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Götterstreit

von Yondu
GeschichteAbenteuer, Familie / P16 / Gen
Frigga Hogun Loki Odin Sif Thor
12.03.2021
14.09.2021
12
34.981
3
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16 Reviews
Dieses Kapitel
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14.09.2021 3.129
 
Author's Notes

Hallo meine Lieben.
Es tut mir außerordentlich leid, dass ihr so lange auf ein Update warten musstet. Hier ist so wahnsinnig viel los gewesen (und eine lange Zeit ohne Internet – Danke an Vodafone für Nichts!) da hab ich es leider nicht früher geschafft. Aber nun steht mein regelmäßiger Update-Plan und die Geschichte bekommt nun jeden Dienstag ein neues Kapitel.
Ein herzliches Danke geht außerdem noch an die liebe Sunflower124 für das liebe Review zum letzten Kapitel! ★


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Das Bündnis bricht
Kapitel 11


Sif verdrehte die Augen, als sie sich zu Volstagg und Fandral umdrehte. Ihre ganze Beschattung würde rein gar nichts bringen, wenn die beiden so laut waren, dass man sie noch bis nach Asgard hören konnte. Als sie sich entschlossen hatte, ebenfalls an Thors Seite zu kämpfen, hatte sie nicht damit gerechnet, dass sie sich an der Seite eines Vielfraßes und eines Schönlings wiederfinden würde, mit denen sie einfach nichts anfangen konnte.
Es war ihr unbegreiflich, wie Volstagg schon wieder ans Essen denken konnte. Die Speisen hier in Vanaheim waren nicht minder üppig, als in Asgard. Die alten Götter unterschieden sich ohnehin nur wenig von ihnen. Wie also konnte er schon wieder Hunger haben? Manchmal fragte sie sich, ob er nicht rein aus Lust an der Sache aß, doch das würde sie jetzt bestimmt nicht mit ihm klären. Sie hatten wichtigeres zu tun.
Mal ganz davon zu schweigen, dass Fandral es ebenso wenig schaffte, sich lautlos zu bewegen. Wie konnte ein so schlanker und offenkundig agiler Krieger nur so einen Krach verursachen. Er trampelte fast schlimmer, als Volstagg! Ja, sie übertrieb natürlich maßlos, aber es ärgerte sie. Besser, sie hätten sich aufgeteilt, allerdings hatten sie Freya nicht ausfindig machen können und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als nur ihren Bruder im Auge zu behalten.

„Verflucht, könnt ihr beide euch nicht einmal zusammenreißen?“, zischte sie den beiden zu, als ein weiterer Ast knackte und Volstagg Fandral so heftig vor die Brust schlug, dass es diesen glatt von den Füßen riss. Das war doch nicht mehr normal!
„Verzeiht, schöne Lady, doch hier ist es verflucht eng. Sagt mir... gibt es denn keinen anderen Weg, wie wir diesen eingebildeten Prinzen besser im Auge behalten können, als uns wie Strauchdiebe an ihn heranzuschleichen?“, beschwerte Fandral sich zwar im Flüsterton, doch Sifs Nerven tat er damit trotzdem keinen Gefallen.
„Wie oft willst du es noch hören? Wir haben nun einmal keine magischen Fähigkeiten, so wie Loki. Wir können uns nicht einfach vor seinen Augen unsichtbar machen“, erklärte Sif ihm zum gefühlt zwanzigsten Mal an diesem Tag und natürlich hatte der Blonde immer ein Argument dagegen.
„Und warum übernimmt Loki diesen Part dann nicht?“, wollte Fandral wissen, der sich inzwischen wieder aufgerappelt hatte und auf seinen Lippen lag trotz seines offenkundigen Unmuts immer noch ein Lächeln. Dieser furchtbare Frauenheld hatte wohl niemals schlechte Laune, dafür vertiefte sich Sifs Zornesfalte auf ihrer Stirn gerade umso mehr.

