Das hörte sich dann doch etwas zu abenteuerlich an. Nach der kurzen Pause richtete sich der braunhaarige wieder auf, schulterte sein Gepäck und machte sich auf dem Ufer entlang in Richtung Dunkelwald, nur um diesen diesmal aber zu umrunden. Keine 10 Pferde brachten ihn je wieder da hinein, vor allem nicht alleine. Doch momentan genoß er noch die frische Brise am See und lauschte dem Wasser. Trotz alldem achtete er aber dennoch auf seine Umgebung und dank dieser Tatsache übersah er auch nicht dass in eine braune Decke gehüllte etwas, das schon Richtung Waldrand lag und sich nicht regte. Mit einem unguten Gefühl hastete der Hobbit auf die menschenähnliche Gestalt zu und kniete sich dann neben sie. Mit zitternden Händen machte er sich daran die in der Decke eingewickelte Person aufzudecken und zum Vorschein kamen zuallererst blasse Schultern, ein ebenso blasses Gesicht von dunkelbraunen Locken umrahmt und eine blasse Brust, die sich aber glücklicherweise schwer erkennbar auf und ab bewegte. Der Mann vor ihm lebte also noch! Da fiel dem Hobbit erst die Wunde Brustbereich. Wahrscheinlich war sie vom Wasser ausgewaschen worden, denn sie blutete nicht mehr allzu stark war aber dennoch tief. Bilbo musste dem fremden Mann helfen, sonst würde dieser mit Sicherheit den nächsten Tag nicht mehr erleben.
Denn nun sollte es auch hier am See viel Schnee geben, die Wolken waren schon aufgezogen. Angestrengt überlegte er was er nun mit dem Verwundeten anstellen sollte, entschied sich dann aber dazu den Mann erstmal etwas vom Strand wegzuziehen und dann am Waldrand im Schutz der Bäume erstmal ein Lager aufzuschlagen. Vom Lager der Bewohner er ehemaligen Seestadt war er zu weit entfernt und würde es heute wohl nicht mehr erreichen. Also würde er sich erstmal selbst um den Mann kümmern müssen. Als er sich im Schutz der Bäume befand und den verletzten dort erstmal abgelegt hatte, musste sich der kleine Hobbit ausruhen. So einen großen Körper alleine zu mobilisieren war dann doch etwas schwerer als gedacht. Der Mann hatte sich währenddessen nicht wirklich bewegt, nur hin und wieder mal gestöhnt. Und was nun?
Bilbo hatte die Befürchtung dass der Mann Fieber hatte und sich die Wunde entzündet hatte. Was hatte er noch gleich von seiner Mutter gelernt? Königskraut, genau, das brauchte er jetzt und warmes Wasser. Das konnte er mittlerweile echt gut, Feuer machen. Es war also schnell ein kleines Feuer entzündet in der Nähe des verwundeten sodass dieser sich auch aufwärmen konnte und dann ging Bilbo auch schon auf die Suche nach dem heilbringenden Kraut. In einem Gebüsch nicht unweit ihres Lagers war er auch schon fündig geworden und brachte es zusammen mit etwas Wasser zurück zum Feuer. Dort erwärmte er das Wasser in einem kleinen Kessel und zerkleinerte das Kraut. Aus einigen sauberen Stofffetzen machte er einen Verband den er nach dem auswaschen der Wunde mit dem Krautbrei anlegte. Nun konnte er nur noch hoffen und den verletzten mit Wasser und etwas zu essen versorgen. Mehr konnte er nicht tun.
Doch schon nach einigen Stunden sah Bilbo aus dem Augenwinkel wie der Mann anfing sich zu bewegen und wie er sich langsam zu dem Hobbit umdrehte um ihm dann direkt ins Gesicht zu sehen. Im Schein des Feuers sah Bilbo nun das erste Mal die Augen des anderen und war wie gebannt von ihnen. Sie funkelten wie Bernsteine im Sonnenlicht und Bilbo könnte schwören dass er diese besonderen Augen schonmal irgendwo gesehen hatte. Aber vor allem fielen ihm nun die dunkelbraunen fast schon schwarzen Haare auf die das bleiche, kantige Gesicht umrahmten. Eine Zeit lang sagte niemand etwas bis ein leises geflüstertes: “Ich danke dir” über die wohlgeformten Lippen des anderen Mannes kam und Bilbo nicht anders konnte als rot zu werden. Wie konnte ein Mann nur so anziehend wirken? Das hatte er bis jetzt noch nie erlebt, nichtmal bei den Elben. Nach diesen Worten schloss der dunkelhaarige nun wieder seine faszinierenden Augen und atmete nach kurzer Zeit ruhiger. Er war wohl eingeschlafen. Da auch Bilbo von den Strapazen des Tages müde war, beschloss auch er sich hinzulegen und zu versuchen etwas zu schlafen. Morgen würde er den Verband des fremden wechseln und versuchen herauszufinden wie er denn hieß. Auch hatte er vor, Menschen zu Hilfe zu holen und dann weiterzuziehen. Mit den Gedanken an den nächsten Tag schlief der Hobbit nun in einen tiefen Schlaf aus dem er erst wieder bei Morgengrauen des nächsten Tages erwachte. Frierend rollte sich der Hobbit in seiner Decke zusammen, entschied sich dann aber lieber dazu wieder aufzustehen und sich zu bewegen.
Das Feuer war nur noch eine Glut also fing er direkt damit an und suchte neues trockenes Holz. Als auch das Feuer wieder lustig vor sich hinprasselte, kümmerte sich um eine kleine Suppe zum Frühstück. Das würde sie wieder aufwärmen.
