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Was wäre, wenn...

von heufchen
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
HandOfBlood
17.03.2021
30.08.2023
31
90.902
7
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
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17.03.2021 4.860
 
Es war nun ein Jahr her, dass Maximilian und Sebastian gemeinsam das Projekt 'Minecraft' starteten. Das Duo gestaltete die je einstündigen Streams amüsant und auch nach den Niederlagen verloren sie ihre Motivation nicht. Im Gegensatz: Sie lernten aus Fehlern und planten ihre nächsten Handlungen sofort. In weniger Zeit erreichten sie stets mehr. In der dritten Staffel erarbeiteten sie sich innerhalb zwei Stunden bereits mehr, als in den vorherigen in doppelt so viel Zeit. Durch die Unterstützung ihrer treuen Follower mit hilfreichen Kommentaren, erreichten sie schnell geplante Ziele. Manchmal wurden sie auch geroasted, doch dies wurde von ‚Haart aber Härzik‘ mit Humor genommen. Der weiterentwickelte Name des Projekts entstammte einem Wortspiel aus den Wörtern ‚Hart‘ (für den Schwierigkeitsgrad ‚Hardcore‘ in Minecraft) sowie ‚Haar‘ (für die damalige Länge ihrer Wuschelköpfe). Einhergehend mit der Pandemie waren Friseurbesuche immerhin nicht möglich. Erst mit dem Ende des Spiels, also dem Töten des Enderdrachens, planten sie das Schneiden der Mähne. Ergänzend dazu kombinierten sie die Namen der YouTube-Kanäle. Aus HandIOfIBlood bzw. Hänno und Sterzik wurde ‚Härzik‘. Für alle Fanfiktion-Schreibende eine wunderbare und sogar offizielle Bezeichnung für ein Pairing.

Unter all diesen Voraussetzungen hätten sie es weit bringen können.

Doch nach zehn Stunden Spielzeit und einer Niederlage durch einen dummen Fehler war der Keks nun endgültig zerbröselt.

Sterzik nahm die letzte Folge auf. Sein Bildschirm war stets zu sehen. Lediglich HoB‘s Facecam war im unteren Bildschirmrand sichtbar. Als HandOfBlood dann den ‚Game over‘ Bildschirm vor sich sah, konnte er es nicht fassen. Dass ausgerechnet er erneut starb, verletzte ihn zutiefst. Nach einer kurzen, fassungslosen Minute sprach der Spieler: „Ne, jetzt ist‘s vorbei“, und beendete die Aufnahme. Ohne weitere Pläne für die nächste Staffel zu schmieden, verließ Max das Studio und Sebastian war gezwungen die Aufnahme ebenfalls zu beenden. ‚Ein normaler Ausraster?‘, dachte sich Sebastian. Er sah es deutlich weniger dramatisch. Er war trotzdem motiviert, in die nächste Staffel zu starten. Doch Max erholte sich nie von der herben Niederlage. Sebastian textete ihm, mailte ihm sogar. Doch er erhielt nie eine Antwort. Auch bei der Ansprache am nächsten Tag blieb ihm die Antwort verwehrt. Sebastian scheiterte an vergeblichen Motivationsversuchen. „Aber was ist mit unseren Followern?“, fragte er Max.

„Ist mir Schnuppe. Hab‘ keinen Bock mehr.“

Täglich bat er Max um eine neue Chance. Um eine letzte Chance. Doch Max blieb standhaft… Und verletzt. Sein Stolz verbot es ihm weiter zu machen. Aus den täglichen Versuchen wurden unregelmäßige Versuche. Immer wieder deutete er Minecraft-bezogene Themen an, in der Hoffnung eine Reaktion von Maximilian zu bekommen. Vergeblich.

Bei dem letzten Versuch, nach etwa zwei Monaten, eskalierte Max endgültig. „Sebastian, es reicht! Ich hab‘ kein Bock mehr!“

Max sah Sebastian bestimmend an und erst nach einer kurzen Pause ergänzte er noch mit einem gekünstelten Lächeln: „Hör endlich auf mich zu nerven, alla!“

Sebastian hatte eine Reaktion erhofft, doch nicht diese. Er spürte deutlich den Ernst in seiner Stimme. Sein letzter Satz war nur noch eine unehrliche, lächerlich gemeinte Entschuldigung, um den Ernst aus der Situation zu nehmen. Doch sprachlos wandte Sebastian sich ab. Seit diesem Zeitpunkt sprachen sie nie wieder über das gescheiterte Projekt. Kommentare durch ihre Follower wurden ignoriert. Obwohl Sebastian von Max‘ Ansage verletzt war, erläuterte er in einem kurzen Statement via Twitter den endgültigen Beschluss. Immerhin wurde das erfolgreiche Projekt von vielen Zuschauern und Zuschauerinnen mit Spannung verfolgt. Einen Grund konnte @DerSterzik beim Statement nicht benennen, denn auch er verstand bis zum Schluss nicht, wieso das Projekt abgebrochen wurde. Abgeschlossen hat er damit nie, doch Max zu Liebe sprach er es nie wieder an.

