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Verliebt wider Willen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
14.03.2021
14.09.2021
16
35.371
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Dieses Kapitel
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14.09.2021 2.205
 
Hei,

Meine Güte, vier Wochen ist nun das letzte Kapitel schon wieder her…aber dank meinem momentan turbulenten Reallife ging wirklich rein gar nichts. Nun habe ich doch mal ein Stündchen Zeit gefunden um weiter zu schreiben. Viel Spaß beim Lesen…

Sternchen



16.Kapitel


„Äiti, passt du bitte auf Lahja auf?“, hörte ich Samu, am Abend des Konzertes, zu seiner Mutter sagen. Mit hochgezogenen Augenbrauen, aber einem kleinen Lächeln auf den Lippen drehte ich mich zu ihm um. „Das habe ich gehört, Samu.“ Entschuldigend blickte er mich an. „Ich möchte nur, dass dir nichts passiert.“, sagte er. Seine Mama Eve tätschelte ihm die Schulter, dann sagte sie leise etwas zu ihm, was ich nicht verstand. Er nickte und umarmte sie. Dann kam sie zu mir. „Er meint es nur gut, Lahja. Sei nicht so streng mit ihm.“, lächelte sie mich an. Ich nickte verständnisvoll und blickte noch einmal zu Samu, der sich nun lachend mit seiner Schwester unterhielt. Mein Herz machte einen Hüpfer, als ich ihn so entspannt im Kreise seiner Familie sah. Er sah an dem Abend unheimlich gut aus. Sein blaues Hemd war ein wenig aufgeknöpft, die Ärmel hochgekrempelt. Dazu trug er eine dunkle Jeans, die ein paar Löcher hatte und seine heißbeliebten Chucks. „Ich weiß Eve, ich bin es nur nicht gewohnt, so…hm…beschützt zu werden, was nicht heißt, dass ich es nicht auch ein klein wenig genieße.“, lachte ich leise. Nach einer Weile verabschiedeten sich Samu und die anderen Bandmitglieder hinter die Bühne. Kurz darauf wurde das Tavastia, welches mitten in Helsinki lag, auch für die restlichen Konzertbesucher geöffnet. Nachdem die Vorband gespielt hatte, heizte sich die Stimmung zusehends auf und als schließlich Sunrise Avenue die Bühne betraten, wurde mir vor Augen geführt, warum Samu um jeden Preis verhindern wollte, dass ich unten in der Menge stand.

In unserer Heimatsprache begrüßte Samu die Fans nach dem ersten Song. Dann fuhr er auf Englisch fort, da wohl einige Besucher extra aus Deutschland angereist waren. Die Band spielte viele Songs vom neuen Album, was ich ganz besonders mochte. Die Texte, die Samu alle selbst geschrieben hatte, waren ihm durch und durch gut gelungen. Ich würde sogar sagen, es waren die ehrlichsten Stücke, die er je geschrieben hatte. Er verarbeitete darin nicht nur die Trennung von Vivianne, sondern auch die andere Texte waren stark mit seinem Leben verbunden. Die Familien der Bandmitglieder genossen dieses kleine Clubkonzert. Wir sangen die Songs mit, tanzten und es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Nach der letzten Zugabe leerte sich der Saal langsam. Mein kleiner Kämpfer strampelte nun wieder fleißig in meinem Bauch und mit seinen heftigen Bewegungen kam eine Übungswehe, die ich ab und an in den letzten Tagen hatte. Sanna, die neben mir stand, beäugte mich kritisch. „Alles in Ordnung, Lahja?“, wollte sie wissen und legte mir ihre Hand auf den Rücken. Ich nickte und blickte sie lächelnd an. „Ja, alles gut, nur eine Übungswehe.“, beruhigte ich sie. Verständnisvoll nickte sie. „Ja, das kenn ich nur zu gut. Möchtest du dich setzen?“, fragte sie und deutete auf die gemütlichen Loungeplätze hinter uns. Ich atmete noch einmal tief durch, dann wurde mein Bauch wieder weich, die Muskeln entspannten sich. „Ist schon wieder vorbei, Sanna. Aber hinsetzen würde ich mich jetzt trotzdem gern. Es war doch anstrengender, als ich dachte. Sage das aber bloß nicht Samu.“, grinste ich die Blonde an. „Was soll mir Sanna nicht sagen?“, hörte ich plötzlich Samus Stimme neben uns. „Nichts für deine Ohren, Bruderherz.“, zwinkerte mir Sanna zu und schob mich Richtung Sitzecke. Samu ließ sich ebenfalls in die bequemen Sitzen fallen. Liebevoll griff er nach meiner Hand, verhakte unsere Finger ineinander und hauchte mir einen Kuss auf den Mundwinkel. Ich schmiegte mich an den Blonden, genoss seine Zuwendung. Meine Hand streichelte gedankenverloren über meinen Bauch, während ich den angeregten Gesprächen lauschte. Irgendwann entwich mir dann doch ein beherztes Gähnen, was ich nicht mehr unterdrücken konnte. Samu warf mir ein liebevolles Lächeln zu. „Wollen wir nach Hause fahren - ich denke, es war ein langer Tag für euch beide?“ Ich schmiegte mich noch enger an ihn und nickte leicht. „Ich glaube, das ist eine gute Idee.“ Kurz darauf musste ich schon wieder gähnen. Und so half mir der Sänger, ganz gentleman, hoch und wir verabschiedeten uns von allen.

