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Salt & Sun

von SassyMoon
OneshotFreundschaft / P16 / Gen
JJ Maybank John B
15.03.2021
15.03.2021
1
4.334
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Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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15.03.2021 4.334
 
Hi ihr lieben und herzlich willkommen zu meiner ersten OBX Fanfiction und damit zu meiner ersten richtigen Fanfiction überhaupt.

Normalerweise lese ich lieber nur im Bereich FF, schreib selbst jedoch nur unabhängige Stories. Die Serie Outer Banks und ihre Charaktere haben mich jedoch so gecatcht, dass ich nicht drum herum kam doch mal etwas in diesem Bereich zu wagen.

Alle Infos zu den Charakteren, Orten und Hintergründen habe ich entweder aus der Serie selbst oder aus dem Internet, aus verschiedenen Portalen, Social Media etc. Da die Serie jedoch erst in den Anfängen steht, gibt es natürlich noch diverse Unklarheiten über Geschehnisse aus der Vergangenheit und der Zukunft.

Viele der Handlungen habe ich mir also in meiner Kreativität einfach selbst hergeleitet und damit gleichen sie im Laufe der Zeit vielleicht nicht mehr mit denen des weiteren Serienverlaufs, ich werde aber trotzdem versuchen, immer auf dem aktuellsten Stand zu bleiben was das betrifft. Wenn euch selbst ein Fehler in der Logik oder der Handlung auffällt, könnt ihr mich selbstverständlich ohne Zögern darauf hinweisen

In diesem Fall soll es einfach ein wenig um die Vergangenheit der Pouges gehen und darum, wie sich John B. JJ, Kiara und Poge wohl damals kennengelernt haben und was so alles vor beginn der Serie passiert sein könnte

(Handlungen frei erfunden, alle Charaktere und Orte gehören selbstverständlich Netflix/ den OBX Produzenten und Autoren, Josh & Jonas Pate und Shannon Burke)

Ich wünsch euch ganz viel Spaß und bin selbst gespant, in welche Richtung sich diese Story entwickeln wird!

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John B. wurde durch einen unangenehm lauten Knall einige Zentimeter von seinem linken Ohr entfernt geweckt. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt einzuschlafen und insgeheim war er sich auch sicher, noch halbwegs wach gewesen zu sein als er das letzte Mal auf die Uhr gesehen hatte, doch ein erneuter Blick verriet ihm, dass die letzten 30 Minuten erstaunlich schnell vergangen waren. Zu schnell für eine langweilige Mathestunde bei Mrs. Kenny wenn er so recht darüber nachdachte. Die Quittung für seine Undiszipliniertheit bekam er nun von besagter Person zu spüren. Mrs. Kenny war eine nette alte Frau, keine Frage, doch sobald man ihren Unterricht offensichtlich nicht wertschätzte, konnte sich ihre Laune innerhalb kürzester Zeit von Sonnenschein in Tropensturm verwandeln.

„Mr. Routledge?“

John B sah ihr direkt in die Augen. Der laute Knall schien von dem dicken Geschichtsbuch zu stammen, das unmittelbar neben seinem Gesicht auf dem hölzernen Tisch gelandet war, zumindest war er sich sicher, dass es zuvor noch nicht dort gelegen hatte.

„Mam‘?“

„Das Ergebnis?“

Er musste kurz schlucken bevor er sich sammelte und irgendwo in den tiefen seiner verworrenen Gedanken eine Zahl fand, die er aus irgendeinem Grund in Verbindung mit Mrs. Kennys Frage bringen konnte.

„23, Mam‘.“ Er hatte die Rechnung an der Tafel nur kurz angesehen und war selbst überrascht, wie schnell sein Gehirn die Antwort ausspuckte. Er war nicht schlecht in Mathe, trotzdem: Das kleine Nickerchen hatte ihm alles andere als genützt.

