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Verliebt wider Willen

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
14.03.2021
01.11.2021
18
39.932
26
Alle Kapitel
110 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
08.04.2021 1.817
 
Hei ihr Lieben,

ich hoffe, ihr hattet ein schönes Osterfest… . Ich danke euch für die neuen Favos, die vielen Aufrufe und natürlich eure ganzen Kommis zum letzten Kapitel. Nun wollen wir mal Mäuschen spielen und schauen wie es Lahja geht…


6.Kapitel


„Was?!“, stieß Samu aus. Ich nickte nur schluchzend. Nun liefen mir die Tränen wie Sturzbäche über die Wangen. „Oh Lahja, das…das tut mir so leid. So ein Arsch!“, suchte er nach tröstenden Worten, dann zog er mich in seine Arme. Ich vergrub mein Gesicht an seiner Brust. „Er hat…er hat mir eine Nachricht geschickt…die sollte gar nicht an mich gehen. Er hat ihr geschrieben, das er sie wieder die ganze Nacht…“, ich brach meinen Satz ab, schluchzte erneut auf. Der Blonde strich mir beruhigend über den Rücken. „Er sollte mir in nächster Zeit nicht über den Weg laufen.“, knurrte Samu zähneknirschend. Ich weinte  und war froh, dass wir allein in dem kleinen Trainigsraum waren. Eine ganze Weile saßen wir so beisammen, bis ich mich ein wenig beruhigt hatte. „Soll ich dich nach Hause fahren?“, fragte mich mein bester Freund. Ich überlegte einen Moment, schüttelte dann aber meinen Kopf. „Vielleicht bleibe ich noch einen Moment hier. Ich…ich will gerade nicht alleine sein.“, sagte ich leise. „Dann komm mit zu mir. Lass uns was zu essen bestellen, faul auf der Couch rumliegen - ausgepowert hast du dich heute genug.“, schlug er vor und deutete auf sein Auge, welches inzwischen leicht blau war. Ein kleines beschämtes Lächeln huschte über mein Gesicht. „Tut mir wirklich leid, Samu.“ - „Na, zumindest weiß ich, dass du dich selbst verteidigen kannst. Also, los, duschen und dann fahren wir.“, wies er mich an.

Und so lümmelten wir tatsächlich eine gute Stunde später auf seiner Couch. Ich hatte mich an ihn gelehnt, an meiner anderen Seite lag schnurrend Mimi und ließ sich streicheln. Kurz darauf klingelte es, unser Essen kam. „Ich habe einfach querbeet bestellt.“, sagte Samu und stellte einige Behälter mit heißem Essen auf den Tisch. Es duftete köstlich, sodass mir das Wasser im Mund zusammen lief. Schweigend aßen wir. „Danke, Samu, das war sehr gut. Da geht es mir doch gleich ein bisschen besser.“ - „Bitte gern geschehen. Genau das war mein Ziel. Eigentlich wollte ich heute noch nach Porkkala fahren, ich muss noch was am Mökki erledigen, bevor ich nächste Woche wieder los muss.“, erzählte er. Ich blinzelte. „Dann fahre ich nach Hause.“, sprach ich ihm dazwischen. Samu zog zweifelnd die Augenbrauen zusammen. „Lahja, so war das nicht gemeint. Ich…wollte dich mitnehmen, also, wenn du möchtest. Wir könnten bis morgen bleiben und du erholst dich noch ein bisschen.“ - „Das klingt wirklich toll, du weißt, wie sehr ich diesen Ort liebe, aber ich muss morgen wieder arbeiten. Ein anderes Mal vielleicht.“, lehnte ich ab und bedauerte es wirklich. Porkkala war eine Halbinsel, traumhaft schön und wunderbar ruhig. Samus Mökki stand dort umgeben von vielen Birken und Kiefern, nah am Wasser und war ein Ort zum Entspannen. „Okay, aber dann fahre ich dich wenigstens nach Hause.“, bestimmte er. Ich nickte zustimmend. Und so standen wir eine knappe Stunde vor meinem Wohnhaus. „Wann kommt er wieder?“ - „Übermorgen.“ - „Okay, wenn du mich brauchst, rufe an.“ - „Danke, Samu.“, murmelte ich und lehnte mich in seine Umarmung. Er hauchte mir noch einen Kuss auf den Haaransatz, dann verließ ich das Auto und verbrachte den restlichen Tag auf meiner Couch mit einer riesigen Packung Eis, einem Liebesfilm und vielen Taschentüchern.