Auch Samu und ich zelebrierten einen Abend später unseren Abschied. Wir kochten noch einmal zusammen, aßen in aller Ruhe und genossen schließlich unsere Zweisamkeit. Erst in der Sauna und anschließend im Schlafzimmer, wo wir uns überaus zärtlich liebten. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lag ich bereits allein in dem großen Doppelbett. Und das sollte noch bis Anfang Dezember so bleiben, denn erst dann endete die Clubtour in Barcelona und der Sänger kehrte nach Helsinki zurück. Ich atmete einmal tief durch, strich über meinen Babybauch. Sieben Wochen allein. Und elf Wochen waren es noch bis zum errechneten Geburtstermin. „Also, kleiner Kämpfer, entweder du kommst pünktlich oder später, aber bitte nicht früher.“, sprach ich mit meinem Bauch. Einen Tritt bekam ich als Antwort. Ob das nun eine Zustimmung war, das wusste ich nicht und so schwang ich schließlich die Beine aus dem Bett und stieg unter die warme Dusche. Wir würden die Zeit schon rumkriegen, da war ich mir sicher… .

Es war kalt geworden in Helsinki. Auch lag die Stadt mittlerweile unter einer weißen Pulverschicht. Die sieben Wochen der Clubtour hatten Samu und ich gut überstanden. Wir hatten fast täglich telefoniert oder miteinander geschrieben. Das Weihnachtsfest hatten wir dieses Jahr zusammen gefeiert und ich hatte es ungemein genossen Weihnachten mal wieder im Familienkreis zu erleben. Der Kleine Kämpfer ließ sich jedoch Zeit. Ich hatte regelmäßige Senkwehen, aber mehr geschah nicht. Und so nötigte ich den großen Blonden zwei Tage nach dem Weihnachtsfest auch zum Snowboard fahren aufzubrechen. Erst diskutierte er mit mir ewig, wollte mich partout nicht alleine lassen, doch ich versicherte ihm, dass das Kind ja nicht gleich aus mir rausfallen würde. Ich war der festen Überzeugung, dass er, selbst wenn es theoretisch losgehen sollte, er noch genug Zeit zur Rückreise haben würde. Und ich sollte Recht behalten… .

