Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Verliebt wider Willen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
14.03.2021
18.10.2021
17
37.364
20
Alle Kapitel
105 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
14.03.2021 2.190
 
Hei ihr Lieben,

da bin ich schon wieder und habe eine neue Story für euch dabei. Die Idee kam mir erst vor kurzem und so habe ich nicht wirklich etwas vorgeschrieben, werde trotzdem versuchen regelmäßig updaten. Zeitlich starten wir im Januar 2017. Nun viel Spaß beim Lesen…

Das Sternchen


„Verliebt wider Willen"


1.Kapitel


Ich verließ die Straßenbahn und zog meinen Schal noch ein Stück höher. Es war verdammt kalt an diesem Morgen, minus 22 Grad hatte das Thermometer in meiner Küche angezeigt. Und so wurden meine Schritte ein wenig schneller, bis ich nach einiger Zeit das beigefarbene Mehrfamilienhaus erreicht hatte. Ich gab den Code für die Haustür ein und ein kalter Schauer erfasste mich. Schnell rein ins Warme. Der Aufzug brachte mich ganz nach oben, auch hier war ein erneuter Code erforderlich, dann endlich zog ich die kalten Schlüssel aus meiner Jackentasche und schloss die weiße Wohnungstür auf. Schuhe, Jacke, Schal und Mütze ausziehen und da ich keine Lust auf kalte Füße hatte, bediente ich mich an dem Korb, wo die warmen kuscheligen Wollsocken drin lagen. Sie waren mir zwar um einige Nummern zu groß, aber egal. Ein Geräusch ließ mich aufblicken und da hörte ich schon das entfernte Mauzen, gleich zweimal. Im Laufschritt kamen die beiden Katzen auf mich zu und schlichen mir nun schnurrend um die Beine. Ich setzte mich auf den Boden und fing an die beiden ausgiebig zu kraulen und zu streicheln. „Na ihr beiden, wie war eure Nacht?“, unterhielt ich mich mit leise Stimme mit ihnen. Ein Mauzen bekam ich als Antwort. „Ihr habt die ganze Nacht wach gelegen? Das glaube ich jetzt zwar nicht, aber gut. Ich hatte eine schreckliche Nacht, konnte nicht schlafen, da Mikko heute wieder los ist, Langstreckenflüge für die nächsten Tage, manchmal ist sein Job wirklich Mist.“, erzählte ich seufzend, rappelte ich mich auf und gähnte. „Kommt, ich mache euch was zu Fressen.“, forderte ich die beiden Samtpfoten auf, die mir auch direkt auf den Fuß folgten. Ich schmunzelte, denn wenn heute ihr Herrchen wiederkam, würden sie den mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten Tage wieder ignorieren. Dasselbe Spiel, wie jedes Mal, wenn er auf Reisen war. Wir amüsierten uns inzwischen darüber. Meist bekam ich dann in den ersten Tagen, wenn er wieder da war, Videos von beleidigten Fellnasen geschickt. „Sie lieben dich einfach mehr als mich.“, sagte er dann immer. Ich reinigte die Futternäpfe, füllte frisches Wasser und Futter hinein und schaute dann in den Kühlschrank, der eine gähnende Leere aufwies. Ich schaute auf meine Uhr und überlegte kurz, ob ich es vor der Arbeit noch zeitlich schaffte. Schnell in meine Sachen geschlüpft und noch mal los. Über sein Lieblingsfrühstück würde sich der Heimkehrer freuen. Also in den nächsten Supermarkt um die Ecke, ein paar Dinge einkaufen und wieder zurück zur Wohnung. Die beiden Samtpfoten beobachteten mich bei meinem Tun. Kisu hatte sich auf die Arbeitsplatte neben den Kühlschrank gesetzt und schaute mir dabei zu, wie ich den Einkauf verräumte. Pilze, Käse, Tomaten und Eier ließ ich draußen stehen. Ich schnappte mir ein Schneidebrett und fing an die gekauften Zutaten klein zu schneiden. Die Eier noch verrühren und plötzlich hörte ich Schlüssel im Schloss sich drehen. Oh, er war aber früh dran. Ich goss alles in die heiße Pfanne und klappte das Omelett gekonnt nach einer Weile zusammen.