Sie warf einen prüfenden Blick auf Freyr, der sich im Schatten eines großen Eichbaumes mit ein paar Wachen unterhielt. Allerdings waren sie nicht einmal dicht genug dran, um zu hören, was sie sagten und das kam ihrem Plan nicht zu Gute.
„Muss ich dir wirklich erklären, dass Odins Söhne andere Verpflichtungen haben?“, gab Sif also leicht patzig zurück. „Hör endlich auf dich zu beschweren und sieh zu, dass wir etwas dichter herankommen, sonst hören wir nicht, was die sich zu berichten haben.“ Sie wusste ja nicht, mit welchen Ambitionen Volstagg und Fandral sich dem Donnergott angeschlossen hatten, aber Sif wollte vor allem Anderen ihre Sache gut machen. Thor sollte sich nicht in ihr täuschen, das hatte sie sich fest vorgenommen und wenn die beiden hier ihre Aufgabe nicht ernst nehmen wollten, dann sollten sie es gern tun, doch sollten sie ihr dann wenigstens nicht im Weg sein.
Fandral belächelte ihren leichten Ausbruch mal wieder, doch Volstagg schien sie nicht weiter reizen zu wollen, hatte aufgehört zu essen und folgte ihr stumm weiter durch die Botanik. Das Gute an Vanaheim war, dass es sehr alt und verwachsen war. Man hatte hier viele Winkel und großes Gestrüpp auch innerhalb der Stadt, sodass man sich ausgezeichnet im Verborgenen halten konnte.

„Wie auch immer... Vater lässt die Rationen der Zwerge halbieren, damit die Aufstände endlich aufhören“, hörte sie Freyr in selbstgefälligem Ton dahin schwafeln. Ihre Knöchel knackten, als sie die Hand zur Faust ballte. „Und für Arbeit die sie nicht verrichten, werden sie auch nicht entlohnt. Es wird höchste Zeit, dass sie merken, dass sie nicht einfach tun können, was sie wollen.“
Sif hätte ihm dazu einiges zu sagen gehabt, doch leider bewiesen diese Worte noch immer nichts von den Vermutungen, welche sie angestellt hatten. Seit zwei Tagen waren sie Freyr schon auf den Fersen, ohne etwas über die Pläne der Wanen erfahren zu haben.
„Das wird sie aber nicht davon abhalten trotzdem zu fliehen“, gab einer der Wachen zu bedenken und Freyrs Blick verfinsterte sich sofort. Wenn er eins nicht leiden konnte, dann, wenn andere ihn kritisierten.
„Wenn sie immer noch so dumm sind, es zu versuchen, werden sie nichts als den Tod dafür bekommen. Ihr werdet an allen Pfaden, die aus der Stadt führen Stellung beziehen, ihr werdet keinen Stein mehr auf dem anderen lassen, wenn wir einen Zwerg vermissen und ihr werdet sie zurückbringen, ob sie das wollen oder nicht!“, keifte Freyr die beiden an.

Keiner der beiden wagte es, noch einmal zu widersprechen, aber ihre Gesichter sprachen auch mehr als tausend Worte. Ihnen war längst klar, dass sie den Stein nicht mehr aufhalten konnten, der ins Rollen gekommen war.
Die Zwerge hatten erkannt, dass sie entkommen konnten, dass es nicht unmöglich war. Viele von ihnen waren schon so lange hier, dass sie sich an ihre Heimat kaum mehr erinnerten. Dennoch wussten sie, dass es an jedem Ort besser sein könnte, als länger hier zu verweilen und Verzweiflung konnte einen weit treiben.
Außerdem konnten die Zwerge darauf pokern, dass die Wanen sie nicht einfach alle vernichten konnten. Schließlich schienen sie die Zwerge für die Herstellung ihrer Waffen zu brauchen. Sie hätten erst den Tod zu fürchten, wenn die Wanen ihr Ziel erreicht hatten und ihre Arbeit nicht länger benötigten. Allerdings würden sie gewiss nicht ruhen, wenn sie Asgard vernichtet hatten. Schließlich würden sie ihre Position halten wollen. Wahrscheinlich würden sie die Zwerge bis in alle Ewigkeit für sich arbeiten lassen, wenn man sie nicht aufhielt.

