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Iron Dad

von Yondu
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Familie / P12 / Het
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark OC (Own Character) Virginia "Pepper" Potts
12.03.2021
17.06.2021
13
23.476
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.03.2021 1.830
 
Author's Notes

Special Thanks: ceeliinee!


☆★☆


Ein Blick in traurige Augen
Kapitel 2


Er konnte immer noch nicht so richtig glauben, dass er das tatsächlich tat. Bis gestern war er sich absolut sicher gewesen, dass Peppers Einfluss auf ihn sehr positiv war, dass er sich dank ihr mehr und mehr zum Guten gewandelt hatte, aber nun...
Ein Kinderheim. Mitten in einem der Brennpunkte von New York City. Kein Ort, von dem er jemals gedacht hätte, ihn einmal aufzusuchen. Er hatte den ganzen Morgen damit zugebracht, sich gegen diesen Besuch zu wehren. Immerhin hatten sie erst gestern darüber gesprochen, da hätte er sehr gerne noch ein wenig Zeit gehabt, sich mit dieser fixen Idee überhaupt auseinander zu setzen, aber seine Liebste sah das natürlich wieder anders.
Klar, wenn man ihm Zeit zum Nachdenken gab, dann kam meistens ein Rückzieher dabei heraus, dann schaffte er es für gewöhnlich immer, sich noch irgendwie aus der Affäre zu ziehen und eben dieses Risiko hatte Pepper nicht eingehen wollen. Er konnte nicht abstreiten, dass sie genau wissen musste, wieso.

„Wollen wir nicht langsam mal reingehen?“, riss Pepper ihn schließlich ungeduldig aus seinen Überlegungen. Von wollen konnte ja gar keine Rede sein, aber wollte er ihr das wirklich sagen? Eher nicht. Er wusste, dass ihr das nicht gefallen würde.
Er spürte seine innere Anspannung wachsen. Wenn man es recht bedachte, dann war ein Kinderheim nun wahrlich nicht der schlimmste Ort auf der Welt, zumindest wenn man nicht mit einem übernatürlichen Gehör ausgestattet war. Es würde sicher nicht so schlimm werden, wie eine Alieninvasion oder eine eigens erschaffene, künstliche Intelligenz, die sich gegen einen stellte und die Welt vernichten wollte, aber trotzdem...
Er atmete einmal tief durch, bevor er einen letzten, fast schon verzweifelten Versuch unternahm, Pepper von ihrem Vorhaben abzubringen. „Wollen wir nicht lieber wieder nach Hause fahren und noch ein paar Tage darüber streiten?“ Immerhin: In einem fairen Streit hatte er wenigstens noch eine geringe Aussicht auf Erfolg.
Allerdings sah er an der Art, wie Pepper das Gesicht verzog und die Arme vor der Brust verschränkte, dass sie seine Meinung wieder einmal nicht teilte. „Wir haben abgemacht, dass du es dir wenigstens mal ansiehst und darüber nachdenkst“, erinnerte sie ihn, allerdings war das nur halb richtig, denn das hatte sie ganz alleine und ohne sein Einverständnis abgemacht. Er war aber nicht so dumm, ihr das jetzt vorzuhalten.

Er hatte sowieso keine Wahl, also folgte er Pepper lieber durch den Eingangsbereich. Je eher er es hinter sich brachte, desto eher konnten sie auch wieder gehen. Zumindest in der Theorie. Es war wohl naiv zu glauben, dass es so leicht werden würde.
Er wusste nicht genau, was es war, aber irgendwie wurde ihm ganz komisch, als sie das Gebäude betraten. Von außen, wie von innen machte dieses Heim eigentlich einen sehr guten Eindruck. Es war hell, sauber, erstaunlich aufgeräumt, wenn man sich klar machte, wie viele Kinder hier untergebracht waren, aber...
Beklemmung machte sich breit, als er darüber nachdachte, dass manche von ihnen vielleicht ihre komplette Kindheit hier verbringen mussten, weil sie eben keine Familie fanden, die sich um sie kümmern wollte. Das war schon irgendwie traurig. Auch, wenn die ganze Einrichtung sehr kinderfreundlich wirkte, so fehlte doch die ganz besondere Gemütlichkeit, die wohl nur eine Familie vermitteln konnte. Es wirkte alles doch ein bisschen unpersönlich.