„Guten Morgen, Lahja. Da bin ich wieder. Du hast extra Frühstück gemacht?“, lächelte er und kam in die offene Wohnküche. Ich stürzte das Omelett auf einen Teller und stellte ihn dem Blonden auf die Theke. Ich nickte lächelnd. „Guten Morgen, Samu. Dein Kühlschrank war so leer und ich dachte, du freust dich, wenn du so früh ankommst, über dein Lieblingsfrühstück.“ Seine Augen sahen müde aus und doch sah ich seine Freude darin. „Das ist lieb von dir, danke. Aber nun lass mich dich erst einmal richtig begrüßen.“, grinste er, kam um die Theke herum und zog mich in seine Arme. Ich schlang ebenfalls meine Arme um ihn, legte meinen Kopf auf seiner Brust ab. Höher reichte ich ihm auch nicht, denn mit meinem 1,64m war ich verhältnismäßig klein. „Schön, dass du wieder da bist.“, murmelte ich. Ich spürte, wie er tief einatmete, mir einen Kuss auf den braunen Haaransatz gab, dann löste ich mich von ihm. „Du, ich muss jetzt leider los, sonst komm ich nachher zu spät zur Arbeit. Ich habe gesehen, du hast ja übermorgen auch einen Termin. Wird mal wieder Zeit.“, kicherte ich und wuschelte ihm mit der Hand durch die längeren Haare, sein Blond wuchs langsam raus. Er schüttelte grinsend seine Haare und pustete sich eine längere Haarsträhne aus dem Gesicht. „Eye, ich hatte Urlaub. Da darf man auch mal alle gerade gehen lassen.“, wehrte er sich. Ich nickte zustimmend. „Da hast du Recht.“ Samu begleitete mich noch zur Tür, wo ich seine Wollsocken abstreifte und in meine Winterjacke schlüpfte. „Danke noch mal für das Frühstück und natürlich das du Kisu und Mimi versorgt hast.“, bedankte er sich, beugte sich herunter und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Er war ziemlich kuschelbedürftig, das war er immer, wenn es mal wieder Krach mit seiner Langzeitfreundin Vivianne gab. „Ist alles in Ordnung, Samu? Willst du reden?“, fragte ich ihn sanft. Er schluckte. „Nicht heute, Lahja.“, antwortete er mir leise. „Ich bin da, okay?“, bot ich ihm an. Manchmal lud er seinen Ballast bei mir ab, doch das war nicht immer so gewesen. Wir kannten uns jetzt sieben Jahre. Erst im letzten Jahr schien er zu begreifen, dass es ihm gut tat, wenn er mit jemanden redete. Samu fraß zu viel in sich hinein. „Ich weiß, danke.“ - „Bis Montag, schlaf ein bisschen. Du siehst müde aus.“, sagte ich noch, dann huschte ich durch seine Wohnungstür in den Aufzug. Ich lief eilig zur Straßenbahn. Inzwischen war es hell geworden, kalt war es immer noch. Nahe der Innenstadt stieg ich wieder aus und lief die restlichen Meter zu meinem Arbeitsplatz. Dem Stage 11, einem Friseursalon.