Den nächsten Tag überstand ich irgendwie mit viel Kaffee, Schokolade und der ein oder anderen Zigarettenpause. Ich rauchte normalerweise nicht oft. Ab und zu, wenn ich mal abends unterwegs war oder halt in Stresssituationen, irgendwie beruhigte mich das immer ein wenig. Aber trotzdem war es natürlich eine schlechte Angewohnheit, die ich schon eine Weile ablegen wollte. Den Tag über hatte Mikko immer wieder versucht mich anzurufen, doch ich hatte seine Nachrichten und Anrufe ignoriert. Nach Feierabend ging ich noch in einen Supermarkt und besorgte noch ein paar Lebensmittel. Im Kühlschrank herrschte gähnende Leere. Zuhause angekommen, kochte ich mir schnell ein einfaches Pastagericht. Anschließend noch aufräumen, eine Waschmaschine anmachen und dann fiel ich nach einer heißen Dusche mit leichten Bauchschmerzen ins Bett. Der Wecker klingelte mich am nächsten Morgen aus dem Bett. Wieder schlich ein Arbeitstag an mir vorbei. Als ich Feierabend machte, nahm mich Joni beiseite. „Lahja, können wir kurz sprechen?“, fragte er und deutete auf unseren Personalraum. Ich nickte ihm zu. „Setz dich bitte. Möchtest du etwas trinken?“, nickte er mir freundlich zu. Ich schüttelte dankend den Kopf. „Nein, danke.“ - „Ich wollte nur mal nachfragen, ob alles in Ordnung ist? Du bist viel in Gedanken den Tag über. Lächelst viel weniger.“ Ich schluckte. „Ich habe erfahren, das Mikko mich betrügt. Er kommt heute wieder und ich werde mich trennen.“, erklärte ich ihm offen und ehrlich. Joni schien überrascht zu sein. „Oh, das tut mir leid, Lahja.“ Ich seufzte, kämpfte gegen die erneut aufsteigenden Tränen an. Mein Chef legte mir tröstend die Hand auf die Schulter. „Möchtest du ein paar Tage frei nehmen?“, wollte er verständnisvoll wissen. „Nein, die Arbeit lenkt mich gerade sehr gut ab. Aber danke für das Angebot.“, bedankte ich mich. „Okay, wenn du irgendwie Hilfe brauchst oder so, sag Bescheid. Und nun ab in den Feierabend.“, lächelte er mich aufmunternd an. Ich erwiderte es, schnappte meine Sachen und fuhr nach Hause. Wappnete mich für ein letztes Gespräch mit Mikko… .

Als ich Zuhause ankam, sah ich schon, dass Mikko sein Wagen vor dem Mehrfamilienhaus geparkt hatte. Er wartete also auf mich. Ein Schauer fuhr mir über den Rücken. Mit aller Macht drängte ich die aufkommenden Tränen zurück. Ich fuhr mit dem Aufzug nach oben, schloss die Haustür auf, legte Jacke und Schuhe an der Garderobe ab und zog mir gemütliche, warme Wollsocken über. In der Küche steuerte ich die Kaffeemaschine an. Und während das heiße Gebräu in eine Tasse lief, betrat mein Freund die Küche. „Hallo Lahja…“, sagte er leise und setzte sich an den Tisch. Ich biss mir auf die Unterlippe, bis es schmerzte. Tränen sammelten sich nun doch in meinen Augen, die ersten liefen still über meine Wangen. „Lahja, es…es ist nicht…“, begann er seinen Satz. Ich schüttelte den Kopf, fuhr herum und sah ihn jetzt das erste Mal an. „Sag jetzt bloß nicht, es ist nicht das, wonach es aussieht, Mikko! Denn das wäre eine weitere Lüge!“, fuhr ich ihm laut dazwischen und schluchzte erneut. Erschrocken sah er mich nun an, wollte aufstehen. Doch wieder schüttelte ich den Kopf. „Nein! Bleib wo du bist. Ich möchte nur die Wahrheit, Mikko, denn die habe ich definitiv verdient. Wieso hast du das getan? War ich dir nicht genug? War unsere Beziehung so schlecht? Sag es mir, bitte.“, verlangte ich von ihm und lehnte mich nach Halt suchend mit dem Rücken an die Küchentheke. Mein langjähriger Partner holte tief Luft, sah mich nur kurz an und fing dann an zu erzählen. „Ich kann dir ehrlich gesagt noch nicht einmal sagen, warum ich es getan habe. Iina ist eine Arbeitskollegin, sie ist ebenfalls in einer Beziehung. Wir sind immer miteinander geflogen, irgendwann ist es einfach passiert.“ - „Wie lange schon, Mikko?“, wollte ich wissen. Er senkte seinen Blick. „Ich…“, stammelte er. Mein Blick durchbohrte ihn. „Wie lange?!“, hakte ich noch mal nach, worauf er schluckte.

