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Verliebt wider Willen

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
14.03.2021
01.11.2021
18
39.932
26
Alle Kapitel
110 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
14.04.2021 2.195
 
Hei zusammen,

vielen lieben Dank für eure zahlreichen Aufrufe der Story, die neuen Favos, das Sternchen fürs Sternchen und natürlich an die fleißigen Reviewschreiber, ich freue mich, dass ihr mit dem letzten Kapitel scheinbar Spaß hattet. Zupft ihr denn immer noch Gänseblümchen ;-) ? Schauen wir doch mal nach, ob ihr mit euren Vermutungen recht habt und ob Lahja immer noch nervös ist…


7.Kapitel


Ich schnappte mir mein Handtuch und meine Wasserflasche und ging schnurstracks Richtung Duschen. Doch da lief mir Timo über den Weg. Verwirrt schaute er mich an. „Lahja, wo willst du denn hin? Ich dachte, du bist gleich mit Samu verabredet und ich soll euch zusammen trainieren?“ - „Ich weiß. Timo, kannst du mir einen großen Gefallen tun?“, fragte ich, wartete aber auch seine Antwort nicht ab, sondern sprach gleich aufgeregt weiter. „Kannst du ihm sagen, dass es mir leid tut und ich dringend nach Hause musste, bitte, Timo.“, bat ich ihn. „Aber du kannst doch selbst…“ - „Bitte, Timo.“, bat ich ihn noch mal inständig, bis er schließlich kurz nickte. „Danke.“, entwich es mir noch, dann stürmte ich in die Dusche. Unter dem Wasserstrahl brach eine Gedankenflut vom feinsten über mich herein. Immer wieder versuchte ich nachzurechnen. Nach dem Trocken rubbeln, warf ich mir schnell frische Kleidung über und verließ das Trainingscenter. Ich nahm die Straßenbahn zu mir nach Hause. Doch vorher machte ich Halt an der Apotheke, die direkt an der Straßenbahnhaltestelle war. Eine Angestellte begrüßte mich freundlich. „Hyvää Päivä, was kann ich für sie tun?“, fragte sie mich. Ich schluckte trocken. „Ich hätte gerne einen Schwangerschaftstest.“ - „Ich hole mal, was wir da haben. Moment.“ Ich rieb meine Hände, sie waren ganz verschwitzt. Als die Dame wiederkam legte sie verschiedene Packungen auf den Tresen. „Wir haben vier verschiedene. Dieser hier ist ein ganz einfacher Teststreifen, bietet allerdings auch Platz für Fehler bei der Anwendung. Die beiden hier sind Frühtest und bei richtiger Anwendung zu 99% sicher und der letzte hier ist ein Digitaltest.“, erklärte sie mir mit einem Lächeln geduldig. Ich atmete einmal tief durch. „Ich nehme sie, alle.“, murmelte ich. Die Apothekerin lächelte mich freundlich an, nickte und packte meinen Einkauf in eine kleine Plastiktüte und ich bezahlte stillschweigend mit meiner Bankkarte. Wenn diese vier Test schon knapp dreißig Euro kosteten, dann wollte ich über den Rest erst einmal gar nicht nachdenken. Und so verließ ich die Apotheke und machte mich zügig auf den Weg zu meiner Wohnung.

