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Feuer und Eis

von MaxiTaxi
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Het
Legolas OC (Own Character) Thranduil
21.03.2021
13.06.2021
27
55.049
5
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10.06.2021 1.411
 
Noch immer trieb Samiara im heilenden Wasser der Quelle. Sie fühlte sich so warm und geborgen, als ob jemand sie fest umarmte. Bei diesem Gefühl kam ein Bild von Thranduil in ihre Gedanken. Es fühlte sich so unpassend an, dass sie ungläubig die Augen öffnete. Das eben noch so helle Licht erlosch langsam, je mehr sie wieder zu sich kam. Ihre Narbe war wieder verdeckt. Ihre Augen mussten sich noch kurz an das Licht gewöhnen. Dann sah sie aber wie Imryll ihr eine Hand ausstreckte, um ihr aus dem Becken zu helfen. Samiara fasste sie und stieg vorsichtig die nassen Stufen wieder hinauf. Meriel stand mit einem großen Tuch bereit, welches sie sogleich um Samiara legte. Jetzt erst merkte Samiara wie viel besser sie sich fühlte. Am liebsten würde sie sich sofort wieder ins Wasser begeben, in diese warme Umarmung, die sie fest und warm hielt. Imryll bemerkte ihren sehnlichen Gesichtsausdruck.

„Das Wasser gibt dir das, was du am meisten brauchst. Zulange darin und du willst es nie wieder missen“, erklärte sie.

Samiara sah sie an. Sie glaubte zu verstehen, was die Heilerin sagte.

„Du würdest dich verlieren, Wahrheit und Einbildung würden verschwimmen und das wollen wir nicht.“

Samiara nickte etwas eingeschüchtert.

„Aber ich denke, du fühlst dich besser oder? So sehr wie das Wasser gestrahlt hat...“ Imryll wirkte nachdenklich.

„Ja, viel besser“, entgegnete Samiara. „Vielen Dank.“

Imryll nickte zufrieden.

„Du solltest dich jetzt weiter ausruhen“, sagte die Heilerin. „Gib deinem Körper Zeit. Falsch geleitete Energie kann viel Unheil anrichten...“

Samiara sah sie fragend an. Was wusste diese geheimnisvolle Elbin noch darüber? Vielleicht konnte sie ihr mehr helfen, als ein Krieger oder Ausbilder.

Bevor sie allerdings noch etwas fragen konnte, drängte sie Meriel ihre Kleider wieder anzuziehen.

„Aber, ich...“

„Ein anderes Mal, mein Kind“, sagte Imryll mit einem Lächeln. „Mit Zeit kommt Rat.“

Samiara nickte, wieder etwas überfordert.

Schnell war sie wieder bekleidet und kurze Zeit später in ihren Gemächern. Ihre Eule saß schlafend auf der Stange in ihrem Käfig. Meriel hatte sich bereits verabschiedet. Sie hatte noch einiges zu Essen aufgetischt, bevor sie gegangen war. Aber Samiara spürte keinen Hunger. Sie war gerade einfach wunschlos glücklich. Die Wirkung des Wassers der Quelle war noch immer stark. Sie atmete tief ein. Das einzige was sie spürte war ihre Müdigkeit. Der Gedanke so zufrieden einzuschlafen war sehr verlockend. Sie zog die Vorhänge vor den Fenstern zu und legte sich hin. Jegliche Spannungen in ihrem Körper waren verschwunden. Es dauerte nicht lange und sie fiel in den wohl erholsamsten Schlaf ihres Lebens.

Legolas hatte gerade die Gemächer seines Vaters erreicht. Nachdem Amràs ihn zurückgelassen hatte, hatte er sich ohne weitere Umschweife auf den Weg zu seinem Vater gemacht. Er klopfte energisch an die Tür. Er wollte wissen, was geschehen war und ob es Samiara gut ginge. Das mitgehörte Gespräch ließ ihn nichts Gutes vermuten.

Als er ohne auf eine Antwort zu warten das Zimmer betrat, saß Thranduil wie so oft in seinem Sessel, vor ihm ein massiver Tisch gefüllt mir diversen Schriften und anderen Utensilien. Er sah auf, etwas überrascht seinen Sohn zu sehen.

„Legolas“, sagte er nur. „Dich hatte ich nicht erwartet.“

„Wen hast du denn erwartet?“

Thranduil zog eine Augenbraue hoch. Der Ton seines Sohnes gefiel ihm nicht. Er stand auf und straffte die Schultern.

„Fëalar, wenn es dich so interessiert“, sagte er, während er sich aus einem Krug Wein einschenkte. „Ich denke aber, dass du nicht hergekommen bist, um mich das zu fragen.“

Wie Recht er hatte.

„Ich kam nicht drum herum, dich und Amràs sprechen zu hören, vorhin, in den Kriegerhallen.“

„Und? Erwartest du nun Anerkennung dafür, dass du uns unbemerkt belauschst hast?“

„Es geht mir mehr darum,  über was ihr gesprochen habt. Was ist geschehen?“

„Das braucht dich nicht zu beschäftigen, Legolas“, sprach Thranduil und nahm einen langen Schluck Wein.

„Vater, was ist geschehen? Ist Samiara etwas passiert?“, fragte Legolas etwas ungeduldig.

Bei Samiaras Namen wandte sich Thranduil wieder seinem Sohn zu. Er musterte ihn.

„Es geht ihr gut“, sagte er knapp.

„Das hat sich vorhin aber noch anders angehört.“

„Legolas“, sagte Thranduil recht schnell genervt von seinem Sohn. „Was  möchtest du von mir hören?“

Vater und Sohn sahen sich an.

