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Wanted

von Caragor
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Dean Thomas Hermine Granger OC (Own Character)
12.03.2021
15.04.2021
13
45.951
 
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08.04.2021 2.175
 
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Abgesehen von den Nachrichten hier und da, die Dean oder ich aufschnappten und sie dem jeweils anderen erzählten, gab es nichts Aufregendes zu sehen, erleben oder zu tun. Aber nur sieben Tage später kam etwas, welches die Ereignisse wendete. Ich hatte mir soeben eine gestrige Ausgabe des Neuen Tagespropheten klauben können und als ich sie unter dem grauen Wolkenhimmel las, wurde mir warm ums Herz. Sofort suchte ich eine dunkle Gasse oder Ähnliches auf, um zurück zu Dean apparieren zu können, denn von diesen Neuigkeiten musste er einfach erfahren! Er empfing mich in der düsteren, möbellosen Küche, die langsam anfing zu riechen, was uns aber nicht wirklich etwas ausmachte. Solange er die Haushaltszauber, die ich ihm gelehrt hatte, regelmäßig anwandte, würde der Geruch alsbald kein größeres Problem mehr sein. „Was ist los, Hermine?“, wollte er begierig wissen. „Hier!“ Völlig außer Atem breitete ich die Ausgabe des Neuen Tagespropheten auf dem Fensterbrett aus. Dean entzündete seinen Zauberstab und las sich den Artikel durch. Als er damit fertig war, sah er mich freudig an. „Weißt du, was das heißt, Hermine?“ Ich nickte. Zwar waren noch mehr Menschen in der Zeit verschwunden, während wir mehr oder weniger erfolglos versucht hatten, Mitglieder zu rekrutieren, aber dass sie zugaben, dass „einige unglückselige Vorfälle“ geschehen waren, hieß, dass es erneute Aufstände gab. Voldemorts Regime geriet langsam, aber sicher, ins Wanken. Sechs Jahre lang hatte er Zeit, seine Macht zu sichern und auszubauen; sechs Jahre lang hatte er sich zu sehr darauf konzentriert, uns auszurotten. Nun bekam er die Konsequenzen in Form von vielen kleinen oder auch größeren Aufständen und Rebellionen gegen das Neue Ministerium und gegen die Todesser zu spüren. Voldemort musste für seine Fahrlässigkeit bezüglich seiner Machtbasis jetzt bezahlen. Deans Wangen glühten vor Freude. „Wenn wir es schaffen, noch mehr Rebellionen zu erschaffen sowie alle zu vereinen, dann könnten wir es ernsthaft schaffen!“ Erneut nickte ich.

In den nächsten paar Monaten (es war jetzt Mitte Juli), hatten wir alle Hände voll zu tun, neue Aufstände zu erschaffen und gleichzeitig Mitglieder zu rekrutieren. Schließlich hatten wir es geschafft: Anfang September waren die Todesser weit über England verstreut, um die jeweiligen „Widerstandszellen“ auszumerzen; ohne zu ahnen, welches perfide Spiel wir mit ihnen trieben. Gegen Mitte September war unser Widerstand auf mehr als vierzig Mann angewachsen und dank ein paar magischer Kniffe, die ich mit Deans Zauberstab ausführte, war für alle hier bequem viel Platz. Wir hatten sogar einige Möbel angeschafft, die wir „preisgünstig erworben“ hatten. Als ich hörte, wie wir die Möbel bekommen hatten, war ich so wütend auf Dean, dass ich für ein paar Tage lang nicht mit ihm sprach. Nachdem sich die Situation geklärt und ein paar Möbel mehr hinzugekommen waren, war endlich Zeit für neue Pläne. Im Wohnzimmer war jetzt ein großer, langgezogener Tisch aus Eiche, der ebenfalls natürlich magisch verlängert worden war. Als mich ein Mädchen im Alter von sechzehn Jahren fragte, wie ich das den hinbekommen hätte, antwortete ich: „Unaufspürbarer Ausdehnungszauber.