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Verliebt wider Willen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
14.03.2021
01.11.2021
18
39.932
21
Alle Kapitel
110 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.03.2021 2.317
 
Hei keikki,

ich freue mich sehr, dass euch der Einstieg in meine neue Geschichte schon mal gut gefallen hat. Vielen lieben Dank an alle Sternchengeber, Reviewschreiber und die Favos. Nun gehts hier auch schon weiter…

Das Sternchen


2.Kapitel


Ich zog mir meine Winterjacke drüber, schlüpfte in meine Sneaker und angelte gerade nach meinem Schal. „Mikko?“, rief ich durch den Flur. Mein Freund kam aus dem Schlafzimmer, lehnte sich oberkörperfrei, nur in Jeans bekleidet an den Türrahmen. Einen kurzen Augenblick betrachtete ich ihn. Der Blonde war durchtrainiert, war ein paar Zentimeter kleiner als Samu und acht Jahre älter als ich. „Na, wo willst du denn jetzt hin, Kaunis? Ich dachte, wir gehen nachher noch ins Kino.“, fragte er mich, klang dabei nicht ganz so erfreut. „Ich muss noch mal weg, Samu hat geschrieben. Ich habe ihm versprochen, dass er mit mir reden kann. Bist du böse, wenn wir unseren Kinobesuch verschieben?“, schaute ich ihn entschuldigend an. Er schnaubte frustriert. „Erfreut bin ich nicht gerade. Nun bin ich mal Zuhause und du rennst zu deinem Kumpel, weil der irgendwelche Probleme hat.“, tat er seine Meinung kund. „Ich werde jetzt aber nicht meine Freunde vernachlässigen, weil du Zuhause bist. Wie oft hättest du die letzten Wochen mal Zuhause sein können, aber du hast freiwillig Langstreckenflüge übernommen, warst tagelang weg.“, hielt ich ihm vor. „Lahja, das ist mein Job.“, entgegnete er mir mit zusammengebissenen Zähnen. Ich seufzte. „Ja, es ist dein Job, aber nicht die ganzen Extraflüge in den letzten Wochen. Und dann meldest du dich in der Zeit kaum. Glaubst du, das ist schön für mich? Und wenn ich dich frage, was los ist, wird es abgetan.“, sagte ich mit brüchiger Stimme. Tränen waren mir in die Augen getreten. „Lahja…bitte.“, sprach er nun mit versöhnlicher Stimme mit mir. Eine Träne rollte mir die Wange hinunter. „Es gibt mir einfach ein schlechtes Gefühl, wenn du dich kaum meldest. Ist wirklich alles in Ordnung mit uns, Mikko?“, flüsterte ich. Mein Freund kam auf mich zu, strich mir mit dem Handrücken zärtlich die Träne von der Wange, beugte sich hinunter und legte liebevoll seine Lippen auf meine. „Es ist alles gut, Lahja. Komm, geh zu Samu. Wir gehen morgen ins Kino.“, sagte er und blickte mir in die Augen. Ich nickte. „Okay.“, erwiderte ich und verließ meine Wohnung. Das merkwürdige Gefühl im Bauch blieb.

