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Glück auf Umwegen

von Marimo101
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Sabine Petersen Jan "Wollcke" Wollcke Jens Blank Johannes "Johnny" von Storkow OC (Own Character)
11.03.2021
04.05.2021
8
13.937
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04.05.2021 2.234
 
Kapitel 8
Nach gefühlt einer Ewigkeit, kam das Team von dem Einsatz zurück. Jens war der Erste, der zu ihnen kam. „Wie war der Einsatz?“
„Horror, eine Familie ist verunglückt“ erzählte Wollcke und man merkte, dass das Team in schlechter Stimmung war. Es ging ihnen sehr nahe, besonders Sabine, wenn Patienten am Unfallort oder während der Behandlung starben.
„Die Kleine musste mit ansehen, wie ihr Vater starb“ ergänzte Ralph trocken.
„Das ist ja furchtbar. Wie alt ist den die Kleine?“ fragte Jens nach.
„13? 14?“ vermutete Johnny. „Hoffentlich kommt die Mutter durch. Sie hat es auch ziemlich schlimm erwischt.“
„Und? Was macht dein Auge?“ wollte Ralph wissen, um vom Thema abzulenken. Blank sah ihn streng an, da er sich denken konnte, das es ihm eigentlich nicht interessierte.
„Ist auf dem Weg der Besserung. Aber ich werde wohl erst wieder Morgen fliegen können“ brachte der Pilot schwer über die Lippen. Ralph zögerte nicht lange und schaute zu Deffke, der ebenfalls ankam. „Sagen sie für heute die restlichen Termine ab. Und besorgen sie mir eine Fliegerkombi“ sprach er.
Deffke nickte. „Jawohl Herr Oberst. Denken sie jedoch an ihre Versammlung heute Abend. Die können sie nicht ausfallen lassen.“
„Bis dahin, sollten wir schon fertig sein mit dem Dienst“ sprach Ralph und sah anschließend zurück zu Blank. „Mach dir keine Sorge. Ich vertrete dich gerne.“ Blank antwortete gar nicht und tauschte mit Wollcke nur kurze Blicke und stumme Wörter aus, als der Kommodore die Jacke vom Major auf dem Sitz legte. Die beiden waren sich einig, dass dies nicht so weitergehen konnte, aber keiner konnte etwas dagegen tun. Johnny schaute den beiden amüsiert zu und konnte sich denken, worüber die beiden Freunde sich am liebsten lautstark unterhalten würden.
„Anneliese könnte durchaus wieder eine Reinigung vertragen. Ich schlage vor sie machen sich gleich an die Arbeit, Herr Stabsfeldwebel“ meinte Ralph, während er Anneliese begutachtete.
„Jawohl, Herr Oberst“ sprach Wollcke und machte sich an die Arbeit. Ralph liebte es jeden herumzukommandieren, ein Grund wieso er deshalb Kommodore geworden ist. Wollcke schaute ihn mit wütendem Blick an, als er begann eine Fensterscheibe sauber zu machen. Johnny gefiel die Art und Weise vom Kommodoren nicht und half seinem Freund. Ralph ignorierte bewusst die anderen beiden und wendete sich an Jens. Die beiden liefen ein paar Schritte und wieder sprach Ralph ihn auf sein Angebot an.
„Und wie sieht es aus?“
„Ich habe es mir noch nicht genau überlegt. Wieso drängst du auf einmal?“ fragte Blank.
„Ich dränge nicht. Die Maschine würde dann nur schon ohne dich abheben. Es wäre doch wirklich schade, wenn man länger warten müsste“ erklärte der Kommodore mit einem ironischen Unterton.
„Wann fliegt denn die nächste Maschine?“
„In 2 Wochen“ antwortete er ihm kurz und knapp. Blank nickte nur leicht. „ich werde dir meine Antwort noch so schnell wie möglich mitteilen“ sagte er und blickte weg. Ihm war klar, dass Ralph ihn so schnell wie möglich weghaben wollte. Die beiden trafen auf Sabine, die ihnen entgegen kam. Sie war erstaunt, die beiden zusammen zusehen, obwohl sie wusste, wie Jens zu Ralph stand. Ralph versuchte gerade etwas zu sagen, doch der Major war schneller. „Hast du kurz Zeit Sabine?“
„Klar, für dich doch immer“ meinte sie lächelnd und die beiden gingen zu ihrem Arztzimmer. Der Kommodore sah ihnen nach.