Irgendwann wurde dann auch der verletzte wach und regte sich. Bilbo erschrak als dals der Mann sich mit einem Ruck aufsetzte und sich dann die Decke über die nackten Schultern warf. Bilbo wurde rot als er daran dachte, dass der dunkelhaarige wohl unbekleidet unter der braunen Decke war. Schnell schluckte er und wünschte dann einen guten Morgen. Schon wieder hatte Bilbo das Gefühl als kenne er diese Augen irgendwoher als der fremde ihn ansah, aber in diesem Blick lag eine Wärme die Bilbo selten zuvor gesehen hatte. Die Lippen des Mannes verzogen sich zu einem leichten Grinsen als er dem Hobbit ebenfalls einen angenehmen Morgen wünschte. Während des Frühstücks versuchte Bilbo herauszufinden wer der Mann war aber anscheinend schien sein gegenüber sich nicht mehr erinnern zu können.
Als Bilbo den Verband wechselte war er erstaunt darüber wie gut die Wunde aussah. Sie war schon beinahe verheilt. Als Bilbo dem Mann erklärte was er vorhatte war dieser nicht sichtlich von der Idee begeistert sich von den Menschen helfen zu lassen und bat stattdessen den Hobbit noch ein bis zwei Tage mit ihm zu verweilen bis es ihm besser ging und er wieder laufen konnte. Nach kurzer Überlegungszeit stimmte der Hobbit ein, im Anbetracht der schnell heilenden Wunde schien es wirklich nicht mehr lange zu dauern, bis der Mann wieder auf den Beinen war. Also verbrachte er den Nachmittag mit der Suche nach Nahrung, Feuerholz und etwas Königskraut. Am Abend bereitete er dann das Abendessen zu und schürte das Feuer ordentlich. Es würde eine kalte Nacht werden. Die beiden hatten noch viel über einige wichtige aber auch viele unwichtige Dinge gesprochen und der Hobbit musste zugeben, es tat gut mal wieder mit jemanden zu reden der auch lachen konnte. Als es dunkel wurde legten sich die beiden wieder hin und versuchten zu schlafen doch dieses Mal war es eindeutig schwerer für den Hobbit einzuschlafen. Zu kalt war es und zu viele Gedanken gingen ihm im Kopf umher. Als er dann doch eingeschlafen war wurde er hin und wieder mal wach weil es so kalt war. Er zitterte nun gefühlt schon seit Stunden und fand einfach keine ruhige Minute.
Irgendwann spürte er jedoch im Halbschlaf wie es wärmer um ihn herum wurde und wie ihn jemand umarmte und ihm etwas sanft ins Ohr flüsterte. Das dies jedoch irgendwie gar nicht sein sollte, fiel dem schlafenden gar nicht auf, zu entspannend war die Wärme und er fiel in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen wurde der Hobbit schlagartig wach. Er spürte einen warmen Atem in seinem Nacken. Plötzlich fielen ihm auch die Worte ein die ihm des Nachts zugeflüstert wurden und er wusste wer der schlafende war. Aber konnte es wirklich sein?
Mit großen Augen sah er den ruhig atmenden Mann an welcher ihn von hinten umarmt hatte und seinen Kopf auf seiner Schulter gebettet hatte. Er sah so friedlich aus. Aber in Bilbo war es gerade alles andere als ruhig. Die Anziehung die er all die Tage verspürt hatte, diese Wärme und Ruhe die der Mann jetzt ausstrahlte. Wie konnte das sein? Durch seine vielen Bewegungen war nun auch der größere wach geworden und sah ihn wieder mit diesen alles durchdringenden Augen an. Als wüsste er genau was in dem kleineren vor sich ging. Es fühlte sich so vertraut und angenehm an in den Armen des größeren zu liegen und den männlichen Körper an dem seinigen zu spüren. Auch wenn er wusste dass diese Gedanken falsch waren so konnte er dennoch an nichts anderes denken und ehe er sich versah lagen die Lippen des größeren auf denen des Hobbits. Der dunkelhaarige schmeckte wundervoll und obwohl Bilbo noch nie jemanden geküsst hatte so fühlte es sich dennoch richtig an.
Nach diesem Moment schien alles geklärt zu sein, mit wenigen Worten war geklärt dass der dunkelhaarige ihn auf seiner Heimreise begleiten würde und ihm wohl auch sonst nicht mehr von der Seite weichen würde. Bilbo hatte wohl wirklich seinen Seelenverwandten gefunden, denn der sonst so introvertierte Hobbit hatte nichts dagegen, nicht mal dass sie beiden von nun an zusammen leben würden und ihn der größere wohl nie wieder gehen ließ. Zum ersten Mal seit einiger Zeit fühlte sich der Hobbit lebendig und vollständig. Es war so falsch aber dennoch so richtig. Auf dem Weg zurück ins Auenland teilten die beiden Männer so manche intime Stunde und kamen sich immer näher. Sie freuten sich schon auf die ruhige gemeinsame Zeit die ihnen hoffentlich niemand mehr wegnahm. Und jede Nacht, kurz bevor es ihn ins Land der Träume zog hörte Bilbo die selben Worte die ihm sein geliebter zuflüsterte. “Mein kleiner Meisterdieb...”. Bilbo hatte seinen Platz gefunden und war froh darüber dass es seinem gegenüber genau so ging. Beide hatten die Liebe des anderen benötigt um endgültig glücklich zu werden.
 
 
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