Eine halbe Stunde später kam ich bei Samu an, gab unten an der Haustür den Code ein und klingelte oben an der Wohnungstür. Doch er öffnete nicht. Da ich aber Musik hörte, schien er die Klingel nicht gehört zu haben. Also benutzte ich den Ersatzschlüssel für seine Wohnung. Ich schloss die Tür auf, kickte meine Turnschuhe von den Füßen, mopste mir wieder ein paar Wollsocken aus dem Weidenkorb an der Garderobe und hängte meine Sachen auch dorthin. „Samu?“, rief ich ein bisschen lauter, doch da rührte sich nichts. Also ging ich in den offenen Wohn-Essbereich, wo auch die Musik herkam. Und tatsächlich, saß er völlig vertieft am Klavier und spielte eine traurige Melodie. Auf dem schwarzpolierten Instrument stand eine Flasche Wein und ein halbgefülltes Glas. Ich lauschte seinem schönen, aber doch so traurigen Klavierspiel und klopfte dann doch gegen den Türrahmen. Überrascht schaute er auf. „Du hast mich nicht klingeln gehört und…und ich habe den Ersatzschlüssel benutzt. Ich hoffe, das war okay?“, erklärte ich mein Eindringen. Er nickte jedoch. „Es ist immer okay, Lahja. Danke, dass du gekommen bist.“ Ich ging zu ihm, lehnte mich an das Klavier. Wir blickten uns einen Moment an. „Das Lied, was du eben gespielt hast, hat sich sehr schön, aber auch traurig angehört. Und die Flasche Wein ist schon halbleer.“, sagte ich leise und ließ meine Finger über die Tasten gleiten. „Soll ich es noch einmal spielen?“, fragte er mich und rutschte auf dem Hocker ein Stück, sodass ich mich zu ihm setzen konnte. „Wenn du möchtest.“, erwiderte ich und so nahm ich neben ihm Platz und er fing erneut an zu spielen. Zwischendurch atmete er mehrmals tief durch, es fiel ihm schwer, das spürte ich. Dann unterbrach er sein Spiel. „Ich habe mich von Vivi getrennt.“, flüsterte er mit belegter Stimme. In seinen Augen schwammen bereits die Tränen. Ich seufzte. Es tat mir weh, ihn so traurig zu sehen. Und so schlang ich etwas umständlich, auf dem kleinen Klavierhocker, meine Arme um ihn. Strich ihm beruhigend über den Rücken. Ich löste mich von ihm, nahm ihn an der einen Hand, mit der anderen griff ich nach seinem Weinglas und ging mit ihm zur Couch hinüber. Ich stellte das Weinglas ab und dann machten wir es uns dort bequem. Er weinte still, klammerte sich beinahe an mich. Ich hielt ihn, strich ihm immer wieder beruhigend über den Rücken und versuchte für ihn da zu sein. „Es ist okay, Samu. Lass es raus.“, sprach ich leise mit ihm, strich ihm liebevoll durch die Haare. „Es hat einfach nicht mehr geklappt. Wir haben uns nicht mehr gut getan.“, sagte er nach einer Weile und atmete tief durch. „Dann ist es besser, den anderen gehen zu lassen. Dann war es der richtige Weg, Samu.“ - „Es tut weh.“, schluchzte er erneut, legte seinen Kopf auf meinen Schoß und schlang seine Arme um mich. Ich kannte den Schmerz, wusste wie sich das anfühlte. Und so strich ich dem blonden Hünen nur tröstend durch die Haare.

Nach einiger Zeit beruhigte er sich langsam. „Ich heule hier dein Shirt voll und habe dir noch nicht mal was zu trinken angeboten. Ich bin ein schrecklicher Freund.“, kritisierte er sich selbst. Ich schüttelte den Kopf und musste doch schmunzeln. „Alles gut, Samu und nein, du bist kein schrecklicher Freund, sondern einer der besten, die ich habe. Und weißt du warum?“, versuchte ich ihn aufzumuntern. Er zuckte mit den Schultern, während er sich auf den Rücken gedreht hatte und mich nun mit seinen verweinten Augen, auf meinem Schoß liegend ansah. „Weil du immer und damit meine ich wirklich immer, egal, wie viel Stress du hast, ein offenes Ohr für andere hast. Du bist ein guter Zuhörer, bist hilfsbereit und vergisst dich darüber sogar manchmal selbst.“, erklärte ich ihm. Nun lächelte er leicht. „Danke, Lahja.“, hauchte er. „Wollen wir vielleicht was kochen?“, fragte ich ihn, während meine Hand immer noch durch seine Wuschelfrisur fuhr. „Okay.“, stimmte er zu und blieb aber liegen. „Samu?“ - „Hm?“, brummte er. „Wenn wir kochen wollen, müssen wir aufstehen.“, erinnerte ich ihn schmunzelnd. „Oh sorry. Aber wenn du mir durch die Haare kraulst, genauso beim Haare waschen beim Friseur, das entspannt mich immer so.“, sagte er und sprang auf. Ich kicherte. „Ich habe also magische Hände.“ - „Definitiv.“, stimmte er mir zu und guckte in den Kühlschrank. „Es ist noch ein bisschen Gemüse da.“ - „Hast du Reis da?“, erkundigte ich mich. Er öffnete einen Schrank. „Müsste ich eigentlich. Ah, ja, hier.“, sagte er und holte eine Vorratsdose mit Reis hervor. „Gut, dann eine Reispfanne mit Gemüse.“ - „Klingt gut, warte mal…“, sagte er und öffnete den Tiefkühlschrank. „Hier, der kann auch noch mit rein.“, schlug er vor und hielt mir eine Packung Wildlachsfilets vor die Nase. Ich nickte lächelnd. „Perfekt.“ Und so machten wir uns an die Arbeit. Eine gute halbe Stunde später konnten wir essen. Samu tätschelte sich seinen nicht vorhandenen Bauch und stöhnte zufrieden auf. „Oh, ich bin so satt. Das war eine gute Idee von dir.“ Ich atmete einmal tief durch, auch ich war mehr als gesättigt. „Und nun?“, fragte er, während kurz darauf die Küche aufräumten. „Ich weiß nicht. Ein Film vielleicht?“, schlug ich vor. Mein Gegenüber nickte und so machten wir es uns auf der Couch bequem. Samu war kuschelbedürftig. Wie schon vor dem Kochen hatte er seinen Kopf auf meinem Schoß und ließ sich den Nacken und die Haare kraulen. Irgendwann wurden seinen Atemzüge ruhig und gleichmäßig, seine Augen waren zugefallen. Ich ließ ihn schlafen und schaute den Film noch zu Ende.

