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Verliebt wider Willen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
14.03.2021
01.11.2021
18
39.932
21
Alle Kapitel
110 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
03.08.2021 2.104
 
Hei Kaikki,

Vielen lieben dank an euch für die zahlreichen Reviews, die neuen Favos und natürlich auch die etlichen Aufrufe dieser Story. Schön, dass ihr noch mit dabei seid. Nun geht es auch schon weiter, viel Freude beim Lesen.

Sternchen


14.Kapitel


Gegen frühen Abend, es war bereits dunkel draußen, brachte ich die Sauna auf Temperatur. Und während diese vorheizte, warf ich, sicherheitshalber, noch mal einen Blick von der Dachterrasse nach unten. Ein wenig erleichtert stellte ich fest, dass die drei Frauen nicht mehr da waren. Liisa hatte ja die wildesten Fantasien bei ihrem Besuch gehabt, sogar von hysterischen Fans hatte sie, kurz bevor sie gegangen war, gesprochen. Doch irgendwie wollte ich das nicht so recht glauben, vielleicht war es doch einfach ein Zufall gewesen. Mein Gott, wie oft hatte ich mich früher mit meinen Freundinnen in irgendeinen Hauseingang gesetzt und stundenlang gequatscht, Musik gehört und was weiß ich nicht noch alles. Ich versuchte eigentlich immer das Beste im Menschen zu sehen. Mein Bruder sagte immer, dass ich wohl oft zu optimistisch war. Aber das hatte mich schon aus so mancher schlimmen Krise wieder rausgeholt. Egal. Ich schüttelte also meine Gedanken ab, schloss die Terrassentür gewissenhaft ab und machte mir noch eine Kleinigkeit zu essen. Anschließend ging es in die Sauna. Ich genoss die Wärme, goss immer wieder Wasser auf die Steine und atmete tief durch. Mein kleiner Kämpfer schien zu schlafen, ganz ruhig war es in meinem Bauch. Nach zwei Durchgängen zog es mich nach einer kalten, erfrischenden Dusche ins Bett. Müde fielen mir die Augen zu.

Am nächsten Morgen stand ich gut gelaunt auf. Sogar die Sonne blitzte ein kleines bisschen hinter dem größtenteils bewölkten Himmel vor. Ich schlüpfte in frische Kleidung, lüftete im Gästezimmer und frühstückte. Dabei schrieb ich einen Einkaufszettel. Ich wollte gerade nach meinem Handy greifen, als es zu klingeln begann. Samu. Mit einem Lächeln auf den Lippen nahm ich den Anruf entgegen.

„Guten Morgen Samu. Bist du aus dem Bett gefallen, dass du so früh anrufst?“, neckte ich ihn und konnte mir ein leises Lachen nicht verkneifen. „Guten Morgen Pikku, nein stell dir vor, auch ich kann früh aufstehen, wenn ich Termine habe. Wie geht es dir und dem Kleinen?“, erkundigte er sich. „Mir geht es gut, der Kleine boxt mich gerade schon wieder. Vielleicht solltest du ihm wirklich einmal etwas vorsingen und er wird dadurch ruhiger. Nur in der Sauna, da schläft er meistens, dass scheint er genauso entspannend zu finden, wie ich.“, lächelte ich und legte meine Hand auf meinen Bauch, wo ich gerade die intensiven Bewegungen meines Sohnes spürte. „Das mache ich, wenn ich wieder da bin, versprochen.“ - „Ich wollte dich übrigens gerade anschreiben. Liisa war gestern hier. Und sie hat mir ihren Kinderwagen mitgebracht. Er ist so schön, Samu. Danke, dass du das eingefädelt hast. Vielen lieben Dank.“ Mein Freund lachte. „Es freut mich, dass es geklappt hat. Schön, dass du dich so freust. Aber warum ich eigentlich anrufe, ich wollte dir nur Bescheid geben, dass Mikko und ich schon heute Abend wieder kommen, es wurden einige Termine gecancelt. Würdest du noch was für uns einkaufen oder soll ich auf dem Rückweg am Supermarkt anhalten?“ - „Nein, komm direkt nach Hause. Ich wollte eh jetzt gleich mich auf den Weg zum Einkaufen machen. Möchtest du was bestimmtes heute Abend essen?“, wollte ich wissen. Samu schien einen Moment zu überlegen. „Hmm, kannst du Poronkäristys machen, bitte? Bei dir schmeckt das so unglaublich lecker.“, schwärmte er. Ich musste unwillkürlich grinsen. „Hmm…ich denke, das kriege ich hin.“ - „Wirklich?!“, war der Blonde ganz aus dem Häuschen. Ich lachte. „Ja, Samu, ich koche für dich, heute Abend. Bis später.“ - „Ich freue mich schon drauf, danke Pikku.“ Wieder musste ich über seine Begeisterung am Telefon kichern. „Samu?“ - „Ja?“ - „Ich freue mich auf dich.“, sagte ich leise. Und das stimmte, denn ich freute mich wirklich auf ihn. „Ich freue mich auch, bis später, Lahja.“, erwiderte er ruhig und doch konnte ich ihn lächeln hören.