“ Anfang Oktober wurde es bitterkalt, was unserer Strategie, Voldemorts Todesser noch weiter auszudehnen, kurzzeitig einen Strich durch die Rechnung machte. Außerdem erfuhren wir, dass Voldemort durch eine weitere Marionette Beuaxbatons, die französische Zaubererakademie, unter Kontrolle gebracht hatte. Nun wurden die Schülerinnen dort zur Spionage und Infiltrierung der Bevölkerung hier und in sämtlichen besetzten Schulen missbraucht; natürlich wurden sie ebenfalls in den dunklen Künsten ausgebildet, sollten sie enttarnt werden. Doch das war uns eigentlich sogar ganz recht, denn so konnten wir neue Taktiken planen und uns weiter auf den Kampf gegen die Todesser und das System Voldemorts vorbereiten. Dennoch konnten wir eines nicht ändern, was uns alle beunruhigte: Ein Schatten hatte sich über die gesamte britische Zaubererwelt gelegt, der in den vergangenen Jahren rasch zu einer uns verschluckenden Finsternis angewachsen war. Unsere Aktionen waren gefährlich, denn jederzeit konnte sich das Blatt wenden – zugunsten der Todesser. Aber als es auf Januar zuging, änderte sich das rasch: Binnen weniger Wochen hatten wir die Streitkräfte so weit ausgedehnt, dass es ein Leichtes war, sie zu besiegen; außerdem schaffte ich es, mir einen Zauberstab zu erobern. Er war aus Drachenherzfaser und dunklem Ahornholz gemacht, meines Schätzens nach nur etwa … vier Zentimeter länger als mein vorheriger. Probehalber bog ich ihn. Er war relativ steif, kaum zu biegen. Als ich ihn an einem Busch ausprobierte („Petrificus Totalus!“), erkannte ich, dass er für Kampfzauber wie gemacht zu sein schien; der Todesser, der ihn zuvor benutzt hatte, musste ein regelrechter Raufbold gewesen sein. Jetzt griff er natürlich keinen mehr an, denn als ich ihn mit Deans Zauberstab entwaffnete und anschließend schockte, hatte er, sagen wir mal … eine Pause dringend nötig gehabt. Deans Zauberstab hatte ich ihm natürlich zurückgegeben, als unser kleiner Trupp zurück ins Zentrale Hauptquartier apparierte. Wir hatten uns noch nicht entschieden, wie weit wir die Todesser an unsere Verstecke kommen lassen wollten, aber es gefiel mir so viel besser, denn man hätte irgendwann schon eine Regelmäßigkeit erkannt, wenn alle an derselben Stelle angegriffen worden wären. Zu dritt oder auch mal zu viert überfielen wir einzelne Todesser, um sie die Macht der Überzahl spüren zu lassen, die sie uns immer hatten spüren lassen. Dean war bisher bei allen Kampfeinsätzen dabei gewesen, bis auf zwei. Er hatte es uns nicht gesagt, dass es er nicht mitgekommen war, aber ich hatte es beide Male herausgefunden: Seine Ausrede war beide Male, dass er zu viel Angst gehabt hatte, das Zentrale Hauptquartier allein und damit schutzlos dazulassen, bis ich ihn aufklärte, dass die von mir gelegten Schutzzauber so ausgelegt waren, dass man innerhalb apparieren konnte – außer im Gebäude selbst, versteht sich. Wann immer es ging, trafen wir alle uns im Zentralen Hauptquartier, um Lagebesprechungen durchzuführen, den nächsten Schritt zu planen oder einfach nur, um uns von den vielen Kampfeinsätzen und Schlachten auszuruhen, die wir geschlagen hatten.