Meine Hände zitterten als ich die vier Packungen auspackte, mir die Hände wusch und anschließend gründlich die Anleitungen las. Und so besorgte ich mir einen Plastikbecher aus der Küche und folgte den Hinweisen auf dem Papier. Nach dem Toilettengang hielt ich, wie beschrieben, alle vier Test in den Urin, ging aus dem Bad und legte sie alle in der Küche auf den Theke. Ich setzte mich an den Tisch, sprang aber gleich wieder auf und machte mir einen Kaffee. Meine Finger trommelten nervös auf die Arbeitsfläche, während der Kaffee aus der Maschine in meine Tasse lief. Ich wollte gar nicht auf die Tests gucken. Der Timer meines Smartphones gab einen Alarmton von sich, die drei Minuten waren um. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Zwei Streifen, noch mal zwei Streifen, ein dickes fettes Plus und das Wort Schwanger prangten mir entgegen. Erschrocken keuchte ich auf. Hielt mich an der Theke fest, da ich meinen Beinen nicht traute, denn diese zitterten wie Espenlaub. Ich atmete zittrig aus, versuchte den Kloß im Hals herunterzuschlucken. Doch stattdessen wurde er noch größer, Tränen bildeten sich in meinen Augen und liefen mir ungehindert über die Wangen. Ich tippte fahrig auf meinem Handy herum, öffnete den Kalender und sah den letzten Eintrag meiner Regel im März. Ein tiefer Seufzer entwich mir. Vor lauter Stress hatte ich gar nicht mitbekommen, dass meine Blutung ausgeblieben war. Nun waren vier Tests positiv. Ich war schwanger und frisch getrennt. Wieder überschlugen sich die Gedanken in meinem Kopf und die Tränen liefen. Die Türklingel erschrak mich. Wie ferngesteuert ging ich zur Tür, wischte mir nicht gerade damenhaft die Tränen an meinem Ärmel ab und öffnete.

„Na, wolltest du dich…“, grinste mich Samu an unterbrach sich aber selbst, als er mich ansah. „Lahja, hey, was ist passiert?“, fragte er stattdessen nun sanft. Er machte einen Schritt auf mich zu, schob uns beide rückwärts in meine Wohnung, schlüpfte aus seiner Jacke und seinen Schuhen und zog mich sogleich in eine tröstende Umarmung. Ich schluchzte erneut an seiner Brust, die Tränen liefen wieder. „Was hat dieses Arschloch nun wieder gemacht?“, presste der Blonde hervor und zog mich noch enger an sich, streichelte mir beruhigend über den Rücken. „Ein Baby.“, antwortete ich ihm leise. „Seine Affäre ist schwanger?“, stieß Samu hervor und seine Augen lagen flackernd auf mir. Ich biss mir auf die Unterlippe, nahm seine Hand und zog in die Küche, wo ich auf die Tests deutete. Ich hörte meinen besten Freund scharf einatmen. Unsere Blicke begegneten sich erneut. Ein Zittern ging durch meinen Körper. „Komm her, Pieni.“, murmelte er, zog mich wieder zu sich, küsste meine Stirn und strich mir tröstend über den Rücken. Dann löste er sich von mir, schob mich vor sich in mein kleines Wohnzimmer und zog mich auf der Couch in seine Arme. „Ich hatte so viel Stress, die letzten drei Wochen, dass ich nichts gemerkt habe. Oh Gott, was soll ich jetzt nur machen, Samu?! Ich bin alleine und dann ein Baby?“, sprach ich meine Gedanken aus. „Ich weiß das ist jetzt nicht sehr hilfreich, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alle Kinder, die geboren werden, Wunschkinder sind und die Mütter schaffen es. Sieh dir meine Mama an, sie war so stark damals. Hat Sanna und mich allein großgezogen. Wir hatten nicht viel Geld und trotzdem hat es uns nie an irgendwas gefehlt. Aber zu erst einmal, musst du mit Mikko reden. Er muss wissen, das er Vater wird. Auch wenn ihr getrennt seid, aber ich glaube nicht, dass er dich finanziell hängen lässt. Du bist eine der stärksten Frauen, die ich kenne, Lahja - du kannst das schaffen. Du hast deinen Bruder, der bestimmt für dich da ist - wenn auch vielleicht nicht sehr zuverlässig…“, zwinkerte der Blonde, was mir ein kleines Schmunzeln entlockte. „Auch Sanna wir dir garantiert helfen, dich unterstützen und ich auch. Ich werde da sein, Lahja. Du bist nicht allein. Das Kleine…“, Samu zog mich noch enger an sich, mein Rücken lehnte an seinem Oberkörper und er legte behutsam seine Hand auf meinen Bauch. „…da drin wird eine wundervolle Mama haben, glaube mir.“, versicherte er mir und wischte mir eine Träne mit dem Handrücken weg. „Danke, Samu.“, hauchte ich.