Das Drama spitze sich allerdings noch mehr zu. Dass die beiden sich streiten, kann vorkommen. Doch ein Gefühl in Sebastian ließ ihn nie wieder los. Die Tatsache, dass ihr erfolgreiches Projekt, in das beide so unfassbar viel Zeit gemeinsam investierten, einfach abgebrochen wurde, löste in ihm tiefe Trauer aus. Bei weiteren Diskussionen innerhalb ihres größeren Teams, gerieten die beiden immer wieder aneinander. Besprechungen bei INSTINCT3 führten nicht mehr konstruktiv zu Ergebnissen, da das ehemalige Duo immer die Meinung des Anderen konterten und Unruhe ins gesamte Team brachten. Immer wieder fielen sie sich ins Wort und fanden neue Streitthemen.

HandOfBlood stieg schließlich aus dem weiteren gemeinsamen Projekt, der "Sülze", aus. Nach weiteren Streitthemen wurde ein Muster erkennbar. Maximilian wollte neue Projekte starten und ältere abbrechen, während Sebastian fest um die Alten kämpfte. Dass sich die Streitthemen nicht wirklich nur auf die Games und Projekte fokussierten, war Allen klar. Außer Maximilian.

In Sebastian brannte längst nicht mehr nur die Trauer, sondern Wut und Frustration. Fehlende Antworten, meidende Blicke (außer sie stritten sich) und fiese Worte waren die neuen Gepflogenheiten untereinander. Jeder Kommunikationsversuch zwischen ihnen entfachte eine Schlacht. Jedes weitere Wort goss noch mehr Öl ins Feuer. Ihr Team konnte dies nicht weiter mitansehen und fasste den Entschluss, beide weitgehendst auseinander zu halten. Gemeinsame Projekte wurden ausgeschlossen. Irgendwann konnten die Besprechungen nicht mehr mit Beiden geführt werden. Termine wurden so gesetzt, dass die Kontaktphasen so kurz wie nur möglich gehalten wurden. Erst als sie einander kaum mehr im Büro sahen, kehrte Frieden im Komplex ein.

Je mehr Zeit verging, desto größer wurde der Abstand zwischen Maximilian und Sebastian. Gegenseitig löschten sie sich aus ihren Socialmedia. Gemeinsame Bilder wurden entfernt. Ihre Fans hetzten sie zwar nicht gegeneinander auf, aber sie unterstützten sich auch nicht weiter.

Sebastian kündigte kurz daraufhin an, sich ins Home-Office zurück zu ziehen. An seinem letzten Tag in Präsenz leerte er noch das Studio 2. Auch an dem Rechner hatte er noch was zu erledigen. Er ging seinen Bilder-Ordner durch und suchte alle Bilder mit seinem jetzigen Feind, HandOfBlood. Er schob die wenigen Bilder zunächst in den schnell erstellten Ordner ‚Neuer Ordner (9)‘ und schließlich, immer noch von seiner Wut gefesselt, schob er sie mitsamt dem Ordner in den Papierkorb. Er verabschiedete sich provisorisch von seinem liebgewonnenen Team ins Home-Office. „Alles gut, Leute. Wir sehn‘ uns noch digital“, tröstete er sein Team. Sogar Cathleen zeigte sich mit einer Träne im Auge. Auf den ersten Blick konnte er die Person, wegen der es so weit kam, nicht entdecken. Er redete noch einige Minuten mit seinen Leuten und tröstete Cathleen, die mittlerweile völlig in Tränen ausgebrochen war. Plötzlich erahnte er eine Gestalt in der Peripherie. Maximilian kam geradewegs auf ihn zu. Es kehrte eine unterschwellig angespannte Stille ein. Selbst die weinende Cathleen verstummte.

Und so standen sie sich gegenüber. Warteten. Sie starrten sich nur an. Das Team hielt den Atem an. Dann senkte Max den Kopf, sagte leise „Komm‘ ja nicht so schnell zurück“, und drehte sich wieder um. Beim Laufen lachte Max leise und schritt weiter voran. Sebastian hätte das persönlich nehmen können. Hätte ihn anschreien können. Hätte ihn packen können und ihm einfach Eine frontal auf die Nase boxen können. Doch er tat es nicht. Stattdessen lachte er nur und sagte laut rufend „Verpiss‘ dich, Junge...“

Während das Team maximal verwirrt zurückblieb, trat auch Sebastian seinen Weg an und verlies das Gebäude. Obwohl er nicht bei I3 kündigte, fühlte es sich wirklich wie ein Abschied an. Ab diesem Zeitpunkt war er für Alle wieder einfach nur Sterzik, ein YouTuber.