„Na schön.“ Mrs. Kenny nahm das Buch von seinem Tisch. „Für die nächste Stunde würde ich mir jedoch etwas mehr Konzentration von ihnen wünschen. Das gilt übrigens nicht nur für John B.,“ wandte sie sich nun an die gesamte Klasse. „Ich bin nicht hier um einem Haufen Schüler dabei zuzusehen, wie sie ihren Mittagsschlaf in meiner Stunde halten. Bearbeiten sie bitte bis Donnerstag die Übungen zum Kapitel schriftlich. Ich will jede Rechnung ordentlich auf Papier lesen können. Das gilt nicht nur für die Mädchen, sondern auch für die Jungs.“

Sie drehte sich um und zog einen Notizblock aus ihren Unterlagen hervor, dann hielt sie kurz innen um sich erneut der Klasse zuzuwenden, während die meisten bereits angefangen hatten, hastig ihre Sachen in die Rucksäcke zu stopfen. John B. tat es ihnen gleich.

„Ist Mr. Maybank hier? Ich habe eine paar Worte mit ihm zu besprechen.“

Stille kehrte ein und Mrs. Kenny ließ ihren Blick durch das Klassenzimmer schweifen.

„JJ ist nicht da.“, antwortete schließlich ein Mädchen aus der hinteren Reihe mit schüchterner Stimme.

Mrs. Kenny seufzte und vermerkte sich irgendetwas auf dem Notizzettel in ihrer Hand. „Was für eine Überraschung. Das ist die dritte Woche in Folge.“

John B. bekam ihr Gemurmel nur am Rande mit. Er war zu sehr damit beschäftigt in Windeseile seine Sachen zu packen und die Tür des Klassenraums anzusteuern. Das Wetter heute war ideal. Ideal um so schnell wie möglich sein Brett zu schnappen und sich an den Strand unten zu begeben. Die Wellen mussten Gigantisch sein und Stan hatte ihm versprochen heute sein Brett neu zu wachsen, er hatte also keine Zeit zu verlieren.





Als er am Strand ankam war bereits einiges los. Die älteren Jungs und Mädchen der Highschool hatten sich in Gruppen versammelt und tranken Bier, zogen an Zigaretten und lagen lachend in der Sonne. John B. machte einen großen Bogen um die Gruppen. Er hatte bisher erst einmal an einem Bier genippt, weil sein Vater es nicht rechtzeitig weggeräumt hatte und der Geschmack war ihm durch alle Knochen gegangen. Die älteren Pouges waren okay, sie hatten ihm bereits ein paar Mal aus der Patsche geholfen und einige von ihnen konnten wirklich gut Surfen. Doch die meisten waren oft angetrunken oder stoned und damit eher schwer einzuschätzen. Ein paar von seinen Freunden aus der Klasse hatten sich sogar schon mit den älteren angelegt, jedoch eher erfolglos. Die Kooks waren nochmal eine andere Nummer. Sie hielten sich eher selten an diesem Abschnitt des Strandes auf und wenn doch, waren sie auf Streit aus. John B. mied sie so gut es ging. Er wollte keinen Ärger, er wollte in Ruhe eine Welle nach der anderen reiten und am Ende des Tages einfach nur völlig durchnässt aber glücklich einschlafen. Wann er die Hausaufgaben von Mrs. Kenny erledigte, hatte er noch nicht geplant. Es gab wichtigeres.

Er fand Stan am Ende des Stegs der zum Wasser führt. Er stand an einem kleinen Klapptisch und war gerade damit beschäftigt, ein Board zu bearbeiten. Eine der Finnen stand besorgniserregend in die falsche Richtung ab. Neben ihm stand ein blonder Junge, etwa in seinem Alter und sah Stan bei der Arbeit zu. Sein linkes Bein zierte eine riesige blutrote Schramme. John B. näherte sich vorsichtig und wurde schließlich von Stan bemerkt, der ihm erfreut zu winkte, dem blonden Jungen kurz etwas zu murmelte und schließlich ein freudiges Grinsen aufsetzte.

