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Karma ist schwarz

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Freundschaft / P6 / Gen
19.03.2021
19.03.2021
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1.     Wer sagt, daß nur schwarze Katzen Pech bringen?
2.     Zeit ist relativ.
2-Sätze-Projekt
Sätze von -Leela-
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„Langsam, langsam, langsam“, unterbricht Linda ihren besten Freund in seinem ausführlichen Monolog darüber, warum er keinen Fuß mehr in ihre Wohnung setzen würde und stellt ihre Tasse mit der heißen Schokolade zurück auf den Tisch des Cafés. „Du kommst mich also nicht mehr besuchen, weil ich mir eine Katze angeschafft habe?“
„Falsch, mein liebstes Lindachen. Ich komme nicht mehr zu dir, weil du dir eine schwarze Katze angeschafft hast.“ Die Färbung des Tieres betont Michael ganz besonders, um expliziert auf die Problematik hinzuweisen.
Die braunhaarige Frau hingegen sieht ihn einfach nur fragend an und erwartet eine Erklärung. Sie kennt ihren Gesprächspartner zwar schon wirklich sehr lange, hätte aber nie damit gerechnet, dass seine Macke mal so ein Ausmaß annehmen würde.
„Ach, Linda. Schwarze Katzen bringen Unglück. Das weiß doch nun wirklich jedes Kind und du hast dir so einen Unglücksbringer ins Haus geholt. Oder besser gesagt in die Wohnung“, gibt der Schwarzhaarige seiner Freundin die Antwort auf deren unausgesprochene Frage. Doch er stößt damit nicht auf Verständnis, sondern nur auf einen mehr als ungläubigen Blick.
„Deine Marotten in allen Ehren, Michael“, beginnt Linda zu sprechen, „aber meinst du nicht, dass dein Aberglaubenwahn langsam etwas überhandnimmt? Wer sagt, dass nur schwarze Katzen Pech bringen? Es grenzt eher an ein wissenschaftliches Wunder, dass du noch nicht von dem angeblichen Glückshufeisen über deiner Schlafzimmertür erschlagen wurdest.“
Triumphierend grinsend lehnt sich der junge Mann in seinem Stuhl zurück und verschränkt die Arme vor der Brust. „Es ist seit dem Mittelalter bekannt, dass diese Pelztiere Pech bringen. Also schaff das laufende Unglück ab und hol dir eine andere oder aber ich betrete deine Wohnung nie wieder. Oh, und bevor ich es vergesse. Die Sache mit dem Hufeisen zeigt nur, was für ein Glückspilz ich dadurch bin.“

Vor Wut pulsiert eine Ader an Lindas Schläfe, als sie auch schon mit beiden Händen auf die Tischplatte schlägt. Sofort wird es in dem Café still und zornig sieht sie Michael direkt in die Augen, ehe sie ihn anfaucht: „Bekomm‘ deinen Esoterikfimmel in den Griff, Michael. Ich schaffe mein schwarzes Kätzchen bestimmt nicht ab, nur weil du in der Zeit des dunklen Mittelalters stecken geblieben bist. Du lebst im 21. Jahrhundert und nicht mehr zu Zeiten der Inquisition und der katholischen Herrschaft.“
Doch auch der Mann wird nun etwas sauer, denn er glaubt wirklich an diese Sachen und mag es überhaupt nicht von Linda als Irrer dargestellt zu werden. „Zeit ist relativ. Dass solltest du eigentlich wissen und wenn sich eine Meinung so lange hält, dann ist da was dran.“
„Ach, dann bin ich also die Hexe zur Katze, ja? Na los, stell den Scheiterhaufen auf, damit du mich loswirst. Aber beschwer dich nicht, wenn dein sogenanntes Glück dich plötzlich verlässt. Ich hoffe, dass dir dein blödes Hufeisen zur Strafe auf den Fuß fällt“, zischt sie ihm wütend entgegen, bevor sie das Geld für die Schokolade auf den Tisch legt und sauer das Lokal verlässt.