Dann, vier Wochen nachdem ich meinen neuen Zauberstab mir eroberte, erreichte uns der erste Dämpfer: Ein paar von uns waren im Zentralen Hauptquartier, welches ich jetzt, da so viele Zauberer und Hexen in oft so kurzer Zeit reihenweise apparierten, mit sämtlichen Schutzzaubern belegte, die ich kannte; nach außen sah es wie eine baufällige Ruine aus. Das war alles, was Muggel sehen konnten; die Kämpfer mussten immer unter den Schutz apparieren. Jedenfalls waren wir hier und ruhten uns aus. Dean und ich spielten ein paar Runden Zaubererschach, welches wir aus einem alten Haus gestohlen hatten, das wir auf eventuelle Plannotizen oder Ähnlichem durchsuchen sollten, während der Todesser weg war. Gefunden hatten wir übrigens nichts. Sabrina und Alec schliefen auf dem magisch vergrößerten Sofa, welches die Breite von mehreren Doppelbetten besaß und Jerry, ein dreizehnjähriger Junge, dessen Eltern aufgrund ihres Blutstatus ins Neue Ministerium gebracht werden sollten, was wir aber verhindert hatten, sah aus dem mit Brettern vernagelten Fenster nahe der Haustür; dafür hatte er sich einen Stuhl gemopst. Er war der erste, der sie sah. Aufgeregt kam er in die Küche gerannt und blieb dort, außer Atem, stehen, nachdem er geschrien hatte: „Sie kommen! Sie kommen!“ Sabrina und Alec fuhren aus ihrem Schlaf hoch; Dean und ich sahen von unserer Partie auf. Aus den Augenwinkel erhaschte ich, wie ein Läufer meinem Bauern Saures gab und ihn vom Brett jagte. „Wer kommt?“, fragte Alec schläfrig. „Sie sind schon an der Haustür!“ „Wer?“, wollte ich jetzt auch wissen. „Weiß nicht, sind kapuziert oder so und haben einen schwarzen Mantel“, sagte Jerry, „aber sie sind unter den Zauber aufgetaucht.“ Alarmiert sahen Dean und ich uns an; Sabrina und Alec taten das gleiche. Wir schnappten uns unsere Zauberstäbe und hasteten vor zur Haustür; die vernagelten Fenster ließen nur wenig Licht herein. „Dean und Alec, ihr späht nach draußen, ob das wirklich Todesser sind“, ordnete ich an, „Sabrina, bring Jerry nach oben!“ Dean und Alec positionierten sich so, dass man sie nicht, sie aber nach draußen sehen konnten. Sabrina schnappte sich Jerry und rannte mit ihm nach oben; ich blieb stehen und richtete meinen Zauberstab auf die Tür. Als Sabrina wieder heruntergerannt kam, tat sie das gleiche. „Die scheinen sich zu unterhalten“, meinte Dean. „Gut, dann werden die keine Zeit haben, ihre Überlegungen zu Ende zu führen“, murmelte ich. „Bereit?“, fragte ich, zu Sabrina gewandt; sie nickte. „Alohomora!“ Das Schloss der Tür klickte leise und ich riss sie auf. Der erste Todesser sah verdutzt zu uns, dann zu unseren Zauberstäben, die wir auf sie gerichtet hatten; sein Kumpan tat das gleiche. Doch viel Zeit, dumm zu schauen, hatten sie nicht, denn nun griffen wir an. Schock- und Lähmzauber pfiffen nun beiden um die Ohren; diese erschufen in einer schnellen Zauberstabbewegung einen unsichtbaren Schild, um sich zu schützen. Dann passierte etwas, dass ich nicht erwartet hätte: Beide ließen ihre Zauberstäbe fallen und hoben die Hände. „Wer seid ihr?“, fragte ich. Sie sahen sich kurz an und schoben dann ihre Kapuzen zurück. Mir blieb der Mund offen stehen. „Corner? Let?“ Die beiden nickten. Wir ließen unsere Zauberstäbe sinken und Let bückte sich, um beide Zauberstäbe aufzuheben und den Schildzauber zu entfernen. „Was macht ihr hier?“, wollte ich wissen. „Und warum jagt ihr uns so Angst ein? Ich dachte, ihr wärt Todesser!“ Sabrina stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und eilte nach oben, um Jerry zu holen. Dean und Alec traten ebenfalls hervor und steckten ihre Waffen weg. „Lasst … lasst uns erstmal alle ins Haus kommen“, sagte Corner; er schien zögernd, ja sogar ängstlich zu sein. Das kannte ich nicht. Der Corner, den ich kannte, war lebensfroh, mutig und vor allem nicht zögerlich. Irgendetwas war geschehen. Ich trat zurück und sie gingen über die Schwelle, während ich die Tür schloss. Wir betraten das Wohnzimmer und sie ließen sich auf zwei Stühlen nieder. „Was ist passiert?