Viel mehr fanden die drei auch diesmal nicht heraus. Es war zum verzweifeln. Wie lange sollten sie ihm denn noch hinterherlaufen? Wenn sie nur wüssten, wo Freya abgeblieben war. Es gefiel ihnen gar nicht, dass sie von ihr schon seit Tagen nichts mehr gesehen hatten.
Sif seufzte innerlich resigniert, als ein paar Worte von Freyr sie doch noch einmal aufhorchen ließen...



Thor hoffte, dass Sif ihm bald ein paar nützliche Hinweise geben konnte. Lange würden sie wohl nicht mehr hierbleiben und wenn sie erst wieder nach Asgard zurückkehrten, würde es nicht leichter werden rauszufinden, was die Wanen planten. Es war wichtig, dass sie es noch vor ihrer Abreise erfuhren. Im besten Fall ohne Njörds Wissen. Dann könnten sie selbst in aller Ruhe überlegen, was sie tun wollten.
Nachdenklich lief er vor Njörds großer Halle auf und ab und überlegte, ob er nicht selbst etwas unternehmen konnte, als Loki zu ihm stieß. Es gab hier wirklich nicht viel, womit sie sich den ganzen Tag beschäftigen konnten und das lag vor allem daran, dass sie niemandem hier so recht über den Weg trauen mochten.
„Heute keine ausufernden Unterhaltungen mit den Zwergen?“, erkundigte Thor sich sogleich und sah, wie Loki unwillig das Gesicht verzog, ehe er sich an seine Seite stellte.
„Nur weil ich Sympathien für sie hege, brauche ich mich nicht den ganzen Tag unter Ihresgleichen zu mischen“, antwortete Loki ihm und Thor lachte gutmütig. Er wusste, dass der Jüngere es im Grunde kaum erwarten konnte, Vanaheim zu verlassen.

Er überlegte, was er ihm sagen sollte. Erkenntnisse gab es noch keine und es war auch nicht klug ihm auf die Nase zu binden, dass er mit Vater gesprochen hatte. Für das Verhältnis zwischen Odin und Loki wäre es besser, wenn sein Bruder annahm, der Allvater hätte seine Meinung ganz von selbst geändert.
Außerdem gab es etwas anderes, das viel wichtiger war. „Sind dir Freyr und Freya noch einmal über den Weg gelaufen, seit unserer letzten Begegnung mit ihnen?“, wollte er also wissen, denn seit dieser Auseinandersetzung hatte er sie nicht mehr gemeinsam gesehen.
Loki zögerte einen Moment, ehe er den Kopf schüttelte. „Nein. Sind sie nicht. Vielleicht haben sie ja inzwischen begriffen, dass es klüger ist, sich von uns fernzuhalten.“
Thor runzelte kaum merklich die Stirn. Ihm war zu Ohren gekommen, dass Freyr sich erst kürzlich über den Zwerg aufgeregt hatte, der in der Schmiede arbeitete. Angeblich stammte das Wissen über die Unbeholfenheit, mit der Freyr zu Werke gegangen war, von Loki. Also hatte er doch zumindest ihn gesehen.
Allerdings war es auch nichts Neues, dass Loki versuchte, seine Geheimnisse zu wahren. Er ließ sich eben nicht gerne in die Karten schauen.

