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Death Is No Escape

Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Angst / P18 / MaleSlash
Megumi Fushiguro Ryomen Sukuna
20.03.2021
20.03.2021
1
3.842
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Dieses Kapitel
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20.03.2021 3.842
 
Hallo an alle, die sich hierher verirrt haben!

Ja, jetzt hab ich's getan. Dieses 'Pair' ist so ein bisschen ein Guilty Pleasure von mir, aber die Danymik hat mich einfach so fasziniert und als Autor gereizt, dass ich etwas dazu schreiben musste.

Ich muss es vermutlich nicht extra erwähnen, aber bei dieser Charakterkonstellation erwartet euch keine seichte Story, sondern eine extrem toxische/fragwürdige Dynamik und Handlungen, die tlw. nicht auf Consent beruhen. Ich denke zwar, dass das Rating eventuell auch als 16 durchgehen könnte, da ich vieles nur andeute, aber habe mich dennoch für die 18 entschieden.

Wer jetzt nicht abgeschreckt ist, dem wünsche ich viel Spaß! :)


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Death Is No Escape


Es war ein betörendes Spiel. Euphorisierend bis in die letzte Zelle seines Körpers. Ein berauschendes Gefühl, von dem Sukuna nicht genug bekommen konnte. Nicht genug bekommen wollte.

In all den Jahrhunderten seiner Existenz hatte er etwas Vergleichbares noch nie erlebt. Die lang vergangenen Jahre seines menschlichen Daseins mochten davon vielleicht ausgenommen sein, damals, als er noch nicht gewusst hatte, wie wirkliche Überlegenheit sich anfühlte, aber sie waren so unbedeutend wie der Dreck unter seinen Schuhen. Sukuna sah sie schon lange nicht mehr als Teil seiner selbst an. Seit er Vollkommenheit erreicht hatte, langweilten ihn die meisten Dinge schnell. Eine Bürde der grenzenlosen Macht, die ihm innewohnte.

Umso bemerkenswerter war es, dass es da doch etwas gab, was ihn hin und wieder zu erheitern vermochte.

Jemanden.

Sukuna konnte selbst nicht genau benennen, woran es eigentlich lag, dass Megumi ihn auf so vielen Ebenen faszinierte. Zumeist verlor er recht schnell das Interesse daran, mit den Ängsten seiner Opfer zu spielen, aber in diesem Fall war es anders. Er konnte gar nicht genug davon bekommen, ihn an seine Grenzen oder darüber hinaus zu bringen. Ihn zu brechen, Stück für Stück für Stück, aber immer genug übrig zu lassen, damit er sich doch wieder zusammensetzen konnte.

Megumis Sturheit erheiterte ihn, ebenso wie der leise Widerstand in seinen Augen, den Sukuna immer wieder aufs Neue mit Genuss niederriss. Er liebte es, wenn ihm seine ebenmäßigen Züge durch Wellen von aufkommender Panik wenige Sekunden lang entglitten. Wenn sich die Emotionen roh und brutal in seinem Gesicht widerspiegelten, die er sonst so sorgsam unter Kontrolle hielt. Wenn Sukuna sein Herz förmlich in seinen Handflächen schlagen spüren konnte, doch statt es freizugeben, drückte er ganz langsam zu. Fester und noch ein bisschen fester.

Es machte süchtig. Ihn zu berühren, zu quälen, zu besitzen.
Sich zu nehmen, was er wollte, immer dann, wenn er es wollte. Manchmal suchte Sukuna ihn auch in seinen Träumen heim. Es machte nicht ganz so viel Spaß, wie wenn er ihn wirklich  vor sich hatte, aber war zwischendurch als Zeitvertreib dennoch erheiternd.

Mittlerweile hatte dieser elende Bengel Itadori genug Finger geschluckt, um ihn nicht mehr gänzlich in Schach halten zu können. Besonders abends, wenn er schlief, schaffte Sukuna es häufig, die Kontrolle an sich reißen. Meist bemerkte Itadori es hinterher nicht einmal und Sukuna hielt sich zurück, ihm zu sagen, wie lose die Ketten inzwischen waren, die ihn noch zurückhielten.

Megumi konnte wiederum nie sicher sein, ob er gerade träumte oder nicht. Ob Sukuna wahrhaftig vor ihm stand und seine Drohungen wahrmachen würde, wahrmachen konnte,  oder ob seine Worte nur Schall und Rauch waren, in den Tiefen seiner Alpträume.