„John B., auf dich habe ich gewartet. Hast du den Unterricht überstanden. Wie geht’s deinem alten Herrn? Hat er nochmal was zu meinen Entwürfen gesagt?“

John B. stellte sich neben den blonden Jungen mit der Verletzung, der ihm kurz musterte und ließ sein eigenes Board neben sich in den Sand fallen.

„Alles in bester Ordnung, er war ziemlich glücklich denke ich aber du kennst ihn ja, mit mir redet er nicht über seine Arbeit.“, antwortete John B ohne zu Zögern und warf einen genaueren Blick auf das Board das Stan soeben behandelte. In Johns Augen war es ziemlich hinüber.

„Vielleicht wenn du älter bist.“, zwinkerte Stan ihm zu.

„Was hast du damit angestellt.“, fragte er an Stan gewandt. Dieser zuckte jedoch nur mit den Schultern. „Frag ihn.“ Er deutete mit einem Kopfnicken zu dem blonden Jungen. Er kam John B. irgendwie bekannt vor, er konnte ihn jedoch nicht zuordnen.

„Ich war an den Pelican Rocks.“, antwortete dieser nun mit einem besorgten Blick auf das Brett. „Der Wellengang war etwas stärker als ich dachte.“

„Du warst an den Pelican Rocks surfen?“, wiederholte John B. ungläubig seine Worte. „Schon klar, dass ich nicht lache. Keiner geht da surfen, das ist unmöglich. Selbst die älteren gehen nur wenn es beinahe windstill ist.“

Der andere Junge sah ihm nun direkt an.

„Was, willst du damit andeuten, dass ich lüge?“ Seine Augen funkelten gefährlich. Sie hatten dieselbe Farbe wie der Ozean. Es war schon fast ironisch.

„Ich sag ja nur. Niemand der noch ganz bei Trost ist würde da hin gehen. Nicht bei dem Wetter.“

„Dann bin ich scheinbar nicht ganz bei Trost. Gut möglich.“, antworte der blonde mit einem schiefen Grinsen.

„Jo JJ, da kann ich nichts mehr machen, tut mir leid man. Ich denk da wirst du dir ein neues besorgen müssen. Das ist an der hinteren Seite gesplittert.“, meldete sich nun Stan wieder zu Wort und hob das kaputte Brett von seinem Tisch.

„Warte, JJ? JJ Maybank? Du bist das?“, fragte John B. nun sichtlich verwirrt. Er wusste nun woher er den anderen Jungen kannte.

„Du gehst auch in die Dritte. Du bist in meinem Mathekurs. Zumindest ab und zu.“ Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. „Jetzt versteh ich so einiges.“

JJ sah ihn etwas irritiert an. „Was verstehst du denn?“

„Das du bei dem Wetter nicht in die Schule kommst. Ich hätte heute am liebsten auch blau gemacht.“

„Warum hast du dann nicht getan?“, fragte JJ provokant zurück und schien sich inzwischen weniger für sein kaputtes Board zu interessieren.

„Mein Dad würde mir ne ernst Standpauke halten, wenn er es erfährt.“

JJ verdrehte kurz die Augen und fuhr sich durch die blonden Haare die ihm unordentlich in die Stirn fielen.

„Das solltest du natürlich keinesfalls riskieren.“, antwortete er gespielt theatralisch und sorgte dafür, dass John B. sich kurzzeitig wie einer der idiotischen Kooks vorkam.

„Die Kenny hat heute nach dem Unterricht nach dir gefragt. Warst du dieses Schuljahr überhaupt schon mal anwesend. Ich hab dich nicht bemerkt.“

„Was wollte sie denn?“, überging JJ seine Frage und John B hörte tatsächlich so etwas wie Besorgnis aus seiner Stimme.