„Da magst du wohl recht haben“, stimmte er dem Jüngeren also. „Wer weiß, was sie als nächstes vorhaben, nachdem all ihre Pläne gescheitert sind.“ Das konnte man wohl nicht anders sagen und er kam nicht umhin zu bemerken, dass Loki die Hände zu Fäusten ballte. Seine Abneigung gegen die alten Götter war unverkennbar...
„Wie auch immer. Wenn sie uns wieder Ärger machen wollen, dann wird ihnen das nicht gelingen“, stimmte Loki zu und Thor fand, dass das wohl der richtige Augenblick war.
Keine zwei Sekunden brauchte er, um sich Loki zu packen und ihm finster in die Augen zu sehen, bevor er grollte: „Lass diese Spielchen, ich hab das längst durchschaut!“
Zum ersten Mal sah er, wie ihm die Gesichtszüge entglitten und das bestätigte seine Vermutungen. Normalerweise hielt Loki seinem Blick nämlich immer Stand, grinste eher noch frech, wenn er ertappt wurde. Er mochte nicht der scharfsinnigste unter den Asen sein, aber etwas so Offensichtliches...

„Was meinst du? Ich spiele keine Spielchen.“
Und auch das wäre etwas ganz Neues. Thor konnte darüber nur lachen und meinte: „Gibt dir keine Mühe, Freya. Ich habe längst gemerkt, dass du es bist.“ Und mit diesen Worten ließ er sie los und sah, wie sie sogleich ihre wahre Gestalt wieder annahm und ihn fassungslos anstarrte.
Eins musste er ihr lassen. Ihre Idee war wahrlich nicht die schlechteste gewesen. Nur die Durchführung war ihr nicht besonders gut gelungen.
„Bei Hel! Wie hast du Narr das so schnell herausgefunden?“, verlangte sie zu wissen. Er konnte ihr Entsetzen sogar nachvollziehen. Der Unterschied war äußerlich nicht zu erkennen gewesen und seinen Wortlaut hatte sie auch erstaunlich gut getroffen. Nur eine Kleinigkeit war ihr dabei vollkommen entgangen.
„Als du zu mir gekommen bist“, schmunzelte Thor. „Für gewöhnlich tut Loki das nicht. Du solltest dir nicht anmaßen, ihn besser zu kennen, als sein eigener Bruder.“ Es war zwar nicht so, dass Loki niemals zu ihm kam, doch meistens war es umgekehrt.
Loki fühlte sich hier nicht wohl und er ließ sich seit Tagen nicht freiwillig blicken. Wenn er nicht mit den Zwergen sprach, dann versank er in irgendwelchen Büchern um die Zeit rumzubekommen, bis sie wieder abreisten. Thor wusste das nur zu gut.

Freya war ihr Frust über ihr gescheitertes Vorhaben nur zu deutlich anzusehen. Augenscheinlich hatte sie den Donnergott wieder einmal unterschätzt.
„Okay, ich muss zugeben, dass ich nicht erwartet hätte, dass du so schnell darauf kommen würdest“, räumte sie missmutig ein. „Das ist aber auch nicht wichtig. Du hättest mir ohnehin nichts sagen können, was ich nicht schon weiß.“
Auch darüber konnte Thor nur herzhaft lachen. „Wenn dem so ist, dann hättest du dir deine Magie sparen können“, stellte er fest und reizte Freya damit nur noch mehr.
Er sah, dass sie langsam aber sicher die Geduld mit ihm verlor. „Schön, aber wenn du glaubst, dass das alles war, dann täuscht du dich. Vielleicht kann ich dich nicht überlisten, aber machen wir uns nichts vor... Wir wissen beide, dass es keinen Frieden zwischen uns geben kann.“
Thor war sich nicht sicher, ob Freya gerade dabei war, sich gehörig zu verraten oder ob sie wieder versuchte, ihn mit ihren Worten auszutricksen. Was diese Fähigkeiten betraf, passte Loki wahrhaft besser nach Vanaheim, aber das würde er ihm lieber nicht sagen.