Es war zu einfach, ihn zu manipulieren und doch wurde es niemals langweilig. Sukuna konnte sich nie daran sattsehen, wie sein Körper unwillkürlich erstarrte, wenn ihn etwas überraschte oder schockte. Konnte nicht aufhören, sich an den süßen Geräuschen der Verzweiflung zu laben, die seiner Kehle entwichen, wenn Sukuna ihn bis an seine äußersten Grenzen trieb. Wenn Megumi vor Schmerz wimmerte oder vor Erregung keuchte und sich hinterher für beides Verabscheute.

Und es gab rein gar nichts, was Megumi dagegen tun konnte. Keine Möglichkeit für ihn, sich aus diesem Netz zu befreien, das Sukuna um ihn herum gesponnen hatte. Je mehr er dagegen ankämpfte, desto stärker verfing er sich darin, denn wenn er sich wehrte, hatte Sukuna nur noch mehr Lust, ihm wehzutun. Auf jede erdenkliche Weise.

Anfangs hatte er ihn nur am Leben gelassen, weil es diese eine Sache gab, für die er Megumi noch brauchte, aber jetzt entdeckte er immer mehr Vorzüge darin. Megumi konnte ihm auf viele verschiedene Arten gefällig sein und er kostete eine jede von ihnen in vollen Zügen aus.


Ihr nächstes Aufeinandertreffen stand kurz bevor. Der bloße Gedanke daran sandte eine Welle an elektrisierender Euphorie durch Sukunas Venen. Er konnte es kaum abwarten.

Wie üblich riss er Megumi direkt aus dem Schlaf. Zog ihn mit hinab in sein ganz persönliches Reich, wo sich Realität und Alptraum zu einer untrennbaren Einheit verbanden.
Nicht jeder hatte das Privileg jemals einen Fuß in seinen Schrein zu setzen – oder gar lebend wieder herauszukommen. Für Megumi machte er allerdings gern eine Ausnahme.

Wie üblich blinzelte Megumi verwirrt in die neue Umgebung hinein. Er wandte den Kopf hin und her. Versuchte zu begreifen, was passiert war. Wo er sich befand. Sein Unterbewusstsein hatte es vermutlich bereits realisiert und sein aktiver Geist würde sogleich folgen.

»Guten Abend«, flötete Sukuna dicht an sein Ohr gewandt, ohne ihn zu berühren. Er stand direkt hinter ihm, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Konnte jede Regung genaustens beobachten. Zufrieden bemerkte Sukuna, wie Megumi sich automatisch anspannte. Sein amüsiertes Grinsen vertiefte sich.

»Hast du mich vermisst?«

Wie immer enttäuschte Megumi ihn nicht. Blitzschnell riss er seine Faust hoch. Wollte sich im gleichen Atemzug um die eigene Achse drehen, um ihn nicht mehr im Rücken zu haben, aber Sukuna fing den Schlag mit Leichtigkeit ab. Fest umschloss er Megumis Faust. Drückte zu, mit jedem Atemzug ein bisschen stärker. Wenn er wollte, könnte er ihm die Finger brechen oder das Handgelenk. Vielleicht auch den Arm. Er beschloss, es davon abhängig zu machen, wie er sich im weiteren Verlauf benahm.

»Vorsicht«, raunte Sukuna warnend. »Oder willst du, das ich ihm wehtue?«

Drohungen gegenüber diesem unsäglichen Bengel auszusprechen traf immer auf einer ganz anderen Ebene, als wenn er Megumi direkt bedrohte. Sukuna konnte praktisch beobachten, wie hasserfüllte Wut in seine meeresgrünen Augen glitt.

Megumi hasste es. Hasste seine eigene Hilflosigkeit. Hasste, dass es so einfach funktionierte. Die Muskeln in seinem Arm verloren an Spannung. Er kämpfte nicht mehr gegen ihn an. Resignierte für den Moment.

Sukuna lächelte diebisch und verstärkte seinen Griff noch ein wenig mehr. Gleich würde er Knochen Knacken hören.

Megumi presste die Zähne aufeinander, aber sonst kam kein Laut über seine Lippen. Er versuchte, es stoisch zu ertragen. Es war fast schon niedlich, wie sehr er sich bemühte.

