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Total ehrliches Tagebuch einer...

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
17.03.2021
24.04.2021
13
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08.04.2021 606
 
7. April 2021



Total ehrliches Tagebuch eines Erstis,

das hier wird der Eintrag in dem ich mich ungebremst über meine Nervosität und social anxiety auslasse, wenn ich in Kontakt mit neuen Menschen kommen soll. Morgen findet in Präsenz und in Echt und im realen Leben eine Einführungsveranstaltung für meinen Studiengang statt und ich bin so aufgeregt. Also hier alles ganz langsam und Schritt für Schritt.

Ich kenne niemanden und habe Angst, dass ich alle und alle mich auf den ersten Blick verabscheuen werde.

Was soll ich mir anziehen und juckt es überhaupt irgendwen, was ich anziehe? Juckt es mich, was andere anhaben? Eigentlich nicht, aber vielleicht ticken die da anders, vielleicht verurteilen die mich direkt, weil ich mich nicht schminke und mir aus den gesellschaftlichen Anforderungen an das Aussehen einer Frau nicht groß was mache. Ich habe mich heute in der Dusche unter den Armen rasiert und eigentlich mache ich das nur im Sommer, weil es sonst eine Verschwendung meiner Ressourcen, nämliche Zeit und Geld, ist , und es mir vor meiner Familie egal ist. Vor fremden Leuten not so much. Merkwürdig eigentlich, oder? Es hat heute geschneit? Ich habe morgen langärmlige Sachen an und springe sicher nicht im Tanktop herum? Also warum rasieren?

Und um auf ein anderes Problem zu kommen. Warum überhaupt rasieren? Ist Körperbehaarung nicht das natürlichste, was man haben kann? Irritiert eine Rasur nicht die Haut und sorgt für Pickel oder eingewachsene Haare? Ich muss schauen, ob ich irgendwann zu den Feministen gehöre, die sich nicht mehr rasieren, weil es ja eigentlich Quatsch ist. Aber wenn ihr dazu eine Meinung habt, dann lasst sie doch gerne hören, ich unterhalte mich gerne!

Ich sehe gerade, dass mein Laptop fast abkratzt, also nun zum nächsten Punkt.

Ist es nicht mega peinlich, dass mein Vater mich für den Tag in die teuerste Stadt kutschiert? Aber was soll ich sonst machen? Alleine in die teuerste Stadt fahren, obwohl ich seit der Fahrschule vor zwei Jahren nicht mehr auf der Autobahn gewesen bin und den Weg auch nur mit einem Navi finde. Oder für teures Geld mit dem Zug fahren und mich dann irgendwie im U-Bahn-Chaos der Stadt zurechtfinden. Ich bin ja immerhin 18. Ich sollte das hinkriegen. Und obwohl er es mir angeboten hat, fühle ich mich irgendwie minderwertig deswegen. Als ob es irgendwen interessieren würde, ob mich mein Vater, meine Oma oder Barack Obama zur Uni hinfährt. Mit reinkommen wird er nicht, er schmeißt mich wahrscheinlich einfach an der Straße heraus. Ihr seht, ich mache mir schon wieder Sorgen über die irrelevantesten Sachen und verschwende nun meine Zeit damit das Alles in Worte zu fassen. Ich hab ja selbst die Schnauze voll von meinem Bullshit. So mache ich auch nichts besser.

Ich schreibe mir mal auf meine TUDU-Liste von Morgen, dass ich nach der Einführungsveranstaltung meine Eindrücke aufschreibe und mir selbst natürlich bestätigen kann, dass alle Leute mich hassen und mit vergammeltem organischem Material abschießen werden, weil ich ein so gottverdammter Loser bin. Ich sehe es kommen und es ist unausweichlich. Aber ich habe gehört, dass man was geschenkt kriegt, also freue ich mich schonmal darauf. Ein klein bisschen.

Ich schreibe das hier in der Hoffnung, dass ich heute Nacht schlafen kann und weil es jetzt schon fast zehn ist und ich morgen um sieben aufstehe (ich habe bemerkt, dass ich mindestens 8, aber sogar eher 9 Stunden schlafen muss, wenn ich in der Früh wirklich nicht mehr müde sein will) beende ich meinen neurotischen Tagebucheintrag an dieser Stelle. Man sieht sich morgen, wenn ich es hinkriege!

Empfehlung des Tages: Weiß nicht. Selbstbewusstsein? Holt euch welches. Dann endet ihr nicht so wie ich
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