Im Arztzimmer untersuchte Sabine nochmal sein Auge. „Und was haben die in der Augen-Ambulanz gesagt?“ fragte sie ihn.
„Kühlen, kühlen, kühlen. Aber sieht doch schon viel besser aus oder?“ fragte er und Sabine musste Lachen. Sein Auge sah überhaupt nicht gut aus. Es war immer noch angeschwollen und nur die Schürfwunden waren teilweise weg.
„Ich schau dir in die Augen kleines“ sagte Blank scherzhaft und zwinkerte mit dem geschwollen Auge, was nur zu Schmerzen führte. Sabines Lachen verstarb und sie wurde ernst. Dummkopf dachte sie. „Dann kühl mal schön. Ich schaue es mir später nochmal an.“ Blank wollte aufstehen, blieb jedoch sitzen. Er schaute nochmal zu ihr. „Ich glaube der Kommodore will dich zurück gewinnen“
„Wie kommst du den darauf?“ fragte Sabine.
„Weil ich Ralph kenne. Der gibt nicht auf. Bei Frauen und Karriere ist der Gnadenlos. Besonders wenn er zurückgewiesen wurde“ meinte der Pilot. „Ohne Grund hätte der dich nicht zum Abendessen eingeladen.“
„Verletzte Eitelkeit? Aber das hatten wir doch schon“ beklagte sich Sabine.
„Ja, aber so eine Frau wie dich, die findet man nicht alle Tage“ sprach er verliebt zu ihr. Sie lächelte verliebt und fühlte sich durch seine Worte geschmeichelt. Die beiden Freunde schauten sich noch eine Weile in die Augen und genossen diesen Anblick. Sein Herz schlug etwas schneller und er überlegte, ob er ihr etwas von seinen Gefühlen zu ihr erzählen sollte. Doch dann dachte er an Ralphs Vorschlag und brach den Blickkontakt mit Sabine ab. Sie wurde wieder etwas ernster und versuchte zu verstehen, woran der Pilot gerade denken würde. Er verließ ihren Raum und Sabine sah ihn hinterher. Sie biss sich leicht auf die Lippe und musste erneut lächeln, als der Pilot ihr einen letzten Blick zuwarf. Blank genoss den Anblick von ihrem Lächeln. Wenn sie lächelte, war seine Welt in Ordnung. Er liebte diese Frau wirklich sehr und würde alles dafür tun, um sie glücklich zusehen. Ralphs Angebot schoss ihm durch den Kopf. Ob dies alles ändern würde und er sie endlich als ‚seine Sabine‘ betiteln könnte? Es würde sie bestimmt traurig machen, wenn er ginge, aber würde sie den Grund kennen, wäre es bestimmt anders.  Als die Tür sich schloss, überlegte Sabine, ob es schlau war mit Ralph essen zu gehen. Jens brachte ein Gefühl in ihr auf, was unbeschreiblich, aber dennoch unklar war. Ein weiterer Einsatz unterbrach ihre Gedanken.  

Nach einer erfolgreichen Rettung kehrte das Team zurück.
„Dienstschluss“ meinte der Kommodore, der gerade ausstieg. Deffke kam ihn entgegen. „Herr Oberst? Sie stehen unter Zeitdruck“ meinte er und tippte auf die Uhr.
„Sofort Deffke“ meinte Ralph. Jens tauchte nur wenige Minuten später auf und stand neben Deffke.
„Meine Jacke“ meinte Blank und sah Ralph an. Dieser Verstand es als erstes nicht, doch nach kurzer Überlegung dämmerte es, was Blank von ihm wollte.
„Ja, klar. Der Tag war äußerst abwechslungsreich. Dich würde ich immer vertreten, sofern es meine Termine zulassen würden“ sprach Ralph, während er die Jacke auszog und ihm die überreichte. Bloß nicht, dachte sich Jens, der seine Jacke an sich nahm und sich überzog. Auch Wollcke dachte sich dies, als er neben Jens stand. Ralph und Deffke verabschiedeten sich und fuhren mit dem Wagen davon.