Die Tage vergingen. Aus den Tagen wurden Wochen und aus den Wochen Monate. An Meetings nahm er von Zuhause teil. Nur die sprechende Person zeigte sich mit Kamera und der Teilnehmer ‚Sebastian Sterzik‘ hielt sich immer im Hintergrund. Hatte er etwas preiszugeben, teilte er sich mittels der Chatfunktion mit. Jedes Mal sah er jedoch seinen Namen. Diesen verfluchten Namen, ‚Maximilian Knabe‘ . Auch er teilte seine Wenigkeit nicht über die Kamera. Lediglich über das Mikrofon brachte er sich ein. Sebastian konnte jedes Mal das Zeichen aufleuchten sehen, wenn er sprach. Selbst durch die virtuelle Welt wurde spürbar, wie die Atmosphäre sich jedes Mal etwas anspannte. In Situationen, wie diesen stritten die beiden sich normalerweise. Es war wirklich traurig, dass das bis zum Schluss als ‚normal‘ galt. Doch Sebastian hegte mittlerweile keine Wut und Frustration mehr. Er hielt sich aus den Diskussionen raus. Projekte wurden in Kleingruppen besprochen und dort konnte er sich mitteilen, sogar die Kamera anmachen.

Die Situation war nicht optimal, aber er konnte sich damit abfinden. Immerhin konnte er weiter Content produzieren und an Projekten teilnehmen. Sogar streamen konnte er, wie bisher. Er sollte wirklich glücklich sein.

Doch er war es einfach nicht. Sein Beschäftigungsverhältnis mit I3 bestand weiterhin. Er war immer noch Teil des Teams. Aber etwas fehlte ihm.


-


Der fünfte Monat, seit er die Einrichtung verlassen hatte, begann. Mit der Allgemeinsituation unzufrieden, schloss er gerade die Aufnahme für sein neues Solo-Projekt ‚Barbie Pferdeabenteuer‘ ab. Nach drei intensiven Spielstunden gab er sich geschlagen und ließ sich in seinen Stuhl fallen. „War gar nicht mal so schlimm“, sagte er und lachte über sich selbst. Sehr tief war er gefallen in den letzten Monaten. Der YouTube-Kanal ‚Sterzik‘ basierte schon immer auf witzigem Content, aber dieses Spiel war schon, wie er sich selbst alle zehn Minuten eingestehen musste, ‚absolut abgefuckt‘.

Im zurückgelehnten Stuhl kramte er sein Smartphone unter den Chipstüten hervor und öffnete sein Socialmedia. Er scrollte durch sein Newsfeed und herzte hier und da einige Beiträge. Viele Menschen mit anderen Menschen, die Bilder voneinander posteten, ohne Gesichtsmasken und Sicherheitsabstand. Dann sah er bei Twitter ein neues Update bei I3. HandOfBlood erreichte seine drei Millionen Follower und wurde in einem Post geehrt. ‚Also glücklich sieht anders aus‘, dachte sich Sebastian als er das Gesicht sah. Eine Weile starrte er das Bild an. Er war schon immer ein Lauch gewesen, aber gesund sah das nicht mehr aus. Wie es ihm wohl wirklich ging? Ach, was interessierte ihn das... Sebastian führte einen absurden inneren Monolog mit sich selbst. Er entschied sich dazu, dem Bild ein Herz zu schenken und widmete sich wieder seinen Tätigkeiten.

Sebastian schaute erneut seine Aufnahme an. Aus absolut unerklärlichen Gründen hatte er dann das starke Bedürfnis einen gewissen Ordner zu öffnen. Es war der Ordner, den er in den Papierkorb geschoben hatte.. Um ihn dann wieder aus dem Papierkorb wiederherzustellen. Er hatte es einfach nicht geschafft besagten Ordner zu löschen. ‚Neuer Ordner (9)‘ hatte er vor dem Antritt seines Home-Office auf seinen USB-Stick gezogen. Wie hätte er denn die ganzen Erinnerungen löschen können?
Als er gerade den Ordner öffnen wollte, klingelte plötzlich das Smartphone. Auf dem Bildschirm stand ‚Maximilian Knabe‘.

Auch hatte Sebastian es immer noch nicht geschafft seine Nummer zu löschen.