Im Foyer wurden sie von einer Dame, vermutlich irgendwo in den Fünfzigern empfangen. Ihr ergrautes Haar, fiel ihr in leichten Wellen über die Schulter, was sie ein bisschen freundlicher und offener erscheinen ließ, als er sie sich vorgestellt hatte. Wenn er an seine Kindermädchen dachte, dann hatte er immer nur ältere Frauen mit strengen zurückgebundenen Haaren und ernstem Blick in Erinnerung.
Er hatte ihren Namen bereits in dem Moment wieder vergessen, als er ihre Hand losließ, die sie ihm zur Begrüßung gereicht hatte. Es war auch egal. Das Reden war ohnehin Peppers Part. Es fühlte sich schon merkwürdig genug an, sich mit ihr gemeinsam hinzusetzen und Teil eines solchen Gesprächs zu sein. Das hatte ein bisschen was von Elternabend und für derartige Veranstaltungen fühlte er sich nun wahrlich nicht bereit.
Am Rande hörte er, dass die Frau erfreut über ihren Besuch sei, dass sie nicht damit gerechnet hätte, dass man sich so für diese Einrichtung einsetzen würde. Das Übliche eben. Er bemerkte gar nicht, dass er während der Unterhaltung immer tiefer in seinen Stuhl sank. Er fühlte sich vollkommen deplatziert und er konnte nichts weiter tun, als es über sich ergehen zu lassen.


„Nun, dann sollten Sie ihn unbedingt kennenlernen“, waren die Worte, die ihn irgendwann aus seinen abgedrifteten Gedanken zurückholten. Er konnte nicht verhindern, dass er sich augenblicklich wieder verspannte.
Jetzt wurde es wohl ernst. Er musste sich anstrengen, um den aufkommenden Fluchtreflex niederzukämpfen. Es war schließlich nur ein Kind, ein Achtjähriger. Kein Grund, um gleich in Panik auszubrechen. Er war ja immerhin Iron Man, aber... Er fühlte sich gerade nicht so.
Eigentlich traute er seinen Beinen nicht, als er sich erhob, um der Heimleiterin und Pepper in einen der angrenzenden Räume zu folgen. Das wäre ein guter Zeitpunkt, um von Fury für irgendeine weitere Mission der Avengers angerufen zu werden. Irgendetwas Dringliches, das keinen Aufschub duldete, damit Pepper ihn bloß nicht aufhalten konnte. Wo waren die Erzfeinde, wenn man sie mal wirklich brauchte?

Er konnte nicht anders, als im Türrahmen stehen zu bleiben. Irgendwas sorgte dafür, dass er nicht weiter gehen konnte. Er sah, wie Pepper der Frau zu einem der Tische folgte, an dem ein kleiner, plumper Junge, mit schwarz gerahmter Brille und einem hässlichen, grünen Pullover saß. Er fragte sich unweigerlich, wer dem armen Kind diesen furchtbaren Haarschnitt verpasst hatte. Schließlich musste man damit eine Weile rumlaufen, bevor sich so etwas wieder verwachsen konnte.
Er wusste nicht genau, warum ihm das Herz plötzlich bis zum Hals schlug. Er wusste nicht, weshalb er mit einem Mal ganz feuchte Hände bekam, wieso sein Atem schneller wurde. Irgendwas trieb seinen Puls in die Höhe. So hatte er sich seit den Angriffen auf New York nicht mehr gefühlt. Ihm wurde ganz anders, als er darüber nachdachte, ob es wieder eine Panikattacke sein könnte. Nur wovor? Das war nur ein Kind!

Ein Kind... Das bedeutete Verantwortung. Das bedeutete, dass Pepper und er gemeinsam verantwortlich waren. Sie würden sich um alles kümmern und das Richtige tun müssen. Aber wie? Er konnte so etwas nicht. Er hatte überhaupt keine Ahnung, wie das ging. Woher auch? Sein Vater hatte ihm schließlich nicht gezeigt, wie man sich gut um sein eigenes Kind kümmerte. Er war halt nicht sehr väterlich gewesen und das war auch okay. Nur...
Jetzt könnte er dieses Wissen gut gebrauchen. Aus irgendeinem Grund wollte er Pepper nicht enttäuschen. Er hätte sich wohl besser gar nicht erst auf das hier eingelassen, aber nun, wo sie hier waren, kam ihm der Gedanke, dass er ihr beweisen musste, dass er auch das hinbekommen konnte.

