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Eins mit dem Tier

GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Het
Alaine Frynia Valnar Darnus
16.03.2021
10.06.2021
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Am nächsten Morgen.

Er musste mit Alaine reden, musste es von ihr hören. Mit geballten Fäusten lief er den Burghof entlang; sie stand alleine hinter einem Baum und lächelte, als sie ihn erblickte.

Aber ihm war überhaupt nicht danach, ihr Lächeln zu erwidern.

Seine Beine wurden immer schwerer, je näher er kam, bis er vor ihr stehen blieb. Sie wollte ihn umarmen, aber er packte ihre Handgelenke.

»Du hast mit Morlon geschlafen«, sagte er kurz und knapp und ihre Augen rissen weit auf.

Erst brachte sie keinen Ton heraus, dann starrte sie ihn verärgert an.

»Ich ... ich musste es tun! Er wird bald mein Ehemann sein.« Sie blickte ihm dabei nicht einmal in die Augen und er sah rot. Das Tier schoss bedrohlich aus seinem Inneren hervor und ein Knurren kam aus seiner Kehle.

»Ist das dein Ernst? Hast du auch mal an mich gedacht? Wie ich mich dabei fühle? Du hättest ihn abwimmeln sollen!«

»Ich mach das alles nur, um uns zu beschützen!«, erklärte sie und verschränkte die Arme stur. Valnars Tier schürte den Zorn auf sie, wollte, dass er ihr in den Hals biss und ihr für diese Demütigung das Blut aussaugte.

»Es kam dir nicht einmal in den Sinn, mir davon zu erzählen«, fauchte er und sie drehte sich von ihm weg und seufzte.

»Du verstehst das nicht ...«

Etwas Schlimmeres hätte sie nicht antworten können. Wahrscheinlich war er für sie doch nur der dumme Krieger, der ihre Bedürfnisse befriedigte. Die innere Stimme schlug ihm in die Seele, zerrte an ihr. In Valnars Brust kochte es; er wollte das nicht wahrhaben, wollte sie packen, sie solange schütteln, bis sie Reue zeigte.

Sie hat dich betrogen. Zerstöre sie! Lass sie büßen!

Die innere Stimme wurde so laut und wurde eins mit seiner Enttäuschung, sodass er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte.

»Sieh mich an!« Die Eckzähne ragten aus seinem Kiefer. Laut fauchend packte er Alaine an den Armen und zerrte sie zu sich, wollte ihr in den Hals beißen und das Blut schmecken, das er verdiente.

»Valnar!«, rief sie erschrocken. Sie griff ihn an den Schultern und stieß ihn von sich, ließ ihn unbefriedigt zurück. »Reiß dich zusammen!«

Er sprang vor und wollte sie wieder anfallen, als sie davon rannte. Die Bestie wollte ihrer Beute hinterherhetzen, aber Valnars Verstand drang zu ihm durch und er hielt inne.

Was hatte er nur getan? Wie konnte er sie nur versuchen anzugreifen?

Sein tätowierter Arm zitterte. Er hob ihn an und spannte die Muskeln an, wollte die Schmerzen verdrängen.

»Alaine ...«, flüsterte er ihr verzweifelt hinterher, aber er bewegte sich keinen Millimeter.

*

Später saß Valnar in der Bar. Asgar hatte ihn darum gebeten und diesmal stimmte er eifrig zu. Immerhin etwas, dass ihn von den vorherigen Stunden ablenken konnte.

Sie waren schon ziemlich dabei, bis Asgar erneut seinen Krug hob. »Auf uns Männer! Scheiß auf die Frauen!« Mit den Worten exte er sein Getränk und verschwand in der Menge.

Wie gerne Valnar ihm in diesem Moment zustimmen wollte ...

Die Schuldgefühle nagten an ihm, aber er schob sie stur beiseite und fragte den Barkeeper nach Nachschub.

Eine Weile später fühlte er sich einigermaßen betrunken, aber es war ihm immer noch nicht genug.

Schließlich setzte sich eine Frau mit langen grauen Haaren neben ihn hin und starrte ihn an.

»Öfter hier?«, fragte sie und Valnar verzog das Gesicht. Selbst besoffen war das die schlimmste Anmache, die er sich hätte vorstellen können.

Aber als er sie genauer betrachtete, erkannte er sie wieder.