Sein Klingelton kam ihm geradezu ohrenbetäubend laut vor. Jegliche Geräusche in Sebastians Umgebung waren irrelevant und völlig verstummt. Er hörte nur seinen Klingelton und sah den Namen auf dem Bildschirm erscheinen. Die Vibrationen ließen sein Smartphone auf dem Tisch wandern. Es kam ihm so vor, als hätte er aufgehört zu atmen. Vielleicht hatte er sogar wirklich die Luft angehalten. Mit dem Blick völlig fixiert auf den Bildschirm, verschwamm die Umgebung um ihn herum. Es bildete sich eine Vignette, die sich auf sein Smartphone fokussierte. Die umrandende Dunkelheit erstreckte sich immer weiter in Richtung Bildschirm. Mittlerweile gedanklich völlig von der Außenwelt abgeschnitten, stierte er fast schon durch das Smartphone. Er konnte seinen Blick aber einfach nicht davon ablassen. Plötzlich verstummte das Telefon. Wie aus einer Trance gezogen, wurde es wieder hell um ihn herum und er hörte seinen Rechner leise summen. Der Bildschirm seines Smartphones leuchtete noch kurz auf, um ihn auf den entgangenen Anruf hinzuweisen, bis er sich verdunkelte. Fassungslos drehte er seinen Kopf, um im Raum wieder Orientierung zu finden. Es schien, als könne er keinen klaren Gedanken fassen. Seine Gedanken waren völlig durcheinander und mit Fragen überschüttet. Eine dieser Fragen war, wieso Maximilian Knabe ihn am helllichten Tage anrief. Im Suff seine Ex-Partnerin anzurufen, kannte er. Doch zur Nachmittagszeit Jemanden anzurufen, mit dem man sich verstritten hatte, konnte er sich nicht herleiten. Könnte es arbeitsbedingt gewesen sein? Ein Notfall? Ist ihm jetzt aufgefallen, wie viel Geld er ihm schuldete? Wollte er seinen ausgeliehenen Pullover zurück? Fragen über Fragen auf die er keine Antworten bekam.
Doch zu allerletzt stellte er sich noch die Frage: Was wäre, wenn er das Telefonat angenommen hätte?

Bis in den Abend lenkte er sich mit der Bearbeitung seiner Aufnahme des heutigen Tages ab und versuchte wenig über den Vorfall nachzudenken. Er redete sich ein, sich bloß nichts einzubilden und es als ein Versehen von Max abzustempeln. Womöglich hatte er sich vertippt. Aber wie sehr kann er sich bitteschön vertippen? Und wieso hatte er so lange angeklingelt? Hatte Max ehrlich erwartet, dass er ran gehen würde? Ihr letzter Kontakt war im Büro, als sie sich verabschiedeten. Sie hatten weder miteinander geschrieben, noch telefoniert. Nicht einmal während Konferenzen tauschten sie Worte aus.

Erneut ertappte er sich dabei, wie er über ihn nachdachte. ‚Reiß dich zusammen, Sebastian‘, ermahnte er sich. Er führte einige Klicks aus. Er schob ein Tab seines Browsers auf seinen zweiten Bildschirm. Dann öffnete er YouTube. Dann schloss er das Tab abrupt, als er ein Gameplay von HandOfBlood empfohlen bekam. Er klickte auf das Windows-Zeichen und wollte einfach nur noch aufgeben. Er hatte in den letzten Stunden nach dem Anruf sowieso nichts mehr erreicht. Sebastian hatte es noch geschafft die Aufnahme abzuschließen und an seinen Cutter weiterzureichen, den er selten beauftragte. Ab diesem Zeitpunkt wechselte er nur noch zwischen ‚Neuer Ordner (9)‘ und seinen Browser Tabs. Ab und zu öffnete und schloss er noch sein E-Mail-Postfach. Er musste sich eingestehen, dass dieses einseitige Telefonat ihn völlig aus der Bahn geworfen hatte. Sebastian wollte seinen Rechner gerade runterfahren, als er eine Benachrichtigung seiner E-Mail-Applikation erhielt. Mit einem Klick öffnete er sie. Es war eine Einladung zu einer Besprechung in zwei Tagen. Anders, wie bei den anderen Besprechungen, wurde Sebastian in die Präsenz gebeten. Er sollte sein Zuhause verlassen und für diese Besprechung in die Arbeit gehen. Das verlangte diese offizielle E-Mail. Tausend Gedanken spielten in seinem Kopf. Der präsenteste Gedanke war die Frage: ‚Wird Max auch da sein?‘ Natürlich würde er auch da sein. Er wohnte quasi im Büro.

Seine Gedanken verstummten. Er klickte auf den ‚Zusagen‘-Button und das Meeting wurde seinem Outlook-Kalender hinzugefügt.
‚Sollte er absagen?‘, dachte er zwei Sekunden später.