Er sah, wie Pepper ihn heranwinkte und er konnte kaum glauben, wie leicht er ihrer Aufforderung mal wieder nachkam. Hatte sie ihn tatsächlich schon so gut im Griff? Das war unheimlich. Trotzdem waren seine Schritte zögerlich, als er sich den Dreien näherte.
„Ich würde dir gerne einen Freund von mir vorstellen“, hörte er Pepper zu dem Jungen sagen und irgendwie wurde er schon fast ein bisschen eifersüchtig bei dem liebevollen Ton, den sie dabei anschlug. Es reichte vollkommen, wenn sie zu ihm lieb war. Auch wenn der Gedanke albern war.
Der Junge blickte aus großen, blauen Augen zu ihnen auf und etwas in seinem Blick verriet, dass er nicht sehr glücklich war. Ihm wurde ganz schwer ums Herz. Ein unglückliches Kind ließ eben niemanden so leicht kalt.

„Er heißt Tony.“ Okay, jetzt ging ihm der Kinderkram wirklich ein bisschen auf die Nerven. Musste sie von ihm reden, als wäre er bewusstlos oder sowas in der Art? „Er kann auch gut Dinge zusammenbauen.“ Was denn? Wollte sie seine Arbeit etwa mit den drei Legosteinen vergleichen, die der kleine Bengel da aufeinandergesetzt hatte? „Vielleicht kannst du dich ja ein wenig mit ihm unterhalten?“
Das meinte sie hoffentlich nicht ernst! Sie konnte ihn doch nicht mit diesem Kind alleine lassen! Wo wollte sie überhaupt hin? Er sah, wie sie sich wieder erhob und offensichtlich verriet sein Blick seine Panik mehr als deutlich, denn sie legte ihm sogleich eine Hand auf den Unterarm und versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln. Nicht so überzeugend, wie es wohl sein sollte, aber immerhin.
„Du schaffst das schon“, flüsterte sie ihm zu, aber er fühlte sich nicht so, als würde das stimmen. Er fühlte sich nicht wie jemand, der das schaffte. Er verstand sowieso nicht, wofür es wichtig war, dass sie nun mit der Leiterin den Raum verließ.


Kaum waren die beiden hinaus, breitete sich eine erdrückende Stille aus. Wieso waren hier keine anderen Kinder? Dann wäre es wenigstens etwas lauter. Gerade in diesem Moment, wäre ihm das nur recht.
Was sollte er denn jetzt mit dem Jungen anfangen? Er wusste doch bei Pepper schon kaum, wie er sich bei Gesprächen anstellen sollte. Das war... einfach nicht sein Ding. Aber er sollte sich wohl ein bisschen Mühe geben, wenn er es sich mit seiner Liebsten nicht verscherzen wollte. Dennoch blieb die Frage: Warum tat sie ihm das nur an?

„Es ist echt voll scheiße hier“, offenbarte der Junge plötzlich und brachte ihn damit ein bisschen aus dem Konzept. Mit einer derartigen Aussage, hatte er nun wirklich nicht gerechnet, auch wenn er sie bei näherem Betrachten schon ein bisschen verstehen konnte.
„Ja, reizend dass du das sagst“, merkte er an, rieb sich dabei die Nasenwurzel und besann sich darauf, dass es weder bei der Leiterin, noch bei Pepper besonders gut ankommen würde, wenn er so ein Vokabular unterstützte. By the way... Vielleicht sollte er Steve mal mit dem Kleinen bekannt machen, wo Cap Kraftausdrücke doch so liebte.
Tony atmete einmal tief durch. Es lag ihm nicht besonders, mit Kindern oder mit Menschen allgemein umzugehen, aber er hatte wohl keine andere Wahl. Vielleicht, nur ganz vielleicht, würde ja diesmal nicht alles in einer Katastrophe enden.
Als der Kleine nichts weiter zu sagten hatte, ließ er sich neben ihm nieder, versuchte wenigstens einmal nicht wie ein unsensibler, reicher Arsch rüberzukommen und fragte: „Wie heißt du eigentlich?“ Vielleicht würde der Junge ja diesmal nicht mit etwas Ordinärem antworten.

Einen Moment zögerte der Kleine. Schon klar, wenn man nur rumgereicht wurde, dann war es mit dem Vertrauen sicher auch nicht mehr so weit her.
„Elvis“, klärte der Junge ihn dann aber doch noch auf.
Elvis? Sein Ernst? Er musste wirklich aufpassen, dass er jetzt nicht lachte. Das wäre nicht nett und er glaubte auch nicht, dass er das ernst gemeint hatte. Kinder gaben sich ja oft etwas schräge Namen und da bildete der hier sicher keine Ausnahme.

Ihm entglitten ziemlich die Gesichtszüge, als Pepper mit der Heimleiterin wieder in den Raum kam und die fremde Frau an den Jungen gewandt meinte: „Ich glaube, wir haben eine wunderbare Familie für dich gefunden, Elvis.“


☆★☆


TBC

Nachwort

Meinungen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge? Immer her damit. :)
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