»Hey, ich kenne dich!«, lallte er. »Du hast am Morgen nach unserer Verwandlung deine Kontrolle verloren.« Er wusste es noch ganz genau; die Wachen packten sie und schleppten sie weiter in den Tempel hinein.

Die Frau strich sich die Strähnen aus dem Gesicht. »Dafür durfte ich auch eine laaange Zeit meditieren, aber ich habe mich wieder gefangen. Na ja, leider wars das mit meinem Kriegerdasein. Jetzt bin ich eine Dienerin, aber das ist eh viel besser.« So wie sie kicherte, schien sie selbst schon angetrunken zu sein.

Valnar wollte sie direkt fragen, ob sie heute schon der Hohepriesterin begegnet war, aber sie lehnte sich näher und küsste ihn ohne Vorwarnung ungeschickt auf die Lippen.

Erst reagierte er nicht, aber sein Tier lechzte sich nach der Sehnsucht der Frau und ließ die Wut auf Alaine wieder aufkommen.

Sie dachte, sie könnte ihn betrügen? Das konnte er auch, und so erwiderte er gierig den Kuss, streichelte über ihren Rücken, während er sie auf seinem Schoß zog.

*

Weinend rannte Alaine über den Burghof, den Pfad entlang. Ihr schwarzer Mantel und Kapuze verdeckten sie so gut es ging. Valnar war nicht in seinem Zimmer gewesen, auch nicht im Tempel oder im Wald.

Aber vielleicht war er in der Bar. Sie musste dringend mit ihm reden, wollte sich für ihre Sturheit entschuldigen.

Natürlich war es sein Recht gewesen, verletzt zu sein, und er wusste ja nichts davon, dass Alaine schwanger von ihm war.

Unauffällig ging sie in die Bar hinein und es dauert nicht einmal einen Augenblick, bis sie ihn erblickte. Ein Schauer fiel ihr über den Rücken. Da saß er an der Bar und machte mit irgendeiner dahergelaufenen Schlampe rum.

Alaine bebte vor Wut, die Hände zu Fäusten geballt. Wie konnte er nur? Sie schlief mit Morlon, weil sie musste! Aber er ...

Sauge ihn bis auf den letzten Tropfen aus! Er verletzt deinen Stolz!

Mit den Zähnen gefletscht musste sie sich ein Schluchzen zurückhalten. Das Tier hämmerte in ihrem Kopf, glühte in ihrer Seele.

Sie musste hier raus.

Schnell rannte sie aus der Bar, zum nächstbesten Baum, und schmiss sich an ihm. Ihre Nägel bohrten sich in den Stamm und sie keuchte. Am liebsten würde sie ihn zerfetzen! Und die innere Stimme bejubelte diese Entscheidung.

Aber die ruhige Aura ihres Kindes war stärker und so sackte sie auf die Knie und fing an, bitterlich zu weinen.

Über eine Stunde verging, bis Valnar endlich die Bar verließ und Richtung Palast lief. Betrunken und kaum noch im Stande, gerade zu laufen.

In Alaine kam wieder die Aggression hoch, der Gedanke, ihn anzugreifen. Sie wartete noch, um sicherzugehen, dass sie niemand sehen würde. Mit lauten Schritten lauerte sie ihm auf. Er drehte sich gerade zu ihr, da schubste sie ihn schon und klatschte ihm ins Gesicht.

»Wie kannst du es wagen, mich zu betrügen, du Schwein?!«, fauchte sie ihn an.

Valnar hielt sich die Wange und erwiderte ihr Fauchen. »Ich?! Wer hat denn hier mit König Morlon dem Supertollen geschlafen?!«, schoss er zurück.

Alaine öffnete entsetzt den Mund, dann knurrte sie und wollte ihn wieder schubsen, aber diesmal wich er aus. »Du weißt ganz genau, dass ich das tun musste!«, schrie sie hysterisch.

Warum wollte er es nicht verstehen?!

»Lass mich einfach in Ruhe und werd mit deinem König glücklich.«

Valnar schob sie mit den Worten aus dem Weg und ging weiter. Fassungslos blieb Alaine zurück. »Du verdammter Sturkopf!!«, brüllte sie ihm noch wütend nach. Das Tier drängte sie dazu, hinter ihm herzurennen und sich auf ihn zu stürzen; sie zitterte und atmete tief ein, dann hob sie den Kopf und betrachtete die Sterne.