„Erzähl mir doch bitte einfach, was vorgefallen ist, dass du den besten Lehrmeister deines Reiches vor den Augen aller so rügen musstest.“

Legolas ging ein Stück dichter zu seinem Vater heran.
Thranduil seufzte. Er hatte keine Lust auf dieses Gespräch, aber er wusste, dass Legolas sich nicht mit seinen Ausreden zufrieden geben würde. Er setzte sich wieder auf seinen Platz und begann Legolas kurz zu schildern, was passiert war, dass Samiara gebändigt hatte und wie Amràs die Situation nicht alleine kontrollieren konnte. Dass er ihm ein Versprechen gegeben hatte, dass Samiara nichts passieren sollte. Was danach noch geschehen zwischen ihm und Samiara verschwieg er bewusst. Das musste Legolas nicht wissen.

„Sie wurde dann zu ihren Gemächern gebracht“, beendete Thranduil den kurzen Bericht, nicht ganz der Wahrheit entsprechend.

Legolas hatte aufmerksam zugehört.

„Sie hat es also geschafft, ja? Und du bist jetzt zufrieden?“, fragte Legolas, während er die Informationen verarbeitete.

„Offensichtlich nicht, Legolas. Dass dies geschehen ist, ist allein Amràs zu verdanken.“

„Aber seine Methoden zu hinterfragen kam dir nicht in den Sinn? Bist du wirklich so erpicht darauf ihre Kräfte auszunutzen?“, fragte Legolas etwas aufgebraust.

Thranduil sah seinen Sohn mit schmalen Blick an. Was er sich ihm gegenüber erlaubte, war sehr frech, aber nichts, mit dem Thranduil nicht umgehen konnte. War er es doch schon gewohnt.

„Wie du schon erwähnt hattest, habe auch ich vom besten Lehrmeister meines Reiches anderes erwartet“, entgegnete er kühl. Laut zu werden würde doch zu nichts führen. Legolas ließ sich nicht so schnell einschüchtern. Das wusste er.

„Und was wird jetzt passieren?“, fragte Legolas ruhiger und setzte sich ebenfalls auf einen der Sessel.

„Ich gebe ihr Zeit sich zu erholen..“

„Wie großzügig von dir“, fiel Legolas ihm ins Wort.

Thranduils Geduldsfaden war nun schon sehr gespannt.

„Ich frage dich nochmals. Was möchtest du von mir hören?“, zischte er nun doch.

„Ich höre keinerlei Empathie in deiner Stimme. Kannst du dir nicht vorstellen, was in ihr vorgehen muss? So viele Traumata zu verarbeiten ist höchstwahrscheinlich nicht in so kurzer Zeit getan.“

Und wie Thranduil wusste, was in Samiara vorging. Es erregte ihn, sein doch intimes Gespräch mit ihr vor Legolas zu verheimlichen. Er ließ sich aber nichts anmerken.
Er sah Legolas nur weiter an. Er sah, wie sehr die Sache seinen Sohn beschäftigte. Er mochte Samiara anscheinend auch.

„Legolas, mir ist bewusst, was sie erlebt hat und was sie auch jetzt noch durchmachen müssen wird. Amràs wird sie aber nicht weiter trainieren, Fëalar wird dies ab sofort tun und ich gebe ihr vorher genügend Zeit sich zu erholen. Sie soll sich hier schließlich auch sicher fühlen.“

„Wie soll sie sich denn noch sicher fühlen? Du hast auch einen Teil zu dem Ganzen beigetragen“, provozierte Legolas seinen Vater.

Thranduil erhob sich nun. Er rieb sich die Schläfen.

„Ich muss mir keine Vorwürfe von dir anhören. Ich weiß, was ich tue.“

Legolas rollte nun mit den Augen. Dieses Gespräch würde zu nichts führen. Einsicht würde er sicher nicht mehr von seinem Vater bekommen.

„Ihr geht es gut“, sagte Thranduil erneut, noch immer seine Schläfen massierend. Dass er seine beste Heilerin ebenfalls an diesem Morgen zu Samiara geschickt hatte, erwähnte er auch nicht weiter.

„Ich habe noch zu tun, Legolas. Kannst du dich mit meinen Auskünften zufrieden geben?“

Legolas nickte, aber er war nicht zufrieden. Samiara hatte diese Behandlung seines Vaters nicht verdient. Sie schuldete ihm nichts, was er wohl wiederum voraussetze, um ihre Kräfte für sich zu gewinnen und zwar alleine nur für sich und sein Reich. Seine genauen Pläne hatte er auch noch immer nicht mit ihm geteilt. Bei diesen Gedanken fiel Legolas plötzlich wieder etwas ein. Er wusste nun, was er tun würde, um Samiara zu helfen, sie aus den Fängen seines Vaters zu befreien.

„Ich gehe“, sagte Legolas zum Abschied und stand schnell auf.

Thranduil nickte nur kurz. Er spürte, dass etwas in Legolas vorging, aber konnte nicht ausmachen, was genau. Manchmal wirkte Legolas schon fast wie er selbst.

Die Tür fiel ins Schloss und mehr Wein floss in seinen Kelch.

Es war bereits später Abend, als Legolas in der Bibliothek saß. Vor ihm feines Briefpapier im Licht einer Kerze. Lange hatte er überlegt, ob und was er schreiben sollte. Entschlossen steckte er nun die Feder in die Tinte und schrieb:

Elrond, Herr von Imladris,

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