„Guten Morgen, Joni.“, begrüßte ich meinen Chef, er schaute vom Reservierungsbuch hoch und lächelte. „Guten Morgen, Lahja, du siehst müde aus.“, grüßte er zurück. „Ich habe nicht viel geschlafen. Mikko ist heute Nacht wieder los. Langstreckenflüge die nächsten Tage.“ Er grinste und wackelte anzüglich mit seinen Augenbrauen. „Ah, verstehe.“ Ich schüttelte den Kopf und ging nach hinten, um meine Sachen wegzuräumen.
Anschließend machte ich mir einen Kaffee und richtete meinen Arbeitsplatz her. Nach und nach trafen auch Jussi und Katja ein. Und somit war das Team des Stage 11 vollzählig. Eine kurze Teambesprechung folgte und dann öffneten wir den Laden. Das Reservierungsbuch war, wie immer, sehr gut gefüllt. Wir hatten viele bekannte Leute, die gerne zu uns kamen. Ich arbeitete gerne im Stage 11, arbeitete gerne am Kunden und liebte meinen Job. Joni war ein guter Chef, er bezahlte besser als andere und war immer fair. Katja war erst vor einem Jahr hinzugestoßen und vervollständigte unser Team. Leider war der Friseurberuf nach wie vor ein schlecht bezahlter Knochenjob. Obwohl Joni schon besser bezahlte als andere Läden, reichte das Geld zwar für das Leben mit all den monatlichen Ausgaben, aber große Sprünge machen, konnte ich nicht. Auch vom Sparen war ich weit entfernt. Ich hatte eine kleine Zweiraumwohnung, besaß kein Auto, da man auch super mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von a nach b kam und gab nebenbei nicht viel Geld aus. Das einzige was ich mir jeden Monat gönnte, was der Beitrag für das Kampfsportzentrum Hipko, wo ich regelmäßig trainierte. Ich liebte es mich am Boxsack auszupowern, das machte, wenn man Bedarf hatte, den Kopf frei. Der Arbeitstag verging wie im Flug und so machte ich mich gegen Nachmittag auf den Weg nach Hause. „Schönen Feierabend und schönen Sonntag euch.“, wünschte ich meinen Kollegen und verließ den Laden zügig, damit ich die Straßenbahn noch erwischte. Am frühen Abend kochte ich mir schnell ein Pastagericht und machte es mir mit einem Glas Rotwein auf der Couch gemütlich. Dazu ein gutes Buch und der Abend war fast perfekt. Ich seufzte. Mikko hatte sich immer noch nicht gemeldet. Normalerweise schrieb er mir immer, wenn er irgendwo gelandet war, doch das hatte nachgelassen die letzten Wochen. Vier Jahre waren wir nun ein Paar. Ich lernte den Blonden bei einer Geburtstagsfeier von einer Freundin kennen. Er arbeitete als Flugbegleiter, war dadurch oft mehrere Tage, manchmal sogar Wochen nicht Zuhause. Bei ihm fühlte ich mich wohl, genoss die Tage und natürlich auch die Nächte, wenn er bei mir war. Wir mussten reden, wenn er wieder zurück war. Vielleicht waren meine Sorgen, dass irgendwas nicht stimmte auch unbegründet. Ich versank erneut in meinem Roman. Das Lesen machte mich müde und so genoss ich noch eine heiße Dusche und ging schlafen.