Am Silvestertag traf ich mich morgens noch einmal mit meinem Bruder Tuomas. Er war schon ab Nachmittags voll verplant. Als Student musste man scheinbar mehrere Partys mitnehmen. Wir aßen noch zusammen und verabschiedeten uns schließlich voneinander. Ich räumte ein wenig in Samus Wohnung auf, versorgte noch die Fellnasen und schrieb auch noch mal mit Eve, die sich besorgt nach meinem Befinden erkundigte. Doch ich konnte sie nur beruhigen. Bis dahin tat sich nichts. Sie versprach mir, mich am Nachmittag abzuholen, damit ich in der Silvesternacht nicht alleine war. Dankbar stimmte ich ihr zu. Gegen Mittag legte ich mich noch einmal zu einem Nickerchen ins Wohnzimmer auf die gemütliche Couch. Schnell fielen mir die Augen zu, so zügig war ich schon lange nicht mehr eingeschlafen. Ein Klingeln weckte mich und der Blick auf mein Handy ließ mich erschrocken zusammenzucken. Ich hatte drei Stunden geschlafen, verrückt. Ich rappelte mich also auf. Mein Rücken schmerzte. Kurz darauf betrat Eve die Wohnung. Mütterlich nahm sie mich in die Arme zur Begrüßung und betrachtete mich eingehend. „Na, alles in Ordnung, Lahja?“, fragte sie. Ich atmete einmal tief, griff an meinen Rücken und nickte. „Ich habe nur starke Rückenschmerzen, habe gerade auf der Couch geschlafen. Aber sonst ist, denke ich, alles gut. Ich packe noch ein paar Kleinigkeiten zusammen, Eve, dann können wir los.“ - „Mach bitte keinen Stress, uns jagt ja keiner.“, lächelte sie. Also betrat ich das Gästezimmer, nahm mir einmal frische Kleidung, Zahnbürste aus dem Bad und wollte dann alles in eine kleine Tasche werfen, die unter dem Bett lag. Als ich mich bückte, wurde mein Bauch hart, es zog ziemlich intensiv. Ich vermutete eine erneute Übungswehe, so wie schon seit Wochen. Ich kniete mich also hin, atmete tief durch und wartete darauf, dass sich meine Gebärmutter wieder entspannte. Es dauerte eine Weile, dann war es vorbei. Eine halbe Stunde später, als wir auf dem Weg zu Eves Wohnung waren, kam eine erneute Übungswehe. Samus Mama legte mir ihre Hand beim Fahren auf den Bauch. „Ist das die erste Wehe heute?“, fragte sie völlig ruhig, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Ich versuchte ruhig zu atmen und verneinte schließlich. „Vorhin, als ich die Tasche gepackt habe, hatte ich schon mal eine Übungswehe. Die kommen in den letzten Wochen immer wieder.“, tat ich es ab. „Das mag sein, Süße. Und ich will jetzt auch keine Pferde wild machen, aber diese Wehe gerade war viel zu lang für eine Übungswehe, außerdem konntest du nicht sprechen während dessen. Wir rufen, wenn wir bei mir sind mal lieber Samu an. Der soll sich auf den Weg nach Helsinki machen.“ - „Aber heute ist Silvester, Eve. Er soll doch seinen Urlaub mit den Jungs genießen.“, protestierte ich. Eve lächelte milde. „Vertrau mir, Liebes.“, erwiderte sie, sodass ich schließlich nickte. „Okay.“

Und ich vertraute Eve, schließlich hatte sie selbst drei Kinder geboren. Nach unserer Ankunft rief sie also ihren Ältesten an und erklärte ihm völlig ruhig die Situation. Samu versprach aufgeregt sofort den nächstmöglichen Flieger nach Helsinki zu nehmen. Die nächsten Stunden vergingen. Die Wehen kamen im zwanzig Minuten Abstand und wurden langsam schmerzintensiver. Die blonde Finnin versorgte mich liebevoll. Zwischendurch telefonierte sie in leisem Ton mit Sanna und bat sie und ihre Familie Zuhause zu bleiben, denn eigentlich wollten wir alle zusammen ins neue Jahr feiern. Kurz vor dreiundzwanzig Uhr klingelte es an der Haustür. Ich tigerte im Wohnzimmer herum, wahrscheinlich hatte ich schon eine Spur im Teppich hinterlassen. Doch so ließen sich die Wehen, die immer noch ungefähr alle zwanzig Minuten kamen, besser ertragen. „Das wird Samu sein.“, sagte Eve, stand von der Couch auf und ging zur Tür. Ich hörte die beiden sich begrüßen. Dann betrat Samu den Wohnraum. „Hei Pikku, wie geht es dir?“, erkundigte er sich bei mir und nahm mich sanft in den Arm. Ich lehnte mich nach Halt suchend an ihn, denn in dem Moment kam eine Wehe. „Lahja?“, sprach Samu mich erneut nun besorgt an. Seine Mutter kam zu uns zurück in den Wohnraum, lächelte mild und tätschelte ihrem Großen die Schulter. „Sie hat eine Wehe Samu, da kann man schlecht reden. Gib ihr Halt, dass sie sich abstützen kann.“, erklärte sie ihm. Der Blonde streichelte mir über liebevoll über den Rücken, hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Ich atmete tief durch, die Wehe war vorüber. „Ist es vorbei?“, flüsterte er und sah mir in die Augen. Ich nickte. „Ja, in zwanzig Minuten kommt die nächste.“ - „Vielleicht fahrt ihr bald zur Neuvola, da können sie gucken, ob es dem Kleinen gut geht.“, riet uns Eve. „Ich glaube, dass ist eine gute Idee.“, erwiderte ich. „Okay, können wir dein Auto nehmen, Aiti?“, wollte Samu wissen. „Natürlich.“, nickte Eve. Und so machten wir uns kurz darauf auf den Weg in die Frauenklinik.