„Willst du damit eingestehen, dass ihr plant euch die Herrschaft über die neun Welten zurückzuholen?“, fragte Thor also ganz direkt nach und erntete nun seinerseits ein Lachen von Freya.
„So leicht könnt ihr es euch nicht machen“, gab sie schnippisch zurück. „Du hast überhaupt keine Ahnung davon, was Asgard hier angerichtet hat. Du weißt nichts über uns und du wirst auch niemals verstehen, weshalb unsere Welten niemals in vollkommenem Frieden leben werden. Das Schicksal macht seine eigenen Pläne und die Vergeltung wird es uns auf ewig verbieten, stabile Bündnisse für die Ewigkeit zu schließen. Es mag sein, dass wir nun tausend Jahre in Frieden nebeneinander gelebt haben. Aber irgendwann wird eine neue Generation kommen, die den Frieden wieder einreißen wird.“
Thor schnaubte. Das waren Worte, die in seinen Vorstellungen keinen Platz fanden, also würde er sie auch nicht glauben. „Aus dir spricht schon dieselbe Bitterkeit, wie aus deinem Vater“, meinte Thor und er würde sich ihr Gerede auch nicht länger anhören.
„Wenn du denkst, dass du siegst, indem du uns auf die leichte Schulter nimmst und uns als Spinner abtust, wirst du es bereuen, Odinson!“, rief Freya ihm hinterher. Natürlich war sie noch lange nicht fertig gewesen, doch Thor hatte keine Lust auf ihre Spielchen. Es wurde Zeit, dass sie endlich etwas unternahmen. Der Allvater musste Antworten von Njörd fordern, klare Verhältnisse schaffen, die sie durchblicken konnten.



Als Thor in die große Halle trat, platzte er mitten in eine handfeste Auseinandersetzung zwischen Njörd und Odin, der dem Meeresgott gerade unterstellte, ihn seit Jahren zu hintergehen.
Verwirrt blickte Thor sich um, fand Lokis Blick, der angesichts der Heftigkeit dieses Streites noch erstaunlich gelassen wirkte. Neben ihm waren auch Frigga, Sif, Vollstagg und Fandral anwesend. Gut möglich, dass sie etwas herausgefunden hatten, womit sie Njörd nun belasten konnten.

„Ich habe dir vertraut, Njörd! Ich bin dieses Bündnis eingegangen, weil ich Frieden für unsere Kinder wollte! Ist dir das vollkommen gleich?“, fragte der Allvater und Njörds eisblaue Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Wenn du geglaubt hast, dass wir euch jemals vertrauen würden, dann bist du ein Narr, Odin!“, giftete Njörd zurück und starrte dem Asen fest in die Augen. „Damals wart ihr gierig und das seid ihr noch immer. Ihr habt euch unsere Macht genommen, als ihr die Gelegenheit dazu hattet. Wir sind die ersten Götter und die einzig wahren und weil ihr den Hals nicht voll genug bekommen habt, verloren wir alles!“
Thor hatte so seine Probleme, diesem Streit zu folgen, obwohl er diese Anschuldigungen schon hunderte Male gehört hatte. Dennoch fragte er sich, was diese Auseinandersetzung der beiden ausgelöst haben mochte. Noch einmal wanderte sein Blick zu Loki, der ihm scheinbar genau ansah, was er dachte, denn er hob sogleich die Hände.
„Bei allem was mir lieb ist, ich versichere dir, dass ich diesmal nichts damit zu tun hatte.“ Das glaubte er ihm diesmal sogar. Noch ehe er dazu kam nachzufragen, was genau in seiner Abwesenheit geschehen war, tobte der Streit der beiden obersten Götter schon weiter.