„Samu.“, sprach ich ihn leise an und berührte ihn sanft am Arm. Doch er brummte nur leise. „Samu…meine Beine schlafen ein und ich muss mal.“, sagte ich nun ein bisschen lauter. Dann regte er sich endlich, drehte sich auf den Rücken und blinzelte mich verschlafen an. „Sorry, dass ich eingeschlafen bin, aber es war so gemütlich.“, gähnte er und rappelte sich auf. Ich streckte mich einmal und ging auf Toilette. Mein Kumpel war in der Küche und räumte unsere Gläser in den Geschirrspüler. „Ich glaube, ich mach mich auf den Weg nach Hause, ist schon spät.“, sagte ich zu ihm, er schaute auf. „Ich fahre dich.“, erwiderte er. Doch ich schüttelte den Kopf. „Ich kann auch mit der Bahn fahren.“ - „Nein, Lahja. Ich lass dich um diese Zeit bestimmt nicht mit der Bahn nach Hause fahren.  Außerdem ist es saukalt. Und jetzt keine Widerrede.“ Und so ergab ich mich. Wir verließen gemeinsam das Haus und stiegen in Samus BMW ein. Schnell wurde es warm im Auto. Keine viertel Stunde später hatte er mein Zuhause erreicht. „Ist Mikko Zuhause?“, wollte er wissen. „Mhm…“, erwiderte ich und blickte zu meiner Wohnung hinauf, wo Licht brannte, verfiel in Gedanken.

„Lahja?“ Ich erschrak ein wenig, als Samu mich am Arm berührte und sah wieder zu ihm. „Ist bei euch alles okay?“, fragte er vorsichtig nach. Ich schluckte, musste wieder an das Gespräch mit Mikko am frühen Abend denken. „Ich bin mir nicht sicher.“, flüsterte ich. „Er nimmt seit einigen Wochen viele Langstreckenflüge als Extraschichten an. Wir haben in der Zeit meist nicht viel Kontakt.“, fügte ich noch hinzu. „Hast du mit Mikko darüber geredet?“, wollte der Blonde wissen, drückte tröstend meine Hand. „Ja, aber er spielt es herunter. Meint es wäre sein Job und er macht nur ein paar Überstunden.“, erzählte ich. Samus Augenbrauen schoben sich zusammen, Falten bildeten sich auf seiner Stirn. „Hm…okay, na vielleicht macht er wirklich nur Überstunden. Beobachte es einfach weiter und notfalls rede noch mal mit ihm.“, überlegte mein Freund. Ich nickte. „Danke fürs Herfahren.“, bedankte ich mich und umarmte den Blonden. „Ich habe dir zu danken, dass du da warst, Lahja. Die nächsten Wochen habe ich einiges zu tun, werde kaum in Helsinki sein. Wenn was ist, du kannst mich jederzeit anrufen.“ - „Okay, danke. Gute Nacht, Samu.“, verabschiedete ich mich. „Schlaf gut, Piku.“ Und so verließ ich seinen Wagen und betrat das Wohnhaus. „Bin wieder da.“, rief ich, als ich die Wohnungstür aufgeschlossen hatte. Mikko saß im Wohnbereich und schaute Fernsehen. „Da bist du ja wieder. Wie war es?“, erkundigte er sich lächelnd. Ich ließ mich neben ihn auf die Couch fallen und er drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Wir haben geredet, gekocht und einen Film geschaut. Ich glaube, er brauchte das - ein bisschen Ablenkung.“, berichtete ich von meinem Abend. „Tja, manchmal tut auch so was einem gut. Wollen wir dann ins Bett gehen?“ Ich nickte, kuschelte mich an Mikko und küsste seinen Hals. „Kommst du mit duschen?“, raunte ich ihm ins Ohr und strich ihm über die Brust. „Ich war schon. Geh mal.“, erwiderte er. „Okay.“, gab ich ein wenig enttäuscht von mir. Ich hatte gerade ein großes Bedürfnis nach Nähe. Doch auch nach meiner Dusche tat sich nicht viel. Wir lagen im Bett und Mikko schlief sehr schnell ein. Ich hingegen lag noch eine ganze Weile wach und grübelte.