Unvermittelt ließ Sukuna locker, nur, um in der nächsten Sekunde noch fester zuzupacken. Megumi hatte kaum Zeit, um aufzuatmen und dieses Mal entwich seiner Kehle ein schmerzerfülltes Keuchen.  

Zufrieden löste Sukuna die Umklammerung und fuhr langsam seinen Arm entlang. Mit sanfter Gewalt drückte er ihn nach unten, ohne die Berührung zu lösen.

Megumis Atem tanzte schwer durch die Luft. Bestimmt flutete ein Anflug von trügerischer Erleichterung seine Venen, ohne, dass er etwas dagegen tun konnte. Sukuna holte ihn jedoch liebend gern auf den Boden der Tatsachen zurück.

»Du atmest so schwer«, stellte er fest und trat so dich an Megumi heran, dass er ihn deutlich in seinem Rücken spüren musste.
Sukuna hob eine Hand an und legte sie behutsam um Megumis Hals. Statt ihm jedoch die Luft abzudrücken, presste er Zeige- und Mittelfinger gegen seine wild pochende Halsschlagader. Er spürte deutlich, wie Megumi sich versteifte. Wie er versuchte, die Angst, die Panik,  niederzukämpfen. Es war berauschend.

»Hast du Angst?«, fragte Sukuna mit zynischem Vergnügen.

Megumi sagte nichts. Er blieb steif und stumm und wartete ab, was als Nächstes passierte. Bereitete sich innerlich auf das vor, was da kommen mochte.

Sukuna spürte Wut in sich aufsteigen. Wie flüssige Lava schoss sie in ihm empor und bahnte sich ungefiltert einen Weg nach draußen. Diese Reaktion war inakzeptabel! Wenn er etwas sagte, hatte Megumi zu reagieren!

»Hey.« Grob packte er Megumis Kinn und drehte seinen Kopf ruckartig zur Seite. Sukunas Lächeln war verschwunden und hatte einer warnenden Miene Platz gemacht. »Ich habe dir eine Frage gestellt.«

Ihre Blicke trafen aufeinander. Der Hass pulsierte immer noch in Megumis Augen, aber Sukuna sah und spürte an seinen Fingerkuppen, wie er kaum merklich schluckte. Das war gut. Das war sehr gut. Er hatte  Angst, ganz gleich, wie sehr er es auch zu verstecken versuchte. Sukunas Wut verrauschte so plötzlich, wie sie gekommen war und machte selbstgewisser Zufriedenheit Platz.

»Nein«, entgegnete Megumi unterdessen kühl. Ganz der unnahbare, sture junge Mann, der er war.

Sukunas Grinsen nahm geradezu manische Züge an. Das war eine eindeutige Herausforderung. Er liebte  Herausforderungen wie diese.

»Das ist ziemlich mutig von dir – oder aber ziemlich dumm«, stellte Sukuna fest und verstärkte kaum merklich den Druck um seinen Hals. Nur ein kleines Bisschen. Megumis Atem stockte eine süße Sekunde lang. Er war machtlos gegen seine Überlebensinstinkte, ganz gleich, wie sehr er es auch zu verbergen versuchte.

»Was willst du von mir?«, zischte Megumi feindselig, die Augen misstrauisch zusammengekniffen.

Widerstand war der letzte Funken von scheinbarer Kontrolle, den er noch besaß. Sukuna löschte ihn mit Freuden aus.

Seine Hand schnellte von Megumis Hals zu seinem dunklen Haarschopf. Grob riss er seinen Kopf nach oben. Zerrte ihn näher zu sich heran, so, dass Megumi seinen heißen Atem auf seinem Hals spüren konnte.

Seine andere Hand ließ Sukuna langsam von seinem Arm zum Saum seines dunklen T-Shirts gleiten. Er bemerkte, wie Megumi die Luft anhielt. Sich versteifte. Mit sich kämpfte, um ja keine ungewollten Reaktionen zu zeigen. Er wusste, dass es nichts brachte, sich zu wehren. Dass ihn das nur noch mehr anspornen würde.

Sukuna genoss es unterdessen, ihn langsam dazu zu bringen, diesen Punkt zu überschreiten. Es war ein erheiterndes Schauspiel.