Sie war wieder komplett allein.

Warum musste es so enden?

*

Am nächsten Morgen nach dem Training wollte Valnar direkt baden und seinen Kummer in Alkohol etränken, aber dann sah er die Frau von gestern auf sich zukommen.

Er stockte. Das gestern war falsch gewesen; er hätte sie niemals küssen sollen. Nicht einmal ihren Namen kannte er und er hoffte, dass sie ihm den auch nicht nennen würde.

»Na?«, fing sie an. »Ich wollte dir etwas zeigen. Bevor du wieder zum Alkohol greifst, hab ich was viel Besseres mitgebracht.«

Als sie sich vorsichtig umschaute, hob er skeptisch eine Augenbraue. Sie öffnete die Hand und er sah einige Pflanzen.

Er seufzte. Genau dieses Grünzeug hatte er im Tempel gesehen, als er und Alaine sich intensiv geliebt hatten. Die Erinnerungen daran schmerzten wie ein Dolch im Herzen.

»Wenn du sie isst, kannst du all deine Sorgen vergessen. Glaub mir.«

Valnar verstand direkt, was das für Dinger waren und er wusste, dass man davon die Finger lassen sollte.

»Nein, danke«, sagte er kurz und knapp, aber sie drückte ihm trotzdem eine davon in die Hand.

»Spießer.« Sie zwinkerte und ging lachend fort.

Genervt starrte er auf seine Handfläche. Die grünen Blätter der Pflanze endeten in einem blaulila und sie rochen schon extrem stark, doch wandte er sich angewidert ab. Trotzdem steckte er sie in seinem Beutel, anstatt sie wegzuschmeißen.

Als ob er so etwas nötig hatte ...

*

Der Beutel lag geöffnet auf dem Bett, die Pflanze direkt daneben. Immer wieder ging Valnar sein Zimmer auf und ab.

Die Gedanken an Alaine ließen ihn nicht los. Vielleicht sollte er das Zeug doch probieren, nur damit sich für einen Augenblick alles wieder normal anfühlen würde.

Er setzte sich aufs Bett und starrte das Kraut an, bevor er es hochhob. Neugierig drehte er es in seinen Fingern, roch an dem starken Aroma.

Ach, was war schon dabei, es ein einziges Mal zu probieren?

Er schob sich das Zeug in den Mund und kaute schnell. Eine klebrige Flüssigkeit breitete sich auf seiner Zunge aus, aber sie schmeckte glücklicherweise nach nichts. Schließlich schluckte er alles herunter und wartete.

Aufregung machte sich in ihm breit. Was würde wohl passieren? Würde er mit Glücksgefühlen überschüttet werden? Er konnte nichts tun, außer abzuwarten.

Eine gefühlte Ewigkeit verging, als Valnar auf seinem Bett lag und langsam schlossen sich seine Augen. Das Einzige, was er fühlte, war ein Hauch von Erregung, aber das lag wahrscheinlich eher daran, dass er an die gemeinsamen Stunden mit Alaine dachte. Eventuell war diese Pflanze nur ein Scherz gewesen ... Warum sollte man auch Drogen in einem Tempel halten?

»Val.«

Valnar stand auf, als er die Stimme hörte und stand in einem Wald; es war so wunderschön und das grün war so intensiv, dass ihm fast die Augen schmerzten.

Es gab nur eine Person, die ihn so nennen würde.

»Alaine!«, rief er freudig, als er seine Angebetete erblickte. Die roten Haare fielen ihr über die Schultern, ihre Brüste waren entblößt und ihr goldener schlangenartiger Unterkörper wickelte sich um einen Baum. Wie faszinierend! Aber ihre Schuppen glänzten in der Sonne und blendeten ihn fast.

»Ich habe dich vermisst«, schnurrte sie und platzierte die Arme über ihren Kopf. Valnar starrte auf ihre aufstehenden Nippel, dann schlängelte sie auf ihn zu.

Sie war so anmutig wie eine Göttin und sie fauchte leise, während ihre lange Zunge herausragte und über seine Lippen fuhr.

»Wie geht es dir, mein Schatz?«, fragte sie und ihr Schwanz wickelte sich aufgeregt um seine Beine, während sie sich aufrichtete und sein Gesicht in ihre Oberweite schob.