„Seit November.“, murmelte er. Erschrocken sah ich ihn an. „Ein halbes Jahr schon?“ - „Lahja, ich weiß nicht wieso. Ich bin da einfach reingerutscht.“, sagte er. „Ja, im wahrsten Sinne des Wortes.“, schnaubte ich wütend und atmete tief durch. Doch die Tränen versiegten nicht. Ich schnappte mir ein Stück Küchenpapier und putzte mir geräuschvoll die Nase. „Hättest du nicht aus Versehen die Nachricht an mich, statt an sie geschickt, dann wäre es so weiter gelaufen.“, vermutete ich, sein Schweigen bestätigte mein Verdacht. „Mikko, hör zu, du hast mir sehr weh getan. Du hast mich belogen, über Monate, mich benutzt. Ich will, dass du deine Sachen zusammenpackst, alles mitnimmst.“, forderte ich ihn weinend auf. Er schluckte, blickte zu mir auf. „Es tut mir leid, Lahja. Ich habe dich trotzdem geliebt, dass kannst du mir glauben.“, beteuerte er mir. „Wenn du mich wirklich geliebt hättest, hättest du mich nicht über Monate belogen. Ein Seitensprung hätte ich dir vielleicht noch verziehen, vielleicht auch zwei oder drei, Mikko. Aber nicht ein halbes Jahr. Das ist ein absoluter Vertrauensmissbrauch.“, sagte ich leise weinend. „Es tut mir leid.“, flüsterte er, stand auf und ging ins Schlafzimmer, wo er vermutlich seine Kleidung aus meinem Schrank ausräumte. Es dauerte eine Weile bis er alles zusammen hatte. Ich war inzwischen auf dem Balkon und rauchte eine Zigarette, trank meinen lauwarmen Kaffee zu Ende und versuchte mich zu beruhigen. „Ich habe alles, denke ich. Falls du noch was finden solltest, hole ich es noch ab.“, sagte er leise und blickte auf seinen großen Koffer. Ich nickte still. Schluckte neue Tränen herunter. „Es tut mir leid, Lahja.“ - „Mir auch, Mikko. Hat mein Bauchgefühl mich doch nicht getäuscht.“ - „Machs gut.“, flüsterte er mit belegter Stimme und verließ meine Wohnung. Nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, presste ich mir die Hand vor den Mund, rutschte mit dem Rücken die Tür herunter und brach erneut in Tränen aus.

Die nächsten Tage bestanden aus Arbeiten, viel Kaffee trinken, rauchen und intensiven Sporteinheiten mit Samu. Ich powerte mich mit ihm zusammen beim Joggen oder im Hipko Trainingscenter aus, boxte mir teilweise am Sandsack die Seele aus dem Leib. Anschließend nahm er mich meist mit zu sich, kochte uns was zu essen oder bestellte etwas. Dann aßen wir und anschließend landeten wir bei Netflix & Co. auf der Couch und ich genoss seine tröstende Nähe. Ich schwor mir, dass ich die nächste Zeit nichts mehr mit Männern anfangen wollte. Ich wollte erst einmal keine Beziehung, wollte keine One Night Stands und ich wollte mich partout die nächste Zeit nicht verlieben. Das schwor ich mir feierlich, als ich in der vorletzten Aprilwoche mal wieder den Sandsack verprügelte und mir dabei von dem ein oder anderen Kerl, die ebenfalls zu dem Zeitpunkt dort trainierten, Sprüche anhören konnte. Wütend darüber drehte ich mich zu dem einen Kerl um und drückte ihm ebenfalls einen, zugegebenermaßen, zickigen Spruch. Dieser schob seine Augenbrauen zusammen und blickte seinen Kumpel an. „Holla! Die hat ordentlich Feuer unter ihrem Hintern.“, grinste er. Doch der andere erwiderte frech: „Oder einfach nur PMS.“ Die beiden lachten und ließen mich in Ruhe. Ich schnaubte wütend. PMS, so ein Quatsch! Als wenn Frauen nur zickig waren, wenn sie ihre Regel hatten. Normalerweise war ich nämlich gar nicht zickig, weder wenn ich meine Periode hatte, noch sonst wann. Und dann kam mir plötzlich ein Gedanke, der mich etwas nervös machte… .


*******************

Ja, so eine Trennung ist nie schön, zumindest dann nicht, wenn man den anderen wirklich geliebt hat. Und das ist dann ja meist mit vielen Tränen und Schmerz verbunden. Gut, dass man sich mit Sport auspowern kann und Lahja durch Samu da ein wenig aufgefangen wird.
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