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Das Ende an dem ich anfange

von Karella
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Akasuna no Sasori Deidara Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sasuke Uchiha
12.03.2021
17.05.2021
14
38.573
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12.03.2021 2.201
 
Seufzend spiele ich mit dem kleinen rauen Umschlag in meinen Fingern, lasse ihn hoch und runter wandern und sauge den stechenden Geruch des dicken Papieres ein. Ich will ihn nicht öffnen, ich weiß, was darin steht. Deidara hat es vor ein paar Wochen bereits am Telefon erwähnt. Entschlossen reiße ich mich zusammen und lasse mich auf einem der Stühle nieder. Unelegant schlage ich meine Beine übereinander und lege den Brief behutsam auf den kleinen runden Tisch. Meine Augen wandern über das kitschige rosa Papier und die dick gedruckte verschnörkelte Schrift.

>>Einladung zur Hochzeit<<


Ich lächle, aber ich sterbe fast bei dem Versuch es nicht hinauszuzögern. Verdammt, ich will diesen Brief nicht öffnen. Will die Worte die darin stehen nicht lesen. Immer fester schließen sich meine dünnen Finger um das Papier, bis sie es schließlich zerreißen. Leise fallen die beiden Hälften auf den staubigen Küchenboden. So fest ich kann presse ich meine Lippen aufeinander. Ich will nicht zu dieser Hochzeit!

Will nicht sehen, wie glücklich er ist, glücklich … mit ihr … glücklich mit dem Mädchen, dass nicht ich bin. Doch ich muss. Ich habe es Ino versprochen.

Langsam erhebe ich mich und sammle die beiden Papierfetzen wieder auf. Ich habe das wage Gefühl, dass es mir ein bisschen besser geht, wenn diese schreckliche Einladung endlich im Mülleimer landet. Höhnisch lache ich auf.  Als würde das irgendetwas ändern. Meine Hand verkrampft sich und ich hole tief Luft. Ich kann nicht glauben, dass es schon heute so weit ist. Mein Handy vibriert und ich weiß, dass Sasori sich auf den Weg macht, um mich abzuholen. Er hasst es zu warten, ich muss mich beeilen.

Nach einer schnellen Dusche stehe ich schließlich nur in Unterwäsche bekleidet vor meinem Schrank. Die Kleiderauswahl fällt mir leicht. Ein schlichtes, kurzes hellblaues Kleid mit einer kleinen Schleife um die Taille, dazu passende Absatzschuhe. Ich ignoriere mein Spiegelbild, das mich traurig ansieht, und beginne damit meine brustlangen, rosafarbenen Haare zu einem schrägen Zopf zusammen zu flechten, schließlich will ich schön aussehen. Ein spöttisches Grinsen legt sich auf meine Lippen. Wie lächerlich. Die Person, für die ich schön sein möchte, heiratet schließlich heute.

Seufzend presse ich meine Hände gegen meine Brust. Es gibt Tage, da schaue ich in den Spiegel und möchte einfach nur kotzen und dann gibt es Tage, an denen ich mich richtig hübsch finde. Meine Haare sitzen nicht immer richtig und mein Make-up ist auch manchmal verwischt, trotz allem möchte ich heute schön aussehen. Um ihm zu zeigen, dass er einen Fehler gemacht hat. Schnell trage ich neue Wimperntusche auf und ziehe einen dünnen Kajal Strich um meine hellen grünen Augen.

Wann haben sie nur ihren Glanz verloren?

Ein lautes Hupen ertönt von unten aus dem Hof. Hastig nehme ich meine schwarze Handtasche, stecke mein Handy und die Schlüssel hinein und verlasse meine kleine Dachgeschosswohnung. Sasori wartet schon ungeduldig auf mich. Für seinen Geschmack habe ich natürlich viel zu lange gebraucht. »Weiber«, brummt er nur genervt.

Er sieht aus wie immer. Seine dunkelroten Haare hängen ihm wild ins Gesicht und er trägt eine helle zerrissene Jeanshose und ein rotes T-Shirt ohne Muster. Er hat genauso wenig Lust wie ich auf diese Hochzeit und trotzdem finde ich sein Outfit unangebracht. Egal wie wenig Lust er hat, wir gehen schließlich nicht auf eine Party. Er ignoriert meinen vorwurfsvollen Blick und hält mir die Autotür auf. Ich gebe ihm flüchtig einen Kuss auf die Wange und setzte mich auf den Beifahrersitz seiner alten Schrottkiste. Sasori und ich sind kein Paar, eigentlich sind wir nur befreundet da er in einem Verhältnis mit meinem besten Freund Deidara ist. Während der Fahrt sprechen wir kein einziges Wort, er ist in meiner Gegenwart sowieso nicht besonders gesprächig.

Als wir die Kirche betreten, wirft Deidara mir einen mitfühlenden Blick zu. Er ist schon den ganzen Tag hier. Durch seinen Nebenjob in der Yamanaka-Stadtgärtnerei, wurde er von den Eltern der Braut gebeten, sich um die heutige Dekoration zu kümmern. Die Kirche sieht fantastisch aus. Ich zwinge mich für ihn zu einem Lächeln und winke ihm unauffällig. Seine langen dunkelblonden Haare sind ordentlich nach hinten gegelt. Das dunkelblaue karierte Hemd passt gut zu seiner schwarzen Hose und den dunkel braunen Lederarmbändern, die er um sein rechtes Handgelenk trägt. Sasori nickt ihm kurz zu. Die beiden hängen das mit ihrer Beziehung nicht an die große Glocke.

Nach und nach wird die Kirche immer voller, es scheint als wäre unsere ganze Kleinstadt anwesend um dieses "wundervolle" Ereignis mitzuerleben. Unter den vielen Gästen entdecke ich, einige Leute aus meiner Abschlussklasse, sie werfen mir aufmunternde Blicke zu. Es ist kein Geheimnis, jeder weiß Bescheid. Doch die Worte der anderen reichen nicht, um den Schmerz zu lindern. Mit Deidara und Sasori setze ich mich in die dritte Reihe. Genervt puste ich eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. Die Platzreservierung hätte sie sich sparen können. Auf einmal fängt die Orgel an zu spielen und die riesigen Eingangstüren der Kirche öffnen sich.

Die Braut kommt.

Ino, sieht wunderschön aus! Ihre hüftlange blonde Haarpracht ist in einer Hochsteckfrisur gebändigt, ein durchsichtiger Schleier hängt über ihr Gesicht und sie hält einen kleinen Blumenstrauß in den Händen. Ihr Kleid ist atemberaubend. Worte reichen nicht aus um ihre Schönheit zu beschreiben, auch ihr Lächeln ist engelsgleich. Ihr Vater, der sie durch den langen mit Rosenblättern überstreuten Gang führt, sieht ernst aus. Es ist offensichtlich, dass er mit der Hochzeit nicht einverstanden ist. Welcher Vater wäre auch begeistert davon, die eigene Tochter mit gerade mal 18 Jahren in die Hand eines anderen Mannes zu geben?

Wie von selbst, wandern meine Augen vor zum Traualtar. Nur ein einziges Mal möchte ich ihn noch bewundern, ein letztes Mal, bevor er endgültig ihr gehört. Natürlich sieht auch er unglaublich aus. Seine rabenschwarzen Haare hängen ihm ins Gesicht, sie verdecken fast komplett seine Augen. Offensichtlich hat er sich nicht die Mühe gemacht sie hoch zu gelen. Sein Anzug, ebenfalls schwarz, steht ihm perfekt. Die dunkelrote Rose, die an seinem Jackett befestigt ist, ist das einzige farbige an ihm. Als er seinen Kopf hebt, erkenne ich nichts in seinem Blick, weder Aufregung noch Vorfreude.

Ich habe versucht mir einzureden, dass er eigentlich gar nicht so toll ist. Er ist der Einzige, von dem ich mir wünsche, ich könnte ihn vergessen. Der Einzige, den ich liebe und dem ich nicht verzeihe und auch wenn es Zeiten gibt, in denen ich ihn hasse, kann ich die Zeiten, in denen er mich verletzt und mir die Tränen ins Gesicht getrieben hat, nicht einfach so ausradieren.

Mittlerweile ist Ino am Traualtar angekommen. Sie und Sasuke stehen sich jetzt gegenüber. Mein letztes Stückchen Hoffnung stürzt in die Dunkelheit und ein einziges Mal noch frage ich mich was genau passiert ist und wie zwei so verschiedene Menschen heiraten können. Während dem Ja-Wort hält Deidara meine Hand. Ich betrachte meine Schuhe, als sie sich gegenseitig die Ringe anstecken.

Zum Glück hat jemand anders den Part der Trauzeugin übernommen.

Bei dem Hochzeitskuss schließe ich die Augen, verdränge das Gejubel und den Applaus. Nach gefühlten endlosen Stunden ist die Trauung endlich vorbei. Doch das Schlimmste kommt erst noch. Die Feier danach. Das Restaurant das für diesen Abend gemietet wurde, ist riesig. Muss es auch, immerhin sind mehr als 200 Gäste eingeladen. Ich sitze zwischen Deidara und Sasori am größten Tisch. Genau gegenüber von mir sitzt Ino,  die mich strahlend anlächelt.

Ich ziehe missbillig eine Augenbraue hoch. Hat sie den gar kein schlechtes Gewissen?

Sie ist einmal meine Freundin gewesen, aber ich kann ihr niemals verzeihen. Niemals werde ich ihr verzeihen können das sie den Mann geheiratet hat den ich so sehr Liebe. Das Essen sieht fantastisch aus und obwohl ich heute noch nichts gegessen habe, bekomme ich nichts herunter. Deidara wirft mir antreibende Blicke zu, die mir sagen, ich soll stark bleiben und das die Feier bald vorbei ist. Doch das ist sie natürlich nicht! Sasuke und Ino stammen beide aus gutem Hause, dementsprechend wurden keine Kosten und Mühen gescheut, ihren Hochzeitstag so aufwendig und unvergesslich wie möglich zu gestalten.

Es gibt eine 4-stöckige Torte, wo obendrauf aus Marzipan die Namen der beiden und das heutige Datum eingraviert wurden. Eine Live Band sorgt für Unterhaltung und es gibt eine Karaoke Bar in einer Ecke. Die Hochzeitsgeschenke stapeln sich in einem neben Zimmer. Es ist ein riesiger Berg, man bekommt kaum die Tür auf, so voll ist der Raum. Das Geschenk von Deidara, Sasori und mir liegt auch auf diesem Haufen. Ich weiß nicht was es ist, die beiden haben es ohne mich besorgt. Das meiste sind wohl Babyklamotten, Schnuller, Spielzeug für den Nachwuchs, den sich die Elternteile der beiden Wünschen.

Ich verdränge den Gedanken das Sasuke und Ino irgendwann ein Baby bekommen und stehe auf um kurz nach draußen zu gehen. Hastig zünde ich eine Zigarette an und nehme einen tiefen Zug. Eine schlechte Angewohnheit von mir, die ich damals von Sasuke übernommen habe. Müde lasse ich mich im Gras nieder. Mittlerweile ist es dunkel und mir wird ein bisschen kalt. Doch wieder rein gehen möchte ich nicht.

»Hast du Feuer?«, fragt mich auf einmal eine dunkle Stimme. Ruckartig drehe ich meinen Kopf und schaue in tiefe dunkle Augen. Mein Mund wird trocken. »Sakura, du bist es! », kalt mustert er mich. »Sasuke!« presse ich gedämpft hervor und verkrampfe meine Hände. Er lässt sich neben mir ins Gras fallen und nimmt das Feuerzeug aus meinen Händen. Nachdem er seine Zigarette angezündet hat, atmet er laut aus. Ich traue mich nicht ihn anzusehen, viel zu groß ist die Angst, dass ich mich in seinen Augen verliere.

»Ich hätte nicht gedacht, dass du kommst«, äußert er sich nach einer Weile.
»Ino wäre sonst enttäuscht gewesen «, entgegne ich bloß. Er nickt. Für Minuten herrscht eine unangenehme Stille zwischen uns.  »Du siehst gut aus, vielleicht hätte ich dich doch nicht verlassen sollen«, meint er schließlich spöttisch und streicht sich seinen Pony aus dem Gesicht.

Ich sage nichts. Ich schaffe es nicht zu sprechen. Aber wer braucht schon Worte, sie sind völlig belanglos und der Schmerz über diesen Satz ist viel zu groß. So etwas sollte er nicht sagen, nicht einmal ironisch. Ich habe das Bedürfnis zu heulen, unterdrücke diesen Drang jedoch. Ich habe schließlich auch noch meinen Stolz.

»Es tut mir Leid« höre ich ihn plötzlich sagen.  Er sieht mich nicht an. Ich schaue zum Himmel und wickle eine Haarsträhne, welche sich aus meinem Zopf gelöst hat um meinen Finger. »Eine Entschuldigung reicht nicht.«

Ich vernehme sein seufzen und sehe aus dem Augenwinkel heraus wie er den Kopf auf seinen Händen abstützt. Ich weiß dass er nicht gern über unsere Vergangenheit spricht. Er weiß schließlich wie sehr er mir wehgetan hat. Doch er ist es nicht der leidet. Außerdem will er nur sein schlechtes Gewissen loswerden.  

Langsam hebt er seinen Kopf. »Du musst mich vergessen. Ich kann und will nicht der Grund sein, weshalb du so traurig bist.«

Meine Augen weiten sich ein kleines Stück und plötzlich habe ich das Bedürfnis mich um seinen Hals zu werfen. Es gibt nichts was ich nicht tun würde um ihn wieder an meiner Seite zu haben. Doch es ist zu spät und schlagartig wird mir wieder bewusst wo wir uns befinden. Auf seiner Hochzeit. Ich will sie nicht versauen. Ich will dass er glücklich ist, was auch immer das für ihn bedeutet. »Du solltest wieder zu deiner Braut gehen, sie fragt sich bestimmt schon wo du bist«, presse ich hervor und erhebe mich. Er nickt und folgt mir in den Speisesaal. »Sakura – danke für alles!« Ich nicke leicht, schenke ihm ein aufgesetztes Lächeln und drehe mich um.

Meine Tränen kann ich nun nicht mehr zurück halten. Wie erwartet hält er mich am Handgelenk fest und dreht mich so dass ich ihm in die Augen schauen muss. Diese wundervollen dunklen Augen. Er wirkt gefasst als er mein Tränen verschmiertes Gesicht sieht. Ihm wird klar sein wieso ich weine. Schnell entziehe ich ihm meine Hand und haste in den Speisesaal. Ich weiß, dass ich mich kindisch benehme, doch kann nicht anders. Ich will ihn jetzt nicht mehr sehen. Deidara ist der erste der mich bemerkt. Das Ganze ist mir ziemlich peinlich doch ich kann mich nicht mehr zusammenreisen. Ich möchte den Schmerz den ich schon so lange fühle endlich loslassen, doch ich schaff es nicht. Ich möchte die Momente mit Sasuke nicht verdrängen.

Während Deidara einem Arm um mich legt, verabschiedet sich Sasori von Ino. Diese schaut mich gequält an, doch ich ignoriere ihren Blick und lasse mich von Deidara nach draußen ziehen. Sie braucht mir nicht Leid zu tun. Ich bin die, die ihr Leid zu tun hat! Schließlich hat sie meinen Freund ausgespannt und ihn einfach geheiratet.

Kurz vor dem Auto, sinke ich auf den kalten Boden und presse meine Handflächen über meine Augen.

Was mache ich hier eigentlich? Es ist nicht richtig dass ich so eine Szene veranstalte, nur weil ich mich schlecht fühle. »Sakura steh auf, der Boden ist nass«, befiehlt Deidara und zieht mich wieder auf die Beine.  Behutsam legt er seine Hände um meine Taille und presst mich leicht an sich. »Ich bin im Begriff zu fallen, lass mich bitte nicht los«, flüstere ich und lege meinen Kopf an seine Schulter.

»Niemals.«
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