-


Am Tag der Besprechung erwachte er ungewollt früher als sonst. Sebastian öffnete seine Augen und war hell wach. ‚Heute ist das Meeting‘, dachte er sich. Hatte er sogar davon geträumt? Und auch wenn, konnte er sich sowieso nicht mehr daran erinnern. Er fühlte sich unausgeschlafen und befand sich die ganze Nacht in einem Halbschlaf. Er hatte mehr gedöst, als geschlafen. Eine Weile lag er noch im Bett und dachte, gefühlt, an gar nichts. Um nicht wieder ein völliges Durcheinander an Gedanken in seinem Kopf zu verursachen, ging er die Geschehnisse der letzten Tage durch. Beginnend mit Vorgestern: Mitten am Tag versucht HandOfBlood aka Hänno aka Maximilian Knabe ihn telefonisch zu erreichen. Noch am selben Tag erhält er eine Mail, mit der Bitte persönlich an einem Meeting teilzunehmen. Dieser Bitte leistet er gewähr. Ein Tag später war er wieder für die gesamte Menschheit maximal unwichtig und niemand meldete sich. Und an dem heutigen Tag erwachte er spontan zwei Stunden vor seiner normalen Aufwachphase und würde von seinem Team in körperlicher Anwesenheit erwartet werden. Absolut verwirrt richtete er sich, frühstückte und erschien kurz darauf im Büro.

Trotz pandemischen Umständen wurde er herzlich begrüßt. Nacheinander wurde Sebastian von seinen Kollegen und Kolleginnen gedrückt. Als erstes war natürlich Cathleen an der Reihe. Er musste sich anhören, wie sehr sie sein niedliches Gesicht vermisst hatte. In diesem Moment wurde ihm auch bewusst, wie auch er diese Menschen vermisst hatte. Sie sahen sich natürlich über die Kamera oder über anderweitige Medien, doch Personen vor den eigenen Augen zu sehen und mit dem Körper zu spüren, war anders zu werten. Aufkommende Freudentränen schluckte er herunter. Ausgerechnet vor der Managerin seines Feindes/Freundes (?) zu weinen konnte er sich nicht leisten.

Die Begrüßung dauerte länger als zehn Minuten. In diesen Minuten standen sie alle zusammen und tauschten sich aus. Dass die Besprechung eigentlich schon angefangen hatte, wurde ignoriert. Erst als Sebastian das Gefühl hatte, wieder einigermaßen in seinem Team angekommen zu sein, drosselte er dieses im Redefluss und erinnerte an das Meeting. Und dann bemerkte er die weitere Präsenz im Raum. Max hatte bereits in einer bequemen Position Platz genommen und schaute apathisch Richtung Fenster. Schräg gegenüber von ihm nahm Sebastian Platz und versuchte nicht in seine Richtung zu schauen. Er nahm sich vor, der Agenda zu lauschen. Er versuchte wirklich den Gesprächen zu folgen. Und krampfhaft bemühte er sich nicht in Richtung ‚Max‘ zu schauen. Immer wieder, aber unauffällig blickte er dann doch zu ihm. Der Ältere saß immer noch in der gleichen Position, regungslos. Er hatte sich auch noch nicht zu Wort gemeldet. Er musste aber auch nichts sagen, denn Sebastians gesamte Aufmerksamkeit war unabhängig davon auf ihn gerichtet. Seine Gedanken waren mehr bei ihm, wie bei der Besprechung. Er erhielt allerdings keine Reaktion von Max. Er wurde mit keinem Blick gewürdigt. War er etwa immer noch sauer? Genervt? Beleidigt? Sie hatten seit dem Vorfall kein Wort mehr miteinander gewechselt, aber diese unterschwellige Arroganz passte ihm gar nicht. Da er zu keinen Antworten kam, wollte er sich nun selbst welche besorgen.

Er begann mit dem Stift zu spielen. In der Peripherie müsste Max eigentlich diese Bewegung sehen können. Doch keine Reaktion wurde hervorgerufen. Beim Spielen mit dem Stift, fiel er einmal auf den Tisch und brachte ‚versehentlich‘ einen lauteren Ton von sich. Einige schauten tatsächlich zu ihm. Er entschuldigte sich. Doch von Max kam immer noch keine Reaktion. Mittlerweile verärgert entschied Sebastian sich dafür ihn mit Blicken zu penetrieren. Nicht mehr unauffällig, sondern offensichtlich schaute er ihn an. Er durchbohrte Max mit Blicken. Dabei fiel ihm einiges auf. Seine Haare waren so wuschelig, wie damals während ihrem Projekt. ‚Schöne Haare. Ob er seine Frisur wohl nun so trägt?‘, fragte sich der Jüngere. Sein Gesicht war markant und auch seine Bartstoppel waren dieselben. Max hatte nie viel wuchs, im Gegensatz zu ihm. Insgesamt wirkte sein Gesicht eingefallen und auch die Augen verrieten seine Müdigkeit. Die stets präsenten Augenringe hatten eine dunkle Farbe, die seine Augen noch mehr zur Geltung brachten. Im Licht erschienen seine Pupillen klein. Sein Zwinkern war träge, doch daran erkannte Sebastian auch, dass Max wusste, er wird beobachtet. Er kannte es von sich selbst: Wenn er sich beobachtet fühlte, achtete er vermehrt auf seinen Wimpernschlag. Seltsamerweise war er mit dieser Reaktion zufrieden. Sebastian hatte eine, wenn auch nur sehr kleine, Reaktion bei Max hervorgerufen. Somit brach er die penetrierenden Blicke ab und war nun bereit der Besprechung zu lauschen. Kurz darauf wurde allerdings das Schlussplädoyer präsentiert und die Besprechung fand ein Ende. Sebastian hatte von diesem Meeting noch weniger verstanden, wie bei den Online-Meetings. Trotzdem fand er seine Teilnahme lohnenswert. Nun musste er sich nur überlegen, ob und wie er Max ansprechen sollte.