“, fragte ich. „Wir waren ein Erkundungstrupp aus drei Leuten“, begann Let zu erzählen. „Wir beide und Penelope. Wir sollten für Carl ein paar Meter Umkreis nach Todesser-Aktivitäten absuchen und …“ Seine Stimme versagte. Corner nahm den Faden auf. „Nun, wie er schon sagte, sollten wir den Umkreis absuchen. Fündig wurden wir zwar, aber es … kam zu einem Kampf, bevor wir flüchten konnten. Sie haben uns überrascht, bevor wir bereit waren.“ „Da war eine Wiese mit Bäumen …“, sagte Let. „… und sie haben sich dahinter versteckt“, beendete Corner seinen Satz. „Sie haben uns aufgelauert. In dem Gerangel hat einer angefangen, Todesflüche loszulassen und … und einer hat … Penelope getroffen.“ Bei den letzten beiden Wörtern erlosch seine Stimme. Betretenes Schweigen machte sich im Raum breit. Sabrina und Jerry kamen herein. „Also, was ist los?“, fragte sie, aber beim Anblick von Corner und Let verstummte sie. Sie sah mich fragend an. „Es geht um Penelope“, erklärte ich leise. „Sie hat … es nicht geschafft.“ Sabrinas Hände fuhren zu ihrem Mund. „Meinst du, sie ist …?“, rief sie mit schriller Stimme; mein Blick war Antwort genug. Sie ließ sich auf das Sofa nieder und vergrub das Gesicht in den Händen. Ihre Schultern bebten, während sie von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Ich wollte gerade anfangen, zu fragen, wie sie entkommen waren, als Corner unvermittelt mit der Faust auf den Tisch schlug, sodass alle zusammenzuckten. „Verdammt!“, rief er so laut, dass es im ganzen Raum widerhallte. „Die haben sich gerächt für die ganzen Überfälle. Ich sage, jetzt rächen wir uns! Suchen wir diese verdammten Misttypen und töten sie, so wie sie Penelope getötet haben! Rache für ihren Tod!“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, tun wir nicht!“, widersprach ich ihm energisch. „Das hier ist kein Rachekrieg oder –kampf. Das hier ist keine Frage der Rache, Corner. Das hier ist ein Krieg um die gesamte englische Zaubererwelt!“ „Das ist doch mir egal!“, schrie er. „Ich will Rache!“ Seine Augen loderten gefährlich. „Corner, ich weiß, dass du und Penelope euch … sehr nahestandet“, redete ich mit beruhigender Stimme auf ihn ein. Corner flossen nun Tränen des Zorns und der Trauer über sein Gesicht und auch Let blinzelte heftig. „Aber wenn du dich zu sehr auf Rache konzentrierst, droht dir der Blick für das große Ganze zu entgleiten. Du kannst nicht mehr klar denken, Corner. Glaub mir, ich weiß, wie das ist.“ Er sah mich mit roten, verquollenen Augen an; noch immer war der Tränenstrom nicht versiegt. „Wenn wir Voldemort …“ (er zuckte zusammen) „… endgültig besiegt haben, bekommst du deine Rache“, versprach ich ihm. „Aber im Krieg sich so sehr auf ein einzelnes Ziel zu versteifen und alle anderen außer Acht zu lassen … das ist nicht gut. Das führt oft sogar dazu, ihn zu verlieren. Also, reiß dich zusammen, Corner. Du schaffst das.“ Langsam schien er sich wieder zu beruhigen; Let hatte sein Gesicht abgewandt und schien mit sich selbst zu ringen. Beide hatten sich noch nicht wieder gefasst. Ich drehte mich zu Sabrina um, die mit roten Augen und nassem Gesicht auf dem Sofa saß und ins Leere blickte. Sie schien ihn nicht gehört zu haben. Let sah Jerry an, der verständnislos zurückblickte, bevor er auf die angefangene Partie Zaubererschach deutete. Sie setzten sich und stellten die Figuren zurück. Dann begannen sie. Ich setzte mich zu Sabrina und sah beiden zu. Auch Dean, dessen dunkles Gesicht ebenfalls glänzte sowie Corner sahen Let und Jerry zu, wie sie auf dem Brett die große Schlacht schlugen, wobei doch jeder hier seine eigene Schlacht zu schlagen hatte.
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