Langsam, fast schon zärtlich, schob er seine Hand unter den dunklen Stoff. Er strich über glatte Haut und straffe Bauchmuskeln, weiter nach oben. Riss noch ein wenig stärker an seinen Haaren, um ihm die Aussichtslosigkeit seiner Situation zu verdeutlichen. Megumis Atmung beschleunigte sich. Er versteifte sich noch ein wenig stärker. Ballte seine Hände zu nutzlosen Fäusten. Wagte es nicht, den Blick von ihm abzuwenden. Da war immer noch Gegenwehr in seinen Augen zu sehen, aber das leise Grauen angesichts dessen, was ihn erwarten würde, schlich sich zunehmend mit hinein.

Sukuna lächelte zufrieden und presste seine Lippen gegen seine Ohrmuschel. Seine Hand kam genau über Megumis Herzen zum Ruhen. Hektisch schlug es dagegen, wie ein panischer Vogel, der aus seinem Käfig ausbrechen wollte. Sukuna würde ihm die Flügel stutzen müssen.

»Alles, Megumi«, raunte er ihm schließlich die Antwort auf seine Frage entgegen und spürte, wie sich eine feine Gänsehaut über den Körper des Menschen legte. »Das weißt du doch.«

Sukuna kannte seinen Körper in- und auswendig. Konnte blind die Punkte nachfahren, die ihn um den Verstand brachten.

Für den Bruchteil einer Sekunde weiteten Megumis Augen sich kaum merklich. Die Hilflosigkeit, die sich darin widerspiegelte, rann wie flüssiges Glück Sukunas Kehle hinab.

Er wanderte mit den Lippen hinter sein Ohr und dann seinen Hals entlang. Streifte warme, weiche Haut. Hauchte die Idee eines Kusses darauf. Dann, ohne Vorwarnung, grub er seine Zähne hinein. Entlockte Megumi ein überraschtes, schmerzerfülltes Keuchen und erhöhte unwillkürlich den Druck auf seinen Brustkorb, um ihn an Ort und Stelle zu halten.

Unnachgiebig fuhr Sukuna mit seiner Hand über seinen Toros nach unten, tiefer, immer tiefer. Er hörte, wie Megumis Atmung sich beschleunigte; konnte förmlich zusehen, wie der Horror in seine Gedanken glitt; wie die Panik sich ihren Weg durch seinen sonst so beherrschten Geist bahnte, schonungslos und brutal. Solange, bis er schließlich die Kontrolle verlor und den Fehler beging, ihn aufhalten zu wollen.

Megumis Hand, die bis eben nutzlos neben seinem Körper gebaumelt hatte, schnellte reflexartig nach vorn und schloss sich fest, fast schon flehend um sein Handgelenk. Sukunas Mundwinkel zuckten vor Verzückung nach oben.

Blitzschnell riss er Megumis Arm nach oben und fixierte ihn gleichzeitig mit unnachgiebigem Griff an seiner Schulter. Übte genug Druck aus, dass der Schmerz fortlaufend an seinen Sehnen und Muskeln riss.

»Willst du, dass ich dir den Arm ausreißen?«, fragte Sukuna fast schon gelangweilt. Es wäre spielendleicht. Eine Sache von einer einzigen Sekunde.

Als Megumi nicht sofort antwortete, riss er seinen Arm ruckartig noch ein wenig stärker nach oben und erntete einen süßen, schmerzerfüllten Aufschrei.

»Nein...«, presste er angestrengt unter zusammengebissenen Zähnen hervor. Sein Atem ging rasselnd und er kämpfte sichtlich gegen den Schmerz an.

»Ich könnte ihn dir auch brechen«, überlegte Sukuna laut weiter und lehnte sich mit dem Oberkörper gegen seine Schulter, um den Druck nur noch weiter zu erhöhen.

Megumi zischte. Atmete stoßweise. Der Schmerz musste schier unerträglich sein. Die Hilflosigkeit überwältigend.

Sukuna geriet förmlich in Ekstase. Er musste sich bremsen, um sich nicht gleich alles davon zu nehmen. Es machte mehr Spaß, wenn er ihn ganz langsam, Stück für Stück auseinandernahm. Wenn das Grauen beständig und unaufhaltsam in Megumi heranreifen konnte. Wenn er nie abschätzen konnte, was als Nächstes passierte. Wenn jeder Moment seinen Untergang bedeuten konnte.