Bevor ich zum Einkaufen fuhr, machte ich noch schnell eine Maschine Wäsche an und schaltete den Staubsaugerroboter ein, der dann emsig durch die Wohnung fuhr. Ich liebte dieses Teil, denn das sparte einiges an Zeit. Mit dem Aufzug fuhr ich nach unten und stutzte kurz, denn vor der Haustür saßen wieder die drei Frauen vom Vortag. Hatte Liisa vielleicht doch Recht gehabt? Waren das Fans oder gar Stalkerinnen? In dem Moment waren sie, wenn man genauer darüber nachdachte, sogar beides. Denn wenn ein Fan bewusst sich die Wohnadresse eines Prominenten raussuchte, ihm nicht seine einzige Privatsphäre - sein Zuhause - ließ, dann war das für mich stalken. Ich atmete einmal tief durch, trat dann durch die Haustür an die kühle Oktoberluft. Die drei Damen unterbrachen ihre Unterhaltung und blickten mich kurz an. „Hyvää Huomenta.“, wünschte ich einen guten Morgen. Eine Blonde erwiderte es falsch ausgesprochen und mit eindeutig ausländischen Akzent. Ich beschloss Liisa anzurufen und sie um Rat zu fragen. Es klingelte nicht lange, da wurde auch schon abgenommen, ein Kinderschrei im Hintergrund. Ich musste lächeln, bei den Saukkonens war immer Leben im Haus. „Guten Morgen Lahja,  alles in Ordnung bei dir?“, fragte sie mich ein wenig alarmiert. „Ja, alles in Ordnung, denke ich, zumindest. Du hattest Recht, Liisa. Ich bin gerade auf dem Weg zum Einkaufen und als ich das Haus verlassen habe, saßen die drei Frauen wieder davor.“, erzählte ich ihr. „Scheiße! Siehst du, ich habe es dir gesagt, dass das nicht nur ein Zufall war. Hmm, haben sie dich angesprochen?“, schimpfte sie. „Nein, also ja, sie haben mir einen Guten Morgen, in schlechtem Finnisch, gewünscht.“ - „Okay, aber trotzdem gehe ich davon aus, dass es irgendwelche hysterischen, aufdringlichen Fans sind. Mach du ganz in Ruhe deinen Einkauf, ich telefoniere mit Mikko. Die beiden kommen ja eh heute Abend wieder oder eher Gott sei Dank. Wenn die aufdringlich werden sollten, rufst du die Polizei, hörst du?!“, instruierte sie mich. „Liisa mach mal halblang. Noch sitzen sie ja nur vor der Haustür. Und so einfach reinkommen können sie auch nicht, dank des Codes. Außerdem werden sie mich gar nicht mit Samu in Verbindung bringen, es gab nie gemeinsame öffentliche Fotos von uns, weil er es immer irgendwie geschafft hat mich abzuschirmen.“, versuchte ich sie zu beruhigen. Sie schnaufte. „Dein Wort in Gottes Ohr. Ich rufe jetzt trotzdem Mikko an. Bis bald, Lahja.“ - „Danke, Liisa. Bis bald.“, verabschiedete ich mich.