„Kein Plan, was weiß ich. Hast du denn was angestellt?“

Der blonde Junge musste grinsen. „Wie denn, wenn ich doch nie da bin, wie du bereits erwähnt hast. Ich schätze mal ihr ist aufgefallen, dass das Geld aus der Spendenkasse für die Sanierung der Gebäudefassade etwas abgenommen hat.“

„Was denn, du bestiehlst die Schule?“ John B. wusste nicht ob er beeindruckt oder wütend sein sollte. Sein Vater hatte seines Wissens nach selbst einiges an Arbeit in dieses Spendenprojekt fließen lassen.

„Ich habs mir ja nur geborgt.“ JJ zuckte mit den Schultern und wandte seinen Blick wieder dem kaputten Board zu. „Aber jetzt geb ichs vielleicht für ein neues Brett aus. Meins kann ich jedenfalls vergessen.“

John B. zog die Augenbrauen hoch, sagte jedoch nichts mehr. Er hatte keine Ahnung was er von JJ halten sollte, doch er war sich noch immer sicher, dass der Blonde nie und nimmer an den Pelican Rocks surfen war, was bedeuten würde, dass er ein Lügner war.

Stan warf JJ einen entschuldigenden Blick zu, dann bedeutete er John B. sein Board auf dem Tisch zu platzieren und begann mit der Wachsbehandlung.

„Mit deinem neuen erstohlenen Board solltest du dann vielleicht nicht mehr an den Rocks surfen gehen.“, murmelte John B. und warf JJ einen Seiten Blick zu. Dieser hatte sich in den Sand fallen lassen und den Blick in Richtung Himmel gerichtet.

„Du glaubst mir immer noch nicht, oder?“

„Kein Wort.“ John B. betrachtete ihn von oben. JJ wirkte nicht unsportlich, im Gegenteil. Doch kein Drittklässler den er kannte hatte sich jemals auch nur in die Nähe der Pelican Rocks getraut.

„Na schön. Wie wärs heute Abend zum Sonnenuntergang an den Rocks. Nur du und ich, ganz romantisch.“ Er warf ihm einen ironischen Blick zu. „Und dann sehen wir wer länger auf dem Brett steht.“

„Du hast kein Board mehr.“, rief John B. ihm in Erinnerung doch JJ schüttelte nur lachend den Kopf.

„Kneifen zählt nicht. Ich besorg mir bis dahin ein neues. Also?“ Er sah John B. erwartungsvoll an und insgeheim wusste dieser, dass er nicht ablehnen konnte. Nicht wenn er seinen Stolz vor diesem Idioten bewahren wollte. Denn in John B.‘s Augen war JJ nichts anderes: ein Idiot.





John B. wartete bereits seit 15 Minuten an den Pelican Rocks. Pünktlichkeit schien nicht zu JJ’s Stärken zu zählen, es hätte ihn aber auch überrascht. Anstatt sich darüber aufzuregen oder an ihren bevorstehenden hirnrissigen Plan zu denken, sah er einfach hinaus aufs Meer und beobachtete, wie die Sonne langsam hinterm Horizon verschwand. Sie tauchte die Welt um ihn herum in ein feuriges, orange-goldenes Licht und sorgte dafür, dass er kurz die Augen schloss und einfach nur den Moment genoss, bis ihn ein lautes Scheppern aus den Gedanken riss. Sein Blick fiel sofort auf den blonden Jungen der sich ein paar Meter von ihm entfernt auf einen der Felsen sinken ließ und am Ende seiner Kräfte zu sein schien. Neben ihm am Boden lag ein niegelnagel neues Shortboard, das wahrscheinlich noch nie ihm Leben Kontakt mit dem Meer hatte.

„Das ist von Cooper Withley.“, erklärte JJ etwas außer Atem und warf ihm ein freches Grinsen zu. „Er hat das Ding eh nie benutzt. Also. Bereit?“

„Bist du‘s denn?“, fragte John B. noch immer etwas ungläubig, doch auch er kam nicht drum herum, dass sich ein Lächeln auf sein Gesicht stiehl. Cooper Withley war ein Arsch. JJ hatte definitiv nicht den Falschen beklaut und das wusste er wahrscheinlich auch.