Statt seinen Überlegungen also Folge zu leisten, ließ Sukuna von seinem Arm ab und zog ihn an der Schulter nach oben. Dann, ohne mit der Wimper zu zucken, schlug er ihm seitlich mit der Handkante gegen die Schläfe.  

Durch die Wucht wurde er ein paar Meter nach hinten geschleudert, ehe er ungebremst auf dem Boden aufschlug. Nur sein überraschtes Keuchen erfüllte einen Moment lang die Luft.

Megumi verlor keine Zeit und sprang hektisch in eine sitzende Position. Mit einer Hand befühlte er seine getroffene Gesichtshälfte. Wollte sich das Blut von der aufgeplatzten Lippe wischen, aber Sukuna ließ ihn nicht.

Im Bruchteil eines Wimpernschlags überbrückte er die Distanz zu ihm und kniete sich vor ihm nieder. Gebieterisch packte er seinen Kiefer und ließ Megumi damit unvermittelt innehalten.

Seine Augen weiteten sich kaum merklich vor Überraschung, ehe der abgrundtiefe Hass in ihnen zu lodern begann, aber Megumi wusste es besser, als sich zu wehren und ließ gehorsam seine Hand sinken. Sukuna lächelte zufrieden.

»So ein gut erzogener Junge«, lobte er ihn spottend und ließ seinen Daumen über die malträtierte Lippe fahren.

Megumis Miene verfinsterte sich. »Bring es einfach hinter dich«, murmelte er abwehrend. Versteckte seine nervenzerreißende Anspannung hinter einer Wand aus stoischer Abgeklärtheit, aber sein wild schlagendes Herz verriet ihn.

Amüsiert lehnte Sukuna sich nach vorn, bis ihre Lippen sich streiften. Er schmeckte metallisches Blut, das sich süß auf seiner Zungenspitze ausbreitete. Megumi versteifte sich zu einer unbewegten Statue, doch statt den Kuss zu vertiefen und sich einen weiteren Splitter seiner Seele zu nehmen, beugte Sukuna sich näher an sein Ohr heran und wisperte: »Ich freue mich schon, auf unser nächstes Aufeinandertreffen. Ich kann es kaum erwarten.«

Er spürte Megumis Verwirrung und lachte leise, ehe er ihn aus seinem Reich entließ und geradewegs in die Hölle der zermürbenden Ungewissheit hineinstieß. Es machte so viel Spaß  auf diese Weise mit ihm zu spielen. Die Unberechenbarkeit war es, die einen Menschen erst so richtig  hilflos machte und Sukuna freute sich schon jetzt darauf, die leisen Schatten der Zweifel in seinen Augen zu sehen, wenn er Itadori morgen gegenüberstand und sich insgeheim fragte, wie lange er dieses Mal sicher sein würde. Wann es das nächste Mal passierte. Was  das nächste Mal passierte.

Die einzige Gewissheit, die Megumi noch hatte, war, dass er niemals sicher war. An keinem Ort. Zu keiner Sekunde.

Es war amüsant zu beobachten, wie er sich immer weiter verschloss. Itadori aussperrte, für etwas, wofür dieser Bengel rein gar nichts konnte. Lieber litt Megumi allein, mit stoischer, unnahbarer Miene, die Sukuna ihm nur zu gerne vom Gesicht riss.

Es war die perfekte Tragödie und er der Strippenzieher im Hintergrund, der den Verlauf der weiteren Geschichte bestimmte.

Sukuna hatte die absolute Kontrolle. Dessen war er sich mit jedem Atemzug bewusst.

Und doch gab es da irgendwann plötzlich diesen einen entscheidenden Moment, in dem ihm die Fäden für den Bruchteil einer Sekunde aus der Hand zu gleiten drohten. In dem Sukuna eine Wahrheit erkannte, die faktisch unmöglich  war – doch das machte es nicht weniger real.



Megumi kauerte vor ihm. Blut quoll wie Wasser aus seinem Körper heraus. Es war ein betörender Anblick, aber nur bis zu dem Punkt akzeptabel, an dem er weiterhin atmete, was Sukuna letztendlich dazu brachte, einzugreifen. Eine hässliche Klinge ragte wie ein abgebrochener Zahnstocher aus seinem Brustkorb heraus. Sein Lungenflügel war vermutlich durchbohrt. Der Schmerz musste lähmend sein.