Dummerweise verließ Max fluchtartig den Raum und Sebastian wurde vom Team aufgehalten. Nach kurzem Austausch konnte auch er den Raum verlassen und lief orientierungslos in den offenen Bereich. „Ich komme gleich wieder“, entschuldigte er sich. Max war nicht in der Teeküche aufzufinden und auch auf der Terrasse gab es keine Spur von ihm. Sebastian nahm stark an, dass er sich in das Studio zurückgezogen hatte. Entschlossen, aber ohne wirklichen Plan, klopfte er an die Tür. Als keine Reaktion von der anderen Seite hörbar wurde, hielt er den Griff fest. Er zögerte. ‚Wieso bin ich hier? Was will ich von ihm?‘, fragte er sich. Gerade als er die Tür öffnen wollte, fragte eine Stimme neben ihm: „Was willst du hier?“

Erschrocken ließ er den Griff los und fiel einen Schritt zurück. Er drehte sich zur Seite und erblickte Max.

„Ah! Ich- Ich-“, stotterte Sebastian. Er wollte seine Fragen alle gleichzeitig raushauen.

Er hätte sich vorher einen Plan schmieden sollen. Doch stattdessen konnte er keinen vollständigen Satz formulieren und schaute einfach nur ‚dumm aus der Wäsche‘. Max wirkte genervt. Er lief die wenigen Schritte, die sie voneinander trennten, auf ihn zu und hob seine Hand. Seine Hand griff nach dem Türgriff, öffnete die Tür und er sagte: „Wenn du nichts zu sagen hast, dann geh' bitte."

Überrascht und leicht verletzt schaute Sebastian ihn vorbeiziehend an. Gerade als Max hinter der Tür verschwinden wollte, rief Sebastian „W-Warte!“ und hielt die Tür mit seiner Hand offen. „Wieso hast du mich angerufen?“, formulierte er seine Frage und wartete geduldig. Er schluckte hörbar. Max schaute ihn nicht an und schwieg zunächst. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete er seinen Mund, doch es folgten keine Worte. ‚Eine Antwort, die so lange dauert, wird nicht der Wahrheit entsprechen‘, redete Sebastian sich ein. Erwartungsvoll wartete er und studierte sein Gegenüber.  Womit er nicht rechnete war, dass Max nichts dazu sagte und die Tür mit Nachdruck schloss. Sebastian gab sofort nach und ließ sich aus dem Zimmer sperren.

-


Zuhause lag Sebastian im Bett und versuchte den Tag Revue passieren zu lassen.

Nachdem er aus Maximilians Zimmer verbannt wurde, trottete der Jüngere zurück in den offenen Bereich, wo er von seinem Team abgefangen wurde. Eine Weile hörte er sich das Gerede an und partizipierte auch teilweise. Aber ab diesem Zeitpunkt verschwammen die Erinnerungen. Nun lag er hier. Sebastian fühlte sich leer. Er empfand weder Wut, noch Verärgerung oder Trauer. Am ehesten noch Verwirrung. Insgesamt allerdings einfache Leere.
Mit vielen Fragen war er in den Tag gestartet und nicht Eine wurde ihm beantwortet. Auf die vorhandenen Fragen kamen allerdings noch mehr Fragen. Fragen über Fragen.

Aktuell war er nur noch müde. Der Tag war sehr anstrengend für ihn. Nicht nur physisch, aufgrund der Anfahrt und persönlichen Präsenz, sondern auch psychisch, aufgrund von Maximilians Verhalten. Wenn er ihm doch bloß die eine Frage beantwortet hätte… Er beendete den Gedanken nicht.

Stattdessen nahm er sein Smartphone in die Hand und öffnete die Anrufliste. Sein Finger suchte den letzten entgangenen Anruf und öffnete den Kontakt ‚Maximilian Knabe‘.