„Aber sowas von.“ Der blonde Junge verzog kurz das Gesicht, als er sich aufrichtete und John’s Blick fiel auf die Schramme an seinem Bein. Es schien nicht so, als hätte er sie verarzten lassen. Generell fielen John B. einige Stellen an JJ’s Armen auf, die im Licht der untergehenden Sonne irgendwie lila zu schimmern schienen, vielleicht bildete er sich das Ganze jedoch auch nur ein, das Licht war eher schlecht und vielleicht hatte JJ die blauen Flecken auch schon vorhin am Strand gehabt. Wenn er wirklich an den Rocks surfen war, würde es John B. nicht wundern.

Sie machten sich gemeinsam auf den Weg die Klippen hinunter, wobei John B. JJ folgen musste, der den Weg scheinbar bereits ganz gut kannte und sie damit überraschenderweise sicher und unverletzt an den Strand runterbrachte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was er hier eigentlich Dummes tat und sein Dad würde ihm dafür wahrscheinlich eine Weile Hausarrest verpassen falls er es jemals erfuhr doch auf der anderen Seite sorgte das Adrenalin in seinem Blut dafür, dass er es kaum erwarten konnte, sich ins Wasser zu stürzen. JJ schien es ähnlich zu ergehen. Die beiden Jungen warfen sich einen kurzen Blick zu.

„Also. Wer am längsten steht.“

„Du bist verrückt. Du wirst von den Wellen keine einzige bekommen.“ John B. schüttelte lachend den Kopf. Definitiv ein Idiot dieser Maybank.

„Das werden wir sehen.“ JJ zog sich das T-Shirt über den Kopf und stürzte sich mitsamt seinem Board ins Wasser. Es war nur ein kurzer Moment gewesen und das dämmrige Licht hatte dafür gesorgt, dass John B. kurz blinzeln musste doch dass änderte am Ende nichts daran, was er gesehen hatte. Und er war sich nun sehr sicher, dass JJ am Mittag als sie sich am Strand getroffen hatten noch nicht so ausgesehen hatte. Der gesamte Oberkörper des blonden Jungen war vor dunklen Blutergüssen und Prellungen übersäht, die selbst beim bloßen Anblick in John B. für ein unangenehmes Gefühl sorgten. Der kurze Schock über JJ’s Äußeres sorgte dafür, dass John B. einen Moment länger am Strand verweilte, als er es geplant hatte. Er hatte keine Ahnung, was JJ in der Zeit nach ihrem ersten Treffen getrieben hatte, doch er war sich ziemlich sicher, dass es keine sehr angenehmen sechs Stunden gewesen waren. Mit diesen Gedanken folgte er JJ ins Wasser, der bereits ein gutes Stück hinaus gepaddelt war, wobei er selbst sichtlich Schwierigkeiten hatte, durch die ersten Wellen zu stoßen, die ihnen entgegen rollten.

Sie versuchten es etwa eine Stunde, bis es einfach zu dunkel und gefährlich wurde um noch weiter im Wasser zu bleiben. In dieser Stunde stellte John B. jedoch mehrere Sachen fest. Erstens: JJ war kein Lügner. Zweitens: JJ war wahrscheinlich der beste Surfer, der ihm mit seinen neun Jahren jemals begegnet war. Drittens: JJ Maybank war ein riesiger Idiot. Sie schafften es beide nicht lange auf den Boards zu stehen, und John B. gab das Surfen innerhalb kürzester Zeit auf, stattdessen versuchte er sich einfach halbwegs auf dem Board über Wasser zu halten und beobachtete JJ bei seinen Bemühungen, eine Welle nach der anderen zu nehmen. Er stand nie lange, aber lang genug, um John B.‘s Bewunderung zu erlangen.

„Du gewinnst.“, gab John B. sich schließlich geschlagen, als sie vollkommen erschöpft wieder am Strand ankamen und sich den Sand aus Haaren und Kleidung schüttelten. JJ sah ihn stolz an und warf den Kopf in den Nacken nur um ein lautes Heulen auszustoßen, der von den Felsen der Klippen widerhallte.

„Idiot.“ Murmelte John B. lachend und suchte im Sand nach seinem Shirt, wobei sein Blick erneut auf JJ fiel. Es war inzwischen zu dunkel um viel zu erkennen, also zog er kurzer Hand die Taschenlampe aus seinem Rucksack nur um das Licht im nächsten Moment auf JJ zu richten, der ebenfalls sein Shirt zu suchen schien. Der blonde Junge hielt sich blinzelnd die Hand vor die Augen

„Wow, John B., wirst du jetzt zum Paparazzi? Gönn dem Star mal etwas Ruhe und Privatsphäre.“

John B. konnte sein Lachen in dem Moment nicht erwidern. Sein Blick blieb auf den dunklen Flecken auf Höhe von JJs Rippen hängen. Es gab kaum eine Farbe, die er nicht vorfand. Grün, Blau, Lila... Einige der Prellungen schienen nur noch blass, die anderen leuchteten ihn regelrecht an. Als wären sie erst vor kurzem entstanden. Etwa in den letzten Stunden.

„Was zur Hölle ist los mit dir, bist du behindert? Hör auf mich so anzustarren und nimm die doofe Taschenlampe runter.“ JJ schien John B.’s Blick inzwischen gedeutet zu haben und zog sich das Shirt so schnell wie nur irgendwie möglich über.

„Wieso ich dich anstarre? Was zur Hölle hast du die letzten Stunden getrieben? Hast du dich mit Godzilla geprügelt? Du siehst übel aus, Mann.“ John B. schüttelte fassungslos den Kopf. JJ wandte seinen Blick in eine andere Richtung.

„Im Ernst. Was hast du gemacht?“

„Ich war heute Morgen schon hier surfen, schon vergessen? Oder glaubst du mir immer noch nicht? Tja, ich hab mich eben etwas blöd gestoßen, das ist alles.“ JJ sah ihm nun direkt in die Augen, wie bei ihrem ersten Gespräch, trotzdem kaufte John B. ihm die Lüge nicht ab. Nicht im Geringsten.

Die beiden Jungen standen eine Weile gegenüber, nicht gewillt den Blick zu senken. John B. konnte sehen, wie es in JJs Kopf arbeitet. Wie er sich die nächste Notlüge schon zurecht legte. Er presste den Mund zu einem schmalen Strich zusammen und sah John B unverwandt an. Wie ein Tier, das in die Enge getrieben wurde, dachte er kurz. Eine Fassade, die im nächsten Moment zusammenbrechen konnte. Er hätte es dabei belassen können. Vielleicht hätte er JJ dann nie wieder gesehen und sich weiter um seine eigenen Probleme kümmern können. Er hätte den Jungen mit den meerblauen Augen einfach hier stehen lassen können und aus seinen Gedanken verbannen können. Er hätte wahrscheinlich kein schlechtes Gewissen gehabt, schließlich kannte er ihn kaum, diesen Maybank. Und im Grunde ging es ihn ja auch gar nichts an. Aber irgendetwas in John B. sorgte dafür, dass er genau das nicht schaffte. Vielleicht weil er das Gefühl hatte, das erste Mal jemandem begegnet zu sein, der dieselbe Einstellung zum Leben teilte wie er. Der am liebsten auch den ganzen Tag auf den Wellen verbringen würde und nicht zögerte, dafür den Weg zu verlassen, den ihre Eltern ihnen aufdrängen wollten. Jemand, der die Kooks genauso wenig leiden konnte wie er. Jemand, bei dem er nicht das Gefühl hatte, sich verstellen zu müssen.

JJ hatte sich inzwischen von ihm abgewandt, seinen Rucksack geschnappt und Coopers Board einfach im Sand liegen lassen. John B. ließ ihn einige Meter weit kommen, bevor er ihm hinterherlief.

„Warte.“ JJ schien jedoch keine Anstalten zu machen auf ihn zu warten, also holte John B. die Distanz zwischen ihn mit ein paar langen Schritten auf. Der blonde Junge fuhr zu ihm herum und bevor er sich versehen konnten, hatte John B. ihn am Oberarm gepackt und hielt ihn gegen den Felsen hinter ihm gedrückt fest. JJ versuchte sich mit wütendem Blick zu befreien, doch John B war ihm in diesem Fall überlegen. Außerdem schien JJ tatsächlich jede Bewegung Schmerzen zu bereiten.

„Okay, beruhig dich. Ich will dir nur helfen. Wenn du mir sagst wer es war dann werden wir morgen nach der Schule zusammen einen Abstecher dahin machen und es diesen Idioten heimzahlen, okay? Wie klingt das für dich?“ John B. suchte nach irgendeiner Regung in den Augen des Anderen, doch JJ schien den Kampf inzwischen aufgegeben zu haben.

„Checkst du‘s nicht? Ich brauch deine Hilfe nicht, ich komm allein klar.“

„Mag sein. Aber Pouges sollten zusammenhalten oder nicht? Also wenn dass irgendwelche idiotischen Kooks waren, dann...“

„Es war mein Dad, okay!?“ JJ brüllte ihn regelrecht an und wandte nun doch aus seinem Griff. John B. hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Antwort.

„Warte, was?“ Er sah JJ ungläubig an.

„Es war mein eigener Vater, wolltest du das hören? Und was bringt dir das jetzt? Gar nichts. Weil du mir nicht helfen kannst.“

JJ’s Stimme hatte sich inzwischen von laut wieder zu leise gewandelt und diesmal konnte John B. die Schmerzen darin mitschwingen hören. Es war kein physischer Schmerz. Er kam irgendwo tief aus seiner Seele.

John B. wusste plötzlich nicht mehr, was er eigentlich sagen wollte. Oder sollte. Was sollte er sagen?

„Was ist passiert? Ich meine, wieso...?“

„Die Schule hat angerufen. Die Kenny scheint ein großes Drama aus der Sache mit dem Spendengeld gemacht zu haben. Ich hab nur 20 Dollar genommen, aber sie hats gemerkt und irgendwoher wusste sie, dass ichs war. Keine Ahnung, vielleicht haben die da Videoüberwachung. Mein Dad musste das Geld zurück zahlen mitsamt den Kosten für die Anzeige, die sie gemacht hat. Er ist komplett ausgerastet. Ich weiß nicht wie viel er davor getrunken hatte aber er flippt dann immer total aus.“ JJs Stimme drohte zu brechen, als er stoppte und den Blick abwandte. John B. konnte das funkeln von Tränen sehen.

„Wieso hast du das Geld genommen?“, fragte John B. zögerlich.

„Mein Vater hat am Wochenende manchmal Besuch von irgendwelchen komischen Typen und dann trinken sie meistens ziemlich viel und naja, meistens haben wir nicht genug Bier daheim also schickt er mich irgendwann los um Neues zu besorgen. Aber er gibt mir kein Geld mit zum Bezahlen, weil er sagt, dass ich ihm sein ganzes Geld stehlen würde also könnte ich damit ja jetzt bezahlen. In Wahrheit gibt er alles für Drogen und Sportwetten aus. Die ersten Male hab ich einfach was aus dem Laden geklaut aber irgendwann haben sie mich erwischt und ich hab ne Menge Ärger bekommen. Also hab ich vorgesorgt. Ich wusste nicht, dass die Schule es merkt und es war wirklich nicht viel. Wenn ich ohne das Bier nach Hause gekommen wäre, sähe ich wahrscheinlich noch schlimmer aus als jetzt.“ JJ stieß ein verzweifeltes Lachen aus. „Eigentlich ist es auch komplett egal was ich mache, es endet früh oder später immer so.“

„Sie die Typen jetzt auch bei euch daheim?“ fragte John B. weiter ohne mit der Wimper zu zucken.