»Hallo Megumi.« Sukuna genoss es in vollen Zügen, seinen Namen auszusprechen. Ihn wissen zu lassen, dass er  es war, den er nun vor sich hatte und nicht Itadori.

Megumi hatte kaum Kraft, um geschockt zu sein oder auch nur irgendeine Reaktion zu zeigen. Schwer hob und senkte sich sein Brustkorb und er warf ihm einen ausdruckslosen Blick unter seinem dichten Wimpernkranz zu.

Sukuna lächelte. »Komm, lass mich dir helfen,« sagte er fast schon sanft, als ob er mit einem scheuen Tier redete, das er gleich zur Schlachtbank führen würde. Doch Megumi war kein unbedeutendes Schlachtvieh, sondern ein sorgsam ausgesuchtes Haustier.

Megumi presste die Zähne aufeinander und schüttelte kaum merklich den Kopf.

»Nein?«, fragte Sukuna amüsiert. »Aber wir wollen doch nicht, dass du stirbst, hm?«

Er umschloss sein Kinn und riss gleichzeitig mit einem Ruck an dem Katana in seinem Körper, um es herauszuziehen.

Megumi stöhnte auf. Presste schmerzhaft fest die Augenlider zusammen. Drückte sich reflexartig die Hände flach gegen die Wunde.

Sukuna beobachtete jede einzelne Regung mit aufsteigendem Vergnügen. Er sah so schön, so vollkommen  aus, wenn er litt.

Einige Sekunden lang kostete er den Anblick, den Megumi gerade bot, in vollen Zügen aus. Blutüberströmt. Hilflos. Vollkommen abhängig von seiner Gnade, die er verweigern würde, wenn er es könnte.

Sukuna würde seine Wunden mit Leichtigkeit heilen, nur, um ihn danach noch ein wenig weiter leiden zu lassen, aber dieses Mal nach seinen  Regeln.
 
Es war ein unerwarteter Ruck an der Klinge, der Sukuna schließlich unvermittelt aus seinen Gedanken riss. Als er den Blick nach unten wandte, sah er, wie Megumi mit bebenden Fingern die blutbesudelte Schneide umfasste. Er sah ihn an, mit seinen undurchdringlichen Augen, die Spitze des Katanas zielstrebig auf seinen Brustkorb gerichtet. Sukuna realisierte erst einen Augenblick später, was er vorhatte.
Voller Entschlossenheit zog Megumi die Klinge an sich heran. Rammte sie mitten in sein erschöpft schlagendes Herz hinein.

Sukunas Augen weiteten sich.

Und dann war es da, für die Winzigkeit eines Augenblicks. Für die Dauer eines aussetzenden Herzschlages. Für den kurzen Moment des Schreckens, wenn man eine Stufe übersah und scheinbar ins Leere trat.

Der Schock. Die Angst. Das Grauen.

Es war etwas Rohes, Brutales, das ihn vollkommen unvorbereitet erwischte. Das sich wie eine Faust um seine Eingeweide schloss und sie zerquetschte, denn das durfte nicht sein. Er durfte  ihn nicht verlieren. Megumi durfte  nicht sterben. Niemals.

Es war eine so fundamentale Gewissheit, wie das Auf- und Untergehen der Sonne eines jeden Tages.
Hatte nichts mit der Tatsache zutun, dass er Megumi noch brauchte. Nein. Das hier war etwas anderes. Etwas Tiefgreifenderes.

Er wollte Megumi haben. Ihn besitzen.

Sein Leben gehörte ihm. Und nur ihm.


Sukuna brachte die Klinge unnachgiebig zurück in seine Gewalt. Stoppte Megumi in seinem geradezu verzweifelten Unterfangen. Grob drückte er seinen Arm gegen Megumis Hals und fixierte ihn dadurch an der Wand in seinem Rücken. Dann heilte er mit ernster Miene seine Wunden. Gab seinem Herzen nicht die Chance, damit aufzuhören, in seiner Brust zu schlagen.

Megumi wehrte sich nicht. Er sah ihn einfach nur an, mit seinen unergründlichen Augen, ehe er schließlich kraftlos in sich zusammensackte.

Mühelos hob Sukuna ihn hoch. Er wog praktisch nichts. Geradezu friedlich lag er in seinen Armen. Atmete ruhig und leise. Es war ein harscher Kontrast zu dem, wie er Megumi sonst erlebte, wenn er ihm gegenüberstand, doch Sukuna stellte fest, dass er sogar diese Facette an ihm mochte.