Freundlich wurden wir auf der Entbindungsstation von einer Hebamme begrüßt. Wir wurden auf ein Einzelzimmer gebracht, wo ich untersucht wurde. Dem Kleinen ging es soweit gut. Um null Uhr begrüßten wir nur zu zweit das neue Jahr. „Frohes neues Jahr, Samu.“, wünschte ich meinem Freund in der Wehenpause. Samu zog mich zärtlich zu sich heran und küsste mich liebevoll. „Frohes neues Jahr, Kleines. Bald bist du Mama. Das Silvesterfest werden wir nie vergessen.“, lächelte er mich an. Wieder kam eine Wehe, was mich aufstöhnen ließ. „Samu.“, brachte ich nur heraus und hielt mich an ihm fest. „Ich bin hier, Pikku. Schön tief atmen.“, sprach er leise und hielt mich. So verging Stunde um Stunde, mittlerweile war es früher Morgen. Ich war erschöpft. Der Abstand der Wehen hatte sich zwar auf zehn Minuten verkürzt, doch die Untersuchung ergab, dass es trotzdem nicht voranging. Der Muttermund war gerade mal auf fünf Zentimeter geöffnet. Zehn Zentimeter mussten es sein, damit das Kind geboren werden konnte. „Frau Huovinen, Lahja…“, sprach mich die Hebamme Aamu freundlich an. „Wir würden gerne dem Kind aus dem Kopf ein paar Tröpfchen Blut entnehmen. Das ist nicht besonders angenehm für sie, aber dadurch können wir feststellen, ob mit dem Kleinen alles in Ordnung ist. Das CTG hat uns nämlich gerade gezeigt, dass die Herztöne von ihrem Sohn etwas abgefallen sind. Erstmal nicht ganz so besorgniserregend, aber wir müssen es im Blick behalten.“ - „Okay.“, hauchte ich. Samu griff sanft nach meiner Hand und drückte sie, während die Ärztin nun Blut abnahm. Ich zog scharf die Luft ein, denn das Ganze war alles andere als angenehm. Kurz darauf kam auch noch eine neue Wehe. Ich krallte mich an Samus Hand fest. „Wir untersuchen das Blut und kommen dann gleich wieder zu Ihnen herein.“, sagte die Ärztin. Ich nickte nur und tönte vor mich hin. Aamu war bei uns geblieben und hielt das CTG im Blick. Samu blickte auch immer wieder misstrauisch zu dem Gerät hinüber. Dann piepte das Gerät.

„Was ist los?“, wollte mein Freund alarmiert wissen. „Die Herztöne des Kleinen sind wieder abgefallen.“, erklärte uns die Hebamme und klingelte nun nach der Ärztin. Diese kam in dem Moment auch rein und warf ebenfalls einen Blick auf das Gerät. „Frau Huovinen, die Blutwerte waren nicht so gut. Nun sind auch die Herztöne wieder gesunken vom Kleinen. Wir machen jetzt einen Notkaiserschnitt.“



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Da macht sich der kleine Kämpfer nun also auf den Weg…So beginnt das neue Jahr ja spannend…
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