„Du hättest mal seine Flugkünste sehen müssen. Und wie er Sabine angeschaut und berührt hatte. Boar, der versucht doch wirklich wieder bei ihr zu landen“ beschwerte sich Wollcke bei seinem Freund. „Zum Glück teile ich mir morgen das Cockpit wieder mit dir.“
Jens musste bei dieser Aussage grinsen. „Ich bin auch froh, ab morgen wieder fliegen zu können.“
Am Himmel zogen dunkle Wolken auf. „Sieht wohl so aus, als würde es bald anfangen zu Regnen. Dabei sollte es doch nur gestern stürmisch werden“ sprach Wollcke, als er zum Himmel aufblickte.
„Scheint wohl, dass wir das ungemütliche Wetter heute abbekommen werden“ sprach der Pilot, der sich seinen Kragen der Jacke hochmachte, da der Wind zunahm. „Wo ist eigentlich Sabine?“
„Sie ist noch drüben im BWK und schaut nach der Mutter von dem Mädchen. Es scheint, als gäbe es immer noch nichts Neues über ihren Zustand“ sprach Johnny, der sich im Mittelraum der Maschine, hingesetzt hatte. Nach wenigen Minuten kam Sabine an und sah bedrückt aus. „Immer noch nichts Neues von der Mutter der Kleinen. Ich hoffe, dass sie es überlebt, sonst hat das Mädchen niemanden mehr“ erzählte die Notärztin ihren Freunden mit einer traurigen Stimme.
„Was ist mit den Verwandten?“ fragte Blank.
„Die wohnen außerhalb von Hamburg“ sagte sie kurz und knapp, bevor sie das Thema wechselte. „Was machst du eigentlich noch in Dienstklamotten? Du darfst doch heute nicht mehr fliegen“
Bevor Blank ihr eine Antwort geben konnte, kam ein Militärauto mit Blaulicht angefahren. Alle Blicke richteten sich auf das Fahrzeug. Kettwig stieg aus und war ebenfalls in einer grauen Fliegeruniform gekleidet und hielt ein Helm in der Hand. Er lief zum Team hinüber und schaute in die Runde. „Alles in Ordnung? Können wir?“ fragte er. Sein Blick blieb bei dem Piloten stehen. „Was ist denn mit ihnen passiert?“ und deutete auf das Auge von dem Piloten. Dieses war nicht mehr allzu stark angeschwollen, trotzdem war seine Sicht auf das linke Auge eingeschränkt.
„Das…Das ist halb so wild“ meinte der Pilot verlegen.
„Sie müssen sich keine Sorgen machen, wir haben eine Vertretung für den Major“ kam es von Sabine und man sah die Erleichterung in Kettwigs Gesicht. Die anderen drei tauschten Blicke miteinander aus, da sie wussten, dass es keine Vertretung mehr gab. Die drei haben doch tatsächlich vergessen, Ralph Bescheid zu sagen, dass sie noch einen Einsatz fliegen würden und haben ihn einfach so gehen lassen.
„Ist alles bereit?“ fragte Johnny den Oberstarzt, nach kurzem Schweigen.
„Noch nicht ganz. Der Neurochirurg ist noch nicht da.“
„Ich glaube, der kommt gerade an“ meinte Wollcke, als ein Polizeiauto halt vor dem Rettungszentrum machte. Kettwig lief zu ihm rüber und die beiden begrüßten sich.
„Herr Doktor Birlenbach nehme ich an. Doktor Kettwig mein Name“ sagte er zu einem etwas kleinerem Mann. Er trug einen schicken braunen Anzug und eine Brille.
„Ist ja alles bestens Organisiert. Ich lasse den OP vorbereiten“ meinte Doktor Birlenbach und stieg zurück ins Polizeiauto und fuhr weiter Richtung BWK. Blank telefonierte in dessen Zeit. „Blank? Ja, danke“ sagte er nach einem kurzen Gespräch und widmete sich zu Kettwig. „Herr Oberstarzt? Die Maschine mit ihrem Bruder ist in Anflug.“ Kettwig nickte dies ab. Wollcke löste die Sicherung der Rotorblätter, Johnny und Kettwig setzten sich auf ihre Plätze. Sabine hielt Jens zurück, der gerade in den Hubschrauber steigen wollte. „Du kannst und darfst so nicht fliegen. Die Ärzte haben doch ausdrücklich gesagt, dass du erst ab morgen wieder fliegen darfst. Wo ist Ralph?“
„Ralph ist nicht mehr da“ sprach Jens und schaute dabei Sabine an. Diese runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“
„Der hatte noch einen dringenden Termin“ erklärte Jens kurz und knapp. Kettwig mischte sich nun mit ein. „Was ist denn nun? Können wir endlich los?“ fragte er aufgebracht. So schnell wie möglich wollte er zu seinem Bruder. Sabine schaute zu ihm. „Der Major kann mit seiner Augenverletzung nicht fliegen.“
„Und seine Vertretung?“
„Die ist nicht mehr da. Er hatte ein wichtigen Termin und wusste nichts von unserem ‚Speziellen Einsatz‘“ klärte ihn Johnny auf.  Kettwig konnte es nicht fassen und schüttelte den Kopf. „Das gibt’s doch nicht.“ Enttäuschung lag in seinem Gesicht.