„Keine Ahnung, ich schätze schon. Werd ich dann sehen.“ JJ seufzte kurz, dann wandte er sich wieder John B. zu. In seinen Augen war keine Träne mehr zu erkennen. Er hatte sie einfach weggeblinzelt.

„Ist echt nett von dir, John Bee., dass du mir helfen willst aber du bist kein Superheld. Ich kümmre mich schon um meine Probleme.“, lächelte er und machte sich erneut daran, John B. den Rücken zu kehren. Doch dieser hatte nicht vor, es nun einfach bei dieser Antwort zu belassen.

„Du kannst bei mir bleiben. Zumindest für ein paar Nächte. Bis das... naja bis es dir etwas besser geht. Dann kann das etwas verheilen. Sonst können wir uns ja gar keine Revanche liefern. Ich würd gerne nochmal gegen dich antreten. Vielleicht im etwas ruhigeren Wasser. Im befürchte aber, das geht nur, wenn dein Dad dich in nächster Zeit nicht krankenhausreif schlägt. Deal?“

Der blonde Junge zögerte und schien tatsächlich über das Angebot nachzudenken.

„Es wäre nur für ein paar Nächte. Nur wenn du willst. Mein Dad hat sicher nichts dagegen und deiner scheint eh mit anderen Dingen beschäftigt zu sein.“, legte John B. noch einmal nach. „Du kannst auf der Couch schlafen, wir haben eine alte Fischerhütte direkt am Meer, es ist nicht groß, aber...“

„Okay.“, unterbrach ihn JJ mit erhobenen Händen. „Okay. Ich geb mich geschlagen.“

John B. lächelte erleichtert und irgendwie auch froh darüber, dass JJ ihm scheinbar doch mehr vertraute, als er zunächst erwartet hatte.

Der blonde Junge erwiderte sein Lächeln.

Als sie sich gemeinsam auf den Weg zurück machten, war John B. sehr wohl bewusst, dass JJ nur so schnell nachgegeben hatte und ihm folgte, weil er tatsächlich nicht zu seinem Vater nach Hause hatte kehren wollen. Etwas, dass ihm quasi bestätigte, richtig gehandelt zu haben. Wie es am Ende weiter gehen würde wusste er nicht. Ebenso wenig wusste er, dass er soeben einem Jungen eine Menge Leid erspart hatte, wenn auch nur für kurze Zeit und, dass JJ ab diesem Moment nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken wäre wusste er auch nicht. Er wusste weder, dass er an diesem Abend seinen neuen besten Freund gefunden hatte, noch, welche Abenteuer sie in naher Zukunft erleben würden. Eines wusste er jedoch: Sie waren beide Pouges und sie würden zusammenhalten, komme was wolle.



Sooooo Leute, das war mal ein kleiner Einblick in meine Gedankenwelt rund um Outer Banks und meine Vorstellung davon, wie John B. JJ kennengelernt hat. Da die beide laut Serie Freunde seit der Dritten Klasse sind, was bedeuten würde, dass beide zu diesem Zeitpunkt etwa neun Jahre alt gewesen sein müssten, habe ich gewisse Stellen etwas angepasst, z.B. was Alkohol, Drogenkonsum und andere außerschulische Aktivitäten betrifft. Anderseits könnte ich mir die beiden in diesem Szenario auch schon etwas älter vorstellen und im Prinzip ist es wahrscheinlich auch gar nicht so wichtig Ich hoffe sehr euch hat der OneShot gefallen, wenn ja, lasst mir gerne einen Kommentar dar, scheut euch auch nicht vor Verbesserungen und Korrekturen.

Ein paar OneShots zu OBX werde ich bestimmt auch noch schreiben, ansonsten fieber ich natürlich auch schon auf die 2.Staffel hin!
 
 
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