„Was denkst du dir überhaupt? Glaubst du ehrlich, du könntest einfach anrufen und plaudern?“ Stille. „Du bist völlig verrückt…“

Sebastian war nun offiziell am Ende seiner Nerven. Nicht nur, tätigte er den Anruf nicht. Er führte außerdem Selbstgespräche. Er hatte doch nicht ernsthaft angenommen, dass Maximilian ran gegangen wäre und mit ihm gesprochen hätte. Es herrschte erneut Stille. Sein Smartphone lag immer noch in seiner Hand. ‚Sollte er vielleicht doch…?‘ Sebastian beendete den Satz nicht und legte es endgültig neben sich.

Er wollte unbedingt mit Max wieder in Kontakt treten, doch er wusste einfach nicht wie. Er hatte es persönlich versucht und scheiterte. Er hatte es telekommunikativ versucht und scheiterte. Gab es für ihn denn keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme? Max wiedergesehen zu haben, löste etwas aus. Es war ein bekanntes Gefühl, dass ihn immer wieder die Nähe zu dem Älteren suchen ließ. Auch einfach nur den gigantischen Kiefer wieder im Blick zu haben, machte ihn glücklich. Sebastian konnte es nicht wirklich beschreiben, aber am ehesten war es Nostalgie. Nostalgie von der schönen Zeit, die sie zusammen hatten. Allein dieses Gefühl mobilisierte so viel Serotonin in seinem Körper, dass er es mit einer Droge verglich. Bei Drogen konnte er zwar nicht aus Erfahrung sprechen, aber er stellte es sich so vor.

Er presste seine Handflächen gegen die Augen bis er Sternchen sah. Drückte immer tiefer. Der leichte Druck lenkte ihn von seinen Gedanken kurz ab. Ihm kam es so vor, als hätten seine Gedanken bezüglich dieser Person in der letzten Zeit zugenommen. Eigentlich konnte er die Person die letzten Monate gut verdrängen.

Stopp. ‚Wem mache ich hier was vor? Mir selbst?‘, fragte er sich.

Sebastian hatte es satt. Wieso leugnete er immer noch, dass er an Max dachte? Ständig. Er hatte nie aufgehört an ihn und die schöne Zeit zu denken. Kurz nach ihrem Auseinanderleben verdrängte er die Gedanken an ihn ein wenig. Doch immer wieder ertappte er sich dabei, wie er an die Person zurückdachte. Erneut überkam ihn der Gedanke des nicht stattgefundenen Telefonats. Was wäre, wenn er doch angerufen hätte? Wäre er rangegangen? Hätte er ihm etwas sagen können, dass ihn schon länger beschäftigte?
‚Denn es wird langsam Zeit, dass du dir eingestehst, dass…‘

Er erhielt eine Nachricht auf seinem Smartphone. Der Bildschirm leuchtete auf.

Seine letzte Kraft mobilisierte sich und er griff zielgerichtet nach seinem Phone. Enttäuschung breitete sich in ihm aus, als er nicht den erhofften Namen sah. Stattdessen war es die Managerin besagter Person. Mit großem Interesse las er sich die lange Nachricht durch. Begonnen mit einer ellenlangen Freudenbotschaft, die Sebastian überflog, näherte er sich nach einigen Sekunden dem Ende der Nachricht.
„Ich fand‘ es echt schön dich wiederzusehen und würde mich tierisch freuen, wenn du wieder öfters im Büro vorbeischauen würdest.“ Und so weiter…

Den Rest ignorierte er gekonnt und dachte dann über diesen einen Satz nach. Er sollte öfters im Büro vorbeischauen? Warum ist er nicht selbst darauf gekommen? Die beiden wurden räumlich voneinander getrennt, da sie bei jeglichem Kontakt miteinander stritten, doch die heutige Konferenz hatte das Gegenteil bewiesen. Die Situation nach der Konferenz wurde von Sebastian in diesem Moment ignoriert. Durchaus schien es nicht so abwegig, ab und zu wieder im Büro aufzutauchen. Sebastian spielte noch einige Zeit mit dem Gedanken.

Nachdem er den Entschluss fasste, hob seine Laune sich um Einiges. Er sprang vom Bett auf und packte seine Tasche für den morgigen Tag. Denn:
Sterzik
würde ab morgen wieder ins Büro gehen!

-


Erneut völlig übermüdet und ohne Kaffee stand er vor dem Bürokomplex. Sebastian schien noch einen Überhang von der letzten schlaflosen Nacht zu haben. Und trotzdem: Noch bevor er durch den Haupteingang des ehemaligen Shoppingcenters trat, packte ihn wieder die Euphorie. Es war die Vorfreude diese Person zu sehen. Und natürlich auch alle Anderen.