Unwillkürlich dachte er darüber nach, was eben fast passiert wäre. Was Megumi bereit gewesen war, zu tun. Eine Welle gnadenloser Wut erfasste Sukuna. Seine Hände gruben sich so fest in Megumis Körper hinein, dass es vermutlich blaue Flecken hinterlassen.

Wenn er dachte, dass er damit davonkommen würde, hatte er sich gewaltig geschnitten!

Doch es war nicht nur das, was ihn aufbrachte; es war die Tatsache, dass Megumi für den Bruchteil dieser einen Sekunde fast so etwas wie Macht über ihn gehabt hatte – und das war etwas, was Sukuna niemals wieder zulassen würde.

Niemand tat etwas gegen seinen Willen. Absolut niemand.


Sukuna wartete, bis die Nacht hereinbrach, bevor er den Körper des Bengels übernahm und Megumi noch einmal einen Besuch abstattete. Dieses Mal brachte er ihn nicht extra in seine Domain. Es sollte kein Zweifel daran bestehen, dass das gerade wirklich passierte und nicht nur ein düsterer Alptraum war.

Megumi schlief recht unruhig. Der friedliche Ausdruck von vorhin war verschwunden. Stattdessen zierte eine tiefe Falte seine Stirn. Vielleicht war er schlau genug, zu erahnen, dass seine Taten ein Nachspiel haben würden.

Sukuna presste ungerührt eine Hand auf seinen Mund. Fast augenblicklich schlug Megumi seine Augen auf und wollte sich aus Reflex wehren, aber als er sah, wen er vor sich hatte, erstarrte er, sobald sein schlaftrunkener Geist die Situation verarbeitet hatte.

Eine Reaktion, die Sukuna mit tiefer Zufriedenheit ausfüllte, doch gerade war er nicht in Stimmung, sich darin zu sonnen.

»Hey«, begann er mit gebieterischer Stimme. »Hörst du mir zu?«

Megumi beobachtete ihn wachsam, ehe er gegen seine Hand nickte.

»Gut. Denn ich will, dass du das hier ganz genau verstehst.« Sukuna drückte seinen Kiefer stärker zusammen und betrachtete ihn mit überlegener Geringschätzung. Dann legte er seine freie Hand flach auf Megumis Brustkorb, genau dort, wo sein Herz schlug.

»So etwas wie heute wird nie wieder passieren.« Sukuna starrte ihn in Grund und Boden. Sah, wie ein Anflug nackter Angst in Megumis Augen trat. Ein Instinkt, den er nicht unterdrücken konnte.

Sukuna presste seine Fingernägel fest in sein T-Shirt hinein, bis er spürte, wie der Stoff riss und er auf nackte Haut traf. Unnachgiebig bohrte er seine Nägel tiefer in sein Fleisch, um zu verdeutlichen, dass es ein Leichtes für ihn wäre, ihm das Herz wortwörtlich aus der Brust zu reißen. Genauso, wie er es schon einmal zuvor bei dem Bengel getan hatte.

»Dein Leben gehört mir. Verstehst du das, Megumi?«

Megumis Augen verengten sich und seine Fäuste spannten sich sichtbar an, doch er nickte erneut. Sukuna spürte, wie er heiß gegen seine Handfläche atmete.

»Gut. Denn eines solltest du begreifen: Ich werde nicht zulassen, dass du einfach so stirbst.« Er beugte sich dichter an sein Gesicht heran, so, dass ihre Nasenspitzen sich fast berührten, bevor er diabolisch grinsend verkündete: »Nicht einmal der Tod kann dich vor mir retten.«

Langsam gab er Megumis Mund wieder frei und hörte sogleich, wie sein beschleunigter Atem den Raum erfüllte. Statt seine Hand jedoch vollständig zurückzuziehen, fuhr Sukuna andächtig seine Gesichtskonturen nach. Der Geste wohnte eine absurde Sanftheit inne, aber es schmälerte seine Ansage in keiner Weise. Ganz im Gegenteil. Es verdeutlichte nur umso mehr, dass Sukuna mit ihm machen konnte, was er wollte. Sich nehmen konnte, was er wollte.

Die Kontrolle lag einzig und allein bei ihm. Daran würde sich niemals etwas ändern.
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