Sabine schaute zurück zu Jens. „So lass ich dich nicht fliegen.“
„Ein neuer Ersatz würde zulange dauern. Bis der hier eintrifft ist….wer weiß was dann mit Kettwigs Bruder ist. Nur, weil dein Kommodore dir gestern einen schönen Abend gemacht hat, heute netterweise für mich Eingesprungen ist  und sich nun verdrückt, weil ihm ein Termin wichtiger ist als das hier, will ich kein Menschenleben auf dem Gewissen haben. Es geht mir gut. Außerdem hast du selber gesehen, dass ich fliegen kann. Egal was die Ärzte heute gesagt haben, egal was du mir jetzt sagst und mir auch egal was du Ralph davon erzählst, Ich werde fliegen. Ob es dir passt oder nicht.“ Mit diesem Satz beendete der Pilot sein Gespräch mit Sabine und stieg ein und startete endlich den Hubschrauber. Sabine kam gar nicht zu Wort und auch sie stieg ein. Jens blickte stur nach vorne und redete nicht mehr als nötig. In ihm war eine gewisse Wut angestiegen. Er hätte ihr am liebsten noch einiges  gesagt, wie zum Beispiel ihre Beziehung mit Ralph. Aber er ja konnte nicht bestimmen mit wem sie zusammen kommt. Es wäre bestimmt peinlich gewesen, wenn er es ihr vor Kettwig gesagt hätte. Ihm tat es selbst leid und beschloss nach dem Flug mit ihr nochmal zu reden und sich für seine Wortwahl zu entschuldigen. Er war eigentlich nicht derjenige, der ankam und sich entschuldigte, aber bei seiner Notärztin machte er Ausnahmen.
„Klasse, dass Sabine dich fliegen lässt“ kam es fröhlich von Wollcke und freute sich sichtlich, dass er seinen besten Freund wieder neben sich hat. Jens grinste ihn an.
„Hab ich nicht“ ertönte es von Sabine die mit einem kalten und ernsten Ton sprach. Ihr Blick blieb streng an dem Hinterkopf von dem Piloten hängen. Wie gerne hätte sie ihn noch einiges dazu gesagt. Bei der nächsten Gelegenheit würde sie ihn darauf ansprechen und ihn auch mal die Meinung vor den anderen gaukeln. Zur Abwechslung blickte sie aus dem kleinen Fenster. Wollcke und auch Johnny bekamen die angespannte Situation zwischen den beiden mit und hielten sich zurück. Kettwig war in seinen Gedanken versunken . Ob es Roland gut geht? Hoffentlich überlebt er es. Es muss alles klappen, dachte er sich. Als Wollcke, Blank anschaute, nachdem er Sabines Worte gehört hatte, zeigte dieser keine Reaktion darauf. Seine Freude verstarb und blickte ebenfalls mit ausdruckslosem Gesicht nach vorn. Der Pilot war ein Dickkopf und dies zeigte sich hier. Es war ein entspannter und sicherer Flug. Auch der Start gefiel dem Team und sie brauchten sich keine Sorgen machen, dass sie jeden Moment abstürzen würden. Doch Sabine machte sich trotzdem Sorgen. Sie fasste es nicht, dass Jens trotz einer Verletzung fliegt. Das erinnert sie an ihren Patienten, der auch ein ehemaliger Pilot war. Besessen vom Fliegen und dann noch nicht mal auf ärztlichen Rat hören. Was für ein Dickkopf, dachte sie sich.
 
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