~


Linda hat es sich gerade mit ihrem pelzigen Freund auf dem Sofa bequem gemacht, als plötzlich ihr Handy klingelt. Als sie Michaels Namen liest verziehen sich ihre Mundwinkel etwas nach unten. Die Braunhaarige nimmt es ihm nach wie vor übel, dass er wirklich verlangt hat, dass sie ihren kleinen Liebling abschafft, nur damit er ihre Wohnung wieder betreten kann. Doch schlussendlich erbarmt sie sich und nimmt den Anruf an, sagt jedoch nichts. Die junge Frau wartet auf die Reaktion des Mannes, welche auch nicht lange auf sich warten lässt.

„Linda? Ich nehme alles zurück was ich über schwarze Katzen gesagt habe. Die wahren Unglücksbringer sind Hufeisen und Karma. Ich habe deinen Kater beleidigt und dich gleich dazu und habe nun die Strafe dafür bekommen. Mir ist das Hufeisen auf den Fuß gefallen. Warum auch immer sich die Nägel plötzlich gelöst haben, aber das Schicksal hat deine ausgesprochene Strafe als gerecht erachtet und nun…“ Er unterbricht sich und spricht auch nach mehreren Sekunden nicht weiter.

Die junge Frau seufzt entnervt auf und massiert sich die Nasenwurzel, ehe sie sich nun doch überwindet und ihrem Freund antwortet: „Das Hufeisen hat sich gelöst, weil du der festen Überzeugung warst, dass Mininägel, welche man normalerweise für das Befestigen der dünnen Rückwände von Schränken benutzt, ausreichen würden, um ein massives Eisenhufeisen zu halten. Noch dazu hast du Gipskartonwände. Es ist mehr als wunderlich, dass das dumme Ding auch nur eine einzige Nacht an der Wand gehalten hat.“ Kurz herrscht Stille, ehe Linda weiterspricht: „Erzähl mir jetzt nicht, dass du im Krankenhaus bist wegen eines gebrochenen Fußes.“

Nervöses Lachen erklingt am anderen Ende der Leitung, was ihr Antwort genug ist. „In welchem bist du? Aber ich warne dich. Ich komme dich nur besuchen, wenn du deinen Esoterikfimmel zurückschraubst und mal wieder anfängst, dich wie ein normaler Mensch zu benehmen.“
„Fest versprochen. Es war wirklich dämlich zu verlangen, dass du deinen Stubentiger abschaffst. Das hätte ich weder denken noch sagen dürfen. Wie heißt er jetzt eigentlich?“, fragt Michael nun doch recht interessiert nach.

Linda muss an diesem Punkt grinsen und streichelt ihrem Kater über den Kopf, was dieser direkt mit einem Schnurren belohnt.
„Nun ja… nach unserem Streit fand ich, dass Karma sehr gut zu ihm passen würde.“

„Aha und warum nicht Salem und du benennst dich noch in Sabrina um?“, steigt Michael direkt darauf ein und lacht leicht über seinen eigenen Witz.

„Weil nichts härter zuschlägt als Karma. Aber wenn ich ihm noch das Sprechen beibringen kann und anschließend meinen Scheiterhaufen bekomme, ändere ich den Namen vielleicht doch nochmal um“, antwortet Linda ihm mit einem unterdrückten Lachen. „Ansonsten wäre das Klischee nicht erfüllt und es wäre witzlos.“

„Klingt so, als hättest du mir nun verziehen, da mich das Schicksal gestraft hat.“

„In welchem Krankenhaus warst du noch gleich?“, lacht Linda nun doch los und lenkt vom Thema ab, was dem Schwarzhaarigen jedoch Antwort genug ist.

„Weiche Hexe!“, empört sich Michael gespielt, stimmt dann aber ebenfalls in das Gelächter seiner Freundin ein. Es tut einfach gut, sich wieder mit Linda vertragen zu haben und an die schwarze Samtpfote wird er sich bestimmt auch noch gewöhnen.
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