Gedankenverloren lief ich durch den Supermarkt. Immer wieder musste ich an Lisas Worte denken und konnte nicht verleugnen, dass mich das doch ein wenig beunruhigte. Ich arbeitete meinen Einkaufszettel systematisch ab, kontrollierte lieber dreimal, ob ich auch wirklich alles im Wagen liegen hatte und machte mich wieder auf den Weg zu Samus Wohnung. Mein Telefon klingelte. Etwas außer Atem stellte ich die Papiertragetaschen auf dem Fußweg ab und fischte mein Telefon aus meiner Hosentasche. „Lahja? Wo bist du gerade?“, begrüßte mich ein scheinbar aufgeregter Samu. „Guten Morgen, Samu. Ich war gerade einkaufen und gehe jetzt zurück zu deiner Wohnung.“, erklärte ich ihm. „Mikko hat mir von Liisas Anruf erzählt. Bitte achte darauf, dass niemand den Zugangscode mitbekommt, wenn du den eingibst und öffne bitte auf keinen Fall die Tür.“, instruierte er mich. Ich knabberte nervös auf meiner Unterlippe. „Du machst mir Angst, Samu. Ist es wirklich so schlimm?“, fragte ich ihn. „Ich möchte dir keine Angst machen, Pikku. Aber sie haben bewusst nach meiner Adresse gesucht, dringen somit wissentlich in meine Privatsphäre ein. Ich weiß halt nicht, wie weit die gehen würden, verstehst du? Also bitte sprich nicht mit ihnen. Ich bin bald Zuhause. Pass so lange auf dich und den Kleinen auf, ja?“, bat er mich. Ich nickte stumm. „Lahja?“, hörte ich erneut Samus Stimme. Ich schluckte. „Ja, ich pass auf. Bis später, Samu.“, sagte ich nun doch, steckte mein Telefon wieder in meine Tasche und lief mit den beiden Einkaufstaschen zurück zur Wohnung, wo die drei Frauen nicht mehr anzutreffen waren. Inzwischen regnete es allerdings auch und so vermutete ich, hatten sie sich ein trockenes Plätzchen gesucht. Ich gab trotzdem vorsichtig den Code ein, fuhr mit dem Fahrstuhl nach oben und schloss gewissenhaft die Wohnungstür hinter mir. Nachdem ich die Wäsche aufgehängt hatte, ruhte ich mich einen Moment aus, bevor ich mich in der Küche tatkräftig an die Arbeit machte und anfing das Essen vorzubereiten.

Einige Stunden später roch es wunderbar nach Poronkäristys in der Küche. Zwischendurch hatte es immer mal wieder geklingelt. Die drei Frauen saßen nun wieder vor dem Hauseingang und trotz, dass ich natürlich nicht auf das Klingeln reagiert hatte, breitete sich in mir ein ziemlich komisches Gefühl in mir aus. Man fühlte sich beobachtet und irgendwie nicht sicher, trotz dass man ja vier Wände um sich herum hatte und die Wohnungstür geschlossen war. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich legte meine Hand auf meinen Bauch. Er verkrampfte sich. Ich atmete ein paar Mal tief durch und dann war es auch schon wieder vorbei. Es war nicht schmerzhaft, insofern beunruhigte es mich auch nicht. Keine Stunde später hörte ich Schlüssel, die sich im Schloss drehten. Erleichtert atmete ich auf und ging zur Tür. Samu betrat die Wohnung. Er sah nachdenklich und wütend aus. „Samu, hei, da bist du ja.“, begrüßte ich ihn und war wirklich erleichtert, dass er hier war. „Hei, geht es dir gut?“, fragte er und zog mich ohne Umschweife in seine Arme. Ich nickte stumm an seiner Brust. Seine Lippen berührten liebevoll meine Stirn. Er seufzte geradezu erleichtert. Eine ganze Weile hielt er mich fest, legte seine Hand auf meinen Babybauch und atmete durch. Wir lösten uns voneinander und dann schlüpfte er aus seiner Jacke und den Schuhen. Er schnupperte lächelnd. „Es riecht wundervoll.“ - „Das Essen ist fertig. Ich hoffe, du hast Hunger…“, sagte ich leise. Er nickte. Wir aßen, doch die Stimmung war irgendwie gedrückt. „Waren…waren die noch da?“, murmelte ich. Samus Lippen pressten sich aufeinander. „Ja, sie haben mich direkt angesprochen. Ich habe ihnen ein Autogramm gegeben und sie höflich gebeten zu gehen.“ - „Es ist ein komisches Gefühl, sie haben heute ein paar Mal geklingelt. Vielleicht haben sie vermutet, dass du Zuhause bist. Man fühlt sich nicht sicher, irgendwie beobachtet.“ Mein Freund nickte und verdeckte sein Gesicht plötzlich mit seinen Händen. Er seufzte tief.

