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Schlechter Tag

von Calandraa
KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael OC (Own Character)
20.03.2021
20.03.2021
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Übersetzung der Kurzgeschichte "Bad Day", geschrieben zum Stichwort "Luck"

James raste durch die regnerische Nacht. Sein verfluchter Wecker hatte - aus keinem verdammten Grund - eine halbe Stunde zu spät geklingelt. Die Orangensaftpackung, aus der er getrunken hatte, hatte ein Loch und er hatte sich nochmal komplett umzuziehen ziehen. Er hatte auch im Keller nach seinem alten Mantel suchen müssen, da die Katze auf seinem neuen geschlafen hatte.

Zum Glück plante er immer einen Zeitpuffer ein. Also würde der Bus, den er normalerweise nahm, zwar weg sein, aber wenn er den nächsten erwischte, würde er immer noch pünktlich sein. So rannte er in Eile, aber nicht in Panik, durch die Straßen Londons.

Allerdings konnte er natürlich nicht den betrunken Mann einplanen, der fast vor ein Auto lief. In letzter Sekunde erwischte James ihn am Kragen und zog ihn zurück auf den Bürgersteig. Der Mann war so betrunken, dass James um seine Sicherheit fürchtete. Deshalb ließ er ihn nicht allein, sondern brachte den Mann dazu, seinen Verlobten anzurufen, damit der ihn abholte. Erst als James den Betrunkenen in guten Händen wähnte, setzte er seinen eiligen Lauf fort. Mit einem erleichterten Lächeln entdeckte er den Bus, den er brauchte. Er stand an einer roten Ampel, direkt unter der Brücke, über die James gerade eilte. Wenn er weiterlief, sollte er zur gleichen Zeit wie der Doppeldecker an der Haltestelle ankommen.

In dieser Rechnung war allerdings die Portion Pommes Frites, die jemand auf der Brücke verloren hatte, noch nicht enthalten. Nachdem sie, Gott weiß wie lange, in einer großen Pfütze gelegen hatten, waren sie völlig durchweicht und glitschig. Bedauerlicherweise bemerkte James sie oder ihren Zustand nicht, bevor er direkt in sie hineintrat. Er rutschte aus, verlor sein Gleichgewicht und landete ziemlich schmerzhaft auf seinem Hintern. Noch schlimmer war, dass ihm sein Portemonnaie aus der Tasche fiel, der Druckknopf des Münzfachs aufsprang und sein komplettes Hartgeld über die Brücke rollte. Fluchend sammelte er die Geldstücke ein und setzte dann sofort wieder zum Sprint an.

Aber es war zu spät. Gerade als James am Fuß der Treppe ankam, die von der Brücke hinunterführte, fuhr der Bus ab. Alles Winken und Rufen half nicht. Der Fahrer bemerkte entweder nichts oder es war ihm egal.

Verdammt noch mal. James durfte nicht zu spät kommen.

Die U-Bahn! Ja, natürlich. Es war ein kleiner Umweg, aber wenn er zwei Stationen fuhr, waren es nur ein paar Minuten Fußweg. Gut. Also begann James, wieder zu rennen, die Straße entlang, die Treppe hinunter, auf das U-Bahn-Gleis zu. Mit ihm kam  auch die U-Bahn an, glücklich kletterte er hinein und ließ sich mit einem schweren Seufzer in einen der Sitze fallen.

Für ein paar Augenblicke entspannte er sich. Bis zur nächsten Haltestelle, um genau zu sein. Seine Augen weiteten sich ungläubig und schockiert, als er das Schild sah. Falsche Haltestelle! Falsche Richtung!

Laut fluchend sprang James auf, um die U-Bahn zu verlassen. Die Tür ließ sich nicht öffnen. Plötzlich ging das Licht bis auf die Notbeleuchtung aus.

"Liebe Fahrgäste", sagte eine knisternde Stimme über den Lautsprecher. "Leider haben wir derzeit einige technische Schwierigkeiten, bitte bewahren Sie Ruhe und bleiben Sie auf Ihren Plätze. Das Problem sollte in Kürze behoben sein. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und danken Ihnen für Ihre Geduld."

Niedergeschlagen sank James zurück in seinen Sitz. Mr. Graham würde ihm den Kopf abreißen.

*


Als James schließlich, etwa zwei Stunden zu spät, die Straße zum Museum hinaufging, runzelte er die Stirn. Er nahm Brandgeruch wahr und hörte Sirenen. Er ging vom demotivierten Schlurfen in einen Sprint, um näherzukommen.

Mit großen Augen starrte er auf die Flammen aus dem Gebäude, die Feuerwehrwagen und Polizeiautos.

"Was zum ...", begann er, doch der Schrei einer vertrauten Stimme unterbrach ihn.

"James!" Allie kam über den Kiesweg gerannt, ihr blondes Haar wehte im Wind, die Augen waren rotgeweint und doch sah sie erleichtert aus.

"Allie? Was ist hier los?"

"Mr. Graham hat mich angerufen", schniefte sie. "Es gab eine Explosion im Sicherheitsraum. Vielleicht ein Gasleck, sie wissen es noch nicht. Es ist so heiß da drin, dass sie nicht mal die Tür öffnen können. Wir dachten alle, du wärst wegen zur Nachtschicht da drin!"

Sie brach weinend in seinen Armen zusammen, und James hielt sie fest.

"Ich bin hier", flüsterte er, küsste ihre Schläfe und legte eine schützende Hand auf ihren Bauch.

Das junge Paar war in dem zärtlichen Moment und der liebevollen Umarmung gefangen. Weder bemerkten sie den blonden Mann im Tartan-Ensemble noch den rothaarigen Mann, der sich grinsend von hinten an ihn heranschlich.

"Du bist wirklich zu weich, Engel", flüsterte Crowley in Aziraphales Ohr. "Das war ein ganz schöner Aufwand."

Aziraphale errötete und machte eine abweisende Geste.

"Ach, sei still, du", sagte er. "Ab und zu verdiene ich es, Tragödien verhindern zu können. Er ist so ein netter Mann, hilft in der Suppenküche, liest Kindern vor, fährt ältere Leute zum Arzt, regelmäßig macht er..."

"Igitt, ja, schön.“ Crowley tat, als wäre er angewidert. "Ich hab's verstanden."

"Und seine Frau ist schwanger."

"Ich sagte, ich hab’s verstanden", brummte Crowley. "Wäre es nicht einfacher gewesen, das Gasleck zu reparieren?"

"Und mich mit Lord Hastur anlegen?"

"Hastur war das?"

"Hmm, irgendein persönlicher Groll, glaube ich."

"Klingt nach ihm", spottete Crowley. "Trotzdem werden deine Vorgesetzten nicht allzu glücklich über so viel nicht autorisierte Einmischung sein."

"Sie müssen es ja nicht wissen, oder?" sagte Aziraphale mit einem schelmischen Funkeln in den Augen. "Oder wirst du mich verraten?"

"Und meine Rolle als 'der Betrunkene‘ in diesem Schauspiel zur Rettung eines unschuldigen Menschen dem Dunklen Rat erklären?" witzelte Crowley. "Nope!" Dann grinste er. "Aber natürlich erwarte ich, dass mein ‘Verlobter‘ als Dank eine Flasche Wein mit mir trinkt."

Aziraphale erwiderte das breite Lächeln.

"Ich bin sicher, das wird ihm gefallen.“

Ende
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