„Ihr habt uns damals getäuscht, weil ihr uns gefürchtet habt. Als wir dagegen vorgegangen sind, habt ihr uns bekämpft. Ihr habt verloren und selbst dafür gesorgt, dass wir nun die Götter der neun Welten sind. Wie oft sollen wir darüber noch debattieren?“, fragte Odin. „Du wirst dich mit deinen Lügen nicht noch einmal aus der Verantwortung ziehen, Njörd. Mein Vater mag Mitleid mit dir gehabt haben, doch von mir hast du keine Gnade zu erwarten.“
Njörd sah tatsächlich aus, als würde er langsam nervös werden. Thor vermutete schon die ganze Zeit, dass die Macht, die er vorgab zu besitzen, ein einziger, großer Bluff war. Vermutlich wurde dem Meeresgott langsam klar, dass er verloren hatte, doch geschlagen gab er sich noch lange nicht.
„Wollt ihr uns etwa wieder bestrafen für Sünden, die wir nicht begangen haben? Du hast keinen Beweis für deine Vorhaltungen! Wenn du uns angreifst, dann werden die anderen Welten erfahren, was für ein Kriegstreiber du bist!“, drohte Njörd und sein Gesicht verfinsterte sich derart, dass es selbst Thor für einen Moment eiskalt wurde. „Wenn du den Worten eines frustrierten Wachmannes mehr Glauben schenkst, als dem meinen, dann frage ich dich, was soll aus unserem Bündnis werden?“

Einen Moment blieb es vollkommen still. Niemand wagte es, auch nur einen Laut von sich zu geben, bis Odin einen Entschluss fasste und Njörd fest in die Augen sah. „Es gibt kein Bündnis mehr zwischen Asgard und Vanaheim.“
Thors Augen weiteten sich und ein Raunen ging durch die große Halle. Er hätte nicht geglaubt, dass sein Vater diesen Schritt wagen würde. Er verstand auch noch immer nicht, was geschehen war, dass er diese Maßnahme ergriff.
Er warf Loki einen erneuten, irritierten Blick zu. Es dauerte einen Moment, ehe der Jüngere auch ihn ansah und dann meinte: „Einer von Njörds Wachmännern hat deinen Kriegern alles erzählt. Nachdem Freyr seinen Mund nicht halten konnte und vor ihnen angeben musste... Ich schätze er wusste, dass wir in der Nähe waren. Njörd wurde also von seinen eigenen Leuten verraten, nicht von mir.“
Loki klang fast ein bisschen so, als würde ihn das ärgern. Das konnte er sogar fast verstehen. Schließlich hatte sein Bruder die ganze Welle erst losgetreten und nun überrollte sie scheinbar alles. Njörd war vollkommen außer sich, schrie den Allvater an, dass er ein Verräter sei.

Thor konnte kaum glauben, was hier gerade passierte. Er hatte immer gehofft, dass sie die herablassende Art der Wanen eines Tages nicht mehr ertragen mussten, aber wie sein Vater ihm schon erklärt hatte... Niemand konnte wissen, was ihnen jetzt noch bevorstehen würde. Niemand wusste, wie stark die Wanen tatsächlich waren.
Intuitiv legte er eine Hand auf Mjöllnirs Griff. Die Spannung in der großen Halle war förmlich mit Händen zu greifen. Wenn Njörd sie gleich angriff, wollte er vorbereitet sein.
„Wir werden gehen“, entschied Odin, wollte sich von Njörd abwenden, doch versperrte dieser ihm sogleich den Weg, stierte ihn mit blitzenden Augen an.

Ein Seitenblick verriet Thor, dass sich auch Loki und seine Krieger auf einen Kampf einstellten, ja selbst Frigga war von ihrer sonstigen Ruhe rein gar nichts anzusehen.
Odin senkte bedrohlich die Stimme, als er Njörd wissen ließ: „Ich sage es dir nur einmal. Greif uns an und wir werden dich und deine Sippe auf der Stelle vernichten.“


❈❈❈


TBC

Nachwort

Und da haben wir endlich wieder ein bisschen Temperament seitens Odin. Aber ob es klug ist, nun so auseinander zu gehen oder ob das Ganze jetzt im Desaster endet… Ich bedanke mich fürs Lesen und hoffe, ihr seid auch beim nächsten Kapitel wieder dabei! ◠‿◠
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