Also schob ich meinen Stuhl zurück und trat an den Großen heran. Meine Finger strichen ihm leicht durch die Haare, so wie er es mochte, berührten sanft seine feinen Nackenhärchen. Er blickte mir direkt in die Augen, griff nach meiner Hand und verschränkte unsere Finger miteinander. Ich schluckte. Behutsam zog er mich zu sich auf seinen Schoß, seine Augen verließen meine nicht. Seine Fingerspitzen strichen vorsichtig über meine Seite. Unsere Gesichter kamen immer näher. Küsste er mich jetzt? Meine Gedanken explodierten beinahe. Wir waren doch „nur“ Freunde und doch fühlte ich mich gerade hier bei ihm so unsagbar wohl, geborgen, geliebt. So langsam musste ich mir wohl eingestehen, dass ich mehr empfand, wie es in einer Freundschaft üblich war. Es fühlte sich einerseits richtig an, aber andererseits auch falsch. Was war mit der kleinen Brünetten? Ich konnte jetzt kein Liebeschaos, kein Gefühlschaos brauchen, sondern musste mich jetzt auf meinen kleinen Sohn konzentrieren. „Samu…“, flüsterte ich und legte meine Hand auf seine Brust, um ein wenig Abstand wieder zu gewinnen. Seine blauen Augen blickten mich an, seine Finger streichelten weiter unbeirrt meine Seite, was es mir unendlich schwer machte, mich zu konzentrieren. „Du musst zugeben, dass du das eben auch gespürt hast, Pikku.“, sagte er leise und berührte meinen Unterarm, der nun mit einer Gänsehaut überzogen war. „Ja, ich habe es auch gespürt, aber…aber, ich kann gerade nicht…ich…wir…“, stammelte ich herum und legte meine Hand auf meinen Bauch. „…wir brauchen jetzt Beständigkeit, Samu…“, sagte ich und biss mir auf die Unterlippe. „Ich bin hier, Lahja und ich werde für dich und den Kleinen da sein, das habe ich dir versprochen.“, erwiderte er ernst. „Was ist mit ihr?“, fragte ich leise, fast flüsternd, denn ich hatte Angst vor seiner Antwort. Wollte nicht nur ein Ersatz sein. „Ich habe das beendet. Wir werden uns nicht mehr sehen.“ - „Aber du hast doch gesagt…“ Verwirrt zog ich meine Augenbrauen zusammen. Samu lächelte und strich mir mit dem Daumen über meine Stirn. „Habe ich, aber es war nicht richtig, also habe ich ihr abgesagt.“

Ich atmete einmal tief durch, während Samu wieder unsere Finger miteinander verschränkte. Wieder blickten wir uns in die Augen. Ich versank in diesem wunderschönen Blau. „Darf ich dich jetzt küssen, Lahja?“, lächelte er mich fragend an.


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Die drei Damen haben ihr Autogramm bekommen, wenn auch widerwillig von Samu. Ob ihnen das genug ist? Na, was meint ihr? Küssen sie sich? Küssen sie sich nicht? *Einen Korb voll Gänseblümchen hinstell*
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