Wir redeten noch eine ganze Weile miteinander, am Abend kochten wir was zusammen. Nach dem Essen verabschiedete sich mein Bester. Der Nachmittag mit ihm hatte mir gut getan. Seine Worte hatten mich gestärkt. Ich wollte mich nicht unterkriegen lassen. Samu hatte Recht, es gab so viele Frauen, die alleinerziehend waren - auch ich würde das schaffen. Für diesen kleinen Menschen, der in mir heranwuchs. Ich lag schon im Bett, eingekuschelt in meine dicke Decke, als ich noch mal mein Handy in die Hand nahm. Ich scrollte durch meine Kontakte und blieb bei Mikkos Nummer hängen. Und so schrieb ich ihm eine Nachricht: >Hei Mikko, wir müssen dringend reden. Können wir uns, die nächsten Tage, auf einen Kaffee treffen? Lahja< Ich drückte auf Senden und hoffte, dass er sich bei mir meldete. Am nächsten Tag rief ich schon frühmorgens im Gesundheitszentrum an und ließ mir einen Termin geben, um die Schwangerschaft noch mal zu bestätigen. Diesen bekam ich auch schon zwei Tage später, da jemand anderes einen Termin abgesagt hatte, welch ein Glück. Die zwei Tage zogen sich wie Kaugummi in die Länge. Ich las einige Artikel im Internet zur Schwangerschaft. Schließlich wollte ich wissen, was da in und mit meinem Körper gerade passierte. Wie das kleine neue Leben in mir heranwuchs, was ich jetzt beachten sollte und so weiter. Mikko hatte sich auch zurückgemeldet. Wir hatten ein Treffen, in einem kleinen Café am Hafen, für den Nachmittag ausgemacht. Und ich hoffte sehr, dass Samu Recht behielt und sich Mikko nicht vor seiner Verantwortung drückte.

Am Tag meines Arzttermins machte ich ein wenig früher Feierabend und fuhr ziemlich nervös zum Gesundheitszentrum. Meine Nervosität verflog aber relativ schnell, als mich die freundliche Hebamme Liisa begrüßte. Sie hatte so eine freundliche, umsorgende Art mit einem umzugehen, dass man sich sehr schnell wohl fühlte. Als erstes wurde ich durchgecheckt. Blutdruck messen, Urin abgeben, eine kleine Blutprobe, Gewicht kontrollieren. Anschließend redeten wir miteinander. Liisa erklärte mir viele Sachen, informierte mich über Dinge, die ich ab jetzt nicht mehr tun sollte und was noch erlaubt war. Ich seufzte, denn zum Beispiel sollte ich nur noch boxen, kicken war zu gefährlich. Das verstand ich natürlich, dann musste ich wohl doch eher wieder joggen gehen. Auch Rauchen und natürlich Alkohol waren ab sofort tabu. Nach unserem Gespräch, wo mir die Hebamme auch einige Infoblätter mitgegeben hatte, folgte noch ein Ultraschall. Nun kehrte doch die Nervosität zurück. War alles in Ordnung mit dem Baby? Ich legte mich auf den Untersuchungsstuhl und versuchte mich zu entspannen. „Na, dann wollen wir mal nach dem kleinen Wunder gucken. Sind sie nervös, Frau Huovinen?“, lächelte sie mich an. Ich nickte lächelnd. „Das sieht wunderbar aus. Hier ist die Fruchthöhle und da drin, der kleine Punkt, ist ihr Baby.“, erklärte sie mir. Ich schaute genau hin und sah diese kleine Blase. Ein Gefühl von Wärme durchflutete mich, mein Herz schlug aufgeregt. „Ich drucke ihnen ein Ultraschallbild aus und dann sehen wir uns in zwei Wochen noch einmal zur Kontrolle, damit ich sicher sein kann, das alles gut wächst. Danach werden die Termine im vierwöchigen Rhythmus vergeben.“, informierte sie mich. Ich lächelte sie an und nickte. „Okay, danke.“, erwiderte ich nur und nahm das kleine Schwarz-Weiß Bildchen entgegen. Nachdem ich einen neuen Termin bekommen hatte, verabschiedete ich mich und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Hafen.