Am nächsten Tag, dem Sonntag, kam gegen Mittag mein jüngerer Bruder zum Essen. Tuomas war neun Jahre jünger als ich, studierte Maschinenbau und war ein begeisterter Partygänger. Ich liebte meinen Bruder sehr, er war ziemlich unzuverlässig, aber trotzdem einer der liebevollsten und ehrlichsten Menschen die ich kannte. Zudem er der einzige war, der mir von meiner Familie geblieben war. Unsere Eltern waren vor einigen Jahren, im Abstand von einem Jahr, gestorben. Meine Mutter hatte Lungenkrebs gehabt und mein Vater ertrug sein Leben nicht mehr ohne sie, sodass er diesem selbst ein Ende setzte. Seit dieser schwierigen Zeit standen Tuomas und ich uns noch näher. Wir trafen uns mindestens einmal in der Woche, so auch an diesem Tag. Ich kochte, Mikko war eine Runde zum Joggen gegangen und mein Bruder saß am Esstisch und erzählte mir von seiner Woche. Ich genoss diese Familienzeit mit ihm. Wir verbrachten noch bis in den Nachmittag hinein Zeit miteinander, dann verabschiedete er sich von uns. Gegen Abend gingen Mikko und ich, wie am Tag zuvor besprochen, ins Kino und machten uns einen schönen Abend. Es fühlte sich schön an, ihn mal wieder so nah bei mir zu haben. Wir aßen Popcorn, kuschelten uns während des Films zusammen. Ich liebte Mikko wirklich sehr und hoffte, dass sich mein komisches Bauchgefühl doch getäuscht hatte und mit uns wirklich alles in Ordnung war.

Die Wochen vergingen, der Alltag hatte uns voll im Griff. Mikko war immer mal wieder unterwegs, Inlandsflüge sowie auch Langstrecken. Und auch in dieser Zeit kamen einige extra Flüge hinzu. Er meldete sich wieder öfter bei mir, was mich ruhiger werden ließ. Ende März war ich auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für Samu. An einem Montag, wo ich frei hatte, bummelte ich durch die Innenstadt. Was schenkte man einem sehr guten Freund, der sich eigentlich alles selbst leisten konnte. Ich war ratlos. Zumal mein Budget leider begrenzt war. Frustriert seufzte ich auf. Doch Aufgeben war keine Option, also suchte ich weiter. Und ich wurde fündig, allerdings erst einen Tag vor Samus Geburtstag selbst. Liebevoll packte ich das kleine, flache, rechteckige Geschenk ein und hoffte, das er sich darüber freute. Am nächsten Abend, am Sonntag, den zweiten April, war es soweit. Ich machte mich für die Party fertig, schlüpfte in eine enge schwarze Stoffhose, dazu ein graues, mit feinem Glitzer überzogenes Top, welches einen langen Rückenausschnitt hatte, dazu schwarze High Heels. Die langen braunen Haare flocht ich seitlich herunter, der Rest fiel mir in Wellen offen über die Schultern. Mein Kumpel hatte in einen Club in Helsinki eingeladen. Ich freute mich auf einen tollen Abend und verließ freudig meine Wohnung.


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Im nächsten Kapitel feiert Samu seinen 41.Geburtstag, mal sehen, was die Party so bringen wird…
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