Noch nie kamen ihm die Treppen so lang und seine Beine so schwer vor. Rennen wollte er aber auch nicht. Immerhin war er offiziell (zumindest auf dem Papier) 23 Jahre alt. Er war kein kleiner Junge mehr, der sich über einen neuen Lego-Baukasten freute. Sebastian freute sich einfach wieder einen Freund zu sehen. Zumindest sah er ihn noch als einen Freund an.

Das Erstaunen seines Teams war erneut groß, als er durch die Tür gelaufen kam. Abermals freundlich wurde er empfangen. Sebastian führte Smalltalk und beantwortete halbehrlich die Frage, die Alle interessierte. „Die gute Cathleen hat mich vermisst und mich dazu ermutigt mal wieder unter euch Lappen zu weilen“, verkündete er. Die halbe Wahrheit ist keine Lüge, richtig? Das Gelächter war groß. Doch noch viel größer war etwas anderes bei Sterzik. Das Gefühl der Anspannung wuchs je länger er sich im offenen Bereich aufhielt. Bisher hatte er Max nicht gesehen. Er blickte unauffällig in jede Ecke des Großraumbüros.

Sebastian fing an zu schwitzen. Jede Bewegung, die er im Augenwinkel notierte, weckte Hoffnung in ihm. Doch bei keiner Bewegung konnte er Max verbuchen.

Als er nach einer geschlagenen halben Stunde endlich die eingegangenen Mails und Notifications an seinem Arbeitsplatz abarbeitete, stand er endlich vor der Tür seines Studios. Er konnte es kaum fassen. Noch vor einigen Monaten war er beinahe täglich in Studio 2 und hatte gestreamt oder aufgenommen. Nun kam ihm sogar die Tür fremd vor. Zögerlich öffnete er diese und war überrascht. Im Raum hatte sich nichts verändert. Genau wie er es damals hinterließ, fand er es wieder auf. Er betrat den schallgedämpften und mit Teppich ausgekleideten Raum. Beim näheren Hinsehen konnte er darauf viele Flecken erkennen. Auch auf dem Tisch waren diverse, klebrige Substanzen erkennbar. Als er mit seinen Fingern über die Tastatur fuhr, spürte er einen Mix aus einem schimmernden, mit Fusseln benetzten Film. Definitiv die Rückstände seines RedBull-Exzesses. Nostalgie überkam ihn erneut.

Sebastian fuhr den Rechner hoch. Diverse Updates wurden ausgeführt. Tatsächlich erweckte es den Anschein, dass niemand sich an dem Rechner vergriffen hatte. In Gedanken schätzte er sein Team dafür wert. Dies konnte er annehmen, da die Fläche immer noch furchtbar widerlich war. Geputzt hatte hier niemand; nicht einmal Sebastian an seinem letzten Tag.

Während sein Computer mit Updates beschäftigt war, bahnte er sich den Weg zur Teeküche. Die erstaunten Gesichter seiner Kollegen und Kolleginnen überraschten ihn nicht. Ihn wieder hier zu sehen, war für sie und ihn ungewohnt.

Seine Blicke waren überall. Er lief sogar extra langsam. Doch es gab keine Spur von Maximilian. ‚Ist er denn überhaupt heute anwesend?‘, fragte sich Sebastian. Bevor er sich denn Kaffee in der Maschine zubereiten konnte, musste er das Wasser nachfüllen. Er schändete viel Zeit. Je länger sein Aufenthalt in der Teeküche anhielt, desto höher stand die Chance auf Max zu treffen.

Nach erledigter Tat kochte er sich eine Tasse. Erneut verspürte er das nicht ganz unbekannte Gefühl, als er den hängenden Schrank öffnete und die Tassen sah. Es waren die eckigen Minecraft-Tassen, aus denen die beiden ihr RedBull tranken. Er schnappte sich ‚seine‘ Enderman-Tasse. Langsam trottete er zurück, doch es gab immer noch keine Spur von Max.

Sebastian war gut abgelenkt, als er sich an seinem alten/neuen Arbeitsplatz zurechtzufinden versuchte. Nur leicht angewidert, aufgrund der klebrigen Tastatur, aktualisierte er sämtliche Anwendungen auf Steam. Er ging seine Liste an Spielen durch.

Dort sah er den Titel.

„Minecraft“, murmelte er. Seine Maus fuhr über den Titel. Eine innere Stimme motivierte ihn dazu, die Anwendung zu öffnen. Anzumerken war, dass er keinen Grund hatte diese zu öffnen. Erstaunt war er, als er einen aktiven Server vorfand. War das etwa noch der Alte? Hatten sie ihn nie gelöscht? Sollte er einen Blick reinwerfen?
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