Am Hafen angekommen, hatte ich noch etwas Zeit bis zu meinem Treffen mit Mikko. Ich setzte mich auf eine Bank, die Möwen kreisten über dem Wasser. Es war leicht bewölkt, trotzdem lugte ab und zu die Sonne hinter den Wolken vor. Einmal tief durchatmen, die klare, kalte Luft tat gut. Sanft legte ich meine Hand auf meinen, vom Wintermantel verhüllten, Bauch. Ein Lächeln schlich über mein Gesicht. Der Ultraschall hatte alle Zweifel beiseite gewischt. Ich wollte dieses Kind, dieses kleine Wunder bekommen, egal wie Mikko dazu stehen würde. Natürlich hoffte ich insgeheim, dass er sich freute, für seinen Nachwuchs da sein würde, doch das würde die Zeit zeigen und natürlich unser Gespräch. Ein Blick auf meine Uhr ließ mich dann doch langsam Richtung Café wandern. Ich machte es mir im Außenbereich gemütlich, wo Heizpilze standen und kuschelige Decken für Wärme sorgten. „Hallo, was kann ich Ihnen bringen?“, fragte mich eine Kellnerin freundlich. „Hallo, ein Kaffee, danke.“ - „Für mich auch einen Kaffee, danke. Hallo, Lahja.“, kam Mikko dazu und setzte sich zu mir. „Hallo, Mikko, danke, dass du gekommen bist.“, begrüßte ich ihn und musterte ihn. „Du hast gesagt, wir müssen reden. Was gibt es?“, wollte er wissen und sah mich an. Ich schluckte. „Ich war gerade beim Arzt…“, informierte ich ihn. Skeptisch sah er mich an. Aus meiner Handtasche zog ich das Ultraschallbild von unserem kleinen Wunder heraus und schob es ihm zu. „…ich bin schwanger, Mikko. Mitte sechster Woche.“ Eine unangenehme Stille entstand. Mein Exfreund starrte auf das kleine Stück Papier, sagte nichts. Dann schob er es mir wieder zurück. Sein Kiefer hatte sich verhärtet, sein Gesichtsausdruck war unleserlich. „Mikko, sag doch bitte etwas.“, bat ich ihn. „Willst du mir jetzt allen Ernstes ein Kind anhängen?“, fragte er mich leise, seine Stimme hatte einen wütenden Unterton. Erschrocken sah ich ihn an. „Ich…ich will dir doch kein Kind anhängen. Mikko, warum sagst du so etwas?“ - „Weil ich vor sechs Wochen gar nicht Zuhause war, da war ich in den Staaten. Außerdem habe ich immer verhütet.“

Wenn man es so sah, stimmte seine Logik. Ich schüttelte den Kopf. „Wenn man es so sieht, hast du Recht, Mikko. Aber man berechnet die Schwangerschaftswochen ganz anders. Die Ärztin sagte, man rechnet ab dem ersten Tag der letzten Regel. Es muss Anfang April passiert sein. Erinnerst du dich, als du Anfang April von einem Langstreckenflug wiedergekommen bist und wir uns bei mir versöhnt haben? Da haben wir nicht verhütet.“, erklärte ich ihm ruhig. Er presste seine Lippen aufeinander. Seine Augen ruhten auf mir. Er war wütend und zwar richtig wütend. Ich schluckte wieder, versuchte die Tränen zurückzuhalten, die aufkamen. So hatte ich mir seine Reaktion nicht vorgestellt. „Das musst du mir erst einmal beweisen, Lahja! Du wirst von mir keinen Cent sehen, das verspreche ich dir! Ich bin hier fertig.“, schnappte er, stand auf, legte noch einen fünf Euro Schein für den Kaffee auf den Tisch und ging ohne mich eines Blickes zu würdigen.


**********************

Lahja ist also schwanger, haben ja einige von euch schon vermutet. Und sie möchte das Kind behalten, ein mutiger Schritt von ihr, wenn man bedenkt, dass sie finanziell gesehen gerade so selbst über die Runden kommt und in einer der teuersten Städte Europas lebt. Was haltet ihr von Mikkos Reaktion?
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