»Mir gehts prima«, lachte er. »Vor allem jetzt, wo du bei mir bist!«

Alaine kicherte. Das kräftige Rot ihrer Haare brannte in seinen Augen, aber er konnte sich nicht abwenden. Die Farben tanzten vor seiner Sicht, als ihre Haare sich abwechselnd von Rot zu Blau und Lila änderten.

Valnar stöhnte, während er Alaine fest an ihm spürte.

»Iss doch eine Kleinigkeit. Dann wird es dir noch besser gehen.« Sie hatte auf einmal einen Apfel in der Hand und präsentierte ihn. Valnar schielte ihn an, konnte sich aber nicht entscheiden, welche der Tausenden Farben er nun hatte.

»Wie könnte ich deine Wünsche ablehnen?«

Er biss hinein und eine Flüssigkeit spritzte aus der Frucht. Blut; er schmeckte es sofort. Gierig schlürfte er den Lebenssaft auf, zermalmte das Obst zwischen seinen Zähnen. Plötzlich fing die Frucht an zu pochen und Valnar betrachtete sie genau. Es war kein Apfel, sondern ein menschliches Herz.

Wie außergewöhnlich! Deshalb schmeckte es auch so unglaublich gut. Er wollte mehr und mehr. Sein Tier feuerte ihn weiter an und Valnar gehorchte, verschlang das ganze Herz wie ein hungerndes Tier, bis er am Ende alleine blutverschmiert zurückblieb.

Alaine war fort, aber die ganze Welt um ihn herum leuchtete, funkelte in verschiedenen Farben. Sicherlich war sie dabei, ihm noch mehr zum Essen zu bringen. Er war noch nie so glücklich gewesen! Es war alles so bildhübsch und er hüpfte über die bunte Wiese, fühlte sich, als könnte er Bäume ausreißen.

Doch dann tauchte jemand vor ihm auf und er wusste sofort, wer es war.

Das Tier.

Es war eine atemberaubende Frau mit weißen Haaren, die ihr bis zu den Hacken gingen. Die großen Brüste hingen so wohlgeformt an ihr herunter, dass ihm der Speichel aus dem Mund tropfte.

Ohne Worte lief sie auf ihm zu. Sie war viel größer als er, aber das machte sie nicht weniger attraktiv.

»Valnar, gibs mir, wie du es Alaine gegeben hast!«, flehte sie in ihrer wundervollen Stimme. »Ich habe dich immer gespürt, wenn du tief in ihr eingedrungen bist, aber nicht genug!«

Wie von selbst packte er nach ihr und hob sie hoch, und sie klammerte sich an ihm. Die Präsenz des Tieres breitete sich schon in seinem Körper aus, erregte ihn so sehr, dass er einen schmerzvollen Druck spürte. Wenn er sie nicht sofort nahm, würde er den Verstand verlieren.

»Ah«, keuchte er, während die Wärme in seinem Inneren lichterloh brannte. »Tut mir leid, dass ich dich immer geschlagen hab. Ich wusste ja nicht, wie schön du bist!«

Valnar konnte kaum noch klar sehen, sah nur die intensiven Farben. Es fühlte sich an wie Sex, aber irgendwie anders. Körperlich spürte er nichts, sondern nur geistlich. Gedanklich nahm er sein Tier, stieß immer wieder in die Präsenz in seiner Seele. Er stöhnte wollüstig, konnte kaum glauben, wie gut es sich anfühlte! Als würden alle Ecken seines Seins massiert werden. Das Tier umklammerte seinen Geist, breitete sich überall aus und schmolz unter seiner Kraft. Valnars ganzer Verstand entglitt ihm vor Euphorie und er erreichte seinen Höhepunkt. Die innere Stimme ließ nicht ab, leitete ihn durch seinen Orgasmus, bis er tief ausatmete und vor Schwindel zusammenbrach.

Als er die Augen wieder öffnete, lag er zusammengeklappt in einer Ecke seines Zimmers. Sein ganzer Kopf dröhnte und er hatte schreckliche Krämpfe. Weg war der bunte Wald, weg war Alaine, weg war die attraktive Frau, die sein Tier gewesen war.

»Verdammt«, flüsterte er, noch völlig benebelt und konnte sich gar nicht mehr bewegen.

Niemals hätte er erahnt, wie stark diese Halluzinationen sein würden.
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