Sonntag schlief ich erst einmal aus. Zog dann meine Sportsachen an und ging eine Runde joggen. Durch die Kälte lief ich sogar noch schneller und unterbot meine eigene Bestzeit, anschließend gönnte ich mir einen Kaffee. Nachdem ich meine Wohnung ein bisschen geputzt und aufgeräumt hatte, fuhr ich ins Trainingscenter. Timo, einer der Trainer begrüßte mich gut gelaunt. „Na schon gut geschwitzt?“, fragte ich ihn. „Klar, wollen wir gleich anfangen?“ - „Ja, klar.“, stimmte ich zu und so nahm ich noch einen Schluck aus meiner Wasserflasche und zog mir meine Boxhandschuhe über. Timo hielt sich eine Pratze vor den Oberkörper und dann fing ich an. Boxen und Kicken, immer wieder. Timo feuerte mich lautstark an. „Na los, Lahja! Kick!“ Ich gab mein Bestes. „Na, Guten Morgen, ich habe gerade an dich gedacht.“, hallte eine bekannte Stimme durch den Trainingsraum. Ich unterbrach meine Einheit, drehte mich um und sah Samu auf uns zukommen. Er rubbelte sich mit einem Handtuch die Haare trocken, scheinbar kam er aus der Dusche. „Hei, Samu, du warst also schon fleißig.“, sagte ich und atmete erst einmal durch. „Sport am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.“, zwinkerte er mir zu. „Wenn du nichts dagegen hast, schau ich dir zu.“ Ich schüttelte den Kopf. „Lahja, los jetzt weiter, quatschen könnt ihr später.“, sagte Timo streng. Und so wandte ich mich ab und vertiefte mich erneut in meinen Sport. Nach einer Weile wechselten wir zum Boxsack. „Kurze Pause, was trinken. In fünf Minuten geht es weiter.“, befahl Timo. Ich nickte atemlos und trank erst einmal ein paar Schlucke. „Trink nicht so viel, sonst musst du dich wieder übergeben.“, riet er mir. Ja, beim letzten Mal war sein Training so kräfteraubend, dass ich zu viel getrunken hatte, das kam dann bei der Anstrengung wieder heraus. Das passierte schon mal, nicht umsonst stand in der Ecke jedes Trainingsraumes ein sogenannter Kotzeimer. Verschwitzt und völlig ausgepowert ließ ich mich einige Zeit später neben Samu auf dem Boden nieder. Meine Beine zitterten von der Anstrengung, aber der Kopf fühlte sich frei an. Ein bisschen wie Schweben. „Du warst richtig gut. Respekt.“, lobte mich mein Freund und tätschelte mir das immer noch zitternde Bein. Ich nahm ein Schluck aus meiner Flasche. „Danke.“, sagte ich und beruhigte meine Atmung. „Magst du noch mit mir zusammen Mittagessen? Ich koche uns was.“, erkundigte er sich. „Bist du alleine?“, stellte ich eine Gegenfrage, worauf er nickte. „Okay, gerne.“, stimmte ich zu. Und so fuhren wir, nachdem ich geduscht hatte, zu Samu, wo wir den Rest des Tages, mit Kochen und Filme gucken, gemeinsam verbrachten.

Am Montag ging der Alltag wieder los. Im Salon frisierte ich Samu am Vormittag die Haare.  Erst eimal kam neue Farbe in seine Haare, die war in den letzten Wochen ein ganzes Stück rausgewachsen. Der Herr ließ es sich nicht nehmen und machte ein Selfie, während er die Folie in den Haaren hatte. Hatte ein bisschen was von einem Marsmännchen. Anschließend Haare ausspülen. Entspannt schloss er seine Augen. Er brummte zufrieden, wie ein Bär, als ich ihm beim Haare waschen den Kopf massierte, das genoss er immer sehr. „So, jetzt gibt es mal wieder einen vernünftigen Schnitt.“, grinste ich, setzte mich hinter ihn und klapperte mit der Schere. Normalerweise, wenn er herkam, unterhielten wir uns angeregt, doch an dem Tag war er recht still. Er tippte viel auf seinem Smartphone herum und war mit seinen Gedanken scheinbar ganz woanders. Nach einer Weile legte ich meine Hand auf seine Schulter. „Fertig, Samu.“ Er blickte auf. „Sieht toll aus, danke, Lahja.“, bedankte er sich und schenkte mir ein kurzes Lächeln. Ich entfernte noch die restlichen Haare und befreite ihn dann vom Umhang. Er drückte mir noch einen Kuss auf die Wange, bezahlte und verabschiedete sich dann zügig. Ich seufzte leise, konzentrierte mich dann aber wieder auf meine Arbeit. Die nächsten Tage flogen nur so dahin. Arbeiten gehen, Sport treiben, ab und zu mit Freunden treffen - Alltag halt. Mikko war zwischendurch auch mal für ein Wochenende Zuhause, welches ich mir extra freigehalten hatte. Wir genossen unsere Zweisamkeit in vollen Zügen. Ich versuchte mit ihm zu reden, doch er tat meine Sorgen ab. Es war alles in Ordnung, er hätte die letzten Wochen einfach nur viel Stress gehabt. Ich glaubte ihm. Und dann kam Anfang Februar an einem Samstagabend plötzlich eine Nachricht von Samu. >Hei Lahja, können wir reden?<


**************************

Das war nun das erste Kapitel. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr habt einen ersten kleinen Einblick in das Leben von Lahja erhalten? Worüber will Samu wohl reden?
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast