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Mona Lisas Lächeln

von Zombot
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Gott OC (Own Character) Satan Tod
11.03.2021
02.07.2021
3
11.407
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16.03.2021 4.286
 
So, weiter gehts. Vorab schon mal, ich bin in die Klammer-Hölle gestürzt (fand sie immer besser als Fußnoten. aber vielleicht steh ich da ziemlich allein da) und komm irgendwie nicht mehr raus. Ihr könnt sie aber getrost ignorieren ohne wirklich was zu verpassen, wenn ihr wollt. Und sollten sie zu viel nerven, dann sagt mir bitte bescheid.
Was Gott und Lucifer angeht gestehe ich, dass ich mich bei der Gestaltung ihrer Beziehung zueinander von vielen verschieden Quellen hab inspirieren lassen.  Also bitte nicht wundern. Sollte sich trotzdem jemand von mir beleidigt oder sonst was fühlen, könnt ihr mir das gern sagen. Man kann schließlich über alles reden.
So, ich hoffe, ihr habt trotzdem Spaß an der Sache
Bis dann.
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„Du hättest dich ruhig etwas angemessener kleiden können.“ brach der ehemalige Engel, der wahrhaftige Teufel, nach einigen Sekunden das Schweigen zwischen ihnen. Sein Blick huschte über die Hülle, welche sie beschlossen hatte zu tragen. Er zeigte dabei eine Missbilligung, die auf seinen engelhaften Züge eine tiefe Spur der Hässlichkeit hinterließ. Kurz dem aufmerksamen Beobachter  zeigte, welche Abartigkeit wirklich unter der schönen Fassade lauerte. Doch auch wenn  jeder Anwesende hier sein wahres Wesen gesehen hätte, es könnte ihm nicht gleichgültiger sein. Vor allem gerade jetzt. Sie war gekommen, das reinste und mächtigste Wesen was je existiert hatte und wahrscheinlich je existieren würde…. Und Sie hatte nichts besseres zu tun als die lächerlichste Aufmachung zu wählen, die ihr einfallen konnte.
Durchschnittliche Statur, durchschnittliches Gesicht, von Wind und Wetter gezeichnete Haut, zweckmäßige Kleidung. Weder besonders Schön, noch besonders Hässlich...Kurz einfacher, langweiliger Mittelmaß. Niemand, den man groß auf der Straße beachten würde. Wahrscheinlich der Grund, warum sie diese Gestalt gewählt hatte. Doch das gewaltige Ego des gefallenen Engels ließ nicht zu, dass er sich mit einer solch einfachen Tatsache zufrieden gab. Viel eher gefiel es ihm zu glauben, dass Sie es nur gemacht hatte um ihn ein wenig zu ärgern (was, um bei der Wahrheit zu bleiben,  ebenfalls zutraf. Sie liebte es nun einmal, ihre Kinder zu ärgern. Und er war ihr besonders liebstes Ziel.) Aber so war Sie nun einmal. In vielerlei Hinsicht vollkommen kindisch! Und natürlich war ihre lächerliche Aktion vollkommen Sinnlos. Ein so fragiles Gebilde wie der menschliche Körper  kümmerte ihn schließlich nicht ! Zumal die unzumutbare Langeweile ihrer Erscheinung vollkommen von der tiefen Schönheit ihrer Seele  überstrahlt wurde. Zugegeben, Sie gab sich große Mühe ihr Wesen vor Himmel und Hölle zu  verbergen, fast so als würde Sie nicht wollen, das man sie zusammen sah. Was im Übrigen für ihn ziemlich beleidigend war (was nicht hieß, das er nicht das selbe tat. Ging ja keinem was an, wo und mit wem er sich so herumtrieb!) Aber vor ihm konnte Sie sich nicht verbergen. Er sah durchaus die Vollkommenheit hinter der menschlichen Tristesse.
Und er Begehrte, was er sah. Wie er schon seit Äonen begehrte. Diese reine Unschuld und Allmacht übten einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn aus. (Das nervte ihn gewaltig. Aber es war ja nicht so, das er seit seinem Fall da groß ein Mitspracherecht hatte. Es lag nun mal in der Natur des Teufels, all das haben zu wollen was Sie ausmachte. Da musste er eben durch.)
Trotzdem musste er zugeben, das Ihre Hülle ihn im Augenblick ziemlich nervte. Ihre plumpe Erscheinung zog an einem Ort wie diesem (den sie ganz nebenbei selbst vorgeschlagen hatte. Warum auch immer. Das Ritz war für gewöhnlich eigentlich nicht ihr Stil. Eher seiner. Daher hatte er auch keine Einwände erhoben - die sowieso von ihr ignoriert wurden wären. Diese Frau konnte den Teufel wirklich in den Wahnsinn treiben) geradezu die Blicke dieser reichen, schicken Snobs auf sich. Und er hasste es, wenn Unwürdige Sie ansahen (In seinen Augen waren so gut wie alle Wesen, die nicht Er waren, Unwürdig. Was ganz nebenbei auch dazu beitrug, dass er die ganze Zeit so schlechte Laune hatte) Doch wie immer kümmerte Sie seine Meinung nicht. Oder die Menschen um sie herum. (Was durchaus Sinn ergab...irgendwie. Schließlich war Sie Alles, der Anfang und das Ende. Und alles was dazwischen kam. Die Schöpferin. Sie musste sich niemanden erklären oder irgendwem Rechenschaft ablegen. Und ja, auch das ärgerte ihn.) Statt also etwas vergleichbares wie eine Antwort zu geben (die er ohnehin nicht erwartet hatte. Denn mal ehrlich: Seit wann gab Sie Antworten?) zuckte Sie nur leicht übertrieben mit den Schultern und zwinkerte ihm fröhlich-frech Grinsend zu. Nach einem kurzen Überlegen jedoch ließ Sie sich dann doch dazu herab ihre Finger in einem kurzen Tanz durch die Luft gleiten zu lassen.
- „Mir gefällts.“ -
(Es herrscht noch immer Uneinigkeit darüber, wer die Gebärdenksprache erfunden hat. Die Engel behaupten (aus ersichtlichen Grund) das sie es gewesen wären. Allerdings wirft die Tatsache, dass bis auf Metatron niemand diese auch tatsächlich beherrscht arge Zweifel an diese Aussage auf. Ein paar wenige (wirklich sehr, sehr wenige. Seit einem gewissen nicht näher in der Geschichte erwähnten Zwischenfall geht die Anzahl derjenigen sogar gen Null) behaupten, es wäre der Teufel gewesen (wobei für diese Theorie stark die Tatsache spricht, dass er diese Form der Kommunikation einwandfrei beherrscht.)  Was dieser jedoch vehement abstreitet (Es sollte auch fairer Weise erwähnt werden, dass er so ziemlich jede Form der Kommunikation einwandfrei beherrscht, so dass sein Talent in dieser Form der Sprache nicht weiter als Beweis zählt) Die am meisten verbreitete Theorie jedoch besagt, dass die Menschen selbst und frei von jeglichen übernatürlichen Einflüssen die Gebärdenksprache erfunden hatten. Nun, was auch immer zutrifft, Sie hüllt sich dies bezüglich (wer hätte es gedacht) in Schweigen)
Mit den Augen rollend schnalze er erneut mit der Zunge und gab ein leises zischen von sich. Ja, sie wollte ihn definitiv heute ärgern, das stand nun glasklar fest. Es würde also ein sehr schwerer Tag für ihn werden.
„Schön für dich. Mir nicht.“ brummte er mit seiner patentierten schlechten Laune und einem Blick, der ganze Berge schmelzen konnte (konnte er wirklich. Er hatte es schon probiert) zurück.
Sein Blick glitt noch einmal zu dem jämmerlichen Würstchen, welches sich hinter Ihr in Deckung gebracht hatte. Nicht wissend, wie er mit der Situation umgehen sollte. (Aber wer würde das schon? Selbst Engel und Dämonen hätten so ihre Schwierigkeiten damit umzugehen. Es sei ihm also verziehen.)
„Du kannst gehen!“ entließ er John mit samtiger Stimme und vor Verachtung triefenden Blick und der Mensch (der sichtlich froh darüber war, dort weg zu kommen) nahm so schnell wie möglich seine Beine in die Hand. Stolz und Würde vergessend.
Lucifer sah ihn mit purer Mordlust in den Augen nach. Er wusste, dass der Sterbliche sie beide bereits begann zu vergessen. Sein Verstand war viel zu einfach gestrickt, als das er es aushalten könnte sich mit ihnen länger zu befassen. Wahrscheinlich würde sein Gehirn bei dem Versuch es zu begreifen Schmelzen – was Lucifer durchaus amüsant finden würde. Aber leider neigten (um dieser wirklich unappetitlichen und wahrscheinlich äußerst Schmerzhaften Situation zu entgehen.) die Gehirne der Sterblichen dazu, sie lieber einfach zu vergessen, sobald sie doch mal das Pech hatten ihnen leibhaftig zu begegnen (Und mal ehrlich, wer hätte die Sauerei sauber machen wollen? Von der Logistik die da dahinter hätte stehen müssen mal ganz zu schweigen. Dazu hatte wirklich keiner Lust.) Aber auch wenn John sich in wenigen Sekunden nicht mehr im geringsten an sie erinnern würde, Lucifer würde den Sterblichen mit Sicherheit nicht vergessen. Dieser Sünder hatte es gewagt, Sie an zu sehen. Sie anzusprechen. In ihrer Aufmerksamkeit zu baden. Von ihr berührt zu werden! Es war ihm  unmöglich, diese Made je wieder zu vergessen. John Hamishs Schicksal war besiegelt! Und Lucifer musste nichts weiter tun als zu warten. (Er hatte genug Zeit und Geduld dafür. Und schließlich war das Leben von Sterblichen doch so verdammt Kurz….Und wie man hörte, waren dies unsichere Zeiten. Unfälle passierten, Verbrechen wurden begangen...Es gab so viele Möglichkeiten!) Er würde warten und wenn es dann so weit war eine Ewigkeit Zeit haben, sich für diesen Frevel an ihn zu rächen. Es würde sein persönliches Privileg sein.
Als ob seine Begleitung seine Gedanken erahnt hätte  (was Sie tatsächlich hatte. Selbst er konnte kaum etwas vor ihr verbergen. Aber Sie war schließlich auch das mächtigste Wesen) berührte sie ihn leicht mit den Fingerspitzen am Handrücken. Lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf sich – was wohl in der Situation für alle Beteiligten das Beste war. Mit einem mürrischen Blick sah er wieder hinab zu ihr und konnte gleich darauf ein weiteres Augenrollen nicht verhindern. Mit erhobener Augenbraue und tadelnd-belustigten Blick sah sie ihn erneut grinsend und mit angedeuteten Kopfschütteln an. Es war die Art Ausdruck,  nur eine Mutter haben konnte und der mehr sagte, als alle Worte der Menschheit zusammen.
„Schon gut, schon gut. Ich benehme mich.“ brummte er daher, sich seinem Schicksal ergebend und schluckte seinen Stolz herunter. Wenn sie in diesem Muttermodus war konnte er auch gleich jeden Widerstand fallen lassen. Er hatte eh keine Chance. Warum sich also die Mühe geben. Besser zurück zum Tagespunkt.
Galant  bot er ihr seinen Arm, immerhin hatte er von ihr doch im laufe der Zeit ein klein wenig Anstand gelernt. Als jedoch ihr Grinsen noch eine Spur breiter wurde, dachte er mit überhörbaren Zähneknirschen ernsthaft darüber nach, diese Haltung in naher Zukunft doch noch einmal zu überdenken. Doch für den Moment verbiss er sich jegliche weitere Regung und schaffte es sogar nicht zusammen zu zucken als sie ihre Fingerspitzen sanft auf seinen Unterarm legte.
„Du bist mal wieder zu spät.“ brummte er ihr zu während er mit ihr am Arm den Saal durchquerte. Die Menschen ignorierend, die ihnen tuschelnd hinterher blickten. Sie beide mussten aber auch ein seltsames Bild abgeben. Aber ähnlich wie Sie kümmerte er sich nicht weiter darum. Es waren schließlich nur Menschen! Niedere Würmer, die es nicht wert waren das er sich länger mit ihnen beschäftigte. Dinge, die er nutzte wenn er sie brauchte und weg warf, wenn sie ihren Zweck erfüllt hatten. Viel lieber schenkte er Ihr seine volle Aufmerksamkeit. Beobachtete, wie ihre freie Hand durch die Luft glitt um ihn eine ihrer seltenen Antworten zu geben.
- „Ich bin nicht zu spät! Du bist zu Früh!“ - War ja klar.
„Wie du meinst.“ erwiderte er, den genervten Unterton nicht ganz vertreibend. Und erneut schenkte Sie ihm dafür ihr kleines Grinsen, welches ihn unwillkürlich an einen Lausbuben denken ließ. Und das wollte die oberste Autorität sein? Lächerlich!
An ihrem Tisch  angekommen zog er ihr, Gentleman der er nun mal (manchmal) war, den Stuhl zurück ehe er sich ihr Gegenüber nieder ließ. Das Glas blutroten Weines leicht beiseite schiebend, um jegliche Barriere zwischen ihnen zu beseitigen. Den obligatorischen Strauß verschwenderischer Blumenpracht hatte er bereits entfernen lassen. Nerviger Firlefanz, den kein Mensch brauchte.
Außerdem wäre es eine für jeden ersichtliche Barriere zwischen ihnen gewesen. Und das konnte er einfach nicht ertragen. Jetzt, wo sie endlich ihm gegenüber saß, durfte nichts sein, was seinen Blick auf sie trübte. Ihn vielleicht sogar ablenkte. Schon allein die Luft im Raum zwischen ihnen war zu viel. Ebenso wie der Tisch, der seine Beherrschung bis aufs äußerste reizte. Am liebsten würde er ihn einfach zu Asche verbrennen. Aber damit würde er nur wieder ihren seichten Spott auf sich ziehen. Und damit wohl den letzten Rest an Glaubwürdigkeit ihr gegenüber verlieren. Er war Satan, verdammt noch mal! Er sollte keine solchen albernen Gefühle haben! Schon gar nicht Ihr gegenüber! Dennoch konnte er es nicht verhindern, sich einsam zu fühlen. Er war sich der Kluft zwischen ihnen, die sein Verrat einst geschaffen hatte, gerade mehr als sonst bewusst. War sich mehr als sonst darüber bewusst, was er verloren hatte.
Ihr Finger flogen erneut durch die Luft während sie ihn mit gespielter Strenge bedachte.
- „Schau nicht so mürrisch. Das gibt Falten“ -  
„Na, wenn du sonst keine anderen Sorgen hast.“ erwiderte er nur bemüht bissig und nahm einen kleinen Schluck aus seinem Weinglas.
- „Im Augenblick nicht, mein lieber Junge. Im Augenblick habe ich nur dich.“ - ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen während sie beobachtete, wie er scharf die Luft einzog.
„Du solltest so etwas nicht sagen! Was werden sonst die Leute denken?“ Als ob es ihn interessieren würde. Aber eine Bessere Bemerkung fiel ihm gerade einfach nicht ein. So viel zum Thema. Heute war er ein wirklich miserabler Teufel!
- „Vielleicht das ich großes Glück habe, das du mein Junge bist?“ - schlug Sie mit ehrlich unschuldiger Miene vor. Sie meinte was Sie sagte, das konnte er klar fühlen. Aus Ihrer Perspektive lagen die Dinge nun einmal immer etwas anders.
Was Sie betraf war er noch immer ein Teil von ihr und würde es bis ans Ende aller Dinge bleiben. Er war schließlich Ihr Kind. Nichts konnte das ändern. Sie würde ihn immer Lieben, auch wenn Sie wusste, dass er es nicht fühlen konnte. Auch wenn Sie wusste, dass es für ihn anders war. Sich für ihn nichts änderte.
Er würde sich Ihr nie mehr nahe fühlen. Nie mehr Ihr uneingeschränktes Vertrauen genießen. Das was er jetzt hatte, die kurzen Treffen alle paar Jahrtausende, war das einzige was Sie ihm noch geben konnte. (Ja, so seltsam es auch scheint aber sie trafen sich immer mal. Das war eben so ihr Ding.) Und er wusste, er sollte Dankbar sein. Immerhin durfte er Sie sehen, mit ihr sprechen. Wer von seinen Leuten konnte das sonst noch von sich behaupten? Dennoch….
Er hasste es. Hasste einfach Alles. Die Erde, den Himmel, die Hölle. Jede Sekunde seines kläglichen Daseins.  Die Menschen, die ihre Liebe hatten. Adam Young, der einfach nicht seine verdammte Pflicht getan hatte. Die Engel, die Sie ihm entrissen hatte. Die Dämonen, die nicht hart genug für ihn gekämpft hatten.
Er hasste sich selbst dafür, zugelassen zu haben dass man ihn von Ihr trennte. Und er hasste Sie, weil sie alles stumm lächelnd geschehen hatte lassen. Obwohl Sie doch die Macht dazu hatte, alles zu verhindern. Von der er gehofft hatte, das sie es verhindern würde. Seinen Fall verhindern würde. Doch Sie hatte nur an jenem Tag dagestanden, gehüllt in Schweigen und tiefer Trauer.
Ja, sie hatte um sie getrauert. Es war so deutlich zu sehen gewesen. Er hatte gespürt, das Sie ihnen damals bereits vergeben hatte. Wahrscheinlich schon im Moment des Verrates vergeben hatte. Natürlich hatte Sie das. Es lag schließlich in ihrer Natur. Sie war Güte. Sie war Vergebung. Im Gegensatz zum Himmel. Diese Arroganten Weißflügel kannten so etwas wie Vergebung nicht. Nur gerechten Zorn und Vergeltung. Und sie hatten die Strafe gewählt. Und Sie hatte akzeptiert. Sie hatte es bedauert, ja. Auf ihre ganz eigene Art um ihre verlorenen Kinder getrauert. Aber dennoch hatte Sie akzeptiert. Und war für immer verstummt.
Er Hasste auch das. Hasste die Stille, die nun den Platz ihres Liedes einnahm. Dieses leise, sanfte Lied, das seit dem Anfang von Allem erklang. Wie sehr wünschte er sich, diesem Lied noch ein letztes mal lauschen zu dürfen. Er vermisste ihre Stimme, ihren Gesang. Sogar ihre erstaunlich schlechten Scherze. Hölle auch, wie sehr wünschte er sich Sie noch einmal hören zu können. Es war so verflucht lange her….
Doch er machte sich nichts vor. Er würde Sie nie wieder hören. Niemand würde es. Diese Gabe hatten sowohl Himmel als auch Hölle für immer verloren. Selbst die Menschen durften Sie nicht hören. Sie waren dafür nicht gemacht. Auch nur der kleinste Ton von Ihr genügte, um sie wie Glas zerspringen zu lassen. (Warum auch immer. Er hatte nie dafür genug Interesse aufbringen können um Sie zu fragen. Und wahrscheinlich hätte Sie ihm ohnehin keine Antwort gegeben.)
„Wie auch immer... Es ist schön, dass du es einrichten konntest.“ nahm er das Gespräch wieder auf und ließ seiner Stimme einen sanften, verführerischen Ton mitschwingen. Mit einem sanften Lächeln wandte Sie sich ihm zu, ließ erneut ihre Finger tanzen
- „Ja, mein  Terminkalender ist im Moment recht leer. Ist nicht viel zu tun, jetzt wo der Weltuntergang bis auf weiteres verschoben wurde. Daher passte es mir gerade ganz gut.“ -
Ihr Blick bekam wieder diesen mütterlich tadelnden Ausdruck. Und Lucifer kam nicht umhin sich zu fragen, wie viele Zeitalter sie wohl gebraucht hatte um ihn so zu perfektionieren. Oder war das etwas, was jede Mutter von Natur aus sofort beherrschte? So genau wusste er es nicht. Menschliche Mütter hatten ihn bisher nur sehr wenig interessiert. Sie waren zwar erstaunlich leicht zu verführen und zu missbrauchen, aber er kümmerte sich da nicht darum. Für so etwas hatte er schließlich Personal! Allerdings...wenn er so über die Babytausch-Sache nachdachte… Vielleicht sollte er doch einige Dinge lieber wieder selbst in die Hand nehmen.
„ Armageddon, ja...Reden wir einfach nicht weiter darüber. Einverstanden?“ die ganze Sache war ihm schon ein wenig unangenehm. Immerhin hatte er sich einfach mal so von einer halben Portion und zwei ziemlichen Flachpfeifen ins Bockshorn jagen lassen. Nicht, dass es irgend etwas ändern würde. Der Große Plan würde weiterhin von allen Seiten verfolgt werden und der Showdown früher oder später statt finden. Daran konnten auch diese beiden Hampelmänner nichts ändern. Sie waren nur zwei weitere Rädchen in einer viel komplexeren Maschinerie . Recht nervig, zugegeben, aber Unbedeutend. Sie hatten schlicht nur das das Unvermeidliche etwas mehr hinaus gezögert. Aber das war in Ordnung. Früher oder später würde er sie einfach zusammen mit diesen Affen, die sie scheinbar so sehr mochten, zu Asche verbrennen!
-“Ach komm, mein Lieber. Du musst zugeben, das Ende kam sehr Überraschend. Auch für dich.“ - konnte sie das Thema natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Missbilligend zischte er leise wie eine Schlange, während er ihre nächsten Worte beobachtete. Ihre Hände flogen dabei geradezu im Übermut umher und fast schien es ihm, als ob er aus den überschwänglichen Bewegungen eine leichte Spur von Schadenfreude heraus hören konnte.
- „Auf die Idee, deinen Spross einfach so gegen dich zu verwenden muss man erst mal kommen. Allerdings, ihm die Fähigkeit zu geben die Realität zu verändern… Da hat jemand beim Planen wohl nicht zu ende gedacht!“ - Streute Sie weiter Salz in die Wunde und er konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass Sie gerade auf die beiden Trottel mächtig Stolz war. Und das schmeckte ihm gar nicht!
„Ja, ja. Jetzt komm mir nicht auf diese Tour. Von wegen: Das Böse sabotiert sich selbst und all der Mist!“ gab er bissig zischend zurück. Auf solchen ätherischen Bullshit hatte er gerade mal so gar keinen Bock. Am allerwenigsten von Ihr!
- „Wo denkst du hin, mein Junge?“ - beeilte Sie sich jedoch gleich wieder versöhnlich zu beruhigen.
- „Ich muss gestehen, dein Plan war gut. Der Kleine hätte durchaus mit ein wenig mehr Übung und Führung zu einem Problem werden können. Ich war wirklich sehr beeindruckt... Allerdings habt ihr bei der Ausführung ziemlich gepfuscht.“ - Versöhnlich lächelte Sie ihn leicht an. Aber Er war alles andere als in der Stimmung, es ihr so leicht zu machen. Zumal er die leichte Kritik dahinter durchaus erkannte.
„Das war doch alles nur die Schuld dieser falschen Schlange! Hat es nicht mal geschafft, ein Baby richtig auszuliefern.“ brummte er nur verstimmt und zog dabei eine leichte Schnute.
- „Sei nicht so streng zu ihm, mein Junge. Er hat dir doch sonst gute Dienste erwiesen.“ - tadelte sie ihn auch fast sofort mit milder Strenge im Blick.
- „Er hat euch im Laufe der Menschheitsgeschichte wirklich viele Seelen zugespielt… Inklusive den Sündenfall. Du erinnerst dich? Adam, Eva, Paradies?“ - erneut rollte er nur mit den Augen während die kalte Eifersucht sich wie Fäulnis durch seine Gedärme fraß. Warum zur Hölle musste Sie auch immer wieder solch niederes Getier vor ihm verteidigen? Seine farblosen Augen fixierten Sie kalt.
„Ja, ja. Dein Goldjunge. Ein Verräter in mehrfacher Hinsicht. Und ein Brudermörder… “ begann er auch schon den Gegenschlag, genau wissend, wo er sie am härtesten traf. Und tatsächlich, für eine Winzigkeit huschte ein Schatten über ihr sonst so fröhliches Gemüt.
- „Ich weiß von Ligors Tod. Ich habe seine Schreie gehört.“ -
Ihr Bewegungen zeigten ihm, wie sehr sie der Tod ihres Kindes getroffen hatte. Und doch hatte Sie nichts getan, um es zu verhindern. Wie Sie auch damals nichts getan hatte, um den Fall zu verhindern…
Und doch begann – gegen seinen ausdrücklichen Willen – Lucifer das gesagte unendlich Leid zu tun. Er konnte den ehrlichen Schmerz in ihren Augen sehen.
„Wie auch immer… Der Sündenfall war auf jeden Fall keine Glanzleistung von Crawley. Du warst mit diesem Baum ja nicht wirklich subtil. Und das du deine Wunderkinder auch gleich raus geschmissen hast… das war sogar für dich ziemlich überzogen. Da stellt sich einem doch die Frage, was du da wirklich planst.“ änderte er daher auch gleich seine Taktik. Und ihr Blick verriet ihm, das sie darauf an sprang. Auch wenn Sie ihm natürlich nicht wirklich eine Antwort gab. Aber das war für ihn in Ordnung. Wenn er ehrlich war, interessierte es ihn ohnehin nicht wirklich. Statt also über ihr Schweigen wirklich wütend zu sein senkte er seinen Blick auf ihre Finger, welche über den Rand ihres Wasserglases glitten und diesem einen sanften Ton zu entlockten.
„Und dann noch die Sintflut? Furchtbare Sache. Wir hatten in der Hülle ganz schön zu tun, diese Eskapade von dir wieder aufzuarbeiten. Von Sodom und Gomorrha will ich gar nicht erst anfangen.“ schoss er seine Pfeile weiter zurück und sah mit einem Grinsen zu, wie ihr Blick sich wieder hob und Sie ihren Mund in echter Missbilligung auf riss und nach Luft schnappte. Kein Ton kam Ihr dabei über die Lippen, doch Lucifer war sich sicher: Hätte Sie etwas vergleichbares wie einen tonbildenden Apparat gehabt (aus Sicherheitsgründen hatte fast nie einer ihrer Körper die Funktion, in irgendeiner Weise Töne zu bilden), er hätte ihr die schönsten Laute der Entrüstung entlockt. So jedoch bewegten sich ihre Lippen lautlos und gaben Ihr ein wenig das aussehen eines Fisches während ihre Hände erneut durch die Luft flogen
- „Jetzt wirst du aber Gemein! Diese alten Kamellen wieder auszupacken! Pfui! Schäm dich!“ - eingeschnappt kreuzte Sie die Arme vor der Brust und sah eingeschnappt mit aufgeplusterten Wangen demonstrativ zur Seite. Irgendwie sah sie dabei für ihn wie ein Hamster mit vollen Maultaschen aus. Er konnte Sie nicht ernst nehmen. Sogar Gabriel, dieser Trottel, strahlte in seiner Stumpfsinnigkeit mehr Autorität aus als Sie im Augenblick.
- „Jeder darf doch mal einen schlechten Tag haben….“ - zeigte sie nach einigen Sekunden mit einer Hand an, ohne ihn dabei anzusehen. Allerdings hatte ihre Haltung dabei einiges an Spannung verloren und Sie sah nicht mehr so ganz wie ein troziges, verzogenes Kind aus. Viel mehr wirkte sie auf ihn irgendwie… Ja wie eigentlich? Lucifer fehlte einfach das richtige Wort, um Sie gerade zu beschreiben. Oder, besser gesagt, wirkten alle Worte die ihm gerade einfielen auf Sie bezogen einfach nur falsch.
„Schlechten Tag? So nennst du das?“ schoss er dennoch munter weiter darauf los. Er war nun einmal, wer er war. Und Sie ein wenig Leiden zu lassen tat ihm verdammt gut.
„Wenn das mal nicht die Untertreibung des Jahrtausends ist. Du hast keinen schlechten Tag. Nicht mal eine schlechte Woche. Was du hast ist ein verdammtes schlechtes Millennium! Du bringst mit deinen Aktionen so viel Leid in die Welt das ich mich manchmal ehrlich frage, wozu du eine komplett besetzte Hölle brauchst… Ich meine, die Kreuzzüge? Ehrlich? Darauf wäre nicht mal Ich gekommen!“ Ihr Kopf schnellte wieder zu ihm zurück und für eine Sekunde sah Sie ihn mit offenen Mund an.
- „Moment! Stop! Damit hatte ich wirklich nichts zu tun! Mit keinem einzigen von denen! Das lass ich mir nicht von dir unterstellen!“ - beeilte Sie sich es richtig zu stellen, begann jedoch kurz darauf zu schwanken…
- „Ok, vielleicht haben die Engel ein oder zwei mal etwas über reagiert….Sie sind manchmal eben so Übereifrig.“ - räumte Sie ein, wobei Sie das Gesicht wenig glücklich verzog.
- „Was DU, mein Junge, im übrigen am besten wissen solltest. Und mal ganz ehrlich, deine Leute sind auch nicht immer Muster-Dämonen! Immerhin hat die Menschheit es ihnen zu verdanken, dass das Antibiotika erfunden wurde. Und muss ich dich tatsächlich an die Mondlandung erinnern?“ - zuckersüß Lächelnd sah Sie ihn an während Sie mit den Händen die Worte formte und ihm dabei ein Augenrollen entlockte.
„Ja, ja. Schon gut.… Gutes Personal ist nun einmal schwer zu bekommen.“ winkte er ab und tat sich dabei selbst unendlich leid.
- „Wem sagst du das, mein Junge?“ - stimmte Sie ihm stumm seufzend zu um sich im nächsten Moment Zeitgleich mit ihm  theatralisch auf ihren Stühlen zurück fallen zu lassen. Was die Dramaturgie anging waren sie sich beiden eben doch Ebenbürtig.

Erneut legte sich Schweigen über sie, während jeder seinen eigenen Gedanken nach hing. Unbewusst ging er dazu über, Sie zu beobachten. Mit eifersüchtiger Miene sah er dabei zu, wie Sie erneut die Menschen um ihnen herum ihre Aufmerksamkeit schenkte. Dabei zierte erneut dieses kleine, versonnen Lächeln ihr Gesicht. Dieses eine besondere Lächeln, dass doch eigentlich nur ihm gelten sollte. Es ließ Sie ein ganz kleines bisschen mehr strahlen und ihn seinen Blick auf ihre Lippen haften. Ohne es verhindern zu können, dachte er an die vielen male wo Sie ihm einst dieses Lächeln geschenkt hatte. Er hatte sich dabei immer wie etwas ganz besonderes gefühlt, wie jemand der Ihr tatsächlich wichtig war…
Diese Würmer waren dieses Lächeln gar nicht wert. Was war an ihnen denn schon so besonderes? Im Vergleich zu ihm waren sie Nichts! Warum also lächelte Sie sie an? Verdammt! Mit ihren mickrigen Gehirnen konnten diese Primaten doch nicht einmal im groben erahnen, was es bedeutete von ihr mit diesem Lächeln bedacht zu werden.
Er hasste Menschen! Wirklich und im Besonderen!
Er konnte nichts erkennen, was an ihnen so besonders war. Dumm und voller Sünde waren Sie. Grausam zueinander, selbst wenn man dafür seinen Maßstab nahm.
Und Sie wusste es. Sie kannte all ihre Gedanken und Gefühle, sah all ihr Handeln. Und doch liebte Sie sie. Die Menschen führten Kriege, vernichteten die Erde, brachten Leid und Zerstörung wohin sie auch gingen...Und Sie akzeptierte. Sie vergab...
Und Sie lächelte
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